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	<title>Die Gruppe MD &#187; Geschichte</title>
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		<title>Gegen Lohnraub</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 10:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitalismus und Globalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die KPD organisiert im November 1932 den Streik der Berliner Verkehrsarbeiter. Die Nazis nutzen ihn für eigene Interessen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-481"></span></p>
<p><strong>Die KPD organisiert im November 1932 den Streik der Berliner Verkehrsarbeiter. Die Nazis nutzen ihn für eigene Interessen</strong></p>
<p><em>Von Manfred Weißbecker</em></p>
<p>Wer das Wort »BVG-Streik« hört, meint allzuoft, sofort zu wissen, worum es sich gehandelt hat. Es scheint als bewiesene Tatsache zu gelten, daß in den Anfangstagen des Novembers 1932 Kommunisten und Nazis gemeinsam gestreikt und auf diese Weise endgültig die Weimarer Republik zerstört hätten. Braune und Rote seien deren Totengräber gewesen – eine These, die letztlich auch besagen soll, die damalige »politische Mitte« habe ernsthaft die Demokratie verteidigt, sei aber der Übermacht extremistischer Parteien erlegen.</p>
<p><strong>Umfassende Lohnsenkung</strong></p>
<p>Was besagen die Tatsachen? Unbestritten handelte es sich um einen der größten und spektakulärsten Streiks, die im Herbst 1932 in rund 800 Betrieben stattgefunden haben. Nach längerer Pause war es wieder zu einer Welle solcher Arbeitskämpfe gekommen, mal hier, mal da, mal unter Führung freier Gewerkschaften, mal auf Initiative der Revolutionären Gewerkschaftsopposi­tion (RGO), die der KPD nahestand. Alle richteten sich gegen die dreiste Notverordnung des Reichskanzlers Franz von Papen vom 5. September 1932, die den Unternehmern ermöglichte, gesetzlich fixierte Tarifverträge zu unterlaufen und den Lohnabbau in noch umfassenderem Stil als bis dahin zu betreiben. Lohnkürzungen zwischen zehn und 50 Prozent sollten nunmehr erlaubt sein.</p>
<p>Dies nutzte die Direktion der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) und wollte, nachdem die gültigen Tarifverträge am 30. September ausgelaufen waren, den Stundenlohn ihrer Mitarbeiter um 14 bis 23 Pfennig reduzieren. Damit wäre es zur fünften Lohnsenkung seit Beginn der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 und zu einer Halbierung des Lohns von 1929 gekommen. Wer hätte das hinnehmen können? Die Verhandlungen der Tarifpartner blieben ergebnislos. Die Direktion beschloß, daß ab 1. November auf unbestimmte Zeit die Stundenlöhne um zwei Pfennige sinken sollten – wenig im Vergleich zu der ursprünglich angekündigten Lohnkürzung, aber viel im Vergleich zu den hohen Lebenshaltungskosten.</p>
<p>Nach dem Willen des freigewerkschaftlichen »Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs« sollte die Belegschaft in einer Urabstimmung entscheiden, ob dies hinzunehmen sei oder gestreikt wird. Der sozialdemokratisch geführte Betriebsrat rechnete mit einem negativen Ergebnis und hoffte, damit »der RGO das Maul stopfen« zu können; immerhin gehörten etwa 6000 Männer und Frauen der Belegschaft dem Gesamtverband an. Das Ergebnis war ein anderes: Von 21902 stimmberechtigten Arbeitern beteiligten sich 18537 an der Abstimmung, rund 2900 konnten wegen Krankheit oder »Beurlaubung« nicht teilnehmen. Für den Streik stimmten 14471, gegen ihn 3993. Aus der Zahl der Gegenstimmen ging hervor, daß nicht einmal alle sozialdemokratisch orientierten Arbeiter den Streik abgelehnt hatten.</p>
<p>In den frühen Morgenstunden des 3. November begann die Mehrheit der Berliner Verkehrsarbeiter zu streiken. Not und Existenzangst hatten sie dazu getrieben. Unterschiedliche Parteizugehörigkeit und -orientierung spielten für sie eine untergeordnete Rolle. Festzustellen ist: Der Streik war Resultat der Situation, nicht das Ergebnis einer Zusammenarbeit von KPD und NSDAP.</p>
<p><strong>Politische Dimensionen</strong></p>
<p>Die Berliner Bevölkerung zeigte zunächst großes Verständnis, obgleich der innerstädtische Verkehr weitgehend zusammenbrach. Am ersten Tag fuhren von den 3000 Straßenbahnwagen lediglich 271 aus, doch auch dieser »Notverkehr« wurde am Abend eingestellt. Auch an den folgenden Tagen konnten selbst unter Polizeischutz nur wenige Bahnen und Busse fahren. Es kam zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, in deren Verlauf vier Streikposten erschossen wurden. Ferner gab es 47 Verletzte und 583 Verhaftungen. Der Streik – alsbald von Regierung, BVG-Direktion und Gesamtverband als ein »wilder« deklariert – endete mit einer Niederlage.</p>
<p>RGO und KPD hatten sich trotz der Absage des Gesamtverbandes und trotz der Nazibeteiligung für den Streik entschieden. So falsch der politische Kurs der Kommunisten in jener Zeit gewesen ist: In diesem Falle traten sie vorrangig für existentielle Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter ein. Als im Herbst 1932 die Zahl der Streiks in den Betrieben wieder zunahm, als Lohn- und Sozialabbau unmenschliche Ausmaße erreichten, da galt es indessen auch, den weiteren Vormarsch der NSDAP zu stoppen und die Errichtung einer faschistischen Diktatur zu verhindern. Dadurch gewann jeder Streik nahezu zwangsläufig auch politischen Charakter.</p>
<p>Dies wurde zwar erkannt, doch kaum hinreichend berücksichtigt. Als der Parteitag der KPD von Berlin-Brandenburg am 19. und 20. November – wenige Tage nach dem Rücktritt der Papen-Regierung – Lehren aus den Streikkämpfen zog, war viel von der notwendigen Auseinandersetzung mit der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie, dagegen weniger vom Abwehrkampf gegen die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation und NSDAP die Rede. Trotz ihrer grundsätzlichen antifaschistischen Position führte die Kommunistische Partei ihren politischen Kampf an falschen Fronten und beeinträchtigte so die Glaubwürdigkeit der Hitlergegner.</p>
<p>Der Streik der Berliner Verkehrsarbeiter – so unterschiedlicher Meinung man über ihn sein kann – stellte keine ernsthafte Gefahr für den Weimarer Staat dar. Er zielte weder auf die Vorbereitung eines »kommunistischen Umsturzes«, noch war die KPD in der Lage, aus ihm einen Generalstreik hervorgehen zu lassen. Es gelang ja nicht einmal, die Berliner S-Bahn in die Lohnauseinandersetzungen einzubeziehen. Die Beteiligung von KPD und NSDAP am Streik schuf zudem keine Konstellation der politischen Akteure Weimars, aus der die Berufung Hitlers als Reichskanzler hätte hervorgehen können. Es waren nationalkonservative und andere rechte Kreise, welche die NSDAP an die Macht gebracht sehen wollten. In den Reihen deutscher Großindustrieller, Großagrarier und Generäle zeigten sich viele nach dem 6. November ob des Rückgangs der NSDAP-Stimmen von 13 auf 11 Millionen bestürzt: Sollte jene politische Kraft wirklich verlorengehen, die wie keine andere versprach, den »Marxismus« – sprich: die beiden Arbeiterparteien, den Parlamentarismus und die Reste demokratischer Verfassungsrechte – »auszurotten« und wie keine andere rigoros Deutschland wieder eine Vormachtstellung in Europa und in der Welt verschaffen wollte?</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2007/11-03/004.php" target="_blank">http://www.jungewelt.de/2007/11-03/004.php</a></em></p>
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		<title>Eine Antwort auf die häufigsten marxistischen Lügen über die spanische Revolution</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 18:03:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[A-Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist wohl fair zu sagen, dass die meisten MarxistInnen in England ihre Kritik der profunden Rolle der AnarchistInnen in der spanischen Revolution den Büchern des Trotzkisten Felix Morrow entnehmen. Morrows Buch "Revolution and Counterrevolution in Spain" (Revolution und Konterrevolution in Spanien - d.Ue.) ist aus einer orthodox trotzkistischen Perspektive verfasst und mitunter werden die Ereignisse dieser Perspektive angeglichen anstatt sie zu untersuchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-278"></span><em>Kurze Vorbemerkung: Es folgt die deutsche Übersetzung eines Artikels der ursprünglich in der 211. Ausgabe der englischen anarchistischen Zeitschrift Black Flag veröffentlicht wurde, die über BM Hurricane, London Wc1N 3XX, England bezogen werden kann.</em></p>
<p>Es ist wohl fair zu sagen, dass die meisten MarxistInnen in England ihre Kritik der profunden Rolle der AnarchistInnen in der spanischen Revolution den Büchern des Trotzkisten Felix Morrow entnehmen. Morrows Buch &#8220;Revolution and Counterrevolution in Spain&#8221; (Revolution und Konterrevolution in Spanien &#8211; d.Ue.) ist aus einer orthodox trotzkistischen Perspektive verfasst und mitunter werden die Ereignisse dieser Perspektive angeglichen anstatt sie zu untersuchen. Beispielsweise transformiert Morrow die &#8220;Bloshevisten-Leninisten&#8221;, eine obskure Sekte, die es wahrscheinlich nicht zu einer zweistelligen Mitgliederzahl brachte, zu den einzigen, die die spanische Revolution hätten retten können. Weshalb? Weil allein sie über jenes kostbare Gut der Mitgliedschaft in der 4. Internationale und einer trotzkistischen Analyse verfügten! (was kümmerts, dass die spanischen Arbeiter Waffen und Solidarität brauchen!) Viele von Morrows Behauptungen haben in die linke Folklore Einzug gefunden und werden regelmässig hervorgeholt. Wir wollen an dieser Stelle auf sie antworten.</p>
<p>Morrow behauptet, dass die CNT (die anarchosyndikalistische Gewerkschaft, welche die Revolution durchführte) von einer äußerst zentralisierten Iberischen Anarchistischen Föderation (FAI) kontrolliert worden sei. Die FAI wurde 1927 als eine Konföderation regionaler Föderationen (einschließlich der Portugiesischen Anarchistischen Union) gegründet. Diese regionalen Föderationen koordinierten wiederum lokale und bezirksbezogene Föderationen anarchistischer Bezugsgruppen mit äußerster Autonomie. Folglich mag es zentralistische Tendenzen innerhalb der FAI gegeben haben, eine &#8220;äußerst zentralistische politische Partei&#8221; war sie jedoch nicht. Desweiteren waren viele AnarchosyndikalistInnen und Bezugsgruppen nicht in der FAI (obwohl die meisten sie anscheinend befürworteten) und für viele FAI-Mitglieder rangierte die Loyalität zur CNT an erster Stelle. So heißt es beispielsweise im Protokoll des Nationalen Plenums der FAI im Januar-Februar 1936: &#8220;Das regionale Komitee (von Aragon, Rioja und Navarra) wird von den meisten Militanten vollständig vernachlässigt, da sie in den größeren Aktivitäten der CNT aufgehen.&#8221; Und &#8220;einer der Gründe für die schlechte Verfassung der FAI war die Tatsache, dass fast alle GenossInnen in den Verteidigungskomitees der CNT aktiv waren.&#8221; (Bericht der regionalen Föderation des Nordens). Da diese Zitate aus internen Dokumenten stammen, dürfte es sich dabei schwerlich um Lügen handeln. Es ist offenkundig, dass AnarchistInnen den größten Einfluss innerhalb der CNT hatten (die bereits lange anarchosyndikalistisch war, ehe es zur Gründung der FAI kam). Doch die &#8220;Kontrolle der FAI&#8221; war eine Erfindung einer reformistischen Minderheit innerhalb der CNT, zum Beispiel Angel Pestaña, der aus der CNT eine &#8220;neutrale&#8221; Bewegung machen wollte und später die Syndikalistische Partei gründete und die Cortes unterstützte.</p>
