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Kreuzzug gegen Frauenrechte

Die Christliche Rechte in den USA ist ein bedeutender politischer Faktor. Mit neuen Strategien versucht sie, die Bevölkerung für ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen umzustimmen Von Kathrin Hedtke

Die Christliche Rechte ist von ­George W. Bush und seiner Politik enttäuscht. Das könnte die Republikanische Partei bei den Kongreßwahlen am 7. November in arge Bedrängnis bringen. Dabei war es vor nicht allzu langer Zeit maßgeblich das Verdienst der christlichen Fundamentalisten, daß Bush junior im Jahr 2000 zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde – und es heute noch ist. Die Evangelikalen haben seinerzeit aktiven Wahlkampf für den Texaner betrieben und Millionen konservative Gläubige an die Wahlurnen befördert. Schließlich sahen sie in Bush einen Verbündeten, der sich selber als »wiedergebornen Christen« bezeichnet und lautstark ihre Moralvorstellungen propagierte – wie beispielsweise die bedingungslose Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Doch von den 78 Prozent der Evangelikalen, die bei den Präsidentschaftswahlen 2004 die Republikaner unterstützten, wollen bei den anstehenden Kongreßwahlen nur noch 57 Prozent der Partei ihre Stimme geben. Das geht aus einer Umfrage des US-amerikanischen Pew Research Centers hervor, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde. Der Verlust von 21 Prozent könnte die Republikaner Kopf und Kragen kosten, denn die evangelikalen Christen stellen mittlerweile ein Viertel der Wählerschaft.

Eine Ursache für das Stimmungstief mag sicherlich der jüngste Skandal um den republikanischen Abgeordneten Mark Foley sein. Der homosexuelle Politiker hatte wiederholt minderjährigen Praktikanten im Kongreß sexuelle Avancen gemacht. Unter dem Druck der Öffentlichkeit legte er am 29. September 2006 sein Mandat nieder. Doch dieser Vorfall ist nur ein Nebenschauplatz. Die Enttäuschung der Fundamentalisten über George W. ­Bush und seine Politik ist indes viel grundlegender. Denn ihr Präsident wird seiner Mission der moralischen Erneuerung der US-Gesellschaft im Sinne der evangelikalen Ideologie nicht gerecht. Dabei hatte die Christliche Rechte in ihm einst einen Mitstreiter im Kampf gegen »das Böse« gesehen.

Dienende Rolle der Frau Was »das Böse« genau ist, ist nach Ansicht der erzreaktionären Christen in der Bibel klar definiert: Es sind all jene, welche die patriarchale Gesellschaftsform mißachten. In den Augen der Evangelikalen sind die Übeltäter allen voran Homosexuelle, die für die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität in der Gesellschaft kämpfen sowie emanzipierte Frauen, die sich dem Willen ihres Ehemanns widersetzen. Die Geschlechterrollen sind bei der Christlichen Rechten klar definiert: »Gott, unser Schöpfer, hat die Frau geschaffen, um für die Kinder zu sorgen, ein schönes Zuhause herzurichten und andere zu pflegen«, heißt es auf der Homepage der evangelikalen Organisation Focus on the Family. In der Bibel seien sowohl dem weiblichen als auch dem männlichen Geschlecht klare Funktionen zugeordnet, die auf einer eindeutigen Hierarchie basierten. Der Mann werde dabei als Ernährer und Familienoberhaupt definiert, dem sich die Frau unterzuordnen habe – so wie er sich selbst unter Gott. Diese biblische Vorgabe sorge für Ordnung und Stabilität. »Die Anerkennung der jeweiligen Geschlechterrollen ist nicht nur für ein korrektes Verständnis von Gottes Konzept für das menschliche Leben unerläßlich, sondern auch für das Überleben der Familie und das der gesamten Gesellschaft«, so die Meinung der in Colorado Springs ansässigen Organisation, die über ein gigantisches Medienimperium verfügt und deren Vorsitzender Dr. James Dobsen täglich in rund 3500 Radio- und 80 TV-Sendern in den USA seine Botschaft verbreitet. Seine Außenwirkung wird von der US-Organisation Right Wing Watch auf über 200 Millionen Zuhörer pro Tag geschätzt.

