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Die Geschichte der Antifaschistischen Aktion (Teil 3)

Das Ende von Weimar

Der Beginn der Weltwirtschaftskrise

Als unmittelbare Folge der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise verschärften sich die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen vor allem für die Lohnabhängigen auch in Deutschland.

Produktionsstillegungen, zahlungsunfähige Banken, leere Kassen bei den Sozialversicherungen, sprunghaft ansteigende Massenarbeitslosigkeit, gar Hunger und Elend verstärkten auch die politischen Gegensätze.

Auseinandersetzungen zwischen ArbeiterInnenorganisationen und den inzwischen erstarkten faschistischen Verbänden der NSDAP, vor allem der SA, nahmen mehr und mehr zu und forderten die ersten Opfer.

Innerhalb des Parlaments versuchte die “Weimarer Koalition” durch Klüngeleien mit der Großindustrie ihre Macht zu erhalten, was immer auch bedeutete, soziale Rechte der ArbeiterInnen einzuschränken bzw. abzuschaffen.

Politische Auseinandersetzungen fanden ihren Ausdruck vor allem in den Kämpfen auf der Straße, insbesondere die ArbeiterInnenviertel wurden häufig Zeilscheibe faschistischer und polizeilicher Provokationen bzw. Terrors.

In dieser äußerst angespannten Situation versuchten die bürgerlichen Regierungsaparteien das verstärkte Auftreten des RFB mit verschiedenen Verboten von Demonstrationen zu behindern. Offiziell sollten die Verbote “links und rechts” treffen. Am 13. Dezember 1928 erließ der Berliner Polizeipräsident Zörgiebel ein “allgemeines Demonstrationsverbot” über Berlin, welches im März 1929 auf das ganze Reich ausgeweitet wurde. Außerdem wurden im März 1929 alle Polizeibehörden Preußens angewiesen, »mit allen zu Gebote stehenden Mitteln« gegen die »radikalen Organisationen« vorzugehen.

Einer Information des Stahlhelmbundvorstandes ist jedoch zu entnehmen, daß die Anweisung des sozialdemokratischen Innenministers allein gegen RFB, KPD und radikale linke Kräfte gerichtet war:

“Von sonst gut unerrichteter Seite höre ich, daß der vor einigen Tagen veröffentlichte Erlaß des Preußischen Innenministers “gegen die Verbände” auf die Kommunisten gemünzt sei und das man die leicht erkennbare Spitze gegen die Rechtsverbände nur angwandt habe, um von dem eigentlich verfolgten Zweck abzulenken. Wie die letzten Betriebsrätewahlen deutlich gezeigt hätten, liefen die Sozialdemokraten und freien Gewerkschaften Gefahr, von den Kommunisten an die Wand gequetscht zu werden; deshalb müßten diese jetzt einen Schlag gegen die Kommunisten unternehmen, zumal die Haupterfolge der kommunistischen Partei gerade in Gebieten errungen würden, die bisher sozialdemokratsicher Domäne gewesen seien,…”.

Der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel (SPD) hielt das Demonstrationsverbot auch für den 1. Mai 1929 aufrecht.

Die KPD und etwa 200000 Menschen widersetzten sich dem Verbot und demonstrierten trotzdem in Berlin. Als die Polizei mit massiver Gewalt gegen die Demonstration vorging und in die Menge schoß, kam es zu schweren Auseinandersetzungen, die sich zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen entwickelten. Polizisten wurden entwaffnet und auf die Polizei zurückgeschossen sowie Barrikaden errichtet. Vor allem in den Sadtteilen von Neukölln und Wedding zogen sich die Kämpfe bis zu drei Tagen hin. Offiziell kamen 30 ArbeiterInnen ums Leben (laut Bericht eines Zeitzeugen, 42 Tote).

Diese Tage in Berlin gingen unter dem Begriff des “Blutmai ’29″ in die Geschichte ein. Der RFB und seine Unterorganisationen wurden in diesem Zusammenhang am 3. Mai 1929 verboten.

Die parlamentarische Demokratie auf dem Weg zum Nationalsozialismus

Zwar gab es Anfang der dreißiger Jahre einen konjunkturellen wirtschaftlichen Aufschwung in der Weimarer Republik, jedoch hielt die politsche Krise an und verschärfte sich zusehends, um schließlich im Sommer 1932 ihren Höhepunkt zu erreichen. Im Juni 1932 waren im Deustchland 7,5 Millionen Menschen arbeitslos, d.h. jeder Zweite.

Der Einfluß der Großindustrie auf das Parlament hatte in der Weise Ausmaße angenommen, daß diese nunmehr direkt und offen in politische Entscheidungen Einfluß nahmen bzw. forderten. Im Mai 1932 wurde das Kabinett Brüning, eine Koalition der SPD mit dem Zentrum un der Deutschen Demokratischen Partei endgültig gestürzt, da sie ihre Aufgabe erfüllt hatten. Hintergrund für den Zeitpunkt war die Tatsache, daß explizit die IG-Farben durch die Rücksichtnahmne der Zentrumspolitiker auf die christlichen Gewerkschaften ihr monopolitsiches Wirtschaftsprogramm behindert sahen.

Die Politik Brünings seit der Zeit von 1930 (der SPDler Marx war durch Artikel 48 als Reichskanzler abgesetzt worden und das Parlament damit als politische Instanz außer Kraft gesetzt) bis Frühjahr 1932 zeichnete sich dadurch aus, daß die Vorstellungen der Großindustrie zur Überwindung der Wirtschaftskrise parlamentarisch durchgeführt wurden: Durch inflationäre Maßnahmen konnten die Industrieberiebe ihre Schulden in Pfenningsbeträgen zurückzahlen, Kartellabsprachen oder Korruption wurden nicht strafrechtlich verfolgt. All diese Maßnahmen gingen einher mit einem massiven Abbau gewerkschaftlicher Rechte und sozialer Absicherungen. Hauptlast trugen dabei die Lohnabhängigen und Teile des Kleinbürgertums, denen durch Brünings Notverordnugspolitik die Existenzgrundlage entzogen wurde, da finanziell die Großindustrie und Banken “saniert” werden sollten, die Monopolisierung vorangetrieben wurde und Kleinbetriebe massenhaft eingingen.

Brüning selbst kam zu der Einsicht, daß “die gesamte Schwerindustrie kein anderes Mittel für ihre eigene Rettung sah, als immer weiter Löhne zu senken bzw. einen gewaltsamen Umschwung mit nachfolgender Inflation durch starke finanzielle Unterstützung der NSDAP herbeizuführen.”

Zum Nachfolger Brünings wurde am 1. Juni 1932 Franz von Papen per Notverordnung Hindenburgs ernannt. Papen unterhielt enge Beziehungen zur rheinischen Schwerindustrie. Er war ein Vertrauensmann der Reichswehr und Anhänger ultrareaktionärer und scharf antikommunistischer Theorien. So war es dann auch Papen, der, trotz des massiven Aufschwungs der Faschisten – namentlich der NSDAP und SA – das kurzfristige Verbot der SA vom 13. April 1932 am 14. Juni wieder aufhob (u.a. eine Reaktion auf vermehrte Arbeitsschutzeinheiten) und in der Begründung der Papen-Regierung hieß es schließlich, er sei “der Überzeugung (…), daß das Staatsschiff nicht gegen, sondern nur mit der Welle der nationalsozialistischen Bewegung in den Hafen gebracht werden müßte.”

Hintergrund einer solchen Äußerung Papens war die Tatsache, daß sich mit der Zuspitzung der gesellschaftlichen Verhältnisse seit 1928 große Teile des Monopolkapitals bereits zu diesem Zeitpunkt für die Variante des Faschismus zur Aufrechterhaltung zund Absicherung ihrer Profite entschieden hatten (bereits ab 1925/26). Spätestens seit dieser Zeit flossen große Geldsummen in den Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung, speziell in die NSDAP, die vor allem Hitler durch geschickte Verhandlungen für die Partei losmachte.

