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Verbrechen israelischer Soldaten

Die Leute zum Sprechen bringen

von Dalia Karpel

15.10.2007 — ZNet / Ha’aretz

„Wir – israelische Soldaten – wurden dorthin versetzt, um die Palästinenser zu bestrafen“, sagt Ilan Vilenda, ein israelischer Soldat, der während der Ersten Intifada in Rafah stationiert war.

Ilan und 20 andere israelische Soldaten haben der Psychologin Nofer Ishai-Karen ein Interview gegeben und ließen sogar ihre Namen veröffentlichen.

Die Soldaten sprachen so offen mit ihrer Interviewerin Nofer, weil sie mit ihr vor 20 Jahren im selben Zug gedient hatten – dem ASHBAL-Platoon. In den Interviews sprechen die Soldaten über ihre innersten Gefühle und über schreckliche Verbrechen, an denen sie beteiligt waren: palästinensischen Kindern die Knochen brechen, Morde, Entwürdigungen, Zerstörung fremden Eigentums, Raub und Diebstahl.

Aussage Soldat A: „Wir beschlossen, eine alte Dusche in unserer Basis vorübergehend als Gefängniszelle zu nutzen. Sie brachten einen Palästinenser herein. Er hatte Handschellen und ein Klebeband auf seinem Mund, so dass er weder sprechen noch sich rühren konnte. Wir haben ihn dort drei Tage vergessen…“

Aussage Soldat B: „Es war meine erste Patrouille. Einige schossen einfach wie wild herum. Ich fing an, zu schießen wie sie. Sie ‚machten mich heiß‘. Ich nahm meine Waffe und schoss. Es gab niemanden, der mir etwas anderes sagte“.

Die Psychologin Ishai-Karen war geschockt über die Glücksgefühle der Soldaten – „vergiftet durch (ein Gefühl der) Macht“, wie sie es nennt. Die Gewalt machte ihnen Freude. „Die meisten, die ich interviewt habe, hatten während ihres Besatzungsdienstes Spaß an der von ihnen selbst provozierten Gewalt“.

Aussage Soldat C: „Die Wahrheit ist, ich liebe dieses Chaos – ich liebe es. Es ist, wie eine Droge. Wenn ich nicht mindestens einmal pro Woche nach Rafah kam, um irgendwelche Aufstände niederzuschlagen, wurde ich zum Berserker“.

Aussage Soldat D: „Das Großartige ist, dass man kein Gesetz und keine Ordnung über sich hat. Man hat das Gefühl, ich bin SELBST DAS GESETZ. Du bist derjenige, der entscheidet. Sobald du in den Besetzten Gebieten bist, BIST DU GOTT.“

Emotionale Abstumpfung

Aussage Soldat E: „Wir fuhren in einem APC (gepanzerter Personentransporter) durch Rafah. Ein 25jähriger Mann ging vorbei. Er tat nichts, er warf keine Steine, nichts. Völlig grundlos schoss X ihm in den Magen. Wir ließen ihn auf dem Bürgersteig liegen“.

Aussage Soldat F: „Einige der „harten Jungs“ entwickelten die ‚Ideologie‘, schon bei Kleinigkeiten müsse brutal reagiert werden. Eine Frau warf eine Sandale nach mir. Daraufhin trat ich ihr mit dem Fuß in den Unterleib. Ich habe sie gebrochen, sie kann jetzt keine Kinder mehr bekommen. Das nächste Mal wird sie sich überlegen, Sandalen nach mir zu werfen… Eine andere Frau spuckte mich an. Ich schlug ihr mit dem Gewehrkolben ins Gesicht. Die kann nicht mehr spucken“.

Aussage Soldat G: Er beschreibt, wie er das erste Mal gewaltsam in ein fremdes Heim eindrang, um die Festnahme eines Palästinensers vorzunehmen: „Es handelte sich um einen wirklich großen Kerl, ungefähr 30 Jahre alt. Er wollte nicht verhaftet werden. Wir schlugen ihn, brachten ihn aber nicht zu Boden. Einige Leute kamen und bewarfen uns mit Steinen. Wir schlugen ihn und sagten, er solle sich hinlegen. Endlich tat er es. Wir fuhren mit ihm zur Basis. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits das Bewusstsein verloren. Einige Tage später starb er“.

Nofer Ishai-Karen: „Einige der Unteroffiziere ermutigen die Soldaten sogar zu brutalen Vorgehen und gingen ihnen mit schlechtem Beispiel voran“.

