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„Mujeres Libres“

Die anarchistische Frauenorganisation „Mujeres Libres“ zur Zeit der sozialen Revolution in Spanien 1936-1939

Da es hier nicht um den Spanischen Bürgerkrieg gehen soll, aber um eine Frauengruppe, die sich kurz vor Beginn des Bürgerkriegs gründete, kurz einige Daten und Fakten zu diesem Krieg:

Der Historiker Walther L. Bernecker benennt vier entscheidende Gründe für den Bürgerkrieg, die fundamentale Konflikte darstellen:

  1. die Agrarfrage; schlecht bezahlte TagelöhnerInnen im Vergleich zu Großgrundbesitzern; das Fehlen einer Mittelschicht auf dem Lande im Vergleich zur Stadt , nur Katalonien und das Baskenland hatten eine starke Mittelschicht auf dem Land; der Landbesitz hatte eine große Bedeutung für das Ansehen des Bauern, für seine Rente und das Erbrecht, und der Großgrundbesitzer hatte Verfügungsgewalt über den nationalen Reichtum;
  2. Konflikte zwischen Stadt und Land die aber eher politischen Charakter hatten durch die Sonderrechte von Katalonien und dem Baskenland. Diese beiden Regionen waren die Reichsten , aber ihre Sonderrechte wurden ihnen spätestens im 19.ten Jahrhundert wieder aberkannt. Die Macht hatte nun das Zentrum.
  3. der Einfluss des Militärs, das Heer stand nicht nur für konservative Werte, vielmehr haben sie bei jedem Putsch ihre Hand im Spiel;
  4. letztlich das enge Verhältnis zwischen Staat und Kirche, das dazu führte, dass die ArbeiterInnen in den Funktionsträgern der Parteien und der Regierung insgesamt mit der Macht der Kirche und ihren Werten identifizierten. Der Katholizismus war Staatsideologie.

Bei den Wahlen im April 1931 siegten die pro-republikanischen Parteien. Am 14. April 1931 wurde die Republik ausgerufen. In der republikanischen Verfassung werden zwar den Frauen einige Rechte zugestanden wie z. B. Artikel 36 bedeutete das Wahlrecht für Frauen. Artikel 43 gestand die gleichen Rechte für Frauen in der Ehe wie für die Männer zu. Artikel 25 sichert den Frauen Gleichberechtigung in rechtlichen Fragen zu und im Artikel 40 wird festgelegt, dass alle Spanier ungeachtet ihres Geschlechts für alle Berufe und Posten zugelassen sind. All das war von Anbeginn umstritten, selbst von Frauen. Drei weibliche Parlamentsabgeordnete waren gegen das Wahlrecht von Frauen, weil sie fürchteten diese stimmten sowieso nur wie ihre konservativen Männer vorgaben. Prompt wurden auch die Frauen für den Wahlsieg der Rechten 1933 verantwortlich gemacht. In den fünf Jahren der zweiten Republik gab es ständig kleine Aufstände, die blutig niedergeschlagen wurden. Schon 1933 erheben sich mehrere Dörfer und rufen den libertären Kommunismus aus. Berühmt wurde „CASAS VIEJES“. In diesem Dorf wurde die Polizei besiegt und ein inhaftierter Anarchistenführer aus dem Gefängnis befreit. Allerdings eroberte die Guarda Civil das Dorf zurück und erschoss 11 AnarchistInnen und 13 andere DorfbewohnerInnen. Es kommt zu Massendemonstrationen, die die Gewerkschaft CNT organisiert. Am 16. Februar 1936 gewinnt die Volksfront die Wahlen. Die Volkfront ist ein Bündnis von linken und republikansichen Parteien.

Am 17. Juli 1936 putscht das Militär und bringt die Francisten unter Francisco Franco an die Macht. Danach beginnt der Spanische Bürgerkrieg.

Die Situation der Frau in der Spanischen Gesellschaft war durch die Verbindung von Staat und Kirche gekennzeichnet von den drei K.: Kinder – Küche – Kirche.

Die Unterdrückung durch den Mann reduziert die Frau auf das Haus und durch die Erziehung der Kinder, bevormundet durch die Kirche, war die Frau getrennt von dem politischen gesellschaftlichen Geschehen. Die einzige Möglichkeit für soziale Kontakte bestand beim täglichen Gang in die Kirchen zur Messe (Anderseits waren es aber auch Klöster, die den Frauen Arbeit gaben.).