Ein Phänomen dabei war, daß die NSDAP den politischen Spagat zwischen offener Befürwortung des nationalen Kapitals und gleichzeitiger Ablehnung des internationalen Kapitals schaffte. Die Breite der nationalsozialistischen Bewegung wurde weniger durch offenes prokapitalistisches Auftreten erreicht als vielmehr über die Linie der SA, die mit nationalrevolutionären (vermeintlich antikapitalistischen) Parolen vor allem das mit Existenzangst behaftete Kleinbürgertum an sich band und sogar ein Einsickern in Schichten der Lohnabhängigen erreichen konnte. Nichtsdestotrotz bildeten diesen beiden vermeintlichen Flügel keinen Widerspruch. Während Hitler und Konsorten das Geld für den Aufbau einer Massenpartei in enger politischer Zusammenarbeit mit seinen Geldgebern anhäufte, sorgten nationalrevolutionäre Parolen für Vorbereitung der immer weiter entstehenden Massenbewegung.

Auf den Punkt brachte die politische Situation des offenen Zusammenarbeitens rechter/faschistischer Kräfte mit geldstarken Großindustriellen und einflußreichen Medienfürsten die Gründung der “Harzburger Front”. Diese, am 11./12. Oktober 1932 in Bad Harzburg ins Leben gerufene Vereinigung, war ein Zusammenschluß der NSDAP, des Stahlhelms, der DNVP sowie verschiedener Großindustrieller und des Mediengiganten Hugenberg.

Die hinhaltende SPD

Mit der Auflösung des Reichstages am 4. Juni 1932 hatte sich die Präsidialdiktatur nun ganz hochoffiziell durchgesetzt.

Die SPD, allen voran der Preußische Innenminister Severing, empfahlen immer noch, die Tolerierungspolitik fortzusetzen, anstatt diesem erneuten offenen Rechtsruck entgegenzutreten. Sie beschränkte sich darauf, eine Verfassungsanfrage zu stellen, ob der Rechtsmäßigkeit der Einsetzung Papens. Damit war auch die SPD ihrer Funktion als vermeintliche Opposition endgültig beraubt, sie besaß nun nicht mal mehr parlamentarischen Einfluß. So wurde ihre fatale Tolerierungspolitik damit bestätigt, daß sie – ganz legal und auf verfassungsgemäßem Wege – entmachtet worden war. Sie hatte – mit dem Verzicht auf andere Widerstandsmittel (Streiks, Demonstrationen etc.) ihre eigene Entmachtung toleriert. Trotz parlamentarischer Bemühungen der KPD, zusammen mit Zentrum und der SPD das Eintreten der NSDAP in die Regierung zu verhindern, näherten sich die Papen-Regierung und die NSDAP immer mehr an.

Obwohl schon Brüning viele Verordnungen erlassen hatte, die die soziale Absicherung der Lohnabhängigen immer mehr ausgehöhlt hatten, setzte Papen die Politik der Notverordnungen unbeirrt und rabiat weiter fort. Soziale Rechte der ArbeiterInnen wie das Tariflohnsystem oder Arbeitslosenversicherung sollten gänzlich abgeschafft werden.

Der Preußenschlag

Zur Bedeutung Preußens

Preußen war der größte deutsche Teilstaat. Im Zentrum Mitteleuropas gelegen war er sowohl in der industriellen wie in der agrarischen Produktion führend. Durch diese Ausgangsbedingungen und die eigene Geschichte hatte Preußen innerhalb Deutschlands eine dominate Stellung. “Wer Preußen hat, hat Deutschland”, lautete ein geflügeltes Sprichwort rechter Kreise zu dieser Zeit.

In ihren Grundzügen vom Kaiserreich übernommen überließ die bundesstaatliche Struktur der Weimarer Republik wesentliche Kompetenzen den Ländern und nicht dem Reich, vor allem die Innen-, Justiz- und Kulturpolitik. Deshalb bestand kein unmittelbarer Einfluß der Reichsregierung auf die preußische Polizei, die allgemeine Verwaltung und die Justiz.

Gerade die preußische Polizei galt als mustergültige Institution, die politische Gesinnung der einfachen Polizisten war eher der SPD zugeneigt, während die Offizierskorps noch aus alten Armeestrukturen stammten.

Ministerpräsident Otto Braun würde mit seiner Polizei nicht den Weg freimachen für eine offene Machtübertragung auf die Faschisten, so die allgemeine Ansicht damals. Das gleiche wurde von Verwaltung und Justiz behauptet, die trotz der allgemeinen Bekämpfung des kommunistischen Widerstands als relativ demokratisch galt.

Berlin als Hauptstadt des Reichs und des Landes Preußen war unter diesen Voraussetzungen den Propagandisten eines Rechtsputsches ein Dorn im Auge, vor allem dadurch, daß Berlin auch Hauptstadt der ArbeiterInnenbewegung war.

Hier hatten die politischen Zentralen der SPD, der sozialdemokratischen Gewerkschaften und der KPD ihren Sitz. Auch hierauf war es zurückzuführen, daß die beiden ArbeiterInnenparteien bei den letzten Reichstagswahlen 1930 in Berlin 1,5 Stimmen erhalten hatte, fast viermal soviel wie die NSDAP. Darüberhinaus war der Stimmanteil der KPD in Berlin genauso hoch wie der der SPD, hier nahm sie der SPD viele Stimmen ab.

Für die politische Rechte war die Machtübernahme der Stadt wegen ihrer vielfältigen Funktionen und zugleich auch wegen ihres im Gegensatz zu anderen Regionen des Reiches ausgeprägten linken Widerstandes gegen rechts von größter Bedeutung.

So war die Machtübernahme der Verwaltung und der Polizei in Berlin für die reaktionären Kräfte notwendig. Dies konnte aber nur mit außerparlamentarischen Mitteln durchgesetzt werden.

Nachdem Ministerpräsident Brüning (Zentrum) nun abgesetzt war, schien der Weg für die Entmachtung der SPD-Regierung freigemacht.

Am 20. Juli 1932 enthob Hinderburg Otto Braun als Ministerpräsident von seinem Amt und übergab von Papen die kommissarische Führung Preußens. (In Preußen wurde kurze zeit später SA und SS – noch vor der Machtübertragung auf die Faschisten – im Januar 1933 als Hilfepolizei eingesetzt.)

Das Zögern wird zur Ohnmacht

Der Innenminister des Reiches, Carl Severing (SPD), sicherte von Papen Tage zuvor zu, nichts gegen einen Entmachtung der preußischen Regierung (SPD!) unternehmen zu werden. Am 16. Juli 1932 erklärte der sozialdemokratsiche Parteivorstand, er wolle »bei allem, was kommen möge, die Rechtsgrundlage der Verfassung nicht verlassen.« Dies war der Wink mit dem Zaunpfahl für von Papen, die SPD in Preußen aus den Angeln zu heben.

Am 18. Juli 1932 erließ die Papen-Regierung ein Demonstrationsverbot, die Kontrolle der Straßen und Flughäfen wurden vorbereitet, die Telefone der KPD und der RGO abgehört.Da die Absetzung der preußischen Regierung rechtskräftig ganz verfassungstreu von Statten gegengen war, beschränkte sich die SPD darauf, zu erklären: »der Vorgang sei nicht rechtlich, man werde das Gericht zur Klärung anrufen.« Zu groß war ihre Angst, daß ein Generalstreik – zuvor als Angebot der KPD formuliert – gegen denRechtsputsch in Preußen ihnen wie schon 1920 aus den Händen gleiten könnte und zu groß der blinde Glaube in die parlamentarischen “Spielregeln”. So verlief der empörte Protest – auch großer Teile der ArbeiterInnenbewegung – im Sande.

Mit dem Putsch war der parlamentarische Protest gegen die Präsidialdiktatur vollends gebrochen und nutzlos geworden. Die Reichsregierung konnte sich nun sicher sein, daß auc Reichs- und Landesebene rechte und reaktionäre Politiker alle wichtigen Positionen inne hatten oder in absehbarer Zukunft haben würden. Als dann der Stimmzuwachs der NSDAP bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 ihren Zenit erreicht hatte – diese mehr Stimmen als SPD und KPD zusammen erhalten hatte – wurde die Politik der Reichsregierung unter von Papen bis zur Machtübertragung am 30. Janur 1933 ohne nennenswerten parlamentarischen Widerstand fortgesetzt, auch wenn die Novemberwahlen 1932 deutlich machte, daß die NSDAP hohe Stimmeverluste zu verzeichnen hatte. Die Weichen wurden bereits gestellt und der Zug rollte schon auf dem rechten Gleis.