Aussage Soldat H: „Nach zwei Monaten in Rafah kam der neue Kommandeur, ein Unteroffizier (NCO). Um 18 Uhr startete die erste Patrouille unter seiner Leitung. In Rafah herrschte Ausgangssperre, keiner war unterwegs. Dann sah er einen kleinen Jungen, ungefähr 4 Jahre alt. Er spielte im Hof seines Elternhauses im Sand. Das Kind baute eine Sandburg. Plötzlich lief der NCO los. Es handelte sich um einen aus dem Ingenieurs-Korps. Er jagte das Kind. Wir folgten.

Er fing das Kind ein und brach ihm den Ellenbogen. Er brach ihm den Ellenbogen! Verdammt soll ich sein, wenn ich lüge. Dann trat der NCO dreimal auf den Bauch des Kindes, bevor er weiterging. Wir trauten unseren Augen nicht… Aber als wir am nächsten Tag wieder mit diesem NCO auf Patrouille waren, fingen die Soldaten an, ihn nachzuahmen“.

Wie ging die Sache weiter? Einigen war es auf den Magen geschlagen. Dann passierte die Sache mit den drei Jugendlichen, die massiv misshandelt wurden. Ein Staff Sergeant hatte sie an Händen und Füßen gefesselt. Die Soldaten mit dem Gewissen alarmierten einen vorgesetzten Offizier.

„Als die Sanitäter eintrafen, bluteten die Jungs schon überall, ihre Kleidung war blutdurchtränkt. Sie zitterten vor Angst. Man hatte sie gezwungen, die Position eines Hundes einzunehmen, sie hatten Angst, sich zu rühren“.

Der NCO wurde zu drei Monaten Haft verurteilt. Aber sein Zugführer stellte sich hinter ihn und degradierte die Soldaten, die Gewissen bewiesen hatten: Sie hätten ihren „Platoon entehrt“.

Nofer Ishai-Karen sagt: Der heiligste Wert, der in der (israelischen) Armee gilt, ist „Solidarität zwischen den Kämpfern“, Loyalität gegenüber den Kameraden im Kampf. Der Zug verteidigt seine Geheimnisse – wie eine Familie ihre ’schwarzen Schafe‘ schützt. Die Soldaten mit Gewissen gelten als „Verräter“, so Ishai-Karen. Die Vertuschung war komplett, als unser ‚gute Junge‘ vom gesamten Zug exkommuniziert und geschnitten wurde. Und was ist aus dem Unteroffizier geworden? Er wanderte in die USA aus und lebt heute noch dort. Die meisten Soldaten dieses Zuges haben Israel inzwischen verlassen. Nur fünf oder sechs leben noch hier.

Nofers Studien befassen sich mit zwei Platoons: dem ESHBAL und dem ESHKHAR. Letzterer war gewalttätiger, sagt Nofer.

Zurück zu Ilan Vilenda. Er war als Einzige dieser ehemaligen Soldaten dazu bereit, seinen vollen Namen zur Veröffentlichung freizugeben und sich ablichten zu lassen. Vilenda war damals Staff Sergeant gewesen, verantwortlich für „Operationen“.

Ilan Vilendas Aussage: „Unser Job war es, sie zu schlagen… Ich persönlich habe einen Jungen geschlagen – und noch einen. Ich nahm dazu meine Hand oder einen Schlagstock. (Palästinensische) Erwachsene wurden härter geschlagen. Wir führten uns auf wie Polizisten, waren aber keine. Ich erinnere mich an einen Palästinenser mit einem Fernseher im Haus. Die Fußball-WM war eingeschaltet. Wir nutzten unser Eindringen in seine Privatsphäre, um uns Fußball anzugucken. Nach einer Weile hatte er die Schnauze voll. Er sagte, nehmt den Fernseher und geht.

Ich wurde in einem Kibbutz geboren. Unsere Familienwerte bestanden aus einem ‚linken, humanen Zionismus‘. Die Palästinenser schmissen Steine auf uns, tonnenweise. Zuerst verhielt ich mich – aufgrund meiner ideologischen Überzeugungen -, zurückhaltend, aber mein Zorn wuchs immer mehr, bis ich meiner Gewalt ihren Lauf ließ. Es sollte wohl so sein. Wir waren dort, um sie (die Palästinenser) bezahlen zu lassen. Auch meine politische Überzeugung hat sich gewandelt. Heute unterstütze ich die extrem rechte Partei der Nationalreligiösen.“

Nach seiner Entlassung aus der Armee wurden Vilenda und fünf weitere Israelis in Goa (Indien) mit LSD erwischt, das sie bei sich trugen und verhaftet.