<p>Ein weiterer alter Hut Morrows ist der Vorwurf, die CNT habe die Streikwelle der SozialistInnen und Arbeiterallianz sabotiert und Truppen transportiert, die den Aufstand in Asturien niederschlagen sollten. Um diese Anschuldigungen zu verstehen, ist es notwendig die Vorgeschichte des Oktobers 34 und den Unterschied zwischen der CNT und der UGT (Gewerkschaft, die von der reformistischen Sozialistischen Partei PSOE kontrolliert wurde) zu kennen. Zwischen 1931 und 1933 hatten die SozialistInnen in einer Koalitionsregierung mit den RepublikanerInnen die CNT attackiert. Mit Hilfe der SozialistInnen wurden Gesetze erlassen, die spontane Streiks verbaten und zu staatlich gelenkten Vermittlungen verpflichteten. Streiks der CNT wurden gewaltsam unterdrückt und die UGT stellte StreikbrecherInnen zur Verfügung, so wie im Streik der Telephongesellschaft 1931. Während und nach den CNT Aufständen 1932 in Katalonien und größeren Aufständen im Januar 1933 (9.000 CNT Mitglieder kamen in Gefängnisse) und im Dezember 1933 (16.000 kamen in Gefängnisse) gab es praktisch keine Solidarität durch die SozialistInnen. Die SozialistInnen konvertierten plötzlich zur &#8220;Revolution&#8221; nachdem sie die Wahlen im November 1933 verloren und sämtliche Gesetze, die sie gegen die CNT erlassen hatten, nun auch gegen sie zur Anwendung kamen. Als der nichtrepublikanischen Rechten im Oktober 1934 Kabinettsitze angeboten wurden, rief die PSOE/UGT zum Generalstreik auf. Die CNT versäumte es, sich daran zu beteiligen &#8211; ein Fehler, der von vielen AnarchistInnen anerkannt wird. Morrow behauptet, dies sei darauf zurückzuführen, dass sie glaubten &#8220;alle Regierungen seien gleich schlecht&#8221;, aber die Wahrheit lautet, dass sie den SozialistInnen zu Recht misstrauten. Ein Aufruf der CNT im Februar 1934, die UGT solle ihre revolutionären Ziele deutlich und öffentlich bekanntgeben, wurde nicht beantwortet. Läßt mensch die Rhetorik beiseite, so scheint das Hauptziel der PSOE im Oktober gewesen zu sein, Neuwahlen zu erzwingen, um erneut eine Koalition mit den RepublikanerInnen eingehen zu können. Die CNT sollte als Kanonenfutter dienen, um eine weitere Regierung zusammenzustellen, die sie angreifen würde. Im Oktober war &#8211; abgesehen von Katalonien (wo die katalonische Regierung die Militanten der CNT am Vortag festnehmen ließ und dann versuchte, eine katalonische Autonomie auszurufen) und Madrid (wo die CNT den Generalstreik unterstützte) &#8211; das einzige wirkliche Zentrum des Widerstandes Asturien. Hier hatte sich die CNT mit den SozialistInnen und den KommunistInnen zu einer &#8220;Arbeiterallianz&#8221; zusammengeschlossen. Doch entgegen den Vereinbarungen der Allianz gaben die SozialistInnen den Befehl zum Aufstand eigenmächtig aus &#8211; und das sozialistisch kontrollierte Provinz Komitee verweigerte der CNT Waffen. Dies obwohl die CNT in dem Gebiet über 22.000 Mitglieder zählte (verglichen mit 40.000 der UGT). Morrow erwähnt CNT EisenbahnarbeiterInnen, die dem Oktoberaufstand das Rückgrat gebrochen hätten, in dem sie Truppen und Ausrüstung transportiert hätten. Doch in Asturien (dem einzigen Gebiet, in dem Truppentransporte gebraucht wurden) kam es durch eine Küstenlandung von Fremdenlegionären und marokkanischen Truppen zum Hauptangriff der Regierung &#8211; gegen den Hafen von Gijon, einer CNT-Hochburg. Trotz Bitten der CNT verweigerten ihnen die SozialistInnen Waffen, Gijon fiel nach einem blutigen Kampf und wurde Ausgangspunkt zur Zerschlagung der gesamten Region. Diese sozialistische und kommunistische Sabotage sollte zwei Jahre später wiederholt werden aber Morrows Verzerrungen werden von ignoranten TrotzkistInnen ad nauseam vorgebracht.</p>
<p>Die letzte Lüge, der wir entgegentreten wollen, ist die Behauptung, die Freunde Durrutis hätten einen &#8220;bewussten Bruch mit der Staatsfeindlichkeit des revolutionären Anarchismus&#8221; vollzogen. Die Freunde Durrutis wurden im März 1937 von anarchistischen Militanten ins Leben gerufen, die sich weigerten, sich der kommunistisch kontrollierten &#8220;Militarisierung&#8221; der ArbeiterInnenmilizen zu fügen. Während der Maitage &#8211; des Regierungsangriffes auf die Revolution zwei Monate später &#8211; taten sich die Freunde durch ihre Aufrufe hervor, durchzuhalten und die Konterrevolution zu zerschlagen. Sie vollzogen keine &#8220;Abweichung&#8221; vom Anarchismus &#8211; sie weigerten sich, angesichts von GenossInnen, die sich an der Regierung beteiligten, zu kompromittieren. Ihre Flugschriften im April 1937 riefen die Gewerkschaften und Gemeinden dazu auf, den &#8220;Staat (zu) ersetzen&#8221; und nicht zum Rückzug. In ihrem Manifest von 1938 wurde dieser Aufruf wiederholt (&#8220;der Staat kann angesichts der Gewerkschaft nicht weiterhin in der Gewalt bleiben&#8221;) und drei Forderungen aufgestellt: Für ein Nationales Verteidigungskomitee &#8211; von den ArbeiterInnen (einschließlich derer an der Front) gewählt und ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig, in dem sämtliche Posten rückrufbar wären; für alle &#8220;öknomische Entscheidungen an die Gewerkschaften&#8221;; und für die &#8220;freie Gemeinde&#8221;, um die Gebiete außerhalb der Gewerkschaftsmandate zu decken. Kürzlich sagte Jaime Balius, einer der Hauptaktivisten der Freunde Durrutis: &#8220;Wir sagten &#8220;Alle Macht den Gewerkschaften&#8221;. Wir waren in keinster Weise politisch orientiert.&#8221; (&#8220;politisch&#8221; heißt hier staats- politisch &#8211; eine gebräuchliche Verwendung des Wortes durch AnarchistInnen).</p>
<p>Die Belege dafür, dass Durruti selbst, der wohl bekannteste anarchistische Militante dieser Zeit, der an der Madrider Front im November 1936 starb, mit dem Anarchismus &#8220;gebrochen&#8221; habe, sind noch fragwürdiger, sofern das überhaupt möglich ist.</p>
<p><em><strong>von einem Genossen aus Liverpool</strong></em></p>
<p><em>Aus: Blag Flag Nr. 211 </em></p>
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		<title>Gaston Leval &#8211; Die schwarz-roten Straßenbahnen von Barcelona</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 17:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Straßenkämpfe hatten den ganzen Verkehr lahmgelegt, die Straßen waren durch die Barrikaden versperrt, deren Hauptmaterial eben oft aus Straßenbahnen und Bussen bestand. Man mußte also alles ausräumen und den Weg freimachen, um die in der Großstadt unerläßlichen Transportmittel wieder ingangzusetzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-275"></span>Die Straßenbahnen waren in Barcelona das wichtigste Transportmittel. 60 Linien zogen durch die Stadt und fuhren zu den Vororten und den umliegenden Ortschaften: Pueblo Nuevo, Horta, Sarria, Badalona, Sens, Bonanova, Gracia, Casa Anunez usw. Die Allgemeine Straßenbahngesellschaft, eine AG mit hauptsächlich belgischem Kapital, beschäftigte 7.000 Lohnempfänger, die die Wagen fuhren und den Fahrpreis kassierten und in den 8 Depots und in den Reparaturwerkstätten arbeiteten.</p>
<p>Ungefähr 6.500 von diesen 7.000 Arbeitern waren in der CNT, wo sie die ihrem Fachgebiet entsprechende Sektion der Industriegewerkschaft der Transportmittel bildeten. Die anderen, bedeutend kleineren Sektionen waren die der U-Bahn (2 Linien), der Taxifahrer, die sich in der Folge getrennt organisierten, der Autobusse und schließlich der beiden Drahtseilbahnlinien nach Montjuich und dem Tibidabo-Berg.</p>
<p>Die Straßenkämpfe hatten den ganzen Verkehr lahmgelegt, die Straßen waren durch die Barrikaden versperrt, deren Hauptmaterial eben oft aus Straßenbahnen und Bussen bestand. Man mußte also alles ausräumen und den Weg freimachen, um die in der Großstadt unerläßlichen Transportmittel wieder ingangzusetzen. Nun beauftragte die gewerkschaftliche Straßenbahnsektion eine Kommission von sieben Genossen damit, die Verwaltungsräume zu besetzen, während andere die Bahnen besichtigen und sich einen Überblick über die nötigen Aufräumungsarbeiten verschaffen sollten.</p>
<p>Vor dem Gesellschaftslokal fand die Kommission eine Bereitschaftsgruppe der Zivilgarde, die den Zugang verhindern sollte. Der sie befehligende Unteroffizier erklärte, er habe den Befehl erhalten, keinen Menschen hineinzulassen. Mit Gewehren und Granaten bewaffnet und zum Teil durch den Panzerwagen, der für den Geldtransport der Gesellschaft bestimmt war, gut geschützt, drohten unsere Genossen anzugreifen. Der Unteroffizier bat seine Vorgesetzten telephonisch um die Erlaubnis zum Rückzug und sie wurde ihm gewährt.</p>
<p>Verweilen wir einen Augenblick bei einer kleinen, amüsanten Einzelheit. Das gesamte höhere Personal war nicht da, und in den Büroräumen fand die Gewerkschaftsdelegation nur den Anwalt vor, dessen Aufgabe es war, die Gesellschaft zu vertreten und für sie Verhandlungen durchzuführen. Der Genösse Sanchez, der aktivste und erfahrenste Militante, kannte diesen Herrn sehr wohl, der ihn vor zwei Jahren bei einem 28monatigen Streik zu 17 Jahren Gefängnis hatte verurteilen lassen &#8211; dieser Verteidiger der Interessen der Gesellschaft hatte sogar eine Strafe von 105 Jahren Gefängnis gegen ihn beantragt! (Sanchez war zusammen mit Tausenden anderer Genossen dank der nach den Wahlen im Februar 1936 gewährte Amnestie aus dem Gefängnis entlassen worden.)</p>
<p>Dieser Herr empfing ihn auf sehr liebenswürdige Weise, indem er erklärte, er würde die neue Situation akzeptieren und sich sogar als Anwalt den Arbeitern zur Verfügung stellen. Sanchez&#8217; Genossen wollten ihn auf der Stelle erschießen, dieser aber war dagegen und ließ ihn sogar weggehen. Es war Freitag, und man machte für den nächsten Montag ein Treffen aus. Vertrauensvoll bat der Mann darum, daß man ihn heimbegleitete, da auf den Straßen so viele bewaffnete Revolutionäre wären &#8230; Man tat es, aber er kam am folgenden Montag nicht wieder und wurde dann nie wieder gesehen.</p>
<p>Das Komitee der sieben rief sofort die Delegierten der verschiedenen Gewerkschaftssektionen &#8211; Elektrizitätswerk, Kabel, Reparaturen, Verkehr, Schaffner, Lagerräume, Buchführung, Büros, Verwaltung usw. &#8211; zusammen: wieder einmal gelang die Synchronisierung der Industriegewerkschaft hervorragend. Einstimmig wurde beschlossen, die Straßenbahnen unverzüglich wieder ingangzusetzen.</p>
<p>Am folgenden Tag wurden die Handarbeiter und Techniker durch den Rundfunk zusammengerufen &#8211; so wie die Metallindustriegewerkschaft es mit ihren Mitgliedern getan hatte &#8211; es fehlten nur einige Faschisten. Alle Ingenieure stellten sich der Gewerkschaft zur Verfügung, ein alter Oberst miteinbegriffen, der wegen seiner aktiven Sympathie für die Arbeiter bereits vom Posten des Leiters der Verkehrsabteilung und Direktors der U-Bahn in die Archivabteilung zurückversetzt worden war.</p>
<p>Fünf Tage nach dem Abschluß der Kämpfe fuhren 700 &#8211; anstatt 600 &#8211; Straßenbahnen mit den schwarzroten Schrägstreifen der FAI durch Barcelona. Ihre Zahl war vergrößert worden, um die Anhänger abzuschaffen, die viele Unfälle verursachten. Dafür hatte man Tag und Nacht und mit allgemeiner Begeisterung gearbeitet, um ungefähr 100 zum alten Eisen geworfene, weil für unbrauchbar gehaltene Wagen zu reparieren.</p>
<p>Natürlich konnten die Dinge deshalb so schnell und so gut organisiert werden, weil die Menschen selbst gut organisiert waren. Denn wir finden hier eine Gesamtheit von Sektionen vor, die nach Berufszweigen und auf industrieller Basis gemäß der Arbeitsorganisation gegründet worden sind, und zwar sowohl auf Betriebs- als auch auf Gewerkschaftsebene. Mechaniker, Schaffner, Autoschlosser, Tischler usw. bildeten jeweils einander ergänzende Gruppierungen, die über den bloßen, herkömmlichen Berufsrahmen hinausgingen, um sich in einer einzigen Organisation zu vereinigen.</p>
<p>An der Spitze jeder Sektion standen ein in Übereinstimmung mit der Gewerkschaft ernannter Ingenieur und ein Vertreter der Arbeiter: so wurde zu gleicher Zeit für die Arbeit und für die Arbeiter gesorgt. Auf der nächsthöheren Stufe bildeten die versammelten Delegierten das lokale Generalkomitee. Die Sektionen kamen getrennt zusammen, wenn es sich um ihre spezifischen Aktivitäten handelte, die also unabhängig von den anderen betrachtet werden konnten; wenn es um allgemeine Probleme ging, hielten dagegen alle Arbeiter aller Berufe eine Vollversammlung ab.</p>
