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	<title>Die Gruppe MD &#187; Antisemitismus</title>
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		<title>Zur Geschichte des Antisemitismus</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 09:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Antisemitismus bzw. Antijudaismus ist ein spezifisches rassistisches Phänomen, das die Menschheit seit mehr als zweitausend Jahren begleitet. Der Begriff des Antisemitismus entstand im 19. Jahrhundert (1879 von Wilhelm Marr geprägt) und bezeichnet den Hass (Feindschaft?) einzelner Menschen oder ganzer Völker gegen die Juden. Das Phänomen ist existent seitdem die Juden außerhalb Palästinas, d.h. in der Diaspora leben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-425"></span><strong>Vom religiösen Antijudaismus bis zur Endlösung Zur Geschichte des Antisemitismus</strong></p>
<p>Antisemitismus bzw. Antijudaismus ist ein spezifisches rassistisches Phänomen, das die Menschheit seit mehr als zweitausend Jahren begleitet. Der Begriff des Antisemitismus entstand im 19. Jahrhundert (1879 von Wilhelm Marr geprägt) und bezeichnet den Hass (Feindschaft?) einzelner Menschen oder ganzer Völker gegen die Juden. Das Phänomen ist existent seitdem die Juden außerhalb Palästinas, d.h. in der Diaspora leben. Nach Aufständen der Juden im Jahr 70 n.Chr. gegen die römischen Besatzungstruppen wurde Jerusalem zerstört, die jüdische Bevölkerung getötet oder vertrieben und der jüdische Staat zerschlagen. Die geflohenen Juden assimilierten sich in den folgenden Jahrhunderte in ihren Zufluchtsländern. Allerdings hielten die meisten an der Religion ihrer Vorfahren und ihrem Volkstum fest. Auf diese Weise entstand in vielen Staaten der Welt eine religiöse und ethnische Minderheit bis in die heutige Zeit.</p>
<p>Der analytische Blick auf die Geschichte zeigt: Der Antisemitismus begann nicht erst mit dem Nationalsozialismus. Verfolgungen von Juden gab es in großem Ausmaß bereits im Mittelalter. Im Jahr 1096 z.B. wurden in ganz Europa Tausende von Juden getötet und vielerorts ganze jüdische Gemeinden ausgerottet. Diese Pogrome entstanden z.T. aus der christlich-religiösen Überzeugung, die Juden seien die Feinde der Christen. Die Opfer wurden so zu Sündenböcken gestempelt und für damals rational nicht erklärbare Naturkatastrophen, Hungersnöte und Seuchen verantwortlich gemacht. Infolge weiterer Stereotypisierungen wurden Juden als Mörder kleiner Kinder, als Hostienschänder und Brunnenvergifter verleumdet und verfolgt. Als 1348 eine Pest Europa verheerte, stellte man dies als Strafe Gottes dafür dar, dass die Christenheit die Juden noch nicht aus ihrer Mitte entfernt habe. Fortan kasernierte man Juden in gesonderten Stadtteilen, den Ghettos und zwang sie, sich durch besondere Kleidung als Juden zu erkennen zu geben. Das fanatisierte Klima der Kreuzzüge (11.-13. Jahrhundert) trug wesentlich zu dem von der katholischen Kirche bis in die 1960er Jahre offiziell aufrechterhaltenen Vorwurf gegenüber den Juden als „Christusmörder“ bei.</p>
<p>Oft hatte der Antisemitismus wirtschaftliche Ursachen. Beispielsweise warf man Juden vor, sich auf Kosten von Nichtjuden zu bereichern. Da es Christen im Mittelalter aus religiösen Gründen versagt war Zinsen zu nehmen, blieben die Geldgeschäfte oft den Juden vorbehalten. Dies führte dazu, dass viele Christen bei Juden verschuldet waren. Die meisten anderen Berufe waren ihnen verschlossen. Aus der Landwirtschaft wurden sie verdrängt, und ein Handwerk konnten sie nicht ausüben, weil sie als Nichtchristen kein Mitglied einer Zunft werden durften. So blieb ihnen nur das Geldgeschäft und der Kleinhandel.</p>
<p>In den ersten Reformationsjahren begegnete man in den protestantischen Gebieten den Juden zunächst mit Toleranz. Auch Martin Luther äußerte sich positiv über sie und zeigte ein besonderes Interesse an der hebräischen Sprache. Er hegte die missionarische Hoffnung, die Juden für den christlichen Glauben gewinnen zu können &#8211; ein Trugschluss, der einen radikalen Meinungswandel bewirkte. Die Juden erschienen Luther nun als ein Volk, das willentlich Gottes Liebe verschmähte. Noch wenige Jahre vor seinem Tod verfasste er eine Schrift mit dem Titel &#8220;Von den Juden und ihren Lügen&#8221;. Darin verstieg er sich zu der Forderung, die Synagogen abzubrennen, die Wohnungen der Juden zu zerstören, den Rabbinern das Lehren zu verbieten und den Juden auf jede erdenkliche Weise das Leben schwer zu machen: eine verhängnisvolle antijudaistische Agitationsschrift, denn seitdem haben sich protestantische Judenfeinde immer wieder auf Luther berufen.</p>
<p>Nachdem es im 18. Jahrhundert vorübergehend eine Zeit der Toleranz gegenüber Juden gegeben hatte und sie auf allen gesellschaftlichen Gebieten eine gewisse Gleichberechtigung erfuhren, entstand im 19. Jahrhundert vor allem in Deutschland eine neue Welle der Judenfeindschaft. Sie war weniger religiös als vielmehr nationalistisch-rassistisch geprägt. Juden wurden nun als &#8220;national unzuverlässig&#8221;, als &#8220;heimatlose Gesellen&#8221;, als &#8220;völkisch minderwertig&#8221; bezeichnet. Man forderte die &#8220;Reinigung&#8221; des deutschen Volkes von allem Jüdischen. In einer Nation dürfe nur eine Seele sein. Auch die Kirchen waren nicht frei von dieser Judenfeindschaft. Es wurde behauptet, Juden seien im Gegensatz zu den wahren Deutschen ohne jegliche tiefere Religiosität und liefen nur den &#8220;Götzen des Goldes&#8221; nach. Auf diesem nationalistisch geprägten Antisemitismus konnten die Nazis später aufbauen, als sie die Vernichtung der Juden planten und durchführten.</p>
<p><strong>Antisemitismus im Dritten Reich</strong></p>
<p>Der Höhepunkt antisemitisch bedingter Verfolgungen wurde in den Jahren 1933-1945 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erreicht. Hitler und die NSDAP propagierten den rassistischen Antisemitismus. Das nationalsozialistische Weltbild ist geprägt durch Vorstellung des angeblich ständigen Kampfes zwischen der &#8220;hochwertigen&#8221; Rasse, den Ariern, und der &#8220;minderwertigen&#8221; Rasse, den Juden weg. Durch Vermischung mit den Juden werde die germanische Rasse verdorben und sei auf lange Sicht zum Untergang verurteilt. &#8220;Die Juden sind unser Unglück&#8221; lautete eine von den Nazis verbreitete Parole. Ziel der nationalsozialistischen Politik war es deshalb, die &#8220;Reinheit des deutschen Blutes&#8221; zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Bei der deutschen Bevölkerung, in der viele Menschen antisemitisch und nationalistisch dachten und fühlten, fanden die Nazis damit breite Zustimmung. Die Feindschaft gegen das Judentum gehörte von Anfang an zum Parteiprogramm der Nationalsozialisten.</p>
<p>Nach der Machtergreifung im Jahre 1933 wurden sofort antijüdische Maßnahmen durch die Nazis eingeleitet, weg ständig verschärft und ausgeweitet.</p>
<p>1933: Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutschland durch die SA. Die Aktionen richteten sich auch gegen jüdische Rechtsanwälte und Ärzte sowie gegen den Besuch von Schulen und Universitäten durch Juden. Jüdische Beamte wurden aus den Ämtern entfernt, Künstler und Schriftsteller und Schriftleiter bei den Zeitungen erhielten praktisch Berufsverbot.</p>
<p>1935: Die &#8220;Nürnberger Gesetze&#8221; werden beschlossen und in Kraft gesetzt. Darin heißt es:</p>
<ul>
<li> §1: Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind.</li>
<li>§2: Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes ist verboten.</li>
<li>§3: Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt nicht beschäftigen.</li>
</ul>
<p>1937: Beginn der &#8220;Arisierung&#8221; der Wirtschaft. Die jüdischen Besitzer von Unternehmen und Geschäften werden gezwungen, ihren Besitz meist weit unter Wert an Deutsche zu verkaufen. Viele deutsche Geschäftsleute bereichern sich an jüdischem Eigentum.</p>
<p>1938: Einweisung aller so genannten vorbestraften Juden in Konzentrationslager. Die jüdischen Ärzte verlieren ihre Approbation. Sie dürfen nur noch als &#8220;Krankenbehandler&#8221; für Juden tätig sein. Juden müssen ihrem offiziellen Namen die Vornamen &#8220;Israel&#8221; oder Sara&#8221; hinzufügen. &#8220;Reichskristallnacht&#8221; am 9./10. 11.: Zerstörung von Synagogen, Geschäften und Wohnhäusern der Juden. Verhaftung von über 26000 männlichen Juden und Einweisung in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Mindestens 91 Juden werden getötet.</p>
<p><strong>Juden dürfen keine Kinos, Theater und Konzerte mehr besuchen.</strong></p>
<p>1939: Hitler kündigt vor dem Reichstag im Falle eines Krieges die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa an. Deutscher Angriff auf Polen am 1.9., Beginn des Zweiten Weltkriegs. Beginn der Judenverfolgungen und -vernichtungen in allen von deutschen Truppen eroberten Gebieten: in Polen, Rumänien, in Estland, Lettland und Litauen und in der Sowjetunion.</p>
<p>1941: Einführung des Judensterns. Juden über sechs Jahren ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne den gelben Judenstern zu zeigen. Juden dürfen ihren Wohnbezirk ohne Genehmigung der Polizei nicht verlassen.</p>
<p>1942: Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Juden. Weitere Einschränkungen im Laufe des Krieges: Es war Juden verboten, Fernsprecher zu benutzen, Zeitungen zu beziehen, sich auf Bahnhöfen und in Gaststätten aufzuhalten. Radios, andere elektrische und optische Geräte mussten abgeliefert werden. Juden erhielten keine Fleischkarten, keine Kleiderkarten, keine Milchkarten, keine Raucherkarten, kein Weißbrot, kein Obst, keine Obstkonserven, keine Süßwaren.</p>
<p>10/43: Auswanderungsverbot</p>
<p><strong>Antisemitismus und Holocaust/Shoah</strong></p>