„Ich wollte meinem Land dienen. Es war meine Aufgabe… Aber die gesamte Israelische Armee (IDF) führt illegale Befehle aus“, sagt er.

Wer ist verantwortlich?

General Matan Vilna’i (heute Stellvertretender Israelischer Verteidigungsminister unter Verteidigungsminister Ehud Barak) war während der Ersten Intifada Chef des Southern Command der Israelischen Streitkräfte (IDF).

„Er hat unseren Platoon oft besucht und mit den Soldaten diskutiert“, so Nofer. „Aber so ist es nunmal… die ‚Verdrängungs- und Verheimlichungsmechanismen‘ haben funktioniert…“

Hinzu kam, dass die Israelische Armee die Unit nicht regelmäßig trainierte. Die Soldaten bekamen auch keinen regelmäßigen Urlaub. Sie hatten zu wenig Freizeit, um sich erholen und regenerieren zu können. Die interviewten Soldaten sagten, je länger sie gegen die Palästinenser in Rafah vorgegangen seien – ohne Heimaturlaub – desto gewalttätiger seien sie geworden und hätten ihre Art von ‚Recht und Gesetz‘ durchgeboxt. Sie behaupten:

„Die Armee(-Kommandeure) waren sich bewusst, dass es eine Erosion in Richtung Gewalttätigkeit gab. Sie ermutigten dies, um ihre Manpower zu schützen“.

Anmerkung

General Matan Vilna’i muss gewusst haben, was vor sich ging, zumal hochrangige Offiziere in der Besetzten Westbank ähnliche Warnungen, in Bezug auf das Verhalten der Israelischen Armee, geäußert hatten. „Die Befehle ließen viel Raum, Spielraum… man hatte bewusst eine unklar definierte ‚Grauzone‘ geschaffen, die brutales Verhalten von Soldaten ermutigte“, so Frau Oberst der Reserve Elisha Shapira, die zur gleichen Zeit in der Region von Nablus stationiert war. Man sagte den Soldaten, „schlagt die Palästinenser nicht – aber wenn ihr sie zum Verhör bringt, sollte ihr ‚Kopf schon etwas angeschwollen‘ sein und zusammengeschlagen“.

Die von Nofer Ishai-Karen recherchierten Ereignisse, haben sich vor 17 Jahren zugetragen. Seither ist die Situation noch schlimmer geworden. Heute brüsten sich Generäle der Israelischen Armee öffentlich für Racheaktionen gegen palästinensische Zivilisten. Generalmajor Eliezer Shkeidi verkündet stolz, seine Piloten durchbrächen über Gaza die Schallmauer – was einen lauten Knall verursacht und kleine Kinder extrem traumatisieren kann (PTSD-Syndrom) und sogar zu Fehlgeburten geführt hat. In letzter Zeit wurden palästinensische Häuser wahllos mit Granatfeuer angegriffen, wobei es viele Tote gab, darunter auch etliche Kinder. Und zu (nicht) guter Letzt: Das israelische Kabinett hat die Kappung der Versorgung Gazas mit Elektrizität und Treibstoff angekündigt – mit Rückendeckung aus Washington.

Anmerkungen der Ha’aretz

– Der vorliegende Artikel von Dalia Karpel (Originaltitel: ‚Hamedovevet‘) ist die gekürzte Version eines Artikel für die Beilage der Hebrew Weekend vom 21. September 2007. Der Artikel beruht auf wissenschaftlichen Forschungen von Nofer Ishai-Karen und Joel Elizur (Professor für Psychologie) von der Hebrew University. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden im ALPAYIM Magainze Vol. 31 veröffentlicht.

– Dieser Artikel ist nicht in der englischsprachigen Ausgabe der Ha’aretz erschienen.

– Prof. Joel Elizur von der Hebrew University (siehe oben) war Nofer Ishai-Karens Doktorvater. Er selbst diente als Reservist im Department für Mentale Gesundheit der Israelischen Armee. Die Armee verwehrte es ihm, Studien zu Gewalt bei israelischen Soldaten zu betreiben. Die beiden Forscher werden das (akustische) Rohmaterial der durchgeführten Interviews aufbewahren.

– Nach meinem Kenntnisstand hat die Israelische Armee noch nie einen ihrer Soldaten wegen Misshandlung oder Mord an Palästinensern vor ein reguläres Gericht gestellt.

Orginalartikel: The one who makes people talk Übersetzt von: Andrea Noll

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