<p>Es bestand also auch eine permanente Übereinkunft zwischen Ingenieuren und Arbeitern. Kein Ingenieur durfte eine wichtige Maßnahme ergreifen, ohne das Lokalkomitee um Rat zu fragen, nicht nur, weil alle gleichermaßen an den Entscheidungen teilhaben sollten, sondern auch deswegen, weil die Handarbeiter meistens in praktischen Fragen mehr Erfahrung haben als die Ingenieure. (&#8230;)</p>
<p>Die spontane Disziplin und das hohe ethische Bewußtsein der Arbeiter waren allgemein anerkannt. Alle stimmten dem gemeinsamen Werk zu und nahmen daran teil, und jeder entwickelte seine eigene Phantasie, um technische Verbesserungen und neue Arbeitsmethoden zu finden. (&#8230;)</p>
<p>Diese Mitarbeit ging sogar über den Betriebs- bzw. Gewerkschaftsrahmen hinaus. Die gut ausgerüsteten Werkstätten stellten z.B. Raketen und Haubitzen für die aragonesische Front her. Die Arbeiter machten also kostenlos Extrastunden und kamen sogar Sonntags in die Fabrik, um dem gemeinsamen Kampf ihren unentgeltlichen Beitrag zu leisten.</p>
<p>Zum Abschluß will ich noch betonen, daß überall Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit herrschten. Gewiß hat es einige wenige Fälle von Unehrlichkeit gegeben, sie beschränkten sich aber innerhalb von Jahren auf sechs kleinere Diebstähle, die nicht einmal nennenswert wären, aber wir wollen nicht den Anschein erwecken, das Unangenehme zu übergehen. Am ernstesten war folgender Fall: Ein Arbeiter nahm ab und zu kleinere Mengen Kupfer mit nach Hause, die er dann verkaufte, sobald er ein Kilo zusammen hatte. Er wurde entlassen, als seine Frau aber zum Betriebskomitee ging und erklärte, sie hätte ein Kind, das darunter zu leiden haben würde, gab man ihr den Lohn für drei oder vier Wochen und versetzte ihren Mann in eine andere Werkstatt.</p>
<p><em><strong>Gaston Leval</strong></em></p>
<p><em>Aus: &#8220;Die Aktion&#8221; Nr. 161/164 &#8211; Dossier zu Spanien 1936 </em></p>
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		<title>Anarchismus in Deutschland 1945-1960</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 13:46:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wer weis heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-264"></span><em>(DA Nr.153 September/Oktober 2002) (ungekürzte Fassung)</em></p>
<p><strong>Buchbesprechung: </strong>Hans Jürgen Degen: „ Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten. Verlag Klemm &amp; Oelschläger. 20 Euro, ISBN 3-932577-37-X</p>
<p>Wer weis heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.</p>
<p>Auf 440 Seiten legt er die Entwicklungsgeschichte der „Föderation Freiheitlicher Sozialisten“ (FFS) dar, die in der Kontinuität der durch die Nationalsozialisten verbotenen und zerschlagenen „Freien Arbeiter Union Deutschlands“ (FAUD) steht.</p>
<p>Sinnvoll aufgeteilt in 18 Kapitel nimmt er sich der FFS und &#8211; in geringerem Umfang &#8211; anderer anarchistischer und anarcho-syndikalistischer Gruppen an, beschreibt die Schwerpunkte der Arbeit, die „ideologischen“ Grundlagen und das Verhältnis zwischen den verschiedenen libertären Gruppen. Er zeigt die internationale Solidarität für die deutsche libertäre Bewegung, beschreibt die Arbeit der FFS-GenossInnen in „Fremdorganisationen“ wie Parteien und Gewerkschaften und analysiert, weshalb die FFS – trotz Verlag, Zeitschrift und Jugendorganisation &#8211; nie zu einem Masseneinfluss gelangte und schließlich scheiterte. In vier Exkursen nimmt er sich noch einmal spezieller Themenstellungen an. Zweimal mit Bezug auf den – auch nach 1945 – in Deutschland einflussreichen anarcho-syndikalistischen Theoretiker Rudolf Rocker, der sich zum Revisionisten entwickelte und zum dritten mit einer viel Beachtung verdienenden Abhandlung zur Situation der AnarchosyndikalistInnen und Libertären in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR. Den vierten Exkurs bildet ein Beitrag zum österreichischen Anarchisten Peter Brandt, seiner Broschüre „Wege zur Freiheit“ und dessen Analysen der Situation in Nachkriegsdeutschland, die ebenfalls viel kritische Beachtung verdienen.</p>
<p>Degen hat über viele Jahre eine Menge an Informationen zusammentragen können. Dabei zitiert er für „Anarchismus in Deutschland“ maßgeblich aus dem Schriftverkehr zwischen den GenossInnen und aus offiziellen Verlautbarungen, z.B. in Zeitschriften und internen Rundschreiben. An einigen Stellen revidiert Degen so die Aussagen von Günter Bartsch, der seit den 70er Jahren immer wieder auch über den Nachkriegsanarchismus und die FFS schrieb.</p>
<p><strong>Die Situation in Nachkriegsdeutschland und die Gründung der FFS</strong></p>
<p>Degen beschreibt die Situation in Nachkriegsdeutschland nachdrücklich. Er lässt die GenossInnen zu Wort kommen, die schon kurz nach dem Ende des Krieges die Kontinuität der Wirtschaftsbosse und Altnazis an der Macht scharf analysierten. Und er beschreibt die Lebensrealität der arbeitenden Klasse: Zerbombte Städte, Hunger, Obdachlosigkeit, geflohene und vertriebene Menschen, Erwerbslosigkeit.</p>
<p>„Dem weitverbreiteten apathisch-resignativen Element in der Nachkriegsgesellschaft verfielen auch die meisten Anarchisten/Anarchosyndikalisten: Sie entzogen sich nicht den Bedürfnissen nach „Ruhe“, „Sehnsucht nach Wohlstand“, gesellschaftlicher „Anerkennung“ – was nicht implizierte, damit auch gleichzeitig den Wunsch nach „Veränderung“ aufzugeben. Dieses psychische Dilemma hinter sich zu lassen, gelang nur einem Bruchteil von ihnen. Eine Reorganisation des deutschen Anarchismus bedeutete in dieser Situation primär Selbstorganisation auf der Mikroebene: Keinerlei organisatorische Struktur hatte das 3.Reich überlebt&#8230;.Hinzu kam die durch KZ-Haft oft so stark angeschlagene Gesundheit, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von ihnen die Hungerjahre 1945– 1948 nicht überlebte.“ (S.34)</p>
<p>Unterstützung erhielten die deutschen Genossinnen und Genossen aus der internationalen anarcho-syndikalistischen Bewegung. U.a. auf Initiative des ehem. FAUD-Aktivisten und Spanienkämpfers Helmut Rüdiger (Schweden) und Rudolf Rocker (USA), organisierten vor allem die schwedische SAC und jüdische ArbeiterInnen in den USA Hilfslieferungen für über 200 deutsche GenossInnen. Hilfe kam ebenfalls von der „Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Sozialisten“ in Basel, der französischen FAF und einigen anderen anarchistischen Hilfskomitees, sowie der Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) – der anarcho-syndikalistischen Internationale. Diese berichtete seit 1945 über die Situation in Deutschland und rief zur Solidarität auf. Im Mai 1948 beschloss dann der 2.FFS-Kongress auf diese Hilfslieferungen zu verzichten um sie stattdessen den„spanischen Genossen“ zugute kommen zu lassen, die der Franco-Diktatur ausgesetzt waren.</p>
<p>1945 – das belegt Degen sehr anschaulich – entstanden die ersten anarcho-syndikalistischen Gruppen in Deutschland. Oftmals reine Diskussionszirkel versuchten sie mit Gleichgesinnten in anderen Städten und Regionen in Kontakt zu treten. Ein Großteil von ihnen wollte und konnte durch die gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr dort weitermachen, wo sie mit ihrer Arbeit 1933 durch die Nazis gezwungen wurden aufzuhören. Sie regten Diskussionenüber die Neubestimmung libertärer und anarcho-syndikalistischer Positionen an, in denen der (europäische) Föderalismus und die freie Entfaltung der Persönlichkeit einen hohen Stellenwert besaßen. Ausgehend von Gretelund Alfred Leinau in Darmstadt kam es ab 1945 zu einer Reihe von Treffen, auf denen über die Gründung einer freiheitlich-sozialistischen Organisation beraten wurde. Diese wurde dann Pfingsten 1947 in Darmstadt als Föderation Freiheitlicher Sozialisten (FFS) gegründet. Vertreten waren „ca.30 Delegierte aus fünfzehn Orten in ganz Westdeutschland“ (S.60). Von Anfang an beteiligte sich der Berliner Fritz Linow, ehemaliges Mitglied der Geschäftskommission der FAUD am Aufbau und der inhaltlichen Ausrichtung der neuen Organisation. Linow, der mit Rocker und Rüdiger in der Neudefinition eines freiheitlichen Sozialismus konform ging, wurde zu einer dominanten Person in der FFS. Er bestimmte durch seine Redaktionsarbeit in der FFS-Zeitschrift „Die freie Gesellschaft“ das Erscheinungsbild, das von kulturellen und theoretischen Beiträgen geprägt war und dem erklärten Anspruch der Zeitschrift, auch neue Mitglieder zu gewinnen, nicht gerecht wurde. Die Zeitschrift wurde zur fast ausschließlichen Arbeitsaufgabe für die Gesamt-Organisation und offenbar von den FFS-Mitgliedern nicht geliebt, da sie ein fast rein akademisch – intellektuelles Spektrum bediente, das mit der Lebensrealität der allermeisten FFSlerInnen nicht viel gemein hatte.</p>
<p>Der Wuppertaler Fritz Benner schrieb über diesen Zustand:“&#8230;man kann mit ihr keine Bewegung aufbauen. Die Genossen werden es leid, alles nur für die Zeitschrift zu opfern, keine Versammlungen, nichts. Eine Bewegung kann man nur schaffen, wenn man sich an die materiellen Interessen wendet. Die Genossen im Ruhrgebiet wollen&#8230;werben. Sie halten die Zeitschrift dafür nicht geeignet.“ (S.323 ff.)</p>
<p>Da es, mit Ausnahme der Drucklegung, Werbung und des offensiven Verkaufs der Informationsbroschüre „Der Leidensweg von Zensl Mühsam“, die vor den Nazis in die Sowjetunion flüchtete und dort in ein Konzentrationslager gebracht wurde, zu keiner gemeinsamen Kampagnenarbeit der FFS kam, war der Stellenwert ihrer Zeitschrift für die Wahrnehmbarkeit der Organisation sehr hoch.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt bei den Beratungen an Pfingsten 1947 war die Zulassung der FFS als legale Organisation. Diese „Lizenzierung“ wurde von den alliierten Besatzungsmächten vorgenommen und der FFS – in allen Besatzungszonen &#8211; beständig verweigert.</p>
<p>Die Mitgliederstärke der FFS soll nach Degen 1948 zwischen 350 und 400 Mitgliedern gelegen haben, wovon allein in Berlin mit 80 und in Köln mit 113 Mitgliedern lokale Hochburgen bestanden. Weitere größere Gruppen bestanden in München, Hamburg, Ludwigshafen, Mannheim und Wuppertal.</p>
<p>Im weiteren führt Degen die internen Diskussionen zur inhaltliche Bestimmung der FFS aus, die durchaus kontrovers verliefen, an deren Ende sich aber die Mehrheit für die revisionistischen Positionen – die auch von Rocker aufgegriffen wurden– aussprach. So lehnte die FFS den Parlamentarismus zwar immer noch als undemokratisch ab, schuf ihren Mitgliedern aber die Möglichkeit der Teilnahme an Wahlen auf kommunaler Ebene, um der geführten Diskussion um einen „Gemeinde-Sozialismus“ Rechnung zu tragen. Einige FFS´ler kandidierten auf kommunaler Ebene und erzielten beachtenswerte Wahlerfolge wie Karl Dingler in Göppingen und Karl Preiss in Ulm.</p>
<p>Ein Teil der FFS-Mitglieder übernahm Funktionen in Gewerkschaften des DGB und wurden Betriebsräte bei gleichzeitiger massiver Kritik an ihnen. Die Gründung einer eigenständigen syndikalistischen Gewerkschaft wurde zwar immer wieder vorgebracht, aufgrund der Einschätzung das ihre Verwirklichung momentan unrealistisch sei, aber immer wieder verworfen.</p>
<p>Ein Aufruf des in der Erwerbslosenbewegung aktiven Theodor Bennek aus Hildesheim im März 1951 zur „Wiedergründung der FAUD“ stieß u.a. deswegen auf breite Ablehnung. (S. 335 ff.)</p>
<p>Leider finden sich keine evt. Positionen zur „Freien Sozialistischen Gewerkschaft“ (FSG) im Buch, die sich 1947 in Hamburg als politische Richtungsgewerkschaft formierte, nach 1 ½ Monaten aber schon von der britischen Besatzungsmacht verboten wurde.</p>
<p><strong>Reorganisation, Verfolgung und Ermordung von AnarchosyndikalistInnen in der SBZ und der DDR</strong></p>
