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	<title>Die Gruppe MD &#187; Chaos</title>
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		<title>Wollen die Anarchisten die Republik ins Chaos stürzen?</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 10:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[A-Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Anarchistinnen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, ja wahrscheinlich so lange wie es Menschen gibt, und den Wunsch, frei von Unterdrückung zu sein. Die ersten überlieferten Namen begegnen uns bei den Philosophen der alten Griechen; Zeno, der geistige Vater der Stoiker, war einer von ihnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-124"></span><em>In tiefer Nacht, wenn die Lichter der Laternen die dunklen Winkel nicht mehr erreichen, und die Fassaden lange Schatten werfen, gehen mysteriöse, schreckliche Dinge vor. Durch die schlafende Stadt huschen schwarzgekleidete Gestalten mit tief in die fanatischen Fratzen gezogenen Schlapphüten und dämonischen Sturmhauben. Sie unterminieren das friedliche Gemeinwesen, verstecken gefährliches Material und schreiben ihr schwarzes Menetekel an die Mauern. Weite Umhänge und Jacken verhüllen mühsam die waffenstarrende Ausrüstung. Sprengstoff beult die Taschen der düsteren Gestalten. Manchmal hört man verhalten laut rauhe Kommandos oder leises signalisierendes Zischen. Wenn es nicht gerade von einer brennenden Zündschnur kommt. Im nikotingelben Gebiss blitzt der Dolch, von dem schäumend Speichel tropft, bereit, seine Schneide ins Herz des arglos seine Runde drehenden Polizisten zu ermorden. Stechende Augen belauern die ausgestorbenen Straßen. Leise ächzend werden schwere Kisten voll Waffen und Munition in geheime Keller und Schlupfwinkel geschleppt, in denen VerschwörerInnen Tag und Nacht, aufgeputscht von Drogen, finstere, subversive Pläne schmieden und am Sturz der Regierung arbeiten. Sie bereiten ihn vor, den großen Schlag, den Tag X. an dem sie das Feuer an die Lunten legen. die Zünder aktivieren und das teuflische Werk zu vollenden trachten: die Zerstörung jeder Ordnung, den Ausbruch des fürchterlichen gesetzlosen Chaos&#8217;, die Willkürherrschaft der Wirrköpfe, Plünderung, Terror, Mord und Totschlag allenthalben &#8230; diehiehiiiii grausamen, die wahnsinnigen <strong>ANARCHISTiNNEN!</strong></em></p>
<p><strong>????????</strong></p>
<p>&#8230; ja, so stellen sich viele &#8220;die Anarchie&#8221; vor. In Regierungserklärungen, Presse, Funk, Fernsehen und Literatur wird sie als Schreckensbild an die Wand gemalt wie der Leibhaftige. Aber ist das die Wirklichkeit? Kann denn jemand allen Ernstes so etwas Entsetzliches wollen?</p>
<p><strong>Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft</strong></p>
<p>Anarchistinnen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, ja wahrscheinlich so lange wie es Menschen gibt, und den Wunsch, frei von Unterdrückung zu sein. Die ersten überlieferten Namen begegnen uns bei den Philosophen der alten Griechen; Zeno, der geistige Vater der Stoiker, war einer von ihnen. Sein Wahlspruch: &#8220;Jeder nach seinem Können, jeder nach seinen Bedürfnissen&#8221;, gilt uns heute noch immer. Viele bekannte Menschen: SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen zählten und zählen sich zu den AnarchistInnen, deren Ziel es ist: Eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft auf der Basis der Freiwilligkeit und der Gegenseitigen Hilfe zu erreichen. Das sei vöööllig &#8220;utopisch&#8221; hören wir die Philister auf ihren Rängen und Emporen stöhnen. Lachend schütteln sie Bauch und Eierköpfe über so viel Unverstand und Idealismus.</p>
<p>Seit rund 150 Jahren gibt es in Europa und der Welt Menschen, die sich als AnarchistInnen bezeichnen. Das Wort kommt aus dem Griechischen von &#8220;an-archos&#8221;, das heißt: &#8220;ohne Herrschaft&#8221;. Der französische Sozialist Pierre-Joseph Proudhon bezeichnete sich als erster öffentlich und provokativ als &#8220;Anarchist&#8221;. Obwohl der Anarchismus schon frühere DenkerInnen hatte, wurde er erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit der aufkommenden ArbeiterInnenbewegung zu einer politischen Theorie und Kraft. Eine seiner bekanntesten Figuren war der russische Revolutionär Michael Bakunin, der als Organisator große Bedeutung erlangte. Er bildete auf der sozialistischen Ersten Internationale den Gegenpol zu Karl Marx. Diese Internationale zerbrach 1872 am Widerspruch zwischen dem marxistisch-autoritären Flügel (bis 1876) und dem (&#8220;bakuninistisch&#8221;-) antiautoritären, der zunächst noch der größere und langlebigere war. Hier stoßen wir darauf, dass sich die AnarchistInnen in der Regel für den Sozialismus (in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes) einsetz(t)en. Der Grundwiderspruch der ersten Internationale besteht allerdings noch heute: Die AnarchistInnen wollen einen sich freiwillig entwickelnden Sozialismus, der sich von unten nach oben, also föderativ aufbaut. Das weist auch gleich darauf hin, dass die AnarchistInnen nicht Feinde jeglicher Organisation sind, sondern vielmehr nur zentralistische, autoritäre Organisationsformen ablehnen und somit in direktem Gegensatz zu nahezu allen sogenannten &#8220;kommunistischen&#8221; oder sozialistischen Parteien stehen. Insbesondere zu den &#8220;real-existierenden&#8221; (bzw. existiert habenden!). Rätekommunistische oder basisdemokratische Orientierungen stehen den AnarchistInnen somit am nächsten.</p>
