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	<title>Die Gruppe MD &#187; A-Organisationen</title>
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		<title>„Mujeres Libres“</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 17:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie überall in Europa, so auch in Spanien, untermauerten scheinwissenschaftliche Argumentationen die angebliche Minderwertigkeit der Frauen gegenüber dem Mann. Einziger Unterschied zu den säkularisierten Staaten war die Tatsache, dass in Spanien die Doktrin des Katholizismus vorherrschte. Dort war die Minderwertigkeit vom göttlichen Willen abgeleitet. In den patriarchal strukturierten Gesellschaften dominierte die Geschlechterdifferenz, was bedeutete, dem Mann wurde rationale Sachlichkeit zugeordnet, während der Frau unterstellt wurde rein emotional gesteuert zu sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-269"></span><strong>Die anarchistische Frauenorganisation „Mujeres Libres“ zur Zeit der sozialen Revolution in Spanien 1936-1939</strong></p>
<p>Da es hier nicht um den Spanischen Bürgerkrieg gehen soll, aber um eine Frauengruppe, die sich kurz vor Beginn des Bürgerkriegs gründete, kurz einige Daten und Fakten zu diesem Krieg:</p>
<p>Der Historiker Walther L. Bernecker benennt vier entscheidende Gründe für den Bürgerkrieg, die fundamentale Konflikte darstellen:</p>
<ol>
<li> die Agrarfrage; schlecht bezahlte TagelöhnerInnen im Vergleich zu Großgrundbesitzern; das Fehlen einer Mittelschicht auf dem Lande im Vergleich zur Stadt , nur Katalonien und das Baskenland hatten eine starke Mittelschicht auf dem Land; der Landbesitz hatte eine große Bedeutung für das Ansehen des Bauern, für seine Rente und das Erbrecht, und der Großgrundbesitzer hatte Verfügungsgewalt über den nationalen Reichtum;</li>
<li>Konflikte zwischen Stadt und Land die aber eher politischen Charakter hatten durch die Sonderrechte von Katalonien und dem Baskenland. Diese beiden Regionen waren die Reichsten , aber ihre Sonderrechte wurden ihnen spätestens im 19.ten Jahrhundert wieder aberkannt. Die Macht hatte nun das Zentrum.</li>
<li>der Einfluss des Militärs, das Heer stand nicht nur für konservative Werte, vielmehr haben sie bei jedem Putsch ihre Hand im Spiel;</li>
<li>letztlich das enge Verhältnis zwischen Staat und Kirche, das dazu führte, dass die ArbeiterInnen in den Funktionsträgern der Parteien und der Regierung insgesamt mit der Macht der Kirche und ihren Werten identifizierten. Der Katholizismus war Staatsideologie.</li>
</ol>
<p>Bei den Wahlen im April 1931 siegten die pro-republikanischen Parteien. Am 14. April 1931 wurde die Republik ausgerufen. In der republikanischen Verfassung werden zwar den Frauen einige Rechte zugestanden wie z. B. Artikel 36 bedeutete das Wahlrecht für Frauen. Artikel 43 gestand die gleichen Rechte für Frauen in der Ehe wie für die Männer zu. Artikel 25 sichert den Frauen Gleichberechtigung in rechtlichen Fragen zu und im Artikel 40 wird festgelegt, dass alle Spanier ungeachtet ihres Geschlechts für alle Berufe und Posten zugelassen sind. All das war von Anbeginn umstritten, selbst von Frauen. Drei weibliche Parlamentsabgeordnete waren gegen das Wahlrecht von Frauen, weil sie fürchteten diese stimmten sowieso nur wie ihre konservativen Männer vorgaben. Prompt wurden auch die Frauen für den Wahlsieg der Rechten 1933 verantwortlich gemacht. In den fünf Jahren der zweiten Republik gab es ständig kleine Aufstände, die blutig niedergeschlagen wurden. Schon 1933 erheben sich mehrere Dörfer und rufen den libertären Kommunismus aus. Berühmt wurde „CASAS VIEJES“. In diesem Dorf wurde die Polizei besiegt und ein inhaftierter Anarchistenführer aus dem Gefängnis befreit. Allerdings eroberte die Guarda Civil das Dorf zurück und erschoss 11 AnarchistInnen und 13 andere DorfbewohnerInnen. Es kommt zu Massendemonstrationen, die die Gewerkschaft CNT organisiert. Am 16. Februar 1936 gewinnt die Volksfront die Wahlen. Die Volkfront ist ein Bündnis von linken und republikansichen Parteien.</p>
<p>Am 17. Juli 1936 putscht das Militär und bringt die Francisten unter Francisco Franco an die Macht. Danach beginnt der Spanische Bürgerkrieg.</p>
<p>Die Situation der Frau in der Spanischen Gesellschaft war durch die Verbindung von Staat und Kirche gekennzeichnet von den drei K.: Kinder – Küche – Kirche.</p>
<p>Die Unterdrückung durch den Mann reduziert die Frau auf das Haus und durch die Erziehung der Kinder, bevormundet durch die Kirche, war die Frau getrennt von dem politischen gesellschaftlichen Geschehen. Die einzige Möglichkeit für soziale Kontakte bestand beim täglichen Gang in die Kirchen zur Messe (Anderseits waren es aber auch Klöster, die den Frauen Arbeit gaben.).</p>
<p>Wie überall in Europa, so auch in Spanien, untermauerten scheinwissenschaftliche Argumentationen die angebliche Minderwertigkeit der Frauen gegenüber dem Mann. Einziger Unterschied zu den säkularisierten Staaten war die Tatsache, dass in Spanien die Doktrin des Katholizismus vorherrschte. Dort war die Minderwertigkeit vom göttlichen Willen abgeleitet. In den patriarchal strukturierten Gesellschaften dominierte die Geschlechterdifferenz, was bedeutete, dem Mann wurde rationale Sachlichkeit zugeordnet, während der Frau unterstellt wurde rein emotional gesteuert zu sein. Im Laufe des Bürgerkriegs veränderte sich diese Sichtweise aber nur punktuell. Dies zeigte sich am deutlichsten im späteren Verbot für Frauen, sich am bewaffneten Kampf zu beteiligen. Das Verbot wurde allerdings zum Teil auch damit begründet, dass die Frauen im Hinterland gebraucht würden, um die Arbeitsplätze der Männer auszufüllen, die jetzt im Krieg waren. Die Produktion musste aufrechterhalten werden und die Landwirtschaft musste funktionieren.</p>
<p>Lucía Sánchez Saornil – sie hatte von 1895 bis 1970 gelebt –war Telefonistin und hat auch als solche gearbeitet. Mercedes Comaposada Guillén hat von 1900 bis 1994 gelebt und wird in den verschiedenen Büchern als Akademikerin benannt (in welcher Weise auch immer). Ámparo Poch y Gascón hat von 1902 bis 1968 gelebt. Sie war Ärztin.</p>
<p>Diese drei Frauen haben die Gruppe „Mujeres Libres“ gegründet im April 1936, nachdem sie schon Jahre vorher eine Zeitschrift herausgaben. Der Name der Gruppe war auch gleichzeitig der Name ihrer Zeitschrift, die bis 1939 herausgegeben wurde.</p>
<p>Eine andere Frauengruppe hatte sich schon 1934 gegründet: die *Grupo Cultural Femenino * (CNT).</p>
<p>Als Mujeres Libres von der Frauengruppe 1936 erfuhr, nahm im September 1936 Mercedes Comaposada in Barcelona an einem Regionaltreffen der CNT teil. Beim Austausch der Informationen und Programme wurden schnell die Unterschiede deutlich. „Mujeres Libres“, die ihren Sitz in Madrid hatte, wollte nicht nur eigene Mitgliederinnen agitieren und zur Befreiung ihrer Unterdrückung und Ausbeutung befähigen, vielmehr wollten sie unpolitische Frauen für ihre Arbeit begeistern. Während die Frauen der CNT sich hauptsächlich nur um ihre eigenen Frauen bemühen.</p>
<p>Trotz der unterschiedlichen Herangehensweise überwogen die Gemeinsamkeiten, so dass es einen Zusammenschluss der beiden Gruppen unter dem Namen „Mujeres Libres“ gab.</p>
<p>Die Organisation der Gruppe glich denen der anderen anarchistischen Gruppierungen, die sich nach dem Prinzip der Basisdemokratie organisiert hatten. So wurde die ehemalige CNT eine Untergruppe von „Mujeres Libres“ Madrid in Barcelona.</p>
<p>Auf der unteren Ebene gab es lokale Gruppen, die Frauen in die Provinzkomitees entsandten (Originalname „Comité Provincial“). Diese wiederum ernannten und entsandten Frauen in die Regionalkomitees, von dort wurden dann Frauen in die Nationalkomitees geschickt.</p>
<p>Auf dem Kongress im September 1937 in Valencia wird die dezentrale Organisierung in der Satzung festgehalten, so dass die Autonomie der einzelnen Gruppen gesichert war. Es gab somit keine Befehlshierarchie von oben nach unten bei der Gruppe „Mujeres Libres“.</p>
<p>(Der Artikel Nr. 4 aus der Satzung ist in dem Buch von Vera Beanchi “Feministinnen in der Revolution – die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg“ aus dem Unrast Verlag enthalten.)</p>
<p>Die Mitgliederanzahl wird unterschiedlich angegeben, aber nach Aussagen von Mercedes Comaposada waren es im Jahre 1938 bereits 30.000 und am Ende des Bürgerkriegs 60 000.</p>
<p>Die meisten Gruppen gab es im Zentrum von Madrid und in Katalonien – Barcelona, gefolgt von Aragonien, Valencia und Andalusien. Mary Nash, die ein Buch zu Mujeres Libres geschrieben hat, hat im Anhang ihres Buches eine genaue Aufzählung der damaligen Gruppen auggeführt. Wobei sie sogar die außerhalb Spaniens gegründeten Gruppen aufführt.</p>