<p>Nach der Machtergreifung im Jahr 1933 begannen die Nationalsozialisten, die jüdische deutsche Bevölkerung durch gesetzliche Verordnungen und Willkürmaßnahmen zu verfolgen und zu terrorisieren. Auf der so genannten &#8220;Wannseekonferenz&#8221; am 20.1.1942 beschlossen die Nazis die Deportation und Ausrottung des gesamten europäischen Judentums. Hitler machte damit wahr, was er schon lange als seine Absicht angekündigt hatte und was eigentlich jeder in Deutschland voraussehen konnte, sofern er es sehen wollte. Adolf Eichmann wurde mit der Organisation der &#8220;Endlösung&#8221; beauftragt.</p>
<p>1942-45: Beginn der Massenvernichtungen in Auschwitz und anderen großen Vernichtungslagern wie Maidanek, Sobibor, Treblinka. In diese (von den Konzentrationslagern zu unterscheidenden) Lager wurden die Menschen jüdischer Herkunft aus dem ganzen Machtbereich des &#8220;Dritten Reiches&#8221; nach und nach deportiert, sofern sie nicht schon den Erschießungskommandos der SS-Einsatzgruppen in den eroberten russischen Gebieten zum Opfer gefallen waren. Die absolut genaue Zahl der Opfer lässt sich nicht mehr feststellen. Doch wurden insgesamt wohl in den Jahren 1942 bis 1945 ca. sechs Millionen Juden aus ganz Europa getötet, wie in den NS-Prozessen der Nachkriegszeit festgestellt wurde.</p>
<p>Dazu die Aussage des KZ-Kommandanten Rudolf Höß: &#8220;&#8230; Ich befehligte Auschwitz bis zum 1. 12.1943 und schätze, daß mindestens 2,5 Millionen Opfer durch Vergasung und Verbrennen hingerichtet und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere halbe Million starben durch Hunger und Krankheit, was eine Gesamtzahl von ungefähr 3 Millionen Toten ausmacht. Unter den hingerichteten und verbrannten Personen befanden sich ungefähr 20.000 russische Kriegsgefangene. Der Rest umfaßte ungefähr 100.000 deutsche Juden und eine große Anzahl von Einwohnern aus Holland, Frankreich, Belgien, Ungarn, Griechenland und anderen Ländern.&#8221; Zwei Drittel der in Europa lebenden Juden fielen dem Holocaust zum Opfer. An den Folgen dieser Vernichtungsaktion leiden nicht nur die Überlebenden der Vernichtungslager, die die eintätowierte Lager-Nummer zeitlebens mit sich herumtragen. Sehr viele der heute lebenden Juden, deren Familien aus Europa stammen, haben nahe Angehörige unter den Opfern.</p>
<p><strong>Schuldfrage/ Erklärungsansätze</strong></p>
<p>Der Holocaust war in Deutschland auch deshalb möglich, weil die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung Hitlers &#8220;strengem Vorgehen&#8221; gegen die Juden zunächst positiv gegenüber stand und es billigte. Die Kirchen blieben stumm, ja sie übernahmen z.T. die Nazi-Rassegesetze und belegten Pfarrer jüdischer Herkunft mit Berufsverbot. Diese Sympathie gegenüber dem judenfeindlichen Gedankengut der Nazis bedeutet nicht, dass die Deutschen in ihrer Mehrheit auch die entsetzliche Vernichtungsaktion gebilligt hätten. Als man das Ausmaß und die Umstände des Holocaust nach und nach erkannte, war es für Protestaktionen längst zu spät. Sich für das Schicksal der Juden zu interessieren oder ihnen gar zu helfen, war lebensgefährlich. Nur einzelne wie z.B. Oskar Schindler oder Raoul Wallenberg fanden dazu den Mut und die Möglichkeit, unter Einsatz ihres Lebens.</p>
<p>Als nach Kriegsende die Wahrheit über den Holocaust immer deutlicher wurde, berief man sich weitgehend auf angebliche Unwissenheit, um die Mitverantwortung von sich wegzuschieben. Bis heute finden in der deutschen Bevölkerung auch diejenigen noch Gehör, die behaupten, so schlimm könne alles doch nicht gewesen sein und dass es eine Lüge sei zu behaupten, 6 Millionen Juden umgekommen seien (so genannte Auschwitz-Lüge).</p>
<p>Die Evangelische Kirche hat am 30. 10.1945 die &#8220;Stuttgarter Schulderklärung&#8221; veröffentlicht, in der sie sich zu ihrer Mitverantwortung an den Vorgängen im &#8220;Dritten Reich&#8221; bekennt. In diesem Schuldbekenntnis heißt es: „&#8230; Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. &#8230; Wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.&#8221; An diesem Bekenntnis wird jedoch kritisiert, dass es nicht konkret die Mitschuld an den Nazi-Verbrechen nennt und mit keinem Wort auf den Holocaust eingeht. Von vielen Christen in der Evangelischen Kirche wurde auch dieses vage formulierte Schuldbekenntnis als zu weit gehend abgelehnt.</p>
<p><strong>Antisemitismus nach dem Zweiten Weltkrieg</strong></p>
<p>In den westlichen Demokratien hat das abschreckende Beispiel der nationalsozialistischen Politik der Judenvernichtung dazu geführt, dass der Antisemitismus in der Nachkriegszeit abnahm. Dennoch zeigten Umfragen in den achtziger und neunziger Jahren in Deutschland und Österreich, dass 10 bis 15 Prozent der jeweiligen Bevölkerung als überzeugte Antisemiten einzustufen sind, ein weiteres Drittel antijüdischen Ressentiments anhängt. In den neunziger Jahren sind in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern und den USA erneut reaktionäre und rassistische Parteien und Gruppen entstanden, die antisemitische Ideologien vertreten und häufig in enger Verbindung zu neofaschistischen Gruppierungen stehen. Nach dem Fall der Mauer nahm die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland erneut zu.</p>
<p>re, ff, 12.1.04</p>
<p><em><strong>Literatur</strong></em></p>
<p>* Arendt, Hannah: Israel, Palästina und der Antisemitismus. Aufsätze. Berlin 1991<br />
* Benz, Wolfgang: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus, München 2001<br />
* Benz, Wolfgang / Hermann Graml /Hermann Weiß: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, München 1997.<br />
* Benz, Wigbert / Bernd Bredemeyer / Klaus Fieberg: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Beiträge, Materialien Dokumente. CD-Rom, Braunschweig 2004.<br />
* Blaschke, Olaf: Katholizismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich. Göttingen 1997<br />
* Brakelmann, Günter / Martin Rosowski: Antisemitismus. Von religiöser Judenfeindschaft zur Rassenideologie. Göttingen 1989<br />
* Domrös, Arne / Thomas Bartoldus / Julian Voloj: Judentum und Antijudaismus. Berlin 2003<br />
* Gutman, Israel / Eberhard Jäckel / Peter Longerich (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. München 1998<br />
* Graml, Hermann: Reichskristallnacht. München 1998<br />
* Hecht, Cornelia : Deutsche Juden und Antisemitismus in der Weimarer Republik &#8211; J. H. W. Bonn 2003<br />
* Hentges, Gudrun / Reinhard Kühnl (Hrsg.): Antisemitismus. Geschichte &#8211; Interessenstruktur &#8211; Aktualität. Heilbronn 1995<br />
* Hoensch, Jörg / Stanislav Biman / L&#8217;ubomir Liptak: Judenemazipation, Antisemitismus, Verfolgung. Essen 1999<br />
* Kreis, Rudolf: Antisemitimus und Kirche. Hamburg 1999<br />
* Poliakov, Leon: Geschichte des Antisemitismus I. Von der Antike bis zu den Kreuzzügen. Frankfurt/M 1979<br />
* Poliakov, Leon: Geschichte des Antisemitismus III. Religiöse und soziale Toleranz unter dem Islam. Anhang: Die Juden im Kirchenstaat.Frankfurt/M 1979<br />
* Poliakov, Leon: Geschichte des Antisemitismus IV. Die Marranen im Schatten der Inquisition. Anhang: Die Morisken und ihre Vertreibung. Frankfurt/M 1979<br />
* Poliakov, Leon: Geschichte des Antisemitismus VII. Zwischen Assimilation und &#8216;jüdischer Weltverschwörung&#8217;. Frankfurt/M 1979<br />
* Simmel, Ernst: Antisemitismus. ( Fischer Wissenschaft). Frankfurt/M 2001<br />
* Stern, Frank: Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Philosemitismus im deutschen Nachkrieg. Gerlingen 1991<br />
* Sammons, Jeffrey L.: Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Grundlage des modernen Antisemitismus &#8211; eine Fälschung. Göttingen 1998<br />
* Von Braun, Christina / Ludger Heid (Hrsg.): Der ewige Judenhaß, Berlin/Wien 2000</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.shoa.de/" target="_blank">http://www.shoa.de/</a></em></p>
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		<title>Antisemitismus in Österreich &#8211; ein historischer Überblick</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 08:52:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Entgegen oftmaligen Behauptungen, der Antisemitismus sei eine Sache des Nationalsozialismus und dieser wiederum eine Sache der Deutschen begann der wirtschaftliche Antisemitismus in Österreich schon im 10. Jahrhundert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-423"></span>Entgegen oftmaligen Behauptungen, der Antisemitismus sei eine Sache des Nationalsozialismus und dieser wiederum eine Sache der Deutschen begann der wirtschaftliche Antisemitismus in Österreich schon im 10. Jahrhundert. Juden und Jüdinnen war es nur erlaubt Geld- und Kreditgeschäfte zu betreiben, doch sie mußten an den Adel hohe Abgaben zahlen, wodurch sie hohe Zinsen verlangen mußten. Neben dem wirtschaftlichen gab es auch den christlichen Antisemitismus. Juden und Jüdinnen wurde nachgesagt &#8220;Gottesmörder&#8221; zu sein, Christenkinder umzubringen, Brunnen zu vergiften oder verantwortlich für Pestepidemien zu sein.</p>
<p>Im 15. Jahrhundert begann die &#8220;gesetzliche&#8221; Vertreibung der Jüdinnen und Juden. 1431 wurden sie aus Wien verbannt und 1498 erließ der Erzbischof von Salzburg ein &#8220;Judenverbot&#8221;. Im 16. Jahrhundert allerdings waren wegen militärischer Niederlagen jüdische Händler (und nur Händler) im Habsburgerreich wieder geduldet. Doch bereits 1670 wurden von Leopold I. 4000 Juden und Jüdinnen aus Wien wieder vertrieben, wAeil sie sich nicht taufen ließen. Auch Maria Theresia (1740-1780) wollte ein von Juden und Jüdinnen gesäubertes Wien. Ihre antisemitischen Haßtiraden wurden mit Begeisterung von Nazis zitiert. Erst unter Joseph II. (1780-1790) ging es den Juden und Jüdinnen etwas besser. Sie mußten nicht mehr das sie kennzeichnende gelbe Abzeichen tragen, durften erstmals Schulen besuchen, akademische Berufe ausüben und in Fabriken arbeiten. Allerdings hatten sie sich anzupassen. Sie mußten sich christlich kleiden, deutsche Namen annehmen und durften nicht in ihrer Sprache in der Öffentlichkeit miteinander reden. Aber nach dem Tod Joseph II. war es mit den gemachten Zugeständnissen wieder vorbei. Erst 1867 wurden alle Gesetze abgeschafft, die Juden und Jüdinnen diskriminierten.</p>
