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	<title>Die Gruppe MD &#187; Südamerika</title>
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	<description>Linke politische Textsammlung</description>
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		<title>Ist der Zapatismus ein Anarchismus?</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 12:35:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Chiapas]]></category>
		<category><![CDATA[EZLN]]></category>
		<category><![CDATA[Zapatismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Als soziale Bewegung, die jegliche Einbindung in staatliche Strukturen negiert, steht der Zapatismus aber tendenziell auch auf der tragischen Seite anarchistischer Tradition.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-181"></span><strong>Libertäre Aspekte in Chiapas und der Internationalen der Hoffnung</strong></p>
<p><em>REDaktion (Hg.): Chiapas und die Internationale der Hoffnung; Mit einem Fotoessay (s/w). Neuer ISP-Verlag; Köln 1997. 250 Seiten, 29,80 DM.</em></p>
<p>&#8220;Wirklich revolutionär wäre daher nicht so sehr der Kampf um staatlich-politische Machtpositionen, sondern die konkrete Verweigerung, die Beendigung des ganz alltäglichen Mitmachens, das praktisch werdende Bewußtsein, sich nicht mehr alles zumuten zu lassen&#8221; (Joachim Hirsch, S.133).</p>
<p>Irgendeines Aufhängers bedarf es immer, sollen Buchbesprechungen nicht nur den Inhalt zusammenfassend wiedergeben. Und von Anarchie ist in diesem Buch gar nicht die Rede, und gerade deshalb soll es hier darum gehen. Um mich nicht gänzlich der Vereinnahmung schuldig zu machen, der Satz für die Verlagsprospekte &amp; Klappentexte gleich zu Beginn: Diese Buch ist das beste zum Thema, das seit der Aufsatzsammlung der Topitas (1994) erschienen ist; den HerausgeberInnen ist es gelungen, die aktuellen Diskurse um den zapatistischen Aufstand kritisch kreisen und hoffnungsvoll auf den Punkt bringen zu lassen. In sechs Kapiteln werden, ausgehend vom 1.Interkontinentalen Treffen im vergangenen Jahr in Chiapas, Erlebnisberichte von dort und Analysen der Situation in Mexiko, theoretische Überlegungen zur Globalisierungsdebatte und das zapatistische Politikverständnis in Aufsätzen und Interviews auseinandergenommen und in Zusammenhang gebracht. Ich weiß nicht, ob dieses Buch dazu angetan ist, Hoffnung zu verbreiten, etwas Neues signalisiert es aber ganz sicher. Im Bericht vom &#8220;Intergalaktischen&#8221;, wie das Treffen von Chiapas auch genannt wird, steht der Aufruf, den Widerstand gegen den Neoliberalismus horizontal zu organisieren, weil letztlich Leben und Politik nicht voneinander zu trennen seien. Die libertär-feministische Forderung, daß das Private politisch sei, ganz zu Beginn des Buches, stellt so den Zusammenhang zu anarchistischen Theorien &amp; Praxen her, die in vielen der Beiträge Anwendung &amp; Niederschlag finden.</p>
<p>&#8220;Der Staat&#8221;, so John Holloway, &#8220;trennt das Öffentliche vom Privaten und indem er dies tut, legt er uns selbst eine Trennung auf, teilt unsere öffentliche, ernste Hälfte ab von der anderen, der privaten, der nichtigen und irrelevanten. Der Staat fragmentiert, entfremdet uns von uns selbst&#8221; (S.149). Dafür, daß Staat und neoliberale Wirtschaftsstrategien sich nicht widersprechen, wie immer wieder gern behauptet wird, um z.B. den wohlfahrtsichernden Staat gegen die entfesselten Kapitalgewalten aufzubieten, findet Friederike Habermann so grundsätzliche wie klare Worte. Und wenn beide, Staat &amp; Kapital, alle Bereiche unseres Lebens durchdringen, ist es erst recht revolutionär und das Faszinierende am Zapatismus, die rebellische Gemeinschaft den materiellen Werten entgegenzusetzen.</p>