<p>Am 27. März 1937 erscheint eine Broschüre der Frauenorganisation „Mujeres Libres“ mit dem Titel: „Tierra y Libertad“, in der die Ziele der Gruppe definiert werden.</p>
<p>I. Emanzipation der Frau von ihrer dreifachen Versklavung, der sie im allgemeinen unterworfen war und bleibt: der Sklaverei durch Unwissenheit, der Sklaverei als Frau und der Sklaverei als Produzentin.</p>
<p>II. Aus unserer Organisation eine bewusste und verantwortliche feministische Kraft zu machen, die eine Avantgarde innerhalb der revolutionären Bewegung bildet.</p>
<p>III. Die Unwissenheit bekämpfen, indem wir die Genossinnen kulturell und sozial schulen. Dabei können Mittel eingesetzt werden wie Grundkurse, Konferenzen, Gespräche, kommentierte Lektüre, Filmaufführungen usw.</p>
<p>IV. Einen gegenseitigen Austausch mit den Gewerkschaften, Ateneos und der libertären Jugend einrichten, um zu einer Zusammenarbeit zu gelangen, die unsere revolutionäre Bewegung stärkt. Z. B. eine Gewerkschaft schickt eine Genossin zu der Gruppe, bei der sie eine Grundschulung und soziales Bewusstsein im Umgang mit anderen Genossinnen erhält, die schon länger dabei und erfahrener sind. Einmal so vorbereitet kann diese Genossin in einem Ateneo oder in die libertäre Jugend eintreten und ist dabei in der Lage, eine wirkungsvolle Arbeit leisten.</p>
<p>V. Zu einem echten Zusammentreffen zwischen Genossen und Genossinnen zu gelangen: zusammen leben, zusammen arbeiten und sich nicht ausschließen. Energie für die gemeinsame Aufgabe investieren.</p>
<p>VI. Einen starken Beitrag der Frauen für die konstruktive revolutionäre Aufgabe vorbereiten, indem diese Bewegung Krankenschwestern, Lehrerinnen, Ärztinnen, Künstlerinnen, Kindergärtnerinnen, Chemikerinnen, intelligente Arbeiterinnen zugeführt werden. Das ist wirkungsvoller als nur guter Wille, gepaart mit Unwissenheit.</p>
<p>Diese formulierten Ziele sind noch heute durchaus revolutionär zu nennen, zumal die Gruppe schon Ziele formuliert, die erst in der späten 70iger Jahren unter neuen Namen von Anarcha-Feministinnen propagiert werden. “Tripple Opression“ bedeutet die dreifach Bekämpfung: gegen Rassismus – Sexismus – Kapitalismus.</p>
<p>Die Aktivitäten der Frauengruppe „Mujeres Libres“:</p>
<ul>
<li> Zentren für Frauen errichtet wie Haus der Arbeiterinnen, Mutterschaftshaus &#8230;</li>
<li>Kampagnen gegen Analphabetentum geleitet und eingeführt.</li>
<li>Kurse für Grundbildung und allgemeine Kultur abgehalten.</li>
<li>Wöchentliche Konferenzen und Gespräche über allgemeine Probleme ihrer kulturellen und sozialen Welt organisiert.</li>
<li>Einen kulturellen Träger produziert: die Zeitung „Mujeres Libres“, die mit insgesamt 13 Nummern in der Zeit von 1936 bis 1939 erschienen ist.</li>
<li>Schulen gegründet und gefördert, die der technischen, intellektuellen und sozialen Ausbildung der Frauen dienten. Hier wurden Kurse angeboten wie für bewusste Mutterschaft, für Kleinmechanik, Technik, Landwirtschaft, Geflügelzucht und auch Physikkurse.</li>
<li>Sexuelle Aufklärungskampagnen organisiert und selber durchgeführt.</li>
<li>Kampagnen zur Arbeitsbeschaffung um Frauen ökonomisch unabhängig werden zu lassen.</li>
<li>Kampagnen zur Errichtung von kostenlosen Kinderkrippen in den Fabriken und ArbeiterInnenvierteln angeregt. Es gelang den „Mujeres Libres“ endlich Kinderkrippen und Kinderhorte zu errichten.</li>
<li>Volksspeiseräume für die Arbeiter beider Geschlechter gefordert, um die Arbeiterinnen von ihren Aufgaben zu Hause zu entlasten.</li>
<li>Gewerkschaftliche Hilfen aller Art organisiert.</li>
<li>Landschulen für Flüchtlingskinder gegründet.</li>
<li>Kampagnen zur Heranbildung von LehrerInnen durchgeführt, um einer neuen Konzeption der Erziehung und Bildung in Schulen zum Erfolg zu verhelfen. Die neuen Konzepte sollten bedürfnisorientiert, realistischer und nicht manipulativ sein, damit Kinder freier lernen konnten.</li>
<li>Neue Konzeption zum Abbau der Prostitution erstellt. Zu ihrem Konzept gehörten „Befreiungszentren der Prostitution“.</li>
</ul>
<p>Es gab allerdings bei den Mujeres Libres durchaus auch Frauen, die bewaffnet an der Front kämpften. Andere wiederum versorgten als Krankenschwestern die verwundeten Frauen und Männer an festgelegten Orten. Wieder andere waren als mobile Einsatzkommandos unterwegs (Sanitätswesen, Transport und Verkehr.)</p>
<p>Ich habe aus den vielen Beispielen der Aktivitäten von „Mujeres Libres“ einiges herausgesucht, von denen ich denke, dass sie der Gruppe gerecht werden.</p>
<p><strong>Zu Beginn möchte ich die Zeitung gleichen Namens vorstellen.</strong></p>
<p>Die Zeitschrift „Mujeres Libres“ galt den Frauen als Agitationsorgan für ihre Ziele und ihr aktuelles Programm, aber auch zur Verbreitung von Informationen über ihre Aktivitäten und Berichten aus der anarchistischen Bewegung generell.</p>
<p>Über die Veröffentlichung theoretisch intellektueller Artikel sollte nicht nur geschult werden, vielmehr wollten „Mujeres Libres“ Frauen für die anarchistische Bewegung gewinnen.</p>
<p>Wegen des Bürgerkriegs konnte das Ziel, monatlich zu erscheinen, nicht eingehalten werden.</p>
<p>Die ersten Ausgaben der Zeitschrift erschienen noch vor dem Beginn des Bürgerkriegs im Mai, Juni und Juli 1936. Danach wurden die Zeitschriften nicht mehr nach unserer Zeitrechnung nummeriert ( Zeitrechnung nach Christi Geburt), sondern als Zählung galt der Beginn der Revolution.</p>
<p>Auch in dem Fall, wie in vielen anderen, geht Vera Beanchi akribisch vor und benennt die einzelnen Ausgaben zahlenmäßig. Wie sie im Anhang alle Gruppen aufführt, die es je gegeben hat.</p>
<p>Neben ihrer eigenen Zeitschrift veröffentlichten „Mujeres Libres“ ebenfalls Texte, Gedichtsbände und Abhandlungen zu bestimmten Themen nicht nur eigener Mitgliederinnen, auch Emma Goldmann, die in Amerika lebte, kommt zu Wort. Die Veröffentlichungen bezogen sich aber nicht nur auf bekannte Namen aus der Gruppe. Es kamen sehr wohl auch unbekannte Frauen zu Wort, die über ihre Erfahrungen von der Front oder den Arbeitsplätzen berichteten. Auch Berichte aus dem häuslichen Bereich fanden in der Zeitschrift Platz.</p>
<p>Eine weitere Zeitung war in Planung, die den Namen „Kämpferinnen“ erhalten sollte. Das Projekt scheiterte an den fehlenden Geldern.</p>
<p>In Barcelona unterhielt die Gruppe „Mujeres Libres“ einen eigenen Kiosk , an dem nicht nur die eigenen Broschüren, Bücher und Zeitung vertrieb en wurde. Medienprinten aller Art wurden dort verkauft. Eine große Auswahl sozialkritischer Bücher, Sozialtheorien, Literatur – wir würden heute sagen „Belletristik“ sowie Bücher und Essay´s eigener Mitgliederinnen wie z. B. von Mercedes Comaposada und Lucia Sánchez lagen zum Verkauf aus.</p>
<p>Die Artikel in der Zeitschrift waren mitunter lediglich mit dem Vornamen der Frauen gekennzeichnet, aber überwiegend waren die Artikel mit vollem Namen in der Zeitung.</p>
<p>Besonders hervorhebenswert finde ich die Ausgabe „Mujeres Libres“ Nr. 2, in der die Gruppe ihr Geschichtsbild und -verständnis beschreibt, indem sie von den 4 (vier) Revolutionen schreiben:</p>
<ul>
<li> Die erste sei die von Luther (kirchliche Reformation),</li>
<li>die zweite die der Menschenrechte (französiche Revolution),</li>
<li>die dritte die kommunistische Utopie (die russische Oktoberrevolution),</li>
<li>die vierte sei ihre eigene Revolution.</li>
</ul>
<p>In der gleichen Ausgabe befindet sich eine harte Kritik an der bürgerlichen Demokratie und einer Frauengruppe, die innerhalb bestehender Strukturen die Gleichberechtigung der Frau forderte. Es ginge aber nicht um das Bitten liberaler Gesetzgebung, sondern mit allen Geboten zu brechen, um zur Revolution zu kommen.</p>
<p>Die Ausgabe Nr. 3 war ebenso spannend und interessant. Sie enthielt eine Kritik an der bürgerlichen Sexualmoral (Frauen müssen monogam leben, Männern ist der Seitensprung durchaus erlaubt.). Dahinter steht der Besitzsicherungsanspruch, um ganz sicher zu sein, dass das in der Ehe geborene Kind auch von dem Ehemann stammt. Gesichert sein sollte damit, dass das Erbe das richtige Kind erreicht.</p>