<p>Ein großes Plus an Degens Buch ist die bisher am gründlichsten recherchierte Beschreibung und Veröffentlichung zur Situation der Libertären in der SBZ und der DDR. In seinem Exkurs dazu beschreibt er die politischen Bedingungen die eine offene Betätigung durch die Kommunisten unmöglich machte. Er definiert „3 Tendenzen libertären Verhaltens“. „Erstens diejenigen Libertären, die versuchten, sich relativ offen wieder zu organisieren und sich damit auch offen gegen das kommunistische Regime stellten; zweitens die Libertären, die mit dem kommunistischen System zwar paktierten, aber versuchten, hier Libertäres einzubringen; drittens arrangierte und identifizierte sich ein vermutlich kleiner Teil der Libertären völlig mit dem Regime“. (S.182)</p>
<p>Zu den wenigen bekannten Köpfen des Wiederaufbaus der anarcho-syndikalistischen Bewegung in der SBZ und späteren DDR gehört der Illmenauer Fritz Heller, der für seine Tätigkeit 1968 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, wovon er 5 ¼ Jahre im KZ Bautzen verbringen musste, bevor er es schaffte nach Frankfurt/M. zu gelangen. Der Metallarbeiter Willi Jelinek aus Zwickau richtete eine Informationsstelle ein, von der aus über Rundschreiben Kontakte hergestellt wurden. „In Sachsen sollen sich daraufhin fünf oder sechs Gruppen gebildet haben.“ (S.183) In Dresden war der Anarchosyndikalist Walter Reede aktiv und der Ostberliner Rudolf Ludwig war Verbindungsmann der FSS in den Westen.</p>
<p>1948 tagte in Leipzig eine „Konferenz der libertären Bewegung“, deren Durchführung von einem Spitzel verraten wurde und die Verhaftung aller TeilnehmerInnen zur Folge hatte.1949 kam es zu zwei Verhaftungswellen gegen AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen durch das kommunistische Regime. Anfang 1949 wurden über 100 GenossInnen verhaftet und im September über 170 „vornehmlich der vor 1933 existierenden Gruppen Kommunistische Arbeiterpartei und Syndikalisten&#8230;verhaftet. Die Opfer der SED-Justiz wurden oft zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Viele von ihnen inhaftierte man in den ehem. Nazi-KZ´s und in Bautzen. „Bewacher“ waren meist „Russen, größtenteils aber deutsche Volkspolizei, die sich nur in der Uniform von Hitlers SS unterscheidet.““ (S.193). Und Anfang 1950 saßen „dreißig freiheitliche Sozialisten ..seit weit einem Jahr wieder im KZ Oranienburg-Sachsenhausen“. (S.194). In Bautzen wurde der Anarchosyndikalist Willi Jelinek ermordet.</p>
<p>Die Reaktion der westdeutschen GenossInnen war die Bildung von Unterstützungsgruppen für die Verfolgten und die Information der Öffentlichkeit über das totalitäre Vorgehen der Kommunistenim Osten. In Publikationen und Diskussionen wurde die Gleichartigkeit der Struktur von Nationalsozialismus und Bolschewismus analysiert und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) (heute VVN-BdA) scharf angegriffen, da sie die Existenz von KZ´s in der SBZ/DDR und die Verfolgung freiheitlicher Sozialisten leugnete. Der Berliner Otto Reimers formulierte dies in einem Beitrag in der „Freien Gesellschaft“: „..wurdet ihr VVN-Kameraden nicht auch einst in die Hitler KZ´s als Staatsfeinde eingewiesen ? Wir Sozialisten wissen dass sich in den Ostzonen KZ´s heute Sozialisten befinden, die auch unter Hitler im KZ schmachteten und ihr (VVN) schweigt dazu.“ (S.194)</p>
<p>In einer Resolution des 2. FFS-Kongresses 1948 in Nieder-Berbach/Mordach formulierten die GenossInnen als Grundkonsens: “gegen jede Art autoritärer Bevormundung, gegen die bürokratische und zentralistische Entartung der Demokratie, gegen den Faschismus und insbesondere gegen den totalen Staat in Gestalt des als Diktatur des Proletariats verschleierten roten Faschismus und der sogenannten Volksdemokratien &#8230; Die FFS (Deutschlands) bekennt sich zur Sache des Friedens und der Völkerverständigung &#8230; sie ist vor allem entschlossen, das weitere Vordringen des bolschewistischen Totalitarismus in Europa verhindern zu helfen.“ (S.331)</p>
<p><strong>Die Internationale Arbeiter Assoziation</strong></p>
<p>In einem weiteren Beitrag geht Degen auf die Beziehungen zwischen der FFS und der IAA ein, welcher die FFS 1948 – als Nachfolgerin der FAUD beigetreten war, und stellt die interne Entwicklung der IAA, ihre inhaltlichen Differenzen und schließlich den Austritt einiger ihrer Sektionen in den 50er Jahren anschaulich dar. Ein Beitrag der auch abseits der Konzentration auf die FFS Aufmerksamkeit verdient, da die Informationen über dieIAA und ihre Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg gerade in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Delegierte für die FFS auf internationaler Ebene waren u.a. Helmut Rüdiger und der 1966 aus dem mexikanischen Exil nach München zurückgekehrte Augustin Souchy.</p>
<p>Den Abschluss der 18 Kapitel bildet der Beitrag „Das Ende der FFS. Nachwehen und Ausläufer“ (S.400 ff.). Ein offizielle Auflösung der FFS hat nie stattgefunden, berichtet Degen, und gibt Einblick in die Stimmung der FFS. „Die FFS Protagonisten waren ausgebrannt“ (S.403) und führt dies auf die „ausgebliebene Resonanz in der Nachkriegsgesellschaft“ zurück, die nach A. Klönne „einen hohen Grad von Geschichtsverlust aufwiese“ den dieser auf den Nationalsozialismus zurückführte. „Nicht nur Verbot, Verfolgung der Organisationen der Arbeiterbewegung, sondern der NS-Staat war auch darauf aus, jeder Erinnerung an den Prozeß der Emanzipation und Selbstorganisation der Arbeiterschaft aus dem historischen Bewusstsein zu löschen.“ (S.404) Weiterhin – so Degen – hätte sich der „im Westen Deutschlands konstituierende `Wohlstandsstaat` erosiv auf die freiheitlichen Sozialisten ausgewirkt. Denn die sozialistische Alternativ, die die FFS aufzeigte, konnte nicht attraktiv gegenüber dem sich Anfang der 50er herausbildenden „Sozialstaat“ wirken. Und dessen Integrationskraft hatten die freiheitlichen Sozialisten keine machtpolitische Alternativen entgegen zu setzen. Auch die „revisionistische“ Form des freiheitlichen Sozialismus konnte hier nichts ausrichten.“ (S.405) Nach diesen Ausführungen folgt der Blick auf den weiteren Werdegang einiger Aktiver und ganzer Gruppen, wobei u.a. die FFS in München bis in die 70er Jahre aktiv blieb.</p>
<p>Abgerundet wird dieses Buch mit einer Auswahl von Kurzbiographien einzelner FFS´lerInnen , einem (unvollständigen) Verzeichnis der Ortsföderationen und ihrer Mitglieder und einem Personenregister. Zu diesem Buch gäbe es noch eine Menge zu sagen und ich bin Sicher das die Informationen aus ihm viel Stoff für weitere Untersuchungen und politische und soziale Analysen, sowie für die anarcho-syndikalistische Spurensuche nach sich ziehen wird. Es ist eine umfassende Fundgrube. Kritisch anzumerken bleibt, das Degen von „überkommenen anarcho-syndikalistischen Positionen“ spricht ohne diese Aussage näher zu erklären. (S. 201).</p>
<p>Alles in allem: Ein hochspannendes, historisches und gleichzeitig aktuelles, empfehlenswertes Buch für alle an einer freiheitlich sozialistischen Zukunft Interessierten.</p>
<p><em>Martin Veith</em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></em></p>
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		<title>FAUD an die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 12:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-245"></span>Artikel übernommen von <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></p>
<p><em>Geschäftskommission der Freien Arbeiter- Union Deutschlands (Syndikalisten)<br />
Berlin, den 11. Januar 1921</em></p>
<p><strong>An die Zentrale der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands,</strong><br />
Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:</p>
<p>„Die Syndikalisten stehen auf dem Boden der direkten Aktion und unterstützen alle Bestrebungen und Kämpfe des Volkes, die mit ihren Zielen – die Abschaffung der Wirtschaftsmonopole und der Gewaltherrschaft des Staates – nicht im Widerspruch stehen. Ihre Aufgabe ist es, die Massen geistig zu erziehen und in dem wirtschaftlichen Kampforganisationen zu vereinigen, um dieselbe durch die direkte wirtschaftliche Aktion, die im sozialen Generalstreik ihren höchsten Ausbruch findet, der Befreiung vom Joche der Lohnsklaverei und des modernen Klassenstaates entgegen zu führen.&#8221;</p>
<p>Die Syndikalisten werden als ehrliche Revolutionäre stets im Sinne dieser Entschließung handeln, wie auch bisher alle revolutionären Aktionen tatkräftig von ihnen unterstützt worden sind. Obgleich die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) eine Reihe von Punkten der vorgeschlagenen Grundlage als unzulänglich und ungeeignet zur Erreichung eines Erfolges betrachtet, ist dieselbe doch bereit, den Mitgliedern der FAUD die Unterstützung der gemeinsamen Aktion zu empfehlen, ohne Rücksicht darauf, dass die schon zweimal von ihr vorgeschlagenen Aktionen (Vorbereitung eines Generalstreiks zur Abwehr der Gegenrevolution – Dezember 1919 – Aktion zur Verhinderung von Waffen- und Munitionslieferung an Polen April 1920 -) weder von der Zentrale der KPD noch von anderen Organisationen Unterstützung gefunden haben.</p>
<p>Notwendig ist aber, dass zuvor eine Aussprache aller beteiligten Organisationen stattfindet, in welcher die einheitlichen Forderungen und die taktischen Massnahmen festgestellt werden. Vor allem muss die Geschäftskommission der FAUD verlangen, dass als zunächst wichtigste Kampfziele die Durchführung des Sechsstundentages für alle Arbeitenden und Abschaffung der Accordarbeit aufgestellt werden, da nur hierdurch den Arbeitslosen geholfen werden kann, und weil dadurch gleichzeitig eine Reiche von Forderungen ohne Weiteres am einfachsten verwirklicht wären. Eine zweite prinzipielle Forderung ist die Aufstellung der Parole, von jetzt ab keinerlei Waffen und Munition mehr anzufertigen, da nur so eine Entwaffnung der Reaktion möglich ist. Alle Betriebe, die Waffen, Munition oder irgendwelche Heeressachen herstellen, sind sofort auf landwirtschaftliche Geräte umzustellen.<br />
Vorausgesetzt für die gemeinsame Aktion wäre ferner, dass alle Beteiligten Organisationen als gleichberechtigte Faktoren bei der Aktion mitwirken, da wir Syndikalisten selbstredend nach wie vor jede Unterordnung unter irgend eine politische Partei und jede Diktatur prinzipiell ablehnen.</p>
<p class="vspace"><em>Gez.: Karl Haffner, G. Wiesener</em></p>
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		<title>Kolbermoorer Räterepublik</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 11:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist Sonntag früh, morgens um 9 Uhr, man schreibt den 4. Mai 1919. Da stürmen 12 Grafinger Weißgardisten die Wohnungen von Georg Schuhmann, dem Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden und von Alois Lahn, seinem Sekretär. Sie treten die Türen ein, zerstören die Wohnungseinrichtungen, plündern und prügeln. Sie zerren die Gesuchten aus ihren Betten und schlagen brutal auf sie ein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-234"></span>Es ist Sonntag früh, morgens um 9 Uhr, man schreibt den 4. Mai 1919. Da stürmen 12 Grafinger Weißgardisten die Wohnungen von Georg Schuhmann, dem Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden und von Alois Lahn, seinem Sekretär. Sie treten die Türen ein, zerstören die Wohnungseinrichtungen, plündern und prügeln. Sie zerren die Gesuchten aus ihren Betten und schlagen brutal auf sie ein. Der Vater von Alois Lahn berichtet später im „Anzeiger für Kolbermoor“ über seinen Sohn: „Sie warfen ihn an den jenseitigen Gartenzaun, wo er sich an einem Pfosten ein Loch in den Kopf schlug. Mir, der ich nachging, wurde mit Erschießen gedroht. Mein Sohn wurde wieder in die Höhe gerissen, mit Gewehrkolben wieder niedergeschlagen, einer schlug ihm mit der Schreibmaschine die Hirnschale ein.“ Unter weiteren schweren Misshandlungen wurden Georg Schuhmann und Alois Lahn zur Kolbermoorer Tonwerksunterführung geschleift, mehr tot als lebendig. Dort wurden sie schließlich ermordet.</p>