Wie überall in Europa, so auch in Spanien, untermauerten scheinwissenschaftliche Argumentationen die angebliche Minderwertigkeit der Frauen gegenüber dem Mann. Einziger Unterschied zu den säkularisierten Staaten war die Tatsache, dass in Spanien die Doktrin des Katholizismus vorherrschte. Dort war die Minderwertigkeit vom göttlichen Willen abgeleitet. In den patriarchal strukturierten Gesellschaften dominierte die Geschlechterdifferenz, was bedeutete, dem Mann wurde rationale Sachlichkeit zugeordnet, während der Frau unterstellt wurde rein emotional gesteuert zu sein. Im Laufe des Bürgerkriegs veränderte sich diese Sichtweise aber nur punktuell. Dies zeigte sich am deutlichsten im späteren Verbot für Frauen, sich am bewaffneten Kampf zu beteiligen. Das Verbot wurde allerdings zum Teil auch damit begründet, dass die Frauen im Hinterland gebraucht würden, um die Arbeitsplätze der Männer auszufüllen, die jetzt im Krieg waren. Die Produktion musste aufrechterhalten werden und die Landwirtschaft musste funktionieren.

Lucía Sánchez Saornil – sie hatte von 1895 bis 1970 gelebt –war Telefonistin und hat auch als solche gearbeitet. Mercedes Comaposada Guillén hat von 1900 bis 1994 gelebt und wird in den verschiedenen Büchern als Akademikerin benannt (in welcher Weise auch immer). Ámparo Poch y Gascón hat von 1902 bis 1968 gelebt. Sie war Ärztin.

Diese drei Frauen haben die Gruppe „Mujeres Libres“ gegründet im April 1936, nachdem sie schon Jahre vorher eine Zeitschrift herausgaben. Der Name der Gruppe war auch gleichzeitig der Name ihrer Zeitschrift, die bis 1939 herausgegeben wurde.

Eine andere Frauengruppe hatte sich schon 1934 gegründet: die *Grupo Cultural Femenino * (CNT).

Als Mujeres Libres von der Frauengruppe 1936 erfuhr, nahm im September 1936 Mercedes Comaposada in Barcelona an einem Regionaltreffen der CNT teil. Beim Austausch der Informationen und Programme wurden schnell die Unterschiede deutlich. „Mujeres Libres“, die ihren Sitz in Madrid hatte, wollte nicht nur eigene Mitgliederinnen agitieren und zur Befreiung ihrer Unterdrückung und Ausbeutung befähigen, vielmehr wollten sie unpolitische Frauen für ihre Arbeit begeistern. Während die Frauen der CNT sich hauptsächlich nur um ihre eigenen Frauen bemühen.

Trotz der unterschiedlichen Herangehensweise überwogen die Gemeinsamkeiten, so dass es einen Zusammenschluss der beiden Gruppen unter dem Namen „Mujeres Libres“ gab.

Die Organisation der Gruppe glich denen der anderen anarchistischen Gruppierungen, die sich nach dem Prinzip der Basisdemokratie organisiert hatten. So wurde die ehemalige CNT eine Untergruppe von „Mujeres Libres“ Madrid in Barcelona.

Auf der unteren Ebene gab es lokale Gruppen, die Frauen in die Provinzkomitees entsandten (Originalname „Comité Provincial“). Diese wiederum ernannten und entsandten Frauen in die Regionalkomitees, von dort wurden dann Frauen in die Nationalkomitees geschickt.

Auf dem Kongress im September 1937 in Valencia wird die dezentrale Organisierung in der Satzung festgehalten, so dass die Autonomie der einzelnen Gruppen gesichert war. Es gab somit keine Befehlshierarchie von oben nach unten bei der Gruppe „Mujeres Libres“.

(Der Artikel Nr. 4 aus der Satzung ist in dem Buch von Vera Beanchi “Feministinnen in der Revolution – die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg“ aus dem Unrast Verlag enthalten.)

Die Mitgliederanzahl wird unterschiedlich angegeben, aber nach Aussagen von Mercedes Comaposada waren es im Jahre 1938 bereits 30.000 und am Ende des Bürgerkriegs 60 000.

Die meisten Gruppen gab es im Zentrum von Madrid und in Katalonien – Barcelona, gefolgt von Aragonien, Valencia und Andalusien. Mary Nash, die ein Buch zu Mujeres Libres geschrieben hat, hat im Anhang ihres Buches eine genaue Aufzählung der damaligen Gruppen auggeführt. Wobei sie sogar die außerhalb Spaniens gegründeten Gruppen aufführt.

