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Braune Geschichtslügen

Immer dreister melden sich Neonazis bei linken Veranstaltungen zu Wort. Ihre Methode der Verbreitung von Un- und Halbwahrheiten gilt es zu entlarven Von Kurt Pätzold

Mit nach den Ergebnissen von Landtags- und Kommunalwahlen geschwellter Brust und neuer Dreistigkeit erscheinen Nazis und ihre nahen Verwandten in Versammlungen demokratischer Parteien, Organisationen und Vereine. Sie suchen deren Zusammenkünfte zu nutzen, um ihre Parolen zu verbreiten, jede sachliche Verständigung zu stören und den Abend in einem Tohuwabohu enden zu lassen. Ein paar Worte über die Taktik, die dabei angewendet wird, scheinen nötig.

Erstens: In der Tradition der braunen Faschisten der zwanziger Jahre geben sich diese Nachfolger als Sucher und auch als Besitzer der Wahrheit aus und stellen alle, die anderer Auffassung sind als sie, im minderen Falle als Un- oder Halbwissende, zumeist aber als Lügner hin. Zu diesem Auftreten gehört, daß sie längst feststehende Tatsachen, die niemand außer ihnen mehr in Zweifel zieht, ignorieren und behaupten, die Wahrheit müsse erst noch herausgefunden werden. Um den Eindruck äußerster Gewissenhaftigkeit zu erwecken, wird entweder auf ältere Publikationen verwiesen, in denen über diese oder jene Tatsache irrtümlich falsche Angaben zu finden sind, oder auch auf aktuellere Veröffentlichungen, in denen Ungenauigkeiten oder auch Schludereien aufgespürt werden können. Die gelten dann, verallgemeinert, als Kennzeichen der Mehrheitsauffassung, die sie, die Minderheit, mutig bekämpfen. Wer sich in der in Rede stehenden Sache nicht auskennt, das trifft nicht nur für viele junge Adressaten dieser »Bekenntnisse« zur Wahrheit zu, soll ins Rätseln darüber geraten, wer im Recht ist. Die Praxis wird mit Vorliebe auf Themen angewendet, die sich mit den Massenmorden der deutschen Faschisten, namentlich dem Holocaust, befassen.

Zweitens: Zum Repertoire ihrer Reden (und auch ihrer Schriften) gehört die Berufung auf »Tatsachen«, die im Moment niemand überprüfen kann, und auf Autoritäten mit und ohne Anführungszeichen, die dieses oder jenes herausgefunden, erforscht, erwiesen hätten. Dabei bieten sie nicht nur »Wahrheiten mäßig entstellt« und für ihre Zwecke zurechtgebogen. Ein Beispiel: Die NPD Bayern nahm den 60. Jahrestag des Urteils im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß wiederum zum Anlaß, die ergangenen Entscheide als die eines »Gerichts der Sieger« und unrechtmäßig zu charakterisieren. Um den Prozeß insgesamt als gescheitert hinzustellen, verbreiteten sie zudem die Lüge vom späteren Selbstmord des Chefanklägers der USA, Robert H. Jackson, der als Beweis für das Desaster des Verfahrens vorgeführt wird. In Wahrheit verstarb Jackson, kaum sechzigjährig, überraschend an einer Herzattacke. Doch wer von den Lesern besitzt oder verschafft sich darüber Klarheit?

Drittens: Um ihren Thesen Plausibilität und Glaubwürdigkeit zu geben, das gehört zu den besonders widerwärtigen Praktiken, wird als Kronzeuge für diese oder jene Behauptung ein wirklicher oder vorgeblicher Jude präsentiert, und auch das in der Gewißheit, daß im Augenblick keine Chance besteht, die Seriosität des »Zitats« zu überprüfen. Die Methode ist von den Altfaschisten übernommen. Der in Nürnberg verurteilte und hingerichtete Julius Streicher, der »Antisemit Nummer eins«, wie er sich selbst titulierte, überschrieb seine Lügen über die Juden in dem Hetzblatt Der Stürmer vorzugsweise mit schreienden Titeln wie »Sie (die Juden – K.P.) sagen es selbst«.

