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Erich Mühsam in den Erinnerungen seiner Nachbarn

Der scharfe Blick
Eine Spurensuche in Berlin-Britz zum 80. Todestag
Von Sabine Lueken

Der Apfelbaum im Garten ist ein Jahr jünger als Karol Kubicki. Der Baum wurde 1927 von dem Maler Heinrich Vogeler gepflanzt. Kubicki wohnt in der Onkel-Bräsig-Straße in der Hufeisen­siedlung, Berlin-Britz. Sie gehört seit 2008 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Vogeler wohnte dort und auch Erich Mühsam mit seiner Frau Zenzl. Kubickis Eltern gingen öfters zu den Mühsams rüber in die Dörchläuchtingstraße 48. Mühsam spielte mit Kubickis Vater Stanislaw, einem deutsch-polnischen Künstler, Schach. Wenn Kubicki heute von ihm spricht, nennt er ihn Erich. Das Schachbrett von damals hat er dem Museum Neukölln übergeben.

Die Kubickis waren mit den Mühsams eng befreundet, laut Kubicki waren sie »so ziemlich« auf der gleichen anarchosyndikalistischen Linie. »Natürlich in einer ungeheuer edlen Form, nichts mit umlegen und so.« Beide Familien gehörten zu den ersten Mietern in der 1927 fertiggestellten Siedlung. Das Haus der Mühsams beschrieb der Historiker Kurt Gossweiler, der als Zwölfjähriger direkt nebenan wohnte, einmal als »Anziehungspunkt für radikale Gegner der herrschenden bürgerlichen Ordnung«. Zum Freundeskreis gehörten u.a. Lucia und Viktor Kuhr, denn Lucia, eine der Sekretärinnen Willi Münzenbergs, war quasi die Schwiegertochter von Erich, weil sie mal kurze Zeit mit Siegfried, dem Sohn von Zenzl Mühsam, verheiratet war.

Diese Zusammenkünfte fanden 1933 ein jähes Ende. Erich Mühsam war einer der ersten, die nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar verhaftet wurden. Bereits Ende 1931 hatte er in der Weltbühne prophezeit, mit den Nazis an der Macht kämen »standrechtliche Erschießungen, Pogrome, Plünderungen, Massenverhaftungen«. Und genau so kam es.

Die meisten von Karol Kubickis Erinnerungen stammen aus zweiter Hand, aus Erzählungen seiner Mutter, aber an einige Details erinnert er sich doch. An Zenzls Gesicht, es ähnelte dem der Mutter, an Mühsams »alles sezierenden« scharfen Blick, vor dem er sich trotzdem nie gefürchtet habe. Zenzl sprach bayrisch und war eine exzellente Köchin. Er bekam von ihr Knödel. Andere Kinder auch, wie zum Beispiel der spätere Journalist und Senatssprecher Peter Herz, der übrigens auch im Haus der Familie Adolf Eichmanns, der auch in der Siedlung wohnte, verköstigt wurde. Obwohl sein Vater Jude war.

Erich und Stanislaw kannten sich aus München. Zu ihren Freunden gehörte auch Franz Wilhelm Seiwert von der Kölner Gruppe der »Progressiven«, alle hatten bei der kulturpolitischen Zeitschrift Der Weg mitgearbeitet und auch bei der Aktion von Franz Pfemfert. Der berühmte Fotograf August Sander bekam von Seiwert eine Liste, wen er alles fotografieren sollte für seine Studie »Menschen des 20 Jahrhunderts«. Kubickis Vater wies ihn darauf hin, daß Mühsam in dieser Liste fehlte, und so kam es 1928 zu den bekannten Fotos auf der Schwelle des Hauses Dörchläuchtingstraße 48.

Erich Mühsam habe viel geschrieben, erzählt Kubicki und vermutet, daß er von den Honoraren gelebt habe, »vielleicht gab’s mal hier und da ’ne Spende«. Die Miete war hoch, betrug erst 80 Reichsmark und in der Weltwirtschaftskrise dann 100 Reichsmark. Nach Erichs Verhaftung 1933 habe Zenzl aus dem gemeinsamen Haus ausziehen müssen, rausgemobbt von ihren Nachbarn, die schon früher Mühsams Katzen getötet und die Kadaver einfach vors Haus gelegt hatten.

Von Mühsams Verhaftung habe die Mutter ihm erst peu à peu erzählt, denn sie »hatte immer Schiß, daß ich Nazi werde«. Sie erzählte, daß sie nächtelang am Bett vom Zenzl saß, mit ihr sprach und sie beruhigte. Von ihren Besuchen bei Erich, der im KZ Oranienburg gefangen war, brachte Zenzl dessen blutige Hemden mit. Sie sollte sie waschen, bewahrte sie jedoch auf, um sie dann als Beweismaterial in die Emigration nach Prag mitzunehmen.

In der Familie Kubicki war Mühsam nicht vergessen. Klassenkameraden liehen sich Bücher bei seiner Mutter aus. »Wir haben das gelesen, die Gedichte, schon während des Krieges. Wir wußten auch, daß er umgebracht wurde, aber die näheren Umstände wußten wir nicht, die sind auch Mutter erst nach dem Krieg bekannt geworden.«

 

Quelle: jw

 

 

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