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	<title>Die Gruppe MD &#187; FAU</title>
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	<description>Linke politische Textsammlung</description>
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		<title>&#8220;Linke&#8221; Männer und Frauenbewegung</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 11:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus und Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
		<category><![CDATA[FAU]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenbewegung]]></category>
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		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>

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		<description><![CDATA[Den meisten Frauen und vielleicht auch einigen Männern dürfte vieles, was in diesem Papier festgehalten ist, bekannt sein, denn die "Frauenfrage" stand in den letzten zwanzig Jahren immer mal wieder zur Diskussion. Aus den Erfahrungen innerhalb der FAU und anderer Gruppen und Projekte mußte ich aber leider schließen, daß sich kaum etwas konkret verändert hat. Noch immer Ablenkungsmanöver. mangelnde Auseinandersetzung, Drücken vor praktischen Konsequenzen. Einige der Verhaltensweisen von Männern werden im Folgenden angesprochen, andere möchte ich kurz vorwegschicken. Die Behauptung, das Problem sei in einer Gruppe geklärt, ist albern, solange die Herrschaftsform Patriarchat weiterexistiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-460"></span><em>Dieser Text stammt von einer Frau der FAU-Ortsgruppe Frankfurt. Der Beitrag wurde in der Nr. 77 der &#8220;direkten aktion&#8221; mit leichten Kürzungen veröffentlicht. Die folgende Fassung ist die ungekürzte.</em></p>
<p><strong>Einleitung</strong></p>
<p>Den meisten Frauen und vielleicht auch einigen Männern dürfte vieles, was in diesem Papier festgehalten ist, bekannt sein, denn die &#8220;Frauenfrage&#8221; stand in den letzten zwanzig Jahren immer mal wieder zur Diskussion. Aus den Erfahrungen innerhalb der FAU und anderer Gruppen und Projekte mußte ich aber leider schließen, daß sich kaum etwas konkret verändert hat. Noch immer Ablenkungsmanöver. mangelnde Auseinandersetzung, Drücken vor praktischen Konsequenzen. Einige der Verhaltensweisen von Männern werden im Folgenden angesprochen, andere möchte ich kurz vorwegschicken. Die Behauptung, das Problem sei in einer Gruppe geklärt, ist albern, solange die Herrschaftsform Patriarchat weiterexistiert. Diese Bemerkung drückt nur aus, dass</p>
<ol>
<li>Realität als statisch angesehen wird und</li>
<li> die gesellschaftlichen Dimensionen von Patriarchat und Frauenbewegung nicht erkannt wurden.</li>
</ol>
<p>Ein beliebtes Mittel des Ausweichens ist auch die Diskussion darüber, warum das Thema Frauen immer in Zeiten der Krise der Linken auf den Tisch kommt und welche böse Absicht der Frauen da wohl hinterstecken könnte. Diese Fragestellung ignoriert die kontinuierliche Arbeit von vielen Frauen in diesem Bereich. Das Zyklusartige erscheint nur den Männern so. Allerdings gibt es Zeiten, in denen Frauen die Auseinandersetzung mit Männern nicht mehr oder noch nicht suchen. Interessanter ist die Frage, warum z.B. in bewegungsreichen Zeiten das Thema dann wieder so in den Hintergrund gedrückt wird.</p>
<p>Beim Schreiben das Papiers ist mir aufgefallen, daß auch bei mir die Schere im Kopf ganz gut funktioniert. Zu oft erwischte ich mich dabei, bestimmte, mir bereits von Männern bekannte Einwände schon im Vorhinein zu widerlegen oder Dinge so auszudrücken, daß sie aufgrund der Einschränkungen (meist, oft usw.) jederzeit relativierbar sind. Es ist nicht so einfach. sich mit einem Großteil der Menschen anzulegen, mit denen frau tagtäglich zu tun hat und es ist verdammt einfach, die Schwachpunkte an einem Papier herauszufiltern, d. h. es zu zerreißen. Trotzdem glaube ich, daß weiterhin genug Diskussionsstoff drinnen steckt.</p>
<p>&#8220;Objektivität&#8221;? Dieser Aufsatz ist, wie alle Aufsätze, subjektiv: die Einschätzungen und Analysen beruhen auf meiner Wahrnehmung, meinen Erfahrungen und meiner Art, Erlebnisse zu verarbeiten. Deine Lebenssituation entscheidet darüber, welche Erfahrungen du machst, Dein Bewußtsein, Dein Selbstverständnis und Deine Art zu denken sind entscheidend für die Verarbeitung dieser Erfahrungen. Gesellschaftlich und kulturell geprägte Denkmuster ‚Wertvorstellungen, vorhandene oder nicht mehr vorhandene Sensibilität. vorhergehende Erfahrungen und antrainierte Verhaltensmechanismen, Vorlieben und Abneigungen sind ausschlaggebend für die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Objektivität ist also ein Absurdum, sobald Menschen mit ins Spiel kommen.</p>
<p>Dies trifft natürlich auch auf das Thema Mann/Frau zu &#8211; ich kann nur von meinen Erfahrungen als Frau ausgehen, die Wirklichkeitswahrnehmung des Mannes wird mir (fast) nur verbal vermittelt, d. h. gefiltert durch ein Sieb von Denk- und Formulierungsprozessen. Die Unterschiedlichkeit der Erfahrungsweiten von Frauen und Männern ist ein Fakt und Voraussetzung für viele der untenstehenden Überlegungen und Thesen.</p>
<p>Für die Analyse der derzeitigen Situation ist es übrigens völlig unwichtig, ob die typisch männlichen oder weiblichen Verhaltensweisen ansozialisiert oder angeboren sind. Diese Frage wäre höchstens dann von Bedeutung, wenn es um die Utopie, d. h. die Überwindung ungleicher Verhältnisse geht. Doch selbst dann ist diese Diskussion nur bedingt wichtig. Denn wann ich eine nicht-patriarchale Utopie definiere als Möglichkeit zur Wiederaneignung verlorener Fähigkeiten und als Weiterentwicklung der im Menschen angelegten Möglichkeiten, dann wird die Frage nach der Angeborenheit bestimmter Verhaltensmuster auch dabei zweitrangig. Doch die Frage nach der Utopie stellt sich sowieso erst im zweiten Abschnitt der Diskussion, denn über die Überwindung von Herrschaftsverhältnissen läßt sich erst dann reden, wenn klar ist, worin sie bestehen, wie sie funktionieren und wo sie sichtbar und angreifbar werden. Diesem ersten Schritt ist dieses Papier gewidmet.</p>
<p><strong>Das &#8220;Patriarchat&#8221;</strong></p>
<p>Das Patriarchat, also die Herrschaft des Mannes über die Frau und die gesellschaftliche Höherbewertung der als &#8220;männlich&#8221; angesehenen Eigenschaften manifestiert sich, wie alle Herrschaftsverhältnisse, auf drei Ebenen:</p>
<p>a) die institutionelle: Staat, Wirtschaft, Justiz usw. Dabei geht es im die traditionelle Besetzung der Führungspositionen durch Männer und um die Struktur der Herrschaftsinstrumente, die eben auch von männlichem Denken erdacht und in Wirklichkeit umgesetzt wurde. Dazu gehört auch die Stellung der Frau in der Gesetzgebung, ihre Ausbeutung als minderbezahlte Arbeitskraft in &#8220;frauenspezifischen&#8221; Berufen usw.</p>
<p>b) die soziale oder gesellschaftliche Ebene: damit meine ich Männer- und Frauenverhalten allgemein, gesellschaftliche Wertvorstellungen, die direkte soziale Kontrolle durch Erziehungsmuster und Rollenerwartungen und die indirekte, die durch verinnerlichte Mechanismen in unseren Köpfen funktioniert. Diese Dinge bezeichne ich als sozial, weil wir alle ausnahmslos davon betroffen sind, weil sich keine/r von uns dieser gesellschaftlichen Konditionierung entziehen kann und konnte.</p>
<p>c) die &#8220;private&#8221; Ebene: Beziehungen, Kleingruppen, individuelles Verhalten. Hier handelt es sich um die subjektiven Erfahrungen und die (meist individuelle) Verarbeitung derselben.</p>
<p>Diese Aufteilung ist weniger hilfreich bei der Analyse der bestehenden Machtverhältnisse, denn in der Praxis ergänzen sich die Herrschaftsmechanismen auf den verschiedenen Ebenen. Ich führe sie hauptsächlich an, weil sie bei der Diskussion um Lösungsstrategien von Bedeutung sind: meine persönliche Einflußsphäre erstreckt sich auf die unteren beiden Ebenen, während politische Organisationen und Bewegungen sich auch auf der institutionellen Ebene mit der~ Machtträgerlnnen auseinandersetzen müssen. Z. Z. besteht eine Tendenz innerhalb der gemischten Gruppen, in denen ich arbeite, Lösungsansätze auf der untersten, der persönlichen oder Gruppenebene zu suchen, weil dies so lange außen vor geblieben ist und vor allen Dingen auch vielversprechender ist. Ich denke aber, daß bei der Analyse patriarchaler Herrschaftsverhältnisse klar wird, daß die Überwindung auf allen drei Ebenen gleichzeitig erfolgen muß.</p>
<p><strong>Feminismus &#8211; was ist das?</strong></p>
<p>Im Gegensatz zu den von Männern entwickelten politischen Analysen und allgemeinen Forschungsansätzen sind diese drei Aspekte in fast allen mir bekannten Schriften der Frauenforschung enthalten, findet hier keine Abstraktion statt, die für die betroffenen Frauen nicht mehr nachvollziehbar wäre. Die Loslösung von Forschung und Theorie vom realen Alltag und die Ausklammerung der gesellschaftlichen Folgen dieser Abstraktion ist auch einer der Hauptkritikpunkte von FeministInnen an der herkömmlichen, männerdominierten Wissenschaft. Die Ansätze von Frauen zu einer eigenen Analyse von Gesellschaft und Herrschaft gehören für mich zum Interessantesten, was in den letzten Jahren geschrieben wurde. Trotz aller Behinderungen struktureller und sozialer Art (kein Geld, keine Stellen an den Unis, politische Angriffe auf autonome Frauenprojekte, Kriminalisierung, Diffamierung der Frauenforschung als &#8220;unwissenschaftlich&#8221;) ist von Frauen auf vielen Gebieten einiges geleistet worden. So gibt es mittlerweile Untersuchungen über Frauenverhalten in Diskussionen, Männergewalt, zur Städteplanung. Es gibt eine ausführliche Kritik am marxistischen Arbeitsbegriff, Untersuchungen über weibliche Sozialisation, eine feministische Sprach- und Wissenschaftskritik usw. usf. Ich schreibe dies hier hauptsächlich, um den Herren Genossen die Dimension ihres Nicht-Wissens vor Augen zu führen.</p>
<p><strong>Zur bisherigen Diskussion in der &#8220;radikalen Linken&#8221;</strong></p>
<p>Es gibt ja immer noch Frauen, die, ausgehend von einer gemeinsamen Utopie von Männern und Frauen, sich verzweifelt bemühen, den Herren Genossen die Bedeutung der Patriarchatskritik für die politische Arbeit zu vermitteln. Dahinter steckt natürlich auch die Motivation, die existierenden Gruppen, Organisationen und Arbeitsfelder nicht einfach den Männern zu überlassen. Und natürlich der persönliche Aspekt, daß frau mit diesen Männern ja auch privat zu tun hat und es eben da ohne eine Veränderung beim männlichen Geschlecht auch schwer erträglich wird.</p>
<p>Jetzt laufen verdammt viele dieser Diskussionen aber nach dem leidigen Muster ab: Frau fordert, Mann weicht aus. Zieht sich auf Plattheiten zurück oder geht zum Gegenangriff über, stürzt sich auf nicht ausgereifte Gedanken oder ungewohnte Begriffe. Ganz offensichtlich gibt es eine tiefgehende Aversion, eine Heidenangst bei Männern vor der Auseinandersetzung mit dem Thema Patriarchat. Ist auch irgendwo logisch, denn eine wirkliche Beschäftigung damit würde das Infragestellen von</p>
<p>a) der bisher gemachten Politik und b) der persönlichen Verhaltensweisen erfordern.</p>
<p>In Anbetracht der Tatsache, daß viele von uns Politik als eine Art Beschäftigungstherapie betreiben, um sich eben nicht unbequeme und angsteinflößende Gedanken über die Gestaltung des eigenen Lebens machen zu müssen, ist diese Vorstellung für viele halt ein Horror. Dazu kommt noch die Gefährdung des Einflusses in der Gruppe/Organisation und die Verunsicherung durch diffuse Ansprüche, die die gewohnten Abwehrmechanismen nicht mehr zulassen. Denn natürlich holen wir uns, bei allem Idealismus, mit dem wir Politik machen, auch immer eine gehörige Portion Anerkennung, eine Art sozialen Status in der Gruppe oder Bewegung.</p>
<p>So ganz uneigennützig ist unser Engagement ja wirklich nicht. Dazu kommt noch der gerade unter AnarchistInnen so beliebte moralische Zeigefinger und eine Art Prinzipienreiterei, die ein offenes Eingeständnis von Fragen, schwächen usw. unmöglich machen. Das steht für mich in einem direkten Zusammenhang mit unserem schwierigen Utopieverständnis: wir halten uns nur an einigen wenigen Prinzipien und Vorstellungen fest und nicht an einem ausgefeilten Programm. Das ist zwar eigentlich richtig, führt aber oft dazu, daß unser moralischer Imperativ ein Verständnis für die Wirklichkeit gerade in ungewohnten Situationen verhindert.</p>
<p>Wie wäre es mit einem neuen Prinzip:Denken ohne Scheuklappen oder so ähnlich? Leider wirkt sich unsere Art zu diskutieren auf die Patriarchatsdiskussion ganz besonders aus. Die Forderung nach eigenständigem Denken, die von Frauen an die Männer gestellt wird, wird schnell mißverstanden als moralischer Druck, sich auf eine bestimmte Art und Weise, &#8220;opportun&#8221;, zu verhalten und führt letztendlich wieder zur Flucht zurück ins Mackersein. Ich bin zwar auch nicht mehr bereit, bestimmte Sprüche und Verhaltensweisen in Gruppen zu akzeptieren, aber die eigentliche Auseinandersetzung um Feminismus und Patriarchat kann nur in einer repressionsfreien Atmosphäre geführt werden. Vielleicht geht das bei diesem Thema prinzipiell besser in nicht-gemischten Gruppen. Soviel zur persönlichen &#8220;Gefährdung&#8217;, jetzt zur Infragestellung der althergebrachten Politik.</p>
<p>Das Streetfightertum wurde von Frauen ja bereits ausführlichkritisiert, das Räuber- und Gendarmspiel ebenfalls. Doch die Kritik läßt sich leicht ausweiten auf sämtliche Männer-Idole der radikalen Linken, von Che bis Durruti. Gerade bei AnarchistInnen stehen Wagemut, eine Art von Einzelkämpfertum mit kollektivem Anspruch, die Waffe als Symbol der Macht und andere &#8220;typisch männliche&#8221; Heldenvorstellungen hoch im Kurs. Die geschichtliche Identifikation bezieht sich auch ausschließlich auf Männer, denn von den Frauen in der anarchistischen Bewegung ist uns kaum etwas erhalten geblieben. Und keiner dieser Männer hat Nennenswertes zum Geschlechterkonflikt geschrieben, obwohl es zu ihren Zeiten aktive Frauen gab, zum Teil in ihrem direkten Umfeld.</p>
<p>Die wenigen Anekdoten, die über ihr Privatleben erhalten sind (fast immer überliefert durch die Frauen) sind wenig schmeichelhaft, Zeugnisse typischen Mackertums. Bsp: Most, Kropotkin, Proudhon, Mühsam. Hinterfragenswert fände ich auch das Rebellenbild im Anarchismus. Wie sehr beeinflußt ist es durch die Idee vom &#8220;Herrn im eigenen Haus&#8221;-Seins, des &#8220;Herr der Lage&#8221;-Seins? Hat die Ablehnung fremder Herrschaft einen direkten Zusammenhang mit der Erfahrung einer eigenen Herrschaftssphäre das Mannes innerhalb eines überschaubaren Umfeldes? Ist die &#8220;Geschlechterfrage&#8221; also bedeutungslos im Hinblick auf Gesellschaftsanalyse und Utopie?</p>
<p>In der anarchistischen Bewegung wurde und wird ständig diskutiert, wen wir mit unseren Aktionen ansprechen wollen, welche Schwerpunkte wir in unserer Arbeit setzen, welche Kampagnen gemacht werden sollen. Klar ist dabei dann auch mehr oder weniger, daß wir an der Betroffenheit der Menschen ansetzen müssen, seien es nun wir selbst oder irgendeine Zielgruppe. Und oft genug geraten wir dabei auf das Glatteis der gesellschaftlich vorgegebenen Funktionsaufteilung: mal sind es ArbeiterInnen, KonsumentInnen, Jobberlnnen, StudentInnen usw. Auch wir zerlegen die Menschen damit in die Funktionen, die sie für das Kapital haben und setzen dann noch oft an dem Klischeebild von Alltag an, das nur noch für eine Gruppe von hauptsächlich Männern überhaupt gültig ist (siehe 35-Stunden-Woche, Flexibilisierung usw.). Wir suchen Massen, wo nur noch kleinere Gruppen isolierter Individuen vorhanden sind, sind aufgrund unseres Denkens unfähig, die wirklichen Gemeinsamkeiten herauszufiltern.</p>
<p>Die Ursache dafür sehe ich in den Überbleibseln materialistisch-marxistischer, d.h. männlicher Denkweisen in unserer Theorie. Danach verfügen bestimmte gesellschaftliche Gruppen potentiell über Macht und müssen deshalb von uns agitiert werden. Jegliche Einwände (z. B. unbezahlte Arbeit, Verlagerung von Arbeit aus den Produktionsbetrieben, vor allem aber das subjektive Bedürfnis von Menschen, nicht mehr auf Funktionen reduziert zu werden) werden von den Vertretern dieser Richtung vom Tisch gewischt. Sie interessieren nicht die Menschen, sondern ihre vermeintliche gesellschaftliche Sprengkraft. Dies gilt auch für unsere allgemeinen Themen wie Umwelt, Frieden oder Antifa. Auch hier das Schielen nach gesellschaftlichem Einfluß, der sich offenbar in Quantitäten ausdrückt und nicht in radikaler Kritik und möglichst phantasievollem Aktionen, die die Andersartigkeit anarchistischen Denkens vermitteln. In den jeweiligem Analysen fehlt dazu noch die besondere Bedeutung von patriarchalem Denken, männlicher Technikbesessenheit und Männergewalt ohne die bestimmte kapitalistische oder gesellschaftliche Phänomene aber gar nicht vollständig erklärbar sind (z.B. Faschismus).</p>
<p>Warum greife ich die größtenteils bekannten Kritikpunkte an der anarchistischen/anarchosyndikalistischen Bewegung noch mal auf? Ich bin der Meinung, daß der Anteil des &#8220;männlichen&#8221; Politikverständnisses an diesen Irrtümern noch lange nicht gründlich genug hinterfragt ist. Noch immer werden mir Flugblätter in die Hand gedrückt, die scheinbar Theorien und Analysen verbraten, die ich an keinem Punkt auf mein Leben beziehen kann, oft noch verfaßt in einer Sprache, in der kein vernünftiger Mensch privat reden würde.</p>
<p>Schlagwörter, undurchdachte Zusammenhänge, völlige Realitätsferne weisen doch darauf hin, daß hier einer Scheinwissenschaft gefolgt wird, die nicht an eigenen Erlebnissen überprüft wird. Auch ich als Frau habe mich oft genug darauf eingelassen, um in bestimmten Diskussionen mit den Männern mithalten zu können, um ihnen auf ihrer Ebene etwas entgegensetzen zu können. Ich sehe so aber kein Vorwärtskommen mehr, sondern nur noch das weitere Abdriften in die gesellschaftlichen Isolierung.</p>
<p>Analog zu den Forderungen von FeministInnen an die herkömmliche Wissenschaft wäre eine Überprüfung aller gängigen Befreiungs-, Faschismus- u. a. Theorien innerhalb der Linken fällig. Dabei muß die Rolle patriarchaler Unterdrückung von Männern und Frauen in geschichtlichen und aktuellen Herrschaftsformen analysiert werden. Außerdem sollte uns daran liegen, die subjektive Nachvollziehbarkeit abstrakter Überlegungen zu ermöglichen. Als Maßstab können dabei natürlich erst mal nur wir mit unseren Erfahrungen dienen, ein zugegebenermaßen etwas beschränkter Teil der Bevölkerung.</p>
<p>Aber zumindest würde dies einen Prozeß in Gang setzen, der weitere spannende Diskussionen ermöglicht. Denn durch das Überdenken der eigenen Sozialisation können wir hoffentlich eine Sensibilität entwickeln für das Funktionieren von Anpassungsprozessen und Machtmechanismen überhaupt und diese Erkenntnisse vielleicht sogar mal vermitteln.</p>
<p>Diesen Ansatz will ich jetzt an einem, von FAU-Frauen geführten Gespräch verdeutlichen:</p>
<p>Wir redeten über unser Verhältnis zur Arbeit und versuchten, weibliche Sozialisation und das Verhalten von Frauen am Arbeitsplatz zusammenzubringen. Wir stellten fest, daß Arbeit in unseren Vorstellungen immer nur eine Möglichkeit der Lebensgestaltung war und für die meisten von uns eine zumindest vorübergehende Abwesenheit aus dem Erwerbsleben durchaus vorstellbar ist. Die Perspektive &#8220;bis zur Rente&#8221; war für uns kaum vorstellbar, zumal die meisten von uns auch nur &#8220;Jobs&#8221; hatten, mit Arbeitsbedingungen, die auch kaum ein Leben lang aushaltbar waren und einem Verdienst, der halt eben gerade mal für eine Person ausreicht. Und fast alle von uns waren, trotz Emanzipation, in den typischen Frauenberufen tätig. Diese Situation prägt schon mal unsere Einstellung zu Widerstand am Arbeitsplatz überhaupt, er ist kaum zukunftsorientiert und vor allem sind die Bedingungen für Widerstand in einer solchen Arbeitssituation einfach schlecht. Wir Frauen leben seit jeher mit der &#8220;Flexibilisierung&#8221;, sind immer und ewig Lückenbüßer gewesen.</p>
<p>Generell feststellbar war auch eine mangelnde Konfliktbereitschaft bei Frauen, eine tiefsitzende Angst vor der fast immer männlichen Autorität im Betrieb. Alle sahen wir uns mit bestimmten Erwartungen an Aussehen und Verhalten konfrontiert, bei dem wir einer gewissen Vorstellung von Weiblichkeit Rechnung zu tragen hatten. Dazu kommt noch die sexuelle Komponente eines männlich-weiblichen utoritätsverhältnisses, also einerseits die Angst vor Belästigungen und das Hinnehmen derselben und andererseits das uns antrainierte &#8220;Gefallen wollen&#8221;. Soviel zu den Gemeinsamkeiten.</p>
<p>Die tatsächliche Situation der einzelnen Kolleginnen war dann extrem unterschiedlich, abhängig davon, ob sie Kinder hat oder nicht, ob sie alleinerziehend ist, wie weit sie ihr Mann unter Druck setzt usw. Dieser Fakt prägt unser Leben außerhalb der Arbeit weit mehr, als ähnliche Umstände das Leben eines Mannes bestimmen. Vor allem greifen die verschiedenen Lebensbereiche so ineinander über, daß ein rein auf die Arbeit fixierter Ansatz von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Ich kann von keiner Frau, die schon bei einem Fehlbetrag in der Kasse des Supermarkts von ihrem Mann verprügelt wird, erwarten, daß sie an einem Streik teilnimmt. Dies nur als besonders krasses Beispiel. Ich will darauf hinaus, daß Allgemeinlösungen und absolut gestellte Forderungen hier einfach nicht greifen, daß abstrakte Analysen über &#8220;Prekarisierung&#8221;, &#8220;Entgarantierung der Arbeit&#8221; usw. hier nur zweitrangig sind.</p>
