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	<title>Die Gruppe MD &#187; Syndikalismus</title>
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		<title>Gaston Leval &#8211; Die Syndikalisierungen in Alcoy</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 21:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was die Syndikalisierungen betrifft, scheint uns Alcoy der überzeugendste und lehrreichste Fall zu sein. Als zweitgrößte Stadt in der Provinz von Alicante hatte Alcoy 1936 45.000 Einwohner und war ein wichtigeres Handels- und Industriezentrum. Insgesamt 20.000 Personen waren in der Industrie als Lohnempfänger tätig, was einen sehr hohen Prozentsatz in einem Land darstellt, in dem die erwerbstätige Bevölkerung 33 bis 35% auf nationaler Ebene erreichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-291"></span>Was die Syndikalisierungen betrifft, scheint uns Alcoy der überzeugendste und lehrreichste Fall zu sein. Als zweitgrößte Stadt in der Provinz von Alicante hatte Alcoy 1936 45.000 Einwohner und war ein wichtigeres Handels- und Industriezentrum. Insgesamt 20.000 Personen waren in der Industrie als Lohnempfänger tätig, was einen sehr hohen Prozentsatz in einem Land darstellt, in dem die erwerbstätige Bevölkerung 33 bis 35% auf nationaler Ebene erreichte. Die Textilproduktion, die nicht nur Stoffe, sondern auch Strickwaren und Wäsche erzeugte, war am meisten entwickelt und beschäftigte eine größere Anzahl von Frauen. Dann kam die Papierfabrikation.</p>
<p>Unsere Bewegung ging dort auf die Anfangszeit des Sozialismus, d.h. auf die Epoche der I. Internationale zurück. Sie erlebte wie überall Perioden der Ruhe und der oft sehr harten Unterdrückung. Ab 1919 verlieh ihr aber die Organisation der Industriegewerkschaften eine neue Kraft.</p>
<p>Es gab hier zahlreiche anarchistische Gruppen, die es im allgemeinen verstanden, zugleich auf gewerkschaftlichem Gebiet zu kämpfen und unter den Arbeitern &#8211; da sie selbst nur aus Arbeitern bestanden &#8211; ein Werk der sozialen Erziehung fortzusetzen, dessen Ergebnisse jetzt sichtbar sind. In Alcoy wurde unter Primo de Riveras Diktatur (1923 &#8211; 1930) die regelmäßig erscheinende, ausgezeichnete libertäre Zeitung Redencion sieben Jahre lang herausgegeben. Zu dieser Zeit und in der Folge war Alcoy wahrscheinlich die Stadt, welche die meisten Libertären im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung zählte und unter ihnen besonders viele junge Menschen.</p>
<p>Deswegen auch zählte bei meinem ersten Besuch im Februar 1937 unsere Gewerkschaft insgesamt 17.000 Mitglieder, Männer und Frauen, die der UGT (sozialistische Gewerkschaft, Anm.) dagegen nur 3.000, die nicht-revolutionären Angestellten und die kleinen antirevolutionären Kaufleute eingeschlossen, die in dieser Organisation einen Schutz für ihren sozialen Status suchten.</p>
<p>Diese Leute rechneten auch auf die Unterstützung der politischen Parteien, die unseren Bestrebungen natürlich feindlich gegenüberstanden. Aber unsere Genossen hatten alle für das soziale Leben wesentlichen Aktivitäten unter Kontrolle, und zwar dank unserer Gewerkschaften, deren Aufzählung hier folgt: Ernährungswirtschaft &#8211; Druckerei (Papier und Pappe) &#8211; Bau (die Architekten miteinbegriffen) – Gesundheitspflege (Medizin, Sanitätswesen, Apotheken, Friseure, Waschfrauen und Straßenkehrer) – Transport – Theater – Chemische Industrie ( Laboratorien, Parfüms, Seife usw.) – verschiedene (nicht näher angegeben) Kleinindustriezweige – Leder (Felle und Schuhe) – Textilindustrie &#8211; Holzindustrie &#8211; Industrietechniker &#8211; fahrende Kaufleute – freie Berufe (Volksschullehrer, Künstler, Schriftsteller usw.) &#8211; Bekleidung &#8211; Metallindustrie &#8211; Landwirtschaft (vor allem Gärtnereien der Umgebung).</p>
<p>Das sehr klare Bewußtsein von ihrer Aufgabe ließ unsere Genossen sehr schnell und genau handeln. So kam es in Alcoy nicht dazu, daß die Kontrollkomitees allzu lange nach Mitteln und Wegen suchten, oder daß die Verwaltungskomitees isoliert arbeiteten, wie wir es in anderen Orten gesehen haben. Vom ersten Augenblick an und mit großer Schnelligkeit übernahmen die Gewerkschaften die Leitung der revolutionären Initiative, die sie selbst hervorgerufen hatten &#8211; und zwar in allen Industriezweigen ohne Ausnahme. Versuchen wir jetzt die Entwicklung ihrer Realisierungen nachzuzeichnen.</p>
<p>Am 18. Juli war das Gerücht über einen unmittelbar bevorstehenden faschistischen Angriff, das durch ganz Spanien ging, auch in Alcoy im Umlauf. Um gegen den erwarteten Angriff der durch die Zivilgarde unterstützten Militärs und Konservativen Front zu machen, mobilisierten sich unsere Kräfte und trafen auf den Straßen Vorkehrungen für den bevorstehenden Kampf. Der Angriff fand aber nicht statt. Dann wandten sich unsere Kräfte an die von unserer Initiative überwältigten Lokalbehörden und machten einige Forderungen geltend, vor allem in bezug auf die Arbeitslosigkeit in der Textilindustrie (unsere Gewerkschaft zählte zu dieser Zeit 4.500 Mitglieder, bald darauf waren es 6.500). Sie verlangten, ohne die antifaschistische Einheit zu brechen, eine Hilfe für die Arbeitslosen, eine Krankenversicherung und schließlich die Kontrolle der Arbeiter über die Industrieunternehmen. Die Krankenversicherung wurde unverzüglich bewilligt, und im Prinzip wurde auch die Bezahlung eines Lohnes für Arbeitslose durch die Arbeitgeber sowie die Arbeiterkontrolle in Werkstätten und Fabriken gewährt.</p>
<p>Neue Schwierigkeiten traten aber bald zutage. Die Unternehmer ließen es zwar geschehen, daß die Kontrollkommissionen der Arbeiter ihre Bücher prüften, in die die Ein- und Verkäufe und die Gewinne und Verluste wahrscheinlich richtig eingetragen wurden, aber die Arbeiter und besonders ihre Gewerkschaften wollten weiter gehen. Sie wollten eigentlich den ganzen kapitalistischen Mechanismus kontrollieren, der die Produktion widersinnigerweise zum Stocken brachte und eine Arbeitslosigkeit zur Folge hatte, die angesichts der mangelnden Bedarfsdeckung nicht zu rechtfertigen war. Sehr schnell wurde also der Schluß gezogen, man müsse sich der Leitung der Fabriken bemächtigen und die ganze Gesellschaft umwandeln. (&#8230;)</p>
<p>Alles stand also unter gewerkschaftlicher Kontrolle und Leitung Darunter ist aber nicht zu verstehen, daß es sich um einige bürokratische Oberkomitees handelte, die im Namen der Gewerkschaftlermasse Entscheidungen trafen, ohne sie zu befragen. Auch hier wurde die libertäre Demokratie praktiziert. Wie in allen CNT-Gewerkschaften gab es eine zweifache Bewegung, einerseits von der Basis, d.h. der Masse der Mitglieder und Militanten, nach oben und andererseits der richtungsweisende Impuls von oben nach unten. Von der Peripherie zum Zentrum und vom Zentrum zur Peripherie, wie Proudhon es forderte, oder vor allem von unten nach oben, wie Bakunin es forderte.</p>
<p>Es gibt fünf allgemeine große Arbeits- bzw. Arbeiterbranchen. Die Weberei mit 2.336 Arbeitern, die Spinnerei mit 1.024 Spinnern und Spinnerinnen, die Fertigstellung mit 1.158 Fachleuten, ebenfalls Männer und Frauen, die Strick- und Strumpfwarenfabrik mit 1.360 und die Wollkämmerei mit 550 Beschäftigten.</p>
<p>An der Basis wählen die Arbeiter dieser fünf Fachgebiete in den Betriebsversammlungen den Delegierten, der sie bei der Integrierung der Betriebskomitees vertreten soll. Durch die Delegierten sind diese fünf Arbeitszweige im Direktionskomitee der Gewerkschaft vertreten. Die Gesamtorganisation beruht also auf der Arbeitsteilung einerseits und auf der gesamten Industriestruktur andererseits.</p>
<p>Vor der Enteignung bestanden die Betriebskomitees nur aus Vertretern der Handarbeiter; sie wurden später durch einen Delegierten des Büropersonals und einen anderen für die Rohstofflagerraume ergänzt. Diese Komitees werden jetzt damit beauftragt, die Produktion nach den Anweisungen zu leiten, die auf den Versammlungen beschlossen wurden, die Berichte über den Arbeitsverlauf an die verantwortlichen Gewerkschaftskomitees bzw. -Sektionen weiterzuleiten und den Bedarf an neuem technischem Material und Rohstoffen bekanntzumachen. Außerdem sollen sie die großen Rechnungen weiterleiten und die kleinen begleichen. Die Vertreter dieser fünf Arbeitszweige bilden aber bloß die Hälfte des Direktionskomitees, die andere Hälfte bildet die vom Gewerkschaftskomitee und von den Vertretern der Fabriksektionen ernannte Kontrollkommission.</p>
<p>Die technische Kommission ist gleichfalls in fünf Sektionen geteilt: Verwaltung, Verkauf, Einkauf, Fabrikation und Versicherungen. Ihr wurde um der notwendigen Koordinierung willen ein Generalsekretär zugeteilt. Sehen wir uns jetzt schnell die Arbeitsweise dieser Kommission an. (&#8230;)</p>
<p>Das ganze Personal der gesamten Industrie ist in drei Sparten eingeteilt: Handarbeiter, Zeichner und Techniker. Die Aufträge und Arbeiten werden erst verteilt, nachdem die Techniker in den Fabriken selbst zu Rat gezogen worden sind. Nie wird von oben entschieden, ohne Informationen von unten zu holen. Will man z.B. einen Stoff besonderer Art herstellen, der mehr Baumwolle als Wolle enthalten soll, oder umgekehrt, ruft man die fünf fachkundigen Arbeiter zusammen, um mit ihnen nachzuprüfen, ob und wo die technischen Produktionsmittel vorhanden sind und inwieweit man sie benutzen kann. Die Handarbeiter ihrerseits erfüllen ihre Aufgabe möglichst gewissenhaft und sind für die von ihnen geleistete Arbeit verantwortlich; wenn nötig, benachrichtigen sie die technischen Sektionen durch die Vermittlung des Betriebskomitees über die bei der Ausführung ihrer Arbeit auftretenden Schwierigkeiten.</p>
<p>In jeder Fabrik kommen die Zeichner, die Techniker und die Arbeiterdelegierten jeden Montag zusammen und prüfen die Bücher und die Rechnungen des Betriebes, die Leistungsfähigkeit, die Qualität der Produktion, den Stand der Aufträge und schließlich alles, was mit der gemeinsamen Arbeit zusammenhängt. Bei diesen Zusammenkünften werden keine Beschlüsse gefaßt, aber die Ergebnisse werden an die entsprechenden Gewerkschaftssektionen weitergeleitet.</p>
<p>Die Maschinenabteilung sorgt für die Wartung der mechanischen Arbeitsinstrumente sowie der Gebäude, in denen diese untergebracht sind. Sie veranlaßt die von den Betriebskomitees verlangten Reparaturen, wobei sie die technische Kommission befragen muß, sobald die Kosten über eine gewisse Höchstsumme hinausgehen.</p>
<p>Die Abteilung der Herstellungskontrolle und der Statistiken faßt Berichte über die Bilanz jeder einzelnen Fabrik oder Werkstatt ab, über den Ertrag der Rohstoffe, über technische Neuerungen, sowie die daraus resultierenden Probleme der Arbeits- und Arbeitskräfteverteilung, über den Energieverbrauch und alle Nebenfaktoren, die die Gesamtproduktion entscheiden beeinflussen können. Sie registriert auch die Maschinentransporte von einer Fabrik bzw. Werkstatt in eine andere. Die Verwaltungssektion besteht aus drei Sparten: Kasse, Buchführung, Stadt- und Industrieverwaltung. (&#8230;)</p>
<p>Neben diesen fünf Sektionen bzw. Untersektionen sind zwei Gruppen &#8211; eine provisorische und eine endgültige &#8211; fürs Archiv organisiert worden. Dort werden die Aktien der ehemaligen Besitzer und die von ihnen zum Zeitpunkt der Enteignungen unterzeichneten Verzichtserklärungen aufbewahrt sowie alle Dokumente über die Aktivitäten der Textilwirtschaft im neuen und im alten Regime, auch in bezug auf die Entwicklung des Arbeitsprozesses und der Geschäfte im kapitalistischen Regime.</p>
<p><strong><em>Gaston Leval</em></strong></p>
<p><em>Aus: &#8220;Die Aktion&#8221; Nr. 161/164 &#8211; Dossier zu Spanien 1936 </em></p>
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		<title>Achim von Borries &#8211; Die unbekannte Revolution</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 20:24:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Unbekanntheit der Spanischen Revolution außerhalb von Spanien kommt nicht von ungefähr. Denn die spanische Sozialrevolution von 1936 war alles andere als eine kommunistische Revolution; und sie wird daher gerade von den Kommunisten bis heute entweder totgeschwiegen oder als »Verirrung«, ja als Verrat an der gemeinsamen Sache des Antifaschismus denunziert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-282"></span><strong>1936-1996 &#8211; Das Experiment des spanischen Anarcho-Syndikalismus &#8211; 60 Jahre Spanische Revolution</strong></p>
<p>Die Unbekanntheit der Spanischen Revolution außerhalb von Spanien kommt nicht von ungefähr. Denn die spanische Sozialrevolution von 1936 war alles andere als eine kommunistische Revolution; und sie wird daher gerade von den Kommunisten bis heute entweder totgeschwiegen oder als »Verirrung«, ja als Verrat an der gemeinsamen Sache des Antifaschismus denunziert. Das entspricht der Haltung der Kommunisten im spanischen Bürgerkrieg selbst.</p>
<p><strong>Die Republik hatte versagt</strong></p>
<p>Als Mitte Juli 1936 der Aufstand der Offiziere gegen die Republik ausbrach, da scheiterte der erste Ansturm der Reaktion nicht an der Gegenwehr der republikanischen Armee, sondern an der spontanen Kampfbereitschaft der Arbeiter und Bauern. Diesen aber lag nichts ferner, als für eine &#8220;Republik&#8221; zu kämpfen, von der sie fünf Jahre lang tief enttäuscht worden waren. Das parlamentarisch-demokratische System hatte es nicht vermocht, von 1931 bis 1936 die fundamentalen sozialen Probleme des Landes zu lösen oder die Vorherrschaft der progressiven Parteien zu sichern. Arbeiter und Bauern verteidigten im Juli 1936 nicht den gesellschaftlich-politischen Status quo, sondern schufen ein sozialrevolutionäres fait accompli; sie reagierten nicht defensiv, sondern sozialrevolutionär-offensiv auf den Angriff der Rechten.</p>
<p>Historische Basis und treibende Kraft der spanischen Sozialrevolution von 1936 waren der spanische Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, und sie war die einzige der großen Revolutionen dieses Jahrhunderts, in der Anarchisten und Anarcho-Syndikalisten die entscheidende Rolle spielten.</p>
<p>In fast allen anderen europäischen Ländern nur eine Randerscheinung im Gesamtspektrum der Linken, hatten Anarchisten und Anarcho-Syndikalismus in Spanien seit langem den Charakter einer Massenbewegung. Nachdem kurz vor 1870 die Ideen Bakunins in Spanien Wurzel gefaßt hatten, kam es zwischen 1880 und 1910 zu einer enormen Ausbreitung des Anarchismus. Die 1911 gegründete anarcho-syndikalistische Gewerkschaft CNT &#8211; Confederacion Nacional del Trabajo &#8211; zählte 1918 bereits etwa 700.000 Mitglieder. Nach Hugh Thomas hatte der Anarchismus in Spanien in den Dreißiger &#8211; Jahren eineinhalb Millionen Anhänger. Zentren des Anarchismus und Syndikalismus waren das relativ stark industrialisierte Katalonien, Aragonien und das agrar-feudalistische Andalusien. Ihr Anhang rekrutierte sich meist aus Industriearbeitern des Nordostens, den Landarbeitern, Kleinbauern und Handwerkern des Südens.</p>
<p>Während die spanischen Sozialisten, deren Hochburgen vor allem Kastilien und Asturien waren, eine Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung auf politisch-parlamentarischem Wege anstrebten, standen die Anarchisten dem politischen System mit militanter Feindschaft gegenüber und sahen in seiner Zerschlagung zugunsten kommunaler und betrieblicher Selbstverwaltung den einzigen Weg zu einem freiheitlichen Sozialismus. Die soziale Umwälzung unmittelbar nach Beginn des Bürgerkrieges war denn auch eine ausgesprochen dezentralistische Revolution, von der Spontaneität der Massen getragen. Franz Borkenau, dessen kritischer Augenzeugenbericht »The Spanish Cockpit« zu den aufschlußreichsten Darstellungen dieses Geschehens gehört, notierte Anfang August 1936 nach seiner Ankunft in Barcelona in seinem Tagebuch: »Es war überwältigend! Es war, als wenn wir auf einem Kontinent gelandet wären, verschieden von allem, was ich vorher gesehen hatte.«</p>
<p><strong>Die Sozialisierung der Betriebe</strong></p>