Obwohl auf Antrag der KPD mit einem Mißtrauensvotum der Reichtag erneut aufgelöst wurde, und die NSDAP bei den daruffolgenden Wahlen am 6. November 1932 große Stimmeinbrüche hinnehmen muß und wieder hinter SPD und KPD zurückfiel, gelang es den ArbeiterInnenparteien dennoch nicht, die Politik der Reichsregierung zu ändern, da diese als Präsidialkabinett regiert und der Reichstag ja beireits antmachtet war (Artikel 48). Realistische Änderungen wären nur noch im Zusammensipiel mit außerparlamentarischen Aktionen möglich gewesen (Generalstreik).

Zur Charakterisierung der Rolle der bürgerlichen Parteien bezüglich der Machtübertragung schreibt August Tahlheimer (KPO) seinerzeit treffend: »Die Rolle der bürgerlich-demokratischen Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, bei der Vorbereitung des Fsaschismus besteht nicht darin, daß sie selber inElemente der faschistsichen Partei verwandeln, sondern darin, daß sie den Parlamentarismus und sich selber diskreditieren und dadurch die Entstehung einer faschistischen Partei begünstigen, die das Urteil vollstreckt, das sie über sich selber fällen.« (August Tahlheimer, “Über den Faschismus”, ……)

Die ersten offiziellen Verhandlungen mit Hitler auf höchster parlamentarischer Ebene begannen am 13. August 1932.

Die Politik (im Parlament) wurde von einer kleinen Gruppe Männer aus ultrarechten Parteien gemacht, die mit einer geschickten personellen Machtkonstellation Reichswehr, Polizei und große Teile der Schwerindustrie und der Presse hinter sich hatte und regieren konnte. Hitlers Ernenung zum Reichskanzler am 30. Jauar 1933 vollzog sich schleichend über dsa Kabinett Schleichers und erfolgte im Rahmen des Machtkalküls der herrschenden national-reaktionären Kräfte.

Zurück zum Antifaschismus

Der Kampfbund gegen den Faschismus (KGF)

Mit dem Verbot des RFB 1929 war der KPD die Möglichkeit genommen, die Politik der Straße weiter fortzuführen. Dies war vor allem deshalb von Bedeutung, da die faschistische Bewegung stark angewachsen war und die SA bereits zu dieser Zeit zum offenen Terror gegen Funktionäre und ArbeiterInnenvierteln übergegangen war. Desweiteren war die politische Aktion der Demonstration zu jener Zeit das einzige Element der Politik, welches der KPD noch als zuverlässiges Mittel zu Verfügung stand.

Als unmittelbare Reaktion auf die Reichstagswahl am 14.September 1930, auf die ersten parlamentarischen Erfolge der NSDAP (Stimmenzuwachs von 12 auf 107 Sitze) zu verbuchen hatte, wurde am 28. September 1930 der “Kampfbund gegen den Faschismus” (KGF) als »als überparteiliche proletarische Massenorganisation zum Kampf gegen den Faschismus in all seinen Erscheinungsformen, insbesondere gegen den Nationalsozialismus« ins Leben gerufen.

Der KGF baute größtenteils auf den organisatorischen Strukturen des ab 1929 illegal weitergeführten RFB auf. Trotz der überwiegend abgrenzenden Politik der KPD-Leitung (seit 1928 offizielle Linie) war der KGF der weitergehende Versuch die Zusammenarbeit in der Basis der ArbeiterInneschaft unter dem Vorzeichen der “Einheitsfront von unten”. Der KGF war vor allem eine praktische Initiative zur Organisierung der ArbeiterInnen in den betrieben, Stempelbüros, Stadtvierteln und Häuserblocks.Deise schon zu dieser Zeit organisationsübergreifenden “Selbstschutzstaffeln” bildeten später die Grundlage für den “Roten Massenselbstschutz” innerhalb der Antifaschistischen Aktion.

Es gab einen gleitenden Übergang von KGF zur Antifaschistischen Aktion. Diese beiden Organisationen existierten nicht konkurrierend zueinander. Dort, wo Ortsgruppen des KGF bereits vorhanden waren gingen diese zumeist geschlossen in die Antifaschistische Aktion über oder agierten weiter unter ihrem Namen, jedoch war dann eine Gründung einer Ortsgruppe der Antifaschistischen Aktion überflüssig.

Die Antifaschistische Aktion

Der Zeitpunkt des Entstehens der Antifaschistischen Aktion als organisatorisch-inhaltliches Konzept, das die politischen Einheitsfrontbestrebungen auf den Punkt brachte, war erst gegeben, als sich die deutsche Führung der KP entschloß – unabhängig von der KI – in der Praxis von der “Sozialfaschismusthese” abzurücken.Diese von der Basis und politischen Geschehnissen geforderte Kursänderung fand ihren Ausdruck in der Sitzung des Zentralkomitees der KPD am 23. Mai 1932: Der Teil der Leitung der KPD, der bisher am heftigsten die KI-Beschlüsse vertreten hatten (die die Zusammenarbeit mit “Sozialfaschisten” ablehnten), – die Gruppe um Neumann/Remmele – wurde aus dem Präsidium gewählt. Desweiteren wurde beschlossen, fortan zusammen mit allen vom Terror der Faschisten betroffenen die Einheit aller AntifaschistInnen zu suchen. Dies war zwar auch in den Jahren zuvor mit der Einheitsfront “von unten” propagiert worden, jedoch “schoß” die KPD (mittels der “Roten Fahne”) immer wieder verbal gegen die Führung der SPD.

Am nächsten Tag, den 24. Mai 1932, überfiel im Reichstag die Fraktion der NSDAP die Abgeordneten der KPD, was diese zum Anlaß nahmen, öffentlich die Antifaschistische Aktion auszurufen: »Die Antifaschistische Aktion muß durch den organisierten roten Massenselbstschutz in breitester Einheitsfront den Mordterror des Hitlerfaschismus brechen.« und an anderer Stelle wurde erklärt: »Nehmt in allen Betrieben, auf allen Stempelstellen, in allen Gewerkschaften und Massenorganisationen, nehmt in Stadt und Land unverzüglich Stellung zu den neuesten Ereignissen. Entschiedet euch für die Teilnahme an der Antifaschistischen Aktion der kämpfenden roten Einheitsfront.«

Ernst Schneller wurde beauftragt unverzüglich Vorbereitungen zur offiziellen Bildung der Antifaschistischen Aktion zu treffen. Programmatisch erklärte die Antifaschistische Aktion, sie wolle eine Einheitsfront der ArbeiterInnen der SPD, der christlich organisierten ArbeiterInnen, de gewerkschaftlich Organsierten und Unorganisierten, desReichsbanners, der Beamten, BäuerInnen, HandwerkerInnen und Intelektuellen sein. Ziel sei es, eine gemeinsame praktische antifaschistische Politik zu entwicklen.

Viele begriffen diese Signal der KPD als Erleichterung, nach den Jahren der Abgrenzung nun wieder die Einheitsfront der ArbeiterInnen zu suchen. Der Aufruf zur Antifaschistischen Aktion wurde an vielen Orten praktisch umgesetzt.

Die Führung der SPD und des Reichsbanners sah der Gründung der Antifaschistischen Aktion mit Skepsis entgegen; sie verboten ihren Mitgliedern die Teilnahme an der Antifaschistischen Aktion. Am 28. Juni 1932 untersagte ein Rundschreiben des Parteivorstandes der SPD an die Bezirksleitungen ausdrücklich alle Verhandlungen von SozialdemokratInnen mit KommunistInnen. Gegen Mitglieder, die diese Anordnung nicht befolgten, ging die SPD mit organisatorischen Maßregeln bis hin zum Ausschluß.