Am 27. März 1937 erscheint eine Broschüre der Frauenorganisation „Mujeres Libres“ mit dem Titel: „Tierra y Libertad“, in der die Ziele der Gruppe definiert werden.

I. Emanzipation der Frau von ihrer dreifachen Versklavung, der sie im allgemeinen unterworfen war und bleibt: der Sklaverei durch Unwissenheit, der Sklaverei als Frau und der Sklaverei als Produzentin.

II. Aus unserer Organisation eine bewusste und verantwortliche feministische Kraft zu machen, die eine Avantgarde innerhalb der revolutionären Bewegung bildet.

III. Die Unwissenheit bekämpfen, indem wir die Genossinnen kulturell und sozial schulen. Dabei können Mittel eingesetzt werden wie Grundkurse, Konferenzen, Gespräche, kommentierte Lektüre, Filmaufführungen usw.

IV. Einen gegenseitigen Austausch mit den Gewerkschaften, Ateneos und der libertären Jugend einrichten, um zu einer Zusammenarbeit zu gelangen, die unsere revolutionäre Bewegung stärkt. Z. B. eine Gewerkschaft schickt eine Genossin zu der Gruppe, bei der sie eine Grundschulung und soziales Bewusstsein im Umgang mit anderen Genossinnen erhält, die schon länger dabei und erfahrener sind. Einmal so vorbereitet kann diese Genossin in einem Ateneo oder in die libertäre Jugend eintreten und ist dabei in der Lage, eine wirkungsvolle Arbeit leisten.

V. Zu einem echten Zusammentreffen zwischen Genossen und Genossinnen zu gelangen: zusammen leben, zusammen arbeiten und sich nicht ausschließen. Energie für die gemeinsame Aufgabe investieren.

VI. Einen starken Beitrag der Frauen für die konstruktive revolutionäre Aufgabe vorbereiten, indem diese Bewegung Krankenschwestern, Lehrerinnen, Ärztinnen, Künstlerinnen, Kindergärtnerinnen, Chemikerinnen, intelligente Arbeiterinnen zugeführt werden. Das ist wirkungsvoller als nur guter Wille, gepaart mit Unwissenheit.

Diese formulierten Ziele sind noch heute durchaus revolutionär zu nennen, zumal die Gruppe schon Ziele formuliert, die erst in der späten 70iger Jahren unter neuen Namen von Anarcha-Feministinnen propagiert werden. “Tripple Opression“ bedeutet die dreifach Bekämpfung: gegen Rassismus – Sexismus – Kapitalismus.

Die Aktivitäten der Frauengruppe „Mujeres Libres“:

  • Zentren für Frauen errichtet wie Haus der Arbeiterinnen, Mutterschaftshaus …
  • Kampagnen gegen Analphabetentum geleitet und eingeführt.
  • Kurse für Grundbildung und allgemeine Kultur abgehalten.
  • Wöchentliche Konferenzen und Gespräche über allgemeine Probleme ihrer kulturellen und sozialen Welt organisiert.
  • Einen kulturellen Träger produziert: die Zeitung „Mujeres Libres“, die mit insgesamt 13 Nummern in der Zeit von 1936 bis 1939 erschienen ist.
  • Schulen gegründet und gefördert, die der technischen, intellektuellen und sozialen Ausbildung der Frauen dienten. Hier wurden Kurse angeboten wie für bewusste Mutterschaft, für Kleinmechanik, Technik, Landwirtschaft, Geflügelzucht und auch Physikkurse.
  • Sexuelle Aufklärungskampagnen organisiert und selber durchgeführt.
  • Kampagnen zur Arbeitsbeschaffung um Frauen ökonomisch unabhängig werden zu lassen.
  • Kampagnen zur Errichtung von kostenlosen Kinderkrippen in den Fabriken und ArbeiterInnenvierteln angeregt. Es gelang den „Mujeres Libres“ endlich Kinderkrippen und Kinderhorte zu errichten.
  • Volksspeiseräume für die Arbeiter beider Geschlechter gefordert, um die Arbeiterinnen von ihren Aufgaben zu Hause zu entlasten.
  • Gewerkschaftliche Hilfen aller Art organisiert.
  • Landschulen für Flüchtlingskinder gegründet.
  • Kampagnen zur Heranbildung von LehrerInnen durchgeführt, um einer neuen Konzeption der Erziehung und Bildung in Schulen zum Erfolg zu verhelfen. Die neuen Konzepte sollten bedürfnisorientiert, realistischer und nicht manipulativ sein, damit Kinder freier lernen konnten.
  • Neue Konzeption zum Abbau der Prostitution erstellt. Zu ihrem Konzept gehörten „Befreiungszentren der Prostitution“.