Vor diesem ideologischen Hintergrund ist auch der Kreuzzug der Christlichen Rechten gegen das Recht auf Abtreibung zu verstehen. Das Urteil im Fall Roe vs. Wade, mit dem die neun Richter des Obersten Gerichtshofes am 22. Januar 1973 das Recht auf Schwangerschaftsabbruch verfassungsrechtlich legitimierten, war zugleich die Geburtsstunde der evangelikalen Bewegung in den USA. Der Richterspruch löste bei konservativen Christen eine heftige Reaktion aus. Für sie stand weitaus mehr auf dem Spiel als das Recht auf Abtreibung, ihr gesamtes Weltbild schien in Gefahr. Mit diesem Urteil wurde den Frauen offiziell die Kontrolle über ihren Körper zugestanden, was eine Bedrohung für das klassische Geschlechterverhältnis darstellte. Überhaupt waren die 60er Jahre eine harte Zeit für erzkonservative Christen: Jugendliche rebellierten gegen Autoritäten, Frauen wollten sich aus den Zwängen des Patriarchats befreien, Schwule und Lesben forderten gleiche Rechte – die hierarchische Familienordnung drohte auseinanderzubrechen.

Die Legalisierung von Abtreibung bildete 1973 den Höhepunkt dieses Prozesses und führte zu einer Politisierung der konservativen Christen. Als Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen formierte sich die (Neue) Christliche Rechte als soziale, politische und religiöse Bewegung. Wurde die Kampagne gegen das Recht auf Abtreibung anfangs noch von der katholischen Kirche dominiert, so übernahm schon bald die erstarkende Christliche Rechte die Führung und entwickelte sich zu einer bedeutenden politischen Kraft. Innerhalb weniger Jahre gründeten sich zahlreiche evangelikale Organisationen, darunter Americans United for Life (1971), National Right to Life Committee (1973), Eagle Forum (1975), Focus on the Family (1977), Moral Majority (1979), Concerned Women for America (1979) und American Life League (1979). Diese evangelikalen Gruppierungen vereinigen unterschiedliche religiöse, konservative Strömungen, deren Gemeinsamkeit auf der wortgetreuen Auslegung der Bibel basiert. Ihre Mitglieder sind der Auffassung, Jesus Christus habe sich ihnen durch eine Begegnung offenbart, sie von der Sünde befreit und auf den »rechten Weg« geführt. Dieses Erlebnis feiern die Evangelikalen als ihren zweiten Geburtstag – daher auch der Begriff »Wiedergeborene Christen«.

Für die Durchsetzung ihrer Ziele hat die Christliche Rechte in der jüngeren Vergangenheit auf tatkräftige Unterstützung durch George W. Bush und die Republikaner gesetzt. Schließlich hatte der Texaner im Wahlkampf lautstark seine Sympathien für die evangelikale Bewegung bekundet und sich als erbitterter Abtreibungsgegner in Szene gesetzt. Doch abgesehen von großzügigen Finanzspritzen für evangelikale Organisationen und einigen Restriktionen hat George W. ­Bush keine ersichtlichen Schritte unternommen, um das Abtreibungsurteil von 1973 prinzipiell in Frage zu stellen. So waren beispielsweise seine Kandidaten für den Obersten Gerichtshof der USA zunächst keineswegs radikale Abtreibungsgegner, was bei der Christlichen Rechten heftige Reaktionen auslöste. Doch Bush ist um einen Balanceakt bemüht: Er versucht, den Erwartungen der evangelikalen Bewegung entgegenzukommen und gleichzeitig die moderaten Kräfte im Land nicht zu brüskieren. Denn er hat zu sehr mit der Kritik an seinem schmutzigen Krieg im Irak zu kämpfen, als daß er sich noch fundamentale Konflikte im Inneren leisten könnte. Zwar hat ihm die Christliche Rechte maßgeblich zu seinen Wahlsiegen verholfen, doch momentan sind ihre Ziele nicht mit den Vorstellungen der breiten Mehrheit der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Einer Gallup-Umfrage vom Juli 2005 zufolge sprachen sich 68 Prozent der Befragten gegen eine Revision von Roe vs. Wade aus.