<p>Borkenau fand das Ausmaß der Enteignungen &#8220;fast unglaublich&#8221; und war überrascht, wie schnell sich das Leben in der katalanischen Metropole wieder normalisiert hatte. Ähnliches berichtete der Sozialdemokrat und Publizist Rolf Reventlow, der im Oktober 1936 nach Barcelona kam: »Am eindrucksvollsten war natürlich einmal das äußere Bild: rote und schwarz-rote Fahnen, die schwarz-roten Fahnen der Anarcho-Syndikalisten, die roten der Sozialisten, Gewerkschaftler, und dann die der katalanischen Farben der autonomistischen Parteien, die sich ja ebenfalls gegen den Putsch der Generale stellten. Von den Schuhputzern angefangen, bis zur Straßenbahn, bis zur Straßenreinigung, sämtliche Geschäfte, vor allem die großen Kaufhäuser &#8211; überall konnte man lesen, welche Organisation diese Betriebe übernommen hatte und fortführte. [...] Wichtig ist dabei, daß mit dem plötzlichen Aufhören der politischen Verwaltung des Staatsgefüges nach dem Putsche und der Gegenaktion der Arbeiterschaft in Barcelona alles eigentlich nicht automatisch, aber spontan sich wieder in Bewegung setzte. Es gab gar keine Zäsur. Die Arbeiterorganisationen übernahmen sowohl den Handel, wie die Produktion der Fabriken, deren Besitzer ja meist geflohen oder als Faschisten bekannt waren, und dann wurden diese Betriebe einfach übernommen.«</p>
<p>Der englische Schriftsteller George Orwell hat in »Homage to Catalonia« geschildert, wie sich ihm noch Ende 1936 das revolutionäre Barcelona darstellte: »Zum erstenmal war ich in einer Stadt, in der die arbeitende Klasse im Sattel saß&#8230; Kellner und Ladenaufseher schauten jedem aufrecht ins Gesicht und behandelten ihn als ebenbürtig. Unterwürfige, ja auch förmliche Redewendungen waren vorübergehend verschwunden&#8230; Man hatte das Gefühl, plötzlich in einer Ära der Gleichheit und Freiheit aufgetaucht zu sein. Menschliche Wesen versuchten, sich wie menschliche Wesen zu benehmen und nicht wie&#8230; Rädchen in der kapitalistischen Maschinerie.«</p>
<p>Borkenau schätzt, daß 70% der Fabriken in Barcelona und etwa 50% derjenigen in Valencia von den Komitees der beiden Gewerkschaftsorganisationen, der anarcho-syndikalistischen CNT und der in Barcelona sehr viel schwächeren UGT übernommen wurden. Löhne, Arbeitsbedingungen und Produktion unterstanden fortan der Kontrolle ihrer gewählten Vertreter. Unternehmergewinne, Tantiemen und Dividenden wurden im allgemeinen abgeschafft. Der deutsche Anarcho-Syndikalist Augustin Souchy, der den Spanischen Bürgerkrieg als Leiter der »Abteilung für Internationale Information« der CNT in Barcelona miterlebt hat, erzählt: »Als die Kämpfe beendet waren, haben sich gleich in Barcelona beispielsweise bei den Straßenbahnen oder Autobussen oder Untergrundbahnen &#8211; das waren drei getrennte privatkapitalistische Gesellschaften und die Besitzer waren vorher schon ins Ausland geflohen &#8211; &#8230; Die Arbeiter und die Straßenbahner hatten eine Versammlung im Büro der Gesellschaften und beschlossen: Jetzt wollen wir das übernehmen. Techniker waren natürlich auch dabei. Und so haben sie also diese drei Verkehrsgesellschaften &#8211; Straßenbahnen, Autobusse und Untergrundbahn &#8211; zu einer einzigen umgewandelt und das dann für sich so organisiert, daß es sogar besser funktionierte als vorher, denn man rationalisierte es.&#8221;</p>
<p><strong>Anarchistische Rationalisierung</strong></p>
<p>Nicht selten kam es zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und einer Rationalisierung der Produktion. Unrentable Kleinbetriebe wurden aufgelöst bzw. zu gröberen Betriebseinheiten zusammengefaßt. Besonders erwähnt werden muß der Aufbau einer &#8211; angesichts der Kriegsumstände dringend erforderlichen &#8211; katalanischen Rüstungsindustrie durch die Arbeiter selbst.</p>
<p>Auch skeptisch-kritische Augenzeugen der Vorgänge in Katalonien haben die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit des Kollektivsystems im allgemeinen positiv beurteilt, ohne freilich langfristige Prognosen zu wagen. Schwierigkeiten ergaben sich auf dem Rohstoff &#8211; und Kreditsektor, und sie waren primär politisch bedingt. Die Kollektivbetriebe waren auf Kreditgewährung seitens der Banken angewiesen, die in Barcelona von der sozialistischen Minderheitengewerkschaft, der UGT, kontrolliert wurde. Überdies verweigerte die republikanische Zentralregierung im allgemeinen Kredite an Kollektivbetriebe. Auf diese Weise konnten die Gegner des Kollektivsystems dessen volle wirtschaftliche Entfaltung blockieren.</p>
<p><strong>Das Kollektivierungsdekret</strong></p>
<p>Die Kollektivierung vollzog sich ohne zentrale Leitung und folgte keinem einheitlichen Schema. Was sie kennzeichnete, war die Eigeninitiative der Arbeiter. Nicht um Verstaatlichung oder Kommunalisierung handelte es sich, sondern um betriebliche Selbstverwaltung. Augustin Souchy, der bereits 1937 einen detaillierten Report über die Kollektivierung veröffentlichte, betont: »Sinowjew (sagte) mir 1920 in Petrograd: ,Nein Genosse Souchy, das geht ja nicht, daß die Arbeiter die Puntilow-Werke übernehmen, das muß der Staat machen, sonst würden wir einen Kleinkapitalismus haben, statt einen Großkapitalismus von einigen.&#8217; Also ich wußte, daß der Sozialismus hier (im revolut. Span.; d. Red.) von den Arbeitern aufgebaut wurde, und ich sah darin das Wichtigste.«</p>
<p>Die Kollektivierung hatte auf revolutionärem Wege vollendete Tatsachen geschaffen. Am 24. Oktober 1936 fanden sie ihre gesetzlichen Bestätigungen. Das Kollektivierungsdekret der »Generalität«, der katalanischen Regionalregierung &#8211; der im Vormonat auch die CNT beigetreten war -, bestimmte, daß alle Unternehmen mit mehr als Hundert Beschäftigten zu kollektivieren wären. Betriebe mit fünfzig bis hundert Beschäftigten sollten auf Antrag von drei Viertel der Belegschaft kollektiviert werden. Die Leitung der Betriebe ging über auf fünf- oder sechsköpfige Komitees, die durch die Generalversammlung der Arbeiter bestimmt wurden. Sie hatten ein Mandat für zwei Jahre und bestimmten den Direktor. Dem Führungskomitee gehörte außerdem ein Vertreter der Regierung an.</p>
<p><strong>Anarchistischer Einfluß geht verloren</strong></p>
<p>Das Kollektivierungsdekret war, nach Daniel Guerin, »ein Kompromiß zwischen dem Verlangen nach Selbstverwaltung und der Tendenz zur staatlichen Oberaufsicht, gleichzeitig eine Übereinkunft zwischen Kapitalismus und Sozialismus.«</p>
<p>Damit spiegelte es die politische Konstellation in Katalonien im Oktober 1936 wider, die sich von der der Juli-Tage bereits unterschied. Unmittelbar nach dem 19. Juli hatten Initiative und Macht fast ausschließlich bei den Arbeiterkomitees gelegen, den eigentlichen Organen der sozialen Revolution. Die anarcho-syndikalistische CNT verzichtete jedoch darauf, ihre Alleinherrschaft zu proklamieren und durchzusetzen. Als sich die CNT Anfang September 1936 entschloß, in die »Generalität« einzutreten, wurde das »Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen&#8221; aufgelöst. Damit verschwand wenige Wochen nach der Sozialrevolution der, nach Borkenau, »most advanced outpost of a Soviet system in Spain«, also, der eigentliche Vorposten des Rätesystems in Spanien.</p>
<p><strong>Umwälzungen auf dem Land</strong></p>
<p>Die Kollektivierung der Industrie in Katalonien war nur die eine Seite der sozialen Umwälzung im Sommer 1936. Nicht minder revolutionär waren die Vorgänge auf dem Lande, vor allem in Ost-Andalusien, Aragonien und der Levante. Die Republik von 1931 hatte vor allem auf dem Agrarsektor versagt. Zahlreiche lokale Revolten, die Besetzung von Latifundien durch Landarbeiter und die Bildung einzelner Kollektive schon vor Ausbruch des Bürgerkrieges signalisierten die fundamentale Bedeutung der Agrarfrage in einem Lande, dessen zwei Millionen Industriearbeitern etwa 4,5 Millionen Landarbeiter gegenüberstanden.</p>
<p>Im Juli 1936 ergriffen Landarbeiter und Kleinbauern die Initiative und übernahmen die Ländereien der meist schon geflohenen Großgrundbesitzer oder schlossen ihre Kleinbetriebe zu örtlichen Kollektiven zusammen. Auch hier handelte es sich nicht um einen von oben gelenkten und zentral geleiteten oder auch nur koordinierten Vorgang. Treibende Kraft und organisatorische Basis waren durchwegs die lokalen Syndikate der Landarbeiter und Bauern. Auf örtlicher Ebene kam es weithin zu einer Kooperation von Anarchisten und Sozialisten, während die Kommunisten eine eindeutig antikollektivistische Politik verfolgten. Dazu Rolf Reventlow: »Tatsache ist, daß nur auf dem Landwirtschaftlichen Betrieb sowohl die sozialdemokratisch orientierte UGT wie die anarcho-syndikalistische CNT auf die Gestaltung des Großbetriebes und auf kollektive Betriebsführung ausgerichtet waren. Das war nicht Kollektivierung wie die in Sowjetrußland, die verordnet, angeordnet und durch militärische Gewalt herbeigeführt wurde, sondern eine ganz spontane Bewegung aus diesen beiden Organisationen heraus, die zwar Raum blieb für Familienbetriebe; das waren aber, wie der spanische Landarbeiterverband in der Sitzung seines Nationalkomitees vom 23. Dezember 1936 schon feststellte, eine ganz kleine Minderheit. Es gab natürlich anderswo Bauern oder Pächter, die das Land in Besitz genommen hatten und nicht bereit waren, den Kollektiven bzw. den Genossenschaften beizutreten. Sie wurden von den Kommunisten in ihrer lebhaften Propaganda sozusagen ,eingekauft&#8217;, d.h., sie wurden aufgenommen in die Organisation; sie waren bis dahin unorganisiert. Und die kommunistische Politik unter dem kommunistischen Landwirtschaftsminister Uribe ging eigentlich auf die Aufteilung des Landes an einzelne Landwirte hinaus. Sie legten den Genossenschaften die gröbsten Schwierigkeiten in den Weg.«</p>
<p>In Aragon entstanden 450 lokale Kollektive recht unterschiedlicher Größenordnung mit insgesamt 433.000 Mitgliedern. Für die Levante wird diese Zahl von etwa 350 Kollektiven genannt. Im Zentrum und im republikanischen Teil von Andalusien gab es weitere 250 Kollektive und in Katalonien etwa 250. Gaston Leval schätzt, daß 1937 rund 3 Millionen Menschen in landwirtschaftlichen Kollektiven lebten.</p>
<p>Angesichts der unzulänglichen Nutzung des privaten Großgrundbesitzes und der Unrentabilität des landwirtschaftlichen Kleinbetriebes in den meisten Teilen Spaniens war die Kollektivierung ökonomisch sinnvoll und offensichtlich auch erfolgreich. Die Produktionsmethoden wurden durch eine stärkere Mechanisierung auf kollektiver Basis modernisiert. Sie befreite die Landbevölkerung von der jahrhundertelangen drückenden Herrschaft der Großgrundbesitzer, der Kirche und der lokalen Repräsentanten der Staatsmacht. Die Kollektive schufen eigene Alters- und Krankenversicherungen, sie stellten ihren Mitgliedern eine kostenlose medizinisch-ärztliche Versorgung zur Verfügung; sie sorgten für den Bau von Bildungseinrichtungen. Ein ungelöstes Problem freilich blieb Wohlstandsgefälle zwischen den verschiedenen örtlichen Kollektiven.</p>
<p>Zu einer juristischen Fixierung der neuen Eigentumsverhältnisse auf dem Lande kam es nicht mit Ausnahme von Katalonien. Weder wurden die entstandenen Kollektive gesetzlich gesichert, noch erhielten die nicht kollektivwilligen Bauern eine Garantie ihres Eigentums &#8211; ein Umstand, der auf beiden Seiten zu erheblicher psychologischer Unsicherheit führte. Nutznießer dieser Situation waren insbesondere die Kommunisten, die sich den bäuerlichen Eigentümern als Schutzmacht empfahlen.</p>
<p><strong>Kommunisten gewinnen an Einfluß</strong></p>
<p>Nicht selten war es bei der Kollektivierung zumindest zu einem starken psychologischen Druck, mitunter auch zur Anwendung von physischer Gewalt gegen Widerstrebende gekommen. Zudem kostete die Rücksichtslosigkeit, mit der etwa die berühmte Kolonne Durruti vorging, die Anarchisten insgesamt viele Sympathien.</p>
<p>Auch davon profitierten vor allem die Kommunisten seit Spätherbst 1936. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges waren die spanischen Kommunisten politisch von geringer Bedeutung gewesen; bei den Parlamentswahlen von Februar 1936 brachten sie es auf ganze 16 Mandate. Die Zahl der Parteimitglieder betrug etwa 30-40.000. Im Frühjahr 1937 gab die Partei ihre Zahl mit etwa 250.000 an, davon nur 35,2% Industriearbeiter, 25% landwirtschaftliche Arbeiter, 30,7% bäuerliche Eigentümer oder Pächter, 6,2% Angehörige des städtischen Bürgertums und 2,9% Intellektuelle und Beamte.</p>
<p>Für diese erstaunliche Entwicklung gab es mehrere Gründe. Zum einen wirkte sich die Waffenhilfe, die die Sowjetunion der Republik seit September 1936 zukommen lieb, psychologisch zugunsten der Kommunisten aus. Sodann zeigten diese im militärisch-administrativen Bereich beachtliche organisatorische Fähigkeiten, die gerade in den Krisenmonaten des Herbstes 1936 der Republik zugute kamen. Denn es hatte sich gezeigt, daß das republikanische Lager einer militärischen Reorganisation bedurfte, um erfolgreich wider stehen zu können.</p>
<p><strong>Kriegsführung</strong></p>
<p>Ebenso notwendig war eine einheitliche Kriegsführung. Die verschiedenen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Linken hatten eigene Milizen aufgestellt. Das Milizsystem bedeutete eine sozialrevolutionäre Errungenschaft. George Orwell, der der Miliz der links-sozialistischen-revolutionären POUM angehörte, war vor allem vom Geist der Einheit tief beeindruckt: »Der wesentliche Punkt dieses Systems war die soziale Gleichheit zwischen Offizieren und Soldaten. Jeder, vom General bis zum einfachen Soldaten, erhielt den gleichen Sold, die gleiche Verpflegung, trug die gleiche Kleidung und verkehrte mit den anderen auf der Grundlage völliger Gleichheit&#8230; Es gab Offiziere und Unteroffiziere, aber keine militärischen Ränge im normalen Sinn, keine Titel, keine Dienstabzeichen, kein Hackenzusammenschlagen und kein Grüben. Sie hatten versucht, in den Milizen eine Art einstweiliges Arbeitsmodell der klassenlosen Gesellschaft zu schaffen. Natürlich gab es dort keine vollständige Gleichheit, aber es war die größte Annäherung daran, die ich je gesehen oder in Kriegszeiten für möglich gehalten hätte.«</p>
<p><strong>Die Milizen verlieren ihre Autonomie</strong></p>
<p>Ein gewisser Mangel an Disziplin und das Operieren der Milizen auf eigene Faust erwiesen sich als Schwächen des Systems. So wurden die Milizen im September/Oktober 1936 nicht aufgelöst, aber in die neugeschaffene »Volksarmee« eingegliedert. Das war vom rein militärischen Standpunkt aus, kurzfristig zweifellos zweckmäßig, politisch aber nicht unbedenklich.</p>
<p>Die militärische Reorganisation war nur ein Teil jener Integration des republikanischen Lagers, die ihren sinnfälligsten Ausdruck am 4. November 1936 mit dem Eintritt der Anarchisten und Syndikalisten in die Volksfrontregierung Caballero fand. Der Entschluß der anarcho-syndikalistischen Führungsspitze, der Regierung Caballero beizutreten, kam auf dem Hintergrund der radikalen, antipolitischen Tradition des spanischen Anarchismus einer historischen Entscheidung gleich. Die Anarchisten übernahmen vier Ministerien, darunter das Justizministerium.</p>
<p>Diese anarchistischen Minister kamen sehr bald in eine fatale Situation. Faktisch hatten sie mit ihren Eintritt in das Kabinett die Parole »Erst der Krieg &#8211; dann erst die Revolution« akzeptiert; sie übernahmen nun die Mitverantwortung für eine Politik der »Normalisierung« im republikanischen Lager, deren restaurativer Charakter unverkennbar war. Diego Abad de Santillan, der führende Wirtschaftstheoretiker des spanischen Anarchismus, der im Herbst katalanischer Wirtschaftsminister geworden war, bekannte 1940 selbstkritisch: »Wir wußten, daß es nicht möglich war, den Sieg zu erringen, wenn man nicht vorher im Krieg gesiegt hatte. Wir haben die Revolution geopfert, ohne zu begreifen, das diese Opfer auch den Verzicht auf die eigentlichen Ziele des Krieges mit sich brachte.«</p>
<p><strong>Anarchisten in der Regierung &#8211; Kommunisten fordern »starken Staat«</strong></p>
<p>Die Kommunisten taten alles, die Entwicklung zum &#8220;starken Staat&#8221; zu fördern. Borkenau sagt: »Im Namen der ,antifaschistischen Einheit&#8217; kämpften die Kommunisten für einen bürokratisch-militärischen Zentralismus um jeden Pries. Ihre eindeutig anti-revolutionäre Politik resultierte primär aus ihrer engen Bindung zur Sowjetunion. Diese engagierte sich in Spanien zwar, in gewissen Grenzen, für die Republik, aber gegen die Revolution! [...] Nach wie vor blieb es der Sowjetunion vorbehalten, den antifaschistischen Kampf aktiv zu unterstützen. Die Republik mußte diese Hilfe teuer bezahlen. Denn mit den russischen Waffen kamen auch russischen Berater nach Spanien und es kamen, nicht zuletzt, die Abgesandten der GPV (Geheimdienst). Ihre Aktivität galt vor allem der Verfolgung und Beisetzung der antistalinistischen Linken.«</p>