Es gab allerdings bei den Mujeres Libres durchaus auch Frauen, die bewaffnet an der Front kämpften. Andere wiederum versorgten als Krankenschwestern die verwundeten Frauen und Männer an festgelegten Orten. Wieder andere waren als mobile Einsatzkommandos unterwegs (Sanitätswesen, Transport und Verkehr.)

Ich habe aus den vielen Beispielen der Aktivitäten von „Mujeres Libres“ einiges herausgesucht, von denen ich denke, dass sie der Gruppe gerecht werden.

Zu Beginn möchte ich die Zeitung gleichen Namens vorstellen.

Die Zeitschrift „Mujeres Libres“ galt den Frauen als Agitationsorgan für ihre Ziele und ihr aktuelles Programm, aber auch zur Verbreitung von Informationen über ihre Aktivitäten und Berichten aus der anarchistischen Bewegung generell.

Über die Veröffentlichung theoretisch intellektueller Artikel sollte nicht nur geschult werden, vielmehr wollten „Mujeres Libres“ Frauen für die anarchistische Bewegung gewinnen.

Wegen des Bürgerkriegs konnte das Ziel, monatlich zu erscheinen, nicht eingehalten werden.

Die ersten Ausgaben der Zeitschrift erschienen noch vor dem Beginn des Bürgerkriegs im Mai, Juni und Juli 1936. Danach wurden die Zeitschriften nicht mehr nach unserer Zeitrechnung nummeriert ( Zeitrechnung nach Christi Geburt), sondern als Zählung galt der Beginn der Revolution.

Auch in dem Fall, wie in vielen anderen, geht Vera Beanchi akribisch vor und benennt die einzelnen Ausgaben zahlenmäßig. Wie sie im Anhang alle Gruppen aufführt, die es je gegeben hat.

Neben ihrer eigenen Zeitschrift veröffentlichten „Mujeres Libres“ ebenfalls Texte, Gedichtsbände und Abhandlungen zu bestimmten Themen nicht nur eigener Mitgliederinnen, auch Emma Goldmann, die in Amerika lebte, kommt zu Wort. Die Veröffentlichungen bezogen sich aber nicht nur auf bekannte Namen aus der Gruppe. Es kamen sehr wohl auch unbekannte Frauen zu Wort, die über ihre Erfahrungen von der Front oder den Arbeitsplätzen berichteten. Auch Berichte aus dem häuslichen Bereich fanden in der Zeitschrift Platz.

Eine weitere Zeitung war in Planung, die den Namen „Kämpferinnen“ erhalten sollte. Das Projekt scheiterte an den fehlenden Geldern.

In Barcelona unterhielt die Gruppe „Mujeres Libres“ einen eigenen Kiosk , an dem nicht nur die eigenen Broschüren, Bücher und Zeitung vertrieb en wurde. Medienprinten aller Art wurden dort verkauft. Eine große Auswahl sozialkritischer Bücher, Sozialtheorien, Literatur – wir würden heute sagen „Belletristik“ sowie Bücher und Essay´s eigener Mitgliederinnen wie z. B. von Mercedes Comaposada und Lucia Sánchez lagen zum Verkauf aus.

Die Artikel in der Zeitschrift waren mitunter lediglich mit dem Vornamen der Frauen gekennzeichnet, aber überwiegend waren die Artikel mit vollem Namen in der Zeitung.

Besonders hervorhebenswert finde ich die Ausgabe „Mujeres Libres“ Nr. 2, in der die Gruppe ihr Geschichtsbild und -verständnis beschreibt, indem sie von den 4 (vier) Revolutionen schreiben:

  • Die erste sei die von Luther (kirchliche Reformation),
  • die zweite die der Menschenrechte (französiche Revolution),
  • die dritte die kommunistische Utopie (die russische Oktoberrevolution),
  • die vierte sei ihre eigene Revolution.

In der gleichen Ausgabe befindet sich eine harte Kritik an der bürgerlichen Demokratie und einer Frauengruppe, die innerhalb bestehender Strukturen die Gleichberechtigung der Frau forderte. Es ginge aber nicht um das Bitten liberaler Gesetzgebung, sondern mit allen Geboten zu brechen, um zur Revolution zu kommen.