Wie nun sah die Praxis der Antifaschistischen Aktion aus? Noch im Mai entstanden in vielen Betrieben Ausschüsse, in denen sozialdemokratische GewerkschafterInnen zusammen mit KPD-Mitgliedern arbeiteten. Sie organisierten nun nach Jahren der Trennung wieder gemeinsam den Kampf gegen den Terror der Nazis, der inzwischen auch in den Fabriken zugenommen hatte. Antifaschistische Kundgebungen wurden abgehalten, in denen sich die Belegschaften gegen den stärker werdenden Faschismus aussprachen. Vor allem in den weit von Berlin entfernten Gebieten, in denen die Fraktionierung der vergangenen Jahre nicht so eine große Rolle gespielt hatte, entstand mit der Antifaschistischen Aktion binnen kürzester Zeit eine relativ kraftvolle Bewegung.

Da verschiedene Einheitsfrontkomitees in Deutschland entstanden waren, wurde durch Kongresse und Konferenzen verucht, diese Kräfte zusätzlich zu bündeln.

Am 10. Juli 1932 fand in Berlin der gesamtdeutsche Kongreß der Antifaschistischen Aktion statt. Er war Auftakt der Antifaschistischen Kampfwoche der Antifaschistischen Aktion vom 10. Juli bis 17. Juli 1932. Clara Zetkin eröffnete diesen Kongreß mit einem Begrüßungsschreiben, indem sie erklärte: »Diese Einheitsfront muß über die Gesamtheit des Proletariats hinausreichen und auch die Angestellten, Handwerker, Kleingewerbetreibenden, kleinen Bauern und nicht zuletzt auch die Intelektuellen aller Schichten erfassen.«

Der Aufruf zur Antifaschistischen Aktion hatte auch viele KleinbäuerInnen in den östlichen Gebieten zu Komitees zusammengeschlossen.Trotz des gerade hier starken Einflusses der reaktionär-faschistischen Junker gelang es, breitere Aktionen gegen die Angriffe der Nazis zu organisieren.

Aber vor allem in den AbreiterInnenvierteln der Großstädte fand die Antifaschistische Aktion Zuspruch – hier, wo die Auswirkungen der Wirtschaftskrise am deutlichsten sichtbar wurden, in immer mehr Arbeitslosen und zunehmender Verarmung.

Roter Massenselbstschutz

Über den “Roten Massenselbstschutz” gibt es sehr wenige Quellen. Diese Formulierung findet sich jedoch in zahlreichen Aufrufen jener Zeit, vor allem bezüglich verschiedendster Abwehraktionen im Zusammenhang mit der Antifaschistischen Aktion. Hierbei kann nicht von einer Organisation gesprochen werden. Es handelt sich vielmehr – ebenso wie bei der Antifaschistischen Aktion – um ein organisatorisches Konzept, daß sich aus der politischen Notwendigkeit in Betrieben, Stempelbüros und vor allem den Stadtvierteln entwickelt hatte. Sowohl militante (Abwehr-)Aktionen des KGF als auch der Antifaschistischen Aktion wurden als “Roter Massenselbstschutz” bezeichnet.

“Der Rote Massenselbstschutz ist Teil der Antifaschistischen Aktion der Millionenbewegung der kämpfenden roten Einheitsfront.

Der Rote Massenselbstschutz ist keine Organisation, auch kein Verein, sondern eine überparteiliche Zusammenfassung aller antifaschistischen Arbeiter und Werktätigen.

…Er kämpft für die Reinigung der Betriebe von Nazizellen, sowie für den Aufbau von Selbstschutzstaffeln aller Arbeiter in allen Betrieben und auf allen Stempelstellen.

Der Rote Massenselbstschutz kämpft gegen den faschistischen Terror auf der Straße, gegen SA.-Lokale, SA.-Heime, SA.-Stützpunkte, für den Schutz der Wohnungen und Lokale der Arbeiter, des Arbeitereigentums, der Arbeiterpresse und der Konsumgenossenschaften.

Der Rote Massenselbstschutz organisiert einen ständige Aufklärungsarbeit unter den Angestellten und dem werktätigen Mittelstand, vor allem unter den kleinen Geschäftsleuten: er führt aber einen rücksichtslosen Kampf gegen diejenigen faschistsichen Geschäftsleute, die Träger und Stützpunkte der Naziagitation sind.

Wie wird der Rote Massenselbstschutz mobilisiert?

Die Massenselbstschutzstaffeln werden durch die Staffelleitungen alarmiert und unterstellen sich während der Durchführung der ihnen gestellten Aufgaben in freier Disziplin den Anweisungen des Führers, der vom Vorsitzenden der Staffelleitung für die Durchführung der betreffenden Arbeit bestimmt worden ist.” (Richtlinien für den RMSS, Hamburg 11. Juli 1932. Analog in “Roter Massenselbstschutz, marschiert mit”. Verantwortlich: Ernst Schneller).

Auseinandersetzungen

Strategie der SA – als ihr Verbot am 14. Juni 1932 aufgehoben wurde – war es zunehmend, an jenen Orten, an denen die ArbeiterInnenschaft besonders verwurzelt war, durch gezielte Provokationen massiv aufzutreten. Überfälle auf Kneipen und Gaststätten der KPD, des Reichsbammers oder der SPD gehörten ebenso dazu wie Demonstrationen durch traditionelle ArbeiterInnenviertel.

Hier zeigte sich die Stärke der Einheitsfrontkomitees, die den Schutz ihrer Viertel, ihrer Betriebe, ihrer kulturellen Stätten organisierten. Im Ruhrgebiet wurden mehrmals die Parteihäuser der SPD und der KPD gemeinsam gegen Überfälle geschützt. Ab Mitte Juni war es der SA in vielen Vierteln des Ruhrgebietes nicht mehr möglich, offen aufzutreten, da sie gemeinsam von Reichsbannermitgliedern, christlichen und unorgansierten und kommunistischen ArbeiterInnen vertrieben wurden. Am 13. Juli 1932 schafften es in Wuppertal/Eberfeld mehrere zehntausend Menschen einen Auftritt Hitlers und eine Demonstration der SA nach einer Kundgebung der Antifaschstischen Aktion zu verhindern. Am 17. Juli 1932 versuchten 11000 SA-Mitglieder aus ganz Norddeutschland in Altona einen Aufmarsch durchzuführen. Die Faschisten wurden blutig zurückgeschlagen, trotz der Bemühungen der Polizei, die Demonstration durchzusetzen.

Insgesamt läßt sich vergleichend feststellen, daß die Eskalationsstufe der Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und AntifaschistInnen um einiges höher lag alles heutzutage. So gehörte es in der Zeit von 1932/33 zum Alltag, daß bei Zusammenstößen Tote auf der Strecke blieben. Allein in der 2. Hälfte des Junis 1932 waren 17 tote (linke) ArbeiterInnen zu verzeichnen, im Juli waren es bereits 86. Allein der 10. Juli 1932 (Beginn der Antifaschistischen Kampfwoche) forderte 17 tote AntifaschistInnen, 10 tödlich Verletzte und 181 zum Teil Schwerverletzte.

Das Auftreten der Faschisten konnte in der Öffentlichkeit zu einem beträchtlichen Teil zurückgedrängt werden, deutlich wurde, daß ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung Widerstand gegen den faschistischen Terror zu leisten bereit war. Dies konnte aber nicht im Sinne der, auf Zusammenarbeit mit den Nazis, angewiesenen Papen-Regierung sein. Diese verfügte am 9. August 1932 die Notverordnung gegen “politische Gewalttaten”, mit der schon vor der Machtübertragung auf die Faschisten und dem offenen Terror gegen linke Oppositionelle viele AntifaschistInnen abgeurteilt wurden. So gab es zwischen dem 17. August 1932 und dem 30. Januar 1933 2297 Verfahren, die oft mit langjährigen Haftstrafen endeten. Gegen diese Sondergerichtsverfahren gab es keinerlei Rechtsmittel. In diesen Verfahren Verurteilte waren die ersten, die später in den nationalsozialistischen Konzentrationslager landeten.

Verschiedene Ansätze

Innerhalb der Antifaschistischen Aktion lassen sich rückblickend zwei Haupströmungen ausmachen. Diese dokumentieren augenscheinlich die unterschiedliche Wirklichkeit der Basis auf der einen Seite und der Führung auf der anderen Seite.