<p>&#8220;Sowas klappt doch nie!! Das sind ja alles Spinner, harmlos oder gefährlich, je nachdem!&#8221; Nun, Anarchistische Tendenzen oder Realisierungsversuche im Großen hat es schon mehrfach gegeben, nämlich z.B. in:</p>
<ul>
<li> der Pariser Commune von 1871, im Blut erstickt von den Versailler Generälen, die, eben von Kaiserdeutschland besiegt, mit dessen massiver Unterstützung in Paris das eigene Volk abschlachteten</li>
<li>der Mexikanischen Revolution von 1912, als die &#8220;Zapatistas&#8221; mit dem Ruf &#8220;Tierra y Libertad&#8221;, &#8220;Land und Freiheit&#8221;, die Diktatur stürzten. Emiliano Zapata wurde vom Militär der neuen &#8220;Demokratie&#8221; heimtückisch ermordet;</li>
<li>der (2.) Münchener Räterepublik von 1919 (sowie einigen anderen schwarz-roten Räten z.B. im Ruhrgebiet 1920), abgeschlachtet von SPD-Noske und -Hoffmann und ihren Reichswehr-, Freikorps- und Nazimarodeuren</li>
<li>der Machnow-Bewegung in der Ukraine während der russischen Oktoberrevolution, heimtückisch niedergemacht von der &#8220;Roten Armee&#8221; Moskaus, nachdem gemeinsam die zaristisch-kapitalistischen Invasionstruppen Wrangels und Denikins besiegt worden waren, sowie andere anarchistische Republiken zu Beginn der sog. Sowjetunion:</li>
<li>dem Aufstand von Kronstadt (Insel und Seefestung vor Russlands Hauptstadt St. Petersburg) 1921, dessen Beteiligte die Bolschewisten Lenin-Trotzki &#8220;abschießen&#8221; ließen &#8220;wie Rebhühner&#8221;. (0-Ton!);</li>
<li>dem Aufstand in Patagonien (Argentinien &#8211; 1921), mit Massenerschießungen niedergemetzelt vom Militär;</li>
<li>in der sogenannten &#8220;Commune von Shanghai&#8221; (1925), der die machthabenden russischen Bolschewisten die Hilfe verweigerten: &#8220;Laßt Schanghai brennen!;</li>
<li>der Spanischen Revolution von 1936-1939, der Francos Militär-Putschisten, Hitler, Mussolini und der &#8220;Verbündete&#8221; Stalin in trauter Eintracht den Garaus machten (1939 Hitler-Stalin-Pakt!), während die europäischen z.T. &#8220;sozialistischen&#8221; Demokratien und die USA &#8220;sich nicht einmischten&#8221;: so begann der 2. Weltkrieg!!!</li>
<li>sowie unbekannteren Ereignissen zu vielen anderen Zeiten und an vielen anderen Orten der Erde.</li>
</ul>
<p>Die bürgerliche und die bolschewistisch-stalinistische Geschichtsschreibung hat die libertären Spuren oft verwischt oder bewusst ganz &#8220;bereinigt&#8221; und ausgelöscht. Die wiedererstandene anarchistische Literatur bietet hierzu ein weites Informationsfeld. Es gilt ein verschüttetes, freiheitliches Menschenbild wieder zu beleben. Denn:</p>
<p><strong>Freiheit hat einen Namen &#8211; Anarchie!</strong></p>
<p>Freiheit &#8211; das ist ein viel benutztes und missbrauchtes Wort. Alle nehmen es in Anspruch, sogar Nazis und StalinistInnen. Wirkliche Freiheit kann es aber nur da geben, wo es keine Herrschaft von Menschen über Menschen gibt. Das bedeutet also auch die Abwesenheit von Staat, Kapital, Geschlechterherrschaft (Patriarchat), Rassismus und Imperialismus in jeder Form. Frei ist nur, wer über sich selbst, sein Leben, seinen Körper und Denken, unbevormundet selber entscheiden kann. Dazu bedarf es des Wohlstands für alle: guter Kleidung, menschenwürdiger Wohnverhältnisse, ausreichend gesunder Nahrung, und das Endes des Zwangs zur Arbeit. Heute stehen wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit an der Schwelle eines Zeitalters, das diesen alten Traum möglich machen könnte. Ja schon heute bräuchte es keine Hungerkatastrophen und kein individuelles Elend auf Grund von Mangel mehr zu geben. Statt dessen leben wir in einer Welt, die schamlos von den Herrschenden aller Couleur ausgebeutet, zerstört und der Vernichtung anheimgegeben wird. Die großen Probleme unserer Zeit wie Umweltzerstörung, Hochrüstung und Kriegsgefahr, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit und Hungersnöte, immer perfektere soziale Kontrolle, neuer nationaler Größenwahn allenthalben und rabiate Machtausübung, Frauenunterdrückung, Sexismus, Vergewaltigung und Mord, sprechen eine beredte Sprache.</p>
<p>Die &#8220;Freiheit der Menschen&#8221; ist nicht zu verwechseln mit &#8220;der Freiheit der Männer&#8221;, als die auch manche Anarchisten ihre Lehre einseitig verstanden zu haben scheinen. Wir leben nach wie vor in einer patriarchalisch organisierten und beHERRschten Gesellschaft und Welt, in der die brutale Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen (und andersgesinnten Männern) die Regel darstellt. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass AnarchistInnen sich an vorderster Stelle gegen die patriarchale Hierarchie auflehnen, die das stärkste und über die ganze Welt verbreitete System der Herrschaft ist. Wir alle haben es tief verinnerlicht. Männer und Frauen stehen ihren &#8220;Mann&#8221; in der hierarchischen Pyramide und bewahren sie vor dem Einsturz. In den reichen Ländern, in denen wir leben, profitieren Männer und Frauen (in dieser Reihenfolge) vom Patriarchat. Frauen ziehen auch in dieser Gesellschaft in der Regel den kürzeren, und werden zur ökonomischen Ausbeutung zusätzlich sexuell ausgebeutet und misshandelt. Das trifft in doppelter Hinsicht auf ausländische Frauen zu, die darüber hinaus noch Opfer des allgegenwärtigen AusländerInnenhasses und Rassismus sind. Viele Berührungspunkte zwischen Feminismus und Anarchismus liegen somit auf der Hand. Es kann aber auch nicht der Sinn von befreiender Gleichberechtigung sein, wenn (Alibi) Frauen vom Typ Thatcher, Süßmuth, Breuel, Ciller etc. die Plätze der Macht einnehmen, die Geschlechterrollen einfach umgetauscht werden. Wir AnarchistInnen wollen den gänzlich freien Menschen, ohne Wenn und Aber, gleichberechtigt in jeder Beziehung, und das hört nicht beim sog. &#8220;Privaten&#8221; auf, sondern gilt gerade und insbesondere da.</p>