<p>Mujeres Libres verweist in dem Zusammenhang auf den Ausschluss von vielen Frauen aus dem industriellen Produktionsbereich, um in häuslicher Umgebung die Reproduktionsarbeit leisten zu können. Außerfamiliäre Kontakte waren damit unterbunden. Attach:miliciene_front.jpgIm gleichen Artikel propagiert Mujeres Libres die freie Liebe und fordern die Frauen auf, nicht wegen eines Kindes eine Beziehung oder Ehe aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig distanzieren sie sich von der Auffassung anarchistischer Männer, die in freier Liebe lediglich vermehrte Sexualkontakte verstanden und verstehen (Das Gleiche wiederholte sich in der Zeit der 68er Bewegung, in der ein Spruch gut verdeutlicht, was unter freier Liebe verstanden wurde: „Wer zweimal mit der Selben pennt, gehört schon zum Establishment!“).</p>
<p>Sexuelle Freiheit ist lediglich ein Teil der freien Liebe. Es geht bei der freien Liebe um das Erlernen der *guten Liebe*. Im Originaltext heißt es *Buen Amor*.</p>
<p>An einer anderen Stelle des Buches erwähnt Vera Bianchi eine andere Kommunistin mit Namen Soledad Real, die über die patriarchalen Strukturen ihres Mannes berichtet. Zitat Seite 77: „Ein weiteres Mal, als er auf Fronturlaub kam, war für den gleichen Abend eine Parteiversammlung angesetzt, und ich erklärte ihm, ich muß dahin gehen, aber in etwa zwei Stunden bin ich zurück. Er antworte darauf: an erster Stelle komme ich, und in erster Linie hast du dich um mich zu kümmern.“ Als sie doch gehen will, wird sie von ihrem Mann geschlagen.</p>
<p>Für uns heute kaum nachvollziehbar hat Mujeres Libres sich für ein Hygieneprogramm stark gemacht, wie die anarchistische Bewegung insgesamt. Mujeres Libres forderte den Einbau von Badezimmern mit fließendem Wasser und propagierten den Gebrauch von Seife. Im damaligen Spanien keineswegs selbstverständlich, da die TagelöhnerInnen auf dem Land, sowie die wenigen IndustriearbeiterInnen unter katastrophalen Hygienebedingungen lebten. Die Sterblichkeitsrate war sehr hoch.</p>
<p>Ein anderes Anliegen war Mujeres Libres die sinnvolle Freizeitgestaltung. Deshalb propagierten sie in der Zeitschrift sportliche Betätigung als Entspannung, Freude und Erholung.</p>
<p>Wettkämpfe im Sinne von Siegen im Konkurrenzkampf lehnten sie ab.</p>
<p>In der neuen Art Sport zu treiben sahen sie auch ein Mittel zur Stärkung des Selbstbewusstseins.</p>
<p>Um den Bereich Zeitschriften abzuschließen noch eine Bemerkung: In jeder Ausgabe waren Gedichte vorhanden, wobei sicherlich das berühmteste damals neben der Hymne das über den anarchistischen Kämpfer Buenaventura Durutti war.</p>
<p>In dem Abschnitt über Gründe einer Frauenorganisation führt Vera Bianchi aus, dass keineswegs bei allen anarchistischen Frauen der Gedanke der eigenen Organisation auf Zustimmung stieß. Vor allem ältere von Männern anerkannte Anarchistinnen und GewerkschafterInnen waren gegen eine eigenständige Frauenbewegung. Ihr stärkstes Argument war stets, dass das zu Spaltungen von der anarchistischen Bewegung führen würde, und die Frauenfrage sich mit der Abschaffung des Kapitalismus und dem Sieg der Revolution sich erledigen würde. Diese Frauen sahen einen Automatismus von Revolution und Freiheit, dass heißt für sie würde mit dem Sieg der Revolution die Frauenfrage von selbst sich lösen. Auch Anarchisten waren dieser Meinung.</p>
<p>Was allerdings viele anarchistischen Männer in der Praxis darunter verstanden, hat eine der Mitbegründerinnen von Mujeres Libres in der Zeitung „Solidaridad Obera“ veröffentlicht. Sie schreibt über die Arroganz der anarchistischen Männer gegenüber Frauen anhand eigener Erlebnisse. So hat sie Kurse für anarchistische Arbeiter zur Fortbildung gegeben, die sie abbrechen musste, weil die Männer nicht von einer Frau gelehrt werden wollten. Ein anderer Anarchist, als er gefragt wurde, warum seine Frau zu der Konferenz nicht mitgekommen sei, gab einmal zur Antwort: “Meine Genossin hat genug damit zu tun, auf mich und meine Kinder aufzupassen.“. Und eine Rechtsanwältin wollte ein Anarchist doch lieber beim Geschirr spülen sehen statt im Gerichtsaal als Anwältin. Andererseits konnten aber Frauen in anarchistischen Organisationen durch Teilnahme ihr Selbstwertgefühl stärken.</p>
<p>Mit der Gründung der Frauengruppe Mujeres Libres sollte nicht die Geschlechtertrennung zementiert werden, wichtig war ihnen, für einige Zeit einen Freiraum für Frauen zu schaffen, in dem sie sich ungestört von männlicher Arroganz und Dominanz entfalten konnten, um eine eigene starke kritische Persönlichkeit zu entwickeln. Mujeres Libres waren davon überzeugt, dass die Befreiung der Frauen nur sein kann, wenn diese ihre Emanzipation selber in die Hand nehmen.</p>
<p>Zur Unterstützung einer kollektiven Zusammengehörigkeit hat sich die Gruppe eine eigene Fahne gegeben und eine Hymne.</p>
<p>Wie ernst es Mujeres Libres mit der Befreiung der Frauen von Unterdrückung und Ausbeutung war, belegt sich unter anderem nicht nur durch ihre Schulungen zur Weiterbildung in Berufen und Kampf gegen Analphabetentum, sondern auch welcher alltäglichen Themen und Problemen sie sich widmeten. Ein Anliegen von Mujeres Libres war es, den Frauen zu verdeutlichen, dass es nicht zu ihrer ureignen Natur gehört, sich um Schönheit, Schminken, Kochrezepte, Frisurtipps Mode, Klatsch und Tratsch und ähnlichem zu bemühen, wie ihnen in bürgerlichen Zeitschriften suggeriert wird.</p>
<p>Mujeres Libres brach mit dieser Tradition der Klischees und vermittelte ein anderes Frauenbild und einen anderen Begriff von Schönheit. Zitat aus Buch: „Nicht die geschminkte Frau ist schön, sondern die, deren Äußeres zu ihrem Inneren passt. Im Gesicht einer schönen Frau lasse sich der Ausdruck von Güte, Intelligenz und Sensibilität finden – statt Schminke.“</p>
<p>Ähnlich ist ihre Kritik an der Mode, die nur dazu diene, Frauen Zeit zu rauben für wichtigereDinge. Das Streben nach ständig neuer Garderobe kostet zu dem viel Geld, das die Arbeiterinnen für sinnvollere Dinge einsetzen könnten. Außerdem ist die Mode hässlich und wenig nützlich zur Arbeit.</p>
<p>Scharfe Kritik üben Mujeres Libres an anderen Frauengruppen und ihren Publikationen, in denen das alte Frauenbild stabilisiert würde. Die von ihnen kritisierten Klischees tauchen in den Gruppen auf.</p>
<p>Ähnlich scharf ist die Kritik der Mujeres Libres an der moralischen und ethischen Verurteilung der Prostituierten durch die Gesellschaft, was sich in einem 1931 verabschiedeten Gesetz niederschlägt. Prostitution wird verboten, aber bei bekannt werden, kommen nur die Frauen vor Gericht und werden verurteilt. Freier bleiben unbehelligt.</p>
<p>Soziale Hintergründe wie die Armut der Frauen, die sie auf die Straße trieben, blieben unberücksichtigt.</p>
<p>Damit war Prostitution nicht nur ein Thema für die Gruppe, das in ihrer Zeitschrift aufgegriffen wird, vielmehr eröffnen Mujeres Libres Frauenhäuser, in denen Prostituierte geschult werden, um in andere Berufe zu kommen. Außerdem gibt es dort ärztliche Untersuchungen und Prostituierte können dort auch wohnen. Darüber hinaus gibt es auch ökonomische Unterstützung, vor allem aber moralische und ethische Unterstützung. Genau wie heute galten in der damaligen spanischen Gesellschaft – und nicht nur in ihr – Prostituierte als schlechte Menschen . Die Diffamierung ging bis hin zur Beschimpfung als Verbrecherin.</p>
<p>Für Mujeres Libres waren Prostituierte Marginalisierte. Und es waren nicht wenige Frauen aus dem Kreis, die an der Front kämpften. Vielen Anarchisten war das ein Dorn im Auge und sie versuchten nicht selten selbst im Schützengraben sie als Prostituierte statt als Kämpferin zu behandeln.</p>
<p>Anderseits wurden die bewaffnet kämpfenden Frauen – Milicinas – von allen männlichen Kämpfern im Laufe des Bürgerkriegs als Prostituierte bezeichnet und verunglimpft. Auch von Anarchisten. Dabei wurden zu Beginn der Kämpfe mit Plakatpropaganda die Frauen in blauen Overals in heroischen Posen dargestellt, um Frauen für den bewaffneten Kampf anzuwerben. Als das Bild der Miliciana nicht mehr als positives Symbol fungieren konnte, fielen die meisten Frauen in die alte Frauenrolle der Mutterschaft zurück. Diesmal aber nicht als die alles Richtende im individuellen Haus, sondern als die Mutter der Nation.</p>
<p>Als solche war sie in den Lazaretten als Pflegerin willkommen. Somit waren die spanischen Frauen wieder versöhnt mit den Milicianas und eine Identifikation war mit ihnen möglich.</p>
<p>„Quer durch alle Ideologien herrschte und herrscht zum Teil noch immer die Ansicht, Frau und Kampf schließe sich aus.“ Zitiert nach Ingrid Strobl: Frauen im bewaffneten Widerstand.</p>
<p>Das ist sicherlich auch der Hintergrund für den Erlass vom November 1936 durch Caballero, der es Frauen untersagt, mit der Waffe an der Front zu kämpfen.</p>
