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Kolbermoorer Räterepublik

Es ist Sonntag früh, morgens um 9 Uhr, man schreibt den 4. Mai 1919. Da stürmen 12 Grafinger Weißgardisten die Wohnungen von Georg Schuhmann, dem Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden und von Alois Lahn, seinem Sekretär. Sie treten die Türen ein, zerstören die Wohnungseinrichtungen, plündern und prügeln. Sie zerren die Gesuchten aus ihren Betten und schlagen brutal auf sie ein. Der Vater von Alois Lahn berichtet später im „Anzeiger für Kolbermoor“ über seinen Sohn: „Sie warfen ihn an den jenseitigen Gartenzaun, wo er sich an einem Pfosten ein Loch in den Kopf schlug. Mir, der ich nachging, wurde mit Erschießen gedroht. Mein Sohn wurde wieder in die Höhe gerissen, mit Gewehrkolben wieder niedergeschlagen, einer schlug ihm mit der Schreibmaschine die Hirnschale ein.“ Unter weiteren schweren Misshandlungen wurden Georg Schuhmann und Alois Lahn zur Kolbermoorer Tonwerksunterführung geschleift, mehr tot als lebendig. Dort wurden sie schließlich ermordet.

Am Tage zuvor hatten die Kolbermoorer Räte der großen Übermacht der Weißgardisten weichen müssen. Zunächst hatte man an die Verteidigung des wie eine Festung ausgebauten Ortes gedacht, in den sich auch die letzten Rosenheimer Roten nach ihrer Niederlage zurückgezogen hatten. Aber 6000 Belagerer hatten einen Ring um Kolbermoor gezogen und Georg Schuhmann und seinen Genossen war klar, dass die Verteidigung der letzten bayerischen roten Bastion nur ein großes Blutvergießen zur Folge gehabt hätte. So wurde die Stadt schließlich kampflos übergeben. Über Kolbermoor wurde der Belagerungszustand verhängt. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen fanden statt und viele Gefangene wurden nach Straubing und München abtransportiert. In zynischer Manier schreibt ein Chronist aus der Perspektive der Sieger: „Junge, zuchtlose Burschen und radaulustige Weiber, welche am Abend die wachehaltenden Soldaten durch Schimpf- und Schmährufe beleidigten, wurden von diesen eingefangen und erhielten im Wachlokal einen Anstandsunterricht – mit Riemen des Sattelzeuges.“ Georg Schuhmann sollte sich zusammen mit anderen stellen, so sah es das Übergabeprotokoll vor. Aber dazu kam es nicht mehr.

Der Friedhof war bei der Beerdigung von Schuhmann und Lahn schwarz von Menschen. Ein Beerdigungszug war verboten wurden, weil man befürchtete, dass daraus eine unkontrollierbare Massendemonstration werden würde. Der Friedhof selber war vorsichtshalber von Maschinengewehren umstellt worden. So wurde die Beerdigung des „unvergesslichen Schuhmann“ (so die Schleife eines Kranzes) ein letztes großes Symbol für den Willen der Kolbermoorer Arbeiterschaft nach einem freien und selbstbestimmten Leben.

Die Räterepublik München war mit bestialischen Grausamkeiten von den weißen Truppen in den ersten Tagen des Mai 1919 niedergeschlagen worden und die Stadt Rosenheim wurde am 1. Mai kampflos eingenommen. Am längsten hatten sich die Roten in Kolbermoor gehalten. Aber welche Ereignisse waren diesen turbulenten Geschehnissen vorweggegangen? Die Begeisterung, mit der 1914 auch viele Kolbermoorer in den Krieg gezogen waren, war nicht von langer Dauer gewesen. 153 Kolbermoorer ließen im 1. Weltkrieg ihr Leben. Und diejenigen, die aus den Schrecken des Krieges zurückkehrten, verwundet an Leib und Seele, kamen in ein Kolbermoor, das unter den Folgen des Krieges schwer zu leiden hatte. Drastische Einschränkungen auf allen Gebieten des täglichen Lebens ließen das Verlangen nach Frieden immer stärker werden, und die Bereitschaft dafür aktiv einzutreten wuchs. Allein von August 1914 bis Mai 1915 hatten sich die Lebenshaltungskosten einer Arbeiterfamilie um rund 20 % erhöht. 1915 begann in Kolbermoor das Brot knapp zu werden, Fleisch gab es ab 1916 nur noch auf Reichsfleischmarken. Es folgten Missernten, Hamsterkäufe fanden statt, die Schwarzmarktpreise stiegen. Nur die Reichen hatten noch Möglichkeiten sich zu versorgen, die ärmeren Bevölkerungsteile gingen oft leer aus. Hinzu kam, dass die Arbeitslosigkeit rapide stieg. Im Tonwerk mit in der Vorkriegszeit 450 Arbeitern wurden 1918 gerade noch 13 Personen beschäftigt. In der Spinnerei sanken die Beschäftigtenzahlen von 900 auf 140. Man kann sich gut vorstellen, dass die Stimmung immer schlechter wurde.