<p><strong>Anarchie ist ohne Freiheit der Frauen nicht denkbar, schon gar nicht &#8220;machbar&#8221;(Herr Nachbar&#8230;)!</strong></p>
<p>Anarchie heißt auch nicht &#8220;Freiheit der Erwachsenen&#8221;. Kinder sind in dieser Gesellschaft als schwächstes Glied der Willkürherrschaft der Familien und ErzieherInnen ausgesetzt. Weltweit sind Kinder als Spielball ihrer Eltern und als Opfer verfehlter Erwachsenenmachtpolitik die Leidtragenden einer autoritären und ausbeuterischen Gesellschaft. Das gipfelt in Vergewaltigung, Folter, Sklaverei und Mord. Anarchie verwirklichen bedeutet vor allem, eine Zukunft für Kinder zu schaffen, die befreit ist von autoritärer Unterdrückung und Manipulation. Kinder sollen frei von Angst und Benachteiligung als kleine, ernstzunehmende Menschen aufwachsen und sich entfalten können. Für sie haben wir zwar Sorge zu tragen und ihnen auf Grund unserer größeren Erfahrung, Körperkraft und unserer materiellen Möglichkeiten unsere Förderung, Schutz und Hilfe zukommen zu lassen. Aber deshalb gibt es keinerlei &#8220;Besitzrechte&#8221; an ihnen. Es sind nicht unsere Kinder, sondern zu allererst frei geborene und gleichberechtigte Menschenwesen, die ein Recht auf persönliche Freiheit, Unversehrtheit und das Erbe einer intakten Umwelt haben.</p>
<p>Unserem Selbstverständnis gemäß sind wir natürliche GegnerInnen jedes Rassismus und Nationalismus. Freiheit hat kein Vaterland und niemand ist berechtigt, sich wegen seiner Herkunft oder Abstammung über andere zu stellen. Von Religionen halten wir ebenfalls herzlich wenig, auch wenn wir sie als Privatangelegenheit tolerieren. Sie vernebeln die Hirne und machen die Menschen in Erwartung eines &#8220;besseren Jenseits&#8221; regierbar. Autoritäre Pfaffenbonzokratien, mit ihrer in der politischen Machtentfaltung nur allzu sehr &#8220;weltlichen&#8221; Geistlichkeit, bekämpfen wir ebenso wie jeden Staat. Kapital und Staat versklaven den Körper, die Kirchen den Geist. Und wie wir sehen, gehen beide in Form der &#8220;Gottesstaaten&#8221; die verderblichste Symbiose ein (Herrschaft &#8220;von Gottes Gnaden&#8221; , Inquisition, &#8220;heilige&#8221; Kriege, Scharia).</p>
<p>Wir setzen gegen Herrschaft und Unterdrückung uns selbst, das Individuum mit dem revolutionären Bewußtsein, die Welt ändern zu wollen und zu müssen. Wir setzen dagegen die Selbstorganisation aller freiheitlich denkenden Menschen und unser Eintreten für unsere eigenen Belange und Bedürfnisse, ohne sie auf Kosten anderer Menschen durchsetzen zu wollen. Wir setzen dagegen die Direkte Aktion als subjektive und objektive Veränderung unseres Lebens im Großen und Kleinen, ohne institutionelle Umwege. Wir tun das Machbare. Wir versuchen das &#8220;Unmögliche&#8221; Wir setzen gegen das verherrschte Jetzt den Willen jedes einzelnen Menschen zur größtmöglichen Freiheit.</p>
<p><em>Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine! (Bertold Brecht)</em></p>
<p>Es gibt keine Patentrezepte, deshalb kann es bei uns auch keine perfekten Programme, keine FührerInnen, Dogmen und VorbeterInnen geben. Die Selbstorganisation ist nur möglich durch die weitestgehende Entfaltung, Mitarbeit und Selbstverantwortlichkeit der Einzelnen zusammen mit anderen, und ihren Willen, zu handeln. Parlamentarismus in jeder Form ist im geringsten Fall die ständige Unterdrückung von Minderheiten durch die etablierte Mehrheit. Darum lehnen wir auch diese Form der Oberherrschaft ab. Es gibt kaum ein Verbrechen, das noch nicht von sogenannten demokratischen Regierungen im Namen von &#8220;Demokratie&#8221; und &#8220;Freiheit&#8221; begangen worden wäre, mensch denke nur an die USA. Sogar Hitlers NSDAP (ca. 30% WählerInnen) ist von den (konservativen) Weimarer Demokraten 1933 ohne Not die Macht übergeben worden!</p>
<p>Wir wollen die Kompetenzen für uns behalten, die andere allzu bereitwillig weggeben und in die Hände derer legen, die sie schändlichst missbrauchen. Ein ausgeklügeltes System von Gesetzen und Verordnungen sorgt dafür, dass hier und anderswo die ehrlich revolutionärste Partei innerhalb kürzester Zeit zum Polster wird, auf dem die Mächtigen komfortabel ruhen. Selbstbestimmung jedoch gibt der Korruption keine Chance, denn wer bescheißt schon sich selbst?!</p>
<p>Noch etwas zum guten Schluß: Wir haben keine Lobby und kochen auch nur mit Wasser. Freiheit ist auch nicht bequem und ungefährlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass du dich schon selber aufraffen musst, etwas zu tun, etwas in Bewegung zu bringen. Du kannst es! Wenn du also von jemand etwas erwartest, dann erwarte es am besten erstmal von dir selber. Das ist ein guter Weg zu gemeinsamer Stärke und Vielfalt.</p>