<p>Diesem Dekret leistet Mujeres Libres keinen Widerstand. Der Teil der Mujeres Libres, die bis dahin als Kämpferinnen an der Front waren, gehen nun als Krankenschwestern in feste und fahrende Lazarette, als Arbeiterin in die Industrie, um den Mann zu ersetzen, und sind wieder auf dem Land tätig.</p>
<p>Wichtig vielleicht noch zu erwähnen, dass die Gruppe Mujeres Libres im Vergleich zu anderen Frauengruppen, wie z. B. den Mujeres Antifascictas niemals Frauen angeworben haben und sie als Mitläuferinnen behandelten. Das ist ein Vorwurf an Frauengruppen aus der kommunistischen Partei, besonders den Stalinistinnen. Ihnen machten Mures Libres den Vorwurf Frauen für parteipolitische Zwecke zu manipulieren und benutzen. Aber auch die anarchistische Bewegung soll Frauen nicht hinreichend informiert haben über das, was sie zu erwarten haben beim Kampf gegen Faschismus.</p>
<p>Der Hauptunterschied zu den anderen Gruppen bestand darin, dass Mujeres Libres den Kampf um ökonomische und gesellschaftliche Befreiung nicht trennte von dem gleichzeitigen Kampf um die Befreiung der Frau.</p>
<p>Der Weitergang der Revolution nicht zu trennen war vom Kampf gegen den Faschismus.</p>
<p>Während Mujeres Libres eine unabhängige Gruppe war, was sie stets in ihrer Zeitung genau so wie auf Veranstaltungen betonen, waren die von kommunistischen Parteien abhängigen Frauengruppen auch gleichzeitig moskautreu. Sowjetische Frauen werden verherrlicht und als Vorbilder dargestellt, obwohl sie zum größten Teil zu den Säuberungen in Russland schwiegen, die zeitgleich stattfanden. Geschwiegen wurde auch zu den Verhaftungen von AnarchistInnen durch die KommunistInnen in Spanien.</p>
<p>Im Oktober 1938 erscheint die letzte Nummer von „Mujeres Libres“ und am 1. April 1939 ist Francos Sieg über die Volksfront besiegelt. Vera Bianchi schreibt, dass sie nichts genaues über das Schicksal der vielen Mitgliederinnen von Mujeres Libres weiß. Sie gibt nur ein Bild und beschreibt die Atmosphäre nach der Eroberung Spaniens durch die Faschisten. Danach sind die Gefängnisse hoffnungslos überbelegt. Es kommt zu Folter, Vergewaltigungen und anderen Brutalitäten. Besonders auch durch weibliches Personal. Dem stand die Solidarität der gefangenen Frauen gegenüber, die sich Essen teilten und gegenseitig auf ihre Gesundheit achteten.</p>
<p>Bekannt ist nur, dass Lucía Sánchez Saornil, eine der Mujeres Gründerinnen, noch vor dem Sieg der Francisten im Januar 1939 ins Exil nach Paris ging. Beim Einmarsch der Deutschen 1940 flieht sie in die Nähe von Toulouse und arbeitet mit Quäkern zusammen. Aus Angst vor Verhaftung und Konzentrationslager geht sie 1942 nach Spanien zurück. Als sie in Madrid eines Tages auf der Strasse erkannt wird, flieht sie nach Valencia zur Familie ihrer Lebensgefährtin.</p>
<p>Auch Mercedes Comaposada floh 1939 mit ihrem Lebensgefährten Baltasar Lobo nach Paris. Aufgrund der Führsprache von Pablo Picasso wurden sie in Paris geduldet. Sie arbeitet als Picassos Sekretärin und später als Managerin von Baltasar Lobo, der sich auf die Herstellung von Skulpturen spezialisiert hatte. Mercedes Comaposada stirbt 1994.</p>
<p>Ab 1964 gibt es eine Exilzeitung mit Namen „Mujeres Libres en Exilio“, die in Süd-Frankreich nahe der Spanischen Grenze hergestellt wird. Suceso Portalis und Sara Guillén hatten sie mit anderen ehemaligen, jetzt im Exil lebenden „Mujeres Libres“ gegründet. Auch neue bis dahin Nichtmitgliederinnen kamen dazu. Ihre Themen glichen denen von früher wie z. B. über „bewusste Mutterschaft“, Kindererziehung – neue Pädagogik, die davon ausging, dass selbstbewusste Menschen von Anbeginn ihres Lebens sich entwickeln – Empfängnisverhütung, historische/politische Literatur, sowie alte und neue Gedichte.</p>
<p>Nach dem Ende der Franco-Diktatur gründete sich „Mujeres Libres“ ab 1976 erneut in einigen spanischen Städten wie Barcelona, Madrid, Sevilla, Valencia und Zaragoza. Ab 1977 erscheint auch wieder ihre Zeitschrift gleichen Namens. Vera Bianchi schreibt, dass sie danach nichts mehr über Mujeres Libres finden kann, und somit nicht weiß, ob die Gruppe noch weiterhin bestand hatte.</p>
<p><strong>andere Frauengruppen</strong></p>
<p>Schon 1933 gründete sich die Frauengruppe „Agrupación Mujeres Antifacistas“ AMA, -anitfaschistische Frauengruppe &#8211; unter der Schirmherrschaft der Kommunistischen Partei. Ursprünglich hieß die Gruppe „Mujeres contra la Guerra y el Fascismo“ – Frauen gegen Krieg und Faschismus. Diese Gruppe war die einflussreichste Frauengruppe und war Mitglied der 3. Internationale. Frauen aus der Partei und der AMA schlossen sich zusammen unter dem Namen “Mujeres Antifascistas.“ Eine Zeitung mit dem Namen „Monatszeitschrift des Nationalkomitees der antifaschistischen Frauen“ wurde ab 1937 produziert.</p>
<p>Im September 1936 gründen die marxistische Poum eine eigene Frauenorganisation, „Secretariado Femenino del Poum“, die aber von der Partei kontrolliert wird. Die Befreiung der Frau wird nicht thematisiert und spielt in der praktischen Arbeit keine Rolle, da sie als Nebenwiderspruch behandelt wird. Im Widerspruch dazu steht allerdings, dass in ihren Veröffentlichungen Stellung bezogen wird zur Geburtenkontrolle, Abtreibung und Sexualität. Im Mai 1937 löst sich diese Frauengruppe wieder auf.</p>
<p>Poum = Patido Socialista Obrero de Unificación Marxista = Arbeiterpartei der Marxistsichen Vereinigung, linkskommunistisch orientiert. Entstand im September 1935 aus dem Zusammenschluss des BOC und der Kommunistischen Linken. Wichtigste linksradikale Partei während des Bürgerkriegs; erlitt blutige Verfolgungen von Seiten der Stalinisten und war beteiligt am Maiaufstand von 1937 in Barcelona.</p>
<p>BOC = Bloc Obrer i Camperol &#8211; Arbeiter- und Bauernblock, entstand 1930 in Barcelona aus dem Zusammenschluss mehrerer kommunistischer Oppositionsgruppen Kataloniens. Schloss sich im September 1935 mit der dem Trotzkismus nahe stehenden „Kommunistischen Linken“ Andrés Nins zur Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung (POUM) zusammen.</p>
<p>Eine weitere Frauenorganisation war die „Union der Frauen Kataloniens“ (UDC). Diese war ebenfalls der Kommunistischen Partei Spaniens untergeordnet. Die ANDJ „Nationale Allianz der jungen Frauen“ war eine Frauengruppe, die von der Jugendorganisation JSU gegründet war. JSU = Juventudes Sozialistas Unificades = Vereinigte Sozialistische Jugendorganisation.</p>
<p><em><strong>Alle Abkürzungserklärungen aus der Biographie von Abel Paz: „DURUTTI“, Nautilus Verlag. 1994.</strong></em></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist während einem Seminar vom 4. bis 6. April 2005 in Potsdam/Berlin gehalten worden. </em></p>
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		<title>Geschichte der Freien Arbeiter-Union Deutschlands &#8211; FAUD</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 11:57:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-242"></span>Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.</p>
<p>In Abgrenzung zur SPD wie zur KPD wandten sich diese enttäuschten Arbeiter einem eigenständigen Strang der Arbeiterbewegung zu, dessen Wurzeln in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen: Dem Anarchosyndikalismus.</p>
<p>Dieser Ansatz, &#8211; an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in der französischen CGT, der spanischen CNT und der amerikanischen IWW entwickelt &#8211; stand für eine autonome, selbstorganisierte Gewerkschaftsbewegung, die den Satz, daß die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse, beim Wort nahm.</p>
<p>Sie organisierten sich von unten nach oben, lehnten politische Eliten und große Funktionärsapparate ab und setzten auf die direkte Aktion als Methode. Ihre Hoffnung war es, durch einen sozialen Generalstreik den Kapitalismus und den Staat abzuschaffen und die Gesellschaft auf Basis einer gewerkschaftlichen Selbstverwaltung neu zu organisieren.</p>
<p>In Deutschland gründete sich 1919 die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). In ihrem Zenit 1921 waren 150 000 Arbeiter in ihr organisiert. Sie verstand sich sowohl als ökonomische Kampforganisation wie als radikale Kulturbewegung.</p>
<p>Besonders in der großbetrieblichen Arbeiterschaft des Rheinlands konnte die FAUD eine bedeutende Rolle spielen. Ein Indiz dafür, daß die deutschen Anarchosyndikalisten zumindest punktuell eine Bedeutung innehatten, mag auch die Tatsache sein, daß die Rote Ruhr Armee nach heutigen Schätzungen zu 45 % aus Mitgliedern der FAUD bestand.</p>
