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Frauen und Rechtsextremismus

Vortrag von Astrid Rothe-Beinlich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik am 9. Februar 2008

Die Rolle von weiblichen Neonazis wird unterschätzt – modernes Auftreten paart sich mit knallharter Ideologie

Mit dem Slogan „Nationalismus ist auch Mädelsache“ versuchen die NPD? und ihre Jugendorganisation JN? (Junge Nationaldemokraten) gezielt, junge Mädchen anzuwerben. Der Pressesprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz in Niedersachsen, Rüdiger Hesse, stellte schon 2000 fest, „dass sich Frauen zunehmend in der Szene etablieren“. Er benannte damals bereits einen durchschnittlichen Frauenanteil in der rechten Szene von 20%, räumte jedoch ein, dass dieser in den Kameradschaften eher noch höher sei.

Nur zum Vergleich: Die CSU hat laut Datenreport des Statistischen Bundesamtes rund 17% weibliche Mitglieder, die CDU 25%, die SPD knapp 30%, die FDP etwas über 25% und wir etwa 38%.

Lange Jahre prägte die rechtsextreme Naziszene eher ein unterwürfiges Frauenbild. So textete die Rechtsrock – Skinheadband Radikahl: „Weiber sind bei uns nichts wert. Auch wenn man sie nicht gern entbehrt.“ Viele Frauen fügten sich lange nur als „Anhängsel“ in die rechtsextreme Szene ein.

Längst jedoch haben auch rechtsextreme Frauen dieses Klischee hinter sich gelassen und wollen – zumindest zum Teil – auch eine erkennbar politischere Rolle spielen.

„Wir wollen das Anliegen von Frauen, unsere Vorstellungen der Organisation wieder-geben“, erklärt es zum Beispiel Stella Palau (Pressesprecherin des Rings Nationaler Frauen und im Vorstand der NPD, Ehefrau von Jürg Hähnel, NPD-Aktivist und rechter Liedermacher) und betont: „Wir möchten als Organisation Aufklärung betreiben, auch gegen die Hetze gegen uns Nationale Frauen.“

Nichtsdestotrotz, so berichten es vor allem Opferberatungsstellen und AussteigerInneninitia-tiven, ist Gewalt gegen Frauen in der rechten Kameradschaftsszene weiterhin nichts ungewöhnliches und gehört zu den durchaus üblichen Erfahrungen. Ebenso das Wissen darum, wie schwer auch und gerade Frauen der Ausstieg aus der Szene durch die Szene gemacht wird.

Bei den folgenden Einschätzungen beziehe ich mich nun maßgeblich auf Forschungsergebnisse des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus.

1. Zu den Quantitativen Anteilen von Frauen im Rechtsextremismus/in rechtsextremen Strukturen und bei rechtsextremen Einstellungen

Dies lässt sich am besten in Form einer Pyramide darstellen.

a) Die Spitze derselben bilden die 3-5 Prozent Frauen, die statistisch nachweisbar an rechtsextrem motivierten Gewalttaten aktiv beteiligt bzw. als Täterinnen aktiv waren. Länderspezifische Erhebungen weisen auf einen noch höheren Frauenanteil im Bereich der Gewalttaten hin – hier ist zudem die Dunkelziffer besonders hoch, da sich in der Statistik nur die als politisch erfassten Gewalttaten tatsächlich wiederfinden.

Zur direkten Tatbeteiligung kommt weiterhin die indirekte Tatbeteiligung hinzu, die sich bspw. in Form von Anfeuern, Anstiften, Beifall klatschen oder Schmiere stehen ausdrückt.

Die Beteiligung von Frauen und Mädchen an rechtsextremer Gewalt bzw. deren eigenes gewalttätig sein ist also sehr vielfältig und reicht von der aktiven Tatbeteiligung über die indi-rekte bis hin zur geistigen Brandstiftung.

b) Auf der Ebene des sogenannten organisierten Rechtsextremismus ist der Frauenanteil höher, so finden sich im Bundesdurchschnitt unter den Mitgliedern rechtsextremer Parteien ca. 20% Frauen. Auffallend ist, dass der Frauenanteil in den Landesverbänden der Partein die vor Ort aktiv sind wesentlich höher ist, als der in reinen Bundesparteien. Im Herbst 2006 hatte die NPD lt. Bundesvorstandsmitglied Peter Marx einen Mitgliederanteil von 27% Frauen. Bei den Neuzugängen, so heißt es weiter, verzeichne man sogar 50% Frauen, darunter besonders viele Mütter. Und diesen will man, so Marx, „nicht vor den Kopf stoßen“.