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		<title>Anarchistische Ideen</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 14:26:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jonglieren mit den Vorurteilen des anderen gehört zum Rüstzeug eines jeden 'guten' Ideologen. Ob "Linker", "AntiglobalisierInnen", "Anarchos" oder "Autonome" - ob "Kapitalisten", "Faschos", "BürgerInnen" oder "Bonze", gut eingesetzt, läßt sich sogar der Satz sparen: Sie wissen schon, wer gemeint ist. Ich jedenfalls weiß oft nicht, wer da 'an sich' gemeint ist, höchstens noch was. Doch eine noch so feingesponnene Ideologie bleibt ohne Wirkung, fehlt ihr das sie bestätigende Vorurteil. Mit einem dieser Vorurteile soll deshalb aufgeräumt werden, es geht um die diffusen Zusammenhänge, die sich oft hinter der Bezeichnung "Anarchist/in" verbergen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-36"></span>Das Jonglieren mit den Vorurteilen des anderen gehört zum Rüstzeug eines jeden &#8216;guten&#8217; Ideologen. Ob &#8220;Linker&#8221;, &#8220;AntiglobalisierInnen&#8221;, &#8220;Anarchos&#8221; oder &#8220;Autonome&#8221; &#8211; ob &#8220;Kapitalisten&#8221;, &#8220;Faschos&#8221;, &#8220;BürgerInnen&#8221; oder &#8220;Bonze&#8221;, gut eingesetzt, läßt sich sogar der Satz sparen: Sie wissen schon, wer gemeint ist. Ich jedenfalls weiß oft nicht, wer da &#8216;an sich&#8217; gemeint ist, höchstens noch was. Doch eine noch so feingesponnene Ideologie bleibt ohne Wirkung, fehlt ihr das sie bestätigende Vorurteil. Mit einem dieser Vorurteile soll deshalb aufgeräumt werden, es geht um die diffusen Zusammenhänge, die sich oft hinter der Bezeichnung &#8220;Anarchist/in&#8221; verbergen.</p>
<p>Um also einer ideologischen Verbrämung vorzubeugen, lautet die Fragestellung nicht: Wer oder was ist ein Anarchist? Sondern vielmehr: Was tut ein Anarchist? Bzw.: Welches Handeln und welche Ideen lassen auf eine anarchistische Haltung schliessen? Anarchistische Ideen gewinnen erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts theoretische Tragweite.</p>
<p>Als der Anarchismus als theoretische Denkfigur entsteht, ist er vor allen Dingen in zunehmender Konkurrenz zu sozialistischen, kommunistischen und liberalen Ideen zu verstehen. Waren anfangs noch kaum Unterschiede erkennbar, kristallisierten sich bald spezifisch anarchistische Positionen in vielen politischen Problemfeldern heraus. Fragen wie: Was ist der Mensch? Wie ist der moderne Staat zu verstehen? Oder: Welche politischen Lösungen gibt es für soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit? fanden in anarchistischen Texten und Theorien ihren fruchtbaren Niederschlag. Von der politisch-praktischen wie auch theoretischen Dimension zeugen nicht nur die Debatten, die klassische Vertreter wie Bakunin, Kropotkin, Stirner oder Landauer innerhalb der sozialistischen oder kommunistischen Lager immer wieder anzettelten, die messerscharfe Kritik, mit der sie die liberale Theorie entlarvten, sondern auch ihre bewegten Lebensläufe selbst. Es wäre also falsch von einer anarchistischen Haltung als einer apolitischen oder gar antigesellschaftlichen zu sprechen. Die Kritik des Anarchismus wendet sich nicht gegen Gesellschaft &#8216;an sich&#8217;, sondern in seinen besonderen theoretischen Ausprägungen gegen spezifische Formen der Vergesellschaftung. Wie im übrigen jede politische Theorie von Gewicht. Es ist hier nicht der Raumfür eine gründlich dargestellte Analyse, aber ich denke, grob sagen zu können, daß der &#8216;Anarchismus&#8217; sich im wesentlichen gegen jedwede Art sozialer Ungerechtigkeit wendet, also gegen diejenigen Formen der Vergesellschaftung, die sich über ein asymmetrisches, heißt ungleiches, Machtverhältnis der einzelnen Individuen zueinander charakterisieren. Ein Blick in die Geschichte des 19. Jahrhunderts genügt, um die Bedeutung einer solchen Sichtweise einzusehen. In diesem Sinne ist eine anarchistische Haltung in jedem Falle eine politische.</p>
<p>Da wir uns auch heute gezwungener Maßen mit Gesellschaftsformen konfrontiert sehen, die, ähnlich denen des 19. Jahrhunderts, mit immer neuen Institutionalisierungswellen, die Macht und Herrschaft des Menschen über den Menschen manifestieren (der moderne Staatsapparat ist hier wesentlicher Motor), haben anarchistische Ideen auch heute noch ihren Reiz und ihre Bedeutung. Die Entfaltung des modernen Staates als eines komplexen Geflechts institutioneller Räume(1) hat nicht nur die &#8216;ursprüngliche&#8217; Gestalt der Produktionsformen überlagert, sondern vor allem die Sprach- und Lebensformen der gesellschaftlich verfaßten Individuen in ungeahntem Ausmaß beeinflußt. Die einhergehende, expansive Verrechtlichung von gesellschaftlichen Räumen, in denen Menschen interagieren, ist aus anarchistischer Perspektive deshalb problematisch, weil hierbei die Handlungsautonomie einzelner systematisch untergraben wird. Herr seiner Sinne, seines Geists, doch nicht Herr seines Tuns. Die Problematik entspringt im Freiheitsgedanken und verschärft sich dadurch, daß durch die institutionelle Vermittlung von menschlichen Handlungen zu-, mit-, durch- und füreinander, den Einzelnen ihr spezifisches Verhältnis (mithin eben auch Machtverhältnis) als intransparentes, sprich undurchschaubares erscheint. Das allgemeine Ohnmachtsgefühl oder Individualisierungstheorien(2) mit ihrer These der sozialen Verarmung bei steigender institutioneller Verflechtung sind zwei aktuelle Beispiele, die dem Ausdruck verleihen. Gegenüber der konventionellen Theorie, die der Unfehlbarkeit gegebener Institutionen huldigt, der sozialistischen, die dem ewigen Wandel zum Besseren harrt und der kommunistischen, die die Selbstauflösung von Institutionen nach der &#8220;Vorgeschichte&#8221; verspricht, drückt sich die anarchistische Haltung gerade in der Skepsis aus, ob nicht jedes intransparente Verhältnis von Menschen zueinander schon Herrschaftsformen (Macht) begründen könnte. Staatliche Institutionen, wie Bürgeramt, Verkehrsbetriebe oder Parlament sind nur klassische Beispiele solcher Institutionen, bei denen das Handeln von Mensch zu Mensch vielfach intransparent vermittelt ist.</p>