<p>Wenn wir über Lösungen nachdenken, um unsere verschiedenen Bedürfnisse an unsere Alltagsgestaltung unter einen Hut zu bringen, dann ist sowieso eine radikalere Veränderung der Arbeitssituation erforderlich. Unser Problem ist, daß es Arbeitsplätze mit niedriger Stundenzahl und ausreichend Geld für nicht qualifizierte Frauen nicht gibt und die wenigen von uns, die über eine ausreichende Qualifikation verfügen, an gute Jobs nicht rankommen, weil sie von Männern besetzt sind.</p>
<p>&#8220;Sie könnten ja schwanger werden&#8221;. Auch die unter linken Frauen ausgeprägte Flucht in die Alternativbetriebe hat sich nicht als Lösung erwiesen. Wir sind uns bewußt, daß wir mit diesen Bedürfnissen leicht Manövriermasse des Kapitals bleiben, doch haben viele Frauen einfach keine andere Möglichkeit, als sich auf &#8220;entgarantierte&#8221; Arbeit einzulassen.</p>
<p>Ich hoffe, aus diesem Abschnitt geht hervor, wie &#8220;strukturelle Gewalt gegen Frauen&#8221;, individuelle Lebenssituation und soziale Konditionierung ineinander übergreifen. Ich gehe deshalb so intensiv auf diesen Punkt ein, weil er zeigt, daß weder die Schema F-Antworten der etablierten Gewerkschaften noch die betriebsorientierten Ansätze innerhalb der anarchistischen/anarchosyndikalistischen Bewegung die Dimension des Problems für uns Frauen erfassen. Lösungs- und Ansatzpunkte können nur vor Ort, in der jeweiligen Klitsche und oft auch nur in Zusammenarbeit mit den dort arbeitenden Frauengruppen gefunden werden, denn um offensiv am Arbeitsplatz auftreten zu können, müssen irgendwie auch die Zwänge außerhalb der Arbeit angegangen werden. Die Solidarität muß sich auch auf den sogenannten &#8220;Reproduktionsbereich&#8221; erstrecken.</p>
<p><strong>Der Alltag der &#8220;Scene&#8221;</strong></p>
<p>Ich möchte nun noch einiges zu den gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen des Patriarchats schreiben, vor allen Dingen zu den für mich bis jetzt sichtbaren unmittelbaren Schritten zur Veränderung.</p>
<p>Was ich von den Männern in der Bewegung erwarte, sind selbständige Überlegungen zu folgenden Punkten:</p>
<p>Einmal die oben bereits erwähnte Überprüfung von Theorie, Geschichte und Praxis der anarchistischen Bewegung. Dann eine absolut notwendige Beschäftigung mit der eigenen Sozialisation als Mann, darin vor allem die Rolle der Sexualität und des Frauenbildes. Abgeleitet davon stellt sich die Frage nach einer nicht-patriarcbalen Utopie, der Wiederaneignung verlorener Fähigkeiten. Ebenso wichtig ist das Bewußtmachen emotionaler Reaktionen, die scheinbar der Erfassung mit dem Verstand entzogen sind und die zu repressiven Verhaltensweisen in Gruppen und in Beziehungen führen.</p>
<p><strong>Frauen- und Männerbild</strong></p>
<p>Von der Frauenseite aus ist es wohl notwendig, daß wir unsere Erwartungen an die Männer, also die Dinge, die sie für uns &#8220;interessant&#8221; machen, auch mal überprüfen. Die Hierarchien in der Scene existieren z. T. deshalb, weil auch heute noch die Männer, die sich in Gruppen am besten darstellen können. für uns eine gewisse Faszination besitzen. Auch wir schätzen das Reden-können immer noch höher ein als das Zuhören-können. In der Hoffnung, zum weichen Kern vordringen zu können, arbeiten wir uns an den harten Mauern ab, versuchen, zu verändern und zu erziehen, anstatt Männer mit ausgeprägt männlichen Verhaltensweisen wirklich mal auflaufen zu lassen.</p>
<p>Das gleiche gilt für das Frauenbild der Männer. Von uns wird auch innerhalb der Bewegung eine gewisse Weiblichkeit erwartet. Früher wurden solche Ansprüche mit Begriffen wie &#8220;Anmut&#8221;, &#8220;Grazie&#8221;, &#8220;Einfühlsamkeit&#8221; usw. bezeichnet, Begriffen, die nur mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Diese Erwartungen haben osich verändert, ja, aber es sind einfach nur neue hinzugekommen. Heute müssen wir zusätzlich noch redegewandt, selbständig, intelligent etc. sein, damit die Frau wieder als Schmuckstück dienen kann. Dieses neue Frauenbild wird den &#8220;Emanzen&#8221; gerade von traditioneller lebenden Frauen vorgeworfen, da sie das Gefühl haben, den neuen Ansprüchen der Männer nicht mehr zu genügen. Und wir überfordern uns oft selbst und merken nicht einmal, daß wir es den Männern nur bequemer machen mit unserer &#8220;Selbständigkeit&#8221;.</p>
<p>Denn die ist &#8220;in&#8221; beim &#8220;linken&#8221; Mann. Aber bitte nicht zuviel davon &#8211; jede Überschreitung der vorn Mann vorgegebenen Norm (= er selbst) wirkt peinlich, unpassend, macht den Männern Angst. Überlegenheit wird den Frauen höchstens auf den traditionellen Frauengebieten zugestanden, auf den anderen Gebieten reagieren Männer mit Konkurrenz. Nur allzuwenige sind in der Lage, bestimmte Aussagen etc. anzunehmen ohne sich unterlegen zu fühlen. Eine typische Form der Ignoranz ist die Weigerung, gerade in Beziehungen, sich mit den Themen, Büchern etc. zu beschäftigen, die Frau wichtig findet, ein solches Interesse aber umgekehrt erwartet wird.</p>
<p>Woher ich diese Thesen nehme? Aus Beobachtungen. Eine Kritik aus Frauensicht wird zu oft mit Redeschwällen beantwortet, die zu zwei Dritteln am Thema vorbeigehen. Mackerhaftes Auftreten von Frauen provoziert heftigere Ablehnung auf Seiten der Männer als ein solches Verhalten aus den eigenen Reihen. Und dann die berühmte non-verbale Kommunikation. Mit einem charmanten Lächeln lassen sich Dinge als Frau in einer Gruppe viel besser durchsetzen. Was bei Männern noch als entschiedenes Auftreten durchgeht, wirkt bei Frauen aggressiv.</p>
<p>Die Einzelheiten dieses vorherrschende Frauen/Männerbildes und der damit verbundenen Schönheitsideale und Gefühlskonditionierung sind mir aber auch erst durch die feministische Literaturkritik bewußt geworden. Erst durch das Herausarbeiten der Frauenklischees in der Literatur wurde mir klar, mit welchen Rollen ich mich mein Leben lang identifiziert hatte. Dabei ist die Bedeutung der anderen Medien, vor allem da. Fernsehen, noch lange nicht berücksichtigt. Über die verschiedenen Rollen und Zwänge, die die Kunst für Männer bereit hält, habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht, ich weiß nur von Müttern, daß die Rollenklischees in den Medien einer eschlechtsunspezifischen Erziehung sehr im Wege stehen.</p>
<p><strong>Und die Auswirkungen</strong></p>
<p>Ich werde als Frau in der Scene/Organisation/Beziehung noch einmal mit den Erwartungen und Verhaltensweisen konfrontiert, gegen die ich mich oft im normalem Alltag, in dem alles noch etwas direkter auftritt, schon dauernd wehren muß. Aus den wenigen, weitgehend gleichberechtigten Erfahrungen mit Frauen und auch ein paar Männern, die sich ihre Sensibilität bewahrt hatten, weiß ich, wie wichtig ein halbwegs streßfreier Raum ist, eine Möglichkeit des Nachdenkens, Genießen und Gehenlassens. Durch diese Erfahrungen wird mir aber auch immer wieder klar, wie repressiv und leistungsorientiert die Stimmung in den Politgruppen ist.</p>
<p>Frauen reagieren wesentlich stärker auf die versteckten Zeichen von Sympathie oder Antipathie, von Ernstgenommen oder Ignoriertwerden. Dafür gibt es verschiedene Gründe: einmal die Scheu vor direkten körperlichen Berührungen und offensivem Zugehen auf Männer, das schnell unangenehm wird und von dem uns von klein auf abgeraten wird. Dann die uns antrainierte Zurückhaltung, das Bitten statt Fordern. Mädchen wird beigebracht, daß sie irgendwie zu &#8220;sein&#8221; haben, während Jungen etwas &#8220;leisten&#8221;, etwas darstellen müssen. Hier verändern sich die Ansprüche zwar auch, aber die subtile Erwartungshaltung hat unsere Kindheit entscheidend geprägt. So entwickelten wir sehr früh &#8220;Antennen&#8221; für nicht direkt vermittelte Gefühle bei anderen. Sehr wichtig finde ich auch, daß den meisten Frauen das Gefühl einer Souveränität über den eigenen Alltag völlig fehlt (siehe vorne das Bild vom &#8220;Herrn im eigenen Hause&#8221;). Das Recht auf individuelle Revolte, auf das Durchsetzen des eigenen Kopfes wird Mädchen stärker abgesprochen als Jungen. Es gibt für sie kaum einen Bereich, wo sie zumindest theoretisch &#8220;das Sagen haben&#8221;, jedenfalls nicht als positiv besetztes Bild. Herrschaft erleben Frauen also immer aus der Perspektive der Unterdrückten und entwickeln entsprechende Verhaltensmechanismen. Das Ausmaß dürfte bei allen Frauen unterschiedlich sein, aber prinzipiell wirkt die geschlechtsspezifische Erziehung bei uns allen.</p>
<p>Die Lustfeindlichkeit, Unsicherheit, repressive Atmosphäre auf Treffen wird von Frauen eher empfunden als bewußt registriert. Der Grund für das Unbehagen muß dann erst mühsam in Gesprächen außerhalb der Gruppe ermittelt werden, ist also in der direkten Situation nicht vermittelbar. Dazu kommen die direkten Ausdrücke von Desinteresse: Endlos-Monologe in Unterhaltungen zeugen von Desinteresse an der Meinung anderer, Unterstellungen und Fehl-Interpretationen sind, wenn sie nicht taktische oder rhetorische Mittel sind, Ausdruck von Nicht-Zuhören. Dieses Verhalten ist nicht ausschließlich auf Männer begrenzt, sie bringen es aber wesentlich häufiger und vor allem auch in privatem Gesprächen, in denen ich es von Frauen nicht kenne.</p>
<p><strong>Beziehungen, Sexualität</strong></p>
<p>Kommen wir also nun zum Verhalten der Scene-Macker in Beziehungen und im Bereich Sexualität. An diesem Punkt haben die wenigsten etwas begriffen, für zuviele ist nicht-orgasmusfixierte Zärtlichkeit kaum vorstellbar, Sinnlichkeit ein absolutes Fremdwort. Da wird immer noch an den Bedürfnissen der Frau vorbeigevögelt, ist Sexualität Technik und nicht Lusterfahrung. Es gibt dazu einen hervorragenden Artikel einer Frau, erschienen vor Jahren in der &#8220;Großen Freiheit&#8221;, dem auch heute noch nichts hinzuzufügen ist (Titel: No more heroes oder wo bleibt die Revolution im Bett?).</p>
<p>Die Reaktionen von Frauen auf den Artikel machten mir klar, daß diese scheinbar so persönlichem Erfahrungen allgemein, d.h. sozial sind. Um jetzt Konsequenzen für die politische Ebene und die Utopie zu ziehen, müßten noch Psychoanalyse, Kultur- und Religionskritik usw. miteinfließen. Wäre interessant, würde aber leider zu weit führen.</p>
<p>Auch im stinknormalen Alltag ist von einem Einbeziehen der Frau in die eigenen Handlungen, das erst ein gleichberechtigtes Miteinander ermöglicht, wenig zu spüren. Ob der Mann nun vorneweg läuft und die Frau hinterherdackeln muß oder an anderen Punkten einfach sein Ding durchzieht und die Frau sich eben anpaßt oder zwangsweise dagegen powert, der Versuch einer wirklichen Gemeinsamkeit wird kaum unternommen. Das Ganze wird dann noch mit dem Anspruch auf Freiheit gerechtfertigt, als sei Freiheit etwas, das immer gegen andere durchgesetzt werden muß und nicht etwas, das nur gemeinsam und gleichberechtigt mit anderen geschaffen werden kann. Aber bevor ich mich jetzt zu sehr in die Details verliere, kehre ich lieber wieder zum Ausgangspunkt zurück.</p>
<p>Vor allem durch Gespräche mit Frauen ist mir klar geworden, daß viele Verhaltensweisen, die ich für privat bzw. persönlich hielt, eigentlich soziale Phänomene sind, denn sie treten massenhaft auf. Den meisten Männern fehlt diese Erkenntnis, denn sie setzen sich seltenst mit anderen Männern darüber auseinander. Aus der Erkenntnis der gesellschaftlichen Dimension scheinbar privater Probleme lassen sich aber die Mechanismen ableiten, mit denen Herrschaft aufrechterhalten wird. Unter Hinzuziehung der äußeren Gegebenheiten beginne ich, die strukturellen Mechanismen von Herrschaft zu begreifen und kann Ansatzpunkte für Widerstand suchen. Gleichzeitig erkenne ich die Begrenztheit einer Veränderung auf einer rein persönlichen Ebene. Ich wünsche mir, daß dieser Zusammenhang in der Patriarchatsdiskussion von den Männern begriffen wird, damit Gespräche darüber überhaupt möglich werden.</p>
<p><em><strong>Dani, FAU-Frankfurt</strong></em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.fau.org/texte/anarcho-syndikalismus/art_040112-172445" target="_blank">http://www.fau.org/texte/anarcho-syndikalismus/art_040112-172445</a></em></p>
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		<title>FAUD an die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 12:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-245"></span>Artikel übernommen von <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></p>
<p><em>Geschäftskommission der Freien Arbeiter- Union Deutschlands (Syndikalisten)<br />
Berlin, den 11. Januar 1921</em></p>
<p><strong>An die Zentrale der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands,</strong><br />
Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:</p>
<p>„Die Syndikalisten stehen auf dem Boden der direkten Aktion und unterstützen alle Bestrebungen und Kämpfe des Volkes, die mit ihren Zielen – die Abschaffung der Wirtschaftsmonopole und der Gewaltherrschaft des Staates – nicht im Widerspruch stehen. Ihre Aufgabe ist es, die Massen geistig zu erziehen und in dem wirtschaftlichen Kampforganisationen zu vereinigen, um dieselbe durch die direkte wirtschaftliche Aktion, die im sozialen Generalstreik ihren höchsten Ausbruch findet, der Befreiung vom Joche der Lohnsklaverei und des modernen Klassenstaates entgegen zu führen.&#8221;</p>
<p>Die Syndikalisten werden als ehrliche Revolutionäre stets im Sinne dieser Entschließung handeln, wie auch bisher alle revolutionären Aktionen tatkräftig von ihnen unterstützt worden sind. Obgleich die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) eine Reihe von Punkten der vorgeschlagenen Grundlage als unzulänglich und ungeeignet zur Erreichung eines Erfolges betrachtet, ist dieselbe doch bereit, den Mitgliedern der FAUD die Unterstützung der gemeinsamen Aktion zu empfehlen, ohne Rücksicht darauf, dass die schon zweimal von ihr vorgeschlagenen Aktionen (Vorbereitung eines Generalstreiks zur Abwehr der Gegenrevolution – Dezember 1919 – Aktion zur Verhinderung von Waffen- und Munitionslieferung an Polen April 1920 -) weder von der Zentrale der KPD noch von anderen Organisationen Unterstützung gefunden haben.</p>
<p>Notwendig ist aber, dass zuvor eine Aussprache aller beteiligten Organisationen stattfindet, in welcher die einheitlichen Forderungen und die taktischen Massnahmen festgestellt werden. Vor allem muss die Geschäftskommission der FAUD verlangen, dass als zunächst wichtigste Kampfziele die Durchführung des Sechsstundentages für alle Arbeitenden und Abschaffung der Accordarbeit aufgestellt werden, da nur hierdurch den Arbeitslosen geholfen werden kann, und weil dadurch gleichzeitig eine Reiche von Forderungen ohne Weiteres am einfachsten verwirklicht wären. Eine zweite prinzipielle Forderung ist die Aufstellung der Parole, von jetzt ab keinerlei Waffen und Munition mehr anzufertigen, da nur so eine Entwaffnung der Reaktion möglich ist. Alle Betriebe, die Waffen, Munition oder irgendwelche Heeressachen herstellen, sind sofort auf landwirtschaftliche Geräte umzustellen.<br />
Vorausgesetzt für die gemeinsame Aktion wäre ferner, dass alle Beteiligten Organisationen als gleichberechtigte Faktoren bei der Aktion mitwirken, da wir Syndikalisten selbstredend nach wie vor jede Unterordnung unter irgend eine politische Partei und jede Diktatur prinzipiell ablehnen.</p>
<p class="vspace"><em>Gez.: Karl Haffner, G. Wiesener</em></p>
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		<title>Geschichte der Freien Arbeiter-Union Deutschlands &#8211; FAUD</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 11:57:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-242"></span>Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.</p>
<p>In Abgrenzung zur SPD wie zur KPD wandten sich diese enttäuschten Arbeiter einem eigenständigen Strang der Arbeiterbewegung zu, dessen Wurzeln in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen: Dem Anarchosyndikalismus.</p>
<p>Dieser Ansatz, &#8211; an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in der französischen CGT, der spanischen CNT und der amerikanischen IWW entwickelt &#8211; stand für eine autonome, selbstorganisierte Gewerkschaftsbewegung, die den Satz, daß die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse, beim Wort nahm.</p>
<p>Sie organisierten sich von unten nach oben, lehnten politische Eliten und große Funktionärsapparate ab und setzten auf die direkte Aktion als Methode. Ihre Hoffnung war es, durch einen sozialen Generalstreik den Kapitalismus und den Staat abzuschaffen und die Gesellschaft auf Basis einer gewerkschaftlichen Selbstverwaltung neu zu organisieren.</p>
<p>In Deutschland gründete sich 1919 die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). In ihrem Zenit 1921 waren 150 000 Arbeiter in ihr organisiert. Sie verstand sich sowohl als ökonomische Kampforganisation wie als radikale Kulturbewegung.</p>
<p>Besonders in der großbetrieblichen Arbeiterschaft des Rheinlands konnte die FAUD eine bedeutende Rolle spielen. Ein Indiz dafür, daß die deutschen Anarchosyndikalisten zumindest punktuell eine Bedeutung innehatten, mag auch die Tatsache sein, daß die Rote Ruhr Armee nach heutigen Schätzungen zu 45 % aus Mitgliedern der FAUD bestand.</p>
<p>Allerdings konnte die FAUD sich als kleine sozial-revolutionäre Gewerkschaft nicht behaupten. Bedingt durch externe Faktoren, aber auch durch interne Konflikte sank ihre Mitgliedschaft auf wenige Tausend bis zum Ende der Weimarer Republik. Nur noch in wenigen Berufsgruppen konnte sie zumindest regional noch als Gewerkschaft Einfluß ausüben, wie etwa bei den Fliesenlegern und Klavierbauern.</p>
<p>War die FAUD auch im Laufe der zwanziger Jahre auf einen Kern bewußter Aktivisten, die die Idee eines freiheitlichen Sozialismus mit ihrer gesamten Persönlichkeit verkörperten , zusammengeschrumpft, so entwickelte sie dennoch rege gegenkulturelle Aktivitäten. In ihrem Umfeld wurden Siedlungsexperimente, Genossenschaftsprojekte, Frauenbünde, freie Kindergruppen und freie Schulen initiiert, in der ihr nahestehenden ,Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&#8221; wurden Schriften u.a. über die Freie Liebe, Sexualaufklärung, revolutionäre Dichtung und den Antimilitarismus publiziert. Zudem konnten die Anarchosyndikalisten einen nicht unerheblichen Einfluß auf organisationsübergreifende Verbände der Arbeiterbewegung wie etwa der Freidenkerbewegung ausüben.</p>
<p>Dem herannahenden Faschismus begegnete die FAUD mit der Hoffnung auf eine entschiedene Einheit der Arbeiterschaft von unten. Den Anarchosyndikalisten war bewußt, daß Hitler nicht mit dem Stimmzettel aufzuhalten war. Vergeblich riefen sie zum Generalstreik gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten auf.</p>
<p>Am 9. März 1933 wurden schließlich die Räume der Geschäftskommission der FAUD in der Warschauer Straße 62, Berlin-Friedrichshain, von der Gestapo gestürmt.</p>
<p>Einige Hundert Mitglieder der FAUD gingen in den Widerstand und versuchten die Organisation illegal am Leben zu erhalten.</p>
<p>Im Jahr 1937 gelang es allerdings der Gestapo mehrere hundert Mitglieder der illegalen FAUD festzunehmen. Viele kamen ins KZ. In einem Lagebericht der Gestapo heißt es: &#8220;Bei den Festgenommenen handelt es sich samt und sonders um überzeugte Anhänger der anarcho-syndikalistischen Bewegung, die in ihren Ideen derart verrannt sind, daß sie kaum noch zu brauchbaren Mitgliedern der deutschen Volksgemeinschaft erzogen werden können.&#8221;</p>
<p>Einige waren bereits vorher ins Ausland emigriert, unterstützten den Widerstand von dort aus oder schlossen sich den antifaschistischen Milizen in Spanien an, um dort gegen Franco zu kämpfen.</p>
<p>Ging der Widerstand gegen Hitler vereinzelt noch weiter, so war dies doch das vorläufige Ende der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland. Versuche nach dem Krieg die Bewegung in einer Föderation Freiheitlicher Sozialisten wiederzubeleben, scheiterten nach wenigen Jahren. Die Überlebenden gingen getrennte Wege. Einige schlossen sich der SPD und den neuen Gewerkschaften an, andere sahen in der DDR ein neues Deutschland oder blieben im Ausland.</p>
<p>Erst 1977 wurde in der BRD eine Nachfolgeorganisation, die Freie ArbeiterInnen Union?, gegründet und erst in den letzten Jahren ist ein leichter Aufärtstrend der FAU zu beobachten &#8211; sowohl qualitativ wie quantitativ.</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.anarchismus.de/" target="_blank">http://www.anarchismus.de/</a></em></p>
<div style="clear:both"></div>]]></content:encoded>
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		<title>Anarchismus in Deutschland 1945-1960</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 15:21:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer weiss heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-194"></span><em>Buchbesprechung: Hans Jürgen Degen: „ Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten. Verlag Klemm &amp; Oelschläger. 20 Euro, ISBN 3-932577-37-X</em></p>
<p>Wer weiss heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen. Auf 440 Seiten legt er die Entwicklungsgeschichte der „Föderation Freiheitlicher Sozialisten“ (FFS) dar, die in der Kontinuität der durch die Nationalsozialisten verbotenen und zerschlagenen „Freien Arbeiter Union Deutschlands“ (FAUD) steht.</p>
<p>Sinnvoll aufgeteilt in 18 Kapitel nimmt er sich der FFS und &#8211; in geringerem Umfang &#8211; anderer anarchistischer und anarcho-syndikalistischer Gruppen an, beschreibt die Schwerpunkte der Arbeit, die „ideologischen“ Grundlagen und das Verhältnis zwischen den verschiedenen libertären Gruppen. Er zeigt die internationale Solidarität für die deutsche libertäre Bewegung, beschreibt die Arbeit der FFS-GenossInnen in „Fremdorganisationen“ wie Parteien und Gewerkschaften und analysiert, weshalb die FFS – trotz Verlag, Zeitschrift und Jugendorganisation &#8211; nie zu einem Masseneinfluss gelangte und schließlich scheiterte. In vier Exkursen nimmt er sich noch einmal spezieller Themenstellungen an. Zweimal mit Bezug auf den – auch nach 1945 – in Deutschland einflussreichen anarcho-syndikalistischen Theoretiker Rudolf Rocker, der sich zum Revisionisten entwickelte und zum dritten mit einer viel Beachtung verdienenden Abhandlung zur Situation der AnarchosyndikalistInnen und Libertären in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR. Den vierten Exkurs bildet ein Beitrag zum österreichischen Anarchisten Peter Brandt, seiner Broschüre „Wege zur Freiheit“ und dessen Analysen der Situation in Nachkriegsdeutschland, die ebenfalls viel kritische Beachtung verdienen.</p>