Die Ausgabe Nr. 3 war ebenso spannend und interessant. Sie enthielt eine Kritik an der bürgerlichen Sexualmoral (Frauen müssen monogam leben, Männern ist der Seitensprung durchaus erlaubt.). Dahinter steht der Besitzsicherungsanspruch, um ganz sicher zu sein, dass das in der Ehe geborene Kind auch von dem Ehemann stammt. Gesichert sein sollte damit, dass das Erbe das richtige Kind erreicht.

Mujeres Libres verweist in dem Zusammenhang auf den Ausschluss von vielen Frauen aus dem industriellen Produktionsbereich, um in häuslicher Umgebung die Reproduktionsarbeit leisten zu können. Außerfamiliäre Kontakte waren damit unterbunden. Attach:miliciene_front.jpgIm gleichen Artikel propagiert Mujeres Libres die freie Liebe und fordern die Frauen auf, nicht wegen eines Kindes eine Beziehung oder Ehe aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig distanzieren sie sich von der Auffassung anarchistischer Männer, die in freier Liebe lediglich vermehrte Sexualkontakte verstanden und verstehen (Das Gleiche wiederholte sich in der Zeit der 68er Bewegung, in der ein Spruch gut verdeutlicht, was unter freier Liebe verstanden wurde: „Wer zweimal mit der Selben pennt, gehört schon zum Establishment!“).

Sexuelle Freiheit ist lediglich ein Teil der freien Liebe. Es geht bei der freien Liebe um das Erlernen der *guten Liebe*. Im Originaltext heißt es *Buen Amor*.

An einer anderen Stelle des Buches erwähnt Vera Bianchi eine andere Kommunistin mit Namen Soledad Real, die über die patriarchalen Strukturen ihres Mannes berichtet. Zitat Seite 77: „Ein weiteres Mal, als er auf Fronturlaub kam, war für den gleichen Abend eine Parteiversammlung angesetzt, und ich erklärte ihm, ich muß dahin gehen, aber in etwa zwei Stunden bin ich zurück. Er antworte darauf: an erster Stelle komme ich, und in erster Linie hast du dich um mich zu kümmern.“ Als sie doch gehen will, wird sie von ihrem Mann geschlagen.

Für uns heute kaum nachvollziehbar hat Mujeres Libres sich für ein Hygieneprogramm stark gemacht, wie die anarchistische Bewegung insgesamt. Mujeres Libres forderte den Einbau von Badezimmern mit fließendem Wasser und propagierten den Gebrauch von Seife. Im damaligen Spanien keineswegs selbstverständlich, da die TagelöhnerInnen auf dem Land, sowie die wenigen IndustriearbeiterInnen unter katastrophalen Hygienebedingungen lebten. Die Sterblichkeitsrate war sehr hoch.

Ein anderes Anliegen war Mujeres Libres die sinnvolle Freizeitgestaltung. Deshalb propagierten sie in der Zeitschrift sportliche Betätigung als Entspannung, Freude und Erholung.

Wettkämpfe im Sinne von Siegen im Konkurrenzkampf lehnten sie ab.

In der neuen Art Sport zu treiben sahen sie auch ein Mittel zur Stärkung des Selbstbewusstseins.

Um den Bereich Zeitschriften abzuschließen noch eine Bemerkung: In jeder Ausgabe waren Gedichte vorhanden, wobei sicherlich das berühmteste damals neben der Hymne das über den anarchistischen Kämpfer Buenaventura Durutti war.

In dem Abschnitt über Gründe einer Frauenorganisation führt Vera Bianchi aus, dass keineswegs bei allen anarchistischen Frauen der Gedanke der eigenen Organisation auf Zustimmung stieß. Vor allem ältere von Männern anerkannte Anarchistinnen und GewerkschafterInnen waren gegen eine eigenständige Frauenbewegung. Ihr stärkstes Argument war stets, dass das zu Spaltungen von der anarchistischen Bewegung führen würde, und die Frauenfrage sich mit der Abschaffung des Kapitalismus und dem Sieg der Revolution sich erledigen würde. Diese Frauen sahen einen Automatismus von Revolution und Freiheit, dass heißt für sie würde mit dem Sieg der Revolution die Frauenfrage von selbst sich lösen. Auch Anarchisten waren dieser Meinung.