<p>Über das wirklich Revolutionäre ist in der Geschichte der Linken viel gestritten worden. Um so erstaunlicher, daß MarxistInnen im Zapatismus-Fieber plötzlich zu libertären Erkenntnissen kommen. Die Argumentationsfigur ist dabei in etwa die, daß die ökonomischen Verhältnisse der letzten Jahre die Grundlagen der sozialen Organisation aus dem Produktions- in den Reproduktionsbereich verlegt haben. Das heißt, persönliche Bindungen haben dem Arbeitsplatz den Rang abgelaufen, was die innere Konstituierung von Gesellschaft betrifft, und damit sei gleichzeitig die &#8220;Herrschaft aus der Fabrik auf die Straße gezogen&#8221; (Ana Esther Cecena, S.117). Im Kampf gegen die Herrschaft führt das folglich dazu, daß nicht nur Eigentums- und Verteilungsprobleme die Schauplätze der Befreiungsbemühungen sind, sondern vielmehr die Bedingungen des eigenen Lebens: statt Klassenkampf also &#8220;Soziale BürgerInnenschaft&#8221; (Cecena) oder &#8220;Frage der Demokratie&#8221; (Hirsch).</p>
<p>Der Anarchist Gustav Landauer stritt sich geradezu exemplarisch mit MarxistInnen über die Frage der objektiven Bedingungen, die es für AnarchistInnen nie gab, wenn die Motivation zur Revolte oder zum sozialistischen Beginnen zur Debatte stand. Herrschaft findet sich nicht erst in Zeiten der Privatisierung im öffentlichen Raum, sondern tummelt sich seit je in Straßen, Betten, Körpern. Bei der Frage der Macht kommt so auch Holloway zu der anfangs zitierten Folgerung, daß nämlich Würde, Wahrheit, Nicht-Identität &#8220;nicht als transzendente Essenzen, sondern als Verweigerung in der Gegenwart, als Kampf, als Negation des Falsch-Seins der kapitalistischen Gesellschaft&#8221; existieren (S.151). Der Aufstand der Zapatistas kam so unerwartet, weil er die unerträgliche Situation des eigenen Lebens zum Anlaß nahm &#8211; und sie mit der eigenen Geschichte (502 Jahre Kolonialismus) und der eigenen Zukunft (Existenzraub durch NAFTA) in Zusammenhang setzte. Und daß die Zapatistas nicht zuletzt durch ihre Konzeptlosigkeit für die Artikulationsräume (J.Winter, S. 171) gesorgt haben, die zur Zerrüttung des mexikanischen Herrschaftsapparates beitragen konnten, zeigt sich als der richtige Grundsatz zur richtigen Zeit.</p>
<p>Als soziale Bewegung, die jegliche Einbindung in staatliche Strukturen negiert, steht der Zapatismus aber tendenziell auch auf der tragischen Seite anarchistischer Tradition. Mit der Regierungsbeteiligung in Spanien 1936 verloren die anarchistischen FührerInnen nicht nur den Krieg, sondern auch das Vertrauen der breiten Basis und damit die Macht, die sie institutionell abzusichern versucht hatten. Das zapatistische Organisationsprinzip des mandar obedeciendo &#8211; &#8220;gehorchend befehlen&#8221;, &#8220;in unserer Politsprache mit dem Konzept des &#8216;imperativen Mandats&#8217; vergleichbar&#8221;(S.83) &#8211; ist nicht nur angesichts dessen mehr als nur der Schnickschnack zur Erhaltung moralischer Integrität. Die Verbindung von Ethik und Politik, wie sie im Zapatismus anzutreffen ist, hat mit Thoreau und Gandhi jedenfalls mehr gemein als mit mancher lateinamerikanischen Guerilla. &#8220;Letztlich wird eine faktische Demokratisierung Mexikos nur stattfinden können, wenn Menschen die Fähigkeit erobern, ihre Interessen unabhängig von Staat und der herrschenden Klasse zu verteidigen, durch eine Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen, ohne der Gefahr des Klientelismus zu erliegen&#8221; (Christine Weiß, S.79).</p>