<p>Am Tage zuvor hatten die Kolbermoorer Räte der großen Übermacht der Weißgardisten weichen müssen. Zunächst hatte man an die Verteidigung des wie eine Festung ausgebauten Ortes gedacht, in den sich auch die letzten Rosenheimer Roten nach ihrer Niederlage zurückgezogen hatten. Aber 6000 Belagerer hatten einen Ring um Kolbermoor gezogen und Georg Schuhmann und seinen Genossen war klar, dass die Verteidigung der letzten bayerischen roten Bastion nur ein großes Blutvergießen zur Folge gehabt hätte. So wurde die Stadt schließlich kampflos übergeben. Über Kolbermoor wurde der Belagerungszustand verhängt. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen fanden statt und viele Gefangene wurden nach Straubing und München abtransportiert. In zynischer Manier schreibt ein Chronist aus der Perspektive der Sieger: „Junge, zuchtlose Burschen und radaulustige Weiber, welche am Abend die wachehaltenden Soldaten durch Schimpf- und Schmährufe beleidigten, wurden von diesen eingefangen und erhielten im Wachlokal einen Anstandsunterricht – mit Riemen des Sattelzeuges.“ Georg Schuhmann sollte sich zusammen mit anderen stellen, so sah es das Übergabeprotokoll vor. Aber dazu kam es nicht mehr.</p>
<p>Der Friedhof war bei der Beerdigung von Schuhmann und Lahn schwarz von Menschen. Ein Beerdigungszug war verboten wurden, weil man befürchtete, dass daraus eine unkontrollierbare Massendemonstration werden würde. Der Friedhof selber war vorsichtshalber von Maschinengewehren umstellt worden. So wurde die Beerdigung des „unvergesslichen Schuhmann“ (so die Schleife eines Kranzes) ein letztes großes Symbol für den Willen der Kolbermoorer Arbeiterschaft nach einem freien und selbstbestimmten Leben.</p>
<p>Die Räterepublik München war mit bestialischen Grausamkeiten von den weißen Truppen in den ersten Tagen des Mai 1919 niedergeschlagen worden und die Stadt Rosenheim wurde am 1. Mai kampflos eingenommen. Am längsten hatten sich die Roten in Kolbermoor gehalten. Aber welche Ereignisse waren diesen turbulenten Geschehnissen vorweggegangen? Die Begeisterung, mit der 1914 auch viele Kolbermoorer in den Krieg gezogen waren, war nicht von langer Dauer gewesen. 153 Kolbermoorer ließen im 1. Weltkrieg ihr Leben. Und diejenigen, die aus den Schrecken des Krieges zurückkehrten, verwundet an Leib und Seele, kamen in ein Kolbermoor, das unter den Folgen des Krieges schwer zu leiden hatte. Drastische Einschränkungen auf allen Gebieten des täglichen Lebens ließen das Verlangen nach Frieden immer stärker werden, und die Bereitschaft dafür aktiv einzutreten wuchs. Allein von August 1914 bis Mai 1915 hatten sich die Lebenshaltungskosten einer Arbeiterfamilie um rund 20 % erhöht. 1915 begann in Kolbermoor das Brot knapp zu werden, Fleisch gab es ab 1916 nur noch auf Reichsfleischmarken. Es folgten Missernten, Hamsterkäufe fanden statt, die Schwarzmarktpreise stiegen. Nur die Reichen hatten noch Möglichkeiten sich zu versorgen, die ärmeren Bevölkerungsteile gingen oft leer aus. Hinzu kam, dass die Arbeitslosigkeit rapide stieg. Im Tonwerk mit in der Vorkriegszeit 450 Arbeitern wurden 1918 gerade noch 13 Personen beschäftigt. In der Spinnerei sanken die Beschäftigtenzahlen von 900 auf 140. Man kann sich gut vorstellen, dass die Stimmung immer schlechter wurde.</p>
<p>Als in München dann in der Nacht vom 7. zum 8. November durch Kurt Eisner die Republik ausgerufen wurde, zögerte man auch in der Industriestadt Kolbermoor nicht lange. Durch die große Baumwollspinnerei hatte sich längst eine aktive Arbeiterbewegung herausgebildet. So rief die SPD für den 11. November eine Volksversammlung in den großen Mareisssaal ein, auf der aus allen Schichten der Bevölkerung die 25 Mitglieder des 1. Kolbermoorer Volksrates gewählt wurden. Dieser bestand zunächst parallel zum Gemeinderat und hatte nur beratende Funktion. Das Beschlussbuch des Volksrates, das im Kolbermoorer Stadtarchiv aufbewahrt ist, macht deutlich, welche wichtigen Aufgaben dieser Volksrat sich zu eigen machte. In der schwierigen Zeit nach dem 1. Weltkrieg kümmerte er sich um eine gerechte Lebensmittelversorgung, schritt ein gegen Wucherpreise und Schwarzhandel, sorgte für Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten und vieles mehr.</p>
<p>Der Einfluss des Volksrates wuchs zunehmend. Schon 6 Wochen später kam es zur Neuwahl, bei der die Vertreter der Arbeiterschaft stärker berücksichtigt wurden. Nun wurde der ehemalige Soldat, der 33 – jährige Georg Schuhmann zum 1. Vorsitzenden gewählt und war bald die für Kolbermoor entscheidende politische Persönlichkeit. Ein Chronist schreibt: „Die Arbeiterschaft verhimmelte ihn – die Bürgershaft haßte ihn, denn Schuhmann sah hinter die Ladentische und brachte manch Gehortetes zum Vorschein und kontrollierte auch die Einkaufs- und Verkaufspreise und machte mit seinen unvermuteten Kontrollen den Geschäftsleuten die Hölle heiß.“ Der Einfluss Schuhmanns war schließlich so groß, dass er Sprechstunden im Rathaus abhielt. Als am 21. Februar 1919 der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner ermordet wurde, berief der Kolbermoorer Volksrat für den nächsten Tag eine außerordentliche Sitzung ein, auf der dem Bürgermeister Bergmann der Rücktritt nahe gelegt wurde.</p>
<p>Georg Schuhmann war nun nicht nur 1. Volksratsvorsitzender, sondern quasi, und so ist es auch in den Annalen nachzulesen, der 5. Kolbermoorer Bürgermeister. Noch einmal wurde ein Volksrat gewählt, der sich nun „Revolutionärer Arbeiterrat“ nannte und politisch sich weiter radikalisiert hatte. Im Protokollbuch der Räte heißt es: „Schuhmann erklärt, nur noch einem aus Kommunisten gebildeten Rate vorstehen zu können.“ Dies war am 29. 4. 1919, eine knappe Woche vor seiner Ermordung. Schuhmann konnte nur noch an einer einzigen Sitzung teilnehmen, auf der er als 1. Vorsitzender bestätigt und die Ausschüsse festgelegt wurden. Am 1. Und 2. Mai wird Kolbermoor vollständig von Regierungstruppen, den Freikorps und rechten Einwohnerwehren aus der Umgebung eingekreist.</p>
<p>Seit nunmehr drei Jahren bemühe ich mich, dieses Kapitel Kolbermoorer Geschichte wieder bekannt zu machen. Anlässlich des 80. Tages der Wiederkehr der Ermordung von Schuhmann und Lahn, am 4. Mai 1999, habe ich deswegen mit Unterstützung von Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, wo ich im Kreisvorstand aktiv bin, einen historischen Rundgang organisiert. Wir gingen von der Schuhmannstraße (seit 1947), wo Schuhmann wohnte, zu den Gräbern auf dem Friedhof, zum ehemaligen Wohnhaus von Alois Lahn und schließlich zur Tonwerksunterführung, wo eine Gedenktafel aufgestellt wurde. Leider wurde diese schon bald zerstört und musste durch eine neue ersetzt werden, die aber vor wenigen Monaten auch einem Säureattentat, das die Schrift zerstören sollte, zum Opfer fiel und nun zurzeit in Reparatur ist. Man sieht, dass die Kolbermoorer Räterepublik noch immer ein Begriff ist oder wieder geworden ist und Anlass für Auseinandersetzungen bietet. Mein Buch soll helfen, diese 6 Monate der Räterepublik nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.</p>
<p><strong><em>Andreas Salomon</em></strong></p>
<p><em>Buch: „Auf den Spuren von Georg Schuhmann und Alois Lahn – Ein Beitrag zur Kolbermoorer Räterepublik“ von Andreas Salomon (Hg.) </em></p>
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		<title>Anarchismus in der Habsburgermonarchie</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 09:22:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Abseits von Luigi Luccheni, Mörder von Kaiserin Sissi von Österreich, ist hierzulande das Kapitel Anarchismus in der Habsburgermonarchie kaum beleuchtet. Liegt das an dem mangelnden Wind der damaligen Bewegung? War es denn überhaupt eine solche, oder das Lüftchen Einzelner?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-229"></span><em>Der folgende Artikel ist von der Internetseite der Tageszeitung &#8220;<a href="http://derstandard.at/?id=1359861" target="_blank">Der Standard</a>&#8221; entnommen.</em></p>
<p><strong>Anarchoterror, Einzeltäter oder politisch motivierter Medienhype?</strong></p>
<p>Abseits von Luigi Luccheni, Mörder von Kaiserin Sissi von Österreich, ist hierzulande das Kapitel Anarchismus in der Habsburgermonarchie kaum beleuchtet. Liegt das an dem mangelnden Wind der damaligen Bewegung? War es denn überhaupt eine solche, oder das Lüftchen Einzelner? Fakt ist, dass in Folge der Anarchistenattentate Österreich den Ausnahmezustand verhängen ließ. Ob dieser gerechtfertigt schien, untersucht die Juristin Eva Matt am Juridicum Wien.</p>
<p><strong>Anarchisten als &#8220;Kinderkrankheit&#8221; der Arbeiterbewegung?</strong></p>
<p>Weitaus später als anderswo in Europa entwickelte sich in Österreich eine organisierte Arbeiterbewegung. Während Ferdinand Lassalles und Hermann Schulze-Delitschs Ideen zur Selbsthilfe bereits breite Befürworterscharen hatten, verlief darüber hinaus der Start zu deren Umsetzung äußerst sanft. Erst 1863 war die Ausnahme &#8211; der Fortbildungsverein der Buchdrucker &#8211; genehmigt worden. Bekanntlich änderte sich aber erst mit dem Staatsgrundgesetz von 1867 einiges: Der Wiener Arbeiterbildungsverein erreichte alsbald 3.000 Mitglieder. So fassten unter ständiger Bewachung der Polizei radikale Begleiterscheinungen sozialistischer Bewegungen auch in Österreich Fuß.</p>
<p><strong>&#8230; und Zauberformel der Denunziation</strong></p>
<p>Nach verfassungsrechtlicher Ebnung zur Vereinsbildung blieb es schwierig für die Arbeiterschaft in der Habsburgermonarchie. Die &#8220;Volksstimme&#8221; wurde 1869 gegründet und gleich wieder verboten. Forderungen nach einem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht, nach Versammlungs- und Vereinsfreiheit sowie nach Pressefreiheit wurden im Keim erstickt. Repressionen gegen politische Arbeitervereine blieben an der Tagesordnung und gipfelten im Hochverratsprozess von 1870. In den 18 Jahren vor Parteigründung stieg der politische Unmut sicherlich bei einigen, jedoch wurde die Sprachregelung &#8220;Anarchisten&#8221; dabei von konservativer Seite gerne als Diffamierungsformel für alle Arbeiter herangezogen.</p>
<p><strong>Etymologische Chaostage</strong></p>
<p>Ursprünglich leitet sich der Begriff Anarchismus aus den Tagen der französischen Revolution ab. Selten gebraucht als Selbstbezeichnung, vielmehr wie etwa in Deutschland in den Sozialistengesetzen 1878-1890 als Gleichsetzung mit Terror und Vandalismus. An-archie, wie man es damals schrieb, blieb eine Fremdbezichtigung, obgleich die Definition zunehmend engmaschiger wurde.</p>
<p>Im Zuge der I. Internationale kristallisierten sich nun Absichten heraus: Ablehnung von Obrigkeit und Staat, Kritik der bürgerlichen Demokratie sowie Kritik des autoritären Sozialismus waren die Credi. Damit rückten die Anarchisten als Gruppe zusammen und gleichsam an den äußersten Rand des sozialistischen Spektrums. Damit besiegelten sie gleichsam ihren eigenen Ausschluss, welcher ihnen 1896 auf der II. Internationale auch beschieden wurde.</p>
<p><strong>Zwei Köpfe – zwei Wege</strong></p>
<p>Während ihrer kurzen Hochkonjunktur in den 1870er und 1880er Jahren waren es in Österreich vor allem zwei mondäne Köpfe, die richtungsweisend für die kleine anarchistische Strömung waren. Johann Most, Publizist in der &#8220;Freiheit&#8221;, versuchte vergebens einen Bogen zwischen Anarchisten und Sozialdemokraten zu spannen. Joseph Peukert, seines Zeichens eingefleischter Anarchist mit Erfahrungsbonus, versuchte die Umkehrung: Eine Losspaltung von der Sozialdemokratie. Der Flügelkampf der beiden kostete die Anarchisten schließlich nahezu alle Sympathien. Beide Agitatoren flohen zuletzt das Land, auch um dem Ausnahmezustand in Österreich zu entgehen.</p>
<p><strong>Propaganda der Tat</strong></p>