<p>Allerdings konnte die FAUD sich als kleine sozial-revolutionäre Gewerkschaft nicht behaupten. Bedingt durch externe Faktoren, aber auch durch interne Konflikte sank ihre Mitgliedschaft auf wenige Tausend bis zum Ende der Weimarer Republik. Nur noch in wenigen Berufsgruppen konnte sie zumindest regional noch als Gewerkschaft Einfluß ausüben, wie etwa bei den Fliesenlegern und Klavierbauern.</p>
<p>War die FAUD auch im Laufe der zwanziger Jahre auf einen Kern bewußter Aktivisten, die die Idee eines freiheitlichen Sozialismus mit ihrer gesamten Persönlichkeit verkörperten , zusammengeschrumpft, so entwickelte sie dennoch rege gegenkulturelle Aktivitäten. In ihrem Umfeld wurden Siedlungsexperimente, Genossenschaftsprojekte, Frauenbünde, freie Kindergruppen und freie Schulen initiiert, in der ihr nahestehenden ,Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&#8221; wurden Schriften u.a. über die Freie Liebe, Sexualaufklärung, revolutionäre Dichtung und den Antimilitarismus publiziert. Zudem konnten die Anarchosyndikalisten einen nicht unerheblichen Einfluß auf organisationsübergreifende Verbände der Arbeiterbewegung wie etwa der Freidenkerbewegung ausüben.</p>
<p>Dem herannahenden Faschismus begegnete die FAUD mit der Hoffnung auf eine entschiedene Einheit der Arbeiterschaft von unten. Den Anarchosyndikalisten war bewußt, daß Hitler nicht mit dem Stimmzettel aufzuhalten war. Vergeblich riefen sie zum Generalstreik gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten auf.</p>
<p>Am 9. März 1933 wurden schließlich die Räume der Geschäftskommission der FAUD in der Warschauer Straße 62, Berlin-Friedrichshain, von der Gestapo gestürmt.</p>
<p>Einige Hundert Mitglieder der FAUD gingen in den Widerstand und versuchten die Organisation illegal am Leben zu erhalten.</p>
<p>Im Jahr 1937 gelang es allerdings der Gestapo mehrere hundert Mitglieder der illegalen FAUD festzunehmen. Viele kamen ins KZ. In einem Lagebericht der Gestapo heißt es: &#8220;Bei den Festgenommenen handelt es sich samt und sonders um überzeugte Anhänger der anarcho-syndikalistischen Bewegung, die in ihren Ideen derart verrannt sind, daß sie kaum noch zu brauchbaren Mitgliedern der deutschen Volksgemeinschaft erzogen werden können.&#8221;</p>
<p>Einige waren bereits vorher ins Ausland emigriert, unterstützten den Widerstand von dort aus oder schlossen sich den antifaschistischen Milizen in Spanien an, um dort gegen Franco zu kämpfen.</p>
<p>Ging der Widerstand gegen Hitler vereinzelt noch weiter, so war dies doch das vorläufige Ende der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland. Versuche nach dem Krieg die Bewegung in einer Föderation Freiheitlicher Sozialisten wiederzubeleben, scheiterten nach wenigen Jahren. Die Überlebenden gingen getrennte Wege. Einige schlossen sich der SPD und den neuen Gewerkschaften an, andere sahen in der DDR ein neues Deutschland oder blieben im Ausland.</p>
<p>Erst 1977 wurde in der BRD eine Nachfolgeorganisation, die Freie ArbeiterInnen Union?, gegründet und erst in den letzten Jahren ist ein leichter Aufärtstrend der FAU zu beobachten &#8211; sowohl qualitativ wie quantitativ.</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.anarchismus.de/" target="_blank">http://www.anarchismus.de/</a></em></p>
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		<title>CNT (Confederación National del Trabajo)</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 16:10:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die erste und wichtigste Strömung der spanischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war der Anarchismus. Dessen organisatorische Anfänge reichen in das Jahr 1868 zurück]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-164"></span><strong>Nationaler Bund der Arbeit</strong></p>
<p>Die erste und wichtigste Strömung der spanischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war der Anarchismus. Dessen organisatorische Anfänge reichen in das Jahr 1868 zurück, als der Italiener Giuseppe Fanelli (als Gesandter Michael Bakunins) in Spanien eintraf und die schon in den 1840er Jahren in Katalonien gegründeten Arbeitervereine, die sich zu den sozialistischen Ideen antistaatlicher Tendenz, zur direkten Aktion als Kampfwaffe und zum Föderalismus im Sinne des von Pierre Joseph Proudhon beeinflussten Pi y Margall bekannten und Konsum- und Produktivgenossenschaften proudhonistischer Richtung gegründet hatten, mit der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) in Verbindung brachte. Bereits 1869 wurde in Madrid die „Regionale Spanische Arbeiterföderation&#8221; (Federación Obrera Regional Español) gegründet, die sich ein Jahr später der Ersten Internationale anschloss. l870 fand in Barcelona der erste spanische Arbeiterkongress statt, auf dem das Programm der Jura-Föderation &#8211; „in der Politik anarchistisch, in der Wirtschaft kollektivistisch, in der Religion atheistisch&#8221;- angenommen wurde. Die spanische Sektion der Internationale und somit die ganze „antiautoritäre&#8221; Bewegung der Internationalisten sprach breite Arbeiterschichten an und beeinflusste bis 1939 die gesamte nationale Arbeiterbewegung. Vor allem die Angaben Max Nettlaus über die Entwicklung und organisatorische Situation der spanischen Internationale in den 1870er und l880er Jahren belegen die konsequente Entwicklung des spanischen Anarchismus.</p>
<p>Von 1874 bis I881 war die Internationale in Spanien verboten; nach ihrer Wiederzulassung durch die liberale Regierung Sagasta (1881) wurde die weitere Entwicklung des spanischen Anarchismus durch die vehementen Tendenzkämpfe zwischen den syndikalistisch organisierten Arbeitern Kataloniens, die den Bakuninschen Anarcho-Kollektivismus und seine Mittel (Massenbewegung, Generalstreik, Kollektivierung der Produktionsmittel, Entlohnung nach der Leistung) bevorzugten, und den andalusischen Befürwortern eines Anarcho-Kommunismus Kropotkinscher Prägung (autonome Gruppen, individuell-revolutionäre Tat, Terrorismus, Geheimgesellschaften, kein Privatbesitz an Konsumgütern, Entlohnung nach den Bedürfnissen) bestimmt. Die Auseinandersetzung zwischen kollektivistischen Anarchisten und aufständischen Anarcho-Kommunisten endete Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Kompromiss, der den Bakunismus als Grundlage des Klassenkampfes und der Arbeiterorganisation und den „freiheitlichen Kommunismus&#8221; als Endziel im revolutionären Syndikalismus vereinigte. Dieser folgte der anarchistischen Tradition insofern, als er der „spontanen“ Bewegung der Masse vertraute und in jeder„autoritären&#8221; Organisation ein Hindernis für die Entwicklung eines revolutionären Bewusstseins sah.</p>
<p>Die Richtungskämpfe zwischen verschiedenen Flügeln blieben im organisierten Anarchismus auch nach der 1910 erfolgten Gründung des revolutionär-syndikalistischen „Nationalen Bundes der Arbeit&#8221; (CNT) bestehen. Die CNT blieb bei der den Anarchismus charakterisierenden konsequenten Ablehnung der partei- und verbandsförmigen Einflussnahme auf politische Willensbildung und Entscheidungsprozesse. Sie übernahm vom Anarchismus die Lehre, dass die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse. Das Programm der CNT war allerdings weder ein bloßes Wiedererstehen des Bakunismus noch lediglich eine Übernahme des revolutionären französischen Syndikalismus. Die Philosophie des täglichen Lebenskampfes, der „direkten Aktion&#8221; (Streik, Boykott, Sabotage), trat neben die Auffassung vom Endkampf und bewaffneten Aufstand. Ein Generalstreik hatte stets revolutionären, niemals nur reformistisch-ökonomischen Charakter.</p>