<p>Degen hat über viele Jahre eine Menge an Informationen zusammentragen können. Dabei zitiert er für „Anarchismus in Deutschland“ maßgeblich aus dem Schriftverkehr zwischen den GenossInnen und aus offiziellen Verlautbarungen, z.B. in Zeitschriften und internen Rundschreiben. An einigen Stellen revidiert Degen so die Aussagen von Günter Bartsch, der seit den 70er Jahren immer wieder auch über den Nachkriegsanarchismus und die FFS schrieb.</p>
<p><strong>Die Situation in Nachkriegsdeutschland und die Gründung der FFS</strong></p>
<p>Degen beschreibt die Situation in Nachkriegsdeutschland nachdrücklich. Er lässt die GenossInnen zu Wort kommen, die schon kurz nach dem Ende des Krieges die Kontinuität der Wirtschaftsbosse und Altnazis an der Macht scharf analysierten. Und er beschreibt die Lebensrealität der arbeitenden Klasse: Zerbombte Städte, Hunger, Obdachlosigkeit, geflohene und vertriebene Menschen, Erwerbslosigkeit.</p>
<p>„Dem weitverbreiteten apathisch-resignativen Element in der Nachkriegsgesellschaft verfielen auch die meisten Anarchisten/Anarchosyndikalisten: Sie entzogen sich nicht den Bedürfnissen nach „Ruhe“, „Sehnsucht nach Wohlstand“, gesellschaftlicher „Anerkennung“ – was nicht implizierte, damit auch gleichzeitig den Wunsch nach „Veränderung“ aufzugeben. Dieses psychische Dilemma hinter sich zu lassen, gelang nur einem Bruchteil von ihnen. Eine Reorganisation des deutschen Anarchismus bedeutete in dieser Situation primär Selbstorganisation auf der Mikroebene: Keinerlei organisatorische Struktur hatte das 3.Reich überlebt&#8230;.Hinzu kam die durch KZ-Haft oft so stark angeschlagene Gesundheit, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von ihnen die Hungerjahre 1945– 1948 nicht überlebte.“ (S.34)</p>
<p>Unterstützung erhielten die deutschen Genossinnen und Genossen aus der internationalen anarcho-syndikalistischen Bewegung. U.a. auf Initiative des ehem. FAUD-Aktivisten und Spanienkämpfers Helmut Rüdiger (Schweden) und Rudolf Rocker (USA), organisierten vor allem die schwedische SAC und jüdische ArbeiterInnen in den USA Hilfslieferungen für über 200 deutsche GenossInnen. Hilfe kam ebenfalls von der „Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Sozialisten“ in Basel, der französischen FAF und einigen anderen anarchistischen Hilfskomitees, sowie der Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) – der anarcho-syndikalistischen Internationale. Diese berichtete seit 1945 über die Situation in Deutschland und rief zur Solidarität auf. Im Mai 1948 beschloss dann der 2.FFS-Kongress auf diese Hilfslieferungen zu verzichten um sie stattdessen den „spanischen Genossen“ zugute kommen zu lassen, die der Franco-Diktatur ausgesetzt waren.</p>
<p>1945 – das belegt Degen sehr anschaulich – entstanden die ersten anarcho-syndikalistischen Gruppen in Deutschland. Oftmals reine Diskussionszirkel versuchten sie mit Gleichgesinnten in anderen Städten und Regionen in Kontakt zu treten. Ein Großteil von ihnen wollte und konnte durch die gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr dort weitermachen, wo sie mit ihrer Arbeit 1933 durch die Nazis gezwungen wurden aufzuhören. Sie regten Diskussionen über die Neubestimmung libertärer und anarcho-syndikalistischer Positionen an, in denen der (europäische) Föderalismus und die freie Entfaltung der Persönlichkeit einen hohen Stellenwert besaßen. Ausgehend von Gretel und Alfred Leinau in Darmstadt kam es ab 1945 zu einer Reihe von Treffen, auf denen über die Gründung einer freiheitlich-sozialistischen Organisation beraten wurde. Diese wurde dann Pfingsten 1947 in Darmstadt als Föderation Freiheitlicher Sozialisten (FFS) gegründet. Vertreten waren „ca.30 Delegierte aus fünfzehn Orten in ganz Westdeutschland“ (S.60). Von Anfang an beteiligte sich der Berliner Fritz Linow, ehemaliges Mitglied der Geschäftskommission der FAUD am Aufbau und der inhaltlichen Ausrichtung der neuen Organisation. Linow, der mit Rocker und Rüdiger in der Neudefinition eines freiheitlichen Sozialismus konform ging, wurde zu einer dominanten Person in der FFS. Er bestimmte durch seine Redaktionsarbeit in der FFS-Zeitschrift „Die freie Gesellschaft“ das Erscheinungsbild, das von kulturellen und theoretischen Beiträgen geprägt war und dem erklärten Anspruch der Zeitschrift, auch neue Mitglieder zu gewinnen, nicht gerecht wurde. Die Zeitschrift wurde zur fast ausschließlichen Arbeitsaufgabe für die Gesamt-Organisation und offenbar von den FFS-Mitgliedern nicht geliebt, da sie ein fast rein akademisch – intellektuelles Spektrum bediente, das mit der Lebensrealität der allermeisten FFSlerInnen nicht viel gemein hatte.</p>
<p>Der Wuppertaler Fritz Benner schrieb über diesen Zustand:“&#8230;man kann mit ihr keine Bewegung aufbauen. Die Genossen werden es leid, alles nur für die Zeitschrift zu opfern, keine Versammlungen, nichts. Eine Bewegung kann man nur schaffen, wenn man sich an die materiellen Interessen wendet. Die Genossen im Ruhrgebiet wollen &#8230; werben. Sie halten die Zeitschrift dafür nicht geeignet.“ (S.323 ff.) Da es, mit Ausnahme der Drucklegung, Werbung und des offensiven Verkaufs der Informationsbroschüre „Der Leidensweg von Zensl Mühsam“, die vor den Nazis in die Sowjetunion flüchtete und dort in ein Konzentrationslager gebracht wurde, zu keiner gemeinsamen Kampagnenarbeit der FFS kam, war der Stellenwert ihrer Zeitschrift für die Wahrnehmbarkeit der Organisation sehr hoch.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt bei den Beratungen an Pfingsten 1947 war die Zulassung der FFS als legale Organisation. Diese „Lizenzierung“ wurde von den alliierten Besatzungsmächten vorgenommen und der FFS – in allen Besatzungszonen &#8211; beständig verweigert. Die Mitgliederstärke der FFS soll nach Degen 1948 zwischen 350 und 400 Mitgliedern gelegen haben, wovon allein in Berlin mit 80 und in Köln mit 113 Mitgliedern lokale Hochburgen bestanden. Weitere größere Gruppen bestanden in München, Hamburg, Ludwigshafen, Mannheim und Wuppertal.</p>
<p>Im weiteren führt Degen die internen Diskussionen zur inhaltliche Bestimmung der FFS aus, die durchaus kontrovers verliefen, an deren Ende sich aber die Mehrheit für die revisionistischen Positionen – die auch von Rocker aufgegriffen wurden– aussprach. So lehnte die FFS den Parlamentarismus zwar immer noch als undemokratisch ab, schuf ihren Mitgliedern aber die Möglichkeit der Teilnahme an Wahlen auf kommunaler Ebene, um der geführten Diskussion um einen „Gemeinde-Sozialismus“ Rechnung zu tragen. Einige FFS´ler kandidierten auf kommunaler Ebene und erzielten beachtenswerte Wahlerfolge wie Karl Dingler in Göppingen und Karl Preiss in Ulm.</p>
<p>Ein Teil der FFS-Mitglieder übernahm Funktionen in Gewerkschaften des DGB und wurden Betriebsräte bei gleichzeitiger massiver Kritik an ihnen. Die Gründung einer eigenständigen syndikalistischen Gewerkschaft wurde zwar immer wieder vorgebracht, aufgrund der Einschätzung das ihre Verwirklichung momentan unrealistisch sei, aber immer wieder verworfen. Ein Aufruf des in der Erwerbslosenbewegung aktiven Theodor Bennek aus Hildesheim im März 1951 zur „Wiedergründung der FAUD“ stieß u.a. deswegen auf breite Ablehnung. (S. 335 ff.)</p>
<p>Leider finden sich keine evt. Positionen zur „Freien Sozialistischen Gewerkschaft“ (FSG) im Buch, die sich 1947 in Hamburg als politische Richtungsgewerkschaft formierte, nach 1 ½ Monaten aber schon von der britischen Besatzungsmacht verboten wurde.</p>
<p><strong>Reorganisation, Verfolgung und Ermordung von AnarchosyndikalistInnen in der SBZ und der DDR</strong></p>
<p>Ein großes Plus an Degens Buch ist die bisher am gründlichsten recherchierte Beschreibung und Veröffentlichung zur Situation der Libertären in der SBZ und der DDR. In seinem Exkurs dazu beschreibt er die politischen Bedingungen die eine offene Betätigung durch die Kommunisten unmöglich machte. Er definiert „3 Tendenzen libertären Verhaltens“. „Erstens diejenigen Libertären, die versuchten, sich relativ offen wieder zu organisieren und sich damit auch offen gegen das kommunistische Regime stellten; zweitens die Libertären, die mit dem kommunistischen System zwar paktierten, aber versuchten, hier Libertäres einzubringen; drittens arrangierte und identifizierte sich ein vermutlich kleiner Teil der Libertären völlig mit dem Regime“. (S.182)</p>
<p>Zu den wenigen bekannten Köpfen des Wiederaufbaus der anarcho-syndikalistischen Bewegung in der SBZ und späteren DDR gehört der Illmenauer Fritz Heller, der für seine Tätigkeit 1968 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, wovon er 5 ¼ Jahre im KZ Bautzen verbringen musste, bevor er es schaffte nach Frankfurt/M. zu gelangen. Der Metallarbeiter Willi Jelinek aus Zwickau richtete eine Informationsstelle ein, von der aus über Rundschreiben Kontakte hergestellt wurden. „In Sachsen sollen sich daraufhin fünf oder sechs Gruppen gebildet haben.“ (S.183) In Dresden war der Anarchosyndikalist Walter Reede aktiv und der Ostberliner Rudolf Ludwig war Verbindungsmann der FSS in den Westen.</p>
<p>1948 tagte in Leipzig eine „Konferenz der libertären Bewegung“, deren Durchführung von einem Spitzel verraten wurde und die Verhaftung aller TeilnehmerInnen zur Folge hatte.1949 kam es zu zwei Verhaftungswellen gegen AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen durch das kommunistische Regime. Anfang 1949 wurden über 100 GenossInnen verhaftet und im September über 170 „vornehmlich der vor 1933 existierenden Gruppen Kommunistische Arbeiterpartei und Syndikalisten &#8230; verhaftet. Die Opfer der SED-Justiz wurden oft zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Viele von ihnen inhaftierte man in den ehem. Nazi-KZ´s und in Bautzen. „Bewacher“ waren meist „Russen, größtenteils aber deutsche Volkspolizei, die sich nur in der Uniform von Hitlers SS unterscheidet.“ (S.193). Und Anfang 1950 saßen „dreißig freiheitliche Sozialisten .. seit weit einem Jahr wieder im KZ Oranienburg-Sachsenhausen“. (S.194). In Bautzen wurde der Anarchosyndikalist Willi Jelinek ermordet.</p>
<p>Die Reaktion der westdeutschen GenossInnen war die Bildung von Unterstützungsgruppen für die Verfolgten und die Information der Öffentlichkeit über das totalitäre Vorgehen der Kommunisten im Osten. In Publikationen und Diskussionen wurde die Gleichartigkeit der Struktur von Nationalsozialismus und Bolschewismus analysiert und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) (heute VVN-BdA) scharf angegriffen, da sie die Existenz von KZ´s in der SBZ/DDR und die Verfolgung freiheitlicher Sozialisten leugnete. Der Berliner Otto Reimers formulierte dies in einem Beitrag in der „Freien Gesellschaft“: „&#8230;wurdet ihr VVN-Kameraden nicht auch einst in die Hitler KZ´s als Staatsfeinde eingewiesen? Wir Sozialisten wissen dass sich in den Ostzonen KZ´s heute Sozialisten befinden, die auch unter Hitler im KZ schmachteten und ihr (VVN) schweigt dazu.“ (S.194)</p>
<p>In einer Resolution des 2. FFS-Kongresses 1948 in Nieder-Berbach/Mordach formulierten die GenossInnen als Grundkonsens: “gegen jede Art autoritärer Bevormundung, gegen die bürokratische und zentralistische Entartung der Demokratie, gegen den Faschismus und insbesondere gegen den totalen Staat in Gestalt des als Diktatur des Proletariats verschleierten roten Faschismus und der sogenannten Volksdemokratien &#8230; Die FFS (Deutschlands) bekennt sich zur Sache des Friedens und der Völkerverständigung &#8230; sie ist vor allem entschlossen, das weitere Vordringen des bolschewistischen Totalitarismus in Europa verhindern zu helfen.“ (S.331)</p>
<p><strong>Die Internationale Arbeiter Assoziation</strong></p>
<p>In einem weiteren Beitrag geht Degen auf die Beziehungen zwischen der FFS und der IAA ein, welcher die FFS 1948 – als Nachfolgerin der FAUD beigetreten war, und stellt die interne Entwicklung der IAA, ihre inhaltlichen Differenzen und schließlich den Austritt einiger ihrer Sektionen in den 50er Jahren anschaulich dar. Ein Beitrag der auch abseits der Konzentration auf die FFS Aufmerksamkeit verdient, da die Informationen über dieIAA und ihre Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg gerade in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Delegierte für die FFS auf internationaler Ebene waren u.a. Helmut Rüdiger und der 1966 aus dem mexikanischen Exil nach München zurückgekehrte Augustin Souchy.</p>
<p>Den Abschluss der 18 Kapitel bildet der Beitrag „Das Ende der FFS. Nachwehen und Ausläufer“ (S.400 ff.). Ein offizielle Auflösung der FFS hat nie stattgefunden, berichtet Degen, und gibt Einblick in die Stimmung der FFS. „Die FFS Protagonisten waren ausgebrannt“ (S.403) und führt dies auf die „ausgebliebene Resonanz in der Nachkriegsgesellschaft“ zurück, die nach A. Klönne „einen hohen Grad von Geschichtsverlust aufwiese“ den dieser auf den Nationalsozialismus zurückführte. „Nicht nur Verbot, Verfolgung der Organisationen der Arbeiterbewegung, sondern der NS-Staat war auch darauf aus, jeder Erinnerung an den Prozeß der Emanzipation und Selbstorganisation der Arbeiterschaft aus dem historischen Bewusstsein zu löschen.“ (S.404) Weiterhin – so Degen – hätte sich der „im Westen Deutschlands konstituierende `Wohlstandsstaat` erosiv auf die freiheitlichen Sozialisten ausgewirkt. Denn die sozialistische Alternativ, die die FFS aufzeigte, konnte nicht attraktiv gegenüber dem sich Anfang der 50er herausbildenden „Sozialstaat“ wirken. Und dessen Integrationskraft hatten die freiheitlichen Sozialisten keine machtpolitische Alternativen entgegen zu setzen. Auch die „revisionistische“ Form des freiheitlichen Sozialismus konnte hier nichts ausrichten.“ (S.405) Nach diesen Ausführungen folgt der Blick auf den weiteren Werdegang einiger Aktiver und ganzer Gruppen, wobei u.a. die FFS in München bis in die 70er Jahre aktiv blieb.</p>
<p>Abgerundet wird dieses Buch mit einer Auswahl von Kurzbiographien einzelner FFS´lerInnen , einem (unvollständigen) Verzeichnis der Ortsföderationen und ihrer Mitglieder und einem Personenregister. Zu diesem Buch gäbe es noch eine Menge zu sagen und ich bin Sicher dass die Informationen aus ihm viel Stoff für weitere Untersuchungen und politische und soziale Analysen, sowie für die anarcho-syndikalistische Spurensuche nach sich ziehen wird. Es ist eine umfassende Fundgrube. Kritisch anzumerken bleibt, das Degen von „überkommenen anarcho-syndikalistischen Positionen“ spricht ohne diese Aussage näher zu erklären (S. 201).</p>
<p>Alles in allem: Ein hochspannendes, historisches und gleichzeitig aktuelles, empfehlenswertes Buch für alle an einer freiheitlich sozialistischen Zukunft Interessierten.</p>
<p><em><strong>Martin Veith</strong></em></p>
<p><em>Aus: Direkte Aktion Nr. 153 </em></p>
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		<title>Der anarchistische Kampf in Südamerika</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 11:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die südamerikanische ArbeiterInnenklasse hat eine lange Geschichte der brutalen Repression und des heroischen Widerstands. Die 1970/80er Jahre waren eine Zeit des intensiven Klassenkampfes, in der in fast jedem Land brutale Militärregimes an die Macht kamen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-179"></span>Die südamerikanische ArbeiterInnenklasse hat eine lange Geschichte der brutalen Repression und des heroischen Widerstands. Die 1970/80er Jahre waren eine Zeit des intensiven Klassenkampfes, in der in fast jedem Land brutale Militärregimes an die Macht kamen. Ihr Zweck war es, die Bedrohung einer Revolution durch die massenorientierten marxistischen Parteien und zahlreicher Guerillabewegungen abzuwehren. Die enthusiastische Unterstützung der Regierung der USA, die Waffen, Ausbildung, Geheimdienste und Finanzhilfen bereitstellte, war entscheidend dafür, dass diese Regimes die Macht übernehmen und gegen den Willen der Bevölkerung halten konnten.</p>
<p>In den 80er Jahren wurden diese Militärregimes nacheinander abgelöst durch eine Kombination von Massenprotesten und katastrophalen ökonomischen Situationen. Dadurch konnte der Anarchismus, der in Südamerika seit Beginn des 20. Jahrhundert eine starke Kraft war, als lebendige Bewegung wiedererstehen. Im Jahr 1986 wurde die FAU? in Uruguay wiedergegründet, nachdem sie durch die Militärcoups von 1971 in Uruguay und 1978 in Argentinien zerstört worden war.</p>
<p>Auch anderswo entstanden anarchistische Gruppen, waren aber meist Affinitätsgruppen, Zusammenschlüsse von FreundInnen, hauptsächlich innerhalb der Punkbewegung. Versuche, grössere Gruppen zu bilden, scheiterten meist rasch. In den letzten 5 Jahren haben viele AnarchistInnen jedoch damit begonnen, richtige Organisationen zu bilden. AktivistInnen aus marxistischen Gruppen, die die gescheiterte Politik der Gürilla in Frage stellen, sind ebenfalls ein wichtiger Teil dieser neün Bewegungen.</p>
<p>Im Jahr 1996 wurde die argentinische OSL gegründet, 1999 die chilenische CUAC. Im südlichen Brasilien wurde kürzlich die FAG gegründet und in Bolivien haben einige lokale Kollektive den Prozess des Aufeinanderzugehens begonnen. Diese neuen anarchistischen Gruppen teilen als gemeinsames Konzept die Notwendigkeit von Organisationen, die in der Lage sind, auf der Basis einer kollektiv akzeptierten Theorie kohärent und diszipliniert zu arbeiten.</p>
<p>Viele der Aktivitäten dieser neu gegründeten anarchistischen Gruppen bestanden in der Konfrontation der Hinterlassenschaft der Militärregimes. Es wurden Amnestiegesetze erlassen, die im wesentlichen die unter der Militärherrschaft begangenen Verbrechen durch Begnadigung abhakten. Grosse Teile von Polizei und Militär blieben unverändert und ihre Kultur der Brutalität und Immunität vor Strafe ebenso. In Argentinien waren AnarchistInnen aktiv in der Bewegung gegen Polizeibrutalität und haben die Wache der Mütter der unter dem Militärregime Verschwundenen unterstützt. Chilenische AnarchistInnen waren an der Volksbewegung zur Bestrafung von Pinochet beteiligt. Bolivianische AnarchistInnen haben trotz Repressionen gegen die Regierung Banzer gekämpft, der 1997 zum Präsidenten gewählt wurde, nachdem er von 1971-1978 eine brutale Diktatur ausübte.</p>
<p>Ein weiteres Erbe der Militärregimes ist die ökonomische Lage. Militär und die zahmen Zivilregierungen, die ihnen folgten, haben wortlos den Diktaten der US-zentrierten internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank gehorcht. Sie haben auf dem Kontinent einen neo-liberalen Hurrican entfesselt. Millionen von ArbeiterInnen wurden entlassen, Grundlegendes wie Obdach, Gesundheit, Ausbildung wird ihnen vorenthalten, sie werden an den Rand der Armut gedrängt.</p>
<p>AnarchistInnen waren in der vordersten Front des Widerstands gegen diese brutalen Angriffe. In Uruguay hat die FAU an Massenbesetzungen von Land durch Landlose teilgenommen, an übernahmen von Fabriken, um Schliessungen zu verhindern sowie an weiteren direkten Aktionen. Die argentinische OSL war in den ärmsten Gebieten von Bünos Aires aktiv bei den am meisten marginalisierten und verzweifelten ArbeiterInnen, sie haben dort alphabetisiert, und die Taktik der direkten Aktion und Selbstorganisation gelehrt. AnarchistInnen waren auch aktiv in den Gewerkschaften, aber aufgrund der Massenschliessungen ist die Gewerkschaftsbewegung sehr geschwächt. Trotzdem ist es der CUAC in Chile gelungen, einen starken und wachsenden anarchistischen Einfluss bei mehreren Gewerkschaften zu schaffen. Andere Gebiete anarchistischer Aktivität sind die Kämpfe für die Rechte der indigenen Völker.</p>
<p>In Chile spielten AnarchistInnen eine wichtige Rolle bei der militanten Kampagne des Volks der Mapuche um ihre Rechte und in Bolivien unterstützten die AnarchistInnen den Aufstand indigener Völker und Bauern, der im April 2000 den Staat erschütterte. AnarchistInnen sind wieder auf dem Vormarsch, ihre Stimmen werden in den sozialen Massenbewegungen anch vielen Jahren des Schweigens wieder gehört und ihre Botschaft der Selbstorganisation gegen den Kapitalismus trifft bei eine wachsenden Zahl von ArbeiterInnen auf offene Ohren.</p>
<p><em>Orginaltext: <a href="http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a06.html " target="_blank">http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a06.html </a></em></p>
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		<title>Die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 13:53:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
		<category><![CDATA[CNT]]></category>
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		<category><![CDATA[Syndikalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer zu den Begüterten und Besitzenden gehört, kann nun also aufhören weiterzulesen, da dieser Text sich gegen dieses System - das ihn oder sie von der Armut profitieren läßt - richtet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-147"></span></p>
<p><em>&#8220;Gewerkschaft&#8221; heißt, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen!</em></p>
<p><strong>Die kapitalistische Gesellschaft, in der wir leben, ist eine Ordnung der sozialen Ungleichheit.</strong></p>
<p>Sie begünstigt die, die Geld und &#8220;Vermögen&#8221; haben und benachteiligt und bedroht die Existenz derer, die nichts oder nur wenig haben und sich durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft und allem was hier dazu gehört (dem Versuch die Würde zu rauben, durch bestimmte Tätigkeiten erniedrigt zu werden, etc.) über Wasser halten müssen.</p>