Programmatisch vertraten die InitiatorInnen der Führung der KPD als Verhinderungskonzept des Faschismus, den Generalstreik im Augenblick der Machtergreifung durchzuführen. Immer wieder wurde in den Analysen und den Publikationen auf die Erfahrungen des Kapp-Putsches hingewiesen. Dieser hätte bewiesen, welche “Wucht die geschlossene Arbeiterklasse” entwickeln könne. Daß diese Vorstellung nicht gänzlich falsch war, bewies in der Tat das historische Ereignis wie der Kapp-Putsch und der anschließende Ruhraufstand. Jedoch wurden die politisch objektiven Veränderungen und Gegebenheiten der gespaltenen Situation der ArbeiterInneschaft im Jahre 1932 weitesgehend ausgeblendet.

Tatsache war zum einen, daß die Basis dem Einheitsfrontaufruf bzw. dem Generalstreik hätte folgen müssen. Das schien aber bei der gespaltenen ArbeiterInnenschaft unwahrscheinlich. Zum einen aus der Rolle der SPD erklärend, die – bis weit in das Jahr 1934 hinein – jegliche offiziellen Angebote der KPD ablehnte, gemeinsame Aktionen, welcher Art auch immer, durchzuführen. So konnte einE kommunitisch OrganisierteR – selbst wenn er/sie gewollt hätte – den SPD-nahen Organisationen nicht beitreten. Das galt sowohl für den Reichbanner als auch der Eisernen Front.

Zum anderen war es ebenfalls unumstößliche Realität, daß die sich als revolutionär verstehenden ArbeiterInnen, die zum allergrößten Teil in kommunistischen Organisationen organisiert waren, die ersten waren, die aus den Betrieben gefeuert wurden. So waren amE nde der Weimarer Republik lediglich ca. 15% der kommunistisch organisierten ArbeiterInnen mit Arbeit versorgt. D.h. logischerweise, daß deren Einfluß in den Betrieben und Fabriken vergleichsweise gering war. Eine Verankerung an den Arbeitsstätten wäre aber Grundvoraussetzung gewesen, um überhaupt – propagandistisch und praktisch – auf einen Generalstreik hinzuwirken und diesen auch durchzusetzen. So wirkungsvoll und richtig ein Generalstreik auch war – vielleicht die einzige Möglichkeit zu dieser Zeit, die Faschisten im Regen stehen zu lassen – so unwahrscheinlich war dessen faktische Durchsetzung, weil es jeglicher Grundlage entbehrte.

Hinzu kam die – bis 1932 – unklare Position der Führung der KPD, wie denn nun Einheitsfront herzustellen sei: von “unten” gegen “oben”?

Zwar bot am 20. Juni 1932 die KPD den demokratischen Parteien SPD und Zentrum an, auf eine eigene Kanditaur zu verzichten und die SPD/Zentrumskandidaten für die kommende Reichstagswahl zu stützen, noch an politische Forderungen gebunden, jedoch reagierte die SPD nicht bzw. lehnte letztlich ab. Selbst als die KPD ihr Angebot am 22. Juni 1932 wiederholte – diesmal ohne jeglich politischen Forderungen, lehnte die SPD ab.

“Am 20. Juni 1932 erklärte die KPD ihre Bereitschaft, auf eigene Kandidaten zu verzichten und für ein ausschließlich aus Vertretern der SPD und Zentrum bestehendes Landtagspräsidium (Preußischer Landtag, d.V.) zu stimmen, wenn diese beiden Fraktionen sich verpflichten, Anträge der KPD auf Herstellung der Versammlungs-, Demonstrations- und Pressefreiheit, Freigabe des Rundfunks auch für die revolutionäre Arbeiterbewegung und Nichtdurchführung der Papennotverordnung vom 14. Juni zu unterstützen.” (Die Antifaschistische Aktion – Dokumentation und Chronik, Mai 1932 Januar 1933, S. 24, Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Herausgeber: Heinz Karl und Erika Kücklich; Dietz-Verlag, Berlin 1965).

Die Antwort der SPD beschränkte sich nicht nur auf das Ablehnen der KPD-Angebote, eine weiterreichende folgenschwere Entscheidung war der Erlaß der SPD-Führung an die eigenen Reihen am 28. Juni 1932, keine Abwehrausschüsse mit KommunistInnen bilden zu dürfen. Das war ein Schlag ins Gesicht der realen Verhältnisse, da sich gerade an der Basis, unabhängig von Parteizugehörigkeit, der Einheitsfrontgedanke zu dieser Zeit zum Teil schon in praktische Ansätze verwandelt hatte.

“Die rechten Führer der Sozialdamokratie mußten (…) den Bankrott ihrer Ideologie und Politik erleben. (…) Der Parteivorsitzende Otto Wels ging in seinem Antikommunismus beispielsweise so weit, daß er die Kommunisten mit den Faschisten gleichsetzte, beide als Kräfte bezeichnete, die die bürgerlich-parlamentarische Republik zu vernichten trachteten. Das erleichterte es den imperialistischen Kräften, die Spaltung der Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten, und war die entscheidende Ursache dafür, daß der Machtantritt der Faschisten nicht verhindert werden konnte. Klassenbewußte Sozialdemokraten und Gewerkschafter traten immer wieder gegen die Politik der Klassenzusammenarbeit ihrer Führungen auf, beriefen sich auf die revolutionäre Vergangenheit der Sozialdemokratie.Sie blieben jedoch in der Minderheit und konnten die Politik der SPD insgesamt nicht beeinflussen.” (Heinz Kühnrich, Die KPD im Kampf gegen die faschistische Diktatur 1933-1945, S. 16; (c) Dietz-Verlag Berlin 1983.)

Selbst nach dem “Preußenschlag” war die SPD nicht gewillt, auch nur ansatzweise von ihrer Position abzurücken. In der KPD hingegen hatte sich im Laufe des Jahres nach jahrelangen internen Konflikten selbst in der Führung (gegen die KomIntern) die Einsicht durchgesetzt, daß der Faschismus nur in der Einheit der ArbeiterInnenbewegung zu stoppen sei. Ja sogar mit den zuvor als “Sozialfaschisten” bezeichneten Führungspersönlichkeiten der SPD wurde nun offiziell die Einheit gesucht. Aber die SPD verharrte wie ein Kanninchen, das darauf wartete, von der Schlange des Faschismus verschlungen zu werden.

Wie widersprüchlich die Politik bezüglich der Einheitsfornt von “unten” oder von “oben” seitens der KPD darstand, macht eine Kritik Leo Trotzkis aus jener Zeit deutlich:

“(…) Am Abend des 20. Juli (Preußenschlag, d.V.) faßte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei folgenden Beschluß:

“Die Kommunistische Partei richtet vor der proletarischen Öffentlichkeit an die SPD, an den ADGB und an den Afa-Bund (Allgemeiner freier Angestelltenbund, d.V.) die Frage, ob sie bereit sind, gemeinsam mit der Kommunistischen Partei den Generalstreik für die proletarischen Forderungen durchzuführen.”

Diesen so wichtigen und unerwarteten Beschluß veröffentlichte das Zentralkomitee in seinem Rundschreiben vom 26. Juli ohne jeglichen Kommentar. Kann man ein vernichtenderes Urteil über seine bisherige Politik fällen? Noch tags zuvor war es für sozialfaschistisch und konterrevolutionär erklärt worden, sich mit dem Vorschlag gemeinsamer Aktionen an die reformistische Führung zu wenden. Wegen dieser Frage hatte man Kommunisten ausgeschlossen,(…).

Wie konnte dieses Zentralkomitee am Abend des 20. Juli mit einem Male das anebeten, was es tags zuvor verbrannt hatte? Und in welch traurige Lage hat die Bürokratie die Partei gebracht, wenn es das Zentralkomitee wagen durfte, mit seinem überraschenden Beschluß vor sie hinzutreten, ohne sich zu erklären oder zu rechtfertigen!