<p>Das republikanische Spanien, insbesondere Katalonien, wurde zum Nebenkriegsschauplatz des stalinistischen Vernichtungsfeldzug gegen die nicht-bolschewistische, revolutionäre Linke. Die &#8220;Prawda&#8221; erklärt am 17. 12. 1936 : »Was Katalonien angeht, so hat die Säuberung von Trotzkisten und Anarchisten begonnen. Und sie wird mit derselben Energie durchgeführt, wie in der UDSSR.«</p>
<p><strong>Der Kampf um die Telefonzentrale in Barcelona</strong></p>
<p>Anfang Mai 1937 erreichte die Auseinandersetzung zwischen den Kommunisten und den Linken in Barcelona ihren blutigen Höhepunkt. Am 3. Mai drang der Ordnungsbeauftragte der Generalität, Rodrigues Salaz, ein Mitglied der von den Kommunisten kontrollierten »Sozialistischen Einheitspartei Kataloniens«, mit einer Gruppe Bewaffneter Zivilisten in das seit 1936 von der CNT besetzte Gebäude der Telefonzentrale von Barcelona ein. Die Nachricht verbreitete sich durch die Stadt und mobilisierte die Arbeiter. In ganz Barcelona wurde zum Streik aufgerufen, und binnen Kurzem wurden Barrikaden errichtet. Die Arbeiterschaft war sich der Gefahr bewußt, die den Errungenschaften des Juli 1936 drohte. Der fortschreitenden Drosselung der Revolution mußte Paroli geboten werden. Drei Tage lang stand die katalanische Hauptstadt im Zeichen blutiger Kämpfe zwischen Arbeitern und »Ordnungskräften«.</p>
<p>Schließlich eilten aus Valencia zwei anarchistische Minister nach Barcelona und beschworen die Arbeiter, die Waffen niederzulegen, während die POUM &#8211; Führung sie aufforderte, auf den Barrikaden zu bleiben. Am 7. Mai verzichteten die Arbeiter auf die Fortsetzung des Kampfes. Am selben Tag marschierten 6000 Sturmgardisten, die Elitetruppe der Republik, in Barcelona ein. Die Auseinandersetzungen hatten etwa 500 Tote und 1000 Verwundete gekostet.</p>
<p>Die Kommunisten nahmen die Mai-Ergebnisse zum Vorwand, die sofortige Illegalisierung und Auflösung der revolutionär-marxistische POUM zu fordern. Mitte Mai trat die Regierung zurück. Der neue Ministerpräsident Juan Negrin, in dessen Kabinett die Anarchisten nicht mehr vertreten waren, zeigte sich den Kommunisten gegenüber gefügiger. Die offene Verfolgung der POUM begann. Ihr Vorsitzender Andres Nin wurde entführt und ermordet. Eine Verhaftungswelle traf Mitglieder und Sympathisanten der POUM, die Mitte Juni für illegal erklärt wurde.</p>
<p><strong>Die Republik löst die Kollektive auf</strong></p>
<p>Was sich schon im Herbst 1936 angebahnt hatte, wurde Mitte 1937 zur unwiderruflichen Grundtendenz innerhalb des republikanischen Lagers: Die sozialrevolutionäre Linke befand sich endgültig in der Defensive. Das Kollektivsystem war einem permanenten Schrumpfungsprozeß unterworfen.</p>
<p>Die 11. Armeedivision unter dem Kommunisten Enrique Lister &#8211; später Vorsitzender des Moskautreuen Flügels der spanischen KP- ging gegen die lokalen Komitees vor und löste zahlreiche landwirtschaftliche Kollektive mit Gewalt auf. In Katalonien wurde die Anwendung des Kollektivierungsdekrets als »mit dem Geist der Verfassung nicht vereinbar« außer Kraft gesetzt. Die Regierung unternahm große Anstrengungen, die Wirtschaft unter ihre Kontrolle zu bringen, was den Londoner »Economist&#8221; am 26. Februar 1938 zu der Feststellung veranlaßte: »Der Eingriff des Staates in die Industrie wirkt der Kollektivierung und der Arbeiterkontrolle entgegen und läßt das Prinzip des Privateigentums wieder zur Geltung kommen.«</p>
<p><strong>Schon vor Ende des Bürgerkrieges ist die Revolution verloren</strong></p>
<p>So war die soziale Revolution verloren, lange ehe der Bürgerkrieg verloren ging. Die Weichenstellung zu Ungunsten der Revolution zwischen Spätherbst 1936 und Frühsommer 1938 läßt sich nicht bündiger formulieren als mit den Worten des italienischen Anarchisten Bertoni, verfaßt an der Huesca-Front: »Der spanische Krieg, dem aller neue Glaube, alle Ideen der gesellschaftlichen Umwandlung, alle revolutionäre Größe genommen worden ist, bleibt ein Ringen auf Leben und Tod, ist aber kein Krieg mehr, der eine neue Ordnung und eine neue Menschheit verheißt. «</p>
<p><em>Der Artikel basiert auf einem Rundfunkmanuskript A. v. Borries&#8217; (»Die unbekannte Revolution &#8211; Das Experiment des spanischen Anarcho-Syndikalismus«); gesendet als Produktion des NDR/WDR am 25. März 1972.</em></p>
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		<title>Anarchismus in Deutschland 1945-1960</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 13:46:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[A-Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer weis heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-264"></span><em>(DA Nr.153 September/Oktober 2002) (ungekürzte Fassung)</em></p>
<p><strong>Buchbesprechung: </strong>Hans Jürgen Degen: „ Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten. Verlag Klemm &amp; Oelschläger. 20 Euro, ISBN 3-932577-37-X</p>
<p>Wer weis heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.</p>
<p>Auf 440 Seiten legt er die Entwicklungsgeschichte der „Föderation Freiheitlicher Sozialisten“ (FFS) dar, die in der Kontinuität der durch die Nationalsozialisten verbotenen und zerschlagenen „Freien Arbeiter Union Deutschlands“ (FAUD) steht.</p>
<p>Sinnvoll aufgeteilt in 18 Kapitel nimmt er sich der FFS und &#8211; in geringerem Umfang &#8211; anderer anarchistischer und anarcho-syndikalistischer Gruppen an, beschreibt die Schwerpunkte der Arbeit, die „ideologischen“ Grundlagen und das Verhältnis zwischen den verschiedenen libertären Gruppen. Er zeigt die internationale Solidarität für die deutsche libertäre Bewegung, beschreibt die Arbeit der FFS-GenossInnen in „Fremdorganisationen“ wie Parteien und Gewerkschaften und analysiert, weshalb die FFS – trotz Verlag, Zeitschrift und Jugendorganisation &#8211; nie zu einem Masseneinfluss gelangte und schließlich scheiterte. In vier Exkursen nimmt er sich noch einmal spezieller Themenstellungen an. Zweimal mit Bezug auf den – auch nach 1945 – in Deutschland einflussreichen anarcho-syndikalistischen Theoretiker Rudolf Rocker, der sich zum Revisionisten entwickelte und zum dritten mit einer viel Beachtung verdienenden Abhandlung zur Situation der AnarchosyndikalistInnen und Libertären in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR. Den vierten Exkurs bildet ein Beitrag zum österreichischen Anarchisten Peter Brandt, seiner Broschüre „Wege zur Freiheit“ und dessen Analysen der Situation in Nachkriegsdeutschland, die ebenfalls viel kritische Beachtung verdienen.</p>
<p>Degen hat über viele Jahre eine Menge an Informationen zusammentragen können. Dabei zitiert er für „Anarchismus in Deutschland“ maßgeblich aus dem Schriftverkehr zwischen den GenossInnen und aus offiziellen Verlautbarungen, z.B. in Zeitschriften und internen Rundschreiben. An einigen Stellen revidiert Degen so die Aussagen von Günter Bartsch, der seit den 70er Jahren immer wieder auch über den Nachkriegsanarchismus und die FFS schrieb.</p>
<p><strong>Die Situation in Nachkriegsdeutschland und die Gründung der FFS</strong></p>
<p>Degen beschreibt die Situation in Nachkriegsdeutschland nachdrücklich. Er lässt die GenossInnen zu Wort kommen, die schon kurz nach dem Ende des Krieges die Kontinuität der Wirtschaftsbosse und Altnazis an der Macht scharf analysierten. Und er beschreibt die Lebensrealität der arbeitenden Klasse: Zerbombte Städte, Hunger, Obdachlosigkeit, geflohene und vertriebene Menschen, Erwerbslosigkeit.</p>
<p>„Dem weitverbreiteten apathisch-resignativen Element in der Nachkriegsgesellschaft verfielen auch die meisten Anarchisten/Anarchosyndikalisten: Sie entzogen sich nicht den Bedürfnissen nach „Ruhe“, „Sehnsucht nach Wohlstand“, gesellschaftlicher „Anerkennung“ – was nicht implizierte, damit auch gleichzeitig den Wunsch nach „Veränderung“ aufzugeben. Dieses psychische Dilemma hinter sich zu lassen, gelang nur einem Bruchteil von ihnen. Eine Reorganisation des deutschen Anarchismus bedeutete in dieser Situation primär Selbstorganisation auf der Mikroebene: Keinerlei organisatorische Struktur hatte das 3.Reich überlebt&#8230;.Hinzu kam die durch KZ-Haft oft so stark angeschlagene Gesundheit, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von ihnen die Hungerjahre 1945– 1948 nicht überlebte.“ (S.34)</p>
<p>Unterstützung erhielten die deutschen Genossinnen und Genossen aus der internationalen anarcho-syndikalistischen Bewegung. U.a. auf Initiative des ehem. FAUD-Aktivisten und Spanienkämpfers Helmut Rüdiger (Schweden) und Rudolf Rocker (USA), organisierten vor allem die schwedische SAC und jüdische ArbeiterInnen in den USA Hilfslieferungen für über 200 deutsche GenossInnen. Hilfe kam ebenfalls von der „Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Sozialisten“ in Basel, der französischen FAF und einigen anderen anarchistischen Hilfskomitees, sowie der Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) – der anarcho-syndikalistischen Internationale. Diese berichtete seit 1945 über die Situation in Deutschland und rief zur Solidarität auf. Im Mai 1948 beschloss dann der 2.FFS-Kongress auf diese Hilfslieferungen zu verzichten um sie stattdessen den„spanischen Genossen“ zugute kommen zu lassen, die der Franco-Diktatur ausgesetzt waren.</p>
<p>1945 – das belegt Degen sehr anschaulich – entstanden die ersten anarcho-syndikalistischen Gruppen in Deutschland. Oftmals reine Diskussionszirkel versuchten sie mit Gleichgesinnten in anderen Städten und Regionen in Kontakt zu treten. Ein Großteil von ihnen wollte und konnte durch die gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr dort weitermachen, wo sie mit ihrer Arbeit 1933 durch die Nazis gezwungen wurden aufzuhören. Sie regten Diskussionenüber die Neubestimmung libertärer und anarcho-syndikalistischer Positionen an, in denen der (europäische) Föderalismus und die freie Entfaltung der Persönlichkeit einen hohen Stellenwert besaßen. Ausgehend von Gretelund Alfred Leinau in Darmstadt kam es ab 1945 zu einer Reihe von Treffen, auf denen über die Gründung einer freiheitlich-sozialistischen Organisation beraten wurde. Diese wurde dann Pfingsten 1947 in Darmstadt als Föderation Freiheitlicher Sozialisten (FFS) gegründet. Vertreten waren „ca.30 Delegierte aus fünfzehn Orten in ganz Westdeutschland“ (S.60). Von Anfang an beteiligte sich der Berliner Fritz Linow, ehemaliges Mitglied der Geschäftskommission der FAUD am Aufbau und der inhaltlichen Ausrichtung der neuen Organisation. Linow, der mit Rocker und Rüdiger in der Neudefinition eines freiheitlichen Sozialismus konform ging, wurde zu einer dominanten Person in der FFS. Er bestimmte durch seine Redaktionsarbeit in der FFS-Zeitschrift „Die freie Gesellschaft“ das Erscheinungsbild, das von kulturellen und theoretischen Beiträgen geprägt war und dem erklärten Anspruch der Zeitschrift, auch neue Mitglieder zu gewinnen, nicht gerecht wurde. Die Zeitschrift wurde zur fast ausschließlichen Arbeitsaufgabe für die Gesamt-Organisation und offenbar von den FFS-Mitgliedern nicht geliebt, da sie ein fast rein akademisch – intellektuelles Spektrum bediente, das mit der Lebensrealität der allermeisten FFSlerInnen nicht viel gemein hatte.</p>
<p>Der Wuppertaler Fritz Benner schrieb über diesen Zustand:“&#8230;man kann mit ihr keine Bewegung aufbauen. Die Genossen werden es leid, alles nur für die Zeitschrift zu opfern, keine Versammlungen, nichts. Eine Bewegung kann man nur schaffen, wenn man sich an die materiellen Interessen wendet. Die Genossen im Ruhrgebiet wollen&#8230;werben. Sie halten die Zeitschrift dafür nicht geeignet.“ (S.323 ff.)</p>
<p>Da es, mit Ausnahme der Drucklegung, Werbung und des offensiven Verkaufs der Informationsbroschüre „Der Leidensweg von Zensl Mühsam“, die vor den Nazis in die Sowjetunion flüchtete und dort in ein Konzentrationslager gebracht wurde, zu keiner gemeinsamen Kampagnenarbeit der FFS kam, war der Stellenwert ihrer Zeitschrift für die Wahrnehmbarkeit der Organisation sehr hoch.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt bei den Beratungen an Pfingsten 1947 war die Zulassung der FFS als legale Organisation. Diese „Lizenzierung“ wurde von den alliierten Besatzungsmächten vorgenommen und der FFS – in allen Besatzungszonen &#8211; beständig verweigert.</p>
<p>Die Mitgliederstärke der FFS soll nach Degen 1948 zwischen 350 und 400 Mitgliedern gelegen haben, wovon allein in Berlin mit 80 und in Köln mit 113 Mitgliedern lokale Hochburgen bestanden. Weitere größere Gruppen bestanden in München, Hamburg, Ludwigshafen, Mannheim und Wuppertal.</p>
<p>Im weiteren führt Degen die internen Diskussionen zur inhaltliche Bestimmung der FFS aus, die durchaus kontrovers verliefen, an deren Ende sich aber die Mehrheit für die revisionistischen Positionen – die auch von Rocker aufgegriffen wurden– aussprach. So lehnte die FFS den Parlamentarismus zwar immer noch als undemokratisch ab, schuf ihren Mitgliedern aber die Möglichkeit der Teilnahme an Wahlen auf kommunaler Ebene, um der geführten Diskussion um einen „Gemeinde-Sozialismus“ Rechnung zu tragen. Einige FFS´ler kandidierten auf kommunaler Ebene und erzielten beachtenswerte Wahlerfolge wie Karl Dingler in Göppingen und Karl Preiss in Ulm.</p>
<p>Ein Teil der FFS-Mitglieder übernahm Funktionen in Gewerkschaften des DGB und wurden Betriebsräte bei gleichzeitiger massiver Kritik an ihnen. Die Gründung einer eigenständigen syndikalistischen Gewerkschaft wurde zwar immer wieder vorgebracht, aufgrund der Einschätzung das ihre Verwirklichung momentan unrealistisch sei, aber immer wieder verworfen.</p>
<p>Ein Aufruf des in der Erwerbslosenbewegung aktiven Theodor Bennek aus Hildesheim im März 1951 zur „Wiedergründung der FAUD“ stieß u.a. deswegen auf breite Ablehnung. (S. 335 ff.)</p>
<p>Leider finden sich keine evt. Positionen zur „Freien Sozialistischen Gewerkschaft“ (FSG) im Buch, die sich 1947 in Hamburg als politische Richtungsgewerkschaft formierte, nach 1 ½ Monaten aber schon von der britischen Besatzungsmacht verboten wurde.</p>
<p><strong>Reorganisation, Verfolgung und Ermordung von AnarchosyndikalistInnen in der SBZ und der DDR</strong></p>
<p>Ein großes Plus an Degens Buch ist die bisher am gründlichsten recherchierte Beschreibung und Veröffentlichung zur Situation der Libertären in der SBZ und der DDR. In seinem Exkurs dazu beschreibt er die politischen Bedingungen die eine offene Betätigung durch die Kommunisten unmöglich machte. Er definiert „3 Tendenzen libertären Verhaltens“. „Erstens diejenigen Libertären, die versuchten, sich relativ offen wieder zu organisieren und sich damit auch offen gegen das kommunistische Regime stellten; zweitens die Libertären, die mit dem kommunistischen System zwar paktierten, aber versuchten, hier Libertäres einzubringen; drittens arrangierte und identifizierte sich ein vermutlich kleiner Teil der Libertären völlig mit dem Regime“. (S.182)</p>
<p>Zu den wenigen bekannten Köpfen des Wiederaufbaus der anarcho-syndikalistischen Bewegung in der SBZ und späteren DDR gehört der Illmenauer Fritz Heller, der für seine Tätigkeit 1968 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, wovon er 5 ¼ Jahre im KZ Bautzen verbringen musste, bevor er es schaffte nach Frankfurt/M. zu gelangen. Der Metallarbeiter Willi Jelinek aus Zwickau richtete eine Informationsstelle ein, von der aus über Rundschreiben Kontakte hergestellt wurden. „In Sachsen sollen sich daraufhin fünf oder sechs Gruppen gebildet haben.“ (S.183) In Dresden war der Anarchosyndikalist Walter Reede aktiv und der Ostberliner Rudolf Ludwig war Verbindungsmann der FSS in den Westen.</p>
<p>1948 tagte in Leipzig eine „Konferenz der libertären Bewegung“, deren Durchführung von einem Spitzel verraten wurde und die Verhaftung aller TeilnehmerInnen zur Folge hatte.1949 kam es zu zwei Verhaftungswellen gegen AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen durch das kommunistische Regime. Anfang 1949 wurden über 100 GenossInnen verhaftet und im September über 170 „vornehmlich der vor 1933 existierenden Gruppen Kommunistische Arbeiterpartei und Syndikalisten&#8230;verhaftet. Die Opfer der SED-Justiz wurden oft zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Viele von ihnen inhaftierte man in den ehem. Nazi-KZ´s und in Bautzen. „Bewacher“ waren meist „Russen, größtenteils aber deutsche Volkspolizei, die sich nur in der Uniform von Hitlers SS unterscheidet.““ (S.193). Und Anfang 1950 saßen „dreißig freiheitliche Sozialisten ..seit weit einem Jahr wieder im KZ Oranienburg-Sachsenhausen“. (S.194). In Bautzen wurde der Anarchosyndikalist Willi Jelinek ermordet.</p>