Kulturelle Hegemonie angestrebt Der große politische Einfluß der Christlichen Rechten reicht also nicht aus, um ihre Ziele in der Gesellschaft durchzusetzen – diese Erkenntnis ist für die Evangelikalen allerdings nicht neu. Eine ähnliche Enttäuschung haben sie in der Vergangenheit bereits mit Ronald Reagan erlebt. Auch der hatte nach seinem Wahlsieg schnell die Versprechen einer moralischen Erneuerung der Gesellschaft vergessen und sich während seiner Amtszeit (1981–1989) vorzugsweise außenpolitischen und wirtschaftlichen Themen gewidmet. Doch die christlichen Fundamentalisten haben eine wichtige Lehre aus dieser Erfahrung gezogen. Heute richten sie ihren Fokus nicht mehr ausschließlich auf die direkte politische Einflußnahme. Statt dessen konzentrieren sie sich vermehrt auf den Kampf um kulturelle Hegemonie, sprich um die Zustimmung der breiten Bevölkerung für ihre Ziele.

Bislang wurde das Bild der Anti-Abortionists in der Öffentlichkeit davon geprägt, daß sie Bilder mit blutigen Föten schwenkten und lautstark Frauen, die sich für eine Abtreibung entschieden haben, als Kindermörderinnen beschimpften. Doch mittlerweile versuchen sich Teile der evangelikalen Bewegung, von diesem Image zu distanzieren. Sie wollen dem weitverbreiteten Vorwurf entgegenwirken, die sogenannte Pro-Life-Bewegung sei ausschließlich auf den Fötus fixiert und ignoriere die Interessen der Frau. Die neue PR-Strategie der Christlichen Rechten orientiert sich daher am vermeintlichen Wohlergehen des weiblichen Geschlechts. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die evangelikale Organisation Focus on the Family ein, die mit einem jährlichen Budget von rund 130 Millionen US-Dollar zu den mächtigsten Vertreterinnen der Christlichen Rechten gehört.

Die neue Strategie ist notwendiges Resultat der gesellschaftlichen Stimmung. Denn die Mehrheit der US-Bevölkerung akzeptiert nach jahrzehntelanger Propaganda heute weitgehend das Argument der Christlichen Rechten, daß der Fötus ein menschliches Lebewesen ist und Abtreibung moralischen Prinzipien widerspricht. Laut einer Umfrage des renommierten Pew Forum on Reli­gion and Public Life vom August 2005, bei der rund 3000 Erwachsene über 18 Jahre befragt wurden, erachten 41 Prozent Schwangerschaftsabbrüche als »moralisch falsch in einigen Umständen« und 29 Prozent in »fast allen Umständen«. Trotz einer generellen Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung aber gegen eine Abschaffung dieses Rechts aus. Einer Umfrage des Pew Forums zufolge lehnen 65 Prozent der Befragten eine Rücknahme des Urteils Roe vs. Wade durch den Obersten Gerichtshof grundsätzlich ab, lediglich 29 Prozent würden einen entsprechenden Vorschlag unterstützen.

Ausschlaggebender Faktor für die breite Unterstützung des Rechts auf Abtreibung ist für die meisten US-Amerikaner das Recht der Frau – daran hat sich seit 1973 kaum etwas geändert. Die Mehrheit der Bevölkerung solidarisiert sich mit den Forderungen der sogenannten Pro-Choice-Bewegung, die sich seit Jahrzehnten für die Emanzipation und Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts stark macht. Einer Umfrage des Gallup-Instituts zufolge bezeichneten sich 54 Prozent der Interviewten als Pro-Choice und nur 38 Prozent als Pro-Life. Dieses Verhältnis ist seit Jahrzehnten relativ konstant.