Solche Wendepunkte sind der Prüfstein einer Politik. Faktisch hat das Zentralkomitee der deutschen Kommunistischen Partei am Abend des 20. Juli der ganzen Welt dargetan: “Unsere bisherige Politik war untauglich.” Ein zwar unfreiwilliges, aber völlig richtiges Geständnis. Zum Unglück konnte auch der Antrag vom 20. Juli, der die vorangegangene Politik umstieß, auf gar keinen Fall ein positives Ergebnis haben. Ein Appell an die Führungsspitze kann – ganz unabhängig von ihrer heutigen Antwort – nur dann revolutionäre Bedeutung haben, wenn er zuvor von unten vorbereitet wurde, d.h. wenn er sich auf allgemeine Politik stützt. Doch die stalinistische Bürokratie sagt den sozialdemokratischen Arbeitern tagaus tagein: “Wir Kommunisten lehnen mit den SPD-Führern jede Gemeinschaft ab.” (…). Der unvorbereitete, unerwartete, unmotivierte Antrag vom 20. Juli war nur dazu geeignet, die kommunistische Leitung bloßzustellen, indem er ihre Inkonsequenz, ihren Leichtsinn, ihre Neigung zur Panik und zu abneteuerlichen Sprüngen deutlich machte.” (Leo Trotzki, Der einzige Weg, September 1932. Abdruck nach: drs., Schriften über Deutschland, Hrsg. von Helmut Dahmer, Band I, Frankfurt/M 1971; Quelle: Schafft Einheit gegen den Faschismus,S. 132/133, Ein Lesebuch, (c) by LitPol Verlagsgesellschaft/Berlin, 1985).

Dieser deutlichen Kritik ist nichts hinzuzufügen. Es dokumentiert die politisch verfahrene Situation der KPD zu jener Zeit. Daß sie in der Sackgasse steckte, hatte sie nicht nur den Verhältnissen zuzuschreiben, sondern ebenfalls ihrer seit 1928 betriebenen, kurzsichtigen Politik.

Daß sich ein Strömung, wie die Einheitskomitees, dennoch auch zur offiziellen Konzeption der Antifaschistischen Aktion durchsetzen konnte, ergab sich aus den gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Die Einheitsfrontpolitik war ja nichts grundsätzlich neues. Die Basis, deren Druck – bzw. die praktizierte Einheitsfront – auch die Führungen der beiden großen ArbeiterInneparteien zu spüren bekamen, stellte faktisch die eingangs erwähnte zweite Strömung innerhalb der Antifaschistischen Aktion dar.

Der “Rote Massenselbstschutz” als militantes Konzept der Antifaschistischen Aktion war schon vor deren offizieller Ausrufung praktiziert worden. Und zwar nicht in erster Linie in den Betrieben, sondern dort, wo die Menschen dringend auf die Zusammenarbeit angewiesen waren. In Stempelbüros und in den Wohnvierteln, sowie auf Großkundgebungen war die Antifaschistische Aktion greifbar. Diese Aktionen – in erster Linie Abwehr von Faschisten und Polizei – organsisatorisch in den Einheitskomitees zusammengefaßt, bildeten die eigentliche Grundlage der Antifaschistischen Aktion. Hier waren ArbeiterInnen, Arbeitslose, Jugendliche, kleine Gewerbetreibende, Leute der unteren Mittelschicht, Frauen wie Männer organisiert.

Über eine speziell gesonderte Organisierung von Frauen in eigenen Gruppen ist der Antifaschistischen Aktion oder auch des KGF ist wenig bekannt. Es ist lediglich bekannt, daß sich der Rote Massenselbstschutz, die Antifaschistische Aktion und der KGF in Staffeln organsierte. So gab es Frauen- und Jugendstaffeln. Von einer konsequenten getrenntgeschlechtlichen Organsierung – wie beispielsweise beim RFB/RFMB – kann aber nicht durchgehend gesprochen werden.

Fazit

War der Kampfbund gegen den Faschismus der erste zaghafte Schritt hin zu einer antifaschistischen Organisation, die sich nicht auf ausschließlich kommunistisch organisierte ArbeiterInnen, setzten sich die Einheitsfrontbestrebungen erst über den praktizierten “Roten Massenschselbstschutz” durch.

Mit dem Reichseinheitskongreß vom 10. Juli hatte sich auch in der Führung der Kommunistischen Partei die Einheitfrontpolitik in Form der Antifaschistischen Aktion durchgesetzt.

Dies drückte sich auch in der Art der Organisierung dem äußeren Erscheinungsbild aus. So hatte der KGF beispielsweise noch eine Art Uniform (Schwarzes Hemd, dunkle Hose und Lederriemen), ähnlich der des RFB und Mitgliedsausweise. Mit dem “Roten Massenselbstschutz” (und der Antifaschistischen Aktion) wurden Uniformen und Mitgliedsausweise fallengelassen. Das Emblem des “Roten Massenselbstschutz” glich dem des KGF sehr stark. (Rechte Faust mit Roter Fahne und Namen darin).

Die Antifaschistische Aktion vermochte in ihrer Zeit kurz vor der Machtübertragung an die Faschisten ein Kraft zu entwickeln. Dies drückte sich durch praktische Solidarität aus, das ein Vordringen der Nazis behinderte, daß diese teilweise bis weit in die dreißiger Jahre hinein aus einzelnen ArbeiterInnenvierteln und wenigen Betrieben herausgedrängt wurden. Auch die breite Streikwelle im November 1932 war ein Ergebnis einheitlichen Handelns. Infolgedessen kam es zu starken Einbußen der NSDAP bei den Novemberwahlen; dies trotz der Tasache, daß die SPD und KPD parlamentarisch geköpft und die kommunistischen Organisation darüberhinaus bereits zu dieser Zeit einem unglaublichen rechten Terror durch Faschisten und Polizei ausgesetzt waren. Für die KPD war es faktisch unmöglich ihren Wahlkampf entsprechend zu führen.

Die Antifaschistische Aktion war jedoch bei weitem nicht in der Lage den Sprung in den deutschen Faschismus zu verhindern. Zu groß waren die politischen Gegensätze und Feindschaften der traditionellen ArbeiterInnenparteien, zu tief die Gräben in der ArbeiterInnenbewegung, als daß dieser letzte Versuch einer breiten Einheitsfront gegen Rechts hätte noch greifen können. Das, was beispielsweise in Frankreich drei Jahre später in Form der Volksfront den Faschismus verhinderte, wurde in Deutschland bereits im Keim erstickt.

Gerade aber der Versuch der Einheitsfront gegen Rechts, durch den “Roten Massenselbstschutz” die Spaltung der ArbeiterInnenbewegung zu überwinden, zeigte dennoch, welches Potential im Grunde zum Widerstand in der ArbeiterInnenklasse vorhanden war.

Mit der Machtübertragung auf die Faschisten am 30. Januar 1933 begann die systematische Vernichtung linker Kultur, der linken Organisationen und Parteien. Auf eine illegale Arbeit als Massenorganisation hatte sich weder die KPD noch die ihr nahestehenden Organisationen vorbereitet. Lediglich die Funktionäre waren auf eine kruze Zeit der Illeagität vorbereitet. Diese mangelnde Vorbereitung war nicht nur eine Frage der Zeit gewesen, sondern lag vor allem auch in der zum Teil fehlerhaften Analyse des Faschismus und nicht zuletzt an der völlig fehlerhaften Einschätzung breiter Schichten der Lohnabhängigen bzw. der ArbeiterInnenklasse, der mehr revolutionäres Bewußtsein und Kampfkraft zugeschrieben wurde, als sie in der Tat besaß.

Es muß jedoch angemerkt werden, daß die Machtübertragung nicht ohne weiteres von statten ging. So wurden beispielsweise noch nach der Machtübertragung, allein zwischen dem 30. Juni bis 2. Juli 1934 83 SA-Nazis durch Revolutionäre liquidiert.

Dies ist deshalb wichtig anzumerken, weil in der Vergangenheit allzuoft pauschale Aussagen über den Zusammenbruch der ArbeiterInnenbewegung gemacht wurden.

Daß die Gründe für denAufstieg des Faschismus nicht nur in organisatorischer und militärischer Schwäche der ArbeiterInnenbewegung zu suchen sind, dürfte hinlänglich bekannt sein.Deshalb soll zum Abschluß nocheinmal versucht werden, Fehler auf Seiten der Linken auszuleuchten.