<p>Ende des 19. Jahrhunderts entstand der rassische Antisemitismus. Viele antisemitische Parteien entstanden, wie Georg von Schönerers Alldeutsche Partei, oder die Christlichsoziale Partei, die von Karl Lueger, dem späteren Bürgermeister Wiens, gegründet wurde. Hitler widmete vor lauter Begeisterung beiden viele Seiten in seinem Buch &#8220;Mein Kampf&#8221;. Nach der Gründung der 1.Republik nahmen die antisemitischen Kundgebungen und Ausschreitungen auf der Straße zu. So ziemlich jede Partei hatte antisemitische Forderungen. z.B. forderten die Christlichsozialen die Vertreibung von &#8220;Ostjuden&#8221; oder sie in Internierungslagern festzuhalten. Aber auch der Sozialdemokratische Landeshauptmann von Niederösterreich, Albert Sever, forderte, daß alle &#8220;Fremden&#8221;, bis auf solche mit vorübergehender Aufenthaltsbewilligung, das Bundesland zu verlassen hätten. Viel Anklang bei einer öffentlichen Kundgebung (mit 3.000 Personen!) fand auch die Behauptung, man trete für eine Deportierung von 200.000 &#8220;Ostjuden&#8221; ein, um für die 150.000 Obdachlosen der Stadt Platz zu schaffen.</p>
<p>Kein Wunder, daß ab 1931 auf jüdischen Geschäften Zettel mit der Aufschrift &#8220;Kauft nicht bei Juden&#8221; keine Seltenheit waren. Auch Bombenanschläge auf jüdische Geschäfte gehörten ab 1932 sozusagen zum Alltag. Ab Februar 1934, unter den Austrofaschisten, wurden Juden und Jüdinnen nicht mehr in öffentlichen Krankenhäusern aufgenommen, Gewerbe- und Gewerkschaftsbund schlossen jüdische Mitglieder aus und befürworteten 1937 den Boykott jüdischer Handelsbetriebe. Anfang 1938 war der Status der österreichischen Juden und Jüdinnen jenem in Deutschland sehr ähnlich.</p>
<p>Schon vor dem Einmarsch der deutschen Faschisten im März 1938 war der Antisemitismus in Österreich sehr weit verbreitet. Gleich in den ersten Tagen der Okkupation kam es zu einem Exzess von Plünderungen und brutalen Gewalttaten gegenüber jüdischen MitbürgerInnen, die in erster Linie von österreichischen Nazis und Nicht-Nazis durchgeführt wurden. Die Brutalität der österreichischen Antisemiten &#8220;beeindruckte&#8221; sogar die deutschen Nazis. Das offizielle SS-Organ &#8220;Das schwarze Korps&#8221; stellte Ende April neidisch fest, daß den Österreichern &#8220;Über Nacht das gelungen ist, was die Deutschen nach vielen Jahren nicht geschafft haben.&#8221; Hinter der Vernichtungsmaschinerie Nazi-Deutschlands standen eine Vielzahl von Österreichern in führenden Positionen, allen voran Adolf Eichmann. Er war Chef der &#8220;Zentralstelle für jüdische Auswanderung&#8221; in Wien. Dort beeindruckte er die deutsche Nazi-Führung so sehr, daß sie ihn mit der Oberleitung der jüdischen Deportation für das ganze Reich betraute. Eichmann hatte einen Stab von Vertrauensleuten um sich herum, der zu 80% aus Österreichern bestand.</p>
<p>Nach Kriegsende stellte sich Österreich bekanntlich als das erste Opfer Deutschlands dar und behauptete niemals Gefühle des Hasses gegen andere Völker gehegt zu haben. Das war auch eine &#8220;gute&#8221; Begründung um Entschuldigungs- und Wiedergutmachungsforderungen abzuwehren (da Österreich schließlich selbst Opfer war). Sogar der erste Nationalratspräsident Nachkriegsösterreichs Leopold Kunschak rühmte sich schon 1945 wieder, immer schon Antisemit gewesen zu sein. Er war nicht der einzige führende Politiker der Nachkriegszeit der antisemitisches Gedankengut vertrat.</p>
<p>Der politische Antisemitismus ist heute zwar nicht mehr salonfähig, doch obwohl die Rolle des Sündenbocks auf politischer Ebene &#8220;geschickt&#8221; auf Nichtösterreicher und Nichtösterreicherinnen umgewälzt wurde, ist laut Umfragen der Antisemitismus in der österreichischen Gesellschaft immer noch präsent.</p>
<p><em><strong>Sofia</strong></em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.anarchismus.at/" target="_blank">http://www.anarchismus.at/</a></em></p>
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		<title>Der deutsche Zionismus während des Dritten Reiches</title>
		<link>http://www.die-gruppe-md.de/der-deutsche-zionismus-wahrend-des-dritten-reiches</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 08:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zionismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine besondere Rolle in der Verfolgungspolitik des NS-Regimes gegenüber den Juden spielte die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD). Jene versuchten die Nazis für ihre Absicht, Deutschland „judenrein“ zu machen, zu instrumentalisieren. Grundlage dafür war das zionistische Konzept von Dissimilation und Emigration als „Lösung der Judenfrage“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-420"></span></p>
<p>Eine besondere Rolle in der Verfolgungspolitik des NS-Regimes gegenüber den Juden spielte die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD). Jene versuchten die Nazis für ihre Absicht, Deutschland „judenrein“ zu machen, zu instrumentalisieren. Grundlage dafür war das zionistische Konzept von Dissimilation und Emigration als „Lösung der Judenfrage“. Der Zionismus betrachtete die Emanzipation und Assimilation der Juden als Ursache des Antisemitismus. Im Gegensatz zur großen Mehrheit der Juden lehnte er deren Bekenntnis zu ihrem jeweiligen Heimatlandes ab und forderte stattdessen die Anerkennung der Existenz einer jüdischen Nation. Er rief die Juden dazu auf, sich ihrer eigenen Wurzeln bewußt zu werden: jüdische Tradition, Geschichte, Kultur und die jüdische Heimat in Palästina. Im Gegensatz zu den Organisationen der assimilierten Juden hatten die Zionisten während der Jahre der Weimarer Republik nur wenig Interesse an einem Abwehrkampf gegen den Nationalsozialismus gezeigt. Sie betrachteten den Kampf gegen den Antisemitismus als sinnlos und richteten ihre Arbeit fast vollständig auf den Aufbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina aus. Für die ZVfD lag die „Lösung der Judenfrage“ in der „Entwurzelung“ der Juden aus der deutschen Gesellschaft. Deshalb propagierte sie die Dissimilation der Juden in Form einer Anerkennung als nationale Minderheit bzw. einer kulturellen Autonomie. Dieser Status sollte dazu genutzt werden, auswanderungswillige Juden auf die Emigration nach Palästina vorzubereiten.</p>
<p>Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler erwies sich diese Strategie der Situation angemessener als das Festhalten an der Assimilation. Dies zeigte sich u.a. daran, daß die ZVfD unter den deutschen Juden auf größere Resonanz stieß und von einer Minderheitenströmung zu einer der größten und einflussreichsten Organisationen des deutschen Judentums aufstieg. Zusammen mit dem „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ und anderen jüdischen Organisationen engagierte sich die ZVfD im Aufbau der Selbstorganisation des jüdischen Lebens in NS-Deutschland. In der Reichsvertretung der deutschen Juden arbeiteten diese Gruppen gemeinsam für einen autonomen jüdischen Bereich, in welchem ein eigenes Bildungswesen, eigene Wohlfahrtsinstitutionen und ein eigenständiges kulturelles Leben organisiert wurden. Die Zionisten betonten in dieser Arbeit besonders die Herausbildung eines jüdischen Nationalbewußtseins in der Absicht, die Juden auf ein Leben in Palästina vorzubereiten. Sie schlossen mit dem NS-Regime das Haavara-Transfer-Abkommen, das auswanderungswilligen Juden die Emigration nach Palästina erleichtern sollte und unterhielten Hachscharah-Zentren, in denen vor allem Jugendliche auf das Leben in palästinensischen Kibbuzim vorbereitet wurden. Während die ZVfD nach anfänglichen ideologischen Auseinandersetzungen mit den Organisationen der assimilierten Juden zusammenarbeitete, mußte sie sich in den Jahren zwischen 1934 und 1937 eines gefährlichen innerzionistischen Gegners erwehren. Die revisionistische Staatszionistische Organisation mit ihrem Vorsitzenden Georg Kareski führte einen Kampf gegen die ZVfD, die Assimilierten und die Reichsvertretung. Sie lehnte das pluralistische System der jüdischen Selbstorganisation ab, propagierte das „Führerprinzip“ und bot sich dem Regime zur Zwangsverwaltung des deutschen Judentums an. Die Gestapo versuchte tatsächlich Kareski in eine zentrale Führungsposition zu hieven, scheiterte aber am Widerstand der jüdischen Gemeinschaft.</p>
<p>Die nationalsozialistische Behörde, die sich intensiv mit der zionistischen Arbeit in Deutschland befasste, war der Sicherheitsdienst (SD) der SS. Bis 1937 unterstützte er die Tätitgkeit der ZVfD hinsichtlich der Hachscharah und der Emigration, während er gleichzeitig die assimilierten Organisation behinderte. Vor allem der erste Leiter des SD-„Judenreferates“ (Abteilung II/112), Leopold von Mildenstein, betrachtete die Förderung der Zionisten als probates Mittel zur „Lösung der Judenfrage“ in Deutschland. Nach seinem Rückzug aus dem SD im Jahr 1936 wandte sich der Sicherheitsdienst schrittweise von der „zionistischen Option“ ab. Es setzte sich die Haltung durch, daß die Unterstützung der Emigration nach Palästina den Aufbau eines mächtigen jüdischen Staates dort förderte, welcher zu einem gefährlichen Gegner NS-Deutschlands heranwachsen könnte. Auch an einer Fortführung des Haavara-Abkommens verlor man das Interesse. Als dem SD bewußt wurde, daß die Palästinawanderung nicht in dem erhofften Ausmaß stattfand und zudem nicht die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile erbrachte, ging er dazu über, die geordnete jüdische Auswanderung durch eine Politik der Vertreibung zu ersetzen.</p>