<p>Wer zu den Begüterten und Besitzenden gehört, kann nun also aufhören weiterzulesen, da dieser Text sich gegen dieses System &#8211; das ihn oder sie von der Armut profitieren läßt &#8211; richtet.</p>
<p>Mir geht es mit diesem Aufsatz darum, eine soziale Alternative und gewerkschaftliche Bewegung für eine menschenwürdige und solidarische Gesellschaft aufzuzeigen und zu erklären. Es geht um den Anarcho-Syndikalismus[1].</p>
<p><strong>Gewerkschaft ist nicht gleich Gewerkschaft</strong></p>
<p>In der Mehrheit der Gesellschaft ist der Gewerkschaftsbegriff mit dem des DGB[2] gleichgesetzt. Das macht es uns AnarchosyndikalistInnen oft recht schwer zu erklären, was wir unter dem Begriff &#8220;Gewerkschaft&#8221; oder genauer &#8220;Syndikat&#8221; verstehen, warum wir durch sie die Möglichkeit sehen &#8211; neben konkreten Verbesserungen &#8211; ein Leben in Freiheit und Gleichberechtigung zu erkämpfen.</p>
<p>Der DGB, seine bezahlten Funktionäre und der SPDGB-Filz[3] haben durch ihre jahrzehntelange Verzichts-und Verratspolitik die in ihm organisierten Menschen enttäuscht, frustriert, ihrer Kreativität und Zuversicht auf gesellschaftlichen Wandel beraubt und unzählige Male Basisinitiativen von KollegInnen abgewürgt. Das Resultat sind anhaltende Austritte aus den DGB-Gewerkschaften. Der DGB hat sich einen schwerfälligen, bürokratischen Apparat geschaffen, der den durch die &#8220;Sozialpartnerschaft&#8221; erkauften Frieden zwischen den Lohnabhängigen, den ArbeiterInnen und Erwerbslosen und den Unternehmern, der Regierung und dem Staat garantieren soll. Doch welches Interesse sollen wir an einem Frieden haben, der die Ungerechtigkeit nicht aufhebt sondern nur verwalten und bestenfalls abmildern will.</p>
<p>Durch seine Vormachtstellung in den meisten Betrieben verhindert und bekämpft er die direkte Initiative der Belegschaften. Der DGB hat durch seine in den Betrieben arbeitenden Funktionäre in der Vergangenheit immer wieder unabhängige oder der offiziellen DGB-Linie oppositionelle[4] Betriebsgruppen bekämpft.[5] Auch in der jüngsten Vergangenheit kam es wiederholt dazu, das Funktionäre der DGB-Gewerkschaften streikenden und kämpfenden KollegInnen in den Rücken fielen und dazu noch Solidarität heuchelten.</p>
<p>Zwei Beispiele möchte ich exemplarisch anführen:</p>
<p><strong>VW-Streik und Betriebsbesetzung im Mai 1999</strong></p>
<p>Im VW-Werk in Emden liefen zum 3.Mai 1999 die befristeten Arbeitsverträge von 550 ZeitarbeiterInnen aus. Unter dem Motto &#8220;Heute ihr &#8211; morgen wir&#8221; kam es zur Solidarisierung der Festangestellten mit den befristet eingestellten KollegInnen. Die Früh- und Spätschicht legte die Arbeit nieder. Nach dem die Forderung nach Festeinstellung von der Geschäftsleitung abgelehnt wurde, streikte das gesamte Werk &#8211; mit Erfolg. Alle befristeten Arbeitsverträge wurden um 24 Monate verlängert. Ein Erfolg der Solidarität und der direkten Durchsetzung der Interessen. Die IG Metall lehnte die Streikunterstützung und die Auszahlung von Streikgeldern mit den Worten ab, daß diese Aktion und der Streik nicht von der IG Metall geführt worden wären und &#8220;Friedenspflicht&#8221;[6] herrsche.[7] Und das, obwohl über 90% der Beschäftigten IG Metall-Mitglieder sind.</p>
<p><strong>Betriebsbesetzung bei Alcatel-Berlin im September 1999</strong></p>
<p>Gegen die von der Konzern-Leitung angekündigte Schließung des Berliner Kabelwerkes von Alcatel besetzte der Großteil der Belegschaft den Betrieb. Ziel war die Erhaltung der knapp 140 Arbeitsplätze. Die Auftragsbücher waren voll, der Betrieb schrieb schwarze Zahlen. Die KollegInnen &#8211; zum Großteil in der IG Metall organisiert &#8211; wurden von der DGB-Gewerkschaft und deren offenem Zusammenspiel mit der Werksleitung plattgehandelt. Während die KollegInnen ihren Betrieb besetzt hielten, die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) den internationalen Kontakt zu KollegInnen bei Alcatel in Frankreich über die CNT[8] organisierte, handelte die IG Metall einen &#8220;Sozialplan&#8221; aus. Direkte Kontakte der KollegInnen zu ihren KollegInnen nach Frankreich wurden von den IG Metall-Funktionären rigoros unterbunden. Ohne Not handelte die IG Metall so die Betriebsbesetzung platt.</p>
<p>Die von ihr gewährte finanzielle Streikunterstützung läßt sie sich übrigens auf den Pfennig genau zurückzahlen, da die Streikgelder nur als Darlehen gewährt wurden. Die magere Abfindung der gekündigten KollegInnen wird also zum Großteil in die Kasse der IG Metall wandern.[9]</p>
<p>Beispiele dieser Art, der indirekten und direkten Unterstützung der Unternehmer und Konzernchefs gibt es etliche.</p>
<p>Doch hat dieses Verhalten auch für den DGB und seine ihm angeschlossenen Gewerkschaften Konsequenzen. Wie eingangs bereits erwähnt, sinkt die Mitgliederzahl seit Jahren. Seit 1991 kehrte ein Viertel der Mitgliedschaft dem DGB den Rücken zu. Im August 1999 waren nur noch 9,5 Millionen Menschen Mitglied einer DGB-Gewerkschaft. Die Gründe für den Austritt werden von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Das viele aber aufgrund der nachgiebigen und laschen Haltung des DGB ausgetreten sind, ist schwer anzunehmen. Lohnverzicht, Nullrunden, Rationalisierung, die sog. Flexibilisierung der Arbeitszeiten, das Einknicken bei der Streichung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall unter der CDU/FDP-Regierung sind Beispiele dafür, ebenso wie die praktizierte Entpolitisierung dessen, was mensch noch als ArbeiterInnenbewegung im und um den DGB erkennen kann.</p>
<p>Wo waren die Streiks oder der Generalstreik gegen die ständige Verschärfung der Ausplünderung und Ausbeutung der ArbeiterInnen ? Gegen die steigende Armut ?</p>
<p>Und wird der Unmut der Belegschaften dann doch groß und sehen die DGB-Funktionäre ihre Macht und ihren Einfluß schwinden &#8211; wie exemplarisch bei VW und Alcatel &#8211; sind sie mit markigen und starken Sprüchen anzutreffen, um den Unmut in Passivität, Aufgabe und &#8220;Einsicht&#8221; zu kanalisieren und ihre Machtbasis zu erhalten.</p>
<p>Im Klartext bedeutet dies, daß die Mitglieder in DGB-Gewerkschaften keine Entscheidungen selber treffen können und dürfen, die den Vorständen der einzelnen Gewerkschaften ungelegen kommen, oder welche die sich selbst auferlegte &#8220;Friedenspflicht&#8221; brechen. Mitglieder in DGB-Gewerkschaften sind dadurch entmündigt und stehen in der Praxis in der Frontlinie gegen die Unternehmer und gleichzeitig unter der Repression[10] &#8220;ihrer&#8221; Gewerkschaft, zu deren Beschlüßen des Vorstandes sie sich opportun[11] Verhalten müßen, da ihnen sonst die Solidarität entzogen wird.</p>
<p><strong>Funktionäre und Dienstleister &#8211; keine Gewerkschaft!</strong></p>
<p>Die Entmündigung innerhalb der DGB-Gewerkschaften macht sich auch an anderen Beispielen bemerkbar. Gerade die vielbeschworene Tarifpolitik &#8211; also die sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen zwischen dem DGB und den Arbeitgeberverbänden um die Festsetzung von Löhnen und Gehältern, Arbeitszeiten usw. in Tarifverträgen [12]- ist meistens eine Reine Farce und den Aufwand an Verhandlung gar nicht wert. Oftmals stehen die Abschlüsse schon vor der eigentlichen Verhandlung der Tarifkommissionen fest und werden die Positionen der DGB-Gewerkschaften nicht in Mitgliederversammlungen ausdiskutiert und festgelegt, sondern durch &#8220;prominente Funktionäre&#8221; in den Medien (TV, Presse) vorgegeben. Einen Einfluss auf die Positionen haben die DGB-Mitglieder also nicht.</p>
<p>Das wiegt umso schwerer als für die meisten DGB-Funktionäre die Tarifpolitik das A und O der Gewerkschaftsarbeit ist und andere Bereiche gar nicht wahr genommen werden. Der Apparat ist eben alt und krank. Da hilft auch der neue Zusammenschluß zur &#8220;Supergewerkschaft&#8221; [13]&#8220;Verdi&#8221; nicht weiter. Denn auch wenn sich mehrere Leichenteile zu einer großen Leiche zusammenschließen, entsteht daraus kein vitaler Organismus. Zumal zusätzlich Konkurrenzdenken und Standesdünkel der einzelnen Mitgliedsorganisationen seit Jahrzehnten die Beziehungen unter den DGB-Gewerkschaften vergiften.</p>
<p>Gegen diese undemokratische Gewerkschaftsstruktur setzen wir AnarchosyndikalistInnen die direkte Demokratie von unten. Die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft hat keine bezahlten Funktionäre, die sich dadurch von der Masse &#8211; also uns &#8211; abheben und erstarren können.[14] Außerdem ist ein wesentliches anarcho-syndikalistisches Grundprinzip die jederzeitige direkte Abwählbarkeit von Delegierten in Vollversammlungen der Syndikate, wenn diese gegen Beschlüsse ihrer Gewerkschaft verstoßen haben. Dies gilt für alle Angelegenheiten, die uns betreffen &#8211; seien es konkrete Kämpfe der Betriebsgruppen und Syndikate oder inner-organisatorische Entscheidungen. Jedes Mitglied hat eine Stimme und entscheidet mit.</p>
<p><strong>Über den Betrieb hinaus &#8211; in alle Lebensbereiche</strong></p>
<p>Für uns stehen unsere Interessen als Lohnabhängige, egal ob LohnarbeiterIn, SchülerIn, Erwerbslose/r, Studierende im Mittelpunkt unserer Bemühungen und nicht die Situation der Unternehmer, die durch die Medien, die PolitikerInnen, die Regierung und auch die Vorstände der DGB-Gewerkschaften immer als der Nabel der Welt dargestellt werden. Wir haben gänzlich andere Interessen als sie. Wir haben uns dieses Gesellschaftssystem nicht ausgesucht. Der Anarchosyndikalismus ist nicht nur eine sozialrevolutionäre Gewerkschaftsbewegung, er ist zugleich eine soziale Bewegung, die Unterdrückung und Zwangsdienste jeglicher Form ablehnt und bekämpft. So organisieren wir z.B.Unterstützung für Totale Kriegsdienstverweigerer (TKDV´ler), deren Platz ebenfalls in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft ist.</p>
<p><strong>Arm sein ist keine Schande &#8211; Die Armut ist eine</strong></p>
<p>Für einen Großteil von uns beginnt das Leben mit klaren Vorstellungen des späteren Werdegangs innerhalb dieses ungerechten Systems. Nach Kindergarten und Hauptschule folgt die Ausbildung und/oder die Erwerbslosigkeit &#8211; Militär- oder Ersatzdienst &#8211; das Dasein als Mutter, Hausfrau, die immer und jederzeit bereit sein müssen zu knechten, oder sich an einen Unternehmer zu verkaufen, um zu überleben, bis wir dann irgendwann sterben. Nicht zu vergessen die Mietezahlungen an den Hausbesitzer. Während auf der einen Seite einige wenige 100.000 Leute Macht, Geld, Fabriken und dadurch Einfluß besitzen und im materiellen Wohlstand leben, müßen wir, die 79 Millionen in Deutschland uns durchschlagen, bedroht von Arbeitslosigkeit, die uns in materielle Not stürzen und uns darüberhinaus das Gefühl der Sinnlosigkeit im Leben geben kann. Letzteres dürfen wir uns erst gar nicht einreden.</p>
<p>Viele, gerade ehemalige und noch-Linke bis hin zu den Konservativen werden jetzt entgegnen, daß mensch dies nicht so schwarz sehen dürfe. Schließlich gebe es soziale Sicherungssysteme, Sozialhilfe, Arbeitslosenunterstützung, Arbeitsgesetze, ABM-Stellen usw. . Natürlich gibt es diese, doch wird allzugern übersehen, welche repressiven Funktionen damit verbunden sind, welche Erniedrigung mit ihnen verbunden ist, wie das Leben &#8211; die Intimsphäre &#8211; verletzt wird, wie neue Abhängigkeiten entstehen. Ganz zu Schweigen von der gesellschaftlichen Ausgrenzung armer Menschen. Wenn Du kein Geld hast, machst Du keine großen Sprünge. Es ist immer schön, wie dieses Argument gebracht wird, auch um das eigene Gewissen zu beruhigen. Außerdem werden &#8220;soziale Leistungen&#8221; seit Jahren gestrichen, reduziert und an neue &#8220;Voraussetzungen&#8221; angepasst.[15] Die Stigmatisierung armer Menschen durch Wirtschaftsbosse, PolitikerInnen und Medien (hier besonders in Talkshows etc.) als &#8220;Sozialschmarotzer&#8221; tut ein übriges, indem von den Verursachern der Armut, nämlich den PolitikerInnen und Wirtschaftsbossen, abgelenkt wird und so getan wird, als ob jede und jeder ihres oder seines Glückes Schmied sei. Das ist aber in einer Klassengesellschaft, wie der bestehenden, der reine Hohn und Ausdruck handfester Interessenspolitik der Spaltung, des gegenseitigen Ausspielens der Menschen aus der arbeitenden Klasse.</p>
<p>Schließlich kann jeder Mensch, der heute noch lohnarbeitet, morgen Erwerbslos sein.</p>
<p>Für uns AnarchosyndikalistInnen gilt es, diese Spaltung zu überwinden. Anders als der DGB, der seinen Schwerpunkt auf die Organisierung von FacharbeiterInnen legt und dort meistens auch nur in den Großbetrieben aktiv ist und Erwerbslose nur sehr bedingt unterstützt. Erwerbslose sogar lange Zeit nicht einmal Mitglied seiner Gewerkschaften werden ließ, setzen wir auf die gemeinschaftliche Selbstorganisation lohnarbeitender und erwerbsloser Menschen in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft.[16] So kann einerseits gegenseitige Unterstützung und Hilfe organisiert werden. Andererseits lassen sich Forderungen Erwerbsloser gemeinsam besser durchsetzen, wenn Betriebsgruppen und Syndikate die sozialen Kämpfe unterstützen, z.B. durch Streik oder im anderen Fall bei einer Betriebsbesetzung, bei Aussperrung oder Streik, Erwerbslose Öffentlichkeitsarbeit in den Wohnvierteln, in der Stadt usw. organisieren. Gegenseitige Solidarität ist die einzige Waffe, die wir in nicht-revolutionären Zeiten haben. Schließlich gilt immer noch, was das &#8220;Solidaritätslied&#8221; aussagt: &#8220;Wer im Stich läßt seinesgleichen, läßt ja nur sich selbst im Stich.&#8221;</p>
<p><strong>Was anarchosyndikalistische Gewerkschaftsarbeit ist&#8230;</strong></p>
<p>Eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft ist anders, als fast all das, was mit der herkömmlichen Gewerkschaftsarbeit, z.B. des DGB verbunden wird. Unserem Verständnis nach umfaßt sie alles, was unmittelbar unser alltägliches Leben betrifft und veränderungsbedürftig ist. Und das ist eine ganze Menge. Gewerkschaftsarbeit muß auch nicht trocken und &#8220;langweilig&#8221; sein, wenn wir anfangen, sie zu nutzen, um für uns Vorteile und Verbesserungen durchzusetzen. Die Gewerkschaft sind schließlich wir. Und wir können ganz konkret unsere Interessen durchsetzen. Dabei unterlegen wir AnarchosyndikalistInnen uns keiner &#8220;Friedenspflicht&#8221; oder dem Prinzip der Sozialpartnerschaft. Wir sind eindeutig klassenkämpferisch, was &#8211; wie die Bezeichnung aussagt &#8211; von unseren Interessen als Teil der arbeitenden Klasse ausgeht. Uns interessiert es nicht existenziell, was für den Chef wichtig ist. Uns interessiert, was wir brauchen und was uns schadet 12. Und wie wir das, was wir brauchen erreichen können.</p>
<p>Unsere Mittel sind die der &#8220;direkten Aktion&#8221;, der unmittelbaren Durchsetzung von Forderungen durch Streik, Boykott, Besetzungen und Sabotage. Aber die direkte Aktion beginnt auch schon im Kleinen, wenn wir z.B. gegen die Arbeitshetze &#8220;Dienst nach Vorschrift&#8221; leisten oder für die Qualitätskontrolle von Produkten uns wirklich einmal Zeit nehmen. Das Mittel der &#8220;direkten Aktion&#8221; ist flexibel, und jede und jeder kann für sich herausfinden, was das Beste für ihn oder sie im individuellen Bereich ist. Auf die größere, gesamtbetriebliche Ebene übertragen, wäre z.B. ein Streik auf der Baustelle ein Mittel, um gegen die ständige Verschlechterung der Löhne und den Einsatz von &#8220;Billig-Lohn-ArbeiterInnen&#8221; vorzugehen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine grundlegende Sache. Anders als die IG Bau, die mit teilweise rassistischen Parolen deutsche gegen ausländische KollegInnen auszuspielen versucht und damit das Spiel der Unternehmer und fetten Bau-Konzerne spielt, treten wir für die finanzielle und rechtliche Gleichstellung emigrierter KollegInnen ein. Viele Probleme am Bau könnten schon gelöst sein, wenn nicht gegeneinander, sondern mitteinander um Verbesserungen gekämpft würde. Der Feind ist doch nicht der Kollege, sondern der Unternehmer, der durch Sklavenjobs noch mehr Profit aus uns ArbeiterInnen herausschlägt.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Punkt anarchosyndikalistischer Gewerkschaftsarbeit ist die Weiterbildung. Im Syndikat oder der Betriebsgruppe bestehen die Möglichkeiten, uns gegenseitig Wissen zu vermitteln, usw. . Öffentliche Bibliotheken und die Herausgabe von Zeitschriften gehörten schon immer zu den Tätigkeitsfeldern der anarchistischen und syndikalistischen ArbeiterInnenbewegung, zumal das Leben nicht am Betriebsausgang aufhört.</p>
<p><strong>Warum wir gegen StellvertreterInnenpolitik sin</strong>d</p>
<p>Wie der Name schon sagt, beinhaltet StellvertreterInnenpolitik immer, daß andere für einen selbst diejenigen Entscheidungen treffen, die einen selbst betreffen. In Betrieben und in der &#8220;Politik&#8221; gibt es Betriebsräte und Abgeordnete. Neben der Tatsache, daß sie alle ab einem bestimmten Zeitpunkt der Illusion der Macht erliegen, sind sie undemokratisch. Darüberhinaus verändern sich mit ihrer neuen Machtposition ihre Interessen gegenüber denjenigen, die sie vorgeben zu vertreten. Das Prinzip der StellvertreterInnenpolitik führt zur Manipulation der Basis[17] und &#8211; mindestens genau so schlimm &#8211; zur Passivität. Gerade freigestellte Betriebsräte haben deshalb über kurz oder lang den Bezug zur Realität in den Betrieben verloren. Anarchosyndikalistischer Grundsatz ist: Entschieden wird nur von denjenigen, welche die Entscheidungen auch betreffen, also von der Basis vor Ort.</p>
<p><strong>Einheit von unten &#8211; gegen Parteien</strong></p>
<p>Um was es uns geht, ist die reale Einheit der ArbeiterInnen und sonstigen Lohnabhängigen in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft. Diese Einheit von unten[18] muß basisdemokratisch sein, um allen die gleichen Möglichkeiten zu gewährleisten und das Abheben von &#8220;FührerInnen&#8221; und &#8220;Kadern&#8221; &#8211; wie in politischen Parteien[19] &#8211; zu verhindern. Wir stehen den Parteien und dem Parlamentarismus als GegnerInnen gegenüber. Gerade die Geschichte sozialdemokratischer Parteien, kommunistischer und sozialistischer Gruppen zeigt immer wieder ganz deutlich den Versuch, Macht an sich zu reißen, über den &#8220;Massen&#8221; zu stehen (die sie auch oft genug als dumm oder träge bezeichnen) und im Interesse ihrer Machterhaltung oder ihres Machtstrebens Bewegungen zu spalten und abzuwürgen. Beispiele dafür gibt es etliche. Es sei nur auf die Rolle der DKP[20] während der Anti-Kriegs &#8211; oder Friedensbewegung in der alten BRD verwiesen, die Rolle der französischen KP während des Mai´68, als die soziale Revolution in Frankreich im Aufbruch war, und ihr durch das Verhalten der KP-Gewerkschaft CGT die Sabotage der revolutionären Bewegung gelang. Noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück, zeigt die Rolle der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien in Spanien während der sozialen Revolution ab 1936 die ganze Schändlichkeit autoritärer (Partei)-SozialistInnen. Auch in Deutschland wurde die anarcho-syndikalistische Bewegung von Anfang an von SPD und KPD angegriffen. Nichts gegen einen Austausch von Argumenten, doch bestand die Handlung der Autoritären nicht in einem Wettstreit um Argumente, sondern in der &#8220;Ausschaltung&#8221; einer ihrem Machtstreben oppositionellen, selbstbestimmten Bewegung. [21] Die offene konterrevolutionäre Politik der Autoritären sollte den freiheitlich (libertär) gesinnten Menschen und allen Arbeiterinnen und Arbeitern ein für allemal veranschaulichen, daß wir keine Gemeinsamkeiten mit ihnen haben.</p>
<p>Für was wir AnarchosyndikalistInnen u.a.stehen:</p>
<ul>
<li> Die Selbstorganisation der Arbeitenden[22] in direkt-demokratischen, anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften. Denn nur Gemeinsam sind wir stark.</li>
<li>Die Enteignung der Reichen und der EigentümerInnen an den Produktionsmitteln und die restlose Überführung der Produktionsmittel in die Hände der Arbeiterinnen und Arbeiter.</li>
<li>Die Selbstverwaltung der Betriebe und aller öffentlichen Bereiche.</li>
<li>Auflösung der repressiven Organe wie Polizei, Militär, Regierung.</li>
<li>Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Niemand darf aufgrund materieller Dinge benachteiligt sein.</li>
<li>Freies Zuzugs- und Niederlassungsrecht.</li>
<li>Selbstbestimmung der Frau in allen Lebensbereichen.</li>
<li>Sexuelle Selbstbestimmung.</li>
<li>Gegenseitige Bildung von uns Lohnabhängigen und Entwicklung und Stärkung des Selbstbewußtseins und der konkreten Solidarität</li>
<li>Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.</li>
<li>Mehr Zeit zum Leben. Eine radikale Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnabzug</li>
<li>Mehr Lohn &#8211; mindestens 200%mehr!</li>
<li>Effektive Bekämpfung der neofaschistischen Bewegungen und Gruppen</li>
<li>Aufbau einer starken und durchsetzungsfähigen anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft</li>
<li>Konkrete internationale Zusammenarbeit und Solidarität der Lohnabhängigen</li>
<li>Lohnverzicht des DGB &#8211; ein weiterer Verrat an der arbeitenden Klasse</li>
</ul>
<p>Während die deutsche Wirtschaft ein Profitwachstum wie noch nie in der Geschichte der BRD verzeichnet &#8211; allein 1997 stieg der Gewinn der Unternehmen auf 105,5 Milliarden DM &#8211; die ausländischen Direktinvestitionen ständig steigen &#8211; allein im 1. Halbjahr 1998 auf 14,3 Milliarden DM &#8211; und ein Außenhandelsrekord von 141 Milliarden DM 1998 zum größten Überschuß in der Geschichte der BRD führte, die Reichen also beständig reicher werden, kommt es bei den Lohnabschlüssen schon seit Jahren zu Nullrunden.</p>