<p>Die Reaktion der westdeutschen GenossInnen war die Bildung von Unterstützungsgruppen für die Verfolgten und die Information der Öffentlichkeit über das totalitäre Vorgehen der Kommunistenim Osten. In Publikationen und Diskussionen wurde die Gleichartigkeit der Struktur von Nationalsozialismus und Bolschewismus analysiert und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) (heute VVN-BdA) scharf angegriffen, da sie die Existenz von KZ´s in der SBZ/DDR und die Verfolgung freiheitlicher Sozialisten leugnete. Der Berliner Otto Reimers formulierte dies in einem Beitrag in der „Freien Gesellschaft“: „..wurdet ihr VVN-Kameraden nicht auch einst in die Hitler KZ´s als Staatsfeinde eingewiesen ? Wir Sozialisten wissen dass sich in den Ostzonen KZ´s heute Sozialisten befinden, die auch unter Hitler im KZ schmachteten und ihr (VVN) schweigt dazu.“ (S.194)</p>
<p>In einer Resolution des 2. FFS-Kongresses 1948 in Nieder-Berbach/Mordach formulierten die GenossInnen als Grundkonsens: “gegen jede Art autoritärer Bevormundung, gegen die bürokratische und zentralistische Entartung der Demokratie, gegen den Faschismus und insbesondere gegen den totalen Staat in Gestalt des als Diktatur des Proletariats verschleierten roten Faschismus und der sogenannten Volksdemokratien &#8230; Die FFS (Deutschlands) bekennt sich zur Sache des Friedens und der Völkerverständigung &#8230; sie ist vor allem entschlossen, das weitere Vordringen des bolschewistischen Totalitarismus in Europa verhindern zu helfen.“ (S.331)</p>
<p><strong>Die Internationale Arbeiter Assoziation</strong></p>
<p>In einem weiteren Beitrag geht Degen auf die Beziehungen zwischen der FFS und der IAA ein, welcher die FFS 1948 – als Nachfolgerin der FAUD beigetreten war, und stellt die interne Entwicklung der IAA, ihre inhaltlichen Differenzen und schließlich den Austritt einiger ihrer Sektionen in den 50er Jahren anschaulich dar. Ein Beitrag der auch abseits der Konzentration auf die FFS Aufmerksamkeit verdient, da die Informationen über dieIAA und ihre Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg gerade in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Delegierte für die FFS auf internationaler Ebene waren u.a. Helmut Rüdiger und der 1966 aus dem mexikanischen Exil nach München zurückgekehrte Augustin Souchy.</p>
<p>Den Abschluss der 18 Kapitel bildet der Beitrag „Das Ende der FFS. Nachwehen und Ausläufer“ (S.400 ff.). Ein offizielle Auflösung der FFS hat nie stattgefunden, berichtet Degen, und gibt Einblick in die Stimmung der FFS. „Die FFS Protagonisten waren ausgebrannt“ (S.403) und führt dies auf die „ausgebliebene Resonanz in der Nachkriegsgesellschaft“ zurück, die nach A. Klönne „einen hohen Grad von Geschichtsverlust aufwiese“ den dieser auf den Nationalsozialismus zurückführte. „Nicht nur Verbot, Verfolgung der Organisationen der Arbeiterbewegung, sondern der NS-Staat war auch darauf aus, jeder Erinnerung an den Prozeß der Emanzipation und Selbstorganisation der Arbeiterschaft aus dem historischen Bewusstsein zu löschen.“ (S.404) Weiterhin – so Degen – hätte sich der „im Westen Deutschlands konstituierende `Wohlstandsstaat` erosiv auf die freiheitlichen Sozialisten ausgewirkt. Denn die sozialistische Alternativ, die die FFS aufzeigte, konnte nicht attraktiv gegenüber dem sich Anfang der 50er herausbildenden „Sozialstaat“ wirken. Und dessen Integrationskraft hatten die freiheitlichen Sozialisten keine machtpolitische Alternativen entgegen zu setzen. Auch die „revisionistische“ Form des freiheitlichen Sozialismus konnte hier nichts ausrichten.“ (S.405) Nach diesen Ausführungen folgt der Blick auf den weiteren Werdegang einiger Aktiver und ganzer Gruppen, wobei u.a. die FFS in München bis in die 70er Jahre aktiv blieb.</p>
<p>Abgerundet wird dieses Buch mit einer Auswahl von Kurzbiographien einzelner FFS´lerInnen , einem (unvollständigen) Verzeichnis der Ortsföderationen und ihrer Mitglieder und einem Personenregister. Zu diesem Buch gäbe es noch eine Menge zu sagen und ich bin Sicher das die Informationen aus ihm viel Stoff für weitere Untersuchungen und politische und soziale Analysen, sowie für die anarcho-syndikalistische Spurensuche nach sich ziehen wird. Es ist eine umfassende Fundgrube. Kritisch anzumerken bleibt, das Degen von „überkommenen anarcho-syndikalistischen Positionen“ spricht ohne diese Aussage näher zu erklären. (S. 201).</p>
<p>Alles in allem: Ein hochspannendes, historisches und gleichzeitig aktuelles, empfehlenswertes Buch für alle an einer freiheitlich sozialistischen Zukunft Interessierten.</p>
<p><em>Martin Veith</em></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></em></p>
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		<title>Der Anarchosyndikalismus in Deutschland (1932)</title>
		<link>http://www.die-gruppe-md.de/der-anarchosyndikalismus-in-deutschland-1932</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 13:27:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weiter entwickelten sich Industrie und Proletariat viel rascher, als der Ausbau des modernen demokratisch-liberalen Verfassungsstaates erfolgen konnte. Die Bourgeoisie hatte also bereits zu einer Zeit mit einer starken proletarisch-revolutionären Bewegung zu rechnen, als sie ihre eigene Herrschaft gegenüber dem Feudalismus noch gar nicht durchgesetzt hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-259"></span><em>H.W. Gerhard (Gerhard Wartenberg)</em></p>
<p>Infolge der jahrhundertelangen Hohenzollernherrschaft in Preußen und später in ganz Deutschland, wodurch nicht nur äußere, staatliche Verhältnisse bestimmt wurden, sondern auch der ganze Volkscharakter verdorben wurde, ist Deutschland eines der Länder, in denen der zentralistisch-autoritäre Geist am tiefsten Wurzel geschlagen hat. Hinzu kommt, daß in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Spanien, Frankreich, England sich schon frühzeitig der Einheitsstaat mit einer zentralen Regierung bildete, so daß die Volksmassen die Schäden des Zentralismus am eigenen Leibe spürten und mehr oder weniger einen gesunden, föderalistisch-freiheitlichen Sinn bewahrten. In Deutschland (ebenso in Italien), hingegen entwickelten sich mehrere oder viele Kleinstaaten, die mit ihren Zollschranken in der Zeit des Industrialismus und des Welthandels ein starkes Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung bildeten. Die natürliche Folge war das starke Sehnen nach der „nationalen Einheit“, das die bürgerlichen Revolutionäre des ganzen 19. Jahrhunderts in diesen Ländern beseelte. Diese Einstellung wirkt noch heute nach, und sicher ist dies eine der Hauptursachen, warum die Sozialisten Deutschlands fast aller Richtungen auf den staatlichen Zentralismus schwören.</p>
<p>Weiter entwickelten sich Industrie und Proletariat viel rascher, als der Ausbau des modernen demokratisch-liberalen Verfassungsstaates erfolgen konnte. Die Bourgeoisie hatte also bereits zu einer Zeit mit einer starken proletarisch-revolutionären Bewegung zu rechnen, als sie ihre eigene Herrschaft gegenüber dem Feudalismus noch gar nicht durchgesetzt hatte. Aus Angst vor dem &#8220;roten Umsturz&#8221; warf sich deshalb die deutsche Bourgeoisie etwa um 1870 vollkommen dem Bismarckschen Militärregime in die Arme, verzichtete zugunsten der Junker auf politische Herrschaft und begnügte sich mit dem wirtschaftlichen Profit. Der Bismarksche Staat lastete wie ein Alpdruck fast 50 Jahre auf der deutschen Arbeiterschaft und veranlaßte die deutsche Arbeiterbewegung infolgedessen, ihre rein proletarischen, wirtschaftlich-sozialen Kampfaufgaben zurückzustellen und dafür zunächst den Feudalstaat zu bekämpfen. Diese politische, eigentlich bürgerlich-demokratische Tätigkeit der Arbeiterbewegung hatte mehrere äußerst verhängnisvolle Folgen:</p>
<ul>
<li> erstens ging das Schwergewicht des Kampfes auf die Partei (Sozialdemokratie) über, wirtschaftliche oder kulturelle Aufgaben wurden vernachlässigt,</li>
<li>zweitens zog die Partei außer den Arbeitern auch mehr und mehr die kleinbürgerlich-oppositionellen Elemente an und wurde daher selbst kleinbürgerlich-reformistisch,</li>
<li>drittens prägte sich den Arbeitern die Vorherrschaft der Parteipolitik, der &#8220;Wahlschlachten&#8221; usw. derart ein, daß sie den wirklichen sozialrevolutionären und wirtschaftlichen Kampf darüber fast vergaßen.</li>
</ul>
<p>Als nun im November 1918 der deutschen Arbeiterschaft die politische Macht in die Hände fiel, wußte sie damit nichts anderes anzufangen, als eine Nationalversammlung zu wählen, in der die bürgerlichen Parteien die Mehrheit hatten. Man begnügte sich mit der politischen Demokratie, zerstörte die Anfänge des Rätesystems fast völlig und dachte nicht im Traume daran, den Kapitalisten und Großgrundbesitzern ihre wirtschaftliche Macht durch Enteignung der Betriebe und Latifundien zu nehmen.</p>
<p>Allerdings &#8211; nicht alle Arbeiter waren von bürgerlicher Denkweise durchdrungen. Unter den Revolutionären nahmen die Syndikalisten, die vor dem Kriege nur eine kleine Organisation mit einigen Tausend Mitgliedern gewesen waren, einen ehrenvollen Platz ein. Man kann die organisierten Syndikalisten der Revolutionsjahre 1919-21 etwa auf 100 000 annehmen, ihr Einfluß erstreckte sich aber auf Millionen. Bei verschiedenen Generalstreiks, besonders im Bergbau und der Schwerindustrie Rheinland-Westfalens, gingen sie führend voran.</p>
<p>Aber die herrschende Sozialdemokratie verstand es, durch gedungene reaktionäre Söldnerscharen alle Bewegungen des Proletariats niederzuschlagen. Und als nun Ende 1923 die Währung stabilisiert wurde und sich die Republik festigte, waren alle wirklich revolutionären Bewegungen in äußerst schwieriger Lage. Lediglich der Kommunistischen Partei gelang es, sich als Massenpartei zu behaupten, weil sie entschieden in das parlamentarische Fahrwasser einbog. Alle anderen revolutionären Bewegungen gingen praktisch zugrunde, und der deutsche Anarcho- Syndikalismus wurde wieder auf die Rolle der Vorkriegszeit zurückgedrängt.</p>
<p>In den letzten Jahren ging die deutsche Bourgeoisie fast vollständig in das Lager des Faschismus über und warf die Sozialdemokratie aus der Leitung des Staates heraus, Ein Widerstand des Proletariats machte sich kaum bemerkbar, weil durch die ungeheuren Enttäuschungen seit der Revolution, durch die Spaltungen usw. große Mutlosigkeit Platz gegriffen hatte, die erst wieder etwa seit Frühjahr 1932 einem gewissen Kampfmut gewichen ist.</p>
<p>Heute gibt es in Deutschland unter den Massenparteien eigentlich überhaupt nur diktatorisch-zentralistische; die KPD., die mehr und mehr die Rolle der Vorkriegssozialdemokratie einnimmt, ist offen diktatorisch, ebenso die Nationalsozialistische Partei, die das Gros des Bürger- und Bauerntums umfaßt. Und die Mittelparteien, Sozialdemokratie und Katholiken, haben die Errichtung der Halbdiktatur des Reichskanzlers Brüning widerspruchslos hingenommen und Brüning zwei Jahre lang gestützt.</p>
<p>Man kann sich im Ausland kaum einen Begriff machen, wie tief der Glaube an die Allmacht des Staates in der deutschen Arbeiterschaft sitzt. Infolgedessen blickt alles wie gebannt auf die &#8220;Eroberung der politischen Macht&#8221;. Dies ist selbstverständlich ein denkbar ungünstiger Boden für die anarchosyndikalistische Lehre von der direkten Aktion und der sozialen Revolution. Die Anerkennung des bürgerlichen Staates durch die Sozialdemokratie im November 1918 brachte die Ersetzung des Sozialismus durch die Sozialpolitik mit sich. Tatsächlich gingen die deutschen reformistischen (&#8220;freien&#8221;) Gewerkschaften restlos im sozialen Versicherungswesen, in Tarif-, Schlichtungs- und Arbeitsgerichtssachen auf. Wirkliche Kämpfe wurden so gut wie gar nicht mehr geführt, immer überließ man der staatlichen Schlichtungsbehörde die Entscheidung. Staatlicher und gewerkschaftlicher Apparat verfilzten sich dermaßen, daß eine Trennung fast unmöglich ist. Wenn die reformistischen Gewerkschaften auf diese Weise ein praktisches Monopol in der Vertretung der Arbeiter bekamen, so wurden die revolutionären Verbände völlig entrechtet. Es gehört deshalb heute ein bedeutendes Maß von revolutionärem Bewußtsein dazu, einem revolutionären Verbande anzugehören, um so mehr, als die ungeheure Arbeitslosigkeit den Unternehmern erlaubte, in den Betrieben rücksichtslos mit Revolutionären aufzuräumen. 80 bis 90% der deutschen anarchosyndikalistischen Organisation, der Freien Arbeiter Union Deutschlands, sind arbeitslos, sehr viele seit Jahren,</p>
<p>Zu diesen ungünstigen äußeren Umständen kommen innere Schwächen der deutschen Bewegung, die nicht verschwiegen zu werden brauchen, Erkenntnis ist noch immer der erste Schritt zur Beseitigung von Fehlern gewesen.</p>
<p>In den Revolutionsjahren litt die Bewegung an geistiger Unklarheit. All die vielen revolutionären Arbeiter, die ohne jede Erfahrung und Tradition zur Bewegung stießen, brachten sehr viele unklare Ideen mit, die man noch dazu oftmals gleich in die Praxis umsetzen wollte, was die Bewegung stark geschädigt hat. Insbesondere ist hier die Siedlungsidee und die maßlose Übertreibung des antiautoritären Prinzips zu nennen, was zur Atomisierung führte. 1927 bildete sich sogar eine &#8220;Opposition&#8221;, die freilich nie irgendeine Bedeutung erlangen konnte.</p>
<p>In den Jahren seit 1922 etwa schritt dann die Klärung vorwärts. Die IAA, hat hierzu wesentlich beigetragen durch Übermittlung von ausländischen Erfahrungen. Besonders auf dem letzten Kongreß der FAUD. in Erfurt 1932 gelangte man zur Ausarbeitung einer wirklichen taktischen Linie.</p>
<p>Aber diese äußeren und inneren Widerstände haben den Mut und die Tatkraft unserer Genossen nur gestählt. Wir verfügen auch heute noch in hunderten von deutschen Orten über Kerne von befähigten und opferwilligen Kämpfern, die Tausende und Zehntausende von Zeitungen und Broschüren absetzen, die bei wichtigen Ereignissen Versammlungen abhalten, die auf den Arbeitsnachweisen und in Versammlungen gegnerischer Organisationen ihren Mann stehen. In manchen Industrien, wo unsere Genossen über größeren Einfluß verfügen, treten sie bei Streiks und anderen Kämpfen führend hervor. Die Bewegung ist in der Lage, eine Wochenzeitung &#8220;Der Syndikalist&#8221;, eine alle zwei Wochen erscheinende Arbeitslosenzeitung &#8220;Der Arbeitslose&#8221; und ein theoretisches Monatsorgan &#8220;Die Internationale&#8221; herauszugeben. Ferner ist ihr ein leistungsfähiger Verlag mit reichhaltigem Bücherlager angegliedert und eine Büchergilde, die bereits ein Dutzend Werke freiheitlichen Charakters herausgebracht hat, steht ebenfalls auf unserem Boden. Die Zahl der örtlichen und Berufsorgane ist groß. In letzter Zeit wurde sogar ein solches Blatt für Landarbeiter und Kleinbauern geschaffen. Das nächste Ziel ist, ein Funktionärblatt herauszubringen, um die inneren Fragen der Bewegung behandeln zu können.</p>
<p>Eng mit der FAUD. arbeitet die Jugendorganisation, die Syndikalistisch-anarchistische Jugend, zusammen, die ein gedrucktes, allerdings unregelmäßig erscheinendes Organ herausgibt, &#8220;Junge Anarchisten&#8221;. In neuerer Zeit hat eine starke Tätigkeit zur Schaffung von Kindergruppen eingesetzt. Auf diesem Gebiet sind die Erfolge ziemlich groß, es existiert sogar ein monatlich erscheinendes freiheitliches Kinderblatt &#8220;Proletarisches Kinderland&#8221;. Diese Kinderbewegung berechtigt zu den besten Hoffnungen, wie ja überhaupt die Revolutionierung der Erziehungsmethoden in der Zeit seit 1918 der stärkste Faktor für eine Zersetzung des autoritären Geistes in Deutschland ist. Bemerkenswert ist schließlich noch der bedeutende Einfluß der Anarchosyndikalisten in anderen Arbeiterorganisationen sportlicher oder kultureller Art. Insbesondere ist hier die &#8220;Gemeinschaft proletarischer Freidenker&#8221; zu erwähnen, eine überparteiliche, revolutionär-antikirchliche Organisation mit ca. 15000 Mitgliedern. Selbstverständlich benutzen die Syndikalisten ihren Einfluß nicht, um andere Richtungen an die Wand zu drücken, sondern sie haben die Führung an vielen Orten ganz einfach auf Grund ihrer überwiegenden Arbeit und Aktivität. Ein trübes Kapitel ist leider die Solidaritätsleistung gegenüber Verfolgten, vor allem wegen der Finanznöte. Es sind jedoch Bestrebungen vorhanden, einen besonderen Solidaritätsfonds für derartige Zwecke zu schaffen. Dies wird um so notwendiger sein, als gerade jetzt die Verfolgungen gegen die revolutionäre Bewegung stark zunehmen. Ausnahmegerichte, faschistische Überfälle, Verbote der Zeitungen, Beschlagnahmen, Versammlungsverbote, Verhaftungen und andere Schikanen hageln nur so. Der &#8220;Syndikalist&#8221; wurde innerhalb eines Jahres dreimal verboten, die &#8220;Internationale&#8221; einmal. Viele unserer Genossen sitzen im Gefängnis, mehrere davon sind mit langjährigen Zuchthausstrafen bedroht. Dies zeigt, daß unsere deutsche Organisation, trotz ihrer zahlenmäßigen Schwäche, eine außergewöhnliche Aktivität entwickelt und von der Reaktion danach behandelt wird.</p>