<p><strong>Anarchistische Haltungen finden ihren Ausdruck in ethischem und politischem Handeln</strong></p>
<p>Vom Freiheitsgedanken und der Gleichheitsidee her strömt die ethische Kraft anarchistischer Haltungen, welche hinter den nach Interessen geschichteten &#8220;Sachzwängen&#8221; das Wirken von Menschen erkennen. Insoweit finden sich anarchistische Haltungen auch in der sozialistischen oder kommunistischen wieder, was gar nicht bestritten werden soll. Doch ist das Primat der Handlungsautonomie des/der Einzelnen vor jeder gesellschaftlichen Institutionalisierung, ethisch nirgends so fruchtbar wie in den anarchistischen Ideen. Dem Schwächeren zur Seite zu stehen, die Toleranz des Anderen, Selbstverantwortlichkeit des eigenen Tuns, so könnte man unter anderem konkretes anarchistisches Handeln benennen.</p>
<p>Auf der Suche nach Selbstverwirklichung in Eigenverantwortlichkeit entdeckt solches Handeln die auferlegten, eigenen Grenzen auch als die anderer. Hieraus speist sich der genuin politische Charakter. Wie sich aus dem Gesagten andeutet, ist die anarchistische keine extrem individualistische Haltung, obwohl der/die Einzelne als einziges Handlungssubjekt verstanden wird. Dem Trugschluß, man käme auch alleine klar, kann nur der erliegen, der sich von Institutionen umschlossen sieht. Um mich selbst zu verwirklichen, benötige ich die Hand des anderen, genauso wie er meine, und bezeichnender Weise findet Selbstverwirklichung heute vorwiegend in der privaten Sphäre und nicht in der öffentlichinstitutionalisierten statt.</p>
<p>Aus der politischen, skeptischen Haltung gegenüber Institutionalisierungen und dem ethischen Impuls ergibt sich also die Praxis eines Handelns, die sich in jedem Moment des Alltages gegen dessen Institutionalisierung wehrt, gegenüber Machtverhältnissen im alltäglichen Miteinander aufbegehrt, und zum Anderen drängt, um ihm von mensch zu mensch ins Aug&#8217; zu sehn.</p>
<p><strong>Der ewigen Macht des Seins, widerstreitet stets die Kraft des Sollens.</strong></p>
<p>Im Gegensatz zur &#8216;geronnenen&#8217; Hoffnung des Sozialismus oder Kommunismus, oder schlimmer zur &#8216;leeren&#8217; der konventionellen Theorie, die eben alle nicht ohne intransparente und damit für Herrschaft (Macht) anfällige Institutionalisierungen auskommen, hat den Anarchismus schon seit je her eine echte Utopie ausgezeichnet. Die Hoffnung nämlich, daß sich die Menschen in assoziativen Formen organisieren können, ohne daß jeder einzelne seinen Rechten und Pflichten durch institutionelle Vermittlung beraubt ist. Demzufolge ist von der Theorie des Anarchismus auch kein Konzept für eine neue &#8220;Makroordnung&#8221; der Gesellschaft zu erwarten. Im Wettstreit der Ideen verhilft sie eher den konkreten Lebens- und Handlungsformen zum Ausdruck, als Menschenbildern und Handlungskonstruktionen nachzujagen.</p>
<p><strong>Nieder mit den Mauern!</strong></p>
<p>Anarchistisches Handeln und dazugehörige Haltung sind also keineswegs antipolitisch, gesellschaftsfern, gedankenverloren und vor allen Dingen nicht hoffnungslos. Ich plädiere dafür, das Bild vom steineschmeißenden Einzelgänger, der gegen alles ist und nur Chaos will, endlich über Bord zu werfen. Das gilt in gewisser Weise auch für die Stilisierung von Straßenkämpfen. Wir haben beides, Verzweiflung und Verantwortung. Ein klein wenig anarchistisch handelt ja fast jeder ab und an in seinem Alltag. Und in diesem Sinne bin ich von der leisen Hoffnung beseelt, daß sich anarchistische Haltungen in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit immer deutlicher durchsetzen, und damit der Anarchismus zu einer echten Option des Handelns in einer sich entgrenzenden Welt werden kann.</p>
<p><em>(clov)</em></p>
<p><em><strong>Aus:</strong> der anarchosyndikalistischen Leipziger Zeitung feierabend &#8211; libertäres 1Monatsheft aus Leipzig #1 September 2002:</em></p>
<p>Fußnoten:</p>
<p><em>(1)</em> Der Institutionsbegriff ist hier und im Folgenden derart verstanden, daß Institutionalisierungen immer gesellschaftliche Räume dimensionieren, innerhalb derer die Handlungsautonomie einzelner ausgeschaltet bzw. eingeschränkt ist.</p>
<p><em>(2)</em> Vgl. zum Beispiel Ulrich Beck, &#8220;Jenseits von Stand und Klasse?&#8221;, in: Kreckel, Reinhard (Hrsg.), &#8220;Soziale Welt, Sonderband 2. Soziale Ungleichheiten&#8221;, Göttingen: Schwartz, 1983.</p>
<p><em>Überarbeitet nach: <a href="http://www.free.de/schwarze-katze/texte/anarch28.html" target="_blank">http://www.free.de/schwarze-katze/texte/anarch28.html</a></em></p>
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		<title>Über Anarchie</title>
		<link>http://www.die-gruppe-md.de/uber-anarchie</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 11:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie wollen wir hin und wie gehts dann weiter: das kann in diesen Zeilen nicht stehen, es ist kein Manifest. Aber die Diskussion darüber sollte hier und heute beginnen!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-25"></span><strong>Anarchie in Albanien, Anarchie herrscht (!) im Irak, Anarchie wird vor allem in den Massenmedien als billige Beschreibung für chaotische und gewalttätige Zustände verwendet. Das ist kein Zufall: Anarchie kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie &#8220;ohne Herrschaft&#8221;. Und weil nach der gängigen Meinung ohne Herrschaft, ohne klar strukturiertes Oben und Unten bloß Chaos und Gewalt herrschen würden, ist die Anarchie als Begrifflichkeit dafür schnell zur Hand.</strong></p>