<p>Auch wenn die ZVfD in den Jahren bis 1937 von den Nazis gegenüber anderen jüdischen Gruppierungen bevorzugt behandelt wurde, litt ihre Arbeit unter der antijüdischen Politik. Je mehr sich assimilierte Juden für den Verbleib in Deutschland aussprachen, desto mehr Druck übte das Regime auf die zionistischen Organisationen aus, um die Auswanderung zu beschleunigen. Immer wieder wurden zionistische Funktionäre verhaftet und das Erscheinen der zionistischen „Jüdischen Rundschau“ untersagt. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die ZVfD schließlich verboten und ihr Auswanderungsbüro, das „Palästinaamt“, in die Zwangsorganisation der Reichsvereingung der Juden in Deutschland eingegliedert.</p>
<p><em>Autor: Axel Meier</em></p>
<p><em><strong>Literatur</strong></em></p>
<p>* Jacob Boas, „German-Jewish Internal Politics under Hitler 1933-1938“, in: Yearbook of the Leo Baeck Institute 29 (1984), S. 3-25<br />
* Benno Cohn, „Einige Bemerkungen zum deutschen Zionismus“, in: Hans Tramer (Hg.), In Zwei Welten, Siegfried Moses zum 75. Geburtstag, Tel Aviv 1962, S. 43-54<br />
* Francis R. Nicosia, „Revisionist Zionism in Germany (II) &#8211; Georg Kareski and the Staatszionistische Organisation, 1933-1938“, in: Yearbook of the Leo Baeck Institute 32 (1987), S. 231-267<br />
* Francis R. Nicosia, The Third Reich and the Palestine Question, London 1985<br />
* Jehuda Reinharz, „The Zionist Response to Antisemitism in Germany“, Yearbook of the Leo Baeck Institute, 30 (1985), S. 105-140<br />
* Alexander Schölch, &#8220;Drittes Reich, zionistische Bewegung und Palästinakonflikt&#8221;, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 30, 1982, S. 646-674<br />
* Hans Tramer (Hg.), In Zwei Welten. Siegfried Moses zum 75. Geburtstag, Tel Aviv 1962<br />
* Robert Weltsch, Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck. Eine Aufsatzreihe der „Jüdischen Rundschau“ zur Lage der deutschen Juden, Nördlingen 1988</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.shoa.de/" target="_blank">http://www.shoa.de/</a></em></p>
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		<title>Judenmord – warum?</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 07:58:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
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		<category><![CDATA[Völkermord]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum ein historisches Ereignis ist so ausführlich erforscht worden wie der Völkermord an den Juden. Viel wissen wir über das Wer, das Wo und das Wann. Dahinter verblaßt die Frage nach dem Warum.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="vspace"><span id="more-417"></span></p>
<p class="vspace"><big><strong>Viel wissen wir über das Wer, das Wo und das Wann. Dahinter verblaßt die Frage nach dem Warum</strong></big></p>
<p class="vspace"><em>Die folgende gekürzte Fassung eines Universitätsvortrags von Kurt Pätzold entnamen wir der Tageszeitung &#8220;junge Welt&#8221;.</em></p>
<p class="vspace"><small><em>Von Kurt Pätzold</em></small></p>
<p class="vspace"><strong>Kaum ein historisches Ereignis ist so ausführlich erforscht worden wie der Völkermord an den Juden. Viel wissen wir über das Wer, das Wo und das Wann. Dahinter verblaßt die Frage nach dem Warum.</strong></p>
<p class="vspace">Nach einem anfänglich in die engere Wahl gezogenen Entwurf für das »Holocaust«-Denkmal in Berlin hätten sich die Besucher beim Betreten des Ortes einem Fragewort 39fach gegenüber gesehen: »Warum?« In sämtlichen Sprachen der Ermordeten sollte es auf einer Eisenplatte erscheinen. Gedacht war zudem an eine Dokumentation des Entstehungsprozesses des Denk-Mals. Seine ersten Betrachter sollten Antworten formulieren, die später – so war das Projekt weiter beschrieben – in eine das Areal bedeckende Metallplatte graviert werden sollten. Der erste Teil des Projekts war originell, hätte er doch – anders als konkurrierende – einen eindringlichen »Ansatz zum Denken« geboten. Der zweite, gleichsam die Wiedergabe des ersten Besucherbuches, lief auf einen Katalog mehr oder weniger zufällig gewonnener Antworten hinaus, womöglich auf eine Zitatensammlung aus Geschichtswerken. Dem Urheber dieses Entwurfs, Jochen Gert, wird möglicherweise der Schwierigkeitsgrad von Fragen nach dem Warum nicht bewußt gewesen sein; zumal wenn sie sich auf hochkomplexe Geschichtsprozesse wie den Massenmord an den europäischen Juden richten, einem der kompliziertesten »Themen« aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts, vergleichbar nur mit jenem, das mit dem Stichwort Gulag bezeichnet wird.</p>
<p class="vspace"><strong>Unerklärbar?</strong></p>
<p class="vspace">Manche Forscher sind der Meinung, der Holocaust stelle ein Geschehen dar, das sich jedem Fragen nach dem Warum verschließe. Wer das akzeptiert, nimmt das Verbrechen aus der Geschichte und drängt Geschichtsschreibung in ihre fernen Anfänge, als sie beschrieb, ausschmückte, rühmte oder beklagte. Darauf konnten sich Historiker nicht einlassen. Was ihre Aufgabe sei, ist u. a. in der Goldhagen-Debatte, teils überspitzt, formuliert worden. Hans Mommsen: »Es bedarf (&#8230;) der Beschreibung der Verbrechen im einzelnen nicht, und die Aufgabe des analysierenden Historikers kann sich in der Schilderung der unvorstellbaren Gewaltmaßnahmen und Verbrechen gegen die jüdischen Bürger nicht erschöpfen, sondern es muß versucht werden, die Ursachen zu bestimmen.«</p>
<p class="vspace">Das Großverbrechen, das die einen Holocaust, andere Shoah nennen und Historiker unverkleidet als Völkermord an den europäischen Juden bezeichnen, hatte schon Zeitgenossen unabweisbare Fragen aufgegeben. Seitdem wurde die Untat Gegenstand von Berichten überlebender Opfer, führte zu Ermittlungen von Justizorganen, regte wissenschaftliche Untersuchungen an. Es liegt eine unübersehbare Fülle von Veröffentlichungen vor. Historiker, Rechts- und Religionswissenschaftler, Philosophen, Soziologen, Politiker, Schriftsteller und Journalisten waren daran beteiligt. Gemessen an der ihr zugewandten Aufmerksamkeit besetzt die Erforschung des Holocaust den ersten Platz innerhalb der Faschismusforschung, die derzeit von einer dritten Forschergeneration vorangetrieben wird. Die Öffnung von bis 1990 in Osteuropa verschlossenen Archiven gab den Arbeiten einen mächtigen Impuls. Die Topographie des Massenmordens wurde genauer rekonstruiert. Untersucht werden das Wer, das Wo, das Wann und das Wie. In den Blick gerieten lokale und regionale Besonderheiten und spezifische Rechtfertigungen der Untat. Mit keiner Frage ist die Historiographie an ein Ende gelangt. Am meisten umstritten blieb die Frage, die am Ende der Kette steht, die nach den Ursachen und Antrieben des Geschehenen und nach den Zwecken, denen es diente. Sie lautet: Warum? Sie führt an die Grenzen geschichtlicher Aufklärungsmöglichkeiten. Zudem treffen die gefundenen Antworten auf aktuelle Interessen, ein Umstand, der förderlich oder abträglich wirken kann.</p>
<p class="vspace"><strong>Der »Hitler in uns«?</strong></p>
<p class="vspace">Dennoch herrscht weiterhin die Besichtigung der Oberfläche vor. Eingeständnisse des zutage Liegenden, die »Anerkennung« des Gerichtsnotorischen, Aussagen vom Typ »Deutsche haben den Holocaust begangen«, mögen vor dem Hintergrund von Abwendung, Verdrängung und Leugnung aufrichtig erscheinen. Vielfach verbinden sie sich mit der Beteuerung: Das wollen und werden wir nicht wieder tun, dem neuerdings angefügt wird: Das dürfen wir auch nirgendwo sonst auf der Welt zulassen. Die Deutschen trügen besondere Verantwortung, Wiederholungen durch wen und wo auch immer zu verhindern.</p>
<p class="vspace">Die Aussage »Deutsche haben den Holocaust begangen«, erfüllt aber auch einen anderen Zweck: Sie ebnet den unterschiedlichen Grad der Beteiligung und Verantwortung ein. Alle – so die Lieblingsworte – seien verwickelt und verstrickt gewesen. Verlangt wird sodann, den »Hitler in uns« zu suchen, der offenbar in unseren Vorfahren gesteckt haben muß. Fragen der Geschichtswissenschaft werden derart an die Individualpsychologie »delegiert«.</p>
<p class="vspace">Nach dem Warum zu forschen, verlangt hingegen die Analyse gesellschaftlicher und staatlicher Zustände. Das gilt für beide Aspekte, die sie aufweist. Der eine lautet: Warum sollten die Juden Europas ermordet werden? Welche Zwecke und Ziele wurden mit dem Massenmorden verfolgt? Der andere fragt: Warum konnte die Untat so weitgehend verwirklicht werden? Während der erste das Führungspersonal betrifft, führt der zweite zur Haltung von Millionen, zu den Exekutoren, zu Tätern und Mittätern, den untätigen, mehr oder weniger wissenden Zeitgenossen und den nichtdeutschen Kollaborateuren. Auch ein flüchtiger Einblick in die Holocaust-Literatur läßt erkennen, daß die Frage nach den Erfolgsbedingungen der Mordplaner zum momentan bevorzugten Thema von Untersuchungen wurde. Demgegenüber trat das Interesse an der Rolle der Regimespitze in den Hintergrund.</p>
