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Der anarchistische Kampf in Südamerika

Die südamerikanische ArbeiterInnenklasse hat eine lange Geschichte der brutalen Repression und des heroischen Widerstands. Die 1970/80er Jahre waren eine Zeit des intensiven Klassenkampfes, in der in fast jedem Land brutale Militärregimes an die Macht kamen. Ihr Zweck war es, die Bedrohung einer Revolution durch die massenorientierten marxistischen Parteien und zahlreicher Guerillabewegungen abzuwehren. Die enthusiastische Unterstützung der Regierung der USA, die Waffen, Ausbildung, Geheimdienste und Finanzhilfen bereitstellte, war entscheidend dafür, dass diese Regimes die Macht übernehmen und gegen den Willen der Bevölkerung halten konnten.

In den 80er Jahren wurden diese Militärregimes nacheinander abgelöst durch eine Kombination von Massenprotesten und katastrophalen ökonomischen Situationen. Dadurch konnte der Anarchismus, der in Südamerika seit Beginn des 20. Jahrhundert eine starke Kraft war, als lebendige Bewegung wiedererstehen. Im Jahr 1986 wurde die FAU? in Uruguay wiedergegründet, nachdem sie durch die Militärcoups von 1971 in Uruguay und 1978 in Argentinien zerstört worden war.

Auch anderswo entstanden anarchistische Gruppen, waren aber meist Affinitätsgruppen, Zusammenschlüsse von FreundInnen, hauptsächlich innerhalb der Punkbewegung. Versuche, grössere Gruppen zu bilden, scheiterten meist rasch. In den letzten 5 Jahren haben viele AnarchistInnen jedoch damit begonnen, richtige Organisationen zu bilden. AktivistInnen aus marxistischen Gruppen, die die gescheiterte Politik der Gürilla in Frage stellen, sind ebenfalls ein wichtiger Teil dieser neün Bewegungen.

Im Jahr 1996 wurde die argentinische OSL gegründet, 1999 die chilenische CUAC. Im südlichen Brasilien wurde kürzlich die FAG gegründet und in Bolivien haben einige lokale Kollektive den Prozess des Aufeinanderzugehens begonnen. Diese neuen anarchistischen Gruppen teilen als gemeinsames Konzept die Notwendigkeit von Organisationen, die in der Lage sind, auf der Basis einer kollektiv akzeptierten Theorie kohärent und diszipliniert zu arbeiten.

Viele der Aktivitäten dieser neu gegründeten anarchistischen Gruppen bestanden in der Konfrontation der Hinterlassenschaft der Militärregimes. Es wurden Amnestiegesetze erlassen, die im wesentlichen die unter der Militärherrschaft begangenen Verbrechen durch Begnadigung abhakten. Grosse Teile von Polizei und Militär blieben unverändert und ihre Kultur der Brutalität und Immunität vor Strafe ebenso. In Argentinien waren AnarchistInnen aktiv in der Bewegung gegen Polizeibrutalität und haben die Wache der Mütter der unter dem Militärregime Verschwundenen unterstützt. Chilenische AnarchistInnen waren an der Volksbewegung zur Bestrafung von Pinochet beteiligt. Bolivianische AnarchistInnen haben trotz Repressionen gegen die Regierung Banzer gekämpft, der 1997 zum Präsidenten gewählt wurde, nachdem er von 1971-1978 eine brutale Diktatur ausübte.

Ein weiteres Erbe der Militärregimes ist die ökonomische Lage. Militär und die zahmen Zivilregierungen, die ihnen folgten, haben wortlos den Diktaten der US-zentrierten internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank gehorcht. Sie haben auf dem Kontinent einen neo-liberalen Hurrican entfesselt. Millionen von ArbeiterInnen wurden entlassen, Grundlegendes wie Obdach, Gesundheit, Ausbildung wird ihnen vorenthalten, sie werden an den Rand der Armut gedrängt.

AnarchistInnen waren in der vordersten Front des Widerstands gegen diese brutalen Angriffe. In Uruguay hat die FAU an Massenbesetzungen von Land durch Landlose teilgenommen, an übernahmen von Fabriken, um Schliessungen zu verhindern sowie an weiteren direkten Aktionen. Die argentinische OSL war in den ärmsten Gebieten von Bünos Aires aktiv bei den am meisten marginalisierten und verzweifelten ArbeiterInnen, sie haben dort alphabetisiert, und die Taktik der direkten Aktion und Selbstorganisation gelehrt. AnarchistInnen waren auch aktiv in den Gewerkschaften, aber aufgrund der Massenschliessungen ist die Gewerkschaftsbewegung sehr geschwächt. Trotzdem ist es der CUAC in Chile gelungen, einen starken und wachsenden anarchistischen Einfluss bei mehreren Gewerkschaften zu schaffen. Andere Gebiete anarchistischer Aktivität sind die Kämpfe für die Rechte der indigenen Völker.

In Chile spielten AnarchistInnen eine wichtige Rolle bei der militanten Kampagne des Volks der Mapuche um ihre Rechte und in Bolivien unterstützten die AnarchistInnen den Aufstand indigener Völker und Bauern, der im April 2000 den Staat erschütterte. AnarchistInnen sind wieder auf dem Vormarsch, ihre Stimmen werden in den sozialen Massenbewegungen anch vielen Jahren des Schweigens wieder gehört und ihre Botschaft der Selbstorganisation gegen den Kapitalismus trifft bei eine wachsenden Zahl von ArbeiterInnen auf offene Ohren.

Orginaltext: http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a06.html

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