<p>Neben der Bruchlinie Sozialdemokratie war es eine weitere, die den Anarchismus als zerfranste Bewegung kennzeichnete. Malatesta und Cafiero, die bekanntesten italienischen Anarchisten, schufen 1867 in Bern auf der I. anarchistischen Internationale den Begriff der Propaganda der Tat. Ein Begriff voll Sprengkraft, der sich selbst jedoch in erster Linie als &#8220;Insurrektion&#8221; und nicht als politisches Attentat verstand. In Österreich &#8211; wie sonst &#8211; waren dies selten bis nie organisierte Verbrechen, eher Anschläge Einzelner. 1882 war das Merstalliger-Attentat beispielhaft, das als erstes den Anarchisten als Gruppen angekreidet wurde.</p>
<p><strong>Mit drei Attentaten in den Ausnahmezustand</strong></p>
<p>Der Schuhwarenfabrikant Joseph Merstalliger wurde betäubt und ausgeraubt. Die Polizei verstand es, das Attentat als politisch motiviertes zu verschleiern, die Täter wurden alsbald zu Anarchisten gemacht, ohne dass ihre Identität bekannt war.</p>
<p>Hingegen handelte es sich im Folgefall eindeutig um klassische &#8220;Anarchistentaten&#8221;. Die Polizeiagenten Blöch und Hlubek hatten über Jahre Denunziantentum in sozialistischen Bewegungen gefördert, hatten in Redaktionsstuben spioniert und ganze Familien überwacht. Ressentiments gegen das Spitzelwesen waren also in der ganzen Arbeiterschaft vorhanden. Jedoch distanzierte sich die offizielle, noch unparlamentarische Sozialdemokratie sofort nach den Attentaten durch Stellmacher und Kammerer. Diese sollten ja letztlich auch wirklich zum Ausnahmezustand führen.</p>
<p>Die Autorin Eva Matt recherchierte in den Gerichtsakten zu den Fällen Anton Kammerer und Joseph Stellmacher und gibt somit Porträts ihrer &#8220;Bewegung&#8221; wieder – irgendwo zwischen Verzweiflungstat und Fanatismus. Fazit der drei Attentate: War Anarchimus in Österreich ein Medienhype, um den Ausnahmezustand 1884 zu ermöglichen? &#8211; Nachzulesen jedenfalls auf mnemopol.net.</p>
<p><em>Originaltext: <a href="http://derstandard.at/?id=1359861" target="_blank">http://derstandard.at/?id=1359861 </a></em></p>
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		<title>Die Schwarze Flagge in der Anarchistischen Geschichte</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 17:39:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anarchismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Anarchisten benutzen spezielle Symbole, nicht nur die schwarze Fahne, sondern z.B. auch das umkreiste A, in ihrer Revolte gegen den Staat und das Kapital. Jene 'A's finden sich gesprüht an Wände, Brücken oder andere Gebäude überall auf der Welt; Punks zeigen sie auf ihren Jacken und ritzen sie in halbgetrockneten Zement. Schwarze Flaggen tauchten unlängst auch in Russland auf und wehen heute in vielen Teilen der Erde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-221"></span>Anarchisten benutzen spezielle Symbole, nicht nur die schwarze Fahne, sondern z.B. auch das umkreiste A, in ihrer Revolte gegen den Staat und das Kapital. Jene &#8216;A&#8217;s finden sich gesprüht an Wände, Brücken oder andere Gebäude überall auf der Welt; Punks zeigen sie auf ihren Jacken und ritzen sie in halbgetrockneten Zement. Schwarze Flaggen tauchten unlängst auch in Russland auf und wehen heute in vielen Teilen der Erde.</p>
<p>Es gibt zahlreiche Beispiele für die Nutzung jener schwarzen Flaggen durch Anarchisten. Die womöglich populärsten waren Nestor Machno´s Partisanen während der Russischen Revolution. Unter dem schwarzen Banner gelang es seiner Miliz, ein Dutzend Truppen abzuwehren und die Ukraine für mehrere Jahre frei von Machtausübung von oben zu halten. In der jüngeren Vergangenheit trugen die Pariser Studenten schwarze (wie auch rote) Fahnen während des massiven Generalstreiks von 1968.</p>
<p>Doch die Flagge der Anarchisten entstand noch viel eher. Der erste Gebrauch jener Farbe für eine Fahne lässt sich nur schwer zurückverfolgen. Erstmals darüber berichtet wurde allerdings im Zusammenhang mit Louise Michel, einem recht bekannten Mitglied der Pariser Kommune von 1871. Den Berichten des anarchistischen Historikers George Woodcock flatterte Michel´s schwarze Fahne auf einer Demonstration von Arbeitslosen in Paris am 9. März 1883. Mit 500 MitstreiterInnen &#8211; Michel an der Spitze &#8211; zog man durch die Stadt unter dem Leitspruch &#8220;Brot, Arbeit oder Blei&#8221; [gemeint sind Gewehrkugeln; das englische 'lead' steht allerdings auch für 'die Führung übernehmen'; der Übersetzer], wobei drei Bäckereien geplündert wurden, bevor die Polizei die DemonstrantInnen festnahm (Woodcock, S. 284-285). Berichte über eine frühere Verwendung der schwarzen Flagge durch AnarchistInnen sind nicht bekannt.</p>
<p>Nicht lang danach fanden jene Symbole ihren Weg nach Amerika. Paul Avrich berichtet, dass die schwarze Flagge auf einer anarchistischen Demonstration in Chicago am 27. November 1884 auftauchte. Glaubt man Avrich, so notierte damals August Spies, einer der bekannten Märtyrer der Haymarket-Tragödie, dass &#8220;dies der erste Anlass war, an dem die schwarze Flagge auf amerikanischem Boden ausgerollt wurde&#8221; (Avrich, The Haymarket Tragedy, S. 144-145).</p>
<p>Der 13. Februar 1921 war das Datum, welches das vorläufige Ende der schwarzen Flaggen in Sowjetrussland markierte. An jenem Tag wurde Peter Kropotkin in Moskau beerdigt. Menschenmassen, die einen kilometerweiten Marsch zurücklegten, trugen schwarze Banner auf denen zu lesen war &#8220;Wo Autorität ist, ist keine Freiheit&#8221;. (Avrich, The Anarchists in the Russian Revolution, S. 26). Es scheint, als ob die schwarzen Flaggen in Russland erst mit der Gründung der Bewegung &#8220;Tschernok Sania&#8221; (&#8220;Schwarzes Banner&#8221;) im Jahr 1905 auftauchten. Nur zwei Wochen nach der Beerdigung Kropotkins brach die Rebellion von Kronstadt aus und der Anarchismus in der Sowjetunion wurde für lange Zeit ausradiert.<img class="size-full wp-image-222 alignright" title="1" src="http://links.die-gruppe-md.de/wp-content/uploads/2009/05/1.jpg" alt="1" width="202" height="152" /></p>
<p>Während die oben genannten Ereignisse relativ bekannt sind, ist der exakte Ursprung der schwarzen Fahne nicht mehr zurückzuverfolgen. Bekannt ist, dass eine große Zahl von anarchistischen Gruppen in den frühen 80&#8242;ern des 19. Jahrhunderts ihre Namen konsequent mit der schwarzen Flagge assoziierten. Im Juli 1881 trat in London die Black International (Schwarze Internationale) zusammen. Dies war ein Versuch der Reorganisation des anarchistischen Flügels nach der Auflösung der Ersten Internationale. Ähnlich dazu Organisationen wie das Schwarze Band in Frankreich (1882) und die Mano Negra Andalusian (Schwarze Hand) in Spanien (1883). Es ergibt sich also eine genaue Zeitlinie mit dem Auftauchen der Farbe Schwarz im anarchistischen Lager und der erstmaligen Verwendung schwarzer Flaggen in Paris 1883 und Chicago 1884.</p>
<p>Die Ansicht jenes Jahrzehnts als Geburtsstunden anarchistischer Symbolik erhärtet sich durch eine Publikation eines jung gestorbenen französischen Anarchisten unter dem Titel &#8220;Le Drapeau Noir&#8221; (Die Schwarze Flagge). Roderick Kedward folgend muss jenes Schriftstück schon einige Zeit vor dem Oktober 1882 existiert haben, als eine Bombe in ein Lyoner Café geworfen wurde (Kedward, S. 35). Daran anknüpfend vermerkt Avrich, dass die Schwarze Flagge 1884 &#8220;das neue anarchistische Emblem&#8221; wurde (Avrich, The Haymarket Tragedy, S. 144). Damit übereinstimmend bemerkt Murray Bookchin?, dass &#8220;die Anarchisten in späteren Jahren die schwarze Fahne adoptierten&#8221;, &#8220;als von der spanischen anarchistischen Bewegung im Juni 1870 gesprochen wurde&#8221;. Zu jener Zeit nutzen AnarchistInnen gemeinhin die rote Flagge. Es erscheint offensichtlich, wenn auch historisch nicht exakt darlegbar, dass in jener Periode die schwarze Flagge mit dem Anarchismus verbunden wurde.</p>
<p><strong>Warum die Farbe Schwarz?</strong></p>
<p>Es scheint, dass es wesentlich einfacher ist festzustellen, wann die Anarchisten die Farbe Schwarz wählten, als herauszufinden, warum genau die Farbe Schwarz gewählt wurde. Der Chicagoer &#8220;Alarm&#8221; bemerkte, dass die schwarze Flagge &#8220;das grauenhafte Symbol von Hunger, des Elends und des Todes&#8221; sei (Avrich, The Haymarket Tragedy, S. 144). Boockchin behauptet, das die schwarze Flagge das &#8220;Symbol der Not der Arbeiter und ein Ausdruck ihrer Wut und Bitterkeit&#8221; ist (Bookchin, S. 51).</p>
<p>Vor diesem Hintergrund beteuert Albert Meltzer, dass die Verbindung der schwarzen Flagge und der Revolte der Arbeiterklasse &#8220;begründet liegt in Rheims [Frankreich] in einer Areitslosendemonstration von 1831 (&#8220;Arbeit oder Tod&#8221;)&#8221; (Meltzer, S. 49). Weiterhin stellt er fest, dass es in der Tat die Aktion von Michel im Jahre 1883 war, welche die Verbindung schuf und festigte. In der Historie wurde die Farbe Schwarz stets verbunden mit Blut &#8211; genauer geronnenes Blut &#8211; wie auch die rote Fahne. Die Farbe Schwarz wurde adaptiert als ein Symbol für all die von Kapitalisten ermordeten Menschen in ihrem Kampf für die Freiheit.</p>
<p>Zu diesem Thema verfasste Howard Ehrlich eine großartige Passage in seinem Buch &#8220;Reinventing Anarchy, again&#8221;: &#8220;Warum ist unsere Fahne schwarz? Schwarz ist der Schatten der Negation; die schwarze Fahne ist die Negation aller Flaggen. Es ist eine Verneinung des Nationalismus, welcher die Menschheit gegen sich selbst ausspielt und die Einheit aller Menschen negiert. Schwarz ist die Stimmung der Wut, der Empörung über all die grauenhaften Verbrechen an der Menschlichkeit im Namen der Treue zu dem einen oder dem anderen Staat. Es ist die Wut und Empörung über die Beleidigung menschlicher Intelligenz durch Scheinheiligkeit, Heuchelei und billige Machenschaften der Regierungen. Schwarz ist auch die Farbe der Trauer; die schwarze Fahne, welche die Nationen zu Nichte macht, betrauert die Opfer, die ungezählten Millionen Ermordeten in Kriegen im Inneren wie Äußeren zum Ziele noch größeren Ansehens oder Macht eines Staates. Sie betrauert jene, deren Arbeit ausgebeutet (besteuert) für das Abschlachten und die Unterdrückung anderer Menschen. Sie betrauert nicht nur den Tod der Körper, sondern auch die Lähmung des Geistes in autoritären und hierarchischen Systemen; sie betrauert die Millionen stillgelegten Hirnzellen ohne Chance, jemals die Welt zu erhellen. Es ist eine Farbe untröstlichen Schmerzes. Aber Schwarz ist auch schön. Es ist eine Farbe der Bestimmung, der Entschlossenheit, der Stärke, eine Farbe, die alle anderen Farben bestimmt und definiert. Schwarz ist die mysteriöse Umrahmung der Keimung, der Fertilität, des Nährbodens für neues Leben, welches sich stets im Dunkeln bildet, erneuert und reproduziert. Die Saat in der Erde, der seltsame Weg von Spermien, die geheimnisvolle Reifung des Embryos in der Gebärmutter, all dies wird umgeben von schützendem Dunkel.&#8221;</p>
<p><strong>Die schwarze und rote Fahne</strong></p>
<p>Schwarz und Rot sind die Farben der anarchistischen Arbeiterbewegung, bekannt als Anarchosyndikalismus. Das Rot symbolisiert den Syndikalismus (revolutionärer Verbund auf Basis der Ideen der Direkten Aktion), kombiniert mit dem Schwarz für den Anarchismus. Schwarz-rote Fahnen tauchten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in verschiedenen Varianten auf. Eine diagonal geteilte, aus einem schwarzen bzw. roten Dreieck bestehende Fahne war in Spanien in den 30ern verbreitet und wird noch heute von der anarchistischen Arbeiterbewegung verwendet.</p>
<p><strong>Das umkreiste A</strong></p>