Erfolgreiche Panikmache Die Bestrebungen der Christlichen Rechten scheitern also maßgeblich daran, daß die Interessen der Frau im öffentlichen Bewußtsein dominieren. Die evangelikale Bewegung hat diesen Tatbestand längst erkannt und gründet deshalb ihre neue Strategie auf die Behauptung, Pro-Life sei zugleich Pro-Woman. Ziel ihrer Kampagne ist es, innerhalb der Bevölkerung die Sichtweise zu etablieren, jede Abtreibung habe zwei Opfer – den Fötus und die Frau. Denn wenn die Öffentlichkeit davon überzeugt werden kann, daß das Recht auf Abtreibung für die US-Amerikanerinnen keine Errungenschaft bedeutet, sondern ihnen im Gegenteil sogar schadet, gäbe es keinen Grund mehr, ein entsprechendes Gesetz zu verteidigen.

Das Hauptargument der evangelikalen Organisation basiert auf der Behauptung, Abtreibung sei schädlich für die Gesundheit und das Wohlergehen der Frau. Dabei verweist die Christliche Rechte in der Öffentlichkeit auf die Risiken einer Abtreibung und führt detailliert sämtliche körperlichen und psychischen Folgen auf, die im Zuge eines Schwangerschaftsabbruchs auftreten können. Auf ihrer Homepage warnt Focus on the Family: »Abtreibung ist nicht ohne Risiko – für unseren Körper, unseren Geist und unsere Gefühle.« Die Organisation behauptet, ein Schwangerschaftsabbruch steigere das Risiko von Unfruchtbarkeit und späteren Fehlgeburten. Diese Behauptung ist Erkenntnissen des Guttmacher-Instituts zufolge wissenschaftlich nicht haltbar – ebensowenig wie die These, eine Abtreibung vergrößere die Gefahr von Brustkrebs. Doch die Evangelikalen verweisen auf eigene Untersuchungen und untermauern ihre Thesen mit »Erfahrungsberichten«. Mit Erfolg. Denn obwohl ihre Behauptungen offensichtliche Lügen sind, hinterlassen sie bei vielen Frauen ein Gefühl der Verunsicherung. Bei der Gesundheitsorganisation Planned Parenthood gehen täglich zahlreiche besorgte Zuschriften von US-Amerikanerinnen ein, welche die Risiken einer Abtreibung fürchten.

Größeres Augenmerk als auf die körperlichen Schäden legt Focus on the Family auf die seelischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs. Diese Akzentuierung hat den Vorteil, daß emotionale Reaktionen schwer nachweisbar oder meßbar sind. Die Christliche Rechte hat sogar eigens einen Begriff für die psychischen Nachwirkungen einer Abtreibung erfunden, der den Eindruck eines regulären Krankheitsbilds wecken soll: »Post-Abortion Syndrome«. Zwar wird die Existenz eines entsprechenden Phänomens weder von der American Psychological Association noch von der American Psychiatric Association anerkannt, doch in der Öffentlichkeit und den Medien konnte sich der Begriff längst etablieren. Als Ursache für die Traumata der Frau deklariert Focus on the Family jene Reue- und Schuldgefühle, die sie selber mit ihren Kampagnen maßgeblich fördert, indem sie beispielsweise behauptet, Abtreibung sei »Mord an einem unschuldigen Lebewesen«. Untersuchungen der Gesundheitsorganisation Planned Parenthood zufolge sind ernsthafte emotionale Probleme nach einem Schwangerschaftsabbruch allerdings äußerst selten. Entscheidend für psychische Folgeschäden seien bereits vor der Abtreibung existente Faktoren und weniger der Eingriff selber.