Was allerdings viele anarchistischen Männer in der Praxis darunter verstanden, hat eine der Mitbegründerinnen von Mujeres Libres in der Zeitung „Solidaridad Obera“ veröffentlicht. Sie schreibt über die Arroganz der anarchistischen Männer gegenüber Frauen anhand eigener Erlebnisse. So hat sie Kurse für anarchistische Arbeiter zur Fortbildung gegeben, die sie abbrechen musste, weil die Männer nicht von einer Frau gelehrt werden wollten. Ein anderer Anarchist, als er gefragt wurde, warum seine Frau zu der Konferenz nicht mitgekommen sei, gab einmal zur Antwort: “Meine Genossin hat genug damit zu tun, auf mich und meine Kinder aufzupassen.“. Und eine Rechtsanwältin wollte ein Anarchist doch lieber beim Geschirr spülen sehen statt im Gerichtsaal als Anwältin. Andererseits konnten aber Frauen in anarchistischen Organisationen durch Teilnahme ihr Selbstwertgefühl stärken.

Mit der Gründung der Frauengruppe Mujeres Libres sollte nicht die Geschlechtertrennung zementiert werden, wichtig war ihnen, für einige Zeit einen Freiraum für Frauen zu schaffen, in dem sie sich ungestört von männlicher Arroganz und Dominanz entfalten konnten, um eine eigene starke kritische Persönlichkeit zu entwickeln. Mujeres Libres waren davon überzeugt, dass die Befreiung der Frauen nur sein kann, wenn diese ihre Emanzipation selber in die Hand nehmen.

Zur Unterstützung einer kollektiven Zusammengehörigkeit hat sich die Gruppe eine eigene Fahne gegeben und eine Hymne.

Wie ernst es Mujeres Libres mit der Befreiung der Frauen von Unterdrückung und Ausbeutung war, belegt sich unter anderem nicht nur durch ihre Schulungen zur Weiterbildung in Berufen und Kampf gegen Analphabetentum, sondern auch welcher alltäglichen Themen und Problemen sie sich widmeten. Ein Anliegen von Mujeres Libres war es, den Frauen zu verdeutlichen, dass es nicht zu ihrer ureignen Natur gehört, sich um Schönheit, Schminken, Kochrezepte, Frisurtipps Mode, Klatsch und Tratsch und ähnlichem zu bemühen, wie ihnen in bürgerlichen Zeitschriften suggeriert wird.

Mujeres Libres brach mit dieser Tradition der Klischees und vermittelte ein anderes Frauenbild und einen anderen Begriff von Schönheit. Zitat aus Buch: „Nicht die geschminkte Frau ist schön, sondern die, deren Äußeres zu ihrem Inneren passt. Im Gesicht einer schönen Frau lasse sich der Ausdruck von Güte, Intelligenz und Sensibilität finden – statt Schminke.“

Ähnlich ist ihre Kritik an der Mode, die nur dazu diene, Frauen Zeit zu rauben für wichtigereDinge. Das Streben nach ständig neuer Garderobe kostet zu dem viel Geld, das die Arbeiterinnen für sinnvollere Dinge einsetzen könnten. Außerdem ist die Mode hässlich und wenig nützlich zur Arbeit.

Scharfe Kritik üben Mujeres Libres an anderen Frauengruppen und ihren Publikationen, in denen das alte Frauenbild stabilisiert würde. Die von ihnen kritisierten Klischees tauchen in den Gruppen auf.

Ähnlich scharf ist die Kritik der Mujeres Libres an der moralischen und ethischen Verurteilung der Prostituierten durch die Gesellschaft, was sich in einem 1931 verabschiedeten Gesetz niederschlägt. Prostitution wird verboten, aber bei bekannt werden, kommen nur die Frauen vor Gericht und werden verurteilt. Freier bleiben unbehelligt.

Soziale Hintergründe wie die Armut der Frauen, die sie auf die Straße trieben, blieben unberücksichtigt.

Damit war Prostitution nicht nur ein Thema für die Gruppe, das in ihrer Zeitschrift aufgegriffen wird, vielmehr eröffnen Mujeres Libres Frauenhäuser, in denen Prostituierte geschult werden, um in andere Berufe zu kommen. Außerdem gibt es dort ärztliche Untersuchungen und Prostituierte können dort auch wohnen. Darüber hinaus gibt es auch ökonomische Unterstützung, vor allem aber moralische und ethische Unterstützung. Genau wie heute galten in der damaligen spanischen Gesellschaft – und nicht nur in ihr – Prostituierte als schlechte Menschen . Die Diffamierung ging bis hin zur Beschimpfung als Verbrecherin.

Für Mujeres Libres waren Prostituierte Marginalisierte. Und es waren nicht wenige Frauen aus dem Kreis, die an der Front kämpften. Vielen Anarchisten war das ein Dorn im Auge und sie versuchten nicht selten selbst im Schützengraben sie als Prostituierte statt als Kämpferin zu behandeln.