<p><img class="size-full wp-image-223 alignright" title="2" src="http://links.die-gruppe-md.de/wp-content/uploads/2009/05/2.jpg" alt="2" width="100" height="100" />Schwerer zurückzuverfolgen ist der Ursprung des &#8220;A&#8221;s als anarchistisches Symbol. Vielen glauben, dass es in den 70ern gemeinsam mit der Punk-Bewegung entstand, aber seine Geschichte reicht weit länger zurück. Am 25. November 1956 verwendete die Alliance Ouvriere Anarchiste (AOA) auf ihrer Gründungsveranstaltung in Brüssel dieses Symbol. Geht man noch weiter zurück, so zeigt eine BBC-Reportage über den Spanischen Bürgerkrieg einen anarchistischen Soldaten mit eben jenem umkreisten &#8220;A&#8221; gut sichtbar auf der Rückseite seines Helmes. Weiter ist kaum etwas bekannt über die Wurzeln des &#8220;A&#8221;.</p>
<p><em><strong>Quellen:</strong></em></p>
<ul>
<li> Paul Avrich, The Anarchists in the Russian Revolution, Cornell University Press, 1973</li>
<li>Paul Avrich, The Haymarket Tragedy, Princeton University Press, 1984.</li>
<li>Murray Bookchin, The Spanish Anarchists: The Heroic Years 1368-1 936, Harper Colophon Books, 1977.</li>
<li>Roderick Kedward, The Anarchists: The Men who Shocked an Era, American Heritage Press, 1971.</li>
<li>Albert Meltzer, The Anarcho-Quiz Book, Black Flag (organ of the Anarchist Black Cross), 1976.</li>
<li>George Woodcock, Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements, Penguin Books, 1963.</li>
</ul>
<p><em>Aus: Red and Black Project, aus dem englischen übersetzt </em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wollen die Anarchisten die Republik ins Chaos stürzen?</title>
		<link>http://www.die-gruppe-md.de/wollen-die-anarchisten-die-republik-ins-chaos-sturzen</link>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 10:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Chaos]]></category>
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		<description><![CDATA[Anarchistinnen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, ja wahrscheinlich so lange wie es Menschen gibt, und den Wunsch, frei von Unterdrückung zu sein. Die ersten überlieferten Namen begegnen uns bei den Philosophen der alten Griechen; Zeno, der geistige Vater der Stoiker, war einer von ihnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-124"></span><em>In tiefer Nacht, wenn die Lichter der Laternen die dunklen Winkel nicht mehr erreichen, und die Fassaden lange Schatten werfen, gehen mysteriöse, schreckliche Dinge vor. Durch die schlafende Stadt huschen schwarzgekleidete Gestalten mit tief in die fanatischen Fratzen gezogenen Schlapphüten und dämonischen Sturmhauben. Sie unterminieren das friedliche Gemeinwesen, verstecken gefährliches Material und schreiben ihr schwarzes Menetekel an die Mauern. Weite Umhänge und Jacken verhüllen mühsam die waffenstarrende Ausrüstung. Sprengstoff beult die Taschen der düsteren Gestalten. Manchmal hört man verhalten laut rauhe Kommandos oder leises signalisierendes Zischen. Wenn es nicht gerade von einer brennenden Zündschnur kommt. Im nikotingelben Gebiss blitzt der Dolch, von dem schäumend Speichel tropft, bereit, seine Schneide ins Herz des arglos seine Runde drehenden Polizisten zu ermorden. Stechende Augen belauern die ausgestorbenen Straßen. Leise ächzend werden schwere Kisten voll Waffen und Munition in geheime Keller und Schlupfwinkel geschleppt, in denen VerschwörerInnen Tag und Nacht, aufgeputscht von Drogen, finstere, subversive Pläne schmieden und am Sturz der Regierung arbeiten. Sie bereiten ihn vor, den großen Schlag, den Tag X. an dem sie das Feuer an die Lunten legen. die Zünder aktivieren und das teuflische Werk zu vollenden trachten: die Zerstörung jeder Ordnung, den Ausbruch des fürchterlichen gesetzlosen Chaos&#8217;, die Willkürherrschaft der Wirrköpfe, Plünderung, Terror, Mord und Totschlag allenthalben &#8230; diehiehiiiii grausamen, die wahnsinnigen <strong>ANARCHISTiNNEN!</strong></em></p>
<p><strong>????????</strong></p>
<p>&#8230; ja, so stellen sich viele &#8220;die Anarchie&#8221; vor. In Regierungserklärungen, Presse, Funk, Fernsehen und Literatur wird sie als Schreckensbild an die Wand gemalt wie der Leibhaftige. Aber ist das die Wirklichkeit? Kann denn jemand allen Ernstes so etwas Entsetzliches wollen?</p>
<p><strong>Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft</strong></p>
<p>Anarchistinnen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, ja wahrscheinlich so lange wie es Menschen gibt, und den Wunsch, frei von Unterdrückung zu sein. Die ersten überlieferten Namen begegnen uns bei den Philosophen der alten Griechen; Zeno, der geistige Vater der Stoiker, war einer von ihnen. Sein Wahlspruch: &#8220;Jeder nach seinem Können, jeder nach seinen Bedürfnissen&#8221;, gilt uns heute noch immer. Viele bekannte Menschen: SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen zählten und zählen sich zu den AnarchistInnen, deren Ziel es ist: Eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft auf der Basis der Freiwilligkeit und der Gegenseitigen Hilfe zu erreichen. Das sei vöööllig &#8220;utopisch&#8221; hören wir die Philister auf ihren Rängen und Emporen stöhnen. Lachend schütteln sie Bauch und Eierköpfe über so viel Unverstand und Idealismus.</p>
<p>Seit rund 150 Jahren gibt es in Europa und der Welt Menschen, die sich als AnarchistInnen bezeichnen. Das Wort kommt aus dem Griechischen von &#8220;an-archos&#8221;, das heißt: &#8220;ohne Herrschaft&#8221;. Der französische Sozialist Pierre-Joseph Proudhon bezeichnete sich als erster öffentlich und provokativ als &#8220;Anarchist&#8221;. Obwohl der Anarchismus schon frühere DenkerInnen hatte, wurde er erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit der aufkommenden ArbeiterInnenbewegung zu einer politischen Theorie und Kraft. Eine seiner bekanntesten Figuren war der russische Revolutionär Michael Bakunin, der als Organisator große Bedeutung erlangte. Er bildete auf der sozialistischen Ersten Internationale den Gegenpol zu Karl Marx. Diese Internationale zerbrach 1872 am Widerspruch zwischen dem marxistisch-autoritären Flügel (bis 1876) und dem (&#8220;bakuninistisch&#8221;-) antiautoritären, der zunächst noch der größere und langlebigere war. Hier stoßen wir darauf, dass sich die AnarchistInnen in der Regel für den Sozialismus (in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes) einsetz(t)en. Der Grundwiderspruch der ersten Internationale besteht allerdings noch heute: Die AnarchistInnen wollen einen sich freiwillig entwickelnden Sozialismus, der sich von unten nach oben, also föderativ aufbaut. Das weist auch gleich darauf hin, dass die AnarchistInnen nicht Feinde jeglicher Organisation sind, sondern vielmehr nur zentralistische, autoritäre Organisationsformen ablehnen und somit in direktem Gegensatz zu nahezu allen sogenannten &#8220;kommunistischen&#8221; oder sozialistischen Parteien stehen. Insbesondere zu den &#8220;real-existierenden&#8221; (bzw. existiert habenden!). Rätekommunistische oder basisdemokratische Orientierungen stehen den AnarchistInnen somit am nächsten.</p>
<p>&#8220;Sowas klappt doch nie!! Das sind ja alles Spinner, harmlos oder gefährlich, je nachdem!&#8221; Nun, Anarchistische Tendenzen oder Realisierungsversuche im Großen hat es schon mehrfach gegeben, nämlich z.B. in:</p>
<ul>
<li> der Pariser Commune von 1871, im Blut erstickt von den Versailler Generälen, die, eben von Kaiserdeutschland besiegt, mit dessen massiver Unterstützung in Paris das eigene Volk abschlachteten</li>
<li>der Mexikanischen Revolution von 1912, als die &#8220;Zapatistas&#8221; mit dem Ruf &#8220;Tierra y Libertad&#8221;, &#8220;Land und Freiheit&#8221;, die Diktatur stürzten. Emiliano Zapata wurde vom Militär der neuen &#8220;Demokratie&#8221; heimtückisch ermordet;</li>
<li>der (2.) Münchener Räterepublik von 1919 (sowie einigen anderen schwarz-roten Räten z.B. im Ruhrgebiet 1920), abgeschlachtet von SPD-Noske und -Hoffmann und ihren Reichswehr-, Freikorps- und Nazimarodeuren</li>
<li>der Machnow-Bewegung in der Ukraine während der russischen Oktoberrevolution, heimtückisch niedergemacht von der &#8220;Roten Armee&#8221; Moskaus, nachdem gemeinsam die zaristisch-kapitalistischen Invasionstruppen Wrangels und Denikins besiegt worden waren, sowie andere anarchistische Republiken zu Beginn der sog. Sowjetunion:</li>
<li>dem Aufstand von Kronstadt (Insel und Seefestung vor Russlands Hauptstadt St. Petersburg) 1921, dessen Beteiligte die Bolschewisten Lenin-Trotzki &#8220;abschießen&#8221; ließen &#8220;wie Rebhühner&#8221;. (0-Ton!);</li>
<li>dem Aufstand in Patagonien (Argentinien &#8211; 1921), mit Massenerschießungen niedergemetzelt vom Militär;</li>
<li>in der sogenannten &#8220;Commune von Shanghai&#8221; (1925), der die machthabenden russischen Bolschewisten die Hilfe verweigerten: &#8220;Laßt Schanghai brennen!;</li>
<li>der Spanischen Revolution von 1936-1939, der Francos Militär-Putschisten, Hitler, Mussolini und der &#8220;Verbündete&#8221; Stalin in trauter Eintracht den Garaus machten (1939 Hitler-Stalin-Pakt!), während die europäischen z.T. &#8220;sozialistischen&#8221; Demokratien und die USA &#8220;sich nicht einmischten&#8221;: so begann der 2. Weltkrieg!!!</li>
<li>sowie unbekannteren Ereignissen zu vielen anderen Zeiten und an vielen anderen Orten der Erde.</li>
</ul>
<p>Die bürgerliche und die bolschewistisch-stalinistische Geschichtsschreibung hat die libertären Spuren oft verwischt oder bewusst ganz &#8220;bereinigt&#8221; und ausgelöscht. Die wiedererstandene anarchistische Literatur bietet hierzu ein weites Informationsfeld. Es gilt ein verschüttetes, freiheitliches Menschenbild wieder zu beleben. Denn:</p>
<p><strong>Freiheit hat einen Namen &#8211; Anarchie!</strong></p>
<p>Freiheit &#8211; das ist ein viel benutztes und missbrauchtes Wort. Alle nehmen es in Anspruch, sogar Nazis und StalinistInnen. Wirkliche Freiheit kann es aber nur da geben, wo es keine Herrschaft von Menschen über Menschen gibt. Das bedeutet also auch die Abwesenheit von Staat, Kapital, Geschlechterherrschaft (Patriarchat), Rassismus und Imperialismus in jeder Form. Frei ist nur, wer über sich selbst, sein Leben, seinen Körper und Denken, unbevormundet selber entscheiden kann. Dazu bedarf es des Wohlstands für alle: guter Kleidung, menschenwürdiger Wohnverhältnisse, ausreichend gesunder Nahrung, und das Endes des Zwangs zur Arbeit. Heute stehen wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit an der Schwelle eines Zeitalters, das diesen alten Traum möglich machen könnte. Ja schon heute bräuchte es keine Hungerkatastrophen und kein individuelles Elend auf Grund von Mangel mehr zu geben. Statt dessen leben wir in einer Welt, die schamlos von den Herrschenden aller Couleur ausgebeutet, zerstört und der Vernichtung anheimgegeben wird. Die großen Probleme unserer Zeit wie Umweltzerstörung, Hochrüstung und Kriegsgefahr, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit und Hungersnöte, immer perfektere soziale Kontrolle, neuer nationaler Größenwahn allenthalben und rabiate Machtausübung, Frauenunterdrückung, Sexismus, Vergewaltigung und Mord, sprechen eine beredte Sprache.</p>
<p>Die &#8220;Freiheit der Menschen&#8221; ist nicht zu verwechseln mit &#8220;der Freiheit der Männer&#8221;, als die auch manche Anarchisten ihre Lehre einseitig verstanden zu haben scheinen. Wir leben nach wie vor in einer patriarchalisch organisierten und beHERRschten Gesellschaft und Welt, in der die brutale Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen (und andersgesinnten Männern) die Regel darstellt. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass AnarchistInnen sich an vorderster Stelle gegen die patriarchale Hierarchie auflehnen, die das stärkste und über die ganze Welt verbreitete System der Herrschaft ist. Wir alle haben es tief verinnerlicht. Männer und Frauen stehen ihren &#8220;Mann&#8221; in der hierarchischen Pyramide und bewahren sie vor dem Einsturz. In den reichen Ländern, in denen wir leben, profitieren Männer und Frauen (in dieser Reihenfolge) vom Patriarchat. Frauen ziehen auch in dieser Gesellschaft in der Regel den kürzeren, und werden zur ökonomischen Ausbeutung zusätzlich sexuell ausgebeutet und misshandelt. Das trifft in doppelter Hinsicht auf ausländische Frauen zu, die darüber hinaus noch Opfer des allgegenwärtigen AusländerInnenhasses und Rassismus sind. Viele Berührungspunkte zwischen Feminismus und Anarchismus liegen somit auf der Hand. Es kann aber auch nicht der Sinn von befreiender Gleichberechtigung sein, wenn (Alibi) Frauen vom Typ Thatcher, Süßmuth, Breuel, Ciller etc. die Plätze der Macht einnehmen, die Geschlechterrollen einfach umgetauscht werden. Wir AnarchistInnen wollen den gänzlich freien Menschen, ohne Wenn und Aber, gleichberechtigt in jeder Beziehung, und das hört nicht beim sog. &#8220;Privaten&#8221; auf, sondern gilt gerade und insbesondere da.</p>