<p>Bloß: Herrschaft stützt sich selbst auf Gewalt (zumeist die Staatsgewalt), ja könnte ohne Gewalt oder ohne Androhung derselben gar nicht existieren. Und dabei ist es ziemlich egal, ob es sich um eine Monarchie, eine Parlamentarische Demokratie oder um ein staatskommunistisches Modell handelt. Gewalt dient dazu, die bestehenden Hierarchien zu festigen und die Rollen in der jeweiligen Gesellschaft einzuzementieren. Wer ausschert, bekommt die Knute zu spüren. Das ist die ultimative Form von Gewalt. Kein plötzlicher emotionaler Ausbruch, sondern kaltes System. Und chaotisch zugleich. Wäre es das nicht, würden sich nicht ständig die Lebensverhältnisse verändern &#8211; in letzter Zeit in jedem Fall zum schlechteren. Plötzlich heißt es allenthalben, dass wohlerworbene Rechte und Besitzstände in Frage gestellt werden müssen, weil es so nicht weitergehen könne. Nach Meinung von ExpertInnen, die von irgendwelchen PolitikerInnen aus dem Hut gezaubert werden. Ganz so, als ob wir alle bis jetzt im Schlaraffenland gelebt hätten. In den letzten Jahren hat ein massives Lohndumping und ein sozialer Kahlschlag stattgefunden und es ist kein Ende in Sicht. Die Leute glauben den Schmäh mit der Krise und schuften noch mehr für immer weniger, weil angeblich kein Ausweg bleibt. Frust und Armut greifen um sich, immer mehr Menschen üben Gewalt auf andere aus, weil sie entweder ihr eigenes Leben nicht mehr packen, oder weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Dafür gibt es ein Wort: Chaos. Gegründet auf Gewalt.</p>
<p><strong>Also was ist jetzt mit den gewalttätigen AnarchistInnen?</strong></p>
<p>Die ständige Gleichsetzung mit zielloser Zerstörungswut nimmt der Anarchie vor allem den Charakter einer gesellschaftlichen Perspektive mit recht konkreten Vorstellungen. Nämlich, dass die Ablehnung von Herrschaft und der Wille zu Eigenverantwortlichkeit und Selbstverwirklichung und solidarischem Zusammenleben die Basis für eine anarchistische Gesellschaft ist. Dass nicht Zwang, Konkurrenzdruck und Neid der Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken, sondern Gleiche unter Gleichen, ohne einen Hauch von Hierarchie und Bevormundung sich wirklich gern für sich und andere einsetzen werden.</p>
<p>Bei all den Bildern, die über die Anarchie verbreitet werden, ist das nicht ersichtlich. Um es zu konkretisieren: ich glaube nicht, dass der Begriff heutzutage absichtlich verwendet wird, um die Anarchie zu diffamieren. Das hat sich festgefressen. Denn selbst wenn sich die Journaille über (vermeintliche oder echte) anarchistische BombenlegerInnen auslässt, hat sie dabei nichts Politisches im Sinn. Der Anarchist, ein bärtiges, hasszerfressenes Männchen in schwarzem Umhang mit dem Dolch im Gewande oder dem Messer in der Hand, das ist eher das Bild von einem Desperado, denn von einem Menschen mit einer nach vorne gewandten politischen Zielsetzung. Und genau diese Bilder sollten mal zurecht gerückt werden.</p>
<p><strong>Wohin? Wohin?</strong></p>
<p>Als AnarchistInnen sind wir ja vielen Vorwürfen ausgesetzt, und die kommen nicht mal immer von konservativer Seite, auch von autoritär denkenden Linken. Neben dem Gewalt- und Chaosargument wird gegen die Anarchie ins Feld geführt, wer denn dann arbeiten wird, wenn niemand mehr muss. Da sehen viele einen Wohlstand in Gefahr, den sie eh nie hatten. Mit dieser Frage entlarvt sich der/die FragestellerIn selbst. Denn arbeiten tut niemand gern. Hier und heute. So ziemlich alle würden sich im Bett gern noch mal umdrehen und weiterschlafen, weil mindestens acht Stunden Hackeln keine recht erbauliche Perspektive sind. Und wenn die mal runtergebogen sind, wissen eh alle wie es ihnen geht. Wenn überhaupt noch weitere acht Stunden übrig sind, können die nur noch zu einer matten und geistlosen Erholung führen für den nächsten Arbeitstag. Für sinnvolle Gedanken bleibt da kaum noch Kraft (der Verfasser dieser Zeilen quält sich jetzt gerade auch dementsprechend). Und so gesehen nimmt es nicht wunder, wenn kaum jemand den anderen das Hackeln zutraut, wenn sie nicht müssen. Niemand will es sich bei sich selbst vorstellen.</p>
<p>Nur was wäre, wenn die ganzen unnötigen Arbeiten, die heute verrichtet werden, dann nicht mehr ausgeführt werden? Unsere Vorstellung von Anarchie ist eine Wirtschaft, die dem Wohle aller dient. Das heißt, alles was benötigt und auch gemeinsam vereinbart wird, wird auch produziert, und gehören tut es allen. Und weil es allen gehört, braucht es niemand, um es zu verkaufen oder zu bewachen. Polizei, Militär, Werbewirtschaft, Versicherungen, SozialarbeiterInnen sprich alles, was mit Armutsverwaltung, Armenbekämpfung und Dienstleistung zu tun hat, wäre überflüssig. Und das ist ein ganz hübscher Brocken. Es gibt Schätzungen, wieviel durchschnittliche Tagesarbeitszeit ohne den Blödsinn anfallen würde: je nach Analyse zwischen zwei und vier Stunden. Und da würde der Verfasser schon lieber aus dem Bett kriechen und auch den Müll wegbringen. Es könnten noch mehr Aspekte über sinnlose Arbeit und Produktion beleuchtet werden, diese würden aber hier den Rahmen sprengen und sind ein recht umfassender Stoff für erquickliche Diskussionen.</p>