Darüber hinaus instrumentalisiert Focus on the Family mit dem weiblichen Selbstbestimmungsrecht ein weiteres bedeutendes Argument der Pro-Choice-Bewegung für ihre Zwecke. Denn der Anspruch der Frau, eigenmächtig über ihren Körper und damit über Fortführung oder Abbruch ihrer Schwangerschaft zu entscheiden, ist in den USA ein fester Wert innerhalb der Bevölkerung. Deshalb behauptet Focus on the Family, daß das Recht auf Abtreibung nicht die Verwirklichung weiblicher Selbstbestimmung gewährleiste, sondern de facto dessen Gegenteil darstelle. Denn ein Schwangerschaftsabbruch sei niemals die freie Entscheidung der Frau – schließlich sei ihre Mutterrolle naturgegeben. Vielmehr werde die schwangere Frau durch äußere Faktoren dazu gezwungen, eine Abtreibung als ihre »einzige Option« anzusehen. Die Evangelikalen konzentrieren sich dabei auf die Behauptung, die Mehrzahl der Frauen sei mangelhaft informiert und werde von Familienangehörigen, Freunden oder ihrem Arzt zu der Entscheidung gezwungen. Da die US-Amerikanerinnen mit ihrem Selbstbestimmungsrecht nicht umgehen könnten, sollten Frauen und Föten nach Ansicht der Christlichen Rechten künftig durch ein Verbot vor Abtreibungen geschützt werden. »Es ist eine schmerzliche Realität für Millionen amerikanischer Frauen, die keine andere Option sehen, und für ihre ungeborenen Kinder, die als Folge der uninformierten Entscheidung ihrer Mutter sterben müssen«, argumentiert Focus on the Family.

Scheinalternativen In der Öffentlichkeit vertritt die Christliche Rechte lautstark die These: »Frauen verdienen etwas Besseres als Abtreibungen«. Als Alternative verweisen sie auf die rund 3200 Crisis Pregnancy Center, die seit Mitte der 80er Jahre von der Christlichen Rechten in den USA aufgebaut wurden. Viele der Mitarbeiterinnen arbeiten hier ehrenamtlich in der Hoffnung, somit die »Sünde« einer vergangenen Abtreibung ausgleichen zu können. Die ersten dieser Einrichtungen entstanden in dem Bestreben der Evangelikalen, der kritischen Medienberichterstattung etwas Positives entgegenzusetzen. Außerdem erhofften sie sich durch die Crisis Pregnancy Center eine direkte Einflußnahme auf die Zielgruppe abtreibungswilliger Frauen. In der Überzeugung, dadurch einen zentralen Beitrag zur Abschaffung des Rechts auf Abtreibung zu leisten, bildet die bundesweite Unterstützung und Förderung dieser Einrichtungen einen Schwerpunkt von Focus on the Family.

Konkret beinhaltet das Angebot der Crisis Pregnancy Centers kostenlose Schwangerschafts­tests, Auskünfte über die negativen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs, rechtliche und medizinische Ratschläge für werdende Mütter sowie gebrauchte Kinderkleidung und Informationen über Adoptionsmöglichkeiten. Diese Maßnahmen sind allerdings kaum geeignet, einer schwangeren Frau in einer Krisensituation einen Ausweg zu bieten. Statt dessen wird mit diesem Angebot das Ziel verfolgt, die Entscheidung der Frau zu manipulieren. Die Schwangere soll durch emotionalen Druck von ihrem Entschluß abgehalten werden. Doch nach der Geburt soll sie ihr Kind keineswegs behalten, sondern wird gedrängt, es zur Adoption freizugeben. Schließlich widerspricht auch das Familienmodell der alleinerziehenden Mutter dem evangelikalen Gesellschaftsideal.

Tatsächlich geht es der Christlichen Rechten um weitaus mehr als um das Leben der Föten, wie sie immer behauptet. In erster Linie soll das Recht auf Abtreibung abgeschafft werden, weil es Symbol für weibliche Emanzipation ist und ein Verbot die patriarchalen Abhängigkeitsverhältnisse fördern würde. Denn 57 Prozent aller Schwangeren, die sich für eine Abtreibung entscheiden, sind arm oder einkommensschwach. Vor diesem Hintergrund wäre eine Revision des Abtreibungsurteils bei gleichzeitig unzureichender sozialstaatlicher Unterstützung ein effektives Mittel, um die ökonomische Abhängigkeit der Frau von einem männlichen Ernährer und somit die Institution Ehe zu stärken. Es ist nachvollziehbar, warum selbst ein erzreaktionärer Präsident wie George W. Bush die Forderungen der christlichen Fundamentalisten nicht aktiv unterstützen kann – Millionen emanzipierte Frauen würden in den USA auf die Barrikaden gehen.
jw, 01.11.2006

Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/11-01/038.php

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