<p>Der Kurs der CNT schwankte nach 1910 zwischen dem Dogmatismus der extremistischen Fraktion und dem Pragmatismus einer gemäßigten Linie um Salvador Seguí und Angel Pestaña. Ausdruck der tastenden Unsicherheit des Anarchosyndikalismus waren sowohl der Pakt mit der sozialistischen UGT (1917) als auch der vorübergehende Eintritt (1920/22) in die Komintern bei gleichzeitigem Festhalten an den von Bakunin entworfenen Prinzipien. Ende 1922 trat die CNT der IAA bei. deren explizites Ziel es war, den Klassenkampf zu verschärfen, gegen ein Übergreifen politischer Parteien auf die Gewerkschaften anzukämpfen, schließlich den Kapitalismus und den Staat zu zerstören. 1923 löste sich die CNT formal auf, um einer Zwangsauflösung durch Primo de Rivera zuvorzukommen. Da sich innerhalb der im Untergrund operierenden CNT in den folgenden Jahren die „reformistische&#8221; Strömung durchzusetzen begann, die zum Sturz des Diktators eine Zusammenarbeit mit republikanischen Parteien befürwortete, wurde 1927 auf einem illegalen Kongress in Valencia die Federación Anarquista Ibérica (Iberische Anarchistische Föderation. FAI) als Geheimorganisation gegründet, die ihre Aufgabe darin sah, über die Reinerhaltung der Lehre Bakunins zu wachen und zu verhindern, dass sich die Arbeiter dem Reformismus und der Kooperation mit politischen Parteien oder dem sowjetischen Kommunismus und der Lehre von der Diktatur des Proletariats zuwendeten. Die verschiedenen Tendenzen innerhalb der CNT führten zu Beginn der Zweiten Republik zur Spaltung der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft. 1931 verkündete die rein syndikalistische Richtung ein „Manifest der Dreißig“ (Manifiesto de los treinta) genanntes Programm &#8211; deren Anhänger daraufhin treintistas genannt wurden -, das sich gegen die angeblich drohende Vorherrschaft der minoritären FAI in der Gewerkschaftsbewegung auflehnte und die Unabhängigkeit des Syndikalismus und seinen Anspruch, sich selbst zu genügen, bestärkte. Eine Anzahl von Einzelsyndikaten, die einen gewissen Grad an Mitarbeit in der gegebenen Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung vertrat, verließ unter der Führung von A. Pestaña die Dachorganisation CNT und gründete „Oppositionssyndikate&#8221;. Wenn auch diese Gewerkschaften am Vorabend des Bürgerkrieges in die CNT zurückkehrten, blieb im Anarchosyndikalismus eine gemäßigte Richtung bestehen, die während des Bürgerkrieges erheblichen Einfluss gewinnen und die Entwicklung der CNT bis 1939 und danach wesentlich mitbestimmen sollte.</p>
<p>Während des Spanischen Bürgerkrieges erlebte die CNT mit über 2 Millionen Mitgliedern den Höhepunkt ihrer Geschichte. In jenen Jahren wurde auch der z. T. erfolgreiche Versuch einer Sozialen Revolution in dem republikanisch gebliebenen Territorium unternommen. Der Bürgerkrieg bedeutete jedoch für die CNT auch das Scheitern des Anarchosyndikalismus in der politischen Arena, vor allem in der innerrepublikanischen Auseinandersetzung mit den Parteien der Volksfront. Zu den erbittersten Gegnern entwickelten sich die Kommunisten der stalinistischen Kommunistischen Partei (Partido Comunista de España). Im Bürgerkrieg traten die Anarchisten von CNT und FAI sowohl in die Regierung der Republik (Kabinette Francisco Largo Caballero und Juan Negrín) als auch in die katalanische Regionalregierung ein: Als den anarchistischen Führern nach der Niederschlagung rebellierender Truppenteile in einigen Gegenden Spaniens klar geworden war, dass die vollständige Durchführung ihres programmatischen Vorentwurfs einer anarchistischen Diktatur gleichkommen würde, entschlossen sie sich &#8211; unter Missachtung ihrer Ideologie und jahrzehntelangen antistaatlichen Praxis &#8211; zur Zusammenarbeit mit Regierung und Staat. Sie verzichteten auf das Kampfziel der libertären Bewegung: der Zerschlagung des Staates, schufen dafür revolutionäre Machtorgane (Komitees), die auf lokaler und regionaler Ebene in Konkurrenz zur Zentral- und Regionalregierung traten, arbeiteten mit politischen Parteien zusammen und übernahmen, seit sie selbst in der Regierung saßen, deutlich wahrnehmbar gouvermentale Denkweisen. Der Bruch mit der anarchistischen Tradition des Antipolitizismus sowie mit ihren direkt-demokratischen Prinzipien führte in CNT und FAI zu Hierarchiebildung und Absonderung der oberen Entscheidungsgremien von der Mitgliederbasis. Die Regierungsbeteiligung der Anarchisten trug somit zur Restauration und Stärkung des Staatsapparates, mittelbar darüber hinaus zur Liquidierung der Revolution bei.</p>
<p>Nach dem Bürgerkrieg wurden bis 1945 im Landesinneren 10 Nationalkomitees der CNT zerschlagen, bis 1949 waren es 16. An den Guerillaaktionen jener Jahre gegen das Francoregime waren die Anarcho-Syndikalisten führend beteiligt. Den wesentlichen Impuls zum Sturz des Franquismus erwarteten auch sie von den Alliierten. Als deren Unterstützung ausblieb, die Guerillataktik sich als ein Fehlschlag erwies und außerdem ideologische Probleme zwischen Exilführung und den Mitgliedern im Landesinneren auftraten, begann der eigentliche Niedergang der Anarchosyndikalisten. Und als 1945 zwei Anarchosyndikalisten in die Exilregierung Giral eintraten, spaltete sich über diese Frage außerdem die libertäre Bewegung in einen „politischen“ und einen „apolitischen“ Flügel. Bezeichnenderweise war es die innerspanische CNT, die sich für eine breite Zusammenarbeit mit allen antifranquistischen Kräften einsetzte, während die Toulouser Exilführung sich hinter der Bezeichnung Comisión Intercontinental del Movimiento Libertario Español verschanzte, zusehends den Kontakt zur sozialen Realität Spaniens verlor und sich erneut maximalistischen Positionen zuwandte.</p>
<p>In den 50er Jahren erhielt die CNT im Landesinneren kaum mehr Unterstützung von außen. Ihre Strukturen wurden nahezu vollends zerschlagen. Der von libertärer Seite sporadisch fortgesetzte Kleinkrieg fand um 1960, nachdem die letzten Symbolfiguren des bewaffneten Widerstandes (u. a. die Brüder Sabater) hingerichtet worden waren, ein Ende. In den Jahren zuvor hatten sich immer mehr Anarchisten &#8211; enttäuscht von den internen Streitigkeiten, von der Erfolglosigkeit ihrer Anstrengungen, zermürbt von jahrelanger Untergrundtätigkeit und Gefängnishaft &#8211; vom bewaffneten Kampf gegen den Franquismus zurückgezogen.</p>
<p>Obwohl auch in den folgenden Jahren zahlreiche anarchosyndikalistische Gruppen und Organisationen verschiedenster Tendenz bestehen blieben, verfügte die CNT 1975 bei Francos Tod über keinerlei landesweite Organisation, Die eigentliche Neugründung der Gewerkschaft erfolgte im Februar 1976 (noch illegal) durch die Zusammenfassung von drei bis dahin nebeneinander bestehenden Strömungen; den „historischen Anarchisten&#8221;, der „christlichen Tendenz&#8221; und dem „sozialistisch- marxistischen Flügel&#8221;. Diese neue CNT unterschied sich von Anfang an in mehreren Punkten von der traditionellen CNT der Bürgerkriegszeit: Sie war in ihrer ideologischen Zusammensetzung durch die Aufnahme christlicher und marxistischer Elemente bedeutend heterogener. Sie war nicht mehr eine reine Arbeitergewerkschaft, sondern umfasste zu einem nicht unerheblichen Teil auch Studenten, Intellektuelle, Kleinbürger, Bohemiens; und schließlich fehlte in ihr fast völlig die „mittlere“ Generation. Ihre Mitglieder gehörten entweder der „alten Garde“ an oder sie waren zwischen 18 und 25 Jahre alt.</p>
<p>Seit September 1976 lag die organisatorische Zentrale der CNT wieder in Spanien. Da jedoch die CNT-Exilorganisation in Toulouse weiterbestand und neben der „rein“ anarchistischen FAI nach wie vor auf die Strategie der innerspanischen CNT Einfluss zu nehmen suchte, bildete sich ein immer stärker werdender anarchosyndikalistischer Flügel, der jegliche ideologische Majorisierung der CNT durch die Exilorganisation und die FAI entschieden ablehnte. In jenen Jahren bildeten sich zwei Grundpositionen heraus, die nach dem V. Kongress der Gewerkschaft vom Dezember 1979 (Congreso de la Casa de Campo) deutlich hervortraten. Der Kongress führte zur Spaltung der Gewerkschaft in eine „historische“ und eine „erneuerte“ CNT, die sich auf dem VI. Kongress 1983 in Barcelona noch vertiefte. Die „historische&#8221; CNT warf der „erneuerten“ vor, sie sei reformistisch, spalterisch, marxistisch und vertikalistisch; umgekehrt wurde der „historischen CNT“ vorgeworfen, sie sei autoritär-dogmatisch, entferne sich von der Arbeiterbasis und hänge immer noch anachronistischen Vorstellungen der 30er Jahre an. Die Minderheit (CNT Confederal) beteiligte sich 1986 erstmals an Betriebsratswahlen, errang jedoch nur ganz wenige Sitze. Da beide Gruppen Anspruch auf das von der CNT vom Franco-Regime beschlagnahmte Erbe (patri monio sindical) und auf das im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam aufbewahrte Gewerkschaftsarchiv erhoben, kam es zu einer Auseinandersetzung um die Rechtmäßigkeit der Benutzung des Namens CNT, die gerichtlich zugunsten der ersten Gruppe entschieden wurde. Im April 1989 nahm der „erneuerte“ Sektor der CNT den Namen Confederación General del Trabajo (Allgemeiner Arbeiterbund) an; Generalsekretär ist José March. Die CGT verzichtete auf die 248 Millionen Peseten, die der CNT von Gerichten als Entschädigung für die franquistischen Beschlagnahmungen zugesprochen worden waren.</p>
