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88, 14, RAHOWA

Zahlen-Codes und Abkürzungen in der rechtsextremen Szene

Von Ralph Kummer

Wer verfassungsfeindlich unterwegs ist, braucht konspirative Codes, um sich zu verständigen. Die Rechtsextremen sind da durchaus erfinderisch, um gerade die verbotenen Aussprüche ihrer Ideologie auf verschlüsseltem Wege zu vermitteln. Ein Überblick.

Neben politisch klar und unmissverständlich zuzuordnenden grafischen Zeichen wie dem Hakenkreuz, der „White Power“-Faust oder T-Shirts mit dem Schriftzug „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“ existiert in der rechtsextremen Szene eine Masse an Zahlen-Codes, Abkürzungen und Symbolen (z.B. diverse Runen). Der Gebrauch von Zahlen und Abkürzungen als Chiffren für bestimmte Begriffe, Namen oder Parolen ist mittlerweile unerlässlich für die szeneinterne Kommunikation. Man findet sie in Briefen und E-Mails (in der Sprache der Rechten: Elektro-Post/E-Brief), auf Kleidungsstücken, Aufnähern, Aufklebern, in Telefonnummern der Versandhandelsfirmen von Neonazi-Devotionalien, auf Fanzine-Cover, in Liedtexten und eingearbeitet in Kennzeichen zumeist verbotener Organisationen.

Zahlencodes

Die Zahlen stehen häufig stellvertretend für die jeweiligen Buchstaben des Alphabetes. Dementsprechend ist die Zahl 18 (der erste und achte Buchstabe im Alphabet = „A“ und „H“) der Code für Adolf Hitler, die „88“ (also: HH) für den Hitler-Gruß „Heil Hitler“. Gerade die Verwendung der Zahl 88 hilft bei der Umgehung der Strafvorschriften im § 86a StGB (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Der NS-Parole „Mit deutschem Gruß“ korrespondiert die „13/47“ (MDG). Als Umschreibung für die international tätige, in Deutschland verbotene rechtsextreme Skinhead-Organisation „Blood & Honour“, welche vom englischen Leadsänger der legendären Band „Skrewdriver“, Ian Stuart Donaldson, aufgebaut wurde, dient die „28“ (BH). Etwas seltener anzutreffen sind die Codes „146“ und „192“. „146“ (ADF) verschlüsselt „Auf den Führer“, „192“ (AIB) „Adolf is back“. Die „3/11“ steht für „KKK“ (drei Mal der 11. Buchstabe), was auf den Ku Klux Klan hindeutet. „4/20“ ist die Abkürzung für den 20. April – der Geburtstag Adolf Hitlers–, wohingegen „198“ (19 = S; SH) „Sieg Heil“ chiffriert. Eine Parole wie „Deutschland den Deutschen“ wird mit der „444“ (DDD) codiert.

Die Zahl 14 nimmt Bezug auf die so genannten „14 words“ des wegen Mordes an einem Juden inhaftierten amerikanischen Rechtsextremisten David Lane – eine in rechten Kreisen ungemein beliebte Grußformel und zugleich Kampfaufruf: „We must secure the existence of our people and a future for white children.“ Dieser aus 14 Wörtern bestehende Satz bedeutet: Wir müssen die Existenz unseres Volkes/unserer Rasse und eine Zukunft für weiße Kinder sichern.

Abkürzugen aus Buchstaben

Außer den mannigfaltigen Abkürzungen für rechtsextreme Gruppierungen, Organisationen oder Parteien (NPD, FAP, HNG, WJ etc.) gibt es eine Fülle weiterer Buchstaben-Codes beziehungsweise Abkürzungen.

„ZOG“ steht für „Zionistic Occupied Government“ (zionistisch besetzte Regierung/zionistische Ersatzregierung). Dahinter versteckt sich die nationalsozialistische Verschwörungstheorie, die auf die „Gelehrten Ältesten von Zion“ zurückgeht. Derzufolge werden alle Regierungen der Welt insgeheim vom Weltjudentum gesteuert. „Die Juden“ halten also angeblich auf politischer, wirtschaftlicher und medialer Ebene die Fäden in der Hand und kontrollieren, respektive manipulieren somit das Weltgeschehen. „RAHOWA“ ist die Abkürzung für „RAcial HOly WAr“ (Rassistischer Heiliger Krieg). Gemeint ist hiermit der „heilige Rassenkrieg“: Eine Revolution sei lediglich durch bewaffneten Kampf zu erreichen, in dem jede nicht-arische Rasse auszumerzen ist. Die Kurzform „wpww“ steht für „white pride world wide“ (weltweit weißer Stolz). „WOTAN“ lautet nicht nur der Name des Hauptgottes der Germanen (u.a. Gott des Krieges und Todes), sondern kann auch „Will Of The Arian Nation“ (Wille der arischen Nation) bedeuten. Die Parole „Nationalisten gegen Kinderschänder“ beinhaltet das Kürzel „NGK“, „FG“ meint „Führers Geburtstag“, „JdF“ „Jahr des Führers“. Nicht nur im rechten Lager ist die Kurzform „A.C.A.B.“ für „All Cops Are Bastards“ (Alle Polizisten sind Bastarde) anzutreffen, womit der Hass auf die Polizei generell oder bestimmte Polizeimaßnahmen ausgedrückt wird.

Im Gegensatz zu den vorgestellten Zahlen-Codes und Abkürzungen sind zum Beispiel unverschlüsselte Parolen und Grußformeln wie „Deutschland erwache“, „Meine Ehre heißt Treue“ oder „Blut und Ehre“ auch für Außenstehende leicht verständlich und als zu einer rechten Gesinnung gehörend identifizierbar. Die breite Auswahl der in der rechtsextremen Szene geläufigen Zahlen- und Buchstaben-Codes soll indessen verdeutlichen, dass man sich eine eigene Sprache, eine „Fachterminologie“ aufgebaut hat. Diese Kommunikations-Codes erfüllen die Funktion, den Zusammenhalt der Gruppe, das „Wir-Gefühl“ zu stärken. Andere Menschen werden sprachlich ausgegrenzt, zugleich vermeidet man durch bestimmte Verschlüsselungen Ärger mit der Staatsgewalt.

Literatur zum Thema:

  • Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Abteilung Verfassungsschutz (Hrsg.): Musik – Mode – Markenzeichen. Rechtsextremismus bei Jugendlichen, Düsseldorf 2004. www.im.nrw.de/sch/162.htm
  • Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Skinheads, Schwerin 2003.

Quelle: http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/

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