Einige Gründe des Scheiterns des antifaschistischen Widerstands

Daß sich der deutsche Faschismus konstituieren konnte, lag nicht mehr in der Einflußnahme der Initiative der Antifaschistischen Aktion. Diese erlange als Konzept der Einheitsfront zu spät Einfluß auf die kommunistische bzw. die ArbeiterInnenbewegung allgemein. Die Ursachen für das Aufschwingen des Faschismus lag in der Enwicklung der kapitalistischen Gesellschaft, also der Weimarer Republik begründet. Die Ursachen sind aber nicht nur national zu suchen. Die Entstehung einer faschistsichen Herrschaftsform ist nur aus der Entwicklungsphase des imperialistischen Kräfteverhältnisses weltweit zu erklären. Aber eine Charakteriesierung des Faschismus als eine Herrschaftsform des Kapitalismus soll hier nicht Gegestand des Textes werden.

Ausdruck der (dynamischen) Entwicklung ist die Tatsache, daß nach den revolutionären Aufständen 1918 die SPD sich von einer systenoppositionelen zu einer staatstragenden Partei (Kraft) entwickelte. Noch während der revolutionären Auftsände schlug die SPD denWeg der Zusammenarbeit mit den ehemals staatstragenden Kräften aus Militär und Großindustrie ein. Mit der (wirtschaftlichen) Krise der Weimarer Republik und der damit verbundenen inneren politischen Krise begannen Kreise des Großkapitals bereits Mitte der 20er Jahre mit dem systematischen Aufbau der NSDAP.

“Die um die sogenannte Nationalsozialistische Deutsche Arbiterpartei (NSDAP) mit Adolf Hitler an der Spitze gruppierten Kräfte konnten in dieser Zeit rasch an Einfluß gewinnen und andere reaktionäre und faschistische Kräfte überflügeln, weil sie diese Stimmung ausnutzten und es ihnen gelang, mit ihrem raffinierten Gemisch von nationaler und sozialer Demagogie viele Menschen zu beeindrucken, besonders aus den kleinbürgerlichen Schichten. Um die Massen zu verwirren, mißbrauchten sie schamlos in der Arbeiterbewegung lebendige Traditionen und Begriffe. Sie eigneten sich die rote Fahne an, gaben ihre Partei als “national”, als “sozialistisch” und als “Arbeiterpartei” aus. Die Faschisten versprachen allen alles: den Werktätigen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und einen “nationalen Sozialismus” zu errichten, den Bauern, die “Zinsknechtschaft”, den Mittelständlern, die Macht der “Plutokraten” und der Warenhauskonzerne zu brechen, den Militärs, ein wehrhaftes und starkes Deutschland zu schaffen. Den Monopolen sicherten sie zu, “Ruhe und Ordnung” herzustellen und den Kommunismus zu vernichten. Mit ihren verlogenen Phrasen und demagogischen Losungen lenkten die Nazis von der Ursache des Elends, der Politik des Finanzkapitals, und damit von den wahren Schuldigen ab.” (Heinz Kühnrich, Die KPD im Kampf gegen die faschistische Diktatur 1933-1945, S. 10; (c) Dietz-Verlag Berlin 1983.)

Damit entschied sich, vor allem das Großkapital, für das nationalsozialistische Herrschaftsmodell zur Sicherung ihrer imperialistischen Politik. Die traditionelle ArbeiterInnenbewegung, die sich in den revolutionären Aufständen nicht durchsetzen konnte, führte in den 20er Jahren fast ausschließlich massenorientierte Abwehrkämpfe.Aufgrund dieser Situation liegt die Frage im Raum, ob die Möglichkeit bestanden hätte, sozialistische fortschrittliche Gesellschaftsmodelle zu entwickeln und damit die Wurzeln des (Faschismus) Nationalsozialismus hätte von vorneherein eintrocknen können.

Innerhalb der KPD, die sich seit 1925 stark an der Politik der Kommunistischen Internationale orientierte und teilweise von ihr bestimmt wurde, stellte sich die Initaitive der Einheitsfront gegen Rechts und der späteren Antifaschistischen Aktion als fortschrittliche Strömung dar. Auch wenn das Umschwenken der Leitung der KPD weg von der “Sozialfaschismusthese”, war im Sommer 1932 von der KomIntern (Knorin, Leiter der KomIntern zu dieser Zeit) kritisiert und getadelt worden war, als zu spät erwies, so stellte es sich in der Praxis, vor allem an der Basis, als sinnvoller Kampf gegen den Terror der Nazis (und der Polizei) dar.

Als auf Initiative der KPD im Mai 1932 die Antifaschistische Aktion ausgerufen wurde, waren grundsätzliche Bedingungen zur Errichtung der faschistsichen Diktatur schon volllzogen worden. Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 erkannte die Großindustrie sehr schnell, daß die bürgerliche parlamentariche Demokratie als Herrschaftsmodell nicht mehr in der Lage war, die Rezession zu überwinden. So wurde schon 1930 mit der Einsetzung der Präsidialdiktatur Brünings nach 48 praktisch das Parlament außer Kraft gesetzt und besaß faktisch seit dieser Zeit keine Machtbefugnisse mehr. Die herrschenden Kapitalkreise bestimmten fortan offen und direkt die Politik der Reichsregierung und versuchte in der Folgezeit mit verschiedenen Machtkonstellationen die ArbeiterInnenbewegung und die Demokratie als Staatsform als potentielle Widerstandskräfte auszuschalten. Vor diesem Hintergrund konnte sich der Nationalsozialismus durchsetzen, was 1933 zur Machtübertragung auf die Faschisten führte.

Teile der KPD charakterisierten schon ab 1929 die Zustände in Deutschland als faschistisch. In dieser Logik gab es keine qualitative Steigerung dessen mehr, was beispielsweise an Terror gegen jegliche Opposition im Faschismus wütete. So wurde der sich ausbreitende Terror der Nazis als quantitative Steigerung hin zu einer neuen Qualität unterschätzt.

Die tiefere Ursache liegt hier in der fehlerhaften Analyse der gesellschaftliche Verhältnisse, vor allem der Einschätzung der eigenen Kräfte (ArbeiterInnenbewegung). Die “Sozialfaschismusthese” brachte die fehlerhafte Stoßrichutng der aus der Analyse abgeleiteten Politik auf den Punkt. Da die SPD jene Politik der Regierung Brüning tolerierte – in den Ländern oft selbst die Polizei gegen die ArbeiterInnen einsetzen ließ – wurde als insgesaamt “sozialfaschistisch” bezeichnet. Hier fehlte die Einschätzung, daß der Nationalsozialismus andere Dimensionen beispielsweise der Repression und des Terrors beinhalten werde, als der autoritäre Staat von 1930. Damit wurde auch die eigene politische Linie der KPD zahnlos, da durch diese Analyse der Faschismus letztlich verharmlost wurde. Was sollte außerdem durch einen Generalstreik verhindert werden, was – laut Analyse – schon existierte. Damit war ein konkreter Zeitpunkt zum Ausrufen eines Generalstreiks realtiv beliebig geworden.

Durch die mit aller Radikalität durchgesetzte Abgrenzung zu großen Teilen der SPD und ihren Gewerkschaften, war es fast unmöglich, in der kurzen Zeit der Existenz der Antifaschistsichen Aktion, zu einer umfassenden Zusammenarbeit zu kommen, zumal ja noch die grundsätzlich ablehnende Position der SPD im Raum stand. Diese festere Zusammenarbeit hätte eben nicht nur eine erfolgreiche Zurückdängung der Nazis von der Straße bedeutet, sondern die Vorausetzung, um den Faschismus überhaupt aufhalten zu können. Durch die ablehnende Haltung de SPD Führung, die sich der Orientierung ihrer AnhängerInnenschaft sich er war, bedurfte es großer Anstrengung seitens der KPD die Idee und die Ziele der Antifaschistischen Aktion zu vermitteln.

Erst im Jahre 1935, als die Trageweite des Faschismus in Deutschland allmählich deutlich wurde, kam es zu offiziellen Zusammearbeit von KPD und SPD, die zum größten Teil nur noch aus dem Ausland operierte. Der Starschuß für die spätere Volksfront war eine Massendemonstration in Paris 1934 gewesen, wo es zu Verbrüderungsszenen zwischen SozialdemokratInnen und KommunistInnen auf der Straße kam, als sie gemeinsam einen Aufmarsch der französischen faschistsichen Bewegung verhinderten.