Marx will von einer Benachteiligung von Frauen in seiner Partei nichts wissen. So betont er: „Die NPD ist keine männliche Domäne“ und fügt an, dass er sich „irgendwann“ in Zukunft auch mal eine weibliche Parteivorsitzende vorstellen könne.

Der Anteil weiblicher Funktionsträgerinnen ist demgegenüber gering, in Bundes- und Landesvorständen finden sich gerade mal 7 bis max. 20% Frauen wieder. In der NPD ist der Anteil weiblicher Funktionärinnen im Vergleich mit DVU? und Republikanern? sogar am niedrigsten.

Unter den 36 angetretenen DirektkandidatInnen der NPD zur LTW in Mecklenburg-Vorpommern war nur eine Frau, Nancy Barth. Von 18 gewonnenen NPD-Mandaten bei der Kommunalwahl in Niedersachsen waren 17 männlich, nur eine Frau, Elke Raabe aus Helmstedt, gewann ein Mandat. Zur Landtagswahl im Januar dieses Jahres schaffte es in Niedersachsen auch nur eine Frau auf die Landesliste, die prominente Naziliedermacherin An-nett Müller, geborene Moeck aus Bad Lauterberg. Nur in Sachsen-Anhalt gibt es eine weibliche NPD-Landesvorsitzende, Carola Holz, sie ist zugleich aktiv im Ring Nationaler Frauen.

Die aktiven Frauen in rechtsextremen Parteien bearbeiten zudem überwiegend die Themen Soziales, Frauen und Familie.

Doris Zutt, einzige Frau im Bundesvorstand der NPD erklärte auf der Demo der NPD am 1.Mai 2000 in Berlin: „Wir haben unsere Männer, die an vorderster Stelle das Recht auf Arbeit haben. Wenn ich auf die Frauenpolitik gehe, dann sage ich, die Männer gehen arbeiten, die Frauen bleiben zu Hause. Wir bekommen die Kinder. Wir müssen die Zukunft sichern.“

Derartige Einstellungen jedoch sind mittlerweile selbst in rechtsextremen Parteien in der Minderheit. Für die stellvertretende Bundesvorsitzende der Republikaner und Landesvorsitzende von NRW; Uschi Winkelsett, ist Berufstätigkeit eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin Mutter von vier Kindern. Ich habe meinen Beruf nie aufgegeben. Nicht nur ich erziehe die Kinder, auch mein Mann erzieht die Kinder.“

Mainstream unter vielen Nazis ist mittlerweile, dass sich modernes Auftreten mit knallharter Ideologie paart. Von einer generellen politischen Emanzipation engagierter Nazifrauen kann allerdings keine Rede sein, allenfalls in Teilbereichen. Aber auch Frauen sind aktive Nazis und prägen die Parteistrukturen nachhaltig.

c) Im Bereich der Cliquen, Kameradschaften/Mädelbünde und Organisationen, die sich durch lockere netzwerkartige Strukturen auszeichnen, liegt der Frauenanteil zwischen 25 und 33% – die Spannbreite ergibt sich hier aus den unterschiedlichen Charakteren der Gruppierungen. Der geringe Organisationsgrad macht hier genauere Angaben schwierig.

d) Der höchste Anteil von rechtsextremen Frauen findet sich auf der „Einstellungsebene“.

Nachgewiesen wurde dies auch bei der Auswertung der Landtagswahlen in Sachsen 2004 und in Mecklenburg-Vorpommern 2006, dort betrug der Frauenanteil bei den Wählerinnen jeweils etwa ein Drittel. Auf der Einstellungsebene kann sogar von 50:50 bei Frauen und Männern ausgegangen werden. Eine Forsa-Studie von 2003 fand zudem heraus, dass rechtsextreme Ansichten noch stärker unter Frauen in den ostdeutschen Bundesländern verbreitet sind. Dies bestätigt weiterhin die Langzeitstudie von Heitmeyer zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit aus dem Jahr 2005. Auch der Thüringen-Monitor von 2005 verweist auf einen besonders hohen Frauenanteil bei rechtsextremen Einstellungen. So wurden 16% der Thüringer Männer und 28% der Thüringer Frauen als rechtsextrem denkend eingestuft.