<p>Der DGB und seine Tarifkomissionen hören auf das Rumgejammere der Wirtschaftsbosse und Präsidenten der Arbeitgeberverbände, ob nun Stihl, Hund oder Henkel, die den &#8220;Standort Deutschland&#8221; sichern &#8220;müssen&#8221;, um &#8220;konkurrenz- und überlebensfähig&#8221; zu sein. Ein einfacher Blick auf die oben genannten Zahlen zeigt, wie schlecht es den Herren der Industrie nun wirklich geht.[23] Dieser durch Lohnverzicht und damit mit Existenzen von Menschen aus der arbeitenden Klasse erkaufte Reichtum der Reichen ist ein weiterer Verrat des DGB an uns Lohnabhängigen. Schließlich sind Unternehmer keine sozialen Wesen, die im Sinne des Gemeinwohls handeln, sondern eiskalte Vertreter ihrer eigenen Interessen. Denn oberstes Gebot eines jeden kapitalistischen Unternehmens ist die Profitmaximierung ! Jede durch Lohnverzicht und Nullrunden eingesparte Mark kommt der Spekulation der Unternehmer und damit der Rationalisierung der Arbeitsabläufe zugute, bei der im kapitalistischen Produktionsprozeß nur menschliche Arbeitskräfte vernichtet werden, die anschließend von Maschinen erledigt werden, die a.) keinen Lohn bekommen und b.) keinen (oder nur geringen) Ärger machen (können). Jede Mark also, die wir den Unternehmern aus der Tasche ziehen, kommt uns zweifach zugute. Zum einen, um unser Leben zu leben und zum anderen, um den Unternehmer daran zu hindern, mit dieser Mark zu spekulieren. Kapitalismus ist eben asozial. Kapitalisten sind das erst recht.</p>
<p><strong>&#8220;Wirtschaftswachstum&#8221; und &#8220;Leichtlohngruppen&#8221;</strong></p>
<p>Wie an anderer Stelle schon erwähnt wird das sog. &#8220;soziale Netz&#8221; beständig beschnitten oder für manche gesellschaftlichen Bereiche ganz abgeschafft. An die Stelle der langjährigen staatlichen Unterstützungsleistungen tritt die Welt der &#8220;Selbstbeteiligung&#8221;. Die Ausgrenzungsmechanismen funktionieren dadurch noch geschmierter. Private Krankenversicherungen, Altersversorgungen etc. werden propagiert und machen das Alt werden und/oder krank sein, zu einem noch größeren Risiko und zu einem Luxus den sich kontinuierlich die wenigsten werden Leisten können. Dazu kommt die veränderte (Lohn)Arbeitswelt mit ihren Niedriglohnjobs auf 630DM Basis. Ganze Branchen wie z.B. die Gastronomie oder das Reinigungsgewerbe leben mittlerweile von den KollegInnen die auf 630DM-Basis arbeiten.[24] Für leichten Lohn nur leichte Arbeit und die Stärkung der eigenen Position durch Mitgliedschaft in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft ist unsere Empfehlung dazu.</p>
<p>Der Kapitalismus schafft wirklich jeden Tag neue Gründe für seine Abschaffung und den Kampf für eine selbstverwaltete Gesellschaft, in der Solidarität und gegenseitige Hilfe zu den Grundprinzipien gehören. Deshalb ist die Aktivität in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft eine absolute und existenzielle Notwendigkeit.</p>
<p><strong>Anarcho-Syndikalismus</strong></p>
<p>Anarcho-Syndikalismus ist der Name, den wir uns für unseren Weg und unsere Ziele gegeben haben. Er ist keine starre Ideologie, sondern vielmehr eine Praxis und Ideenbewegung die uns unserem Ziel einer herrschaftsfreien, selbstbestimmten und selbstverwalteten Gesellschaft näher bringen soll und dieses Ziel auch gleichzeitig beschreibt. Da wir in einer Klassengesellschaft leben, geht es uns darum, die Macht und die Stärke des kapitalistischen Systems dort anzugreifen, wo es am verletztlichsten ist: In der Ökonomie, beim Kapital, das uns verwertet und erniedrigt. Wir organisieren uns in Syndikaten, da sie die beste Form des gemeinschaftlichen Widerstandes und der direkten Aktion gegen die Arbeits- und Verwertungsbedingungen sind. Neben ihrer Funktion, unsere eigenen Interessen als abhängig Beschäftigte gegenüber Chefs, Vorgesetzten und dem daran hängenden Rattenschwanz (Bürokratie[25]) durchzusetzen, sind sie auch gleichzeitig die Mittel, welche die Übernahme der Betriebe durch uns Arbeiterinnen und Arbeiter vorbereiten, und nach der wir die von uns angestrebte soziale Revolution selbstverwaltet weiterführen wollen. Sie sind also Teil unserer Entwicklung, unserer Emanzipation und deswegen so gut oder schlecht wie wir selbst. Die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft wird das Ende der Produktion für Profit und das schöne Leben der Reichen sein. Die Produktionsbedingungen werden unseren Bedürfnissen in der neuen Gesellschaft angepaßt sein. Das bedeutet eine Umstrukturierung der Wirtschaft, da nach Bedarf produziert werden wird. Nebenbei bemerkt, wird sich dies auch auf unsere Umwelt und die Ökologie positiv auswirken, da die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ebenfalls aus reiner Profitsucht betrieben wird. Der Raubbau an Mensch und Natur kann schließlich nur dann beendet werden, wenn Natur und Umwelt als kollektives Gut und nicht als Privateigentum betrachtet werden.</p>
<p><strong>Föderalismus statt Zentralismus</strong></p>
<p>Ein Grundprinzip des Anarcho-Syndikalismus ist die Autonomie[26] der lokalen Gruppen und Syndikate. Es gibt keine Zentrale, die darüber entscheidet, was die jeweiligen Syndikate zu tun haben. Dies ist Ausdruck konkreter Erfahrungen der ArbeiterInnenbewegung mit den zentralistischen Gewerkschaftsverbänden &#8211; wie dem DGB &#8211; deren Vorstände eigenmächtig Beschlüsse fassen können, die den KollegInnen vor Ort schaden. Wie z.B. die Streichung von Streikgeldern, das Beenden und Verhindern von Streiks, der Ausschluß von Mitgliedern, usw. . Alle die Arbeit und Funktion der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft vor Ort betreffenden Dinge regelt diese selbst. Darüberhinaus gibt es Delegiertentreffen zwischen allen in der bundesweiten anarcho-syndikalistischen Organisation föderierten Syndikaten und Gruppen zum Austausch und der Abstimmung der gemeinschaftlichen Arbeit, wie z.B. der Herausgabe der Bundeszeitung, oder der Wahl zur Geschäftskommission, die die bundesweite Arbeit koordiniert, aber keine eigenständigen, die Gesamt-organisation betreffenden Entscheidungen treffen kann. Durch diese anti-hierarchische Struktur ist eine hochgradige Handlungsfähigkeit gewährleistet und die Gefahr einer schnellen Zerschlagung der Organisation, wie z.B. bei der Verhaftung oder &#8220;Ausschaltung&#8221; von Vorstandsfunktionären von Parteien gemindert. Wenn wir alle möglichst gut Bescheid wissen, kann die Arbeit auch dann weiterlaufen, da das Wissen nicht durch das &#8220;Ausscheiden&#8221; einer Zentrale mit ausgeschaltet wird. Die Organisierung der Gesellschaft</p>
<p>Die von uns angestrebte soziale Revolution wird den Staat abschaffen, da dieser dem freien Zusammenleben der Menschen im Wege steht und schon immer nur die machterhaltenden Interessen der Herrschenden beschützte und durchsetzte. Im Gegensatz also zu den autoritären Strömungen der Linken wollen wir den Staatsapparat nicht erobern, um selbst an die Macht zu gelangen. Wir wollen die in staatliche Formen gepresste Macht einfürallemal beseitigen. Um Produktion und Verteilung zu organisieren, setzen wir auf ein Rätesystem, das die Entscheidung an der jeweiligen Basis &#8211; also im Betrieb, dem Stadtteil, der Schule, der Universität &#8211; trifft. Diese jeweiligen Interessensgruppen entsenden Delegierte an einen Koordinationsrat, wo die jeweiligen Vorstellungen besprochen und Informationen ausgetauscht werden, diese Informationen gehen zurück an die Basis wo die eventuellen Entscheidungen dann getroffen werden. So ist ein Höchstmaß an direkter Demokratie, Sachkenntnis und Mitbestimmung gewährleistet. Entscheidungen werden nicht über die Köpfe anderer getroffen. Was alle Betrifft, entscheiden auch alle gemeinsam. Die Räte sind ihrerseits wieder mit anderen Räten in anderen Städten, auf regionaler, überregionaler und schließlich internationaler Ebene verbunden. Handel und Versorgung kann auf diese Weise gemeinschaftlich organisiert werden.[27] Offensiv gegen Faschismus und Ausgrenzung</p>
<p>Mit unserem Ziel der Selbstverwaltung der Betriebe und der direkt-demokratischen, herrschaftsfreien Gesellschaft, der Gleichberechtigung aller Menschen sind wir natürliche Todfeinde der Faschisten und Nationalsozialisten. Der Nationalsozialismus war krassester Ausdruck von Unmenschlichkeit, Ausbeutung der Arbeitenden und staatlicher Macht. Profitiert haben von ihm die Kapitalisten, die Wirtschafts-und Konzernchefs im industriellen Bereich, sowie die Herren (Groß-)grundbesitzer in der Landwirtschaft. Für sie war das &#8220;3.Reich&#8221; das Paradies. Niedrig-Lohn, Pseudo-Gewerkschaften, nationalsozialistische Festlegung der Arbeitszeiten- und Bedingungen[28]. Profite ohne Ende für die Reichen ohne Störung ihres Profits durch die ArbeiterInnen, einhergehend mit der Verdrängung der Frauen aus der Lohnarbeitswelt und ihrer Reduzierung auf &#8220;Mutterschaft&#8221; und &#8220;Haushaltshilfe&#8221;.</p>
<p>Wie die Geschichte des &#8220;Dritten Reichs&#8221; zeigt, waren neben Jüdinnen und Juden, und den Angehörigen anderer Kulturen[29], gerade die Arbeiterinnen und Arbeiter das Objekt der staatlichen Reglementierung, Verfolgung und Unterdrückung.[30] Zwangsarbeitsdienste waren die wiedereingeführte Wehrpflicht, sowie der Reichsarbeitsdienst (RAD). Das Prinzip der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; duldete keine Interessensorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter, da diese für die Produktion des Angriffskrieges und die Bereicherung der Konzerne und ihrer Freunde in der NSDAP gefährlich geworden wäre. Die reformistischen Gewerkschaften (ADGB)[31] wurden in das nationalsozialistische System integriert oder glichen sich schon in vorauseilendem Gehorsam freiwillig dem Nazisystem an, während aufrechte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in den Konzentrationslagern durch Arbeit (!) und Folter vernichtet wurden. Der Staat definierte im Interesse des sozialen Friedens das &#8220;Allgemeinwohl&#8221; und das war nicht sonderlich unterschiedlich zu dem, was heutzutage von PolitikerInnen als selbiges propagiert wird. Sozialer Frieden geht immer auf unsere Kosten, da die Reichen und Patrone dadurch ungestört weitermachen können. Er ist kein Frieden, sondern Teil der kapitalistischen Ausbeutungsstrategie. Er ist sogar das Gegenteil; er ist der Versuch der Verschleierung des sozialen Krieges. Es ging und geht immer wieder nur um die Interessen der Wirtschaft und der herrschenden Clique an der Regierung. Die militärische Bezeichnung der LohnarbeiterInnen (im Nationalsozialismus: der Lohnarbeiter) als &#8220;Gefolgschaften&#8221; und die Bezeichnung &#8220;Betriebsführer&#8221; für den Unternehmer, den &#8220;Chef&#8221; macht sehr deutlich, was die Nazis von den ArbeiterInnen und damit erst recht von Gewerkschaften hielten.</p>
<p>Wenn heute viele AntifaschistInnen schwerpunktmäßig nur moralisierend gegen die neuen und alten Nazis argumentieren, verkennen sie einen wesentlichen Kern des Nationalsozialismus, welcher in der unreglementierten Benutzung, Vernutzung und Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft liegt. Faschismus und Nationalsozialismus bringen der Wirtschaft und den Reichen einen immensen Nutzen, wie es die Ausbeutung der Zwangsarbeiter durch deutsche Konzerne während des &#8220;3.Reichs&#8221; belegt:</p>
<p>&#8220;Deutsche Firmen haben durch den Einsatz von Zwangsarbeitern während des Krieges mehr als 16 Milliarden Reichsmark an Lohnkosten eingespart&#8230; Den allgemeinen Umrechnungsfaktor zwischen Reichs- und Deutscher Mark von 1:5,9 zugrunde gelegt, ergäbe dies einen heute zu erstattenden Lohnausgleich von Rund 96 Milliarden Mark. Nach Abzug von Steuern und Gebühren für Zwangsarbeiter war den Firmen ein Gewinn von Rund 10 Milliarden Reichsmark (rund 60 Milliarden Deutsch Mark) verblieben.&#8221;[32]</p>
<p>Neben unserer aktiven Tätigkeit in den Betrieben, Schulen und Stadtteilen gegen Ausgrenzung und Rassismus, wie der Spaltung unserer Klasse in deutsche und ausländische/ weibliche und männliche/ erwerbslose und erwerbstätige/ auszubildenden und ausgebildeten ArbeiterInnen durch Gesetze und Rassisten, beobachten wir die Entwicklung in der neofaschistischen Bewegung und ihre Verbindungen mit konservativen und Wirtschaftskreisen aufgrund dieser historischen Erfahrungen sehr aufmerksam und bekämpfen sie.</p>
<p><strong>Für Selbstorganisation in der Gewerkschaft</strong></p>
<p>Parteien geben vor, bestimmte Interessen zu vertreten und das tun sie auch. Fast alle vertreten sie die gleichen, nämlich die der deutschen Wirtschaft, egal ob CDU/CSU, SPD, FDP, PDS oder B´90/Grüne. Die einen legen wert auf den Mittelstand, die anderen eben auch, aber bitte mit Gewässerschutz und ohne Ausländerinnen und Ausländer in der Nachbarschaft. Parteien behaupten, es müsse Spezialisten für bestimmte Dinge geben, damit manche Thematiken gründlich untersucht werden können. Auch auf diese Weise werden Hierarchien gebildet. Dazu benutzen sie in ihrer Mehrheit eine Sprache, die sie von der Mehrheit der Bevölkerung abhebt und klüger erscheinen lassen soll. Sie wollen uns damit sagen, wir seien zu blöd, um die Dinge zu kapieren.</p>
<p>Gerade die kommunistischen Parteien haben mit ihren Staatsformen und ihrem Terror alles das beschmutzt, was das Wort Kommunismus beinhaltete. Im Namen der ArbeiterInnen waren sie die Mörder und Schlächter der revolutionären Arbeiterbewegungen in allen Kontinenten. Ob in Spanien, Frankreich, Deutschland, in Russland, der Ukraine, in China, auf Kuba, in Afghanistan usw. . Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen und ist keineswegs zu pauschal oder verallgemeinernd. Natürlich hatten alle diese Formen der Parteien- und Herrscherdiktaturen eine eigene Geschichte und eigene Ausformungen. Das Prinzip war jedoch immer das gleiche. Herrschaft über die arbeitende Klasse auszuüben und ihr vorzumachen, sie sei nun ihres eigenen Glückes Schmied. Ohne gewerkschaftliche Rechte in den &#8220;sozialistischen&#8221; Staaten, wurden Streiks blutig unterdrückt (nicht nur in Polen und der &#8220;glorreichen Sowjetunion&#8221;), revolutionäre ArbeiterInnen ermordet, wie auf Kuba unter Castro, oder in Lagern zu Zwangsarbeit gezwungen, wenn sie nicht gleich als &#8220;krank&#8221; in die Psychatrien eingeliefert wurden. Die staatliche Unterdrückung jeglicher Form von Freiheit und freiem Leben nahm neben dem Nationalsozialismus gerade in den sozialistischen Staaten ihre Höchstformen an. Das dumme Geschwätz von der &#8220;Diktatur des Proletariats&#8221; war die Diktatur über das Proletariat[33]. Ein Bericht aus der &#8220;Befreiung&#8221; von 1974[34] verdeutlicht die Praxis des &#8220;Arbeiterparadieses im Sozialismus&#8221; indem er die Realität in den Fabriken Chinas Ende der 60‘er Jahre schildert: &#8220;Das Verwaltungssystem unserer Unternehmen ermöglicht einen hohen Grad an Zentralisation und Demokratie. Alle Unternehmen müßen sich an die vereinigte Führung der kommunistischen Partei und des Staates halten und unter Beibehaltung strenger Arbeitsdisziplin die Einheit von Willen und Aktion unter den Massen erhalten. So müssen die Unternehmen die Initiative und schöpferischen Kräfte der Arbeiter zur Geltung bringen, die Aufsichtsrolle der Massen entwickeln und sie dazu bringen, sich an der Verwaltung ihrer Unternehmen zu beteiligen&#8221;.</p>
<p>Liu Schao-Chi (Funktionär der KP Chinas)</p>
<p>&#8220;In der Praxis sieht das so aus, daß in den chinesischen Fabriken die betrieblichen Entscheidungen von drei Institutionen getroffen und überwacht werden. Dies sind:</p>
<p>1). Das Parteikommitee</p>
<p>2). Das revolutionäre Komitee</p>
<p>3). Der Kongreß der Arbeitervertreter</p>
<p>Das Parteikommitee ist grundsätzlich das beschließende Organ, das die wichtigsten betriebspolitischen Entscheidungen trifft. Dadurch ist die Diktatur der Partei in den Betrieben gesichert. Etwa 15% der Arbeiterschaft sind Mitglieder der kommunistischen Partei, womit also die Minderheit mit 15% eine Diktatur über die Mehrheit mit 85% ausübt. Wo immer es möglich ist, sollen in den Parteikommitees drei Gruppen vertreten sein: Arbeiter, Kader, Armee. Der Begriff Kader umfaßt alle gesellschaftlichen Schichten: führende Parteimitglieder, qualifizierte Techniker und Ingenieure, führende Verwaltungskräfte, Intellektuelle, kurz: jeden der weder Arbeiter noch Soldat ist. Die führenden Verwaltungskräfte werden in den meisten Fällen direkt vom Staat eingesetzt und nicht von den Arbeitern. Die Arbeiter haben zwar das Recht, Vorschläge zu machen, aber nicht die Macht, diese Vorschläge auch durchzusetzen, falls die übergeordnete staatliche- oder Parteiinstanz dem Vorschlag nicht zustimmt. Fast alle Kader sind ausschließlich mit Parteimitgliedern besetzt. Wie sollten sie sonst auch Karriere machen ? Ab und zu werden dann auch die Kader in der Produktion eingesetzt, damit sie nicht die Verbindung zu den Massen verlieren. Kurz gesagt sind die Mitglieder der Kader also Bosse mit einem proletarischen Image. Die Frage, was denn die Armee in den Fabriken zu suchen habe, beantwortet Mao Tse Tung sehr treffend: &#8220;Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen&#8221;.</p>
<p>Einer bereits etablierten politischen Macht genügt aber schon die Drohung mit Gewehren. Diese Erkenntnis haben sich im übrigen auch die westdeutschen Unternehmer zunutze gemacht und sich teilweise bewaffneten Werkschutz zugelegt. Weder die Arbeiter in China noch die in Deutschland sind bewaffnet. Der Staat hat in der Armee sein Gewaltmonopol[35], mit dem er seine Diktatur durchsetzt. Berechtigte Streiks der Arbeiter gelten als konterrevolutionäre Sabotage und werden genau wie in Spanien, Griechenland und der Bundesrepublik gewaltsam gebrochen. Zusammenfassend heißt das, daß in dem entscheidenden Gremium, dem Parteikommitee, die Arbeiter in der Minorität, die Kadermanager und Armeevertreter in der Majorität sind. Dabei muß man stets berücksichtigen, daß die Arbeiter in den Parteikommitees nicht repräsentativ sind für alle Arbeiter, sondern eben nur für die 15%, die Mitglied der Partei sind.</p>
<p>Das revolutionäre Komitee ist die höchste Verwaltungsinstanz. Es führt aber die Beschlüsse des Parteikommitees nur aus und kontrolliert die Produktion. Das Kommitee setzt sich aus Parteimitgliedern und Nicht-Parteimitgliedern zusammen. In den Betrieben finden recht eigenwillig die Wahlen zu den revolutionären Kommitees statt. Nach einer öffentlichen Diskussion zwischen der Parteiorganisation und den Arbeitern werden die Listen aufgestellt. Diese Listen werden sodann dem Parteikommitee vorgelegt, das gegebenenfalls einige Vorschläge kritisiert. Danach werden die Kandidatenvorschläge erneut von Partei und Arbeitern diskutiert und eine &#8220;überarbeitete&#8221; Liste aufgestellt. Manchmal geht diese Liste auf diese Weise ein paar Mal hoch und runter. Am Ende bleiben dann nur solche Kandidaten übrig, die der Parteiführung hundertprozentig genehm sind. Natürlich wagt es kein Arbeiter, die Vorschläge der Partei zu kritisieren, denn er würde sich dadurch als &#8220;Konterrevolutionär&#8221; entlarven. Die endgültigen Kandidaten werden dann mit überwältigender Mehrheit gewählt.</p>
<p>Der Kongress der Arbeitervertreter ist eine Einrichtung, die während der &#8220;Kulturrevolution&#8221; geschaffen wurde. Nicht jeder Arbeiter kann in diesen Kongreß hinein, sondern nur Revolutionäre. Die Frage ist lediglich, wer bestimmt, was revolutionär ist!</p>
<p>Der Kongreß hat die Aufgabe, die Bildung und Erziehung der Arbeiter zu organisieren, die Arbeiter zu mobilisieren = anzutreiben, damit sie den Produktionsplan erfüllen, Verschwendung zu verhindern, Verbesserungsvorschläge zu machen und die Meinungen und Stimmungen der Arbeiterschaft an die Partei und das revolutionäre Komitee weiterzuleiten. Er ist also der verlängerte Arm der Partei und verrichtet für sie Propaganda, Antreiber- und Spitzeldienste. Irgendeine Entscheidungs &#8211; oder Verwaltungsbefugnis hat der Kongreß der Arbeiter nicht.</p>
<p>Eine genaue Betrachtung der Realitäten in den chinesischen Fabriken, wie sie zwei promaoistische Autoren, die einen Monat lang verschiedene Betriebe in China besichtigten, geschildert haben, zeigt leider &#8211; wenn man den Glorienschein schöner Worte beiseite wischt &#8211; nichts anderes, als die Wirklichkeit nackter Ausbeutung. Die Arbeiter haben nichts zu sagen, sondern zu arbeiten. Die Leitung der Wirtschaft liegt in den Händen der Parteifunktionäre, der Armee, der Manager und der Staatsfunktionäre, welche in den meisten Fällen identisch sind. Auf der einen Seite (steht) die Klasse der Arbeiter ohne jegliche Macht, auf der anderen Seite die Klasse der Funktionäre &#8211; die neuen Kapitalisten &#8211; die sich den Mehrwert[36]aneignen, um davon ein unproduktives, fettes Leben zu führen. Selbst auf der untersten Ebene, im Betrieb, haben die Arbeiter keine echte Kontrollmöglichkeit. Durch ein ausgeklügeltes System von Kommitees, Kongressen und Scheinwahlen wird lediglich Arbeiterdemokratie vorgegaukelt.</p>
<p>Die Lehre daraus kann nur sein, sich nicht von irgendeiner politischen Partei &#8211; mag sie sich noch so radikal und kommunistisch gebärden &#8211; die Abschaffung kapitalistischer Produktionsweisen zu erhoffen. Das Ziel revolutionärer Tätigkeit darf nicht die Diktatur einer Partei sein, sondern die Selbstverwaltung der Arbeiter. Das bedeutet Aufhebung der Trennung zwischen Produktionstätigkeit und Verwaltungsinstanz. Der Weg dahin führt über eine revolutionär-wirtschaftliche und nicht über eine parteipolitische Organisation der arbeitenden Massen. Eine solche wirtschaftliche Organisation kann nur eine permanent revolutionäre gewerkschaftliche Bewegung&#8230;.sein. Die Keimzellen zu einer solchen wirtschaftlichen Organisation sind revolutionäre Betriebsgruppen, die sich nach den praktischen Erfordernissen des Klassenkampfes zusammenschließen. Auf keinen Fall darf diese Organisation ein neues Funktionärswesen aufkommen lassen, das von der Organisation für die politische Arbeit bezahlt wird, denn die Funktionäre sind die zukünftigen Möchtegernführer und Ausbeuter &#8211; siehe China.&#8221;</p>