Anmerkungen zu inhaltlichen Schwächen

Die KPD deckte zwar den Klassencharakter des Faschismus auf, und damit eine Waffe zur Herrschaftssicherung gegen die ArbeiterInnebewegung war, “sie analysierte jedoch nicht nicht hinreichend die Motive und Bewußtseinsstrukturen, die die Massen zum Faschismus führten, sondern faßte diese Massenbewegungen unmittelbar als bloßes Instrument des Großkapitals auf, das von diesen Kräften geschaffen, finanziert und nach ihrem Willen eingesetzt wurde. Dies verweist auf große Defizite der KPD in der Erfassung des komplizierten Zusammenhangs zwischen ökonomischer Macht und Massenbewußtsein, zwischen herrschender Klasse und politischer Bewegung.” (Reinhard Kühnl, Der Faschismus,Heilbronn 1988).

Grundsätzlich war die Faschismusanalyse der KPD vor allem ökonomisch orientiert. Fatal daran war die Statik, die im obigen Zitat angerissen ist. Den Faschismus ausschließlich als »die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals” (13. Plenum der EKKI) zu charakterisieren, geht von einer Statik der Herrschaft aus, die massenpsychologische Aspekte zu sehr außer Acht läßt. Ein wesentliches Element faschistischer Herrschaft, ist die Massenzustimmung. Dies ist beispielsweise ein qualitatives Kriterium zur Unterscheidung von Dikaturen/ autoritärer Regime und der Herrschaftsform des Faschismus.

Anhand zweier Punkte der damaligen linken Politik soll aufgezeigt werden, wie es möglich war, für Faschisten anzuknüpfen und das spätere “Einverständnis” faschistsicher Politik auch im überiwegenden Teil der ArbeiterInnenbewegung zu erlangen.

Im Rückblick auf die Geschichte der linken (Massen-)Organisationen deutlich, welches Problem eine umgreifende Umerziehung bzw. Veränderung des Bewußtseins größerer Bevölkerungsteils innerhalb des kapitalistischen Systems mit sich bringt. Zwar waren auch die linken Organisationen – im vergleich zu heute – Massen organisiert, aber im Gegenteil zu den rechten Organisationen, die lediglich vorhandene Gesellschaftsstukturen aufgriefen und anders akzentuieren (zuspitzen) mußten, sah sich die KPD mit grundlegenderen Schwierigkeiten konfrontiert. Einerseits sollte der “Staus Quo” der mit der Novemberrevolution erkämpften sozialenErrungenschaften verteidigt werden, andereseits hätte das Bewußtsein dereingebundenen Massen mit linken Ideen weitereintwickelt werden müssen. Dies ist innerhalb der Massenorganisationen fast ausschließlich bezüglich ökonomischer gesellschafftsanalytischer Aspekte durchgeführt worden. Das Infragestellen der Rolle der Frau bzw. der Kleinfamilie als eine soziale Ausdrucksform bürgerlicher Herrschaft und damit auch Keimzelle sozialer Modelle des Faschismus innerhalb der linken Organisationen spielten in der KPD eine untergeordente Rolle. Gerade die Auseinandersetzungen um die Gründung des RFMB dokumentieren dies augenscheinlich. Ein zweiter Punkt war die nationale Frage, auf die ebenfalls keine fortschrittliche Antwort gefunden wurde. Im Gegenteil. Das teilweise opportunistische Anbiedern an reaktionäre Positionen zeigte sich nicht nur in der Auseinandersetzung um den faschistischen Söldner Schlageter im Jahre 1923. Auch die Tatsache, daß nationalrevolutionäre Positionen der nationalsozialistsichen Bewegung mit ihren antikapitalistsich/antisemitischen Phrasen unterschied sich im EInzelfall so manches Mal nicht von denen einiger KPD-Kreise. Vor allem über die nationalen, antikapitalitisch daherkommenden Phrasen der Faschisten fand eine Einbindung, neben der kleinbürgerlicher Kreise, eines Teils der ArbeiterInnenbewegung in die nationalsozialistische Bewegung statt.

Letzte Worte

Wie bereits erwähnt begann ab 1933 (Reichtagbrand, 27. Februar 1933) die systematische Auslöschung fortschrittlicher Kräfte in Deutschland. Waren die Nationalsozialisten Anfang der dreißiger Jahre mit Hilfe des Großkapitals, gestützt auf die verängstigten kleinbürgerlichen Mitteschichten, an die Macht gelangt, war die Massenzustimmung der ArbeiterInnenbewegung anfänglich nicht auf der Seite der Faschisten. Lediglich die nationalrevolutionäre Strömung garantierte ein Mindestmaß an Anbindung an die traditionelle ArbeiterInnenschaft. Nachdem die (klassenbewußten) ArbeiterInnenschichten bis 1934 vorwiegend durch Terror (mund)tot gemacht worden waren, war die linke Bewegung mit der Zerschlagung ihrer Organisationen und damit der Opposition, jedlicher Möglichkeit beraubt, Einfluß auf die Geschehnisse im “III. Reich” zu nehmen. Mit der tausendfachen Ermordung und Folterung und Inhaftierung der ideologischen Köpfe der revolutionären Bewegung, war es den Nationalsozialisten mittels ihres Propaganda und Überwachunsgapparates möglich, auch die größten Teile der ArbeiertInnenschaft hinter sich zu bringen. So erklärt sich unter anderem auch die völlige Auslöschung der natioalrevolutionären (“antikapitalistischen”) Strömung innerhalb der NSDAP ab 1934. (Röhm-Putsch). Diese Strömung in Form der SA hätte die zukünftig offen chauvinistisch imperialistische Großmachtspolitik der NSDAP unter Hitlers Führung, gegebenefalls behindert, da die Nationalrevolutionären vor allem das nationale Kapital stärken wollten und mit der internationalen Verflechtung des “Finanzjudentums” – wie sie es bezeichneten – nichts zu tun haben wollten. So hatte diese Strömung bereits 1934 ihre anfängliche Funktion des Terrors gegen Linke bei gleichzeitiger Einbindung ehemaliger Linker über ihren vermeintlichen “Antikapitalismus” erfüllt. Sie war überflüssig geworden. Interne Machtkämpfe taten das ihrige dazu und die nationalrevolutionäre Führungsriege wurde durch die eigenen Parteikameraden vernichtet. Die SA wurde darauffhin noch weiter als Massenorganisation ausgebaut. An Stelle des offenen Terrors stand jetzt die von staatlicher Seite durchführte Militarisierung der Gesellschaft und damit die völlige Integrierung – sowohl praktisch als auch ideologisch – der Bevölkerung. So waren Mitte 1934 – einige Monate nach dem Röhm-Putsch – bereits 4,5 Millionen Männer in der SA organisiert.

Natürlich gab es Widerstand. Aber die differenzierte Aufarbeitung des Widerstands im Nationalsozialismus soll nicht Teil diese Textes sein. Abschließend bleibt zu sagen, daß die Antifaschistische Aktion weder offiziell verboten noch aufgelöst wurde. Sie wurde zerschlagen. Eine direkte Kontinuität den Faschismus und den Krieg hindurch als Gesamtströmung oder Organisation gab es nicht. Lediglich vereinzelte Ortsgruppen konnten es schaffen ihre Arbeit illegal weiterzuführen.

Viele deutsche AntifaschistInnen kamen in den Folterkellern der SA, SS und GeStaPo sowie in den Konzentrations- und Arbeitslagern ums Leben. Die noch entkamen gingen ins Exil oder beteilgten sich an den Internationalen Brigaden in Spanien und kämpften auf der Seite der Republik gegen Francos faschistische Truppen. Bezeichnend ist die Tatsache, daß der Anteil der ausländischen AntifaschistInnen im Spanischen Bügerkrieg 1936-38 vor allem von italienischer und deutscher Seite am größten war.

Einige wenige AntifaschistInnen, die nicht dem Faschismus zu Opfer gefallen waren und auch noch die parteiinternen stalinistischen Säuberungen jener Zeit überlebten, beteiligten sich an den unmittelbar am Ende des II.Weltkrieges entstandenen Antifaschistischen Komitees in Deutschland.

Kampf dem Faschismus heißt Kampf dem imperialistischen System!

April 1995 Autonome Antifa (M) organisiert in der ANTIFASCHISTISCHEN AKTION/Bundesweite Organisation

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