<p>Die „historische“ CNT-AIT verfügt nach eigenen Angaben über 50.000 zahlende Mitglieder und 200 Büros in Spanien; hinzu kommen 2.500 Mitglieder im Ausland. Die anfallenden Arbeiten werden von den Mitgliedern selbst erledigt, es gibt keine angestellten Funktionäre. Die Auflagenhöhe (6.000 &#8211; 8.000) der beiden Organe „Solidaridad Obrera“ (Barcelona, vierzehntägig) und „CNT“ (Madrid, monatlich) zeigt die geringe Bedeutung des heutigen Anarchosyndikalismus in Spanien an. Die CNT bildet heute weder eine dritte parteiunabhängige Gewerkschaft neben UGT und Arbeiterkommissionen noch ist es ihr gelungen, zentralisierender Faktor der alternativen Bewegungen (Ökoszene, Feminismus. Selbstverwaltungsgruppen) und der „Gegenkultur“ zu werden.</p>
<p><strong>Organisation</strong></p>
<p>Die CNT erfuhr innerhalb weniger Jahre nach ihrer Gründung einen enormen Aufschwung. Auf dem Comedia-Kongress von 1919 hatte sie bereits über 715.000 Mitglieder; regionale Schwerpunkte waren Katalonien, Andalusien und Valencia. Im Juni 1931 zählte sie schon wieder knappe 540.000 Mitglieder. In der zweiten Republik erfuhr der Dachverband massiven Zulauf. Im Februar 1936 zählte die CNT ca. 1 Million Mitglieder, im Bürgerkrieg, dürfte sie an die 2 Millionen gehabt haben. Die CNT war ein lockerer Dachverband. Die Konföderation setzte &#8211; sich aus regionalen Gewerkschaftsverbänden zusammen. Sie betonte das Prinzip der Dezentralisierung, die den regionalen Organisationen das fast uneingeschränkte Recht auf Autonomie gewährte. Die Grundeinheit der CNT war die Lokalgewerkschaft, die nach den einzelnen Berufsbranchen in Sektionen aufgeteilt war. Parallel zu dem föderativ-horizontalen Aufbau bestand seit 1937 ein zweites Organisationsprinzip: das der Nationalen Industrieföderationen, das allerdings bis zum Ende des Bürgerkrieges keine entscheidende Rolle mehr spielte.</p>
<p>Im Übergang zur Demokratie erlebte die CNT einen ungeahnten Aufschwung. Im Mai 1978 gab sie die Zahl ihrer Mitglieder mit über 300.000 an, von denen der überwiegende Teil in den klassischen anarchosyndikalistischen Hochburgen Katalonien, Valencia und Andalusien angesiedelt war. In jenen Jahren war die Fluktuation zwischen den Gewerkschaften besonders stark; Mitglieder der sozialistischen UGT und der kommunistischen Arbeiterkommissionen, die die „politische“ .d.h. die auf Parteien orientierte Haltung ihrer Gewerkschaften ablehnten, liefen zur CNT über, die andererseits jedoch gleichzeitig viele Austritte registrierte. Nach der Spaltung der CNT dürfte die Gewerkschaft heute kaum mehr als 70.000 Mitglieder zählen. Der fast gleichzeitig mit dem Wiederaufschwung der CNT erfolgende Niedergang der anarchosyndikalistischen Bewegung hängt sicherlich mit der organisatorischen Schwäche der CNT zusammen, die nach der Zerschlagung ihrer Strukturen durch das Franco-Regime nicht auf bedeutsame Finanzhilfe von Schwestergewerkschaften in der Phase des Neuaufbaus (wie der UGT) zurückgreifen konnte. Führende ehemalige CNT-Mitglieder haben außerdem selbstkritisch darauf hingewiesen, dass das quantitative Anwachsen der CNT 1976/77 zu einem gleichzeitigen Bürokratisierungsprozess der CNT führte, der wiederum Hintergrund für Krise und Niedergang der Gewerkschaft war, dass somit der Anarchosyndikalismus zum Opfer seines zahlenmäßigen Wachstums wurde, das die Selbstnegierung der eigenen Organisationsprinzipien und interne Widersprüche zur Folge hatte, die sich in Ausschlüssen und Verdammungen artikulierten. Die durch den Massenzuwachs an Mitgliedern und das organisatorische Wachstum bedingte Konzentration von Informationen und „Herrschaftswissen“ in den oberen Komitees bewirkte eine Außerkraftsetzung klassischer anarchistischer Organisationsprinzipien: Übergeordnete Komitees koordinierten nicht nur sondern entschieden, der Willensbildungsprozess von unten nach oben funktionierte nicht mehr; das Rotationsprinzip wurde aufgehoben, allmählich entstand eine Arbeiteraristokratie und ein Funktionärskörper, die sich als „Freigestellte“ der realen Arbeitswelt entfremdeten &#8211; ein Bürokratisierungsprozess. den gerade der Anarchosyndikalisimus immer wieder in seiner Geschichte angeprangert hatte.</p>
<p><strong>Programm und Politik</strong></p>
<p>Der spanische Anarchismus hatte von Anfang an sozial und regional zwei Schwerpunkte: den latifundistischen Süden des Landes, in dem der andalusische Agrar- und Handwerkeranarchismus Wurzel schlug, und der relativ industrialisierte Nordosten der Halbinsel, wo sich der katalanische Anarchosyndikalismus durchsetzte. Die andalusischen Tagelöhner wurden schon früh auf einen antiparlamentarischen und antipolitischen Weg gedrängt. Ausgeschlossen von jeglicher politischen Partizipation. gesellschaftlich zu der untersten Schicht gehörig, ihr Dasein am Rande des Existenzminimums fristend, erhofften sie die ihnen vorenthaltenen Rechte nicht von graduellen Verbesserungen, die auf politisch-parlamentarischem Weg erreicht werden sollten, sondern eher von einer plötzlichen sozialen Revolution, in deren Gefolge die lange vermisste Gerechtigkeit Einzug halten würde. Diese Revolution gehörte zentral zum Programm des Anarchismus, der von Anfang an revolutionär-antistaatliche und antikapitalistische Ziele verfocht. Die für die CNT wesentlichen Postulate waren der Föderalismus, der gewerkschaftliche Kampf und die im Generalstreik kulminierende „direkte Aktion“. Neben reformistisch-ökonomischen verfolgte ein Generalstreik immer auch politisch-revolutionäre Ziele: Durch ihn sollten der Staat beseitigt und die Gesellschaft Syndikalistisch organisiert werden. Keimzellen dieser neuen herrschaftsfreien Gesellschaft sollten das selbstverwaltete Munizipium und die Gewerkschaft selbst sein.</p>
<p>Insofern war die CNT sowohl eine Gewerkschaft mit vorerst reformistischer Zielsetzung als auch eine revolutionäre Organisation mit letztlich systemtranszendierender Programmatik. Die Philosophie des täglichen Lebenskampfes, der direkten Aktion (Streik, Boykott, Sabotage), trat neben die Auffassung vom Endkampf und bewaffneten Aufstand. Anarchosyndikalistisches Endziel blieb die „Reorganisation des gesamten gesellschaftlichen Lebens auf der Basis des freien Kommunismus durch die direkte revolutionäre Aktion der Unterdrückten“.</p>
<p>Im Bürgerkrieg war die CNT nicht in der Lage. eine Strategie zu erarbeiten, wie der Krieg geführt und zugleich die proletarisch-soziale Revolution vorangetrieben werden konnte. In ihrer programmatischen Unsicherheit ließen sich die schwankend-unentschlossenen Anarchisten von den straff organisierten und ideologisch starren Kommunisten unter dem Schlagwort der nationalen Verteidigung und des national-revolutionären Krieges gegen den internationalen Faschismus einen politischen Burgfrieden aufnötigen, den sie mangels praktikabler Alternativen akzeptieren mussten. Sie wandten sich schon sehr früh gegen eine vollständige Realisierung ihres „Konzepts des Freiheitlichen Kommunismus“ und ließen an die Stelle der auf dem Zaragoza-Kongress (1936) manifestierten „revolutionären Ungeduld“ eine kooperationsfreudige Haltung treten, die zwar von der realistischen Einsicht in die Notwendigkeit des militärischen Sieges diktiert war und in der „Politisierung“ der Anarchisten ihren Niederschlag fand, infolge der geringen theoretischen Vorbereitung von CNT und FAI auf die nachrevolutionäre Gesellschaft und ihre Organisationsformen jedoch nicht nur zur faktischen Aufgabe des libertären Endziels eines herrschaftsfreien Kommunismus, sondern darüber hinaus zur wirtschaftlichen Marginalisierung und politischen Ausschaltung des organisierten Anarchismus führte.</p>
<p>Die heftigen inner anarchistischen Auseinandersetzungen um die Regierungsbeteiligung waren Ausdruck der Fraktions- und Flügelbildungen innerhalb von CNT und FAI. Das Auseinanderklaffen zwischen Theorie und Praxis, das schließlich zum politischen Scheitern der Anarchisten im Bürgerkrieg führte, hatte bereits zu Beginn des Jahrhunderts zu revisionistischen Tendenzen und ideologisch-organisatorischer Aufsplitterung geführt. Neben dem „klassischen“ Anarchosyndikalismus trat rechts eine reformistisch-politische Tendenz, die in begrenztem Umfang eine Reformpolitik unter den gegebenen kapitalistischen Verhältnissen befürwortete (z.B. Salvador Seguí, in abgewandelter Form auch Angel Pestaña), und links eine „anarchobolschewistische“ Richtung, die die Schaffung einer revolutionären Macht mit straffer Disziplin und den erforderlichen Apparaten (Exekutivkomitee etc.) befürwortete (z. B. Juan García Oliver). Diese Gruppierungen erfuhren während des Bürgerkrieges noch eine weitere Ausdifferenzierung und ließen damit die Heterogenität der anarchistischen Organisation, ihren Mangel an Einheitlichkeit und Schlagkraft und somit letztlich einen der Hauptgründe für ihren Untergang erkennen.</p>