<p><strong>Internationale Solidarität gegen die Globalisierung</strong></p>
<p>Die Übernahme- und Fusionswelle[37] zwischen deutschen und internationalen Konzernen vernichtet massenhaft Arbeitsplätze und führt zur Monopolisierung ganzer Branchen durch Riesen-Konzerne, die über Preis und Produkte bestimmen. Diese Konzerne sind die Giganten, die die Welt beherrschen und beständig an Einfluß gewinnen.[38]</p>
<p>Gegen diese Entwicklung setzen wir AnarchosyndikalistInnen auf eine verbindliche internationale Solidarität. Die FAU ist der anarchosyndikalistischen Internationalen, der &#8220;Internationalen Arbeiterinnen und Arbeiter Assoziation&#8221; (IAA) angeschlossen, um so gegenseitige Unterstützung und Solidarität bei Arbeitskämpfen wie z.B. Streiks oder bei der Durchsetzung politischer Forderungen zu erreichen. Ein gutes Beispiel dafür ist die eingangs erwähnte Betriebsbesetzung bei Alcatel in Berlin und ihre Unterstützung durch die französische CNT.[39]</p>
<p><strong>Konsum und Boykott sind Mittel der direkten Aktion</strong></p>
<p>Als AnarchosyndikalistInnen versuchen wir uns gegen alles zu wehren, was unser Leben schlechter macht, schlecht hält und bedroht. Wir versuchen nach besten Möglichkeiten Menschen und Bewegungen zu unterstützen, die sich gegen ihre Ausbeutung wehren und kein neues unterdrückerisches System errichten wollen. Der Boykott und Konsum bestimmter Waren ist deshalb eine wirksame Waffe der direkten Aktion gegen Schweinereien oder eine bewußte Möglichkeit, gute Dinge zu unterstützen und kann von jedem Menschen praktiziert werden. In der Vergangenheit kam es immer wieder zum Boykott bestimmter Produkte, deren Herstellung auf Kosten unserer KollegInnen &#8211; auch in anderen Kontinenten der Erde &#8211; ging. Der Boykott solcher Produkte schwächt die Unternehmer und ist Ausdruck konkreter Solidarität mit den ausgebeuteten KollegInnen. [40]</p>
<p><strong>Die Linke, die arbeitende Klasse und&#8230;</strong></p>
<p>Gerade in der politischen Linken wird über uns Lohnabhängige am heftigsten diskutiert und gestritten. Dabei geht es dann oft um die Frage, ob wir noch länger das &#8220;revolutionäre Subjekt&#8221;, also das Mittel der Gesellschaftsveränderung sind oder nicht, ob wir es nach der Auffassung von XYZ überhaupt jemals waren, was Marx und Engels dazu meinen zu meinen oder ob es überhaupt noch eine arbeitende Klasse gibt, und ob wir nicht in einer Freizeitgesellschaft leben würden. Wieder andere sehen in der arbeitenden Klasse ein riesiges rassistisches und frauenfeindliches, alkoholisiertes, dummes und unpolitisches irgendwas. Und natürlich gibt es ja auch in der arbeitenden Klasse rassistische, frauenfeindliche, Alkohol-abhängige Menschen, und Menschen die nach der Vorstellung vieler Linker dumm und unpolitisch sind. Das unakzeptable an diesen Positionen ist die Verallgemeinerung und Stigmatisierung der Menschen aus der arbeitenden Klasse. Das, was wir von Anfang an gewohnt sind, die Verächtlichmachung, die Respektlosigkeit, die Vorurteile uns gegenüber, alles dies wird von diesen Linken weitergetragen, die sonst oft die ersten sind, wenn es um &#8220;Differenzierungen&#8221; geht. (Das Wort auf die Goldwaage legen). Nicht das es nicht darauf ankommt, sich korrekt auszudrücken; aber Sprache und Bildung waren schon immer Machtmittel, mit denen versucht und durchgesetzt wurde, die Menschen aus den unteren Klassen, wozu die arbeitende Klasse nuneinmal zählt, unmündig, klein, ohnmächtig und passiv zu halten. Andererseits ist auch oft ein Ablenken von der eigenen Lebenssituation in der Linken zu beobachten. Die Klassenzugehörigkeit wird &#8220;vergessen&#8221; und weicht stattdessen einer intelektuellen Betrachtung des Individuums, das sich selbst vormacht, frei von den Abhängigkeiten und Ungerechtigkeiten der Klassengesellschaft zu sein. Sowas gibt es aber nicht.</p>
<p><strong>&#8230;die totalitäre Glorifizierung</strong></p>
<p>Auf der anderen Seite schufen die sog. &#8220;sozialistischen Staaten&#8221;, ob nun die UdSSR[41], die DDR, die VR China u.a. ein marxistisch-leninistisches[42] &#8220;Idealbild&#8221; des Arbeiters und der Arbeiterin das der Wirklichkeit entfremdet war. Das berechtigte Interesse der ArbeiterInnenbewegung nach Anerkennung und Selbstbewußtsein wurde dermaßen durch Glorifizierungen instrumentalisiert, das es in den &#8220;sozialistischen Staaten&#8221; oftmals religiöse Züge annahm. Den Arbeiterinnen und Arbeitern brachte das nichts, im Gegenteil: Der Kapitalismus gaukelte sich als Arbeiter- und Bauern-Paradies durch die Jahrzehnte, und die Parteifunktionäre lebten gut auf Kosten der arbeitenden Klasse. Revolutionäre Bewegungen aus der arbeitenden Klasse wurden blutig niedergeschlagen. Gewerkschaftliche Rechte, Freiheit und Selbstbestimmung waren nicht vorhanden. Die Anhänger des Marxismus-Leninismus errichteten im Namen der arbeitenden Klasse ein totalitäres System der Unterdrückung der arbeitenden Klasse. Eine Lehre aus dieser blutigen Geschichte kann nur sein, marxistisch-leninistische Ideologien und deren Träger zu isolieren und ihnen niemals mehr die Möglichkeit zu geben oder geben zu lassen, Macht zu erlangen, die sie doch nur wieder gegen uns gebrauchen werden.</p>
<h2><strong>Exkurs:</strong></h2>
<p><strong>Anarcho-SyndikalistInnen &#8211; Teil der &#8220;Linken&#8221;?</strong></p>
<p><em>Ein Beitrag von H. Döhring</em></p>
<p>Die Kategorie &#8220;Links&#8221; ist ein politischer Kampfbegriff. Derlei Richtungsbegriffe kommen aus dem parlamentarischen Bereich, dem wir nicht angehören. Wir lassen uns nicht in die begrifflichen (Denk-) kategorien der Herrschenden einsortieren. Denn jeder Mensch, der sich nicht sowieso schon als &#8220;Rebell&#8221; begreift, hält sich vom &#8220;Extremen&#8221; fern, hält sich immer in der sicheren Mitte auf. &#8220;Rechte&#8221; und &#8220;Linke&#8221; als Extremisten zu betiteln und sich selbst als die attraktive und &#8220;vernünftige&#8221; Mitte zu präsentieren, ist propagandistische Grund-voraussetzung dafür, möglichst viele Menschen vor den Karren der &#8220;gemäßigten&#8221; Gewerkschafts- oder Parteiführer zu spannen. Die Herrschenden kehren sich somit immer wieder als regulierendes und Frieden gewährleistendes Element heraus, obwohl sie es sind, die die Ungerechtigkeiten schaffen und erhalten und davon dauernd profitieren. Das durchaus legitime Schutz- und Sicherheitsbedürfnis der allermeisten Menschen kanalisieren sie so begrifflich in ihre Bahnen. Der widerlichste Repräsentant dieser Mitte ist der Sozialdemokrat ! Wer das Volk in Massen um sich scharen will, drängt zur (&#8220;neuen&#8221;) Mitte.</p>
<p>Im Gegensatz zur sog. &#8220;Linken&#8221;, die sich selbst dummer- und bezeichnenderweise (aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit) auch noch als solche bezeichnet, haben wir eigene Wertmaßstäbe und eine eigene (proletarische) Geschichte. Wir Anarcho-SyndikalistInnen haben in diesem Schema nichts zu suchen. Wir verstehen uns definitiv nicht als Teil einer sog. &#8220;Linken&#8221; !</p>
<p>Für uns gibt es nur Ausbeuter und Ausgebeutete/ Herrscher und Beherrschte, sowie einen selbstorganisierten Widerstand gegen die UnterdrückerInnen.</p>
<p><em><strong>Ende des Exkurses</strong></em></p>
<p><strong>Anarchosyndikalistische Kritik an der Gewerkschaftslinken</strong></p>
<p>Eine der wesentlichsten Kritiken von uns AnarchosyndikalistInnen an den Bestrebungen der Gewerkschaftslinken ist deren Unterstützung des DGB. Im DGB sehen die Gruppen und Fraktionen der Gewerkschaftslinken die Einheitsorganisation der ArbeiterInnen (übrigens genauso wie kommunistische Parteien, deren Funktionäre ebenfalls in der Gewerkschaftslinken mitarbeiten) und möchten ihn zu einer Klassenkampf-Organisation umformen. Dabei sind sie sich abermals mit den Vertretern der kommunistischen Organisationen einig, die ebenfalls dieses Ziel verfolgen. Die Unterschiedlichkeit zwischen diesen Fraktionen besteht schließlich nur noch Hauptsächlich in der Frage nach der Notwendigkeit einer sog. &#8220;Arbeiterpartei&#8221;, die die KommunistInnen &#8211; natürlich in verschiedenen Facetten &#8211; aufbauen wollen.[43] In der Gewerkschaftslinken organisieren sich in der Regel die aktiven KollegInnen und unteren Funktionäre des DGB. Sie sind es auch, die den DGB für KollegInnen attraktiv machen und halten, und ihn somit stärken. Einen Einfluß auf seine politische Ausrichtung und Praxis haben sie nicht und unterstützen damit seine sozialpartnerschaftliche Politik. Es ist die Illusion der Reformierbarkeit des DGB-Apparates, der sie an die Veränderung des DGB glauben läßt. Anstatt ihre Energie und Kraft in ein selbstbestimmtes, klassenkämpferisches Projekt, wie eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft einzubringen, reiben sie sich am Apparat auf. Die Gewerkschaftslinke ist keine Einheit. Sie ist unterteilt in eine Vielzahl von Menschen und Fraktionen mit unterschiedlichsten Grundsätzen, die sich teilweise grundlegend Widersprechen, was Ziele und Analysen angeht. Diese &#8220;Vielfalt&#8221; der Grundsätze ist für die konkrete Verbesserung unserer Lebensbedingungen ein Hindernis, da um den Zusammenhalt willen ständig Kompromisse geschlossen werden müssen, anstatt konkrete Arbeit zu leisten. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft, denn unsere Prinzipien sind klar und eindeutig.[44] Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft steht für den kompromißlosen Klassenkampf &#8211; das Eintreten für unsere eigenen Interessen und den Aufbau einer freien, selbstverwalteten Gesellschaft, in der wir die gesellschaftlich notwendige Arbeit gemeinschaftlich organisieren und unser Leben selbstbestimmt leben. Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft steht für die Würde und den Kampf der ausgebeuteten und unterdrückten Menschen. Sie steht für unsere Befreiung von Not und Ausbeutung, da wir, die wir uns gegen Führer und für Solidarität, Freiheit und Gleichheit entscheiden, die anarchosyndikalistische Gewerkschaft sind. Der Anarchosyndikalismus ist flexibel und zeitlos aktuell wenn wir ihn als Praxis benutzen und nicht zur Ideologie verkommen lassen. Oder wie ein französischer Genosse schon vor einigen Jahren gesagt hat: &#8220;Der Anarcho-Syndikalismus, das ist wie mit der Meinungsfreiheit, er nutzt sich nur ab, wenn er nicht benutzt wird!&#8221;. Benutzen wir ihn !</p>
<p>Selbstbewußtsein und Selbstachtung sind die Voraussetzungen, den Kampf zu gewinnen. Ist es nicht verwunderlich das im heutigen Sprachgebrauch das Wort &#8220;Prolo&#8221; oder &#8220;Prolet&#8221; als Beleidigung gilt? Warum eigentlich? Es gibt dafür keinen Grund. Viel besser ist es doch, ein gesundes Selbstbewußtsein zu entwickeln und es wie die britische Classwar-Bewegung auf den Punkt zu bringen: &#8220;Say it loud &#8211; Working Class and proud&#8221;.[45]</p>
<p><em><strong>Fussnoten</strong></em></p>
<p><em>[1] Anarcho-Syndikalismus wird im folgenden Text erklärt. Syndikalismus steht für eine selbstorganisierte und autonome Gewerkschaftsbewegung, Anarchismus steht für Herrschaftslosigkeit und Selbstbestimmung.</em></p>
<p><em>[2]Deutscher Gewerkschaftsbund</em></p>
<p><em>[3] Seit der Gründung des DGB besteht ein Großteil der oberen und mittleren Ebene der Funktionsträger aus SPD-Mitgliedern. Im Bundestagswahlkampf 1998 machte die Mehrheit der Vorsitzenden der DGB-Einzelgewerkschaften Stimmung für eine SPD geführte Bundesregierung. Ein weiteres Beispiel der offenen Verfilzung war der Skandal um die DGB eigenen Wohnhäuser der &#8220;Neuen Heimat&#8221;. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) war jahrelanger Vizevorsitzender der IG Metall.</em></p>
<p><em>[4] Opposition bedeutet die Gegnerschaft zur Mehrheits- oder Vorstandsmeinung.</em></p>
<p><em>[5] Auf der anderen Seite mußten und müssen sich DGB-oppositionelle Betriebsgruppen ständig gegen den Verlust ihrer Unabhängigkeit verteidigen. Oft arbeitete der DGB mit Unternehmensleitungen gegen kritische und kämpfende KollegInnen zusammen, um den sozialpartnerschaftlichen Status Quo wieder herzustellen bzw. vor einem selbstorganisierten und dadurch dem direkten Machtapparat des DGB nicht unterstellten Angriff der ArbeiterInnen zu verteidigen. Ein Resultat dieser Politik gegen die Autonomie der ArbeiterInnen ist die systematische Zerstörung solcher unabhängiger Betriebsgruppen oder deren Korrumpierung und/oder deren Auffressen durch die jeweilige DGB-Gewerkschaft im Betrieb, wie z.B. der &#8220;Plakat-Gruppe&#8221; durch die IG Metall bei Daimler in Stuttgart. Auf der anderen Seite zeigt sich hier, daß Solidarität und bundesweite Organisation eine Waffe gegen das Mürbereiben sind, da ein organisierter Rückhalt gewährleistet wird, der ein ausdauerndes Kämpfen gegen diese Angriffe unterstützt. Die Politik autoritär-sozialistischer und kommunistischer Parteien gegen die ArbeiterInnen-Autonomie schildere ich an anderer Stelle.</em></p>
<p><em>[6] Friedenspflicht &#8211; Die sozialpartnerschaftlich durch DGB-Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände geschlossene Arbeitskampffreie Zeit zwischen den Tarifverhandlungen.</em></p>
<p><em>[7] Siehe auch DA (Direkte Aktion &#8211; anarchosyndikalistische Zeitung) Nr. 134, S.3.</em></p>
<p><em>[8] Confederation National de Travail (eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Frankreich)</em></p>
<p><em>[9] Ein ausführlicher Bericht zur Besetzung ist in der DA Nr.136 unter dem Titel &#8220;Easy Metall&#8221; erschienen.</em></p>
<p><em>[10] Repression = Unterdrückung.</em></p>
<p><em>[11] opportun = angepaßt</em></p>
<p><em>[12] Das nennt sich in Funktionärsdeutsch &#8220;vertrauensvolle Zusammenarbeit&#8221;</em></p>
<p><em>[13] &#8220;Verdi&#8221; ist die Abkürzung für &#8220;Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft&#8221;. ÖTV, DAG (Deutsche Angestelltengewerkschaft), HBV, DPG und IG Medien beabsichtigen sich zu dieser sog. &#8220;Supergewerkschaft&#8221; zusammenzuschließen.</em></p>
<p><em>[14] Anders als z.B. beim DGB, wo Funktionäre teilweise auf mehrere 100.000DM Jahresgehalt &#8211; durch Mitgliedsbeiträge finanziert &#8211; kommen. Finanziell Gutgestellte DGB-Funktionäre, die von den Mitgliedsbeiträgen der GewerkschafterInnen Leben sind für mich keine GewerkschafterInnen.</em></p>
<p><em>[15] So ist in Baden-Württemberg die &#8220;Pauschalisierte Sozialhilfe&#8221; in manchen Kommunen eingeführt, wie z.B. in Sindelfingen und Schorndorf. D.h. diese &#8220;Pauschale&#8221; ersetzt den &#8220;Regelsatz&#8221; und streicht damit &#8220;spezielle&#8221; finanzielle Hilfen wie z.B. Kleidergeld, Wohngeld, Reisekosten etc. Siehe auch &#8220;Sindelfinger Zeitung&#8221; vom 19. April 2000 und die &#8220;Schorndorfer Nachrichten&#8221; vom 17. April 2000</em></p>
<p><em>[16] Das sich trotzdem die meisten Erwerbslosengruppen heute so sehr am DGB orientieren und ihn in‘s Boot der gemeinsamen &#8220;Aktionseinheit&#8221; ziehen wollen, dürfte an seiner Finanzkraft liegen.</em></p>
<p><em>Wenn er nämlich wollte, könnte er die Initiativen der Erwerbslosen unterstützen. So geht viel Zeit und Kraft in endlosen Diskussionen um Positionen verloren.</em></p>
<p><em>Insofern sollte uns also doch interessieren, was er braucht, um es ihm wegzunehmen oder ihn daran zu hindern, es zu bekommen. Eine ständige Schwächung des Unternehmers ist eine ständige Stärkung der Belegschaft.</em></p>
<p><em>[17] Etwa durch ausgeprägte Hierarchie, Informationsvorenthaltung, alleinige Entscheidungsfindung, falsche Darstellungen &#8211; die nicht, oder nur schwer überprüfbar sind &#8211; usw.</em></p>
<p><em>[18] von unten bedeutet von der Basis, von uns Betroffenen, Ausgebeuteten im Gegensatz zu den Funktionären von Parteien, oder Unternehmern und sonstigen &#8220;Weisungsgebern&#8221;.</em></p>
<p><em>[19] Vergleiche die oben genannten Interessenveränderungen von sog. Gewerkschaftsfunktionären</em></p>
<p><em>[20] Deutsche Kommunistische Partei</em></p>
<p><em>[21] Vergleiche die Protokolle des 2. und 10. KPD-Parteitages.</em></p>
<p><em>[22] Mit &#8220;Arbeitenden&#8221; sind sowohl LohnarbeiterInnen als auch SchülerInnen, StudentInnen, Erwerbslose gemeint, da alle in Abhängigkeitsverhältnissen stecken, die wir beseitigen wollen.</em></p>
<p><em>[23] Alle Zahlen stammen von der &#8220;Deutschen Bank-Research&#8221;</em></p>
<p><em>[24] Siehe auch den Beitrag &#8220;630 DM reichen nicht&#8221; in der &#8220;Bremer Aktion&#8221; Nr.3 &#8211; Zeitung der FAU-IAA Lokalföderation Bremen und das anschließende Interview mit einer FAU-Kollegin über Erfahrungen und die Organiserung eines angestrebten Arbeitskampfes in einem Gastronomiebetrieb.</em></p>
<p><em>[25] Bürokratie ist genauso ein Herrschaftsinstrument über uns, wie Werksschutz, Vorgesetzte, Hierarchie etc.</em></p>
<p><em>[26] Autonomie: Die Unabhängigkeit, Selbstbestimmung.</em></p>
<p><em>[27] Siehe auch: Santillian, Peiró: Ökonomie und Revolution &#8211; Der ökonomische Organismus der Revolution. Und: Studienkommission der Berliner Arbeiterbörse (FAUD): Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus. Die konkrete Darstellung der Vernetzung der Räte und deren Aufbau, ist eine Arbeit die erforderlich ist, den Rahmen dieser Broschüre allerdings sprengen würde.</em></p>
<p><em>[28] Die Nationalsozialisten setzten anstelle von Tarifautonomie sog. Treuhänder der Arbeit ein, die für Staat und Partei die Arbeitsbedingungen festlegten.</em></p>
<p><em>[29] Wie z.B. den Sinti und Roma.</em></p>
<p><em>[30] Siehe auch die hervorragenden Beiträge &#8220;Nationale Sozialisten und Nationalsozialisten&#8221; in der Direkten Aktion &#8211; Nr.137 (Jan/Feb.2000). und &#8220;Wie die NPD den 1. Mai umdeuten will&#8221; in der Direkten Aktion Nr. 133 (Mai 1999)</em></p>
<p><em>[31] Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund &#8211; Vorläufer des heutigen DGB</em></p>
<p><em>[32] Berliner Zeitung vom 16.11.1999. Zitiert nach Angaben von Thomas Kuczynski</em></p>
<p><em>[33] Der Begriff Proletariat ist heute nicht mehr geläufig. Er ist ein anderes Wort für ArbeiterInnenklasse.</em></p>
<p><em>[34] Veröffentlicht in Klaus Haag: &#8220;Anarchismus in China &#8211; Schwarze Fahnen gegen Scheinfreiheit&#8221;</em></p>
<p><em>[35] Monopol: Ausschließliches Recht.</em></p>
<p><em>[36] Mehrwert: Der Profit nach Abzug der Einkaufs-, Produktions- (inklusive der Entlohnung) und sonstigen Kosten bei Einkauf und Fertigung eines Produkts.</em></p>
<p><em>[37] Fusion = Zusammenschluß zwischen zwei oder mehr Unternehmen/Konzernen</em></p>
<p><em>[38] Zur Globalisierung und Fusionswelle siehe den Artikel: &#8220;Der Krieg der Herrscher der Welt&#8221; in &#8220;direkte Aktion&#8221; Nr.131</em></p>
<p><em>[39] Zu den weiteren Aktivitäten der letzten Zeit gehört u.a. die Unterstützung der Kampagnen für die Freilassung gefangengehaltener Genossen in Tschechien. Siehe dazu auch die &#8220;Syndicat&#8221; und diverse Artikel in der &#8220;direkten Aktion&#8221; der Jahrgänge 1999 und 2000.</em></p>
<p><em>[40] Siehe z.B. die FAU-Kampagne zur Unterstützung mexikanischer KaffebäuerInnen und gegen die Vermarktung von Kaffee unter falschen Behauptungen durch die deutsche &#8220;Öko&#8221;-Firma &#8220;Lebensbaum&#8221;.</em></p>
<p><em>[41] UdSSR &#8211; Abkürzung für Union der sozialistischen Sowjet Republiken, auch Sowjetunion.</em></p>
<p><em>[42] Die &#8220;Lehren&#8221; von Karl Marx und Lenin werden ideologisch als Marxismus-Leninismus bezeichnet.</em></p>
<p><em>[43] Vergl. die programmatischen Aussagen kommunistischer Parteien wie z.B. der stalinistischen MLPD oder der trotzkistischen SAV, die sich eindeutig gegen die Selbstorganisation der ArbeiterInnen in autonomen Gewerkschaften aussprechen und diese Selbstorganisation bekämpfen. Eine ausführliche Darstellung dieser Programme führt an dieser Stelle zu weit.</em></p>
<p><em>[44] Vergl. auch die Broschüre &#8220;Perspektiven der Gewerkschaftslinken&#8221;, Hrsg. von der Redaktion Sozialismus und der Redaktion Express.</em></p>
<p><em>[45] Auf Deutsch: Sag es laut &#8211; aus der Arbeiterklasse und stolz</em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.fau.org/texte/anarcho-syndikalismus/art_021112-163859 " target="_blank">http://www.fau.org/texte/anarcho-syndikalismus/art_021112-163859 </a></em></p>
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		<title>Anarchie</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 13:50:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Auf wenigen Seiten einen auch nur summarischen Abriss des anarchistischen Denkens und der Formen libertärer Praxis zu geben, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Das rührt einerseits daher, dass man im Fall des Anarchismus nicht alle seine Äußerungen auf das Wirken eines einzigen Theoretikers zurückführen kann, und dass jene andererseits weit davon entfernt sind, Ausdruck einer erstarrten Ideologie zu sein. Im übrigen sind diese Äußerungen immer recht verschiedenartig gewesen und überschneiden sich nicht unbedingt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-33"></span><em>Anarchistische Föderation Französischer Sprache (FAF). Herausgegeben von der I-AFD – IFA (Initiative für eine anarchistische Föderation in Deutschland &#8211; Angeschlossen an die Internationale der Anarchistischen Föderationen)</em></p>
<p><strong>Vorwort der HerausgeberInnen</strong></p>
<p><em>Liebe Leserinnen und Leser,</em></p>
<p>Mit der Broschürenreihe Libertäre Texte, in der wir Materialien zu Theorie(n) und Praxis, Entwicklung und gegenwärtigen Formen anarchistischer Bewegungen in aller Welt veröffentlichen wollen, möchten wir nicht nur Szene-InsiderInnen und aktive Libertäre ansprechen.</p>