<p>Es ist zu hoffen, daß das deutsche Proletariat die derzeit herrschende Reaktion bald überwindet und daß damit auch die Bahn für eine neue Entwicklung der FAUD. frei wird. Sicher wird das nicht ohne schwere Kämpfe abgehen, in denen die deutschen Anarchosyndikalisten an ihrem Platze zu finden sein werden. Ob sich dies sofort in organisatorischen Erfolgen auswirken wird, wissen wir nicht. Auf jeden Fall aber sind die deutschen Anarchosyndikalisten mit eiserner Entschlossenheit am Werke, ihrer Idee diejenige Stellung im deutschen Proletariat zu schaffen, die ihr gebührt und der IAA. in Deutschland, dem ehemaligen Bollwerk der Wilhelminischen Autorität, eine Sektion zu geben, die des großen Beispiels anderer Länder würdig ist.</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></em></p>
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		<title>FAUD an die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 12:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-245"></span>Artikel übernommen von <a href="http://www.fau-bremen.de.vu/" target="_blank">FAU-IAA &#8211; Lokalföderation Bremen</a></p>
<p><em>Geschäftskommission der Freien Arbeiter- Union Deutschlands (Syndikalisten)<br />
Berlin, den 11. Januar 1921</em></p>
<p><strong>An die Zentrale der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands,</strong><br />
Die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) hat zu dem ihr noch als besonderem Einschreibebrief übermittelten Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion Stellung genommen. Die Antwort ist bereits in dem letzten Absatz unserer auf dem 12. Kongreß, Weihnachten 1919, beschlossenen Prinzipienerklärung abgegeben, welche wörtlich lautet:</p>
<p>„Die Syndikalisten stehen auf dem Boden der direkten Aktion und unterstützen alle Bestrebungen und Kämpfe des Volkes, die mit ihren Zielen – die Abschaffung der Wirtschaftsmonopole und der Gewaltherrschaft des Staates – nicht im Widerspruch stehen. Ihre Aufgabe ist es, die Massen geistig zu erziehen und in dem wirtschaftlichen Kampforganisationen zu vereinigen, um dieselbe durch die direkte wirtschaftliche Aktion, die im sozialen Generalstreik ihren höchsten Ausbruch findet, der Befreiung vom Joche der Lohnsklaverei und des modernen Klassenstaates entgegen zu führen.&#8221;</p>
<p>Die Syndikalisten werden als ehrliche Revolutionäre stets im Sinne dieser Entschließung handeln, wie auch bisher alle revolutionären Aktionen tatkräftig von ihnen unterstützt worden sind. Obgleich die Geschäftskommission der FAUD (Syndikalisten) eine Reihe von Punkten der vorgeschlagenen Grundlage als unzulänglich und ungeeignet zur Erreichung eines Erfolges betrachtet, ist dieselbe doch bereit, den Mitgliedern der FAUD die Unterstützung der gemeinsamen Aktion zu empfehlen, ohne Rücksicht darauf, dass die schon zweimal von ihr vorgeschlagenen Aktionen (Vorbereitung eines Generalstreiks zur Abwehr der Gegenrevolution – Dezember 1919 – Aktion zur Verhinderung von Waffen- und Munitionslieferung an Polen April 1920 -) weder von der Zentrale der KPD noch von anderen Organisationen Unterstützung gefunden haben.</p>
<p>Notwendig ist aber, dass zuvor eine Aussprache aller beteiligten Organisationen stattfindet, in welcher die einheitlichen Forderungen und die taktischen Massnahmen festgestellt werden. Vor allem muss die Geschäftskommission der FAUD verlangen, dass als zunächst wichtigste Kampfziele die Durchführung des Sechsstundentages für alle Arbeitenden und Abschaffung der Accordarbeit aufgestellt werden, da nur hierdurch den Arbeitslosen geholfen werden kann, und weil dadurch gleichzeitig eine Reiche von Forderungen ohne Weiteres am einfachsten verwirklicht wären. Eine zweite prinzipielle Forderung ist die Aufstellung der Parole, von jetzt ab keinerlei Waffen und Munition mehr anzufertigen, da nur so eine Entwaffnung der Reaktion möglich ist. Alle Betriebe, die Waffen, Munition oder irgendwelche Heeressachen herstellen, sind sofort auf landwirtschaftliche Geräte umzustellen.<br />
Vorausgesetzt für die gemeinsame Aktion wäre ferner, dass alle Beteiligten Organisationen als gleichberechtigte Faktoren bei der Aktion mitwirken, da wir Syndikalisten selbstredend nach wie vor jede Unterordnung unter irgend eine politische Partei und jede Diktatur prinzipiell ablehnen.</p>
<p class="vspace"><em>Gez.: Karl Haffner, G. Wiesener</em></p>
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		<title>Geschichte der Freien Arbeiter-Union Deutschlands &#8211; FAUD</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 11:57:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-242"></span>Es war in den Nachwehen der Revolution von 1918, als sich eine heute weitgehend unbekannte Massenbewegung in Deutschland entwickelte. Eine Bewegung, die sich aus einfachen Arbeitern rekrutierte, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Emanzipation, mit denen sie in diese Revolution zogen, an deren Ende vor den Gewehrläufen der Freikorps wiederfanden.</p>
<p>In Abgrenzung zur SPD wie zur KPD wandten sich diese enttäuschten Arbeiter einem eigenständigen Strang der Arbeiterbewegung zu, dessen Wurzeln in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen: Dem Anarchosyndikalismus.</p>
<p>Dieser Ansatz, &#8211; an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in der französischen CGT, der spanischen CNT und der amerikanischen IWW entwickelt &#8211; stand für eine autonome, selbstorganisierte Gewerkschaftsbewegung, die den Satz, daß die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse, beim Wort nahm.</p>
<p>Sie organisierten sich von unten nach oben, lehnten politische Eliten und große Funktionärsapparate ab und setzten auf die direkte Aktion als Methode. Ihre Hoffnung war es, durch einen sozialen Generalstreik den Kapitalismus und den Staat abzuschaffen und die Gesellschaft auf Basis einer gewerkschaftlichen Selbstverwaltung neu zu organisieren.</p>
<p>In Deutschland gründete sich 1919 die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). In ihrem Zenit 1921 waren 150 000 Arbeiter in ihr organisiert. Sie verstand sich sowohl als ökonomische Kampforganisation wie als radikale Kulturbewegung.</p>
<p>Besonders in der großbetrieblichen Arbeiterschaft des Rheinlands konnte die FAUD eine bedeutende Rolle spielen. Ein Indiz dafür, daß die deutschen Anarchosyndikalisten zumindest punktuell eine Bedeutung innehatten, mag auch die Tatsache sein, daß die Rote Ruhr Armee nach heutigen Schätzungen zu 45 % aus Mitgliedern der FAUD bestand.</p>
<p>Allerdings konnte die FAUD sich als kleine sozial-revolutionäre Gewerkschaft nicht behaupten. Bedingt durch externe Faktoren, aber auch durch interne Konflikte sank ihre Mitgliedschaft auf wenige Tausend bis zum Ende der Weimarer Republik. Nur noch in wenigen Berufsgruppen konnte sie zumindest regional noch als Gewerkschaft Einfluß ausüben, wie etwa bei den Fliesenlegern und Klavierbauern.</p>
<p>War die FAUD auch im Laufe der zwanziger Jahre auf einen Kern bewußter Aktivisten, die die Idee eines freiheitlichen Sozialismus mit ihrer gesamten Persönlichkeit verkörperten , zusammengeschrumpft, so entwickelte sie dennoch rege gegenkulturelle Aktivitäten. In ihrem Umfeld wurden Siedlungsexperimente, Genossenschaftsprojekte, Frauenbünde, freie Kindergruppen und freie Schulen initiiert, in der ihr nahestehenden ,Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&#8221; wurden Schriften u.a. über die Freie Liebe, Sexualaufklärung, revolutionäre Dichtung und den Antimilitarismus publiziert. Zudem konnten die Anarchosyndikalisten einen nicht unerheblichen Einfluß auf organisationsübergreifende Verbände der Arbeiterbewegung wie etwa der Freidenkerbewegung ausüben.</p>
<p>Dem herannahenden Faschismus begegnete die FAUD mit der Hoffnung auf eine entschiedene Einheit der Arbeiterschaft von unten. Den Anarchosyndikalisten war bewußt, daß Hitler nicht mit dem Stimmzettel aufzuhalten war. Vergeblich riefen sie zum Generalstreik gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten auf.</p>
<p>Am 9. März 1933 wurden schließlich die Räume der Geschäftskommission der FAUD in der Warschauer Straße 62, Berlin-Friedrichshain, von der Gestapo gestürmt.</p>
<p>Einige Hundert Mitglieder der FAUD gingen in den Widerstand und versuchten die Organisation illegal am Leben zu erhalten.</p>
<p>Im Jahr 1937 gelang es allerdings der Gestapo mehrere hundert Mitglieder der illegalen FAUD festzunehmen. Viele kamen ins KZ. In einem Lagebericht der Gestapo heißt es: &#8220;Bei den Festgenommenen handelt es sich samt und sonders um überzeugte Anhänger der anarcho-syndikalistischen Bewegung, die in ihren Ideen derart verrannt sind, daß sie kaum noch zu brauchbaren Mitgliedern der deutschen Volksgemeinschaft erzogen werden können.&#8221;</p>
<p>Einige waren bereits vorher ins Ausland emigriert, unterstützten den Widerstand von dort aus oder schlossen sich den antifaschistischen Milizen in Spanien an, um dort gegen Franco zu kämpfen.</p>
<p>Ging der Widerstand gegen Hitler vereinzelt noch weiter, so war dies doch das vorläufige Ende der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland. Versuche nach dem Krieg die Bewegung in einer Föderation Freiheitlicher Sozialisten wiederzubeleben, scheiterten nach wenigen Jahren. Die Überlebenden gingen getrennte Wege. Einige schlossen sich der SPD und den neuen Gewerkschaften an, andere sahen in der DDR ein neues Deutschland oder blieben im Ausland.</p>
<p>Erst 1977 wurde in der BRD eine Nachfolgeorganisation, die Freie ArbeiterInnen Union?, gegründet und erst in den letzten Jahren ist ein leichter Aufärtstrend der FAU zu beobachten &#8211; sowohl qualitativ wie quantitativ.</p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.anarchismus.de/" target="_blank">http://www.anarchismus.de/</a></em></p>
<div style="clear:both"></div>]]></content:encoded>
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		<title>Anarchismus in Neuseeland &#8211; 1982</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 15:44:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Anarchismus in Neuseeland kann bis in die jüngste Vergangenheit hinein kaum als eine eigenständige Bewegung bezeichnet werden. Sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht empfing er überwiegend durch europäische Immigranten weitertreibende Impulse, die deutliche Parallelen zum angelsächsischen Anarchismus aufweisen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-208"></span><em>Trafik # 7, Herbst 82</em></p>
<p>Der Anarchismus in Neuseeland kann bis in die jüngste Vergangenheit hinein kaum als eine eigenständige Bewegung bezeichnet werden. Sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht empfing er überwiegend durch europäische Immigranten weitertreibende Impulse, die deutliche Parallelen zum angelsächsischen Anarchismus aufweisen. Der folgende Überblick, dessen Oberflächlichkeit das mangelnde historische Interesse der neuseeländischen Genossen offenbart, lässt zwar viele Fragen offen, vermittelt jedoch einige anschauliche Eindrücke.</p>
<p><strong>1900-1965</strong></p>
<p>Seinen Weg nach Neuseeland fand der Anarchismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst über einige Immigranten« die als Mitglieder der &#8220;lndustrial Workers of the World&#8221; umfangreiche Aktivitäten entfalteten. So war diese unionistische Strömung in den ersten beiden Jahrzehnten die treibende Kraft der militanten Gewerkschaftsbewegung. Der Gründung der ersten IWW &#8211; Gruppe in Christchurch 1908 folgte alsbald die einer in Auckland. Während des Generalstreiks 1912- 13 waren hier besonders Tom Barker und J.B. King aktiv. Von ihrer Wochenzeitschrift &#8220;lndustrial Unionist&#8221; verkauften sie zu dieser Zelt tausende von Exemplaren. Nach der Niederschlagung der Streikbewegung wurden 1913 beide ausgewiesen. Tom Barker starb später in Bigland. J.B. King kehrte nach einigen Jahren aus Sidney zurück, um wieder für die IWW aktiv zu werden. Auf der 1. Mai-Demonstration 1932 sprach er in Wellington zur Verteidigung von Sacco und Vanzetti. Unterstützt wurden die Aktionen der IWW-Gruppen von einigen Anarcho-Syndikalisten. Zwar bestanden schon 1912 in Wellington und in den 30er Jahren in Auckland kleine anarcho-syndikalistische Gruppen, doch erst 1951 zeitigte ihre rege Propaganda unter den neuseeländischen Arbeitern eine gewisse Wirkung. So war Jock Barnes, einer der führenden Syndikalisten dieser Zeit, der Anführer des Waterfront-Streiks.</p>
<p>Wichtige Anregungen empfing die anarchistische Bewegung Neuseelands natürlich auch durch zahlreiche Flüchtlinge, die nach der Niederschlagung des libertären Spaniens hierhin auswanderten. Einer der Aktivsten von ihnen war der deutschstämmige Werner Droscher, . der unentwegt für die freiheitlichen Ideen kämpfte, obwohl er sich selbst stets nur als einen &#8220;einsamen Anarchisten&#8221; bezeichnete.</p>
<p><strong>&#8230;und heute&#8230;</strong></p>
<p>Gegenwärtig zeichnen sich im neuseeländischen Anarchismus vier Hauptströmungen ab:</p>
<ol>
<li> Straßenkultur;</li>
<li>Nicht-ideologische Gemeinschaften;</li>
<li>Protestbewegung;</li>
<li>Anarchos.</li>
</ol>
<p>1. Die Straßenkultur- Gruppen machen insbesonders durch das Sprühen von Graffitis, wie &#8220;Fuck the State&#8221;, durch Demonstrationen vor dem Arbeitsministerium und den Arbeitsämtern, durch Schlägereien mit der Polizei und durch das Hochjubeln von Kneipenbands, wie den Punks &#8220;Desperate Measures&#8221;, auf sich aufmerksam. So hat jetzt in Christchurch eine Gruppe von Geschäftsleuten eine Belohnung von 800 $ für die Überführung von Graffiti &#8211; Sprühern ausgesetzt und zugleich wurde zur Beseitigung der Graffitis ein neuer Job geschaffen. In Auckland stammen die meisten der neuen Graffitis von Leuten der &#8220;Black Uhity&#8221;. Doch im Grunde genommen benennt diese Jugendbewegung nur das, wogegen sie ist &#8211; den Staat, die Arbeit, die Polizei &#8211; und hat nur begrenzte Vorstellungen von dem, wofür sie ist; ohne jeden Bezug zu lokalen anarchistischen Traditionen. Interessant ist noch, dass das a im Kreis ein sehr beliebtes Symbol des Widerstandes in den Schulen ist.</p>
<p>2. Die Solidaritätsgruppen haben ihre Wurzeln in der Hippy- Philosophie der frühen 70er Jahre. An vielen Orten arbeiten ländliche Gemeinschaften als Zusammenschlüsse von Kleinbauern und Handwerkern, die miteinander Handel treiben und Dope anbauen. In den Städten bestehen einige Kooperativen, wie in Christchurch &#8220;The Whanau Trust&#8221;, die zwei Geschäfte, Gärtnereien und Werkstätten betreibt.</p>
<p>3. Die Protestbewegung richtet sich vor allem gegen die Gefahr eines Atomkrieges und setzt sich für die Rechte der Eingeborenen Maoris ein. Zwar kommen hier antiautoritäre Ideen zum Ausdruck, doch zumeist werden sie überlagert von Fühhrungsansprüchen, leninistischen Ideen und separatistischen Tendenzen in vielen Aktionen. Im Gegensatz zu den weißen patriarchalischen Kommunisten, die in Wellington vorherrschend sind, bestimmen in Auckland die autonomen militanten Schwarzen und Frauen diese Aktionen. Hier stehen gegenwärtig die schwarzen nationalistischen Frauen in der vordersten Reihe der antirassistischen Bewegung. In allen vier großen Städten gibt es Frauenbuchläden und &#8220;Brickbumers&#8221; anarchistische und feministische Broschüren verkaufen sich sehr gut.</p>