<p>Die internen Divergenzen blieben auch nach 1939 bestehen und wurden 1975 derart verstärkt, dass es erneut zur Spaltung der Gewerkschaft kam; diese Spaltung war einer der Hauptgründe, die zum Niedergang und zur Existenzkrise der CNT führten. Die große Verweigerungsstrategie der „orthodoxen“ CNT nach 1975 erwies sich als unfähig, breitere Massen anzulocken &#8211; vor allem die Verweigerung gegenüber den grundlegenden Entscheidungen der Demokratisierung: Teilnahme an politischen und Betriebsrats wählen, Sozialpakte. konstitutioneller Konsens über die Parlamentarische Monarchie. Angesichts ihrer internen und externen Krisen verblasste auch das historische Ansehen der CNT, Vorkämpferin für Arbeiter- und Bauernforderungen zu sein. Das Gefangensein der CNT in ihrer Anti-Wahlhaltung der 30er Jahre (in denen unter historisch anderen Bedingungen diese Anti-Strategie durchaus Erfolge erzielen konnte), ohne effiziente Alternativen für den Übergang von einer Diktatur zur repräsentativen Demokratie zu bieten, wirkte auf die Masse der Bevölkerung nicht als überzeugendes Programm. Keine Radikallösungen waren gefragt, sondern Reformen, an denen der Spanier durch Stimmenabgabe partizipieren wollte.</p>
<p><strong>Charakterisierung</strong></p>
<p>Alle libertären Autoren, die sich selbstkritisch mit ihrer Bewegung und deren Rolle in den sozialen Auseinandersetzungen im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigt haben, weisen auf die mangelnde Übereinstimmung der verschiedenen Flügel des Anarchismus in wesentlichen programmatischen Fragen hin. Inneranarchistische Auseinandersetzungen und fehlender Konsens in wichtigen Fragen lassen sich bis in die Anfänge der Bewegung zurückverfolgen. Die unterschiedlichen Strategien wiederum sind auf den Entstehungszusammenhang der Bewegung zurückzuführen. Der spanische Anarchismus wurde zwar mit seiner Betonung der Individualität und Autonomie des Arbeiters sehr schnell die geistige Heimat verschiedener sozialer Gruppen; es gelang ihm jedoch nicht, die als Folge ungleichmäßiger Entwicklung zwischen Industriezentren und Agrarregionen auftretenden verschiedenartigen Interessen des Industrie- und des Landproletariats in einer gemeinsamen Strategie überzeugend zu bündeln. Die Differenziertheit innerhalb der anarchistischen Bewegung war deren Stärke und zugleich ihre Schwäche. Besonders deutlich wurde dies an der Entwicklung der CNT im Bürgerkrieg. Die Flügelbildungen und Spaltungstendenzen haben auch der CNT nach 1975 mehr geschadet als geholfen. Ob der rapide Niedergang der CNT nach 1977 allerdings primär auf (Fehl-) Entscheidungen einzelner Personen zurückzuführen ist oder ob in einem hochindustrialisierten Staat kein Raum mehr für eine anarchistische Massenorganisation ist, wird die Entwicklung der kommenden Jahre erweisen.</p>
<p><em>Autor: Walther L. Bernecker</em></p>
<p><strong>Literatur und Quellen</strong></p>
<ul>
<li> Walther L. Bernecker: Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der sozialen Revolution in Spanien 1936-1939, Hamburg 1978</li>
<li>Ders./J. Hallerbach: Anarchismus als Alternative, Berlin 1986</li>
<li>J. Gómez Casas: EI relanzamiento de la CNT 1973- 1979. Con un epílogo hasta la primavera de 1984, Paris 1984</li>
<li>Die libertäre Bewegung in Spanien. Mit Beiträgen von A. Souchy u.a.; Bremen ohne Jahrgang</li>
<li>C. M. Lorenzo: Los anarquistas españoles y el poder 1868 -1969, Paris 1969.</li>
</ul>
<p><em>Quelle: <a href="http://dadaweb.de/wiki/Confederaci%C3%B3n_Nacional_del_Trabajo_%28CNT%29" target="_blank">DadA-Web</a></em></p>
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		<title>Anarchists Against the Wall</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 15:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Begegnung mit Mathan Cohen von der israelisch-palästinensischen gewaltfrei-anarchistischen Aktionsgruppe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-161"></span>Begegnung mit Mathan Cohen von der israelisch-palästinensischen gewaltfrei-anarchistischen Aktionsgruppe</p>
<p><em>Die gemeinsame israelisch-palästinensische Gruppe &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; führt unter lebensgefährlichem Einsatz, unter der Bedrohung eines direkten Schusswaffeneinsatzes des israelischen Militärs direkte gewaltfreie Aktionen gegen den Mauerbau um die palästinensischen Gebiete durch. Fred, ein französischer Anarchist, ist einem Mitglied der Gruppe, Mathan Cohen, begegnet. Solche Begegnungen helfen, die psychologische Dimension des Mauerbaus besser zu begreifen. Laut Mathan basiert die israelische Staatspolitik auf einer Ideologie der Angst und rassistischen Elementen, mit denen der Mauerbau als Schutz für die israelische Bevölkerung präsentiert wird. Dabei fördert die Mauer nach Ansicht Mathans und seiner Gruppe eher die palästinensischen Attentate. Wir finden die Berichterstattung über solche Gruppen wichtig, weil ihre Existenz und ihre direkten gewaltfreien Aktionen in allen bürgerlichen Medien hierzulande negiert werden. (Red.)</em></p>
<p>Alle wollen den Frieden, aber niemand fragt sich, wie er zu erreichen ist. Kein Israeli fragt PalästinenserInnen, wie die sich den Frieden vorstellen. Solche Diskussionen werden verhindert und verfälscht durch die politischen Parteien. Alle Friedensbemühungen &#8211; inklusive des Abkommens von Oslo &#8211; waren das Werk der Regierenden, die jedoch wollen, dass die Situation bleibt, wie sie ist. Den Menschen wurde nie richtig zugehört. Eine wirkliche Lösung muss jedoch für beide &#8220;Seiten&#8221; akzeptabel sein.</p>
<p>Die Gruppe &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; geht von dieser Zustandsbeschreibung aus und führt ihre direkten Aktionen in den durch die Mauer eingeschlossenen Gebieten durch.</p>
<p>&#8220;Dient es meiner Sicherheit, dass die Dörfer von einer Mauer umgeben werden, welche sie von den Feldern abtrennt, die von ihren BewohnerInnen bebaut werden?&#8221; Das fragt sich Mathan.</p>
<p>Vor Ort haben die &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; PalästinenserInnen kennen gelernt, die sie nicht mehr als FeindInnen betrachten. Und die PalästinenserInnen konnten Israelis kennen lernen, die nicht SoldatInnen, sondern FreundInnen sind. Beiden ist klar geworden, dass sie gemeinsam gegen die Mauer kämpfen können, und das ist das, was sie seitdem tun. Sie versuchen, ihre Konstruktion zu behindern, verzögern die Bauarbeiten und versuchen, in der Öffentlichkeit Kritik am Mauerbau zu artikulieren.</p>
<p>Die &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; haben ein Informationszentrum in einem palästinensischen Dorf eröffnet, zu dem israelische AktivistInnen kommen konnten, um sich über die Situation zu informieren. Aber dieses Zentrum ist von der israelischen Armee geschlossen worden. Die gewaltfreien Aktionen der Gruppe sind inzwischen alltäglich, und die Antwort der Herrschenden ist von der Gewalt der Armee geprägt, von Brutalität und manchmal durch den Tod. Die Gruppe hat mehrere Dokumentarfilme über ihre Aktionen gedreht und so versucht, breitere Kreise der israelischen Bevölkerung zu sensibilisieren, aber die Mehrheit weigert sich noch immer, dem wahren Horror der Situation ins Auge zu blicken.</p>
<p>Z.B.: Ein bestimmtes palästinensisches Dorf ist vollständig von der Mauer eingeschlossen. Nur durch ein Tor können die BewohnerInnen gehen, das als israelischer Check Point von SoldatInnen bewacht wird. Dieses Tor ist nur an wenigen Stunden am Morgen und am Abend geöffnet, und dann und wann, wenn die SoldatInnen weitere Öffnungszeiten zulassen. Die &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; haben deshalb Aktionen mit dem Ziel durchgeführt, dieses Tor symbolisch zu öffnen. Auch hierbei war die Antwort der Armee von Gewalt geprägt.</p>
<p>Die &#8220;Anarchists Against the Wall&#8221; wollen mit ihren Aktionen auch junge Wehrpflichtige beeinflussen. Der Militärdienst in Israel ist obligatorisch und dauert drei Jahre. Mathan sagt den Wehrpflichtigen: &#8220;Geht einmal vor Ort, in die eingeschlossenen Gebiete und schaut, ob ihr auf einen Feind trefft. Wenn ja, gut, dann bekämpft ihn, wenn nein, verweigert den Dienst in der Armee!&#8221;</p>
<p>Hier zeigt sich die anarchistische Vision der Gruppe: Sich treffen, diskutieren, gemeinsam für Menschenrechte kämpfen und nicht für illusorische nationalistische Rechtsvorstellungen.</p>
<p><em>Fred aus Besançon</em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.graswurzel.net/304/wall.shtml" target="_blank">http://www.graswurzel.net/304/wall.shtml</a></em></p>
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