<p>Sie richtet sich vor allem an die wachsende Zahl staatsverdrossener und parteimüder Mitmenschen, die sich auf der Suche nach gangbaren, gesellschaftlichen Alternativen auch einmal vorurteilsfrei über den Anarchismus, seine Vorstellungen, Ziele und Ausdrucksformen informieren wollen.</p>
<p>Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich das erste Bändchen dieser Reihe der grundsätzlichen Frage widmet, was Anarchismus denn nun eigentlich ist. Der vorliegende Text, der im letzten Jahr von der Commission Propagande der Anarchistischen Föderation Frankreichs (FAF/IFA) unter dem Titel Qu est-ce que l´anarchisme? publiziert wurde, hat nicht den Anspruch, darauf eine allumfassende, quasi akademische Antwort zu geben, aber er vermittelt, leicht verständlich geschrieben, einen guten Zugang zur anarchistischen Ideenwelt und den Versuchen, sie zur Realität werden zu lassen. Er räumt auf mit dem Mythos von den gewalttätigen, bombenwerfenden AnarchistInnen, die nichts anderes im Sinn haben, als durch blindwütigen Terror ein Höchstmaß an Chaos in der Gesellschaft zu erzeugen.</p>
<p>Wir bedanken uns herzlich bei den GenossInnen der Bielefelder Ortsgruppe der Freien ArbeiterInnen Union (FAU/IAA), die uns die deutsche Übersetzung des Originaltextes der FAF zur Verfügung gestellt haben und damit das Erscheinen dieses Bandes ermöglichten.</p>
<p>Im Mai 1993 Gruppe Krefeld/Moers der Initiative für eine Anarchistische Föderation in Deutschland (I-AFD) / Angeschlossen an die Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA)</p>
<p><strong>Anarchismus</strong></p>
<p>Auf wenigen Seiten einen auch nur summarischen Abriss des anarchistischen Denkens und der Formen libertärer Praxis zu geben, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Das rührt einerseits daher, dass man im Fall des Anarchismus nicht alle seine Äußerungen auf das Wirken eines einzigen Theoretikers zurückführen kann, und dass jene andererseits weit davon entfernt sind, Ausdruck einer erstarrten Ideologie zu sein. Im übrigen sind diese Äußerungen immer recht verschiedenartig gewesen und überschneiden sich nicht unbedingt.</p>
<p>Gewöhnlich bezieht man sich auf Stirner, Proudhon und Bakunin, als die drei Haupttheoretiker dieser Denkströmung. Das ist aber nur zum Teil richtig, denn was Stirner betrifft, so blieb sein Denken bis zum Ende des 19. Jahrhunderts außerhalb Deutschlands praktisch unbekannt und hatte mit dem Entstehen der libertären Bewegung im eigentlichen Sinne überhaupt nichts zu tun. Was Proudhon angeht, der zu Recht als Vater des Anarchismus betrachtet werden kann, so hat sein Denken lange Zeiten des Vergessens durchgemacht und ist gelegentlich grob entstellt worden. Und wenn der Einfluss von Bakunin auf die libertäre Bewegung auch direkt und entscheidend gewesen ist, so hat diese doch erst nach seinem Tod ihren eigentlichen Aufschwung genommen und ihre charakteristischen Merkmale entwickelt. Überdies sind die anarchistischen Ideen im wesentlichen durch das Werk seiner Schüler, wie Kropotkin und Malatesta, bekannt geworden, die nicht davor zurückgeschreckt sind, das Erbe Bakunins in wichtigen Punkten zu verändern, zu präzisieren und zu erweitern, wobei sie sich ausdrücklich auf den libertären Kommunismus beriefen.</p>
<p>Dennoch hat das anarchistische Denken ein einheitliches Gepräge mit festen Grundzügen, und es wäre ein schwerer Irrtum, in ihm nur einfach einen individuellen Protest zu sehen &#8211; wie es seine Gegner oft getan haben &#8211; oder den Ausdruck eines folgenlosen Geistes der Revolte.</p>
<p>Auf philosophischer und geistiger Ebene kann der Anarchismus als die extremste Äußerung der Verweltlichung des abendländischen Denkens betrachtet werden, indem er bis zur Ablehnung jeglicher Form einer dem Menschen äußerlichen oder höheren Autorität fortschreitet, egal ob sie vorgibt, göttlichen oder menschlichen Ursprungs zu sein; sowie zur Ablehnung aller Prinzipien, die zu allen Zeiten unter verschiedenen Formen und Gestalten von den jeweils Mächtigen benutzt wurden, um ihre Ausbeutung und ihre Herrschaft über den Rest der Bevölkerung zu rechtfertigen.</p>
<p>Auf politischer und sozialer Ebene stellt sich der Anarchismus als Fortsetzung des Werkes der französischen Revolution dar, insofern er neben der politischen Gleichheit die Verwirklichung einer tatsächlichen ökonomischen und sozialen Gleichheit einfordert; eine faktische Gleichheit, die erst aus dem Kampf gegen den Kapitalismus und für die Abschaffung des Lohnsystems entstehen kann.</p>
<p>Historisch ist die anarchistische Bewegung &#8211; ebenso wie andere sozialistische Strömungen auch &#8211; aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen, als Ausdruck des Protestes der Arbeiter gegen die moderne Ausbeutung. In dieser Hinsicht kann er als radikale Reaktion auf die Lage der Arbeiter im 19. Jahrhundert begriffen werden, die gekennzeichnet war durch die Verallgemeinerung der Lohnarbeit und die Teilung der Gesellschaft in Klassen.</p>
<p>Vom Moment ihrer Entstehung an traten die anarchistischen Ideen in Widerspruch sowohl zu den reformistischen Auffassungen des Sozialismus (die es für möglich hielten, die Ungleichheiten der kapitalistischen Gesellschaft nach und nach zu verändern), als auch zu den marxistischen Auffassungen, insbesondere was den Einsatz der Diktatur als revolutionäres Mittel betrifft.</p>
<p><strong>Die Besonderheit der anarchistischen Lehre</strong></p>
<p>Die Anarchisten streben eine Gesellschaft freier und gleicher Menschen an. Die Freiheit und die Gleichheit sind die beiden Schlüsselbegriffe, um die sich alle libertären Entwürfe drehen.</p>
<ul>
<li> Als Sozialisten sind sie für den Gemeinbesitz an Produktions- und Distributionsmitteln.</li>
<li>Als Libertäre glauben sie, dass der Einzelne nur frei sein kann in einer Gesellschaft wirklich freier Menschen, und dass die Freiheit eines jeden von der Freiheit der anderen nicht eingeschränkt, sondern bestätigt wird. Die Freiheit, wie auch die Gleichheit, so wie die Libertären sie begreifen, hat indes nichts Abstraktes, sondern zielt ab auf eine konkrete, d.h. soziale Freiheit und Gleichheit, die sich auf die gleiche und wechselseitige Anerkennung der Freiheit aller gründet.</li>
</ul>
<p>„Ich bin überzeugter Anhänger der ökonomischen und sozialen Gleichheit“, konnte Bakunin schreiben, „weil ich weiß, dass außerhalb dieser Gleichheit Freiheit, Gerechtigkeit, menschliche Würde, Moral und Wohlergehen des Einzelnen ebenso wie der Wohlstand der Nationen nichts als Lügen sein werden; doch als Anhänger auch der Freiheit, dieser Grundvoraussetzung der Menschlichkeit, glaube ich, dass die Gleichheit sich durch die freiwillige Organisation der Arbeit und des Kollektiveigentums der frei zusammengeschlossenen und föderierten Produzentenassoziationen in den Kommunen herstellen muss, nicht unter der Oberhoheit und Vormundschaft des Staates.“ Um einen solchen gesellschaftlichen Zustand zu verwirklichen, der einzige, der tatsächlich jede Form der Ausbeutung und des Privilegs abschaffen kann, meinen die Anarchisten, dass es unvermeidlich ist, nicht nur jede Form ökonomischer Ausbeutung zu bekämpfen, sondern auch jede Form politischer Herrschaft staatlicher oder regierungsförmiger Art. Für die Anarchisten schafft jede Regierung, jede Staatsmacht, ungeachtet ihrer Zusammensetzung, ihres Ursprungs und ihrer Legitimität die materielle Voraussetzung für die Herrschaft und die Ausbeutung eines Teils der Gesellschaft durch den anderen. Wie Proudhon gezeigt hat, ist der Staat nur ein Parasit der Gesellschaft, den die freie Organisation der Produzenten und Konsumenten überflüssig machen muss und kann. In diesem bestimmten Punkt sind die anarchistischen Auffassungen ebenso weit von den liberalen Auffassungen entfernt &#8211; die aus dem Staat einen notwendigen Schiedsrichter zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens machen &#8211; wie von den marxistisch-leninistischen Auffassungen &#8211; die glauben, die politische und diktatorische Macht eines Arbeiterstaates einsetzen zu können, um die Klassenantagonismen abzuschaffen. Seit 1917 ist, zunächst in Russland, dann auch in anderen Ländern besonders des Ostens das Scheitern der Versuche, den Sozialismus durch den Einsatz der Diktatur zu verwirklichen, offensichtlich und beweist zur Genüge die Richtigkeit der libertären Kritiken in dieser Sache.</p>
<p>Der Einsatz der Diktatur, und sei es im Namen des Proletariats, hat nicht etwa zum Absterben des Staates geführt, sondern überall eine riesige Bürokratie geschaffen, die das soziale Leben und die freie Initiative des Einzelnen erstickt. Und doch war es eben diese Bürokratie, bis heute die Hauptquelle der Ungleichheiten und Privilegien in diesen Ländern, die das kapitalistische Privateigentum hat abschaffen wollen. Wie schon Bakunin in seiner Polemik mit Marx unterstrichen hatte: Freiheit ohne Gleichheit ist eine krankhafte Fiktion (&#8230;). Gleichheit ohne Freiheit; das ist Staatsdespotismus. Und der despotische Staat könnte keinen einzigen Tag lang bestehen, ohne wenigstens eine ausbeuterische und privilegierte Klasse zu haben: die Bürokratie. Der regierungsförmigen, zentralisierenden Organisationsweise des gesellschaftlichen Lebens stellen die Libertären eine föderalistische Organisationsweise gegenüber, die es ermöglicht, den Staat und seinen Verwaltungsapparat zu ersetzen durch die kollektive Übernahme aller Funktionen des sozialen Lebens, die jetzt noch durch über der Gesellschaft thronende staatliche Körperschaften monopolisiert und verwaltet werden, durch die Betroffenen selbst.</p>
<p>Der Föderalismus als Organisationsweise bildet den zentralen Bezugspunkt des Anarchismus, die Grundlage und die Methode, auf welche der libertäre Sozialismus aufbaut. Stellen wir indes klar, dass der so verstandene Föderalismus nur sehr wenig gemein hat mit den bekannten Formen des politischen Föderalismus, wie er derzeit von einer Reihe von Staaten praktiziert wird. Es handelt sich nämlich im Sinne der Libertären nicht bloß um eine Regierungstechnik, sondern um ein eigenständiges gesellschaftliches Organisationsprinzip, das alle Lebensaspekte einer menschlichen Gemeinschaft umfasst. Entweder der Föderalismus ist vollständig, oder er ist überhaupt nicht.</p>
<p>Das anarchistische Denken ist also recht weit davon entfernt, Notwendigkeit und Bedeutung der Organisation abzustreiten, es setzt sich vielmehr eine andere Art sich zu organisieren zum Ziel, die sowohl die Autonomie seiner Bestandteile sicherstellt, als auch kollektiven Erfordernissen Rechnung trägt. An der Basis beruht der Föderalismus auf der Autonomie der Betriebe und der Industrien wie auch der Kommunen. Die einen wie die anderen schließen sich zusammen, um sich gegenseitig zu schützen und um die individuellen und kollektiven Bedürfnisse zu befriedigen. Ebenso wie die Selbstverwaltung im Unternehmen die Ersetzung des Lohnsystems durch die Verwirklichung der assoziierten Arbeit ermöglicht, so gestattet die föderative Organisation der Produzenten, der Kommunen, der Regionen die Abschaffung des Staates. Sie stellt sich dar als unerlässlicher Beitrag zur Durchführung des Sozialismus und als beste Garantie für die individuelle Freiheit.</p>
<p>Die Grundlage einer solchen Organisation ist der gleiche und wechselseitige, freiwillige, nicht theoretische, sondern faktische Vertrag, der je nach dem Willen der Vertragspartner (Assoziationen von Produzenten und Konsumenten usw.) abgeändert werden kann und allen Bestandteilen der Gesellschaft das Recht auf Initiative zuerkennt.</p>
<p>So definiert, ermöglicht der föderative Vertrag sowohl, die Rechte und Pflichten des Einzelnen zu bestimmen, als auch die Prinzipien eines wirklichen sozialen Rechts anzugeben, das imstande ist, die möglichen Konflikte zu regeln, die zwischen Individuen, Gruppen oder Gemeinschaften, ja sogar zwischen Regionen auftauchen können, ohne indes die Autonomie seiner Bestandteile in Frage zu stellen, was der föderalistischen Organisation ermöglicht, sowohl dem demokratischen Zentralismus entgegenzutreten als auch dem Laisser-faire (Geschehenlassen) des liberalen Individualismus.</p>
<p>Gewiss, eine solche Organisation kann nicht für sich in Anspruch nehmen, alle Konflikte zu beseitigen, und wir denken, dass es wichtig ist zu unterstreichen, dass Konflikte sich auf jeder Ebene der föderalistischen Gesellschaft einstellen können. Der Föderalismus darf nicht als ein religiöser Glaube mehr angesehen werden oder als Versprechen auf eine vollkommene Gesellschaft, sondern als eine offene, dynamische Auffassung von der Gesellschaft, die einen Rahmen bietet, der sich mit der Zeit verändern kann. Es ist nicht ein Traum mehr, sondern eine Weise, die gesellschaftlichen Fragen so gut wie möglich zu lösen, d.h. unter Beachtung der größten Freiheit eines jeden, ohne auf Instanzen eines regierungsförmigen Interessenausgleichs zurückzugreifen, die sichere Quellen neuer Privilegien wären.</p>
<p><strong>Die anarchistische Aktion</strong></p>
<p>Die Modalitäten der anarchistischen Aktion sind &#8211; wie könnte es anders sein &#8211; ein Spiegelbild der Leitgedanken, die wir gerade skizziert haben. Mehr noch, für die Anarchisten besteht eine untrennbare Verbindung zwischen dem angestrebten Ziel und den Mitteln, die eingesetzt werden, um es zu erreichen. Im Gegensatz zu den mehr oder weniger jesuitischen Rechtfertigungen jeder politischen Partei, meinen wir, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt, und dass jene immer, sofern das irgend möglich ist, im Einklang mit dem angestrebten Endziel stehen müssen.</p>
<p>Es kann also auf keinen Fall der Zweck der anarchistischen Aktion sein, auf die Eroberung der Macht oder die Verwaltung des Bestehenden auszugehen. Im Jahr 1872 wurde auf dem Kongress von Saint-Imier in der Schweiz offiziell der antiautoritäre Flügel der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) ins Leben gerufen, in Opposition zu den marxistischen Thesen. Man bekräftigte dort, dass die erste der Pflichten des Proletariats nicht in der Eroberung der politischen Macht bestünde, sondern in ihrer Zerstörung. Allgemeiner gesprochen, können wir sagen, dass die Libertären soziale Lösungen den politischen Lösungen entgegenstellen. Sie sind deswegen nicht unpolitisch, sondern antipolitisch. Im übrigen haben die Libertären, historisch gesehen, die Arbeiter immer vor der Illusion gewarnt, das Wahlrecht oder den Parlamentarismus als Waffe benutzen zu können, um ihre Lebensbedingungen innerhalb der bürgerlichen Demokratien grundlegend zu verändern. Der politisch-parlamentarischen Aktion, die auf die Eroberung der Machtausübung abzielt, ziehen sie die direkte Aktion der Massen vor, d.h. die Übernahme ihrer Angelegenheiten durch die Betroffenen selbst, ohne Delegation der Macht an irgendjemanden.</p>
<p>Die Arbeiter brauchen keine Vermittler, um an ihrer Stelle ihre Forderungen auszudrücken oder einen Kampf zu führen, sondern sie können und müssen es direkt selbst machen. Die Libertären denken, dass die Praxis der direkten Aktion, und des Streiks im besonderen, auch das bestmögliche und das wirksamste Kampfmittel in den Händen der Arbeiter ist, um ihre Interessen, einschließlich der unmittelbaren, zu verteidigen. Die Libertären haben sich immer jedem Versuch der Unterwerfung der revolutionären Bewegung oder der Arbeiterbewegung entgegengesetzt, und sie befürworten die Selbstorganisation, die kollektive und autonome Aktion der Arbeiter.</p>
<p>Die Anarchisten trachten nun nicht ihrerseits danach, eine Avantgarde- oder Führungsrolle zu spielen, denn sie gehen davon aus, dass es niemanden gibt, der sich besser um seine Angelegenheiten kümmern kann, als man selbst. Aber damit es dahin kommt, müssen sich die Arbeiter dessen bewusst werden, was Proudhon ihre politische Fähigkeit genannt hat. Die Arbeiter stellen die wesentliche Kraft einer Gesellschaft dar, nur von ihnen kann eine grundlegende Veränderung letzterer ausgehen. Die anarchistische Aktion hat immer in erster Linie die Verteidigung der Ausgebeuteten angestrebt, und sie unterstützt jede Forderung, die auf größeren Wohlstand und sozialen Fortschritt abzielt.</p>
<p>Zahlreiche Libertäre haben in den Gewerkschaften nicht nur Organisationen zur Verteidigung der Interessen der Lohnabhängigen gesehen, sondern auch eine Kraft der sozialen Veränderung, unter der Voraussetzung, dass sie es verstanden, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen. In dieser Hinsicht kann der libertäre Föderalismus, dessen Prinzipien wir vorhin umrissen haben, nicht realisiert werden ohne die aktive Mitwirkung der Arbeitergewerkschaften, denn einerseits sind diese geeignet, die Produktion zu organisieren und andererseits haben sie den Vorteil, die Arbeiter in ihrer Eigenschaft als Produzenten zu vereinigen.</p>
<p>Aus libertärer Sicht muss eine Gewerkschaftsorganisation in ihrer Tätigkeit wie in ihren Prinzipien:</p>
<ul>
<li> versuchen, ihre Autonomie gegenüber jeder politischen Organisation, die sie kontrollieren möchte, wie auch gegenüber dem Staat zu bewahren;</li>
<li>den Föderalismus und eine wirkliche direkte Demokratie zu praktizieren, die einzigen sicheren Garantien gegen jede Form der Bürokratisierung;</li>
<li>sich zum Ziel setzen, sowohl die Befriedigung unmittelbarer, materieller Forderungen zu erreichen, als auch die Arbeiter darauf vorzubereiten, in der Zukunft die</li>
<li>Verwaltung der Produktion zu übernehmen.</li>
</ul>
<p>Dieser letzte Punkt ist sehr wichtig, denn die Gewerkschaft und die gewerkschaftliche Aktion sind kein Selbstzweck und können nicht als solcher angesehen werden. Ihre Autonomie darf nicht Neutralität in bezug auf die Macht oder die Parteien bedeuten, wodurch sie einen Großteil ihrer Möglichkeiten zur Veränderung und zum Bruch mit dem Bestehenden einbüßen würde. Die Gewerkschaft muss sich deshalb, will sie nicht in Trade-Unionismus verfallen, ein soziales Umgestaltungsprogramm und eine entsprechende Praxis zu eigen machen.</p>
<p>Die gewerkschaftliche Aktion ist jedoch nicht das einzige Kampfmittel, über das die Arbeiter verfügen, die sich je nach den Umständen die Organisations- und Widerstandsformen schaffen können und müssen, die ihnen am angemessensten erscheinen.</p>
<p><strong>Der Anarchismus gestern und heute</strong></p>
<p>Der Einfluss, den die libertäre Bewegung auf die Arbeiterbewegung ausgeübt hat, ist beträchtlich gewesen, auch wenn er selten als solcher anerkannt wird. Ob einem das gefällt oder nicht, die Anarchisten repräsentieren sehr wohl eine authentische Strömung der internationalen Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung, und ihre Äußerungen finden sich in allen revolutionären Bewegungen wieder, im 19. wie auch im 20. Jahrhundert, angefangen bei der Pariser Kommune von 1871 oder in den Revolutionen von Russland und Spanien in den Jahren 1917 und 1936.</p>
<p>Der Einfluss der anarchistischen Ideen hat sich vor allem innerhalb der Gewerkschaftsorganisationen deutlich bemerkbar gemacht, wie in der CGT in Frankreich, der USI in Italien, der CNT in Spanien, aber auch der FORA in Argentinien, der IWW in den Vereinigten Staaten, der FAUD in Deutschland oder der SAC in Schweden. Wie man sieht, die Liste ist lang. Jede dieser Organisationen vorzustellen, würde darauf hinauslaufen, für jedes dieser Länder einen Abriss der Geschichte ihrer Arbeiterbewegung an sich zu geben. Beschränken wir uns auf den Hinweis, dass 1922 der Gründungskongress einer (zweiten) Internationalen Arbeiterassoziation (IAA), auf dem die anarcho-syndikalistischen Organisationen vertreten waren, die sich geweigert hatten, sich der bolschewistischen Internationale anzuschließen, mehrere Millionen Mitglieder zählte.</p>
<p>Gleichwohl hat der Anarchismus im Verlauf der 20er und 30er Jahre eine Krisenzeit durchlaufen. Wenn auch die russische Revolution in Europa und in der Welt eine neue revolutionäre Phase eröffnete, so wurde sie doch vielerorts begleitet von der Entfesselung der bürgerlich-kapitalistischen Reaktion in ihrer faschistischen Form. Insbesondere die libertäre Bewegung sah sich einem doppelten Angriff ausgesetzt. In Russland zunächst durch die bolschewistische, dann stalinistische Repression ausgeschaltet, musste sie in anderen Ländern mit den Methoden der Stalinisten fertig werden, die innerhalb der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung nicht vor der physischen Beseitigung ihrer Gegner zurückschreckten. Der Mythos der bolschewistischen Revolution und die Haltung der verschiedenen kommunistischen Parteien des Westens haben zu einer wachsenden Verdrängung des anarchistischen Einflusses in der Arbeiterklasse geführt. Und dort, wo die libertären Organisationen stark geblieben waren, wurden sie von der faschistischen Reaktion zerstört. In Italien, in Deutschland, in Argentinien, in Bulgarien, dort, wo der Faschismus siegte, wurde die anarchistische Bewegung zerschlagen und ihre aktivsten Kämpfer getötet oder gezwungen, ins Exil zu gehen.</p>
<p>Allgemein gesprochen, wurden die Anarchisten in dieser Zeit, zusammen mit einigen unabhängigen Sozialisten und Kommunisten, auch auf internationaler Ebene immer mehr isoliert, angesichts jenes Kampfes um die Weltherrschaft, den sich Stalin auf der einen Seite und die faschistischen Staaten sowie die bürgerlichen Demokratien auf der anderen Seite lieferten. Die Alternative Faschismus oder Demokratie zurückweisend, vor die man das Handeln des Weltproletariats zu stellen versuchte, schlugen sich die Libertären so gut es ging, um einen neuen Krieg zu verhindern.</p>