<p>4. Anarchos sind jene Leute, die sich selbst als Anarchisten bezeichnen. In Auckland widmen sich einige musikalischen Aktivitäten. &#8220;lancaster Publishing&#8221; bringt Gedichte und. Kassetten heraus. Hier lebt auch Wayne Times, der Autor von &#8220;Don&#8217;t Pay Taxes&#8221; und &#8220;How to Survive in Suburbia&#8221;. In Anbetracht des Umfangs an Aktivitäten von Schwarzen und Frauen in der größten Metropole Neuseelands ließe sich eigentlich ein Aufblühen der anarchistischen Bewegung erwarten, doch dem ist nicht so. Seit seiner Blütezeit Mitte der 70er Jahre hat sich der Anarchismus aus Auckland fast völlig verflüchtigt und die meisten Aktivisten wanderten nach Australien und London aus. Aber es bestehen gute Aussichten auf ein baldiges Wiedererwachen.</p>
<p>In Wellington beschäftigt sich eine junge, punk-orientierte Gruppe mit Straßenkultur Aktivitäten, Filmemachen und Anti-Atom-Aktionen. Von dort kommen auch die Zeitschriften &#8220;Fascism &amp; Boredom&#8221; und &#8220;Black out &#8220;. Nicht selten sind diese Aktiven die Opfer von Ausschreitungen der Polizei. Ältere, politisch aktive, Leute scheinen hingegen stärker von führerschaftlichen Tendenzen beeinflusst zu sein, so dass sie ihre Aktivitäten eher auf das Parlament und die Gemeindebehörden ausrichten. In Christchurch, das liebevoll auch Smogland genannt wird, wurde kürzlich ein Druckladen mit einer A-3-Offset-Maschine,einem Layout- und Filmstudio, einer Dunkelkammer und Werkstatt eröffnet. Hier werden eine Buchreihe, die &#8220;Blackmail&#8221;, Plakate und die lokalen &#8220;South-East-News&#8221; gedruckt. Trotz unregelmäßiger Treffen bestehen unter den Genossen enge Kontakte. Die Verschiedenartigkeit der mitarbeitenden Persönlichkeiten lasst viele neue Ideen und Energien einfließen, die sich alle im Spektrum der anarcho-kommunistischen Ideologie bewegen. Ihre Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf lokale Erscheinungen und Ereignisse. Der Kontakt zu überseeischen Gruppen und auch die Beschaffung und Verbreitung von Literatur sind gut organisiert.</p>
<p>Während zwar einerseits die Zahl der sich &#8211; selbst &#8211; erklärten Anarchisten in Neuseeland ziemlich gering und exklusiv ist, bestehen andererseits doch gute Voraussetzungen für zukünftige Aktivitäten. Eine anhaltende Unzufriedenheit mit der Regierung und der Wirtschaft ist weitverbreitet, und die verschiedensten Proteste und Streiks während des vergangenen . Jahrzehnts vermochten eine Kampftradition mit vielen antiautoritären Momenten zu begründen.</p>
<p><em><strong>&#8221;Tu Kana te manu kia rere Christchurch, New Zealand&#8221; </strong></em></p>
<div style="clear:both"></div>]]></content:encoded>
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		<title>Anarchismus in Deutschland 1945-1960</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 15:21:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wer weiss heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-194"></span><em>Buchbesprechung: Hans Jürgen Degen: „ Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten. Verlag Klemm &amp; Oelschläger. 20 Euro, ISBN 3-932577-37-X</em></p>
<p>Wer weiss heute über den deutschen Nachkriegs-Anarchismus und vor allem den Anarcho-Syndikalismus nach 1945, seine Aktivitäten und TrägerInnen bescheid? Wenige, das ist sicher. Hans-Jürgen Degen hat sich mit seinem Buch „Anarchismus in Deutschland 1945 – 1960“ die Aufgabe gestellt, Licht in die Dunkelheit zu bringen und eine Wissenslücke zu schließen. Auf 440 Seiten legt er die Entwicklungsgeschichte der „Föderation Freiheitlicher Sozialisten“ (FFS) dar, die in der Kontinuität der durch die Nationalsozialisten verbotenen und zerschlagenen „Freien Arbeiter Union Deutschlands“ (FAUD) steht.</p>
<p>Sinnvoll aufgeteilt in 18 Kapitel nimmt er sich der FFS und &#8211; in geringerem Umfang &#8211; anderer anarchistischer und anarcho-syndikalistischer Gruppen an, beschreibt die Schwerpunkte der Arbeit, die „ideologischen“ Grundlagen und das Verhältnis zwischen den verschiedenen libertären Gruppen. Er zeigt die internationale Solidarität für die deutsche libertäre Bewegung, beschreibt die Arbeit der FFS-GenossInnen in „Fremdorganisationen“ wie Parteien und Gewerkschaften und analysiert, weshalb die FFS – trotz Verlag, Zeitschrift und Jugendorganisation &#8211; nie zu einem Masseneinfluss gelangte und schließlich scheiterte. In vier Exkursen nimmt er sich noch einmal spezieller Themenstellungen an. Zweimal mit Bezug auf den – auch nach 1945 – in Deutschland einflussreichen anarcho-syndikalistischen Theoretiker Rudolf Rocker, der sich zum Revisionisten entwickelte und zum dritten mit einer viel Beachtung verdienenden Abhandlung zur Situation der AnarchosyndikalistInnen und Libertären in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR. Den vierten Exkurs bildet ein Beitrag zum österreichischen Anarchisten Peter Brandt, seiner Broschüre „Wege zur Freiheit“ und dessen Analysen der Situation in Nachkriegsdeutschland, die ebenfalls viel kritische Beachtung verdienen.</p>
<p>Degen hat über viele Jahre eine Menge an Informationen zusammentragen können. Dabei zitiert er für „Anarchismus in Deutschland“ maßgeblich aus dem Schriftverkehr zwischen den GenossInnen und aus offiziellen Verlautbarungen, z.B. in Zeitschriften und internen Rundschreiben. An einigen Stellen revidiert Degen so die Aussagen von Günter Bartsch, der seit den 70er Jahren immer wieder auch über den Nachkriegsanarchismus und die FFS schrieb.</p>
<p><strong>Die Situation in Nachkriegsdeutschland und die Gründung der FFS</strong></p>
<p>Degen beschreibt die Situation in Nachkriegsdeutschland nachdrücklich. Er lässt die GenossInnen zu Wort kommen, die schon kurz nach dem Ende des Krieges die Kontinuität der Wirtschaftsbosse und Altnazis an der Macht scharf analysierten. Und er beschreibt die Lebensrealität der arbeitenden Klasse: Zerbombte Städte, Hunger, Obdachlosigkeit, geflohene und vertriebene Menschen, Erwerbslosigkeit.</p>
<p>„Dem weitverbreiteten apathisch-resignativen Element in der Nachkriegsgesellschaft verfielen auch die meisten Anarchisten/Anarchosyndikalisten: Sie entzogen sich nicht den Bedürfnissen nach „Ruhe“, „Sehnsucht nach Wohlstand“, gesellschaftlicher „Anerkennung“ – was nicht implizierte, damit auch gleichzeitig den Wunsch nach „Veränderung“ aufzugeben. Dieses psychische Dilemma hinter sich zu lassen, gelang nur einem Bruchteil von ihnen. Eine Reorganisation des deutschen Anarchismus bedeutete in dieser Situation primär Selbstorganisation auf der Mikroebene: Keinerlei organisatorische Struktur hatte das 3.Reich überlebt&#8230;.Hinzu kam die durch KZ-Haft oft so stark angeschlagene Gesundheit, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von ihnen die Hungerjahre 1945– 1948 nicht überlebte.“ (S.34)</p>
<p>Unterstützung erhielten die deutschen Genossinnen und Genossen aus der internationalen anarcho-syndikalistischen Bewegung. U.a. auf Initiative des ehem. FAUD-Aktivisten und Spanienkämpfers Helmut Rüdiger (Schweden) und Rudolf Rocker (USA), organisierten vor allem die schwedische SAC und jüdische ArbeiterInnen in den USA Hilfslieferungen für über 200 deutsche GenossInnen. Hilfe kam ebenfalls von der „Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Sozialisten“ in Basel, der französischen FAF und einigen anderen anarchistischen Hilfskomitees, sowie der Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) – der anarcho-syndikalistischen Internationale. Diese berichtete seit 1945 über die Situation in Deutschland und rief zur Solidarität auf. Im Mai 1948 beschloss dann der 2.FFS-Kongress auf diese Hilfslieferungen zu verzichten um sie stattdessen den „spanischen Genossen“ zugute kommen zu lassen, die der Franco-Diktatur ausgesetzt waren.</p>
<p>1945 – das belegt Degen sehr anschaulich – entstanden die ersten anarcho-syndikalistischen Gruppen in Deutschland. Oftmals reine Diskussionszirkel versuchten sie mit Gleichgesinnten in anderen Städten und Regionen in Kontakt zu treten. Ein Großteil von ihnen wollte und konnte durch die gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr dort weitermachen, wo sie mit ihrer Arbeit 1933 durch die Nazis gezwungen wurden aufzuhören. Sie regten Diskussionen über die Neubestimmung libertärer und anarcho-syndikalistischer Positionen an, in denen der (europäische) Föderalismus und die freie Entfaltung der Persönlichkeit einen hohen Stellenwert besaßen. Ausgehend von Gretel und Alfred Leinau in Darmstadt kam es ab 1945 zu einer Reihe von Treffen, auf denen über die Gründung einer freiheitlich-sozialistischen Organisation beraten wurde. Diese wurde dann Pfingsten 1947 in Darmstadt als Föderation Freiheitlicher Sozialisten (FFS) gegründet. Vertreten waren „ca.30 Delegierte aus fünfzehn Orten in ganz Westdeutschland“ (S.60). Von Anfang an beteiligte sich der Berliner Fritz Linow, ehemaliges Mitglied der Geschäftskommission der FAUD am Aufbau und der inhaltlichen Ausrichtung der neuen Organisation. Linow, der mit Rocker und Rüdiger in der Neudefinition eines freiheitlichen Sozialismus konform ging, wurde zu einer dominanten Person in der FFS. Er bestimmte durch seine Redaktionsarbeit in der FFS-Zeitschrift „Die freie Gesellschaft“ das Erscheinungsbild, das von kulturellen und theoretischen Beiträgen geprägt war und dem erklärten Anspruch der Zeitschrift, auch neue Mitglieder zu gewinnen, nicht gerecht wurde. Die Zeitschrift wurde zur fast ausschließlichen Arbeitsaufgabe für die Gesamt-Organisation und offenbar von den FFS-Mitgliedern nicht geliebt, da sie ein fast rein akademisch – intellektuelles Spektrum bediente, das mit der Lebensrealität der allermeisten FFSlerInnen nicht viel gemein hatte.</p>
<p>Der Wuppertaler Fritz Benner schrieb über diesen Zustand:“&#8230;man kann mit ihr keine Bewegung aufbauen. Die Genossen werden es leid, alles nur für die Zeitschrift zu opfern, keine Versammlungen, nichts. Eine Bewegung kann man nur schaffen, wenn man sich an die materiellen Interessen wendet. Die Genossen im Ruhrgebiet wollen &#8230; werben. Sie halten die Zeitschrift dafür nicht geeignet.“ (S.323 ff.) Da es, mit Ausnahme der Drucklegung, Werbung und des offensiven Verkaufs der Informationsbroschüre „Der Leidensweg von Zensl Mühsam“, die vor den Nazis in die Sowjetunion flüchtete und dort in ein Konzentrationslager gebracht wurde, zu keiner gemeinsamen Kampagnenarbeit der FFS kam, war der Stellenwert ihrer Zeitschrift für die Wahrnehmbarkeit der Organisation sehr hoch.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt bei den Beratungen an Pfingsten 1947 war die Zulassung der FFS als legale Organisation. Diese „Lizenzierung“ wurde von den alliierten Besatzungsmächten vorgenommen und der FFS – in allen Besatzungszonen &#8211; beständig verweigert. Die Mitgliederstärke der FFS soll nach Degen 1948 zwischen 350 und 400 Mitgliedern gelegen haben, wovon allein in Berlin mit 80 und in Köln mit 113 Mitgliedern lokale Hochburgen bestanden. Weitere größere Gruppen bestanden in München, Hamburg, Ludwigshafen, Mannheim und Wuppertal.</p>
<p>Im weiteren führt Degen die internen Diskussionen zur inhaltliche Bestimmung der FFS aus, die durchaus kontrovers verliefen, an deren Ende sich aber die Mehrheit für die revisionistischen Positionen – die auch von Rocker aufgegriffen wurden– aussprach. So lehnte die FFS den Parlamentarismus zwar immer noch als undemokratisch ab, schuf ihren Mitgliedern aber die Möglichkeit der Teilnahme an Wahlen auf kommunaler Ebene, um der geführten Diskussion um einen „Gemeinde-Sozialismus“ Rechnung zu tragen. Einige FFS´ler kandidierten auf kommunaler Ebene und erzielten beachtenswerte Wahlerfolge wie Karl Dingler in Göppingen und Karl Preiss in Ulm.</p>
<p>Ein Teil der FFS-Mitglieder übernahm Funktionen in Gewerkschaften des DGB und wurden Betriebsräte bei gleichzeitiger massiver Kritik an ihnen. Die Gründung einer eigenständigen syndikalistischen Gewerkschaft wurde zwar immer wieder vorgebracht, aufgrund der Einschätzung das ihre Verwirklichung momentan unrealistisch sei, aber immer wieder verworfen. Ein Aufruf des in der Erwerbslosenbewegung aktiven Theodor Bennek aus Hildesheim im März 1951 zur „Wiedergründung der FAUD“ stieß u.a. deswegen auf breite Ablehnung. (S. 335 ff.)</p>
<p>Leider finden sich keine evt. Positionen zur „Freien Sozialistischen Gewerkschaft“ (FSG) im Buch, die sich 1947 in Hamburg als politische Richtungsgewerkschaft formierte, nach 1 ½ Monaten aber schon von der britischen Besatzungsmacht verboten wurde.</p>
<p><strong>Reorganisation, Verfolgung und Ermordung von AnarchosyndikalistInnen in der SBZ und der DDR</strong></p>
<p>Ein großes Plus an Degens Buch ist die bisher am gründlichsten recherchierte Beschreibung und Veröffentlichung zur Situation der Libertären in der SBZ und der DDR. In seinem Exkurs dazu beschreibt er die politischen Bedingungen die eine offene Betätigung durch die Kommunisten unmöglich machte. Er definiert „3 Tendenzen libertären Verhaltens“. „Erstens diejenigen Libertären, die versuchten, sich relativ offen wieder zu organisieren und sich damit auch offen gegen das kommunistische Regime stellten; zweitens die Libertären, die mit dem kommunistischen System zwar paktierten, aber versuchten, hier Libertäres einzubringen; drittens arrangierte und identifizierte sich ein vermutlich kleiner Teil der Libertären völlig mit dem Regime“. (S.182)</p>
<p>Zu den wenigen bekannten Köpfen des Wiederaufbaus der anarcho-syndikalistischen Bewegung in der SBZ und späteren DDR gehört der Illmenauer Fritz Heller, der für seine Tätigkeit 1968 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, wovon er 5 ¼ Jahre im KZ Bautzen verbringen musste, bevor er es schaffte nach Frankfurt/M. zu gelangen. Der Metallarbeiter Willi Jelinek aus Zwickau richtete eine Informationsstelle ein, von der aus über Rundschreiben Kontakte hergestellt wurden. „In Sachsen sollen sich daraufhin fünf oder sechs Gruppen gebildet haben.“ (S.183) In Dresden war der Anarchosyndikalist Walter Reede aktiv und der Ostberliner Rudolf Ludwig war Verbindungsmann der FSS in den Westen.</p>
<p>1948 tagte in Leipzig eine „Konferenz der libertären Bewegung“, deren Durchführung von einem Spitzel verraten wurde und die Verhaftung aller TeilnehmerInnen zur Folge hatte.1949 kam es zu zwei Verhaftungswellen gegen AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen durch das kommunistische Regime. Anfang 1949 wurden über 100 GenossInnen verhaftet und im September über 170 „vornehmlich der vor 1933 existierenden Gruppen Kommunistische Arbeiterpartei und Syndikalisten &#8230; verhaftet. Die Opfer der SED-Justiz wurden oft zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Viele von ihnen inhaftierte man in den ehem. Nazi-KZ´s und in Bautzen. „Bewacher“ waren meist „Russen, größtenteils aber deutsche Volkspolizei, die sich nur in der Uniform von Hitlers SS unterscheidet.“ (S.193). Und Anfang 1950 saßen „dreißig freiheitliche Sozialisten .. seit weit einem Jahr wieder im KZ Oranienburg-Sachsenhausen“. (S.194). In Bautzen wurde der Anarchosyndikalist Willi Jelinek ermordet.</p>
<p>Die Reaktion der westdeutschen GenossInnen war die Bildung von Unterstützungsgruppen für die Verfolgten und die Information der Öffentlichkeit über das totalitäre Vorgehen der Kommunisten im Osten. In Publikationen und Diskussionen wurde die Gleichartigkeit der Struktur von Nationalsozialismus und Bolschewismus analysiert und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) (heute VVN-BdA) scharf angegriffen, da sie die Existenz von KZ´s in der SBZ/DDR und die Verfolgung freiheitlicher Sozialisten leugnete. Der Berliner Otto Reimers formulierte dies in einem Beitrag in der „Freien Gesellschaft“: „&#8230;wurdet ihr VVN-Kameraden nicht auch einst in die Hitler KZ´s als Staatsfeinde eingewiesen? Wir Sozialisten wissen dass sich in den Ostzonen KZ´s heute Sozialisten befinden, die auch unter Hitler im KZ schmachteten und ihr (VVN) schweigt dazu.“ (S.194)</p>
<p>In einer Resolution des 2. FFS-Kongresses 1948 in Nieder-Berbach/Mordach formulierten die GenossInnen als Grundkonsens: “gegen jede Art autoritärer Bevormundung, gegen die bürokratische und zentralistische Entartung der Demokratie, gegen den Faschismus und insbesondere gegen den totalen Staat in Gestalt des als Diktatur des Proletariats verschleierten roten Faschismus und der sogenannten Volksdemokratien &#8230; Die FFS (Deutschlands) bekennt sich zur Sache des Friedens und der Völkerverständigung &#8230; sie ist vor allem entschlossen, das weitere Vordringen des bolschewistischen Totalitarismus in Europa verhindern zu helfen.“ (S.331)</p>