<p class="vspace">Was ist mit der minutiösen Rekonstruktion des Personals, der Wege und der Taten der Mörderschwadronen erreicht worden? Wir wissen genauer, in welchem Umfange die Initiativen von Judenmördern in eroberten Regionen oder ganzen Staaten (Ungarn) den Hergang der Verbrechen und deren Resultate beeinflußten. Nachgewiesen ist, daß lokale und regionale Interessen, auch der bloße Ehrgeiz von Personen das Töten voranzutreiben oder abzubremsen vermochten. Wir kennen die Begründungen der Vorantreibenden gegenüber Vorgesetzten und Untergebenen. Das Geschichtsbild vom Hergang der grausigen Massaker und dem Elend der Opfer ist tiefenschärfer geworden. Das ältere, das den Ablauf auf Befehlserteilung und Befehlsausführung reduzierte, ist bei den Akten. Doch das Neugefundene wurde auch überinterpretiert. Der Holocaust erschien als aus einer auf mittlerer und unterer Ebene entwickelten Masseninitiative hervorgegangen. Dazu trug bei, daß anfängliche Erwartungen, der Weg in die Archive Rußlands, Belorußlands, der Ukraine und der baltischen Staaten werde zum Auffinden unbekannter zentraler Dokumente führen, sich nicht erfüllten. Und es schlug durch, daß die Entschlußbildungen an der Regimespitze sich ebensowenig lückenlos rekonstruieren ließen wie die Befehlswege »nach unten«.</p>
<p class="vspace">Doch wie viele Tatsachen über Entscheidungen und Befehle von Machthabern in den besetzten Gebieten auch noch ans Licht kommen werden, sie lassen doch keinen berechtigten Zweifel darüber entstehen, daß diese Faschisten im ihnen vorgezeichneten Rahmen handelten. Ihnen war bewußt, daß sie, was sie verbrachen, mit ausdrücklicher Billigung taten und einen Auftrag erfüllten, mündlich oder schriftlich erteilt in Form von Befehlen und Weisungen. Es war eine Führungsgruppe, die Verfolgung, Vertreibung und später die Ermordung der Juden in Gang setzte und jeweils deren Platz im Rahmen ihrer Gesamtpolitik bestimmte. Ihr mörderisches Projekt lief ihr nie aus dem Regierungs- und Befehlsruder. Sie geriet nie in die Rolle jener Figur, welche die Geister gerufen hatte und ihrer dann nicht mehr Herr wurde. Mithin ist die Antwort auf die Frage nach dem Warum weder in Auschwitz noch an einem Ort zu finden, an dem die Hingemordeten verscharrt wurden.</p>
<p class="vspace">Der Judenmord besaß seinen Platz in den politischen Kalkülen der Machthaber. Das gilt in der »Kampfzeit« und für die Herrschaftsphase der deutschen Faschisten. Für die Etappe der Vertreibung, die nach der Machtübergabe einsetzte und bis in die ersten Kriegsjahre dauerte, wobei aus dem Strom der Flüchtenden ein Rinnsal wurde, ist das heute unbestritten. Geprüft wurden Vorteile und Nachteile der »Judenpolitik«. Zweckmäßigkeitserwägungen verschärften oder verlangsamten das Vorgehen. Beständig galt das Ziel, auch den letzten Juden aus dem Reich zu treiben. Auch die Nutznießer dieser Etappe sind ermittelt. Sie reichten vom Kleinhändler bis zum Großverdiener der »Arisierung« in Industrie und Bankwesen, von Ärzten, Juristen, Wissenschaftlern und Lehrern, für die Arbeitsplätze und Aufstiegsmöglichkeiten freigemacht wurden, bis zu Beziehern komfortabler Wohnungen. Die Machthaber sammelten auf diesem Pfad Sympathien unter den Judenfeinden, erzogen das Volk und füllten die überstrapazierte Staatsrüstungskasse. Diese Nutznießung entstand nicht als willkommenes Abfallprodukt der Exekution einer Ideologie. Er war an historischen Vorbildern orientiert und kalkuliert. Ideologische, politische und materielle Antriebe bildeten ein Geflecht, dessen Anteile quantitativ nicht bestimmt werden können.</p>
<p class="vspace">Dieser Prozeß der Diffamierung, Drangsalierung, Enteignung, Beraubung und Vertreibung der Juden ist undenkbar ohne antisemitische Ideologie, ohne ein abstrus-groteskes Weltbild von der Rolle der Juden, ohne Arierwahn, Erscheinungen, die nicht nur als Instrumente zur Rechtfertigung dieser Politik angesehen werden können, sondern ein Eigen- und Vorleben besaßen. Die Täter an der Staatsspitze und auf den Führungsebenen mögen unterschiedlich motiviert gewesen sein und der Mischungsgrad von Wahn und Kalkül mag sich von Judenfeind zu Judenfeind unterschieden haben. Im gesellschaftlichen, faschistischen Ganzen indessen wirkte beides ineinander, konnte dieser jenes verstärken und umgekehrt.</p>
<p class="vspace"><strong>Reiner Wahn und Widersinn?</strong></p>
<p class="vspace">Der Punkt, an dem sich die Standpunkte auf wissenschaftlichem Feld scharf scheiden, betrifft den Übergang von der Vertreibung zur Vernichtung, der sich 1941 vollzog. Von da an, so eine verbreitete Behauptung, triumphierte die Ideologie, hinter der jede rationale Erwägung zurücktrat. Reiner Wahn- und Widersinn habe die Herrschaft angetreten. Ein Verbrechen ohne Sinn und Nutzen hätte seinen grausigen Anfang genommen. Wieder und wieder findet sich in der Literatur die Kennzeichnung »Selbstzweck«. <span class="createlinktext">Hannah Arendt</span><span class="createlink">?</span> schrieb: » &#8230; daß im Unterschied zu allen anderen antijüdischen Maßnahmen, die einen gewissen Sinn machten und ihren Urhebern irgendwie zu nutzen schienen, die Gaskammern niemandem nutzten« und das Verbrechen eine »Tat jenseits aller ökonomischen Zweckhaftigkeit« gewesen sei. Diese Interpretation verknüpft sich häufig mit der weiteren, wonach der Judenmord schlechthin belege, daß das Regime über den Kapitalismus hinausgelangt sei, der doch Arbeitskräfte nutze, ausbeute, sie deshalb auch ernähre und ihre Fortpflanzung sichere, aber sie nicht vernichte. So blamiere sich vor dem Verbrechen, dies ein weiterer Schluß, auch das marxistische Verständnis des Faschismus. Das Starargument, das den Widersinn der Untat aus der Mörderperspektive sinnfällig machen soll und weite Verbreitung gefunden hat, behauptet, der Judenmord habe selbst vor den Kriegsinteressen Vorrang besessen. Das werde bewiesen durch die Bevorzugung der Judenmörder bei der Zuteilung knapper Transportkapazitäten.</p>
<p class="vspace">Beide Argumente stehen auf tönernen Füßen. Das erste unterstellt ein prinzipielles Interesse der kapitalistischen Gesellschaft an Menschen, die sich als Arbeitskräfte verwenden lassen. Das existiert aber, wie ein Blick in die Geschichte des Kolonialismus zeigt, nicht. Dieses Interesse war stets eingeschränkt auf die kurz- und mittelfristig verwertbaren Kräfte und galt nie allen Menschen, welche die Eroberer in Amerika, Afrika und Asien in ihre Hand brachten. Und daß der Entzug von Lokomotiven, Waggons und Schienenwegen zu ungunsten der Kriegszwecke erfolgt sei, gehört schlicht ins Reich der Legenden. Der angeblich allgewaltige Himmler trat gegenüber dem Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium als Bittsteller auf, als er die Vernichtung der Juden des Warschauer Ghettos in Treblinka beschleunigen wollte.</p>
<p class="vspace"><strong>Generalziele des Systems</strong></p>
<p class="vspace">Verfechter der These von der Sinn- und Nutzlosigkeit des Judenmords räumen ein, daß der Antisemitismus für sich allein genommen das Verbrechen nicht zu erklären vermag. Was aber dann? Was muß – zumindest noch – in die Analyse aufgenommen werden? Antworten lauten: Das gesamte Weltbild der Machthaber, insbesondere ihre Vorstellungen von der Beschaffenheit der Erde nach ihrem Endsieg. Mithin muß die Bahn der Geschichte von Antijudaismus und <span class="wikilink">Antisemitismus</span> verlassen, von den realen Generalzielen des Systems gehandelt werden, von der Utopie, der Vision. Wie sind sie zu beschreiben, nur als Ausgeburt eines Wahns oder zugleich als ein Zukunftsprojekt mit Bodenberührung? Entstammten die Zielvorstellungen Hitlers und seiner Clique dem Bezirk des Irrationalen, drückte sich in ihnen nichts als das »absolut Böse« aus oder wurden sie nicht auch durch klar rationale Elemente und Faktoren bestimmt?</p>
<p class="vspace">Letztere sind kein Geheimnis und überlieferten Quellen zu entnehmen. Je mehr Menschen, Ländereien und Reichtümer im Kriegsverlauf in den eigenen Machtbereich gelangten, desto schärfer stellte sich das Problem ihrer dauernden Beherrschung und Verwertung. Hitler sprach davon, daß man den Kuchen handlich zerteilen müsse. Erörtert wurde, was angesichts des Partisanenkampfes nahelag, wie künftig Aufstände der Unterdrücken militärisch niederzuschlagen wären. Bereits vor dem Eroberungszug gegen die Sowjetunion wurde thematisiert, was mit den Millionen »überflüssiger« Menschen geschehen solle, wenn sich das Einflußgebiet bis zum Ural dehne. Als solch »Überflüssige« wurden vordem schon die Juden im Reich und den bereits eroberten Gebieten eingestuft. Mehr noch: Sie galten als Hauptgefahr und das wegen ihrer angeblich blutsmäßigen Eigenschaften. Auf der Stufenleiter der störenden Untermenschen waren sie auf die unterste Sprosse gesetzt und das bedeutete in der Reihe der zu Vernichtenden auf Platz eins. Ihre Ausrottung galt diesem Verständnis von tausendjähriger Weltherrschaft als so selbstverständlich, daß der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich während der Wannseekonferenz im Januar 1942 nicht einen Nebensatz darauf verwandte, um das Töten zu rechtfertigen.</p>
<p class="vspace">In den Zielvorstellungen vom germanischen Weltreich flossen reale Macht- und Ausbeutungsinteressen an Kohle, Erzen, Erdöl, Lebensmitteln zusammen mit der Ideologie von Herren- und Untermenschen und vom unbegrenzten Recht des Stärkeren. Dieses imperialistische Projekt knüpfte an Vorbilder an und war nazistisch umgeprägt. So brachten Wahn und Kalkül das Massenmorden hervor, beide gewachsen auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft, was bedeutet, daß die Untat als »Rückkehr ins Mittelalter« und als »Rückfall in die Barbarei« anderer vorkapitalistischer Zustände und voraufklärerischer Zeiten falsch verortet ist. Das »Großgermanische Weltreich«, ein Staat ohne Juden und ohne andere als »unbrauchbar« geltende Menschengruppen, zeichnete sich nicht als ein mittelalterliches, sondern ein neuzeitliches kapitalistisches Gebilde ab. Hitler versicherte das den Führern der deutschen Industrie 1944 in seiner letzten an sie gerichteten Rede in Linz 1944 ausdrücklich.</p>