Viertens: Die Nazis von heute präsentieren sich unverfroren als die Belesenen und Beschlagenen, während sie ihre Gegner als Leute hinstellen, denen es schlicht an Kenntnissen und Wissen fehle. »Haben Sie die Memoiren von Churchill gelesen?« Aus denen aus dritter oder vierter Quelle der Fragesteller dann nichts anderes kennt als die Kritik, die der einstige britische Premier am Gerichtsverfahren des US-amerikanischen Tribunals gegen den Staatssekretär im Reichsaußenministerium Ernst von Weizsäcker äußerte. Oder: »Kennen Sie dieses Dokument nicht?« wird in inquisitorischem Stil und mit Papieren fuchtelnd, in denen dieses oder jenes stehen mag oder soll, gefragt, ein Hervortreten, das in Schärfe und Unverschämtheit an den Vorsitzenden des Volksgerichtshofes Roland Freisler erinnert und von den überlieferten Aufnahmen aus den Prozeßfarcen nach dem 20. Juli 1944 abgesehen sein könnte.

Fünftens: Mit dem Blick in die Vergangenheit wie mit Bezug auf die Gegenwart präsentieren sich die altbraunen Geschichtsforscher auch als die Verfechter »rechtsstaatlicher Grundsätze«. Wo sie deren Abwesenheit entdeckt haben, treten sie in die Kampfbahn. So wiederum bei einer Demonstra­tion in Nürnberg, vor der sie in einem Rundbrief erklärten, daß sie »keinerlei Werturteile über die Angeklagten oder das Deutsche Reich abgeben«, sondern einzig daran erinnern wollten, daß damals nicht »rechtsstaatliche Grundsätze« praktiziert wurden und die Urteile Death by hanging »eher den Gedanken der Rache als des Rechts nahelegen« würden. Das wächst auch aus jener in die Weimarer Republik zurückweisenden Traditionslinie hervor, als Naziführer in ihren Auftritten sich durch ähnliche Erklärungen gegen Verbote und Auflösung ihrer Versammlungen sicherten. Die Akten der preußischen Polizei berichten davon die Menge, so von einer Redepassage Hermann Görings, der feixend sagte: »Wir erklären, wir lieben die Republik«, und jeder wisse doch, was gemeint sei.

Sechstens: Diese vorgeblichen Wahrheitssucher und -verfechter bevorzugen bei alledem die Pose der Verfolgten. Sie erscheinen als Leute, die den Leidensweg ihrer Vorgänger, anständiger, rechtsuchender Leute, fortzusetzen hätten. Auf dieser Linie wird behauptet, daß die Verteidiger der in Nürnberg Angeklagten vor dem Gericht rechtlos gewesen seien. Wer aber hat je die Stunden um Stunden dauernden Plädoyers der Anwälte zugunsten ihrer Mandanten gelesen? Wer weiß um die Großzügigkeit des Gerichtshofes, der unter den Anwälten sechs zuließ, die selbst Mitglied der NSDAP gewesen sind, und drei, die als Professoren während der Nazizeit an Hochschulen gelehrt hatten? Wer um die Privilegien, die sie genossen, nicht nur, was ihre materielle Versorgung während des Verfahrens anging? Wer, daß einer von ihnen aufgrund seiner Stellung seinen in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Sohn vorzeitig freibekam?

Siebtens: Wird derlei Lügen mit unabweisbaren Fakten begegnet, wechseln sie das Thema, haben sie nichts gesagt. Wie eine heiße Kartoffel wird fallengelassen, was eben noch so hochwichtig erschien. Daß sie sich »geirrt« haben könnten, wird nie eingestanden, wie überhaupt Rede und Gegenrede, Argument und Gegenargument, ja schon das bloße Zuhören nicht zu ihrem Stil gehört. Wohl aber, sich zu beschweren, wird einer von ihnen nach langer Tirade unterbrochen, und empört Redefreiheit zu verlangen, sich selbst als Demokraten aufspielend und auf nichts Geringeres als auf die Freiheiten des Grundgesetzes sich berufend.

Es mag wichtig sein, dieses oder jenes einzelne Argument dieser braunen »Wahrheitsfanatiker« zu widerlegen. Nicht weniger wichtig ist es, ihre Methode der Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten, die eben auch immer halbe Lügen sein können, bloßzustellen. Das hilft nicht nur für den Moment, sondern generell Distanz zu schaffen. Die Bloßstellung der Methode des Dummenfangs gehörte, wie die Zustände sich hierzulande entwickelt haben, in den Unterricht unserer Schulen, vorab auf die Themenliste von Lehrerweiterbildungen. Es müßte das weitläufige Thema nicht auf die (Neo-)Nazis beschränkt bleiben, aber ihnen gehörte doch der Vorzug.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/10-28/065.php

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