<p><strong>Anarchie ist ohne Freiheit der Frauen nicht denkbar, schon gar nicht &#8220;machbar&#8221;(Herr Nachbar&#8230;)!</strong></p>
<p>Anarchie heißt auch nicht &#8220;Freiheit der Erwachsenen&#8221;. Kinder sind in dieser Gesellschaft als schwächstes Glied der Willkürherrschaft der Familien und ErzieherInnen ausgesetzt. Weltweit sind Kinder als Spielball ihrer Eltern und als Opfer verfehlter Erwachsenenmachtpolitik die Leidtragenden einer autoritären und ausbeuterischen Gesellschaft. Das gipfelt in Vergewaltigung, Folter, Sklaverei und Mord. Anarchie verwirklichen bedeutet vor allem, eine Zukunft für Kinder zu schaffen, die befreit ist von autoritärer Unterdrückung und Manipulation. Kinder sollen frei von Angst und Benachteiligung als kleine, ernstzunehmende Menschen aufwachsen und sich entfalten können. Für sie haben wir zwar Sorge zu tragen und ihnen auf Grund unserer größeren Erfahrung, Körperkraft und unserer materiellen Möglichkeiten unsere Förderung, Schutz und Hilfe zukommen zu lassen. Aber deshalb gibt es keinerlei &#8220;Besitzrechte&#8221; an ihnen. Es sind nicht unsere Kinder, sondern zu allererst frei geborene und gleichberechtigte Menschenwesen, die ein Recht auf persönliche Freiheit, Unversehrtheit und das Erbe einer intakten Umwelt haben.</p>
<p>Unserem Selbstverständnis gemäß sind wir natürliche GegnerInnen jedes Rassismus und Nationalismus. Freiheit hat kein Vaterland und niemand ist berechtigt, sich wegen seiner Herkunft oder Abstammung über andere zu stellen. Von Religionen halten wir ebenfalls herzlich wenig, auch wenn wir sie als Privatangelegenheit tolerieren. Sie vernebeln die Hirne und machen die Menschen in Erwartung eines &#8220;besseren Jenseits&#8221; regierbar. Autoritäre Pfaffenbonzokratien, mit ihrer in der politischen Machtentfaltung nur allzu sehr &#8220;weltlichen&#8221; Geistlichkeit, bekämpfen wir ebenso wie jeden Staat. Kapital und Staat versklaven den Körper, die Kirchen den Geist. Und wie wir sehen, gehen beide in Form der &#8220;Gottesstaaten&#8221; die verderblichste Symbiose ein (Herrschaft &#8220;von Gottes Gnaden&#8221; , Inquisition, &#8220;heilige&#8221; Kriege, Scharia).</p>
<p>Wir setzen gegen Herrschaft und Unterdrückung uns selbst, das Individuum mit dem revolutionären Bewußtsein, die Welt ändern zu wollen und zu müssen. Wir setzen dagegen die Selbstorganisation aller freiheitlich denkenden Menschen und unser Eintreten für unsere eigenen Belange und Bedürfnisse, ohne sie auf Kosten anderer Menschen durchsetzen zu wollen. Wir setzen dagegen die Direkte Aktion als subjektive und objektive Veränderung unseres Lebens im Großen und Kleinen, ohne institutionelle Umwege. Wir tun das Machbare. Wir versuchen das &#8220;Unmögliche&#8221; Wir setzen gegen das verherrschte Jetzt den Willen jedes einzelnen Menschen zur größtmöglichen Freiheit.</p>
<p><em>Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine! (Bertold Brecht)</em></p>
<p>Es gibt keine Patentrezepte, deshalb kann es bei uns auch keine perfekten Programme, keine FührerInnen, Dogmen und VorbeterInnen geben. Die Selbstorganisation ist nur möglich durch die weitestgehende Entfaltung, Mitarbeit und Selbstverantwortlichkeit der Einzelnen zusammen mit anderen, und ihren Willen, zu handeln. Parlamentarismus in jeder Form ist im geringsten Fall die ständige Unterdrückung von Minderheiten durch die etablierte Mehrheit. Darum lehnen wir auch diese Form der Oberherrschaft ab. Es gibt kaum ein Verbrechen, das noch nicht von sogenannten demokratischen Regierungen im Namen von &#8220;Demokratie&#8221; und &#8220;Freiheit&#8221; begangen worden wäre, mensch denke nur an die USA. Sogar Hitlers NSDAP (ca. 30% WählerInnen) ist von den (konservativen) Weimarer Demokraten 1933 ohne Not die Macht übergeben worden!</p>
<p>Wir wollen die Kompetenzen für uns behalten, die andere allzu bereitwillig weggeben und in die Hände derer legen, die sie schändlichst missbrauchen. Ein ausgeklügeltes System von Gesetzen und Verordnungen sorgt dafür, dass hier und anderswo die ehrlich revolutionärste Partei innerhalb kürzester Zeit zum Polster wird, auf dem die Mächtigen komfortabel ruhen. Selbstbestimmung jedoch gibt der Korruption keine Chance, denn wer bescheißt schon sich selbst?!</p>
<p>Noch etwas zum guten Schluß: Wir haben keine Lobby und kochen auch nur mit Wasser. Freiheit ist auch nicht bequem und ungefährlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass du dich schon selber aufraffen musst, etwas zu tun, etwas in Bewegung zu bringen. Du kannst es! Wenn du also von jemand etwas erwartest, dann erwarte es am besten erstmal von dir selber. Das ist ein guter Weg zu gemeinsamer Stärke und Vielfalt.</p>
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		<title>Was wollen die Syndikalisten?</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 09:27:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man hatte von uns und unseren Ideen jahrelang nichts hören wollen. Jetzt aber brauchte man unsere Waffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-110"></span><em>Syndikalist, Nr. 1, 14.12.1918</em></p>
<p><strong>Der Syndikalismus lebt !</strong></p>
<p>Allen Gewalten von links und rechts zum Trotz stürmt er voran. Sozialdemokratische und Zentralverbands-Führer, Militärkanaille und brutale Polizei-Willkür und eine feile Justiz haben kein Mittel gescheut, die Ideen des Syndikalismus in Deutschland totzuschlagen. Unsere Presse wurde in den ersten Augusttagen 1914 verboten, führende Genossen in „Schutzhaft“ gesteckt, den Vereinen und Agitatoren jede öffentliche Tätigkeit unmöglich gemacht. Und dennoch: die Kampfmittel des Syndikalismus werden heute in allen Ecken des Deutschen Reiches angewandt, instinktiv fühlt die Masse, dass die Zeit des Wünschens und Forderns vorbei, dass die Zeit des Nehmens begonnen hat. Die Arbeitermassen, jahrzehntelang in der Sozialdemokratie und den Verbünden zum Kadavergehorsam erzogen, bäumen sich auf gegen die Beamtenbürokratie. Die Arbeiter wissen jetzt, dass sie von ihren eignen Angestellten genau so betrogen wurden, wie das gesamte Volk von der kaiserlichen Regierung. Die kaiserliche Regierung wurde gestürzt, nicht mit parlamentarisch-gesetzlichen Mitteln, sondern mit Hilfe der direkten Aktion, nicht mit dem Stimmzettel, sondern mit Waffengewalt durch streikende Arbeiter und meuternde Soldaten. Ohne auf den Auftrag weiser Führer zu warten, bildeten sich spontan allerorten Soldaten- und Arbeiterräte, die sofort darangingen, die alten Gewalten beiseite zu schieben. Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten ! Das wurde jetzt Parole, Fabriken und Werkstätten, Bergwerke und Kasernen waren plötzlich in den Händen der arbeitenden Masse. Durch wilde Streiks schuf man sich menschenwürdige Verhältnisse.</p>
<p><em>Man hatte von uns und unseren Ideen jahrelang nichts hören wollen. Jetzt aber brauchte man unsere Waffen.</em></p>
<p>Schon aber hat sich die sozialdemokratische und zentralverbändlerische Beamtenbürokratie mit dem Unternehmertum verbunden, um den Kapitalismus zu retten. Das Ausbeutertum weiß es, und die Arbeiterschaft muß es lernen: Jede politische Freiheit und Gleichheit ohne wirtschaftliche Macht ist ein großer Schwindel, hinter dem neue Ausbeutung neuer Imperialismus, neues Wettrüsten, neue Kriege lauern.</p>
<p>Das Ziel des Syndikalismus ist die Beseitigung der Lohnarbeit, die Enteignung der Großkapitalisten an Grund und Boden, an Fabriken und Produktionsmitteln. Die Errichtung der sozialistisch-kommunistischen Produktion.</p>
<p>Die syndikalistischen Organisationen müssen die Träger der sozialistischen Produktion werden. Alle Reformen, alle Lohnerhöhungen innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung sind Scheinreformen.</p>
<p>Die Aufgabe des Syndikalismus ist es, die Arbeiter reif zu machen für die soziale Revolution, sie mit Energie und Tatkraft zu erfüllen, um die Lohnknechtschaft abzustreifen.</p>
<p>Der Syndikalismus verwirft die Beteiligung am bürgerlichen Parlamentarismus. Statt des unnützen Redens der gewählten Führer im Parlament setzt der Syndikalismus die direkte Aktion, die schaffende Tat der Massen. Auch die politischen Kämpfe führt der Syndikalismus mit gewerkschaftlichen Mitteln (Solidaritäts- und Generalstreik, Boykott, passive Resistenz, Sabot usw.), nicht aber mit papiernen Resolutionen und Protesten. Der Syndikalismus hält deshalb die Zweiteilung der Arbeiterbewegung für zwecklos, er will die Konzentration der Kräfte.</p>
<p>Vorläufig aber empfehlen wir unseren Mitgliedern, allerorten mit den am weitest linksstehenden Gruppen der Arbeiterbewegung: den Unabhängigen, dem Spartakusbund, in wirtschaftlichen und politischen Fragen gemeinsam zu handeln. Wir warnen aber vor einer Beteiligung am Wahlrummel zur Nationalversammlung.</p>
<p>Wir Syndikalisten wissen aber auch, dass der Sozialismus nur auf internationaler Grundlage verwirklicht werden kann. Nieder also mit den nationalen Schranken ! Sie dienen nur der Ausbeutung des Proletariats. Wir Syndikalisten sind international, wir reichen den Arbeitsbrüdern aller Länder in hilfreicher Solidarität die Hände. Und wir sind Antimilitaristen ! Nicht erst seit gestern und heute. Wir gingen für unsere antimilitaristische Überzeugung in die Gefängnisse lange vor Ausbruch des Krieges. Wir sahen den Krieg kommen, und wir kämpften dagegen an. Die deutschen Arbeiter wollten uns nicht hören, sie haben es schwer büßen müssen. Viereinhalb Jahre lang mussten sich Millionen Männer morden, ehe den deutschen Arbeitern greifbar wurde, auf welcher Seite der Feind steht. Und noch heute haben es Millionen Proletarier nicht begriffen.</p>
<p>Wir Syndikalisten sind Gegner der Zentralgewalt in den Organisationen der Arbeiter. Eine wohlorganisierte Beamtenherrschaft hindert jede freie Betätigung. Wir wollen die Selbständigkeit jedes Ortsvereins. Jeder Verein verwaltet sein Geld selbst und beschließt über Anfang und Ende von Lohnbewegungen selbstherrlich.</p>
<p>Wir Syndikalisten sind Gegner jeder Art von Unterstützungseinrichtungen innerhalb der Gewerkschaften, weil sie die Kampfeslust des Mitglieds lähmen. Bei Streiks und Aussperrungen tritt die freie Solidarität aller ein.</p>
<p>Niemals wird Sozialdemokratie und „freie“ Gewerkschaft unser Programm, unser Ziel und unsere Kampfesmittel sich zu eigen machen.</p>
<p>Die deutschen Arbeiter müssen sich erst Organisationen schaffen, die mit syndikalistischen Kampfeswillen den Kapitalismus unterminieren.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Arbeiter! Sozialisten! Kommunisten!</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Lest unsere Presse und unsere Literatur!</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Gründet allerorten Arbeitervereine auf unserer Grundlage !“</strong></p>
<p><em><strong>Anmerkung:</strong></em></p>
<p>Es handelt sich bei diesem Artikel um den Aufmacher der allerersten Ausgabe des „Syndikalist“</p>
<p><em><strong>Literatur:</strong></em></p>
<p>Rudolf Rocker: Prinzipienerklärung des Syndikalismus</p>
<p><em>FAU-IAA: Prinzipienerklärung der Freien ArbeiterInnen Union &#8211; Erhältlich bei FAU-MAT</em></p>
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