<p class="vspace">Der Judenmord, das am weitesten vorgetriebene Verbrechen, auf der Schwelle zum Endsieg begonnen, verwies über das Kriegsende hinaus in die Nach-Endsieg-Zeit. Das Verbrechen war, das nimmt ihm von seiner Ungeheuerlichkeit und Einzigartigkeit nichts, gemessen an den Planungen eine Eröffnung. In Worten Hannah Arendts aus dem Jahre 1950: »Der Antisemitismus hat nur den Boden dafür bereitet, die Ausrottung ganzer Völker mit dem jüdischen Volk zu beginnen.« Diese Sicht bezeichnet das Verdienst aller, die erreichten, daß dieser Imperialismus nicht weiter kam als – geographisch gesprochen – bis vor Moskau und schließlich total scheiterte.</p>
<p class="vspace">Nüchterne Sicht auf den Holocaust setzt sich dem Verdacht aus, das Andenken an die Ermordeten zu schmälern. Mitunter war zu hören: Für die Opfer sei es gleichgültig, warum sie umgebracht wurden. Sezierende Analysen raubten die Fähigkeit des Trauerns. Indessen erscheint die »Pflicht, Partei für die Opfer zu ergreifen« (Joseph Wulf), mit der Darstellung ihrer Leiden und ihres Sterbens nicht erfüllt. Wer Geschichte nur zur Quelle der Stille und der Tränen macht, nimmt sich die Möglichkeit, die Gegenwart und ihre Gefahren klaren Blickes wahrzunehmen. Die Aufgabe des Historikers besteht in der Arbeit, dem Geschehenen auf den Grund zu gehen und so dafür zu sorgen, daß es nicht wieder geschieht. Das ist die einzige mögliche Form der Wiedergutmachung.</p>
<ul>
<li>Gekürzter Text eines am 30. Oktober 2003 in der Universität Hamburg gehaltenen Vortrages des Historikers Prof. Dr. Kurt Pätzold</li>
</ul>
<p class="vspace">Quelle: <a rel="nofollow" href="http://www.jungewelt.de/" target="_blank">junge Welt</a> vom 29.11.2003  &amp; <a rel="nofollow" href="http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Rassismus/holocaust.html" target="_blank">http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Rassismus/holocaust.html</a></p>
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		<title>Antizionismus ist nicht Antisemitismus</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 20:17:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antideutsche]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zionismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die wirkliche antirassistische und antikolonialistische Linke braucht nicht erst zu beweisen, dass sie im Kampf gegen die antisemitische Pest steht. Sie wird diesen Kampf desto wirksamer fortführen, je klarer und unzweideutiger sie zu den Kriegsverbrechen Israels und zu seiner Kolonisierungspolitik Stellung bezieht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-410"></span><em>von Michel Warschawski (*)</em><strong><br />
</strong></p>
<p>Der israelisch-palästinensische Konflikt verführt leicht zu religiösen oder zumindest ethnischen Interpretationen. Er spielt sich auf einem Gebiet ab, das die Wiege von Weltreligionen war und das viele &#8220;Heiliges Land&#8221; nennen; der Zionismus wird oft als &#8220;Rückkehr&#8221; des jüdischen Volkes ins Gelobte Land dargestellt, und seine Argumente schöpfen viel aus dem Bereich tradierter Rechte, wenn nicht gar göttlicher Verheißung; Jerusalem ist dreifach heilige Stadt und von Wallfahrtszielen übersät.</p>
<p>Die Allgegenwart der islamistischen Kultur im arabischen Bewusstsein und in der arabischen nationalen Kultur geht gleichfalls schwanger mit der Konfessionalisierung eines Konflikts, der oft als Befreiung eines islamischen, von Ungläubigen besetzten Bodens dargestellt wird. Dem muss die zionistische Idee hinzugefügt werden, einen &#8220;jüdischen Staat&#8221; zu schaffen, und die entsprechende permanente Strategie jüdischer Kolonisierung, die nicht ohne den ethnischen Säuberungskrieg von 1948 auskam.</p>
<p>Es ist ein Verdienst Yasser Arafats, in einem solchen Kontext alles Menschenmögliche getan zu haben, um den israelisch-palästinensischen Konflikt in seiner politischen (und nicht religiösen oder ethnischen) Dimension zu halten: nämlich die eines Kampfes für nationale Befreiung und Unabhängigkeit, eines antikolonialen Kampfes um ein Territorium und um nationale Souveränität.</p>
<p>Umgekehrt ist eines der größten Verbrechen des ehemaligen Premierministers Ehud Barak, das religiöse Element in die Verhandlungen eingeführt zu haben, indem er auf dem zweiten Gipfeltreffen von Camp David die jüdische Souveränität über die Moscheenallee von Jerusalem auf der Grundlage religionsgeschichtlicher Thesen gefordert hat. Diese irre Forderung war ohne Zweifel einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch des Oslo- Prozesses. Die Geschichte wird zeigen, ob sie nicht auch zum Auslöser eines Religionskrieges im gesamten Mittleren Osten und eines weltweiten islamisch-jüdischen Konflikts wird.</p>
<p>Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein politischer Konflikt zwischen einer kolonialen Bewegung und einer nationalen Befreiungsbewegung. Der Zionismus ist eine politische und keine religiöse Ideologie, die darauf abzielt, die jüdische Frage in Europa durch die Einwanderung in Palästina, seine Kolonisierung und die Schaffung eines jüdischen Staates zu lösen. So haben seine Sprecher ihn immer definiert, von Herzl bis Ben Gurion, von Pinsker bis Jabotynski, die die Konzepte der Kolonisierung (Hityashvut) oder der Kolonien (Yishuv, Moshav) nie in einem negativ wertenden Sinne benutzt haben. Bis zum Aufstieg des Nazismus hat die überwältigende Mehrheit der Juden weltweit den Zionismus verworfen, sei es als Häresie (das war die Position der großen Mehrheit der Rabbiner und der religiösen Juden), sei es als reaktionär (das war die Position der jüdischen Arbeiterbewegung in Osteuropa), sei es als anachronistisch (so dachten die emanzipierten oder assimilierten Juden in Mittel- und Westeuropa). In diesem Sinne wurde der Antizionismus immer als eine politische Position unter anderen verstanden, die dazu noch ungefähr ein halbes Jahrhundert in der jüdischen Welt hegemonial war. Erst seit etwa dreißig Jahren gibt es eine breite Kampagne, die mit unleugbarem Erfolg versucht, nicht zur Kontroverse über die politische Sinnhaftigkeit des Zionismus beizutragen, zur Analyse seiner Dynamik und seiner politischen und moralischen Implikationen, sondern den Antizionismus zu delegitimieren, indem er ihn mit Antisemitismus gleichsetzt.</p>
<p><strong>Semantische Verschiebungen &#8230;</strong></p>
<p>Wie jeder andere Rassismus negiert der Antisemitismus (oder die Judenfeindlichkeit) den Anderen in seiner Identität und in seiner Existenz. Der Jude ist, egal was er tut, egal was er denkt, Hassobjekt bis hin zur Ausrottung, nur weil er Jude ist.</p>
<p>Der Antizionismus hingegen ist eine politische Kritik an einer politischen Ideologie und Bewegung; er greift nicht eine Menschengruppe an, sondern stellt eine bestimmte Politik in Frage. Wie kommt man dann dazu, die politischen Ideen des Antizionismus mit der rassistischen Ideologie des Antisemitismus gleichzusetzen? Eine europäische Gruppe zionistischer Intellektueller hat die Lösung gefunden, indem sie das Unterbewusste ins Spiel bringt und ein Konzept einführt, mit dem man alles beweisen kann: nämlich das der &#8220;semantischen Verschiebung&#8221;. Wenn man den Zionismus anklagt oder auch Israel kritisiert, dann geht es einem, manchmal unbewusst, nicht um die Politik einer Regierung (der Regierung Sharon) oder um den kolonialistischen Charakter einer politischen Bewegung (des Zionismus) oder, mehr noch, den institutionalisierten Rassismus eines Staates (Israel), sondern um die Juden. Wenn man sagt: &#8220;Die Bombardierungen der Zivilbevölkerung sind Kriegsverbrechen&#8221;, oder: &#8220;Die Kolonisierung ist eine flagrante Verletzung der Vierten Genfer Konvention&#8221;, meint man in Wirklichkeit: &#8220;Das jüdische Volk ist verantwortlich für den Tod von Jesus Christus&#8221; und &#8220;Tod den Juden&#8221;!</p>
<p>Natürlich kann man auf ein solches Argument nichts erwidern, denn jede Antwort wird, vielleicht unbewusst, zur Verteidigung des Antisemitismus. Das Argument der Bedeutungsverschiebung und der Rückgriff auf das Unterbewusste in der politischen Polemik beendet jede Möglichkeit der Debatte, egal zu welchem Thema im Übrigen. Die Verurteilung des Kolonialismus wird zu einer Verurteilung des Engländers (oder des Franzosen oder des Deutschen, je nachdem), seiner Kultur und seiner Existenz. Auch den Antikommunismus gibt es nicht, er ist eine Wortbedeutungsverschiebung für den Slawenhass. Wenn ich sage: &#8220;Ich mag keinen Camembert&#8221;, denke ich in Wirklichkeit: &#8220;Tod den Franzosen!&#8221;; wenn ich erkläre, jiddische Musik zu mögen, sage ich mittels semantischer Verschiebung, dass ich die Araber hasse?</p>
<p>Der Antisemitismus existiert und scheint in Europa wieder sein Haupt zu erheben ? nach einem halben Jahrhundert der Ächtung in Folge des Grauens des Völkermords an den Juden durch die Nazis und der Verbrechen der Kollaboration. Bei einem wachsenden Anteil der arabisch-moslemischen Gemeinden in Europa nehmen rassistische Verallgemeinerungen zu, werden unterschiedslos die Juden für die Verbrechen verantwortlich gemacht, die der jüdische Staat und seine Armee verüben. Im Übrigen findet sich der Antisemitismus oft im selben Lager wieder, das die israelische Politik bedingungslos unterstützt, so z.B. unter den fundamentalistischen protestantischen Sekten, die in den USA die wirkliche proisraelische Lobby darstellen.</p>
<p>Der antiarabische Rassismus existiert ebenfalls, nur räumen die Medien den drastischen Polemiken des Beitar und der Jüdischen Verteidigungsliga gegen die islamischen Institutionen oder gegen Organisationen, die sich der israelischen Kolonisierungspolitik widersetzen, wenig Platz ein ? oder den Parolen, die die Häuserwände gewisser Viertel in Paris verunzieren (&#8220;Tod den Arabern&#8221;, &#8220;Keine Araber, keine Anschläge&#8221;) oder den organisierten Ausschreitungen zionistischer Kommandos.</p>