Anderseits wurden die bewaffnet kämpfenden Frauen – Milicinas – von allen männlichen Kämpfern im Laufe des Bürgerkriegs als Prostituierte bezeichnet und verunglimpft. Auch von Anarchisten. Dabei wurden zu Beginn der Kämpfe mit Plakatpropaganda die Frauen in blauen Overals in heroischen Posen dargestellt, um Frauen für den bewaffneten Kampf anzuwerben. Als das Bild der Miliciana nicht mehr als positives Symbol fungieren konnte, fielen die meisten Frauen in die alte Frauenrolle der Mutterschaft zurück. Diesmal aber nicht als die alles Richtende im individuellen Haus, sondern als die Mutter der Nation.

Als solche war sie in den Lazaretten als Pflegerin willkommen. Somit waren die spanischen Frauen wieder versöhnt mit den Milicianas und eine Identifikation war mit ihnen möglich.

„Quer durch alle Ideologien herrschte und herrscht zum Teil noch immer die Ansicht, Frau und Kampf schließe sich aus.“ Zitiert nach Ingrid Strobl: Frauen im bewaffneten Widerstand.

Das ist sicherlich auch der Hintergrund für den Erlass vom November 1936 durch Caballero, der es Frauen untersagt, mit der Waffe an der Front zu kämpfen.

Diesem Dekret leistet Mujeres Libres keinen Widerstand. Der Teil der Mujeres Libres, die bis dahin als Kämpferinnen an der Front waren, gehen nun als Krankenschwestern in feste und fahrende Lazarette, als Arbeiterin in die Industrie, um den Mann zu ersetzen, und sind wieder auf dem Land tätig.

Wichtig vielleicht noch zu erwähnen, dass die Gruppe Mujeres Libres im Vergleich zu anderen Frauengruppen, wie z. B. den Mujeres Antifascictas niemals Frauen angeworben haben und sie als Mitläuferinnen behandelten. Das ist ein Vorwurf an Frauengruppen aus der kommunistischen Partei, besonders den Stalinistinnen. Ihnen machten Mures Libres den Vorwurf Frauen für parteipolitische Zwecke zu manipulieren und benutzen. Aber auch die anarchistische Bewegung soll Frauen nicht hinreichend informiert haben über das, was sie zu erwarten haben beim Kampf gegen Faschismus.

Der Hauptunterschied zu den anderen Gruppen bestand darin, dass Mujeres Libres den Kampf um ökonomische und gesellschaftliche Befreiung nicht trennte von dem gleichzeitigen Kampf um die Befreiung der Frau.

Der Weitergang der Revolution nicht zu trennen war vom Kampf gegen den Faschismus.

Während Mujeres Libres eine unabhängige Gruppe war, was sie stets in ihrer Zeitung genau so wie auf Veranstaltungen betonen, waren die von kommunistischen Parteien abhängigen Frauengruppen auch gleichzeitig moskautreu. Sowjetische Frauen werden verherrlicht und als Vorbilder dargestellt, obwohl sie zum größten Teil zu den Säuberungen in Russland schwiegen, die zeitgleich stattfanden. Geschwiegen wurde auch zu den Verhaftungen von AnarchistInnen durch die KommunistInnen in Spanien.

Im Oktober 1938 erscheint die letzte Nummer von „Mujeres Libres“ und am 1. April 1939 ist Francos Sieg über die Volksfront besiegelt. Vera Bianchi schreibt, dass sie nichts genaues über das Schicksal der vielen Mitgliederinnen von Mujeres Libres weiß. Sie gibt nur ein Bild und beschreibt die Atmosphäre nach der Eroberung Spaniens durch die Faschisten. Danach sind die Gefängnisse hoffnungslos überbelegt. Es kommt zu Folter, Vergewaltigungen und anderen Brutalitäten. Besonders auch durch weibliches Personal. Dem stand die Solidarität der gefangenen Frauen gegenüber, die sich Essen teilten und gegenseitig auf ihre Gesundheit achteten.

Bekannt ist nur, dass Lucía Sánchez Saornil, eine der Mujeres Gründerinnen, noch vor dem Sieg der Francisten im Januar 1939 ins Exil nach Paris ging. Beim Einmarsch der Deutschen 1940 flieht sie in die Nähe von Toulouse und arbeitet mit Quäkern zusammen. Aus Angst vor Verhaftung und Konzentrationslager geht sie 1942 nach Spanien zurück. Als sie in Madrid eines Tages auf der Strasse erkannt wird, flieht sie nach Valencia zur Familie ihrer Lebensgefährtin.