Als in München dann in der Nacht vom 7. zum 8. November durch Kurt Eisner die Republik ausgerufen wurde, zögerte man auch in der Industriestadt Kolbermoor nicht lange. Durch die große Baumwollspinnerei hatte sich längst eine aktive Arbeiterbewegung herausgebildet. So rief die SPD für den 11. November eine Volksversammlung in den großen Mareisssaal ein, auf der aus allen Schichten der Bevölkerung die 25 Mitglieder des 1. Kolbermoorer Volksrates gewählt wurden. Dieser bestand zunächst parallel zum Gemeinderat und hatte nur beratende Funktion. Das Beschlussbuch des Volksrates, das im Kolbermoorer Stadtarchiv aufbewahrt ist, macht deutlich, welche wichtigen Aufgaben dieser Volksrat sich zu eigen machte. In der schwierigen Zeit nach dem 1. Weltkrieg kümmerte er sich um eine gerechte Lebensmittelversorgung, schritt ein gegen Wucherpreise und Schwarzhandel, sorgte für Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten und vieles mehr.

Der Einfluss des Volksrates wuchs zunehmend. Schon 6 Wochen später kam es zur Neuwahl, bei der die Vertreter der Arbeiterschaft stärker berücksichtigt wurden. Nun wurde der ehemalige Soldat, der 33 – jährige Georg Schuhmann zum 1. Vorsitzenden gewählt und war bald die für Kolbermoor entscheidende politische Persönlichkeit. Ein Chronist schreibt: „Die Arbeiterschaft verhimmelte ihn – die Bürgershaft haßte ihn, denn Schuhmann sah hinter die Ladentische und brachte manch Gehortetes zum Vorschein und kontrollierte auch die Einkaufs- und Verkaufspreise und machte mit seinen unvermuteten Kontrollen den Geschäftsleuten die Hölle heiß.“ Der Einfluss Schuhmanns war schließlich so groß, dass er Sprechstunden im Rathaus abhielt. Als am 21. Februar 1919 der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner ermordet wurde, berief der Kolbermoorer Volksrat für den nächsten Tag eine außerordentliche Sitzung ein, auf der dem Bürgermeister Bergmann der Rücktritt nahe gelegt wurde.

Georg Schuhmann war nun nicht nur 1. Volksratsvorsitzender, sondern quasi, und so ist es auch in den Annalen nachzulesen, der 5. Kolbermoorer Bürgermeister. Noch einmal wurde ein Volksrat gewählt, der sich nun „Revolutionärer Arbeiterrat“ nannte und politisch sich weiter radikalisiert hatte. Im Protokollbuch der Räte heißt es: „Schuhmann erklärt, nur noch einem aus Kommunisten gebildeten Rate vorstehen zu können.“ Dies war am 29. 4. 1919, eine knappe Woche vor seiner Ermordung. Schuhmann konnte nur noch an einer einzigen Sitzung teilnehmen, auf der er als 1. Vorsitzender bestätigt und die Ausschüsse festgelegt wurden. Am 1. Und 2. Mai wird Kolbermoor vollständig von Regierungstruppen, den Freikorps und rechten Einwohnerwehren aus der Umgebung eingekreist.

Seit nunmehr drei Jahren bemühe ich mich, dieses Kapitel Kolbermoorer Geschichte wieder bekannt zu machen. Anlässlich des 80. Tages der Wiederkehr der Ermordung von Schuhmann und Lahn, am 4. Mai 1999, habe ich deswegen mit Unterstützung von Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, wo ich im Kreisvorstand aktiv bin, einen historischen Rundgang organisiert. Wir gingen von der Schuhmannstraße (seit 1947), wo Schuhmann wohnte, zu den Gräbern auf dem Friedhof, zum ehemaligen Wohnhaus von Alois Lahn und schließlich zur Tonwerksunterführung, wo eine Gedenktafel aufgestellt wurde. Leider wurde diese schon bald zerstört und musste durch eine neue ersetzt werden, die aber vor wenigen Monaten auch einem Säureattentat, das die Schrift zerstören sollte, zum Opfer fiel und nun zurzeit in Reparatur ist. Man sieht, dass die Kolbermoorer Räterepublik noch immer ein Begriff ist oder wieder geworden ist und Anlass für Auseinandersetzungen bietet. Mein Buch soll helfen, diese 6 Monate der Räterepublik nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Andreas Salomon

Buch: „Auf den Spuren von Georg Schuhmann und Alois Lahn – Ein Beitrag zur Kolbermoorer Räterepublik“ von Andreas Salomon (Hg.)

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