<p>Der antiarabische und der antijüdische Rassismus müssen beide ohne Zugeständnisse verurteilt und bekämpft werden, und das kann man wirksam nur machen, wenn man sie frontal bekämpft, sonst verstärkt man die verbreitete Idee, hinter der Verurteilung des einen Rassismus stecke faktisch ein Angriff auf die andere Menschengruppe.</p>
<p>Diejenigen, die tatsächliche oder durch &#8220;Wortbedeutungsverschiebung&#8221; unterstellte antisemitische Handlungen verurteilen und zu antiarabischen Exzessen schweigen, machen sich mitverantwortlich für die Kommunitarisierung und Ethnisierung der Köpfe und für die Verstärkung des Antisemitismus, denn sie bekämpfen nicht den Rassismus? überhaupt, egal von wem er ausgeht und gegen wen er sich richtet, sondern ausschließlich den Rassismus der anderen. Sicher sind nicht sie es ? die Tarnero, Lanzmann und anderen Tagieffs ? die das Recht hätten, der radikalen Linken und der Bewegung gegen die marktradikale Globalisierung, die immer an der Spitze antirassistischer Kämpfe standen und keinen dieser Kämpfe im Stich lassen, irgendwelche Lehren zu erteilen.</p>
<p><strong>&#8230; und reale Komplizenschaft</strong></p>
<p>Doch gehen wir einen Schritt weiter. Ein wichtiger Teil der Verantwortung für das Übergleiten von der Kritik an der israelischen Politik zu antisemitischen Haltungen ruht auf den Schultern eines Teils der oft selbsternannten Vorstände der jüdischen Gemeinden in Europa und in den USA. Tatsächlich sind sie es, die sehr oft die jüdische Gemeinde als solche mit einer bestimmten Politik gleichsetzen? nämlich der einer bedingungslosen Unterstützung der politischen Führung Israels. Wenn sie, wie in Straßburg, dazu aufrufen, ihre Unterstützung für Sharon auf dem Vorplatz einer Synagoge zu demonstrieren, wen wundert es dann, wenn die Synagoge zur Zielscheibe von Demonstrationen gegen die israelische Politik wird?</p>
<p>Und was soll man von den kommunitaristischen Sprechern der jüdischen Gemeinde in Frankreich sagen, die den Wahlerfolg Le Pens &#8220;verstehen&#8221; und &#8220;hoffen, dass er die arabische Gemeinde in Frankreich zum Nachdenken bringt&#8221;?</p>
<p>Kann man in dieser Haltung die Komplizenschaft mit dem Mann übersehen, der in Frankreich am meisten die rassistische ? und so auch die antisemitische ? Ideologie verkörpert? Eine Komplizenschaft, die die Zusammenarbeit extrem rechter Organisationen wie des Beitar mit faschistischen und antisemitischen Gruppen wie Occident aus den 70er Jahren fortsetzt? Hier handelt es sich nicht mehr um semantische Verschiebung, sondern um ein abgekartetes Spiel.</p>
<p>Die israelische Politik wird weltweit von vielen kritisiert, und je mehr der jüdische Staat außerhalb des Rechts handelt, desto mehr wird er als gesetzlos betrachtet werden und den entsprechenden Preis dafür bezahlen. Es ist völlig unakzeptabel und unverantwortlich, dass solche jüdischen Intellektuellen, die wie die Vorstände jüdischer Gemeinden in aller Welt eine absolute Identifikation mit Israel zur Schau tragen, letztere mit in den Abgrund ziehen, auf den Ariel Sharon und seine Regierung zustreben.</p>
<p>Im Gegenteil, wenn sie wirklich von der Sorge um die Gemeinschaft bewegt wären, in deren Interesse sie zu sprechen vorgeben, würden sie ihr Möglichstes tun, um die barbarischen Akte des israelischen Staates zu demaskieren und die dramatischen Konsequenzen aufzuzeigen, die diese Handlungen früher oder später für eine nationale hebräische Existenz überhaupt im Nahen Osten nach sich ziehen werden.</p>
<p>Dadurch würden sie Verantwortungsbewusstsein auch gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Israel an den Tag legen: Wäre es nicht besser, wenn sie, statt dem israelischen Draufgängertum zu schmeicheln und zur wachsenden selbstmörderischen Verblendung der israelischen Führung und Bevölkerung beizutragen, und statt mit Lanzmann zu schreien: &#8220;Immer bedingungslos mit Israel&#8221;, als Schutzwall fungierten und Sharon und seine Regierung vor den dramatischen Konsequenzen seiner Politik warnten?</p>
<p>Sind sie so blind, nicht zu sehen, dass die Straffreiheit, derer sich Israel bei bestimmten politischen und weltanschaulichen Strömungen in Europa und Nordamerika erfreut, nur die andere Seite des Antisemitismus und seines Arsenals &#8220;jüdischer Besonderheiten&#8221; ist? Sind sie so stumpfsinnig nicht zu begreifen, dass für viele sogenannte Freunde Israels die Haltung des Gewährenlassens gegenüber dem jüdischen Staat Ausdruck eines Zynismus ist, der die Juden gern frontal gegen die Wand laufen sieht? Und dass im Gegenteil denjenigen, die Israel ? und manchmal hart ? kritisieren, das Leben und Überleben seiner Bevölkerung wirklich am Herzen liegt?</p>
<p>Ariel Sharon, seine Minister, seine Generäle, seine Richter und ein Teil seiner Soldaten werden sich eines Tages vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Kriegsverbrechen oder sogar für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen. Damit dann nicht die gesamte israelische Bevölkerung auf der Anklagebank sitzt, gibt es in Israel Tausende Männer und Frauen, Zivilisten und Soldaten, die &#8220;Nein&#8221; sagen, die Widerstand leisten und in Opposition gehen.</p>
<p>Um die Juden der Welt vor dem Vorwurf der Mitverantwortlichkeit zu schützen, um der antisemitischen Propaganda den Boden zu entziehen, die die Leiden der Palästinenser instrumentalisiert, um jeden Juden, nur weil er Jude ist, für schuldig zu erklären, um der Kommunitarisierung und Ethnisierung des israelisch-palästinensischen Konflikts einen Riegel vorzuschieben, ist es unbedingt notwendig, dass sich eine mächtige und feste Stimme innerhalb der jüdischen Gemeinden Gehör verschafft, die sagt, was der Name einer US- amerikanischen jüdischen Organisation ausdrückt, die sich diesem Ziel verschrieben hat: &#8220;Nicht in unserem Namen!&#8221;</p>
<p>Es ist natürlich auch die Pflicht der demokratischen und linken Organisationen auf der ganzen Welt, die Verbrechen Israels ohne jede Konzession zu verurteilen, nicht nur weil die Verteidigung der Unterdrückten und Kolonisierten, welcher auch immer, integraler Bestandteil ihres Programms und ihres Denkens ist, sondern auch weil nur eine klare und mit den anderen Kämpfen, die sie führen, kohärente Position es ihnen ermöglicht, den Kommunitarismus und Rassismus in ihrem eigenen Land zu bekämpfen.</p>
<p>Sich von der Erpressung mit dem Antisemitismusverdacht abschrecken zu lassen, zu schweigen, um sich nicht der Anklage auszusetzen, man leiste &#8220;dem Antisemitismus Vorschub&#8221; oder sei gar &#8220;unbewusst antisemitisch&#8221;, kann letztlich nur den wirklichen Antisemiten zugute kommen oder zumindest die identitäre und kommunitaristische Verwirrung fördern.</p>
<p>Die wirkliche antirassistische und antikolonialistische Linke braucht nicht erst zu beweisen, dass sie im Kampf gegen die antisemitische Pest steht. Sie wird diesen Kampf desto wirksamer fortführen, je klarer und unzweideutiger sie zu den Kriegsverbrechen Israels und zu seiner Kolonisierungspolitik Stellung bezieht.</p>
<p><em>((*) Michel Warschawski ist Leiter des Alternative Information Center in Jerusalem)</em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.vsp-vernetzt.de/soz/02090h.htm" target="_blank">http://www.vsp-vernetzt.de/soz/02090h.htm</a></em></p>
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		<title>Die Freien Kameradschaften der Nazis</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 16:32:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antifa / Rechtsextremismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Während die rechtsextreme NPD auf das Verbot durch das Bundesverfassungsgericht wartet, werden die Freien Kameradschaften immer aktiver. Sie rekrutieren ihre Mitglieder erfolgreich unter Skinheads und rechten Jugendlichen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-354"></span><strong>25-09-2002 Militanz statt starrer Parteidisziplin</strong></p>
<p>Während die rechtsextreme NPD auf das Verbot durch das Bundesverfassungsgericht wartet, werden die Freien Kameradschaften immer aktiver. Sie rekrutieren ihre Mitglieder erfolgreich unter Skinheads und rechten Jugendlichen Sie nennen sich &#8220;Siegener Bärensturm&#8221;, &#8220;Nationaler Widerstand Stuttgart&#8221; oder &#8220;Kameradschaft Germania&#8221;: die so genannten Freien Kameradschaften, von denen es nach offiziellen Angaben der Verfassungsschutzämter rund 150 in ganz Deutschland geben soll.</p>
<p>In den letzten Jahren hat ihre Bedeutung für die rechtsextreme Szene regional erheblich zugenommen. Insbesondere in Norddeutschland, aber auch in Brandenburg und in einigen Berliner Stadtbezirken haben die Kameradschaften die NPD längst in den Schatten gestellt. Vor allem rechtsextreme Skinheads, von denen in Deutschland im vergangenen Jahr offiziell über 12.000 gezählt wurden, fühlen sich zu den Kameradschaften hingezogen: Hier wird ihnen die ganze Palette einer geschlossenen rechten Erlebniswelt geboten: gemeinsame Konzertbesuche, so genannte Kameradschafts- und Liederabende, größere und kleinere Demonstrationen oder Flugblattverteilaktionen vor dem örtlichen Supermarkt.</p>
<p>Aber auch rechte Kneipen, so genannte nationale Fußballturniere oder Tätowiershops gehören inzwischen dazu: Die Kameradschaften verbinden politische Organisierung mit einem eng gefassten Netz sozialer Kontrolle und Zugehörigkeit. Ihr offensives Auftreten &#8211; etwa bei kommunalen Veranstaltungen im nördlichen Vorpommern &#8211; macht sie mancherorts längst zu lokalen Machtfaktoren &#8211; vor allem in der Jugendszene. Ideologisch lassen sich die meisten Kameradschaften auf einen einfachen Nenner bringen. Sie orientieren sich am Nationalsozialismus und der NSDAP, propagieren extremen Antisemitismus und Rassismus. Ganz direkt formuliert es beispielsweise die Berliner Kameradschaft Germania.</p>