<p>Dies ist, wie gesagt, nur die an einer Ecke aufgehängte Lesart eines Buches. Daß darin auch ein netter Fotoessay enthalten ist, die Grenzen des Konzepts Zivilgesellschaft diskutiert werden und zur Vernetzung Adressen und kommentierte Bücher aufgelistet sind, spricht außerdem für dieses Werk. Auch im Streit um den Nationalismus der EZLN gibt es weiterbringende Beiträge: während Nationalismus John Holloway (&#8220;&#8230;so sehr ich mich auch bemühe, mein Hirn mit allem Wohlwollen zu verrenken&#8230;&#8221;) immer noch krank macht (S.183), versucht A.E. Cecena die Nation als den Raum der beherrschten Klasse auszumachen &#8211; im Gegensatz zu Staat und Markt als Räume der Herrschenden &#8211; und für universell zu erklären. Nicht nur die deutsche Realität als Gegenbeispiel läßt dieses Unterfangen schnell als Quatsch erscheinen. Mit Universalisierungen ist es ja eh vorbei, denn auch Zapatismus hat mit Postmoderne zu tun. Anne Huffschmid formuliert wahrhaft visionär über den taz-Tellerrand hinaus: &#8220;Postmoderne Skepsis stünde demnach nicht mehr notwendig im Widerspruch zu utopischem Denken, und die EZLN wäre eine der ersten wirklichen Befreiungsbewegungen, die die Utopie wieder mit der Gegenwart versöhnen&#8221;(S.145).</p>
<p><em><strong>Pregun Tando-Caminamos<br />
(Agentur petzner &amp; pseudonyms)</strong></em></p>
<p>Aus: &#8220;<a href="http://www.graswurzel.net/221/chiapas.shtml" target="_blank">Graswurzelrevolution</a>&#8221; Nr. 221 (September 1997)</p>
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		<title>Der anarchistische Kampf in Südamerika</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 11:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
		<category><![CDATA[CUAC]]></category>
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		<category><![CDATA[Punk]]></category>

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		<description><![CDATA[Die südamerikanische ArbeiterInnenklasse hat eine lange Geschichte der brutalen Repression und des heroischen Widerstands. Die 1970/80er Jahre waren eine Zeit des intensiven Klassenkampfes, in der in fast jedem Land brutale Militärregimes an die Macht kamen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-179"></span>Die südamerikanische ArbeiterInnenklasse hat eine lange Geschichte der brutalen Repression und des heroischen Widerstands. Die 1970/80er Jahre waren eine Zeit des intensiven Klassenkampfes, in der in fast jedem Land brutale Militärregimes an die Macht kamen. Ihr Zweck war es, die Bedrohung einer Revolution durch die massenorientierten marxistischen Parteien und zahlreicher Guerillabewegungen abzuwehren. Die enthusiastische Unterstützung der Regierung der USA, die Waffen, Ausbildung, Geheimdienste und Finanzhilfen bereitstellte, war entscheidend dafür, dass diese Regimes die Macht übernehmen und gegen den Willen der Bevölkerung halten konnten.</p>
<p>In den 80er Jahren wurden diese Militärregimes nacheinander abgelöst durch eine Kombination von Massenprotesten und katastrophalen ökonomischen Situationen. Dadurch konnte der Anarchismus, der in Südamerika seit Beginn des 20. Jahrhundert eine starke Kraft war, als lebendige Bewegung wiedererstehen. Im Jahr 1986 wurde die FAU? in Uruguay wiedergegründet, nachdem sie durch die Militärcoups von 1971 in Uruguay und 1978 in Argentinien zerstört worden war.</p>
<p>Auch anderswo entstanden anarchistische Gruppen, waren aber meist Affinitätsgruppen, Zusammenschlüsse von FreundInnen, hauptsächlich innerhalb der Punkbewegung. Versuche, grössere Gruppen zu bilden, scheiterten meist rasch. In den letzten 5 Jahren haben viele AnarchistInnen jedoch damit begonnen, richtige Organisationen zu bilden. AktivistInnen aus marxistischen Gruppen, die die gescheiterte Politik der Gürilla in Frage stellen, sind ebenfalls ein wichtiger Teil dieser neün Bewegungen.</p>