<p><strong>Die Internationale Arbeiter Assoziation</strong></p>
<p>In einem weiteren Beitrag geht Degen auf die Beziehungen zwischen der FFS und der IAA ein, welcher die FFS 1948 – als Nachfolgerin der FAUD beigetreten war, und stellt die interne Entwicklung der IAA, ihre inhaltlichen Differenzen und schließlich den Austritt einiger ihrer Sektionen in den 50er Jahren anschaulich dar. Ein Beitrag der auch abseits der Konzentration auf die FFS Aufmerksamkeit verdient, da die Informationen über dieIAA und ihre Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg gerade in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Delegierte für die FFS auf internationaler Ebene waren u.a. Helmut Rüdiger und der 1966 aus dem mexikanischen Exil nach München zurückgekehrte Augustin Souchy.</p>
<p>Den Abschluss der 18 Kapitel bildet der Beitrag „Das Ende der FFS. Nachwehen und Ausläufer“ (S.400 ff.). Ein offizielle Auflösung der FFS hat nie stattgefunden, berichtet Degen, und gibt Einblick in die Stimmung der FFS. „Die FFS Protagonisten waren ausgebrannt“ (S.403) und führt dies auf die „ausgebliebene Resonanz in der Nachkriegsgesellschaft“ zurück, die nach A. Klönne „einen hohen Grad von Geschichtsverlust aufwiese“ den dieser auf den Nationalsozialismus zurückführte. „Nicht nur Verbot, Verfolgung der Organisationen der Arbeiterbewegung, sondern der NS-Staat war auch darauf aus, jeder Erinnerung an den Prozeß der Emanzipation und Selbstorganisation der Arbeiterschaft aus dem historischen Bewusstsein zu löschen.“ (S.404) Weiterhin – so Degen – hätte sich der „im Westen Deutschlands konstituierende `Wohlstandsstaat` erosiv auf die freiheitlichen Sozialisten ausgewirkt. Denn die sozialistische Alternativ, die die FFS aufzeigte, konnte nicht attraktiv gegenüber dem sich Anfang der 50er herausbildenden „Sozialstaat“ wirken. Und dessen Integrationskraft hatten die freiheitlichen Sozialisten keine machtpolitische Alternativen entgegen zu setzen. Auch die „revisionistische“ Form des freiheitlichen Sozialismus konnte hier nichts ausrichten.“ (S.405) Nach diesen Ausführungen folgt der Blick auf den weiteren Werdegang einiger Aktiver und ganzer Gruppen, wobei u.a. die FFS in München bis in die 70er Jahre aktiv blieb.</p>
<p>Abgerundet wird dieses Buch mit einer Auswahl von Kurzbiographien einzelner FFS´lerInnen , einem (unvollständigen) Verzeichnis der Ortsföderationen und ihrer Mitglieder und einem Personenregister. Zu diesem Buch gäbe es noch eine Menge zu sagen und ich bin Sicher dass die Informationen aus ihm viel Stoff für weitere Untersuchungen und politische und soziale Analysen, sowie für die anarcho-syndikalistische Spurensuche nach sich ziehen wird. Es ist eine umfassende Fundgrube. Kritisch anzumerken bleibt, das Degen von „überkommenen anarcho-syndikalistischen Positionen“ spricht ohne diese Aussage näher zu erklären (S. 201).</p>
<p>Alles in allem: Ein hochspannendes, historisches und gleichzeitig aktuelles, empfehlenswertes Buch für alle an einer freiheitlich sozialistischen Zukunft Interessierten.</p>
<p><em><strong>Martin Veith</strong></em></p>
<p><em>Aus: Direkte Aktion Nr. 153 </em></p>
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		<title>Wie kann eine anarchistische Wirtschaft aussehen?</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 18:05:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[A-Ideen & Möglichkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[AnarchistInnen lehnen sowohl den gegenwärtigen Kapitalismus, als auch den Staatskommunismus ab, da in diesen Systemen stets Menschen unterdrückt werden. Zu allen Zeiten wurden deshalb Alternativen entwickelt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-170"></span>AnarchistInnen lehnen sowohl den gegenwärtigen Kapitalismus, als auch den Staatskommunismus ab, da in diesen Systemen stets Menschen unterdrückt werden. Zu allen Zeiten wurden deshalb Alternativen entwickelt. Grundsatz aller anarchistischen Wirtschaftsformen sind: SELBSTBESTIMMUNG und HERRSCHAFTSFREIHEIT.</p>
<p><strong>Was gibt es also konkret für Alternativen?</strong></p>
<p>Der <strong>FREIHEITLICHE SOZIALISMUS</strong> strebt eine Wirtschaft an, in der Waren ohne Geld produziert und verteilt werden. Kollektive sollen die Verteilung der Arbeit gemeinschaftlich regeln. „Jeder nach seinen Fähigkeiten &#8211; jedem nach seinen Bedürfnissen.“ ist einer seiner Grundsätze.</p>
<p>Eine ganz praktische Umsetzung ist der <strong>ANARCHOSYNDIKALISMUS</strong>. ArbeiterInnen organisieren sich in „Syndikaten“ (Basisgewerkschaften), die die Betriebe übernehmen sollen, um Arbeit gemeinschaftlich und selbstorganisiert zu verrichten. [mehr zum Syndikalismus: --&gt; <a href="http://www.fau.org" target="_blank">http://www.fau.org</a> ]</p>
<p>Verschiedenste Richtungen des libertären Sozialismus gab und gibt es, die auf verschiedene Weise die Ideale praktisch umsetzen: Kommunebewegung, Einkaufsgemeinschaften&#8230; [siehe auch: --&gt; <a href="http://www.contraste.org/" target="_blank">http://www.contraste.org</a> ] [zu einzelnen Projekten später mehr im Projektebereich von anarchismus.net]</p>
<p>Die <strong>FREIWIRTSCHAFT</strong> strebt eine nichtkapitalistische Marktwirtschaft an. In ihr wird Boden gemeinschaftlich verwaltet. Ein umlaufgesichertes Geld verhindert Wirtschaftskrisen und Gewinne aus Kapitaleigentum. [mehr zur Freiwirtschaft: --&gt; <a href="http://www.geldreform.net" target="_blank">http://www.geldreform.net</a> ]</p>
<p>Daneben gab und gibt es verschiedene kleinere Bewegungen, wie den sogenannten Primitivismus. Er strebt eine ‚Rückkehr zur Natur’ in eine bäuerliche Selbstversorgung an.</p>
<p>Der <strong>ANARCHOKAPITALISMUS</strong> soll hierbei nicht verschwiegen werden, obwohl er bei vielen AnarchistInnenn auf Widerspruch stößt. VertreterInnen dieser Richtung meinen, daß die negativen Seiten des Kapitalismus vor allem vom Staat verursacht werden &#8211; deshalb mit seiner Abschaffung auch diese verschwinden würden. [--&gt; <a href="http://www.eifrei.de" target="_blank">http://www.eifrei.de</a> ]</p>
<p>Eine anarchistische Wirtschaft wird aus einem Nebeneinander verschiedenster Wirtschaftsformen bestehen.</p>
<p><strong>JedeR kann die Wirtschaftsform, in der er/sie leben will, frei wählen.</strong></p>
<p><em>Quelle: <a href="http://www.anarchismus.net/FAQ/anaWirtschaft/anawirtschaft.html " target="_blank">http://www.anarchismus.net/FAQ/anaWirtschaft/anawirtschaft.html </a></em></p>
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		<title>CNT (Confederación National del Trabajo)</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 16:10:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die erste und wichtigste Strömung der spanischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war der Anarchismus. Dessen organisatorische Anfänge reichen in das Jahr 1868 zurück]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-164"></span><strong>Nationaler Bund der Arbeit</strong></p>
<p>Die erste und wichtigste Strömung der spanischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war der Anarchismus. Dessen organisatorische Anfänge reichen in das Jahr 1868 zurück, als der Italiener Giuseppe Fanelli (als Gesandter Michael Bakunins) in Spanien eintraf und die schon in den 1840er Jahren in Katalonien gegründeten Arbeitervereine, die sich zu den sozialistischen Ideen antistaatlicher Tendenz, zur direkten Aktion als Kampfwaffe und zum Föderalismus im Sinne des von Pierre Joseph Proudhon beeinflussten Pi y Margall bekannten und Konsum- und Produktivgenossenschaften proudhonistischer Richtung gegründet hatten, mit der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) in Verbindung brachte. Bereits 1869 wurde in Madrid die „Regionale Spanische Arbeiterföderation&#8221; (Federación Obrera Regional Español) gegründet, die sich ein Jahr später der Ersten Internationale anschloss. l870 fand in Barcelona der erste spanische Arbeiterkongress statt, auf dem das Programm der Jura-Föderation &#8211; „in der Politik anarchistisch, in der Wirtschaft kollektivistisch, in der Religion atheistisch&#8221;- angenommen wurde. Die spanische Sektion der Internationale und somit die ganze „antiautoritäre&#8221; Bewegung der Internationalisten sprach breite Arbeiterschichten an und beeinflusste bis 1939 die gesamte nationale Arbeiterbewegung. Vor allem die Angaben Max Nettlaus über die Entwicklung und organisatorische Situation der spanischen Internationale in den 1870er und l880er Jahren belegen die konsequente Entwicklung des spanischen Anarchismus.</p>
<p>Von 1874 bis I881 war die Internationale in Spanien verboten; nach ihrer Wiederzulassung durch die liberale Regierung Sagasta (1881) wurde die weitere Entwicklung des spanischen Anarchismus durch die vehementen Tendenzkämpfe zwischen den syndikalistisch organisierten Arbeitern Kataloniens, die den Bakuninschen Anarcho-Kollektivismus und seine Mittel (Massenbewegung, Generalstreik, Kollektivierung der Produktionsmittel, Entlohnung nach der Leistung) bevorzugten, und den andalusischen Befürwortern eines Anarcho-Kommunismus Kropotkinscher Prägung (autonome Gruppen, individuell-revolutionäre Tat, Terrorismus, Geheimgesellschaften, kein Privatbesitz an Konsumgütern, Entlohnung nach den Bedürfnissen) bestimmt. Die Auseinandersetzung zwischen kollektivistischen Anarchisten und aufständischen Anarcho-Kommunisten endete Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Kompromiss, der den Bakunismus als Grundlage des Klassenkampfes und der Arbeiterorganisation und den „freiheitlichen Kommunismus&#8221; als Endziel im revolutionären Syndikalismus vereinigte. Dieser folgte der anarchistischen Tradition insofern, als er der „spontanen“ Bewegung der Masse vertraute und in jeder„autoritären&#8221; Organisation ein Hindernis für die Entwicklung eines revolutionären Bewusstseins sah.</p>
<p>Die Richtungskämpfe zwischen verschiedenen Flügeln blieben im organisierten Anarchismus auch nach der 1910 erfolgten Gründung des revolutionär-syndikalistischen „Nationalen Bundes der Arbeit&#8221; (CNT) bestehen. Die CNT blieb bei der den Anarchismus charakterisierenden konsequenten Ablehnung der partei- und verbandsförmigen Einflussnahme auf politische Willensbildung und Entscheidungsprozesse. Sie übernahm vom Anarchismus die Lehre, dass die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse. Das Programm der CNT war allerdings weder ein bloßes Wiedererstehen des Bakunismus noch lediglich eine Übernahme des revolutionären französischen Syndikalismus. Die Philosophie des täglichen Lebenskampfes, der „direkten Aktion&#8221; (Streik, Boykott, Sabotage), trat neben die Auffassung vom Endkampf und bewaffneten Aufstand. Ein Generalstreik hatte stets revolutionären, niemals nur reformistisch-ökonomischen Charakter.</p>
<p>Der Kurs der CNT schwankte nach 1910 zwischen dem Dogmatismus der extremistischen Fraktion und dem Pragmatismus einer gemäßigten Linie um Salvador Seguí und Angel Pestaña. Ausdruck der tastenden Unsicherheit des Anarchosyndikalismus waren sowohl der Pakt mit der sozialistischen UGT (1917) als auch der vorübergehende Eintritt (1920/22) in die Komintern bei gleichzeitigem Festhalten an den von Bakunin entworfenen Prinzipien. Ende 1922 trat die CNT der IAA bei. deren explizites Ziel es war, den Klassenkampf zu verschärfen, gegen ein Übergreifen politischer Parteien auf die Gewerkschaften anzukämpfen, schließlich den Kapitalismus und den Staat zu zerstören. 1923 löste sich die CNT formal auf, um einer Zwangsauflösung durch Primo de Rivera zuvorzukommen. Da sich innerhalb der im Untergrund operierenden CNT in den folgenden Jahren die „reformistische&#8221; Strömung durchzusetzen begann, die zum Sturz des Diktators eine Zusammenarbeit mit republikanischen Parteien befürwortete, wurde 1927 auf einem illegalen Kongress in Valencia die Federación Anarquista Ibérica (Iberische Anarchistische Föderation. FAI) als Geheimorganisation gegründet, die ihre Aufgabe darin sah, über die Reinerhaltung der Lehre Bakunins zu wachen und zu verhindern, dass sich die Arbeiter dem Reformismus und der Kooperation mit politischen Parteien oder dem sowjetischen Kommunismus und der Lehre von der Diktatur des Proletariats zuwendeten. Die verschiedenen Tendenzen innerhalb der CNT führten zu Beginn der Zweiten Republik zur Spaltung der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft. 1931 verkündete die rein syndikalistische Richtung ein „Manifest der Dreißig“ (Manifiesto de los treinta) genanntes Programm &#8211; deren Anhänger daraufhin treintistas genannt wurden -, das sich gegen die angeblich drohende Vorherrschaft der minoritären FAI in der Gewerkschaftsbewegung auflehnte und die Unabhängigkeit des Syndikalismus und seinen Anspruch, sich selbst zu genügen, bestärkte. Eine Anzahl von Einzelsyndikaten, die einen gewissen Grad an Mitarbeit in der gegebenen Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung vertrat, verließ unter der Führung von A. Pestaña die Dachorganisation CNT und gründete „Oppositionssyndikate&#8221;. Wenn auch diese Gewerkschaften am Vorabend des Bürgerkrieges in die CNT zurückkehrten, blieb im Anarchosyndikalismus eine gemäßigte Richtung bestehen, die während des Bürgerkrieges erheblichen Einfluss gewinnen und die Entwicklung der CNT bis 1939 und danach wesentlich mitbestimmen sollte.</p>
<p>Während des Spanischen Bürgerkrieges erlebte die CNT mit über 2 Millionen Mitgliedern den Höhepunkt ihrer Geschichte. In jenen Jahren wurde auch der z. T. erfolgreiche Versuch einer Sozialen Revolution in dem republikanisch gebliebenen Territorium unternommen. Der Bürgerkrieg bedeutete jedoch für die CNT auch das Scheitern des Anarchosyndikalismus in der politischen Arena, vor allem in der innerrepublikanischen Auseinandersetzung mit den Parteien der Volksfront. Zu den erbittersten Gegnern entwickelten sich die Kommunisten der stalinistischen Kommunistischen Partei (Partido Comunista de España). Im Bürgerkrieg traten die Anarchisten von CNT und FAI sowohl in die Regierung der Republik (Kabinette Francisco Largo Caballero und Juan Negrín) als auch in die katalanische Regionalregierung ein: Als den anarchistischen Führern nach der Niederschlagung rebellierender Truppenteile in einigen Gegenden Spaniens klar geworden war, dass die vollständige Durchführung ihres programmatischen Vorentwurfs einer anarchistischen Diktatur gleichkommen würde, entschlossen sie sich &#8211; unter Missachtung ihrer Ideologie und jahrzehntelangen antistaatlichen Praxis &#8211; zur Zusammenarbeit mit Regierung und Staat. Sie verzichteten auf das Kampfziel der libertären Bewegung: der Zerschlagung des Staates, schufen dafür revolutionäre Machtorgane (Komitees), die auf lokaler und regionaler Ebene in Konkurrenz zur Zentral- und Regionalregierung traten, arbeiteten mit politischen Parteien zusammen und übernahmen, seit sie selbst in der Regierung saßen, deutlich wahrnehmbar gouvermentale Denkweisen. Der Bruch mit der anarchistischen Tradition des Antipolitizismus sowie mit ihren direkt-demokratischen Prinzipien führte in CNT und FAI zu Hierarchiebildung und Absonderung der oberen Entscheidungsgremien von der Mitgliederbasis. Die Regierungsbeteiligung der Anarchisten trug somit zur Restauration und Stärkung des Staatsapparates, mittelbar darüber hinaus zur Liquidierung der Revolution bei.</p>
<p>Nach dem Bürgerkrieg wurden bis 1945 im Landesinneren 10 Nationalkomitees der CNT zerschlagen, bis 1949 waren es 16. An den Guerillaaktionen jener Jahre gegen das Francoregime waren die Anarcho-Syndikalisten führend beteiligt. Den wesentlichen Impuls zum Sturz des Franquismus erwarteten auch sie von den Alliierten. Als deren Unterstützung ausblieb, die Guerillataktik sich als ein Fehlschlag erwies und außerdem ideologische Probleme zwischen Exilführung und den Mitgliedern im Landesinneren auftraten, begann der eigentliche Niedergang der Anarchosyndikalisten. Und als 1945 zwei Anarchosyndikalisten in die Exilregierung Giral eintraten, spaltete sich über diese Frage außerdem die libertäre Bewegung in einen „politischen“ und einen „apolitischen“ Flügel. Bezeichnenderweise war es die innerspanische CNT, die sich für eine breite Zusammenarbeit mit allen antifranquistischen Kräften einsetzte, während die Toulouser Exilführung sich hinter der Bezeichnung Comisión Intercontinental del Movimiento Libertario Español verschanzte, zusehends den Kontakt zur sozialen Realität Spaniens verlor und sich erneut maximalistischen Positionen zuwandte.</p>