<p>Die sieht sich in der Tradition der &#8220;politischen Soldaten&#8221; der nationalsozialistischen SA. Ihre Militanz und ihr Aktionismus erscheinen vielen jugendlichen Rechtsextremen wesentlich attraktiver als die starre Parteidisziplin der NPD.</p>
<p>Nach außen hin wird zwar der Eindruck eines losen und informellen Zusammenschlusses erweckt. Doch intern sind die Hierarchien durchaus festgeklopft. Zu den bundesweit führenden Köpfen zählen die Hamburger Neonazis Christian Worch und Thomas Wulff sowie eine Hand voll langjähriger Neonaziaktivisten, die sowohl in West- als auch in Ostdeutschland aktiv sind. Noch warten sie den Ausgang des NPD-Verbotsverfahrens ab. Dann wollen sie das Erbe antreten.</p>
<p><em><strong>HEIKE KLEFFNER</strong></em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.hagalil.com/" target="_blank">http://www.hagalil.com/</a></em></p>
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		<title>Braune Geschichtslügen</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 13:03:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antifa / Rechtsextremismus]]></category>
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		<category><![CDATA[NPD]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer dreister melden sich Neonazis bei linken Veranstaltungen zu Wort. Ihre Methode der Verbreitung von Un- und Halbwahrheiten gilt es zu entlarven]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-322"></span><strong>Immer dreister melden sich Neonazis bei linken Veranstaltungen zu Wort. Ihre Methode der Verbreitung von Un- und Halbwahrheiten gilt es zu entlarven </strong><em>Von Kurt Pätzold</em></p>
<p>Mit nach den Ergebnissen von Landtags- und Kommunalwahlen geschwellter Brust und neuer Dreistigkeit erscheinen Nazis und ihre nahen Verwandten in Versammlungen demokratischer Parteien, Organisationen und Vereine. Sie suchen deren Zusammenkünfte zu nutzen, um ihre Parolen zu verbreiten, jede sachliche Verständigung zu stören und den Abend in einem Tohuwabohu enden zu lassen. Ein paar Worte über die Taktik, die dabei angewendet wird, scheinen nötig.</p>
<p><em>Erstens:</em> In der Tradition der braunen Faschisten der zwanziger Jahre geben sich diese Nachfolger als Sucher und auch als Besitzer der Wahrheit aus und stellen alle, die anderer Auffassung sind als sie, im minderen Falle als Un- oder Halbwissende, zumeist aber als Lügner hin. Zu diesem Auftreten gehört, daß sie längst feststehende Tatsachen, die niemand außer ihnen mehr in Zweifel zieht, ignorieren und behaupten, die Wahrheit müsse erst noch herausgefunden werden. Um den Eindruck äußerster Gewissenhaftigkeit zu erwecken, wird entweder auf ältere Publikationen verwiesen, in denen über diese oder jene Tatsache irrtümlich falsche Angaben zu finden sind, oder auch auf aktuellere Veröffentlichungen, in denen Ungenauigkeiten oder auch Schludereien aufgespürt werden können. Die gelten dann, verallgemeinert, als Kennzeichen der Mehrheitsauffassung, die sie, die Minderheit, mutig bekämpfen. Wer sich in der in Rede stehenden Sache nicht auskennt, das trifft nicht nur für viele junge Adressaten dieser »Bekenntnisse« zur Wahrheit zu, soll ins Rätseln darüber geraten, wer im Recht ist. Die Praxis wird mit Vorliebe auf Themen angewendet, die sich mit den Massenmorden der deutschen Faschisten, namentlich dem Holocaust, befassen.</p>
<p><em>Zweitens:</em> Zum Repertoire ihrer Reden (und auch ihrer Schriften) gehört die Berufung auf »Tatsachen«, die im Moment niemand überprüfen kann, und auf Autoritäten mit und ohne Anführungszeichen, die dieses oder jenes herausgefunden, erforscht, erwiesen hätten. Dabei bieten sie nicht nur »Wahrheiten mäßig entstellt« und für ihre Zwecke zurechtgebogen. Ein Beispiel: Die NPD Bayern nahm den 60. Jahrestag des Urteils im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß wiederum zum Anlaß, die ergangenen Entscheide als die eines »Gerichts der Sieger« und unrechtmäßig zu charakterisieren. Um den Prozeß insgesamt als gescheitert hinzustellen, verbreiteten sie zudem die Lüge vom späteren Selbstmord des Chefanklägers der USA, Robert H. Jackson, der als Beweis für das Desaster des Verfahrens vorgeführt wird. In Wahrheit verstarb Jackson, kaum sechzigjährig, überraschend an einer Herzattacke. Doch wer von den Lesern besitzt oder verschafft sich darüber Klarheit?</p>
<p><em>Drittens:</em> Um ihren Thesen Plausibilität und Glaubwürdigkeit zu geben, das gehört zu den besonders widerwärtigen Praktiken, wird als Kronzeuge für diese oder jene Behauptung ein wirklicher oder vorgeblicher Jude präsentiert, und auch das in der Gewißheit, daß im Augenblick keine Chance besteht, die Seriosität des »Zitats« zu überprüfen. Die Methode ist von den Altfaschisten übernommen. Der in Nürnberg verurteilte und hingerichtete Julius Streicher, der »Antisemit Nummer eins«, wie er sich selbst titulierte, überschrieb seine Lügen über die Juden in dem Hetzblatt Der Stürmer vorzugsweise mit schreienden Titeln wie »Sie (die Juden – K.P.) sagen es selbst«.</p>
<p><em>Viertens:</em> Die Nazis von heute präsentieren sich unverfroren als die Belesenen und Beschlagenen, während sie ihre Gegner als Leute hinstellen, denen es schlicht an Kenntnissen und Wissen fehle. »Haben Sie die Memoiren von Churchill gelesen?« Aus denen aus dritter oder vierter Quelle der Fragesteller dann nichts anderes kennt als die Kritik, die der einstige britische Premier am Gerichtsverfahren des US-amerikanischen Tribunals gegen den Staatssekretär im Reichsaußenministerium Ernst von Weizsäcker äußerte. Oder: »Kennen Sie dieses Dokument nicht?« wird in inquisitorischem Stil und mit Papieren fuchtelnd, in denen dieses oder jenes stehen mag oder soll, gefragt, ein Hervortreten, das in Schärfe und Unverschämtheit an den Vorsitzenden des Volksgerichtshofes Roland Freisler erinnert und von den überlieferten Aufnahmen aus den Prozeßfarcen nach dem 20. Juli 1944 abgesehen sein könnte.</p>
<p><em>Fünftens:</em> Mit dem Blick in die Vergangenheit wie mit Bezug auf die Gegenwart präsentieren sich die altbraunen Geschichtsforscher auch als die Verfechter »rechtsstaatlicher Grundsätze«. Wo sie deren Abwesenheit entdeckt haben, treten sie in die Kampfbahn. So wiederum bei einer Demonstra­tion in Nürnberg, vor der sie in einem Rundbrief erklärten, daß sie »keinerlei Werturteile über die Angeklagten oder das Deutsche Reich abgeben«, sondern einzig daran erinnern wollten, daß damals nicht »rechtsstaatliche Grundsätze« praktiziert wurden und die Urteile Death by hanging »eher den Gedanken der Rache als des Rechts nahelegen« würden. Das wächst auch aus jener in die Weimarer Republik zurückweisenden Traditionslinie hervor, als Naziführer in ihren Auftritten sich durch ähnliche Erklärungen gegen Verbote und Auflösung ihrer Versammlungen sicherten. Die Akten der preußischen Polizei berichten davon die Menge, so von einer Redepassage Hermann Görings, der feixend sagte: »Wir erklären, wir lieben die Republik«, und jeder wisse doch, was gemeint sei.</p>
<p><em>Sechstens: </em>Diese vorgeblichen Wahrheitssucher und -verfechter bevorzugen bei alledem die Pose der Verfolgten. Sie erscheinen als Leute, die den Leidensweg ihrer Vorgänger, anständiger, rechtsuchender Leute, fortzusetzen hätten. Auf dieser Linie wird behauptet, daß die Verteidiger der in Nürnberg Angeklagten vor dem Gericht rechtlos gewesen seien. Wer aber hat je die Stunden um Stunden dauernden Plädoyers der Anwälte zugunsten ihrer Mandanten gelesen? Wer weiß um die Großzügigkeit des Gerichtshofes, der unter den Anwälten sechs zuließ, die selbst Mitglied der NSDAP gewesen sind, und drei, die als Professoren während der Nazizeit an Hochschulen gelehrt hatten? Wer um die Privilegien, die sie genossen, nicht nur, was ihre materielle Versorgung während des Verfahrens anging? Wer, daß einer von ihnen aufgrund seiner Stellung seinen in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Sohn vorzeitig freibekam?</p>
<p><em>Siebtens:</em> Wird derlei Lügen mit unabweisbaren Fakten begegnet, wechseln sie das Thema, haben sie nichts gesagt. Wie eine heiße Kartoffel wird fallengelassen, was eben noch so hochwichtig erschien. Daß sie sich »geirrt« haben könnten, wird nie eingestanden, wie überhaupt Rede und Gegenrede, Argument und Gegenargument, ja schon das bloße Zuhören nicht zu ihrem Stil gehört. Wohl aber, sich zu beschweren, wird einer von ihnen nach langer Tirade unterbrochen, und empört Redefreiheit zu verlangen, sich selbst als Demokraten aufspielend und auf nichts Geringeres als auf die Freiheiten des Grundgesetzes sich berufend.</p>
<p>Es mag wichtig sein, dieses oder jenes einzelne Argument dieser braunen »Wahrheitsfanatiker« zu widerlegen. Nicht weniger wichtig ist es, ihre Methode der Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten, die eben auch immer halbe Lügen sein können, bloßzustellen. Das hilft nicht nur für den Moment, sondern generell Distanz zu schaffen. Die Bloßstellung der Methode des Dummenfangs gehörte, wie die Zustände sich hierzulande entwickelt haben, in den Unterricht unserer Schulen, vorab auf die Themenliste von Lehrerweiterbildungen. Es müßte das weitläufige Thema nicht auf die (Neo-)Nazis beschränkt bleiben, aber ihnen gehörte doch der Vorzug.</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2006/10-28/065.php" target="_blank">http://www.jungewelt.de/2006/10-28/065.php</a></em></p>
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