<p>Im Jahr 1996 wurde die argentinische OSL gegründet, 1999 die chilenische CUAC. Im südlichen Brasilien wurde kürzlich die FAG gegründet und in Bolivien haben einige lokale Kollektive den Prozess des Aufeinanderzugehens begonnen. Diese neuen anarchistischen Gruppen teilen als gemeinsames Konzept die Notwendigkeit von Organisationen, die in der Lage sind, auf der Basis einer kollektiv akzeptierten Theorie kohärent und diszipliniert zu arbeiten.</p>
<p>Viele der Aktivitäten dieser neu gegründeten anarchistischen Gruppen bestanden in der Konfrontation der Hinterlassenschaft der Militärregimes. Es wurden Amnestiegesetze erlassen, die im wesentlichen die unter der Militärherrschaft begangenen Verbrechen durch Begnadigung abhakten. Grosse Teile von Polizei und Militär blieben unverändert und ihre Kultur der Brutalität und Immunität vor Strafe ebenso. In Argentinien waren AnarchistInnen aktiv in der Bewegung gegen Polizeibrutalität und haben die Wache der Mütter der unter dem Militärregime Verschwundenen unterstützt. Chilenische AnarchistInnen waren an der Volksbewegung zur Bestrafung von Pinochet beteiligt. Bolivianische AnarchistInnen haben trotz Repressionen gegen die Regierung Banzer gekämpft, der 1997 zum Präsidenten gewählt wurde, nachdem er von 1971-1978 eine brutale Diktatur ausübte.</p>
<p>Ein weiteres Erbe der Militärregimes ist die ökonomische Lage. Militär und die zahmen Zivilregierungen, die ihnen folgten, haben wortlos den Diktaten der US-zentrierten internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank gehorcht. Sie haben auf dem Kontinent einen neo-liberalen Hurrican entfesselt. Millionen von ArbeiterInnen wurden entlassen, Grundlegendes wie Obdach, Gesundheit, Ausbildung wird ihnen vorenthalten, sie werden an den Rand der Armut gedrängt.</p>
<p>AnarchistInnen waren in der vordersten Front des Widerstands gegen diese brutalen Angriffe. In Uruguay hat die FAU an Massenbesetzungen von Land durch Landlose teilgenommen, an übernahmen von Fabriken, um Schliessungen zu verhindern sowie an weiteren direkten Aktionen. Die argentinische OSL war in den ärmsten Gebieten von Bünos Aires aktiv bei den am meisten marginalisierten und verzweifelten ArbeiterInnen, sie haben dort alphabetisiert, und die Taktik der direkten Aktion und Selbstorganisation gelehrt. AnarchistInnen waren auch aktiv in den Gewerkschaften, aber aufgrund der Massenschliessungen ist die Gewerkschaftsbewegung sehr geschwächt. Trotzdem ist es der CUAC in Chile gelungen, einen starken und wachsenden anarchistischen Einfluss bei mehreren Gewerkschaften zu schaffen. Andere Gebiete anarchistischer Aktivität sind die Kämpfe für die Rechte der indigenen Völker.</p>
<p>In Chile spielten AnarchistInnen eine wichtige Rolle bei der militanten Kampagne des Volks der Mapuche um ihre Rechte und in Bolivien unterstützten die AnarchistInnen den Aufstand indigener Völker und Bauern, der im April 2000 den Staat erschütterte. AnarchistInnen sind wieder auf dem Vormarsch, ihre Stimmen werden in den sozialen Massenbewegungen anch vielen Jahren des Schweigens wieder gehört und ihre Botschaft der Selbstorganisation gegen den Kapitalismus trifft bei eine wachsenden Zahl von ArbeiterInnen auf offene Ohren.</p>
<p><em>Orginaltext: <a href="http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a06.html " target="_blank">http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a06.html </a></em></p>
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