<p>Und es kommt noch was dazu. Nicht nur, dass die Arbeit heutzutage als Mühsal empfunden wird. Wer ärgert sich nicht über unfähige und herrschsüchtige Chefs? Arbeit wird heute in den seltensten Fällen nach eigenem Wissen und Gewissen ausgeführt. Das macht sie noch unerträglicher. In einem gleichberechtigten Miteinander gibt`s sowas nicht. Wir wollen jedenfalls so ein gleichberechtigtes Miteinander. Und wir wollen damit nicht bis zur großen Revolution warten, nach der alles gut ist, weil die Bonzen auf den Bäumen hängen. Denn es kann auch gelebt, experimentiert und immer wieder neu diskutiert werden. Das ist jedenfalls erbaulicher als sich auszudenken, mit wem aller abgerechnet werden wird, wenn der große Tag gekommen ist. Denn darum gehts gar nicht. Die Anarchie kommt erst, wenn alle das wollen. Wir wollen nicht das System verbessern (wie die SozialdemokratInnen), und wir wollen auch nicht bloß eine Wirtschaft durch eine andere ersetzen (wie die KommunistInnen), weil Zwang und Bevormundung dabei bestehen bleiben. Wir wollen das ganze Gerümpel, das so vielen auf so unterschiedliche Weise das Leben zur Hölle macht, entsorgen: das Patriarchat, den Rassismus, den Antisemitismus, Homophobie, etc. Kurz jede Form von Herrschaft und der damit verbundenen Gewalt. Und auf keinen Fall wollen wir die Brechmittel Staat, Gott und Nation!</p>
<p>Wie wollen wir hin und wie gehts dann weiter: das kann in diesen Zeilen nicht stehen, es ist kein Manifest. Aber die Diskussion darüber sollte hier und heute beginnen!</p>
<p><em>Sepp Aus: &#8220;Anarchie&#8221; Nr. &#8211; / + (2004)</em></p>
<p><em>Originaltext: <a href="http://www.schwarzwurzeln.org/ " target="_blank">http://www.schwarzwurzeln.org/ </a></em></p>
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		<title>Was ist Anarchismus?</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 22:31:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
		<category><![CDATA[Chaos]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja was bedeutet denn dieses Wort, das die Gemüter erhitzt, das Faschisten zum Zuschlagen und Politiker zum Kopfschütteln verleitet? In einem Satz erklärt: "Anarchie ist die sehnsüchtige Suche nach der unendlichen Freiheit".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-5"></span><strong>Bier trinken, Häuser besetzen, Faschos verhauen, Bomben legen, Drogen konsumieren, Mauern verschmieren, Bonzen erschießen, das System umstürzen und Punkrock hören. Das alles passt in das gängige Bild über Anarchismus. Und das alles hat nichts oder nur im entferntesten mit Anarchie zu tun!</strong></p>
<p>Ja was bedeutet denn dieses Wort, das die Gemüter erhitzt, das Faschisten zum Zuschlagen und Politiker zum Kopfschütteln verleitet? In einem Satz erklärt: &#8220;Anarchie ist die sehnsüchtige Suche nach der unendlichen Freiheit&#8221;.</p>
<p>Nun gut, soweit mal der Grundsatz. Nur bringt der die Neugierigen nicht viel weiter, denn dieser Satz lässt so viele Interpretationsmöglichkeiten offen, dass die einen wohl bereits wieder an Chaos, Zerstörung, Mord und Totschlag dachten. Ich möchte in diesem Text aufzeigen, dass Anarchie mit dem Durcheinander nichts zu tun hat. Im Gegenteil: Sie ist die höchste Form der Ordnung.</p>
<p>Schon in den allgemein gültigen Lexiken und dem offiziellen Sprachnachschlagewerk &#8220;Duden&#8221; wird der Begriff Anarchie nur mit &#8220;Gesetzlosigkeit&#8221; übersetzt. Dies ist jedoch nur bedingt richtig: Zwar wollen die Anarchisten den Staat und somit auch alle Gesetze abschaffen, dies bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es keine Regeln mehr gibt. Diese werden jedoch als mündliche Vereinbarungen gehalten. Sie mögen denken, dass dies keinen Unterschied machen würde, denn schließlich ist eine Regel eine Regel, ob dies nun ein Gesetz oder eine Vereinbarung sei. Doch es gibt da einen enormen Unterschied: Ein Gesetz wird von den einen Leuten festgelegt und muss von den anderen befolgt werden. Eine Vereinbarung hingegen ist eine Abmachung zwischen zwei oder mehreren Leuten, die damit einverstanden sind, sich so oder eben anders zu verhalten. Sie beschlossen diese Abmachung in gegenseitigem Einverständnis und nach Möglichkeit so, dass sich alle Beteiligten möglichst wohl fühlen und möglichst wenig von ihren Standpunkten und ihren Gewohnheiten abweichen müssen.</p>
<p><strong>Doch von Anfang an.</strong> Was ist Anarchie überhaupt? Die ersten (offizielle festgehaltenen) Gedanken an eine staatenlose Zukunft wurden bereits am Ende des 17. Jahrhundert vom englischen Philosophen Godwin getätigt, der auf der Suche nach der perfekten Gesellschaft war. Genaugenommen war dies zwischen 1789 und 1800 zur Zeit der Französischen Revolution. Der Begriff Anarchie selber entstand jedoch erst vor rund 150 Jahren. Die Erfinder? Das Volk. Oder Besser gesagt das revolutionär gesinnte Volk des Proletariats. Im Gegensatz zum Kommunismus gibt es bei der Anarchie keinen klaren Erfinder (wie Karl Marx beim Kommunismus). Zwar gibt es berühmte Anarchistische &#8220;Vordenker&#8221; (hässliches Wort) wie Bakunin, Proudhon oder Kropotkin. Sie alle hatten ihre eigenen Theorien und ihre eigenen anarchistischen Grundrichtungen (der Anarchismus besteht aus vielen unterschiedlichen Strömungen), aber der Gesamtbegriff des Anarchismus hat sich immer wieder mit neuen Erfahrungen aus Revolutionen und anderen Ereignissen angereichert, und sich so weiterentwickelt.</p>