Im Mittel zwischen den Geschlechtern bedeutet dies, dass Frauen und Männer in ihren politischen Einstellungen genauso oft oder stark rassistisch und rechtsextrem eingestellt sind.

2. Aktivitäten und Beteiligungsformen rechtsextremer Frauen und Mädchen

Rein quantitativ betrachtet setzen Frauen ihre rechtsextreme Einstellung vergleichsweise weniger in politische Aktivitäten um als Männer.(gleiches trifft allerdings generell auf politische Aktivität zu)

Das Spektrum der Aktivitäten der Nazifrauen ist allerdings breit gefächert:- Beteiligung an Organisationen im Hintergrund – Aufrechterhaltung der Infrastruktur – Betreiben von Gaststätten und Szenetreffs – Auftreten als Spenderinnen, zur Verfügung stellen von Immobilien – Fungieren als Netzwerkerinnen – Treiben Handel im Internet

Besonders häufig übernehmen Frauen:- das Anmieten von Räumen für Veranstaltung – das Betreiben von Infoständen – die Verteilung von Flugblättern und Infomaterial und die Übernahme des Versands – die Erledigung von Spitzeltätigkeiten: Ausforschen politischer GegnerInnen – Aktivität bei der Anti-Antifa – Unterstützungsarbeit für nationale Inhaftiere und deren Familien in der HNG (Hilfsge-meinschaft für nationale Gefangene)

Bei der Beteiligung an öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten der extremen Rechten ist in letz-ter Zeit auffallend, dass sich Frauen als Teilnehmerinnen an Demonstrationen und Aufmärschen ausgesprochen vielfältig präsentieren: als „typisch deutsche Mädels“ analog der Ästhetik der Nazis, als „normale“ Frauen, als Skingirls (Renees), Frauen im Girlie-Outfit und in letzter Zeit zunehmen auch als autonome Nationalistinnen – äußerlich sehr ähnlich den linksautonomen oder in der Antifa aktiven Frauen.

Auch als Trägerinnen der Fronttransparente auf Demonstrationen treten immer häufiger Frauen in Erscheinung. Sie betätigen sich zudem beim „Nationalen Sanitätsdienst“ (braunen Kreuz), fungieren als Ordnerinnen, melden Demonstrationen an und treten – zwar noch selten, aber doch – als Rednerinnen auf Kundgebungen auf.

Auch im musikalischen Bereich gibt es bekannte Frauenstimmen, wenn auch keine reinen Frauenbands. So gibt beispielsweise Annett Müller, prominenteste Liedermacherin in der Szene (u.a. „Ich habe Deutschland einen Sohn geboren…“) ihre zum Teil unglaublich verhetzenden und rassistischen an Deutschtümelei kaum zu überbietenden Lieder zum Besten – sei es auf Parteitagen Kundgebungen oder rechtsextremen Musikspektakeln. Diese sind auch als CD zu erhalten.

Viele rechtsextreme Frauen leisten zudem als Anwaltsgehilfinnen oder Rechtsänwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes RECHTSbeistand für ihre „KameradInnen“. Auch als Autorinnen und Herausgeberinnen rechtsextremer Zeitungen sind Frauen bekannt – sie veröffentlichen u.a.: „Das treue Mädel“, „Aryan Sisterhood“ oder „Triskele“.

In den letzten Jahren konnte eine zunehmende Selbstorganisation rechter Frauen beobachtet werden. Als Ziele benannten diese:- die Stärkung des politischen Engagements rechtsextremer Frauen & – die Gründung eigenständiger Frauenorganisationen

Seit Ende der 1990er Jahre war ein regelrechter Boom rechter Frauengruppen zu beobachten, die allerdings nicht alle Bestand haben. Eine der bedeutendsten Gruppierungen ist bereits seit einigen Jahren der „Mädelring Thüringen“, welcher sich als Mädelkameradschaft versteht und immense Mitgliederzugewinne verzeichnet. Dieser versteht sich selbst als Teil des nationalen Widerstands. Interessant hier ist vor allem der Blick auf die dort stattfindende Frauenbild – Diskussion. So findet sich auf der Homepage dieser Gruppierung ein Leitartikel unter der Fragestellung: „Nationaler Feminismus – ein Paradoxon?“ Siehe auch: www.maedelring.tk