<p>In den 50er Jahren erhielt die CNT im Landesinneren kaum mehr Unterstützung von außen. Ihre Strukturen wurden nahezu vollends zerschlagen. Der von libertärer Seite sporadisch fortgesetzte Kleinkrieg fand um 1960, nachdem die letzten Symbolfiguren des bewaffneten Widerstandes (u. a. die Brüder Sabater) hingerichtet worden waren, ein Ende. In den Jahren zuvor hatten sich immer mehr Anarchisten &#8211; enttäuscht von den internen Streitigkeiten, von der Erfolglosigkeit ihrer Anstrengungen, zermürbt von jahrelanger Untergrundtätigkeit und Gefängnishaft &#8211; vom bewaffneten Kampf gegen den Franquismus zurückgezogen.</p>
<p>Obwohl auch in den folgenden Jahren zahlreiche anarchosyndikalistische Gruppen und Organisationen verschiedenster Tendenz bestehen blieben, verfügte die CNT 1975 bei Francos Tod über keinerlei landesweite Organisation, Die eigentliche Neugründung der Gewerkschaft erfolgte im Februar 1976 (noch illegal) durch die Zusammenfassung von drei bis dahin nebeneinander bestehenden Strömungen; den „historischen Anarchisten&#8221;, der „christlichen Tendenz&#8221; und dem „sozialistisch- marxistischen Flügel&#8221;. Diese neue CNT unterschied sich von Anfang an in mehreren Punkten von der traditionellen CNT der Bürgerkriegszeit: Sie war in ihrer ideologischen Zusammensetzung durch die Aufnahme christlicher und marxistischer Elemente bedeutend heterogener. Sie war nicht mehr eine reine Arbeitergewerkschaft, sondern umfasste zu einem nicht unerheblichen Teil auch Studenten, Intellektuelle, Kleinbürger, Bohemiens; und schließlich fehlte in ihr fast völlig die „mittlere“ Generation. Ihre Mitglieder gehörten entweder der „alten Garde“ an oder sie waren zwischen 18 und 25 Jahre alt.</p>
<p>Seit September 1976 lag die organisatorische Zentrale der CNT wieder in Spanien. Da jedoch die CNT-Exilorganisation in Toulouse weiterbestand und neben der „rein“ anarchistischen FAI nach wie vor auf die Strategie der innerspanischen CNT Einfluss zu nehmen suchte, bildete sich ein immer stärker werdender anarchosyndikalistischer Flügel, der jegliche ideologische Majorisierung der CNT durch die Exilorganisation und die FAI entschieden ablehnte. In jenen Jahren bildeten sich zwei Grundpositionen heraus, die nach dem V. Kongress der Gewerkschaft vom Dezember 1979 (Congreso de la Casa de Campo) deutlich hervortraten. Der Kongress führte zur Spaltung der Gewerkschaft in eine „historische“ und eine „erneuerte“ CNT, die sich auf dem VI. Kongress 1983 in Barcelona noch vertiefte. Die „historische&#8221; CNT warf der „erneuerten“ vor, sie sei reformistisch, spalterisch, marxistisch und vertikalistisch; umgekehrt wurde der „historischen CNT“ vorgeworfen, sie sei autoritär-dogmatisch, entferne sich von der Arbeiterbasis und hänge immer noch anachronistischen Vorstellungen der 30er Jahre an. Die Minderheit (CNT Confederal) beteiligte sich 1986 erstmals an Betriebsratswahlen, errang jedoch nur ganz wenige Sitze. Da beide Gruppen Anspruch auf das von der CNT vom Franco-Regime beschlagnahmte Erbe (patri monio sindical) und auf das im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam aufbewahrte Gewerkschaftsarchiv erhoben, kam es zu einer Auseinandersetzung um die Rechtmäßigkeit der Benutzung des Namens CNT, die gerichtlich zugunsten der ersten Gruppe entschieden wurde. Im April 1989 nahm der „erneuerte“ Sektor der CNT den Namen Confederación General del Trabajo (Allgemeiner Arbeiterbund) an; Generalsekretär ist José March. Die CGT verzichtete auf die 248 Millionen Peseten, die der CNT von Gerichten als Entschädigung für die franquistischen Beschlagnahmungen zugesprochen worden waren.</p>
<p>Die „historische“ CNT-AIT verfügt nach eigenen Angaben über 50.000 zahlende Mitglieder und 200 Büros in Spanien; hinzu kommen 2.500 Mitglieder im Ausland. Die anfallenden Arbeiten werden von den Mitgliedern selbst erledigt, es gibt keine angestellten Funktionäre. Die Auflagenhöhe (6.000 &#8211; 8.000) der beiden Organe „Solidaridad Obrera“ (Barcelona, vierzehntägig) und „CNT“ (Madrid, monatlich) zeigt die geringe Bedeutung des heutigen Anarchosyndikalismus in Spanien an. Die CNT bildet heute weder eine dritte parteiunabhängige Gewerkschaft neben UGT und Arbeiterkommissionen noch ist es ihr gelungen, zentralisierender Faktor der alternativen Bewegungen (Ökoszene, Feminismus. Selbstverwaltungsgruppen) und der „Gegenkultur“ zu werden.</p>
<p><strong>Organisation</strong></p>
<p>Die CNT erfuhr innerhalb weniger Jahre nach ihrer Gründung einen enormen Aufschwung. Auf dem Comedia-Kongress von 1919 hatte sie bereits über 715.000 Mitglieder; regionale Schwerpunkte waren Katalonien, Andalusien und Valencia. Im Juni 1931 zählte sie schon wieder knappe 540.000 Mitglieder. In der zweiten Republik erfuhr der Dachverband massiven Zulauf. Im Februar 1936 zählte die CNT ca. 1 Million Mitglieder, im Bürgerkrieg, dürfte sie an die 2 Millionen gehabt haben. Die CNT war ein lockerer Dachverband. Die Konföderation setzte &#8211; sich aus regionalen Gewerkschaftsverbänden zusammen. Sie betonte das Prinzip der Dezentralisierung, die den regionalen Organisationen das fast uneingeschränkte Recht auf Autonomie gewährte. Die Grundeinheit der CNT war die Lokalgewerkschaft, die nach den einzelnen Berufsbranchen in Sektionen aufgeteilt war. Parallel zu dem föderativ-horizontalen Aufbau bestand seit 1937 ein zweites Organisationsprinzip: das der Nationalen Industrieföderationen, das allerdings bis zum Ende des Bürgerkrieges keine entscheidende Rolle mehr spielte.</p>
<p>Im Übergang zur Demokratie erlebte die CNT einen ungeahnten Aufschwung. Im Mai 1978 gab sie die Zahl ihrer Mitglieder mit über 300.000 an, von denen der überwiegende Teil in den klassischen anarchosyndikalistischen Hochburgen Katalonien, Valencia und Andalusien angesiedelt war. In jenen Jahren war die Fluktuation zwischen den Gewerkschaften besonders stark; Mitglieder der sozialistischen UGT und der kommunistischen Arbeiterkommissionen, die die „politische“ .d.h. die auf Parteien orientierte Haltung ihrer Gewerkschaften ablehnten, liefen zur CNT über, die andererseits jedoch gleichzeitig viele Austritte registrierte. Nach der Spaltung der CNT dürfte die Gewerkschaft heute kaum mehr als 70.000 Mitglieder zählen. Der fast gleichzeitig mit dem Wiederaufschwung der CNT erfolgende Niedergang der anarchosyndikalistischen Bewegung hängt sicherlich mit der organisatorischen Schwäche der CNT zusammen, die nach der Zerschlagung ihrer Strukturen durch das Franco-Regime nicht auf bedeutsame Finanzhilfe von Schwestergewerkschaften in der Phase des Neuaufbaus (wie der UGT) zurückgreifen konnte. Führende ehemalige CNT-Mitglieder haben außerdem selbstkritisch darauf hingewiesen, dass das quantitative Anwachsen der CNT 1976/77 zu einem gleichzeitigen Bürokratisierungsprozess der CNT führte, der wiederum Hintergrund für Krise und Niedergang der Gewerkschaft war, dass somit der Anarchosyndikalismus zum Opfer seines zahlenmäßigen Wachstums wurde, das die Selbstnegierung der eigenen Organisationsprinzipien und interne Widersprüche zur Folge hatte, die sich in Ausschlüssen und Verdammungen artikulierten. Die durch den Massenzuwachs an Mitgliedern und das organisatorische Wachstum bedingte Konzentration von Informationen und „Herrschaftswissen“ in den oberen Komitees bewirkte eine Außerkraftsetzung klassischer anarchistischer Organisationsprinzipien: Übergeordnete Komitees koordinierten nicht nur sondern entschieden, der Willensbildungsprozess von unten nach oben funktionierte nicht mehr; das Rotationsprinzip wurde aufgehoben, allmählich entstand eine Arbeiteraristokratie und ein Funktionärskörper, die sich als „Freigestellte“ der realen Arbeitswelt entfremdeten &#8211; ein Bürokratisierungsprozess. den gerade der Anarchosyndikalisimus immer wieder in seiner Geschichte angeprangert hatte.</p>
<p><strong>Programm und Politik</strong></p>
<p>Der spanische Anarchismus hatte von Anfang an sozial und regional zwei Schwerpunkte: den latifundistischen Süden des Landes, in dem der andalusische Agrar- und Handwerkeranarchismus Wurzel schlug, und der relativ industrialisierte Nordosten der Halbinsel, wo sich der katalanische Anarchosyndikalismus durchsetzte. Die andalusischen Tagelöhner wurden schon früh auf einen antiparlamentarischen und antipolitischen Weg gedrängt. Ausgeschlossen von jeglicher politischen Partizipation. gesellschaftlich zu der untersten Schicht gehörig, ihr Dasein am Rande des Existenzminimums fristend, erhofften sie die ihnen vorenthaltenen Rechte nicht von graduellen Verbesserungen, die auf politisch-parlamentarischem Weg erreicht werden sollten, sondern eher von einer plötzlichen sozialen Revolution, in deren Gefolge die lange vermisste Gerechtigkeit Einzug halten würde. Diese Revolution gehörte zentral zum Programm des Anarchismus, der von Anfang an revolutionär-antistaatliche und antikapitalistische Ziele verfocht. Die für die CNT wesentlichen Postulate waren der Föderalismus, der gewerkschaftliche Kampf und die im Generalstreik kulminierende „direkte Aktion“. Neben reformistisch-ökonomischen verfolgte ein Generalstreik immer auch politisch-revolutionäre Ziele: Durch ihn sollten der Staat beseitigt und die Gesellschaft Syndikalistisch organisiert werden. Keimzellen dieser neuen herrschaftsfreien Gesellschaft sollten das selbstverwaltete Munizipium und die Gewerkschaft selbst sein.</p>
<p>Insofern war die CNT sowohl eine Gewerkschaft mit vorerst reformistischer Zielsetzung als auch eine revolutionäre Organisation mit letztlich systemtranszendierender Programmatik. Die Philosophie des täglichen Lebenskampfes, der direkten Aktion (Streik, Boykott, Sabotage), trat neben die Auffassung vom Endkampf und bewaffneten Aufstand. Anarchosyndikalistisches Endziel blieb die „Reorganisation des gesamten gesellschaftlichen Lebens auf der Basis des freien Kommunismus durch die direkte revolutionäre Aktion der Unterdrückten“.</p>
<p>Im Bürgerkrieg war die CNT nicht in der Lage. eine Strategie zu erarbeiten, wie der Krieg geführt und zugleich die proletarisch-soziale Revolution vorangetrieben werden konnte. In ihrer programmatischen Unsicherheit ließen sich die schwankend-unentschlossenen Anarchisten von den straff organisierten und ideologisch starren Kommunisten unter dem Schlagwort der nationalen Verteidigung und des national-revolutionären Krieges gegen den internationalen Faschismus einen politischen Burgfrieden aufnötigen, den sie mangels praktikabler Alternativen akzeptieren mussten. Sie wandten sich schon sehr früh gegen eine vollständige Realisierung ihres „Konzepts des Freiheitlichen Kommunismus“ und ließen an die Stelle der auf dem Zaragoza-Kongress (1936) manifestierten „revolutionären Ungeduld“ eine kooperationsfreudige Haltung treten, die zwar von der realistischen Einsicht in die Notwendigkeit des militärischen Sieges diktiert war und in der „Politisierung“ der Anarchisten ihren Niederschlag fand, infolge der geringen theoretischen Vorbereitung von CNT und FAI auf die nachrevolutionäre Gesellschaft und ihre Organisationsformen jedoch nicht nur zur faktischen Aufgabe des libertären Endziels eines herrschaftsfreien Kommunismus, sondern darüber hinaus zur wirtschaftlichen Marginalisierung und politischen Ausschaltung des organisierten Anarchismus führte.</p>
<p>Die heftigen inner anarchistischen Auseinandersetzungen um die Regierungsbeteiligung waren Ausdruck der Fraktions- und Flügelbildungen innerhalb von CNT und FAI. Das Auseinanderklaffen zwischen Theorie und Praxis, das schließlich zum politischen Scheitern der Anarchisten im Bürgerkrieg führte, hatte bereits zu Beginn des Jahrhunderts zu revisionistischen Tendenzen und ideologisch-organisatorischer Aufsplitterung geführt. Neben dem „klassischen“ Anarchosyndikalismus trat rechts eine reformistisch-politische Tendenz, die in begrenztem Umfang eine Reformpolitik unter den gegebenen kapitalistischen Verhältnissen befürwortete (z.B. Salvador Seguí, in abgewandelter Form auch Angel Pestaña), und links eine „anarchobolschewistische“ Richtung, die die Schaffung einer revolutionären Macht mit straffer Disziplin und den erforderlichen Apparaten (Exekutivkomitee etc.) befürwortete (z. B. Juan García Oliver). Diese Gruppierungen erfuhren während des Bürgerkrieges noch eine weitere Ausdifferenzierung und ließen damit die Heterogenität der anarchistischen Organisation, ihren Mangel an Einheitlichkeit und Schlagkraft und somit letztlich einen der Hauptgründe für ihren Untergang erkennen.</p>
<p>Die internen Divergenzen blieben auch nach 1939 bestehen und wurden 1975 derart verstärkt, dass es erneut zur Spaltung der Gewerkschaft kam; diese Spaltung war einer der Hauptgründe, die zum Niedergang und zur Existenzkrise der CNT führten. Die große Verweigerungsstrategie der „orthodoxen“ CNT nach 1975 erwies sich als unfähig, breitere Massen anzulocken &#8211; vor allem die Verweigerung gegenüber den grundlegenden Entscheidungen der Demokratisierung: Teilnahme an politischen und Betriebsrats wählen, Sozialpakte. konstitutioneller Konsens über die Parlamentarische Monarchie. Angesichts ihrer internen und externen Krisen verblasste auch das historische Ansehen der CNT, Vorkämpferin für Arbeiter- und Bauernforderungen zu sein. Das Gefangensein der CNT in ihrer Anti-Wahlhaltung der 30er Jahre (in denen unter historisch anderen Bedingungen diese Anti-Strategie durchaus Erfolge erzielen konnte), ohne effiziente Alternativen für den Übergang von einer Diktatur zur repräsentativen Demokratie zu bieten, wirkte auf die Masse der Bevölkerung nicht als überzeugendes Programm. Keine Radikallösungen waren gefragt, sondern Reformen, an denen der Spanier durch Stimmenabgabe partizipieren wollte.</p>
<p><strong>Charakterisierung</strong></p>
<p>Alle libertären Autoren, die sich selbstkritisch mit ihrer Bewegung und deren Rolle in den sozialen Auseinandersetzungen im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigt haben, weisen auf die mangelnde Übereinstimmung der verschiedenen Flügel des Anarchismus in wesentlichen programmatischen Fragen hin. Inneranarchistische Auseinandersetzungen und fehlender Konsens in wichtigen Fragen lassen sich bis in die Anfänge der Bewegung zurückverfolgen. Die unterschiedlichen Strategien wiederum sind auf den Entstehungszusammenhang der Bewegung zurückzuführen. Der spanische Anarchismus wurde zwar mit seiner Betonung der Individualität und Autonomie des Arbeiters sehr schnell die geistige Heimat verschiedener sozialer Gruppen; es gelang ihm jedoch nicht, die als Folge ungleichmäßiger Entwicklung zwischen Industriezentren und Agrarregionen auftretenden verschiedenartigen Interessen des Industrie- und des Landproletariats in einer gemeinsamen Strategie überzeugend zu bündeln. Die Differenziertheit innerhalb der anarchistischen Bewegung war deren Stärke und zugleich ihre Schwäche. Besonders deutlich wurde dies an der Entwicklung der CNT im Bürgerkrieg. Die Flügelbildungen und Spaltungstendenzen haben auch der CNT nach 1975 mehr geschadet als geholfen. Ob der rapide Niedergang der CNT nach 1977 allerdings primär auf (Fehl-) Entscheidungen einzelner Personen zurückzuführen ist oder ob in einem hochindustrialisierten Staat kein Raum mehr für eine anarchistische Massenorganisation ist, wird die Entwicklung der kommenden Jahre erweisen.</p>
<p><em>Autor: Walther L. Bernecker</em></p>
<p><strong>Literatur und Quellen</strong></p>
<ul>
<li> Walther L. Bernecker: Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der sozialen Revolution in Spanien 1936-1939, Hamburg 1978</li>
<li>Ders./J. Hallerbach: Anarchismus als Alternative, Berlin 1986</li>
<li>J. Gómez Casas: EI relanzamiento de la CNT 1973- 1979. Con un epílogo hasta la primavera de 1984, Paris 1984</li>
<li>Die libertäre Bewegung in Spanien. Mit Beiträgen von A. Souchy u.a.; Bremen ohne Jahrgang</li>
<li>C. M. Lorenzo: Los anarquistas españoles y el poder 1868 -1969, Paris 1969.</li>
</ul>
<p><em>Quelle: <a href="http://dadaweb.de/wiki/Confederaci%C3%B3n_Nacional_del_Trabajo_%28CNT%29" target="_blank">DadA-Web</a></em></p>
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