<p>Im Unterschied zu andern Gesellschaftsformen, wie zum Beispiel dem Kommunismus?, wollen die Anarchisten den Staat nach einer Revolution nicht ersetzen sondern abschaffen. Sie wollen auf eine Regierung, auf die Polizei, auf die Bürokratie etc. verzichten, und den ganzen Staatsapparat dem Volk überlassen. Dieses soll dann Räte bilden, welchen sämtliche Personen angehören, die vom entsprechenden Thema betroffen sind. So soll dann also zum Beispiel ein Produktionsrat, ein Güterverteilungsrat, ein Bauern- und Bäuerinnenrat, der Rat der LehrerInnen und so weiter entstehen. In diesen Räten ist jeder und jede gleichberechtigt. Jede Region hat ihre eigenen Räte und ist absolut unabhängig. Um überregionale Probleme, wie zum Beispiel das Postwesen oder den öffentlichen Verkehr zu lösen, finden Versammlungen statt, an welchen VertreterInnen aus allen betroffenen (regionalen) Räten teilnehmen. Diese VertreterInnen werden von mal zu mal neu gewählt, und haben gegenüber den PolitikerInnen in einer Demokratie den Vorteil, dass erstens jedes Ratmitglied den oder die VertreterIn kennt, und zweitens die VertreterInnen sich klar an die Vorschriften und Interessen des Rates zu halten haben. Solche &#8220;Abgeordnete&#8221; müssen an überregionalen Sitzungen also ihre privaten Interessen zurückstufen und EINZIG die zuvor abgeklärte und durch Diskussionen und Abstimmungen ermittelte Meinung des regionalen Rates vertreten. Dies und der Umstand, dass einE RatvertreterIn nur für eine Sitzung gewählt wird, verhindert einen Machtmissbrauch. Einen Rat vertreten kann, wer über das nötige Know-How verfügt und von den übrigen Mitgliedern gewählt wird.</p>
<p>Die Abschaffung des Staats und die Anschaffung von Räten ist der wichtigste Punkt der Anarchie. Alles weitere sind noch Folgen dieses Schrittes. So auch die Abschaffung der Grenzen, die Abschaffung des Geldes und die Abschaffung der jetzigen Familienformen wie der Ehe (Zitat Godwin: &#8220;Die Ehe ist ein Gesetz und das schlechteste überhaupt&#8221;). Klar steht es jedem Menschen weiterhin frei, einen Lebenspartner zu suchen und mit ihm / ihr zusammen Kinder groß zu ziehen. Doch auch mehr oder weniger neue, interessante Familienformen würden möglich. So zum Beispiel große Wohngemeinschaften, Wahlverwandtschaften oder Großfamilien. Ein weitaus interessanterer Schritt als die Abschaffung der Ehe ist jedoch die Abschaffung des Geldes. Viele werden nun denken: &#8220;Was? Und dann sollen wir wieder mit Ziegen und Kühen tauschen, wie in der Uhrzeit?&#8221; &#8220;Nein natürlich nicht&#8221;, ist darauf meine Antwort. Nehmen wir mal an, der Bauer könnte in die Bäckerei gehen, ein Brot holen und ohne zu bezahlen wieder gehen. Andererseits kann jedoch der Bäcker gratis Milch beim Bauern beziehen. In regionalen Kommunen ist geregelt, wer was bei wem bezieht. So kann man auf das Geld, ohne die Einführung des Tauschhandels, verzichten. Nun werden Sie wieder sagen: &#8220;Was? Da geht doch niemensch mehr freiwillig arbeiten? Muss dann die Gemeinschaft weiter für ihn aufkommen?&#8221; Ich persönlich glaube jedoch nicht, dass es viele Leute geben wird, die auf kosten anderer Leben würden. Denn erstens währe diejenige Person wohl bald nicht mehr sehr angesehen im Dorf und würde ein ziemlich einsames Leben führen. Zweitens ist eine Kommune (Gemeinschaft) nicht dazu verpflichtet, jemanden aufzunehmen. Ebenso wie es jedem Menschen freigestellt ist, ob er / sie einer Kommune angehören will oder lieber auf eigene Faust leben möchte, so kann auch eine Kommune Mitglieder ausschließen, wenn die Gemeinschaft der Meinung ist, dass das Mitglied &#8211; aus welchen Gründen auch immer &#8211; nicht mehr tragbar ist. Doch es wird auch nicht mehr ein so großes Verlangen bestehen, nicht zu arbeiten. Seien wir mal ehrlich. Die meisten Menschen gehen nicht gerne zur Arbeit. Dies gilt vor allem für Menschen mit monotoner, langweiligen Arbeiten wie FabrikarbeiterInnen, KassiererInnen in Warenhäuser oder je nachdem auch diverse Büroangestellte. FabrikarbeiterInnen beispielsweise können nichts von Anfang bis Ende produzieren, sondern machen immer nur die eine Bewegung am Fliessband. Tag ein, Tag aus. Viele dieser Arbeiter könnte man heute bereits durch Maschinen ersetzen. Die so freigesetzten ArbeiterInnen könnten dann anderen Tätigkeiten nachgehen. Die meisten Angestellten in Büros, in erster Linie BuchhalterInnen sowie PolitikerInnen oder jene, die ihr Geld nur mit der Planung oder Verwaltung der Arbeit anderer verdienen, könnten ebenfalls anderen Tätigkeiten nachgehen. So kann der Arbeitstag jedes Einzelnen auf wenige Stunden am Tag Stunden reduziert werden &#8211; bei gleichbleibendem und steigendem industriellen Niveau.</p>
<p>Eingangs dieses Textes habe ich erwähnt, die Anarchie sei die höchste Form der Ordnung. Dies trifft zu, weil sie die natürlichste Form der Ordnung ist, da jegliche Form der Autorität und der Unterdrückung abgeschafft ist. Wenn Sie das auch nicht glauben, so hoffe ich jedoch, Ihnen wenigstens aufgezeigt zu haben, dass Anarchie nicht das Chaos bedeutet. Das sei Wunschdenken, sagen Sie? Dann wissen Sie wohl nicht, dass große Teile Spaniens drei Jahre und die Ukraine vier Jahre als Anarchie funktionierten. Wieso nur so kurz? In Spanien wurden die Fabriken etc. während des Bürgerkriegs anarchistisch verwaltet. Trotz dem Krieg konnte die Produktion erhöht und die Arbeitszeit gesenkt werden. Von den Kommunisten im Stich gelassen, vermochten sich aber diese Kollektive im Kampf gegen Franco nicht zu behaupten. Die Ukrainische Anarchie wurde von der UdSSR zu Nichte gemacht.</p>
<p>Anarchistoteles</p>
<p><em>Originaltext: <a href="http://www.waf.ch" target="_blank">http://www.waf.ch </a></em></p>
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