Die größte und aktivste sowie gefährlichste Frauenorganisation der Nazis ist die Gesellschaft Deutscher Frauen (GDF). Sie hat eine streng neonazistische Ausrichtung und stellt die Verbindung von Mutterschaft und politischem Engagement ins Zentrum ihrer Aktivität. Siehe auch: www.g-d-f.de

Die GDF wurde 2001 als Nachfolgeorganisation des Skingirlfreundeskreises Deutschland gegründet und weist viele Verbindungen zu anderen rechtsextremen Gruppierungen auf, so auch zur Heimattreuen Deutschen Jugend (HdJ), der sich in der Tradition der 1994 verbotenen Wikingjugend der „nationalen Erziehung“ verschrieben hat und vor allem Kinder- und Jugendlager ausrichtet. Dieses sind übrigens für Kinder von Arbeitslosen oder Hartz IV EmpfängerInnen kostenlos, solange diese Herkunftsdeutsche sind. Mehr dazu unter: www.heimattreue-jugend.de

Viele in der GDF Aktive gehören zugleich dem Ring Nationaler Frauen (RNF) an. Dieser wurde 2006 gegründet und hat mittlerweile Regionalgruppen u.a. in NRW; Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Der RNF fungiert als Dachverband für Nazifrauen und bietet u.a. Schulungen für Frauen an, um diese für die Partei (NPD) zu werben und argumentativ zu schulen. Zudem betreiben die dort Aktiven vielfältige Öffentlich-keitsarbeit zu aktuellen politischen Fragen, wie zum Beispiel zum Elterngeld. Siehe auch: www.ring-nationaler-frauen.de Der RNF versucht zudem, über die Gründung von Landes- und Ortsverbänden Einfluss auf die Landes- und Kommunalpolitik zu nehmen. Ziel des RNF ist neben der Stabilisierung von Partei und Umfeld zudem eine Imageverbesserung der NPD.

Allen diesen Organisationen und dort aktiven Frauen ist bewusst, dass Nazifrauen damit wesentlich zur Außendarstellung und Modernisierung der rechten Szene beitragen. Zudem haben derartige Zusammenschlüsse ganz klar eine stabilisierende Wirkung nach Innen und Außen, stützen allerdings auch (ideologisch wie praktisch) Gewalttaten.

3. Was bedeutet dies? Welche Konsequenzen können oder müssen wir bei der Entwicklung von Gegenstrategien ziehen?

Ein grundsätzliches Problem bei der Betrachtung der Gesamtproblematik ist, dass rechtsex-treme Frauen und Mädchen in Medien, Forschung sowie politischer und pädagogischer Praxis immer wieder aus dem Blickfeld geraten – keine wirkliche Beachtung erfahren.

Daraus resultiert, dass zu allererst ein geschlechtsbewusster Umgang in der Sensibilisierung und Schärfung der Wahrnehmung für die Aktivitäten und das Selbstbewusstsein rechtsextrem orientierter Mädchen und Frauen geschafft werden muss.

Folgenden vier Wahrnehmungsproblemen gilt es zu begegnen (da diese schon das Erken-nen verunmöglichen)

a) Frauen sind friedfertig Diese blendet aus, dass Frauen sowohl aktiv als auch indirekt an der Ausübung rechtsextremer Gewalt beteiligt sind. Hinzu kommt die häufige Ausblendung des politischen Hinter-grunds von Gewalt – gerade, wenn diese von Frauen ausgeht.

b) Frauen sind unpolitisch Frauen werden als politische Akteurinnen weniger wahr- und noch weniger ernst genommen (Grundsatzproblem). Ihre Art des politischen Engagements/der politische Aktionsradius sind oft auf den sozialen Nahraum bezogen oder beschränkt und werden nicht als genuin politisch angesehen. Hier kommt hinzu, dass die Bedeutung sog. „weicher“ Politikformen tendenziell unterschätzt wird – vor allem im Hinblick auf die Einbindung und Mobilisierung von Frauen.

