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Hunger trotz Überfluß

jw, 01.11.2006

Ursache für die zunehmende Unterernährung in vielen Teilen der Welt ist ungleiche Verteilung Von Wolfgang Pomrehn

In Rom ist am Montag die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zu einer Sondertagung zusammengetreten. Bis Freitag soll konferiert werden. Thema sind die Ernährungssituation der Weltbevölkerung und vor allem der Hunger. 854 Millionen Menschen gehen jeden Abend mit leerem Magen zu Bett. Bernhard Walter von »Brot für die Welt« hält das für einen Skandal der besonderen Art. Vor zehn Jahren hatte sich nämlich ein UN-Sondergipfel, der sich ausschließlich mit dem Thema Ernährung beschäftigte, hohe Ziele gesteckt. Bis 2015 soll die Zahl der Hungernden halbiert werden, und zwar von seinerzeit 840 Millionen auf 420 Millionen. Statt dessen nahm die Zahl bis heute sogar noch leicht zu. Die FAO-Tagung ist unterdessen ein weiteres Indiz dafür, wie wenig ernst das Thema von den in der UNO tonangebenden Regierungen genommen wird. Alle anderen UN-Sondergipfel, wie jene zu sozialen Fragen, zu Umwelt und Entwicklung oder zur Lage der Frauen, wurden nach zehn Jahren auf neuen Sondergipfeln bilanziert. Nur für das Thema Hunger scheint die Sitzung einer Unterorganisation zu reichen.

UNO revidiert Ziele Eigentlich, so Walter bei einem Pressegespräch am Montag in Berlin, könnten mit den weltweit produzierten Nahrungsmitteln zehn Milliarden Menschen ernährt werden. Das ergebe sich aus den von der FAO berechneten Nährwertzahlen. Allerdings wird ein beträchtlicher Teil des Getreides an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert. Hunger ist also in erster Linie eine Frage der Verteilung und nicht unbedingt der Knappheit. Ein altbekanntes Problem, auf das kritische Fachleute bereits seit Jahrzehnten hinweisen. Doch anstatt die Ursachen der Ungleichverteilung anzugehen, werde »Beschönigungsarithmetik« betrieben, so Walter. In ihren sogenannten Millenniumszielen, die im Jahre 2000 verabschiedet wurden, hat die UNO das Ziel von 1996 umformuliert. Nun heißt es, daß bis 2015 der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung halbiert werden soll. Da die Bevölkerung wachse, käme die FAO sogar zu dem Schluß, daß man sich in den letzten zehn Jahren tatsächlich ein wenig auf dieses Ziel zubewegt habe.

Während hierzulande oft die Vorstellung herrscht, Hunger sei eine Folge von Nahrungsmittelmangel, zeigt die Geographie des Hungers, daß die Verhältnisse komplizierter sein müssen. 80 Prozent der Hungernden leben nämlich auf dem Land, das heißt, dort, wo die Nahrungsmittel produziert werden. 50 Prozent der Unterernährten, so Armin Paasch, Agrarreferent der Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland, sind Kleinbauern. Die ökonomischen Ursachen für die ländliche Armut und den damit verbundenen Hunger sieht sein Kollege von Brot für die Welt vor allem in vier Faktoren: In der Diskriminierung von Frauen beim Zugang zum Land, in der Subvention von Agrarexporten der Industriestaaten, im fehlenden Zugang zu Märkten und Krediten sowie vor allem darin, daß in vielen Ländern noch immer eine Agrarreform, eine Umverteilung des Landes, aussteht.

Das ist auch für Paasch ein zentrales Problem. Um so mehr kritisiert er, daß in den letzten Jahren der Anteil der Förderung des ländlichen Raumes im deutschen Entwicklungshilfeetat erheblich heruntergefahren wurde. 1997, ein Jahr nach dem Welternährungsgipfel, habe dieser Posten immerhin noch 220 Millionen Euro ausgemacht, 2003 seien es nur noch 80 Millionen Euro gewesen. Ein Trend, der auch in vielen anderen Industriestaaten zu beobachten sei. Auf den Philippinen sei zum Beispiel mit deutscher Entwicklungshilfe ein Projekt gefördert worden, daß Bauern in einer Region auf Luzon in die Lage versetzte, sich zu organisieren und die Zuteilung von Land zu beantragen. Nach dem Rückzug der deutschen Unterstützer sind sie allerdings verstärktem Druck der Großgrundbesitzer ausgesetzt, die auch nicht vor Morddrohungen zurückschrecken.

Schutzzölle nötig Unterdessen weist Thomas Reichert von German Watch auf die Bedeutung der Handelspolitik für die Landwirtschaft hin, abzulesen unter anderem am erbitterten Widerstand zahlreicher Bauernorganisationen rund um den Globus gegen die Freihandelsgespräche innerhalb der Welthandelsorganisation WTO. Lokale Märkte der Bauern würden durch subventionierte Exporte aus dem Norden, aber auch durch die billigen Angebote der großen Agrarproduzenten aus Ländern wie Brasilien und Argentinien zerstört. Entwicklungsländer müßten daher ein Recht auf Schutzzölle für sensible Produkte haben. Exportstrategien, wie sie dem herrschenden ökonomischen Diskurs entsprechen, machen für Kleinbauern nur selten Sinn, sondern würden oft eher Großgrundbesitzern nutzen.

Ein Beispiel für den zweifelhaften Wert der Exportorientierung für die Bekämpfung des Hungers ist Indien, das Land mit dem in absoluten Zahlen größten hungernden Bevölkerungsanteil. 220 Millionen Inder sind unterernährt, das sind über 20 Prozent der Einwohner. Gleichzeitig führt der Subkontinent jedoch große Mengen Weizen aus. Nur dort, wo das Land zugunsten der Kleinbauern umverteilt wurde, wie im Bundesstaat Kerala, ist die Ernährung der ländlichen Bevölkerung besser. Aber das ist auch aus der deutschen Geschichte bekannt: Das ländliche Elend war stets dort besonders ausgeprägt, wo der Großgrundbesitz das Sagen hatte.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/11-01/043.php

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