Auch Mercedes Comaposada floh 1939 mit ihrem Lebensgefährten Baltasar Lobo nach Paris. Aufgrund der Führsprache von Pablo Picasso wurden sie in Paris geduldet. Sie arbeitet als Picassos Sekretärin und später als Managerin von Baltasar Lobo, der sich auf die Herstellung von Skulpturen spezialisiert hatte. Mercedes Comaposada stirbt 1994.

Ab 1964 gibt es eine Exilzeitung mit Namen „Mujeres Libres en Exilio“, die in Süd-Frankreich nahe der Spanischen Grenze hergestellt wird. Suceso Portalis und Sara Guillén hatten sie mit anderen ehemaligen, jetzt im Exil lebenden „Mujeres Libres“ gegründet. Auch neue bis dahin Nichtmitgliederinnen kamen dazu. Ihre Themen glichen denen von früher wie z. B. über „bewusste Mutterschaft“, Kindererziehung – neue Pädagogik, die davon ausging, dass selbstbewusste Menschen von Anbeginn ihres Lebens sich entwickeln – Empfängnisverhütung, historische/politische Literatur, sowie alte und neue Gedichte.

Nach dem Ende der Franco-Diktatur gründete sich „Mujeres Libres“ ab 1976 erneut in einigen spanischen Städten wie Barcelona, Madrid, Sevilla, Valencia und Zaragoza. Ab 1977 erscheint auch wieder ihre Zeitschrift gleichen Namens. Vera Bianchi schreibt, dass sie danach nichts mehr über Mujeres Libres finden kann, und somit nicht weiß, ob die Gruppe noch weiterhin bestand hatte.

andere Frauengruppen

Schon 1933 gründete sich die Frauengruppe „Agrupación Mujeres Antifacistas“ AMA, -anitfaschistische Frauengruppe – unter der Schirmherrschaft der Kommunistischen Partei. Ursprünglich hieß die Gruppe „Mujeres contra la Guerra y el Fascismo“ – Frauen gegen Krieg und Faschismus. Diese Gruppe war die einflussreichste Frauengruppe und war Mitglied der 3. Internationale. Frauen aus der Partei und der AMA schlossen sich zusammen unter dem Namen “Mujeres Antifascistas.“ Eine Zeitung mit dem Namen „Monatszeitschrift des Nationalkomitees der antifaschistischen Frauen“ wurde ab 1937 produziert.

Im September 1936 gründen die marxistische Poum eine eigene Frauenorganisation, „Secretariado Femenino del Poum“, die aber von der Partei kontrolliert wird. Die Befreiung der Frau wird nicht thematisiert und spielt in der praktischen Arbeit keine Rolle, da sie als Nebenwiderspruch behandelt wird. Im Widerspruch dazu steht allerdings, dass in ihren Veröffentlichungen Stellung bezogen wird zur Geburtenkontrolle, Abtreibung und Sexualität. Im Mai 1937 löst sich diese Frauengruppe wieder auf.

Poum = Patido Socialista Obrero de Unificación Marxista = Arbeiterpartei der Marxistsichen Vereinigung, linkskommunistisch orientiert. Entstand im September 1935 aus dem Zusammenschluss des BOC und der Kommunistischen Linken. Wichtigste linksradikale Partei während des Bürgerkriegs; erlitt blutige Verfolgungen von Seiten der Stalinisten und war beteiligt am Maiaufstand von 1937 in Barcelona.

BOC = Bloc Obrer i Camperol – Arbeiter- und Bauernblock, entstand 1930 in Barcelona aus dem Zusammenschluss mehrerer kommunistischer Oppositionsgruppen Kataloniens. Schloss sich im September 1935 mit der dem Trotzkismus nahe stehenden „Kommunistischen Linken“ Andrés Nins zur Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung (POUM) zusammen.

Eine weitere Frauenorganisation war die „Union der Frauen Kataloniens“ (UDC). Diese war ebenfalls der Kommunistischen Partei Spaniens untergeordnet. Die ANDJ „Nationale Allianz der jungen Frauen“ war eine Frauengruppe, die von der Jugendorganisation JSU gegründet war. JSU = Juventudes Sozialistas Unificades = Vereinigte Sozialistische Jugendorganisation.

Alle Abkürzungserklärungen aus der Biographie von Abel Paz: „DURUTTI“, Nautilus Verlag. 1994.

Dieser Beitrag ist während einem Seminar vom 4. bis 6. April 2005 in Potsdam/Berlin gehalten worden.

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