c) Rechtsextremismus bei Mädchen ist eine Phase Diese fälschliche und verharmlosende Annahme hat unterschiedliche Facetten. Das offensive „Zur Schau stellen“ rechtsextremer Symbolik findet überwiegend in der Übergangsphase (Findungs- und Orientierungsphase) zum Rechtsextremismus statt. Das Nachlassen von Provokation und ein weniger eindeutiges Erscheinungsbild sind keineswegs Zeichen von Abkehr von dieser Ideologie, sondern stehen vielmehr für Festigung und stärkere Szeneanbindung – generell lassen sich in letzter Zeit eher „umgekehrte Dresscodes“ erkennen – sprich die regelrechte Aufforderung durch rechte Kader, die Gesinnung nicht äußerlich kenntlich werden zu lassen.

Hinzu kommt eine immer frühere gezielte und bessere Einbindung und Schulung gerade von Mädchen in rechtsextreme Strukturen, damit diese nicht in der „Familiengründungsphase“ zum Ausstiegsgrund für Männer aus der Szene werden. Zunehmend gibt es außerdem Angebote an Familie: Kinderbetreuung, Kinderfeste… um Familie und politisches Engagement vereinbaren zu können.

d) Frauen sind weniger offensichtlich/sichtbar gefährlich Die politischen Tätigkeiten von Frauen in der extremen Rechten sind stärker sozial orientiert – weniger Aufmerksamkeit heischend oder spektakulär. Sie wirken für die Stärkung des Zusammenhalts und somit die Stabilisierung der gesamten Szene im Sinne einer Generationen übergreifenden Fürsorge „treusorgender Mütter“ oder „Retterinnen des deutschen Volkes“. Genau diese Frauen befördern damit aber auch die Anschlussfähigkeit an die sogenannte bürgerliche Mitte.

Und hier Achtung: dieses scheinbar sanfte Auftreten und Agieren im Sinne der Sache (sprich für die faschistische Ideologie, die dahinter steht) ist überhaupt nicht weniger bedenklich, sondern unter Umständen sogar gefährlicher im Hinblick auf die Durchsetzung rechtsextremer Deutungsmuster.

4. Was folgt daraus?

Prävention ist das A und O – Demokratiebildung brauchen wir von Anfang an, um die demokratischen Abwehrkräfte zu stärken. Je früher individuell Einzelfallarbeit geleistet wird, umso eher besteht die Chance, Mädchen gar nicht erst in die rechtsextreme Szene gelangen zu lassen. Wir brauchen gelebte Zivilcourage und eine strikte Menschenrechtsorientierung parteilicher Mädchenarbeit – das heißt zum Beispiel gezielte Angebote an nicht-rechte Mädchen, um demokratisch orientierte Kräfte zu stärken. Wir brauchen die konsequente und explizite Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus und müssen auf die Entwicklung von Gegenstrategien abzielen.

Generell müssen sich pädagogische Angebote und Maßnahmen der Anforderung stellen, eine konsequente antirassistische und antidiskriminierende Perspektive einzunehmen, wenn sie einen adäquaten Beitrag zur Bekämpfung des Rechtsextremismus leisten wollen.

Die Verschränkung von Rassismus und Sexismus ist – wie man an der skizzierten Band-breite ideologischer Positionen zum Geschlechterverhältnis und der Vielfalt und Widersprüchlichkeit gelebter Frauen- und Geschlechterbilder in der rechten Szene sehen kann – nicht zwangsläufig oder automatisch gegeben.

Folglich müssen sich auch pädagogische und politische Gegenstrategien auf den Kernpunkt des Rechtsextremismus, den rassistischen und menschenverachtenden Konsens der ethnisch definierten „Nationalen Volksgemeinschaft“ konzentrieren und dabei der Tatsache Rechnung tragen, dass Frauen und Mädchen unter diesem ideologischen Dach genauso radikal denken und vehement agieren wie ihre männlichen „Kameraden“.

Auch Frauen und Mädchen sind Nazis und selbst aktiver und denkend wie handelnder „Teil“ des Rechtsextremismus, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt…

Literatur:

Antifaschistisches Frauennetzwerk, Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus (Hrsg.): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der extremen Rechten. Unrast Verlag 2005. 142 Seiten. ISBN 978-3-89771-809-8. 14,00 EUR. Reihe: Antifaschistische Texte, Band 12.

Quelle: gruene-thueringen.de

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