<p>Die spanische Revolution vom Juli 1936 stellte die letzte Gelegenheit dar, die sich den Arbeitern bot, um auf Faschismus und Krieg durch die Revolution zu antworten. Die Ereignisse von Spanien sind durch die bestimmende Rolle, die die anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Organisationen spielten, der historisch bedeutsamste Ausdruck der libertären Ideen und verdienen es, näher betrachtet zu werden. Am 18. Juli 1936 wurde ein Staatsstreich der spanischen Armee, unterstützt von der Rechten, den Faschisten der Falange und der Kirche, in mehr als der Hälfte des Landes durch einen Aufstand der Arbeiterbevölkerung niedergeschlagen. Die entscheidenden Kräfte im antifaschistischen Lager waren die anarchosyndikalistische Dachorganisation, die Nationale Konföderation der Arbeit (CNT), die im Mai 1936, auf ihrem Kongress in Saragossa, in ihren Reihen 982 Syndikate und 550.595 Mitglieder zählte, die Iberische Anarchistische Föderation (FAI.) und die Iberische Föderation der Libertären Jugend (FIJL.).</p>
<p>Der Kampf gegen das putschende Militär verwandelte sich schon in den ersten Stunden des Sieges in eine soziale Revolution; von Mitte Juli bis Ende August wurden das städtische Verkehrswesen und die Eisenbahnen, die Stahlwerke und Textilfabriken, die Wasser-, Gas- und Stromversorgung sowie Teile des Groß- und Kleinhandels kollektiviert. Ungefähr zwanzigtausend Industrie- und Handelsunternehmen wurden auf diese Weise enteignet und von den Arbeitern und ihren Gewerkschaften direkt verwaltet. Ein Wirtschaftsrat wurde gebildet, um die Aktivitäten der verschiedenen Produktionszweige zu koordinieren. In der Landwirtschaft wurde die Kollektivierung am vollständigsten durchgeführt: Abschaffung des Geldes, Änderung der Gemeindegrenzen, Organisation der gegenseitigem Hilfe zwischen reichen und armen Gemeinschaften, Auszahlung gleicher Löhne, Einrichtung von Familienlöhnen, Vergemeinschaftung der Arbeitswerkzeuge und der Ernteerträge. Es handelt sich um die weitreichendste soziale Revolution in der Geschichte, schrieb Gaston Leval.</p>
<p>Vom 3. bis 8. Mai 1937 begann ein zweiter unversöhnlicher Kampf, diesmal innerhalb des republikanischen Lagers, als die stalinistischen Kommunisten versuchten, die Kontrolle über die öffentlichen Gebäude von Barcelona zu übernehmen. Man weiß heute aus sicherer Quelle, nämlich aus den späteren Zeugenaussagen politischer und militärischer Führer der Kommunistischen Partei Spaniens (J. Hernandez, El Campesino), dass Stalin den Sieg des Faschismus einer wirklichen sozialen Revolution unter führender Beteiligung der Anarchisten vorzog. Von den westlichen Demokratien unter dem verlogenen Vorwand der Nicht-Einmischung im Stich gelassen, während Nazi-Deutschland und das Italien Mussolinis die Nationalisten massiv aufrüsteten, von den Stalinisten verraten, gelang es dem spanischen Volk und seinen Klassenorganisationen bis zum März 1939 der Koalition von europäischer Reaktion und Faschismus mit der Waffe in der Hand standzuhalten. Durch die Gewalt besiegt, bleibt die spanische Revolution ein Vorbild durch den außerordentlichen Erfolg ihrer sozialen und ökonomischen Hervorbringungen.</p>
<p>Seit 1945 haben die Aufteilung der Welt in zwei unterschiedliche imperialistische Blöcke, der kalte Krieg und die atomare Bedrohung den Handlungsspielraum für die Libertären und alle jene, die sich weigern, sich mit diesen Zustand abzufinden, kleiner gemacht. Darüber hinaus hat die Vereinnahmung des Arbeiterkampfes entweder durch die Gewerkschaftsbürokratien oder die politischen Führer der Linken einen Großteil der Aussichten auf soziale Veränderung in den kapitalistischen Industrieländern blockiert.</p>
<p>Seit 1968 haben jedoch infolge des Ausbruchs der Studenten- und Jugendrevolte die libertären Ideen wieder an Stärke zurückgewonnen, wie auch in den sozialen Bewegungen, mit der allgemeinen Verbreitung von Konzepten wie dem der Selbstverwaltung. Dem ist noch die immer heftigere Reaktion von weiten Teilen der Bevölkerung auf die zunehmende Bürokratisierung und Verstaatlichung der Gesellschaften des Ostblocks, aber auch der kapitalistischen Länder hinzuzufügen.</p>
<p>Vor allem aber scheinen nach dem Scheitern der diversen Reform- und Revolutionsprojekte, die nacheinander von den sozialdemokratischen Parteien wie auch von den verschiedenen, sich auf den Marxismus, den Leninismus, Trotzkismus, Maoismus usw. berufenden Tendenzen, angezettelt wurden, die anarchistischen Ideen diejenigen zu sein, die der Abnutzung durch die Zeit am besten widerstehen. Halten wir fest, dass zahlreiche von den Anarchisten begonnene Kämpfe, sei es gegen den Militarismus, den Sexismus, den Fremdenhass oder die Religionen, der Reihe nach zum Gegenstand breiter Mobilisierungen geworden sind, die manchmal zum Erfolg geführt haben. Der freie Zugang zu Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung sind gute Beispiele dafür, aber auch die Anerkennung der Rechte von Kindern und das relative Bemühen um persönliche Entfaltung, das sowohl die Eltern als auch die Schule als Institution hinsichtlich der Kinder an den Tag legen. Erwähnen wir allgemeiner die größere Friedfertigkeit im sozialen Umgang wie im individuellen Verhalten, der noch das hinzuzufügen ist, was man gemeinhin die sozialen Errungenschaften nennt, diese kleinen Stückchen Freiheit, für die Generationen von Menschen gekämpft haben.</p>
<p>Diese wenigen, kleinen Siege über die säkulare Apartheid (die der Wohlgeborenen über die Armen, der Männer über die Frauen, der prügelnden Väter über die Kinder, der Chefs aller Arten über die Untergebenen, der Doktrinen und Religionen jeglicher Herkunft über das freie Denken) erinnern jeden Tag an den umfassenden Kampf der Menschheit gegen die Ungleichheit und für die Überwindung der Autorität. Der unerbittliche Konflikt zwischen den Menschen, den zu viele Professoren als das menschliche Wesen ausgeben wollen, findet seinen Ursprung im Autoritätsprinzip, und der Anarchismus bleibt in diesem Punkt die einzig tragfähige Idee, um dessen Mechanismus entgegenzuwirken. Die positiven Entwicklungen und die relativen Fortschritte, die wir oben erwähnt haben, sind nicht endgültig, und sie betreffen vor allem nur sehr wenige Leute, verglichen mit den fünf Milliarden Menschen, die auf diesem Planeten leben.</p>
<p><strong>Die Welt von heute – Qual und Bilanz</strong></p>
<p>Natürlich kann die heutige Welt nicht vollständig und ernsthaft im Rahmen dieser Broschüre beschrieben werden, und gewiss haben die Anarchisten in dieser Hinsicht noch ein großes Maß an Analyse und Konfrontation der Ideen zu leisten, um einerseits ihre Thesen zu popularisieren und vor allem, um mit einem ausreichenden Verständnis für die vorhandenen Erscheinungen auf die Realität einzuwirken und sie zu verändern. Jedoch können wir nicht völlig darauf verzichten, wenigstens kurz auf die sich abzeichnenden Bruchlinien hinzuweisen und auf die Probleme, die sich heute dem Anarchismus und der gesamten Menschheit stellte.</p>
<p><strong>Beschleunigung und Einheit der Welt</strong></p>
<p>Die Welt der 80er Jahre ist schnelllebig, die Analysen müssen häufig im Laufe weniger Jahre korrigiert oder gänzlich neu geschrieben werden. So verhält es sich mit den sozialen Errungenschaften der Arbeiter in allen Ländern, wie auch mit ihrer ökonomischen und politischen Lage, dem Stand der Energiequellen, der Technologie, des Wissens auf allen Gebieten; aber ebenso verhält es sich auch mit den internationalen Fragen, wo man gerade eine völlige Neuordnung der großen strategischen, militärischen und ökonomischen Konstellationen beobachten kann. Vermerken wir außerdem die wachsende gegenseitige Abhängigkeit aller Länder, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, wie auch in puncto Energieversorgung und Ökologie, so dass kein einziges Land, einschließlich der Großmächte, behaupten kann, autark zu sein.</p>
<p><strong>Einheit der Welt mit dem Geschmack nach Elend und in den Farben eines Supermarkts</strong></p>
<p>Diese leicht feststellbare Tendenz in Richtung Einheit der Welt lässt sich durch einige mehr oder weniger neue Phänomene illustrieren. Ein besonders verheerendes und konfliktträchtiges ist der westliche Kulturimperialismus, der dort zur Anpassung, hier zu Verarmung und Gleichförmigkeit führt. Was gestern der befreiende Hauch der Entkolonialisierung gewesen ist, hat unglücklicherweise nur einem neuen Typ von Abhängigkeit den Weg bereitet. Die dritte Welt entstand und stürzte sich kopfüber in das Wettrennen um eine Entwicklung nach westlichem Vorbild, dessen alleinige Nutznießer die lokalen Führungsschichten und ihre Verbündeten in den großen Industriemetropolen und den multinationalen Konzernen sind. Das könnte man die erste Phase der Standardisierung und Gleichschaltung der modernen Welt nennen. Diese Bewegung wird begleitet und ist Ergebnis von jener Anschauung, die die Welt einem riesigen Supermarkt gleichsetzt: das kulturelle Erkennungszeichen des Westens, sein bewährtester Botschafter ist der Marktwert, mehr noch, die Ware. Die Welt wird nach und nach zu einem endlosen Markt, auf dem eine unerbittliche Konkurrenz tobt, unter der Aufsicht der Großen dieser Welt, die auf die Einhaltung bestimmter Regeln achten, um den Fortbestand des Systems zu garantieren. Die jüngsten Umwälzungen im Osten werden diesen Prozess der weltweiten Durchsetzung der Marktökonomie vollenden. Was von Beginn an die liberale mit der marxistischen Ideologie verband, ist auch das, was sie heute in einer Orgie entfesselter Marktwirtschaft zusammenführt: Ihr gemeinsamer Glaube an einen historischen und ökonomischen Determinismus wird letztendlich diesen Vereinheitlichungsprozess zum Abschluss bringen.</p>
<p><strong>Eine zerstörte Welt. Das Scheitern des Kapitalismus</strong></p>
<p>Der moralische und gesundheitliche Zustand der Weltbevölkerung grenzt schon an ein Wunder in dieser Welt des Fortschritts. Jahr für Jahr sterben Millionen Menschen an Hunger und Epidemien, während auf der südlichen Erdhalbkugel mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut leben. Selbst die reichen Nationen sind überfüllt von Armen und Arbeitslosen &#8211; eine wahre Glanzleistung nach jahrhundertelanger Ausplünderung ganzer Kontinente und Völkerschaften. In der kapitalistischen Akkumulation war Teilen nie vorgesehen, ihr einziges Ziel bestand im individuellen Profit auf Kosten des kollektiven Wohlstands. Das wird glänzend veranschaulicht durch die jährliche Vernichtung von Millionen Tonnen Nahrungsmittel und Fertigwaren, während gleichzeitig Not und Elend die Welt verwesten. Die kapitalistische Welt zwingt ihr Verbrechen dem ganzen Planeten auf, wo man zusehen kann, wie die Grenzen des Gebrauchswertes immer mehr durch den Tauschwert verdrängt und ersetzt werden, die Bedürfnisse im gleichen Maße der Lächerlichkeit preisgegeben werden wie das Beutemachen vonstatten geht, und sich phantastische Reichtümer bei einigen wenigen Privilegierten anhäufen.</p>
<p><strong>Planet in Gefahr</strong></p>
<p>Der verschwenderische, produktivistische Irrsinn des Kapitalismus ist nicht nur moralisch verwerflich, er hat auch der ganzen Welt enthüllt, dass er in höchstem Maße schädlich ist, schon aufgrund seiner Eskapaden, die zu Lasten der Erde als Ökosystem gehen, in dem die Lebewesen mit ihrer Umwelt durch ein zerbrechliches und labiles Gleichgewicht verbunden sind. Der Planet ist geplündert, klimatische und ökologische Katastrophen stehen uns bevor; Landschaften, Flüsse, das Erdreich sind stellenweise schon ruiniert. Die Verschmutzungen, die es natürlich nicht erst seit kurzem gibt, erreichen manchmal schon den kritischen Punkt und bedrohen das Leben selbst. Die schrankenlose Ausbeutung der Böden und der nicht erneuerbaren Energiequellen stellt mitten im größten Bevölkerungswachstum die Frage nach der Zukunft. Das bereits ausgebeutete Afrika wird der neue Kontinent zur Endlagerung von Abfällen und Giftmüll, übrigens ohne die geringste Gegenleistung für die örtliche Bevölkerung. Die dramatischen Probleme der Versteppung, der Landflucht, das Wachstum der Städte und der industriellen Konzentration fügen der ökologischen Gefahr noch die gestresster, erstickter, in medizinischer Behandlung befindlicher oder unter Beruhigungsmitteln stehender Menschenmassen hinzu.</p>
<p><strong>Die Wissenschaft die befreit&#8230; und die unterjocht</strong></p>
<p>Der gegenwärtige Zustand des Planeten, die Lebensbedingungen seiner Bewohner, die Arroganz und die Brutalität der Gesellschaften, die sich auf die Wissenschaft berufen, führen heute zu widersprüchlichen Ansichten über die befreiende Kraft der Wissenschaft selbst sowie über die Idee des Fortschritts und der Entwicklung. Dass man den Völkern vor mehr als hundert Jahren einen neuen Stein der Weisen, der Befreiung und der Wissenschaft ankündigte, dessen Ausgeburten wir gerade vor unseren Augen zusammenbrechen sehen, hat nicht wenig dazu beigetragen, Unruhe in den Köpfen auszulösen und jenes sagenhafte Werkzeug in Misskredit zu bringen, dass sich der menschliche Geist geschaffen hatte. Aus einem Werkzeug hat man ein System machen wollen, aus dem Scheitern des Systems hat man auf die Untauglichkeit, wenn nicht gar Schädlichkeit des Werkzeugs geschlossen. Ein Haufen Menschen und Gesellschaften kennen von den Wissenschaften nur das Gesetz des Gewehrs und des Völkermordes. So wohnen wir dem Erwachen reaktionärer und obskurantistischer Ideologien bei, der vorsätzlichen Flucht in metaphysische Träume, dem Wiederauftauchen von Sekten und okkulten Gesellschaften. Ein Phänomen, das durch die Ausdehnung der Probleme über den ganzen Planeten gewiss noch verstärkt wird, wobei das Individuum, ob es entscheidet oder nicht, immer machtloser ist. Eine Situation, in der die Menge an Wissen auf jedem Gebiet noch nie so groß gewesen ist, zugleich aber die Zerstückelung, der Verlust an Geschick und Meisterschaft sowie die Entfernung des Arbeiters von seinem Werkzeug und dem Produkt seiner Arbeit noch nie einen so hohen Grad erreicht hat. Der Rückgriff auf die künstlichen Paradiese der Innerlichkeit wird unter diesen Bedingungen zu einer alltäglichen Erscheinung und lässt befürchten, dass der wissenschaftliche, emanzipatorische Geist völlig in den Hintergrund tritt.</p>
<p><strong>Ängste, Medien und Verrat der Intellektuellen</strong></p>
<p>Die weltweite Hochrüstung hat ebenfalls dazu beigetragen, die Ängste zu schüren; mehr als eine Bedrohung ist sie eine dauernde Gefahr, Tag für Tag ist sie am Werk, eine Verschwendung von Leben und Energien, ein Exzess an Dummheit. Diese Ängste, die man im (religiösen) Dogmatismus, im Nationalismus, im Fremdenhass wiederfindet, sorgen dafür, dass sich die Menschen sehr rasch gegeneinander zusammenrotten. Sie sind ein Vorzeichen der scheußlichsten Erniedrigungen. Hat der Mensch erst einmal das Vertrauen verloren, versetzen ihn die wiederholten Ankündigungen ökologischer und atomarer Weltuntergänge schließlich in einen abergläubischen Fatalismus.</p>
<p>Die Medien und alle modernen Kommunikationsmittel, einschließlich der Verkehrsmittel, von denen man mit Recht erwarten könnte, dass sie die Menschen einander näherbringen und ihnen helfen, sich besser zu verstehen, haben allenfalls die Grenzen des Planeten zusammengerückt, um jene Rede, die das Regime auf sich selbst hält, noch weiter zu verbreiten. Das mediale Überangebot und die Massenkommunikation schaffen Isolierung und Kommunikationslosigkeit, wie die Kultur des Anderswo und der Auftrieb des Exotischen aus Bezirken des nachbarschaftlichen Zusammenlebens Orte der schieren Nichtexistenz machen. Kurzum, die Medien, von denen man erwarten sollte, dass sie Orte der Erziehung und der Information sind, präsentieren sich im Gegenteil als das trübselige Schaufenster einer Kultur der Verblödung, in der sich die Intellektuellen und Wissenschaftler noch einmal zu ihrem Verrat bekennen. Diese Speerspitzen des Fortschritts, eifrige Diener der Macht, legen dabei eine solch sträfliche Bereitwilligkeit an den Tag, dass ihr an Unredlichkeit nur noch die Unterschlagung und Verfälschung von Informationen gleichkommt, die sie stillschweigend praktizieren.</p>
<p><strong>Was tun?</strong></p>
<p>Am Ende dieses Jahrhunderts Anarchist zu sein, heißt, darauf hinzuarbeiten, den Möglichkeiten einer wirklichen sozialen Befreiung neue Glaubwürdigkeit zu verschaffen; heißt zu brechen mit der Praxis des Rückzugs und des bloßen Anspruchs ohne das Ziel, eine Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen. Die Anarchisten müssen die Praktiken der direkten Aktion aus dem Erbe des revolutionären Syndikalismus? wiederbeleben. Sie müssen den Mythos der Demokratie entlarven, der nur für wenige Völker gilt und keinerlei soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit beinhaltet. Dadurch werden Pessimismus und Fatalismus zurückweichen. Man muss den Menschen wieder Vertrauen zu sich selbst geben. Die Anarchisten haben Vorschläge zu machen, es werden keinen bezugsfertigen Modelle sein, aber sie müssen Lust auf eine andere Welt machen und so die Voraussetzungen für einen aktiven revolutionären Willen schaffen. In den letzten Jahren war eine internationale Wiederbelebung des Anarchismus zu verzeichnen, besonders anlässlich des Zusammenbruchs der Diktaturen in Osteuropa, aber auch in den Vereinigten Staaten und in Südamerika. Der Neuaufbau einer starken internationalen anarchistischen Bewegung muss das Produkt intensiver Arbeit sein und ist die Bedingung für die Entwicklung und die Erfolgsaussichten einer internationalen sozialen Revolution. Diese aufzubauende revolutionäre Bewegung wird weder in ihrer Propaganda noch in ihrer Kampfpraxis umhin können, einen ernsthaften Prozess des Nachdenkens über alle in dieser Broschüre aufgeworfenen Fragen anzustrengen. Insbesondere muss der übertriebene Glaube von einst an die Vorteile der Industrialisierung und des wissenschaftlichen Fortschritts schleunigst überdacht werden, um heute eine revolutionäre Strategie auszuarbeiten, die den Zustand des Planeten und die Bedürfnisse der Menschen, die auf ihm leben, berücksichtigt. Der Produktivismus hat Schiffbruch erlitten, und das bloße Festhalten an der Arbeit und den sozialen Errungenschaften ist eine Bankrotterklärung der Gewerkschaftsbewegung. Das in einigen westlichen Ländern zu beobachtende Phänomen der Arbeiterkoordinationen, die die gewerkschaftlichen Spaltungen überwinden, hat bis zum heutigen Tage keine befriedigende Antwort auf den Mangel an Perspektiven in der Arbeiterbewegung gebracht. Nirgendwo wird die Frage nach dem eigentlichen Ziel des gewerkschaftlichen Kampfes gestellt: die Übernahme der Wirtschaft und der Verwaltung der Städte durch die Arbeiter selbst.</p>
<p><strong>Die Zukunft der Menschheit liegt außerhalb des Nationalstaates</strong></p>
<p>Die internationale Arbeiterbewegung hat heute mit den Bedingungen zu kämpfen, die durch die weltweite Ausbreitung der Ökonomie geschaffen worden sind. Während die Internationale des Kapitals eine altbekannte Tatsache ist, auf die bisher nur schwache Antworten gefunden wurden, stellt hingegen die quasi grenzenlose Ausdehnung der Kapitalflüsse ein jüngeres Phänomen dar, das den Aufbau internationaler Strukturen zur unmittelbaren Notwendigkeit für die Arbeiterbewegung macht. Die Konkurrenz verschiedener nationaler Arbeiterklassen gegeneinander, die bereits stattfindet und mit Sicherheit noch zunehmen wird, verurteilt jeden Versuch des Widerstands auf korporativer oder nationalstaatlicher Ebene zum Scheitern. Von der Schnelligkeit und der Schärfe, mit der die Arbeiterbewegung auf diese Herausforderung antworten wird, hängt die Zukunft des Friedens ab und mit ihr die der Menschheit. Die einzigen wirklichen Trümpfe in dieser Angelegenheit sind die Erfahrungen der Arbeiterbewegung selbst, ihr soziales Gedächtnis und das immer und überall feststellbare Bemühen der Menschen, ihre Freiheit zu erobern. Die einzige Hoffnung besteht letztlich darin, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass diese Freiheit unteilbar ist und sich nicht mit der Knechtschaft auch nur eines einziges Menschen verträgt.</p>
<p><strong>Den Entmutigten&#8230; den Verächtern</strong></p>
<p>Das Werk, das vor uns liegt, ist gigantisch, und wenn es dazu reizt, den Mut zu verlieren, so können wir nur sagen, dass es unsere Väter nicht hat zurückschrecken lassen, und aus diesem Grunde schätzen wir sie und bemühen uns, ihre Ideale nicht zu verraten. Zu viele Menschen scheinen zu glauben, dass die revolutionäre Agitation eher dazu geeignet ist, neue Unordnungen zu schaffen, als welche zu beseitigen. Die herrschende Ideologie lässt keine Gelegenheit aus, sie davon zu überzeugen, und die Tatsache, dass die Revolutionen der Vergangenheit immer wieder gescheitert sind, scheint sie ausnahmslos in dieser These zu bestätigen. All jenen, die darauf setzen, dass alles so weitergehen kann, dass nichts passieren wird, während doch ständig alles vor ihrer Nase passiert, soll gesagt sein, dass das labile Gleichgewicht und die ungerechte Ordnung, an die sie sich klammern, das unauslöschliche Zeichen der Barbarei trägt. Was sie sich nicht eingestehen wollen, ist die Angst, die sie verfolgt und sie dazu treibt, lieber ihre Ideen an ihrer erbärmlichen Existenz auszurichten, als das Risiko einzugehen, im Einklang mit den eigenen Idealen zu leben. Ihr Respekt vor der Idee ist genauso groß wie der vor ihren Chefs&#8230; immer bereit, sie gegen andere einzutauschen!</p>
<p>Im Vergleich zu den vergangenen und aktuellen Sackgassen der Arbeiterbewegung, im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden, können die libertären Ideen einen originellen Denkansatz und neuartige Lösungen vorweisen, denn sie enthalten ein großes, noch ungenutztes geistiges Potential, um mit der staatlich-kapitalistischen Logik, die überall in der Welt vorherrscht, zu brechen. Sie zeigen auf jeden Fall denen, die für eine bessere Zukunft des Menschen kämpfen, einen gangbaren Weg.</p>
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